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Fallstudie 11: Plastro oHG in:

Ernst Troßmann, Alexander Baumeister, Clemens Werkmeister

Fallstudien im Controlling, page 190 - 201

Lösungsstrategien für die Praxis

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4570-1, ISBN online: 978-3-8006-4571-8, https://doi.org/10.15358/9783800645718_190

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183 Fallstudie 11: Plastro oHG Fallstudie 11: Plastro oHG Preisentscheidungen bei Kuppelproduktion Problembeschreibung: Die Plastro oHG betreibt seit vielen Jahren eine Produktionsanlage, mit der man vollautomatisch ein besonders flauschiges textilartiges Gewebe herstellen kann. Die Einsatzmaterialien bestehen zum größten Teil aus einem bestimmten Kunststoffgranulat sowie einem geringen Teil Baumwolle. Die Produktionsanlage ist zwar recht alt, arbeitet aber noch in der ursprünglichen Qualität. Aus technischen Gründen kann das Gewebe nur in sehr ungünstiger Abmessung produziert werden. Daher wurde im Automat ein Zerteilungsmechanismus integriert, der aus der Gewebefläche eines Arbeitsganges drei Arten von handlicheren Stücken zuschneidet. Das Aufteilungsverhältnis einer Mengeneinheit des Grundgewebes in die drei Zwischenproduktarten ist dabei starr. Eine Änderung dieser Aufteilung käme einer Zerstörung der gesamten Anlage gleich, so dass eine starre Kuppelproduktion vorliegt. Die drei Zwischenproduktarten lassen sich wie folgt charakterisieren: Zum einen handelt es sich um Teilstücke, die zu Bettdecken (Oberdecken) weiterverarbeitet werden können. Hiervon fallen pro Grundgewebe-Einheit zwei Exemplare an. Zum zweiten handelt es sich um ein etwas schmaler geschnittenes Teilstück, das zu einem Unterbett weiterverarbeitet werden kann. Hiervon fällt pro Mengeneinheit lediglich ein Exemplar an. Schließlich entstehen pro Einheit des Grundgewebes vier Reststücke, die zu Nackenstützen weiterverarbeitet werden können. Alle Zwischenprodukte müssen nach Verlassen des beschriebenen Automaten auf der gleichen Nähanlage weiterverarbeitet werden. Dies liegt darin begründet, dass die Gewebeverflechtung des vorliegenden Natur-Kunststoff-Mischgewebes nur sehr oberflächlich ist. Daher müssen die nach dem Zerteilen entstandenen Schnittkanten vernäht werden, um ein Auflösen des gesamten Gewebes zu verhindern. Nach einigen abschließenden Appretur-Behandlungen liegen jeweils verkaufsfähige Produkte vor. Die gesamte Kollektion wird unter dem Namen PLASTRO-Betten zum Verkauf angeboten. Im einzelnen handelt es sich um folgende Endfabrikate: PLASTRO-Oberbett einfach; PLASTRO-Oberbett doppelt (hierzu werden zwei Oberbett-Zwischenproduktteile zusammengenäht, so dass eine besonders dicke und flauschige Bettdecke entsteht); PLASTRO-Unterbett; PLASTRO-Nackenstütze (aus vier Reststücken lassen sich dabei zehn Nackenstützen gewinnen). 184 V. Preismanagement In der Weiterverarbeitung der Zwischenprodukte für die Oberbetten besteht also die Möglichkeit, jeweils ein solches Zwischenprodukt zu einer PLASTRO- Oberdecke einfach weiterzuverarbeiten oder jeweils zwei davon zu einem Exemplar einer PLASTRO-Oberdecke doppelt einzusetzen. Eine weitere Produktionsalternative besteht in der Weiterverarbeitung der Reststücke, die als Zwischenprodukte für die Nackenstützen vorgesehen sind. Anstelle des Verkaufs kann man nämlich diese Teile auch direkt der Müllhalde übergeben. Allerdings müssen dazu vorher verschiedene Chemikalien ausgewaschen werden. Um zu vermeiden, dass die hierzu benutzte Waschanlage durch die ausgelösten Gewebeteile verstopft, müssen auch die für den Müll vorgesehenen Reststücke zunächst an den Rändern grob vernäht werden. Zusätzlich müssen die Reststücke noch auf eine bestimmte Maximalbreite abgenäht werden, da sie das Förderband der Waschanlage nicht überragen dürfen. Für die Vernichtung eines Reststückes fallen insgesamt 15 Minuten Verarbeitungszeit an; die Kosten für die Vernichtung liegen einschließlich der chemischen Auswaschung bei 20 € je Reststück. Der Absatz der PLASTRO-Betten hat im Vergleich zu früher nachgelassen. Man bemüht sich daher, die Produktion unter Kosten- und Deckungsbeitragsgesichtspunkten genauer zu untersuchen. Hierzu sind folgende Daten bereits erfasst worden: PLASTRO- Oberbett einfach PLASTRO- Oberbett doppelt PLASTRO- Unterbett PLASTRO- Nackenstütze Kosten der Weiterverarbeitung pro Stück 20 € 40 € 30 € 8 € Verarbeitungszeit pro Stück 4 Min. 28 Min. 12 Min. 4 Min. Netto-Verkaufspreis 95 € 210 € 40 € 10 € maximale Absatzmenge im Planungszeitraum 80 Stk. 150 Stk. 300 Stk. 1.000 Stk. Das pro Arbeitsgang des Produktionsautomaten entstehende und später zerteilte Grundgewebe verursacht Material- und Fertigungs-Einzelkosten in Höhe von 60 € pro Mengeneinheit. Die Einzelkosten der einzelnen PLASTRO-Produkte sind der obenstehenden Tabelle zu entnehmen. In ihr ist auch die Weiterverarbeitungszeit auf der Nähanlage genannt, von der im Planmonat lediglich 250 Stunden zur Verfügung stehen. Ebenfalls aufgeführt sind die geltenden Verkaufspreise sowie die maximalen Absatzmengen, die gemäß einer verlässlichen Prognose von den einzelnen PLASTRO-Betten-Produkten abgesetzt werden könnten. Die geschilderte Produktion wird von den beiden Brüdern Anton und Paul Plastro betrieben. Sie wollen bei den gegebenen Mengen- und Wertgrößen ihre Produktion und ihren Absatz optimieren. Anton hat einige Semester studiert, ist jedoch bei vielen Vorlesungsstunden nicht bis zum Schluss geblieben. Paul hingegen hat sich dem Literaturstudium gewidmet, allerdings vorwiegend die leicht lesbaren Passagen ausgewählt. Beide sind somit nicht ganz sicher, wie im vorliegenden Fall vorgegangen werden soll. 185 Fallstudie 11: Plastro oHG Anton Plastro schlägt folgendes Verfahren vor: Er definiert ein sogenanntes Produktpäckchen A. Es besteht aus einem PLASTRO-Oberbett doppelt, einem PLASTRO-Unterbett, sowie zehn PLASTRO-Nackenstützen. Ein solches Produktpäckchen müsse man insgesamt betrachten, so sagt er, da es auch gemeinsam produziert werden könne. Er vertritt die Meinung, man müsse noch weitere, anders zusammengesetzte Päckchen definieren und daraus das optimale Produktionsprogramm zusammensetzen. Paul Plastro schlägt demgegenüber vor, ein lineares Planungsmodell für den gesamten Problembereich zu formulieren. Aus dessen Lösung könne dann das optimale Produktionsprogramm entnommen werden. Dem hält Anton entgegen, diesen Umweg könne man vermeiden. Im vorliegenden Fall sei ja nur eine einzige Kapazität, nämlich die der Nähanlage, beschränkt. Deshalb könne man vorgehen wie im Falle der Produktionsprogramm-Optimierung einzelner Produktarten bei einem einzigen Engpass. Dort verwendet man die Methode des Deckungsbeitrages pro Engpasseinheit. Auf die gleiche Weise müsse man hier vorgehen, jedoch anstelle einzelner Produktarten die definierten Produktpäckchen verwenden. Aufgabenstellung zu Fallstudie 11 (Plastro oHG): Aufgabe 1: Produktionsstruktur bei Kuppelproduktion Stellen Sie in einer übersichtlichen grafischen Darstellung (z. B. netzwerkartig) die mengenmäßige Produktionsstruktur im vorliegenden Fall dar. Aufgabe 2: Deckungsbeitragsermittlung für Kuppelprodukte (a) Definieren Sie nach dem Vorschlag von Anton weitere sinnvolle Produktionspäckchen nach eigener Wahl. Überlegen Sie, wie viele solcher Päckchenarten zur Erfassung der gesamten Produktionsmöglichkeiten notwendig sind. Auch wenn Sie der Meinung sind, es sollten mehr sein, begnügen Sie sich in jedem Fall mit maximal fünf solcher Päckchen. (b) Berechnen Sie für das von Anton Plastro angeführte Produktpäckchen A und die weiteren von Ihnen definierten Produktpäckchen den Deckungsbeitrag pro Päckchen sowie die Kapazitätsbelastung auf der Nähanlage pro Päckchen. Aufgabe 3: Absatz- und Produktionsprogrammplanung (a) Führen Sie eine Produktionsprogrammplanung nach dem Vorschlag von Anton durch. Verwenden Sie dabei die von Ihnen gebildeten Päckchen- 186 V. Preismanagement arten und beschränken Sie sich auf die von Ihnen festgestellte Mindestzahl von Päckchenarten (in jedem Fall aber maximal fünf). (b) Formulieren Sie das von Paul Plastro geforderte, lineare Planungsmodell für den vorliegenden Fall und lösen Sie es. Gehen Sie hier und im Weiteren zur Vereinfachung davon aus, dass Ganzzahligkeitsbedingungen nicht zu berücksichtigen sind. (c) Klären Sie, welcher der beiden Plastro-Brüder recht hat. Genügt es im vorliegenden Fall, eine Produktionsplanung mit Hilfe relativer Deckungsbeiträge durchzuführen oder ist doch ein linearer Planungsansatz erforderlich? Aufgabe 4: Break-even-Berechnung für Marketingmaßnahmen Ein Absolvent der Universität Hohenheim hat das Problem der Plastro-Brüder untersucht und folgende Lösungsmöglichkeit vorgeschlagen: Die Absatzstrategie wird völlig geändert. Künftig werden die Bettenprodukte unter der Bezeichnung BIODECKE RHEUMEX-GARANT LUXUS mit hohem Naturwollanteil, 10 Jahre Garantie auf die Imprägnierung angeboten. Der Verkauf erfolgt ausschließlich auf Werbeverkaufsveranstaltungen im Zusammenhang mit einer sogenannten Kaffeefahrt. Jeder Teilnehmer an einer solchen Fahrt zahlt einen Kostenbeitrag von nur 7 €. Er erhält dafür, gemäß der Ankündigung auf vorher verteilten Handzetteln, ein halbes Pfund gesunde und kräftige Hohenheimer Land-Biobutter, einen großen Bauernkipf, ein Vorratsstück saftigen Schinkens sowie ein wertvolles Überraschungsgeschenk. Außerdem sind im Fahrpreis inbegriffen: eine Tasse köstlichen Bohnenkaffees sowie ein großes Stück frischer Torte nach Gutsherrenart. Die Teilnehmer fahren zunächst durch eine landschaftlich reizvolle Gegend, erhalten dann die Möglichkeit eines Besuches der Hohenheimer Universitätsbibliothek (ohne Aufpreis). Im Anschluss daran gibt es Kaffee mit Kuchen und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Werbeverkaufsveranstaltung. Erst danach werden die zugesagten Geschenke verteilt. Die Kosten für die verteilten Waren setzen sich pro Gast wie folgt zusammen: Kaffee und Kuchen: 3,00 € Butter: 2,00 € Brot: 2,00 € Schinken: 3,00 € gepresste Glasplatte mit kleinen Fehlern (Überraschungsgeschenk): 4,50 € Für jede Werbefahrt müssen ferner für den Bus 1.000 €, für das Drucken und Verteilen der Handzettel 200 € sowie für Trinkgelder 25 € gerechnet werden. Über den Gegenstand der Werbung werden die Teilnehmer vorher nicht unterrichtet. Eine eigens dafür ausgebildete Kraft wird etwa zwei Stunden über 187 Fallstudie 11: Plastro oHG die Vorteile einer Wollfüllung für Bettdecken im Vergleich zu Federnfüllungen sprechen und dies mit verschiedenen Beispielen erläutern. Danach wird ein Oberbett der Marke BIODECKE RHEUMEX-GARANT LUXUS angeboten. Dabei handelt es sich um das bisher als PLASTRO-Oberbett doppelt verkaufte Produkt. Die Kunden werden insbesondere auf die zweifache Lage des Wollgewebes hingewiesen. Der Preis beträgt 799 €. Nur ein sofortiger Kauf ist möglich. In diesem Falle erhält der Käufer ein Unterbett, Marke BIODECKE RHEU- MEX-GARANT LUXUS mit hohem Naturwollanteil kostenlos dazu, ferner als einmaliges Sonderangebot weiterhin kostenlos noch zehn Exemplare der Bio- Nackenstütze der Marke RHEUMEX-GARANT LUXUS. Es ist klar, um welche Produkte es sich bei diesem Pack handelt. Berechnen Sie, wie viele erfolgreiche Verkäufe dieser Art pro Werbefahrt notwendig sind, damit sich die Fahrt lohnt. Gehen Sie davon aus, dass an einer Werbefahrt 50 Personen teilnehmen und dass für die Werbeverkäuferin eine Provision von 349 € pro verkauftem Pack anfällt. Aufgabe 5: Preisgrenzenbestimmung (a) Auf den Vorschlag der Werbeverkaufsfahrt gehen die Plastro-Brüder zunächst nicht ein. Bei Verkauf nach bisheriger Art wird die Kapazitätsgrenze der Nähanlage wirksam. In nächtelanger Tüftelei haben die beiden Brüder dafür einen Opportunitätskostensatz von 0,25 € pro Minute der Nähanlage berechnet. Erläutern Sie, was ein solcher Opportunitätskostensatz aussagt und errechnen Sie ihn mit Hilfe des Lösungstableaus aus Aufgabe 3. (b) Bei der gegenwärtigen Verkaufsstrategie der Plastro-Brüder stellt sich heraus, dass die Nackenstützen nicht in hinreichend großer Menge nachgefragt werden. Man interessiert sich deshalb für die Preisuntergrenze. Gehen Sie davon aus, dass der Opportunitätskostensatz von 0,25 € pro Minute für die Nähanlage zutrifft. Wo liegt dann die Preisuntergrenze für die Nackenstütze? (c) Eine genauere Analyse der Daten hat die Plastro-Brüder dazu gebracht, künftig ihre Produkte ausschließlich in Werbeverkaufsveranstaltungen der oben geschilderten Art abzusetzen. Die Nachfrage auf diesen Veranstaltungen ist so groß, dass teilweise interessierte Kunden abgewiesen werden müssen. Jeder andere Direktverkauf der Ober- und Unterbetten wird daher ausgeschlossen. Allerdings werden von den Käufern die kostenlos beigegebenen Nackenstützen nicht immer akzeptiert. Die Erfahrung zeigt, dass jede fünfte Nackenstütze ersatzlos zurückgegeben wird. Gehen Sie davon aus, dass die Vernichtung einer bereits produzierten Nackenstütze zusätzlich zwei Minuten auf der Produktionsanlage beansprucht und zusätzliche Kosten in Höhe von 5 € je Stück verursacht. Die Plastro-Brüder denken daran, die zurückgegebenen Nackenstützen separat anzubieten. Wie hoch liegt die Preisuntergrenze für den Verkauf solcher Nackenstützen? 188 V. Preismanagement Lösungshinweise zu Fallstudie 11 (Plastro oHG): Aufgabe 1: Produktionsstruktur bei Kuppelproduktion Bei der Aufteilung des Grundgewebes liegt eine starre Kuppelproduktion vor, für welche die Aufteilungsverhältnisse in Klammern angegeben sind. Die eine Kuppelproduktion bestimmende prozessbedingte Divergenz ist durch Doppelbögen gekennzeichnet. Bei der Weiterverarbeitung der Zwischenprodukte stehen Entscheidungsmöglichkeiten offen, die hier zu einer programmbedingten Divergenz führen. Für diese sind entsprechende Produktionskoeffizienten als Input-Output-Verhältnis angegeben. Aufgabe 2: Deckungsbeitragsermittlung für Kuppelprodukte Päckchen A B C D Päckchenzusammenstellung: Oberbett einfach 2 Stk. 2 Stk. Oberbett doppelt 1 Stk. 1 Stk. Unterbett 1 Stk. 1 Stk. 1 Stk. 1 Stk. Nackenstütze 10 Stk. 10 Stk. vernichtete Reststücke 4 Stk. 4 Stk. Während bei der Grundgewebeaufteilung aufgrund der Eigenschaften der vorhandenen Produktionsanlage kein Entscheidungsspielraum offensteht, sind bei der Weiterverarbeitung der Stoffe zwei einfache Entscheidungsmöglichkeiten mit je zwei Alternativen gegeben. Insgesamt lassen sich somit 2 ⋅ 2 = 4 Grundpäckchen definieren, aus denen sich durch Linearkombination sämtliche Päckchenzusammenstellungen, die bei gleicher Grundgewebemenge möglich sind, erzeugen lassen. Dabei ist nach gegebener Grund- (a) 189 Fallstudie 11: Plastro oHG stoffmenge auf die Ganzzahligkeit der entstehenden Produktionsmengen zu achten. Päckchen A B C D Erlöse: Oberbett einfach 190 € 190 € Oberbett doppelt 210 € 210 € Unterbett 40 € 40 € 40 € 40 € Nackenstütze 100 € 100 € Päckchenerlös 350 € 330 € 250 € 230 € Kosten: Verbundkosten 60 € 60 € 60 € 60 € Oberbett einfach 40 € 40 € Oberbett doppelt 40 € 40 € Unterbett 30 € 30 € 30 € 30 € Nackenstütze 80 € 80 € vernichtete Reststücke 80 € 80 € Päckchenkosten 210 € 210 € 21 € 210 € Päckchendeckungsbeitrag 140 € 120 € 40 € 20 € Verarbeitungszeiten: Oberbett einfach 8 Min. 8 Min. Oberbett doppelt 28 Min. 28 Min. Unterbett 12 Min. 12 Min. 12 Min. 12 Min. Nackenstütze 40 Min. 40 Min. vernichtete Reststücke 60 Min. 60 Min. Päckchenverarbeitungszeit 80 Min. 60 Min. 100 Min. 80 Min. Aufgabe 3: Absatz- und Produktionsprogrammplanung (a) Zunächst sind die engpassspezifischen Deckungsbeiträge der Produktpäckchen zur Festlegung der Produktionsrangfolge zu ermitteln. Päckchen A B C D Deckungsbeitrag pro Produktpäckchen 140 € 120 € 40 € 20 € Verarbeitungszeit 80 Min. 60 Min. 100 Min. 80 Min. relativer Päckchendeckungsbeitrag 1,75 €/Min. 2,00 €/Min. 0,40 €/Min. 0,25 €/Min. Rang 2 1 3 4 In der gefundenen Rangfolge ist der jeweiligen Päckchenart eine so große Produktionsmenge zuzuordnen, bis entweder die Kapazität der Produktionsanlage oder die Absatzmenge eines der Endprodukte im jeweiligen Päckchen erschöpft ist. (b) 190 V. Preismanagement Der Gesamtdeckungsbeitrag ergibt sich zu: 60 Stk. ⋅ 140 €/Stk. + 40 Stk. ⋅ 120 €/Stk. + 78 Stk. ⋅ 40 €/Stk. = 16.320 €. (b) Mit xA, xB, xC und xD als Mengenvariablen für die Produktpäckchen A, B, C und D ergibt sich das folgende lineare Planungsmodell: Ziel: 140 · xA + 120 · xB + 40 · xC + 20 · xD → max! Nähzeitrestriktion: 80 · xA + 60 · xB + 100 · xC + 80 · xD ≤ 15.000 Absatzrestriktionen: Oberbett einfach 2 · xB + + 2 · xD ≤ 80 Oberbett doppelt 1 · xA + 1 · xC ≤ 150 Unterbett 1 · xA + 1 · xB + 1 · xC + 1 · xD ≤ 300 Nackenstütze 10 · xA + 10 · xB ≤ 1.000 Nichtnegativitätsbedingungen: xA, xB, xC, xD ≥ 0 Mit den Schlupfvariablen s0 für die Verarbeitungszeitrestriktion und s5, s6, s7 und s8 als Absatzschlupfe für die Produkte Oberbett einfach, Oberbett doppelt, Unterbett und Nackenstütze kommt man zu folgendem Anfangstableau: 191 Fallstudie 11: Plastro oHG 1. Lösung xA xB xC xD s0 s5 s6 s7 s8 Z 0 – 140 – 120 – 40 – 20 0 0 0 0 0 s0 15.000 80 60 100 80 1 0 0 0 0 s5 80 0 2 0 2 0 1 0 0 0 s6 150 1 0 1 0 0 0 1 0 0 s7 300 1 1 1 1 0 0 0 1 0 s8 1.000 10 10 0 0 0 0 0 0 1 Nach drei Umformungen ergibt sich das folgende Endtableau: 4. Lösung xA xB xC xD s0 s5 s6 s7 s8 Z 16.500 0 0 0 0 0,25 0 15 0 10,5 xB 25 0 1 0 1 1/80 0 – 5/4 0 1/40 s5 30 0 0 0 0 – 1/40 1 5/2 0 – 1/20 xC 75 0 0 1 1 1/80 0 – 1/4 0 – 3/40 s7 125 0 0 0 0 – 1/80 0 1/ 4 1 – 1/40 xA 75 1 0 0 – 1 – 1/80 0 5/4 0 3/40 Es werden somit 75 Päckchen A, 25 Päckchen B und 75 Päckchen C gefertigt, die insgesamt 16.500 € Deckungsbeitrag erbringen. (c) Antons Optimierungsprozess beruht auf einem Irrtum: Die Produktpäckchen konkurrieren nämlich nicht nur um einen Engpass (Verarbeitungszeit), sondern sie stehen auch im Wettbewerb um die Ausschöpfung der Absatzgrenzen ihrer Elemente. Daher genügt die Produktionsprogrammplanung mit Hilfe relativer Deckungsbeiträge in diesem Fall nicht. Vielmehr ist zur Berücksichtigung aller fünf gemeinsamer Engpässe der von Paul geforderte lineare Planungsansatz erforderlich. Aufgabe 4: Break-even-Berechnung für Marketingmaßnahmen Für die Break-even-Berechnung ist zunächst der Deckungsbeitrag bei Durchführung der Kaffeefahrt zu ermitteln. Die Erlöse der Kaffeefahrt sind von der Anzahl x verkaufter Biodecken RHEUMEX-GARANT LUXUS abhängig. Sie ergeben sich zusammen mit dem Beitrag der Fahrtteilnehmer (50 · 7 €) zu: 350 € + 799 € · x. Dagegen stehen die Kosten für Werbegeschenke (50 · 14,50 €), fixe Kosten für die Durchführung einer Kaffeefahrt (1.225 €), die Produktion des angebotenen Produktpäckchens (210 €) sowie die Verkaufsprovision (349 €): 1.950 € + 559 € · x. Der Deckungsbeitrag einer Kaffeefahrt ergibt sich demnach zu: 240 € · x – 1.600 €. 192 V. Preismanagement Isoliert betrachtet müssen also 240 € · x – 1.600 € ≥ 0 ⇔ ≥ 7 Biodecken verkauft werden. Allerdings berücksichtigt dies nicht die alternativ mögliche Verwendung des Produktpäckchens A im regulären Verkauf. Die Opportunitätskosten entsprechen pro Päckchen dem verlorengehenden Deckungsbeitrag in Höhe von 140 €, sofern der Absatz der regulären Produkte durch die Werbeverkaufsveranstaltung nicht beeinträchtigt wird. Bei Berücksichtigung des bisherigen Verkaufskonzepts lohnt die Kaffeefahrt also erst im Fall von mehr als 16 Decken: 240 € · x – 1.600 € ≥ 140 € · x ⇔ ≥ 16 Biodecken. Aufgabe 5: Preisgrenzenbestimmung (a) Die Opportunitätskosten in Höhe von 0,25 € pro Maschinenminute lassen sich direkt als Dualwert aus dem Optimaltableau der linearen Programmplanung entnehmen. Der Dualwert steht als Zielfunktionskoeffizient für die ausgelastete Kapazität und stellt einen Grenzdeckungsbeitrag dar. So würde eine zusätzliche bzw. eine ungenutzte Fertigungsminute in der Näherei 0,25 € Zuwachs bzw. Einbuße an Deckungsbeitrag bedeuten. Dieser Wertansatz ist allerdings nur innerhalb des Stabilitätsbereichs der Optimallösung zutreffend. Dualwerte bilden die Opportunitätskosten ab. Sie ergeben sich aus der Veränderung des optimalen Produktionsprogramms, die sich an den Mengenkoeffizienten im Optimaltableau ablesen lässt, bewertet mit den jeweiligen Stückdeckungsbeiträgen. Kann die Produktionsanlage eine Minute nicht genutzt werden, so weist der Fertigungszeitschlupf den Wert s0 = 1 statt 0 wie in der Optimallösung auf. Greift man die relevanten Zeilen des Optimaltableaus in Gleichungsschreibweise heraus: Z = 16.500 – ( . . . 0,25 ⋅ s0 . . . ) xB = 25 – ( . . . 1/80 ⋅ s0 . . . ) s5 = 30 – ( . . . – 1/40 ⋅ s0 . . . ) xC = 75 – ( . . . 1/80 ⋅ s0 . . . ) s7 = 125 – ( . . . – 1/80 ⋅ s0 . . . ) xA = 75 – ( . . . – 1/80 ⋅ s0 . . . ) , so erkennt man, dass für s0 = 1 von B und C jeweils 1/80 Päckchen weniger und von A 1/80 Päckchen mehr pro nicht genutzter Nähminute gefertigt werden würden. Es ergibt sich damit folgende Deckungsbeitragswirkung: Päckchen Deckungsbeitragsänderung A + 1/80 Stk./Min. ⋅ 140,-- €/Stk. = + 1,75 €/Min. B – 1/80 Stk. /Min. ⋅ 120,-- €/Stk. = – 1,50 €/Min. C – 1/80 Stk. /Min. ⋅ 40,-- €/Stk. = – 0,50 €/Min. gesamte Wirkung: – 0,25 €/Min. 193 Fallstudie 11: Plastro oHG (b) In der gegenwärtigen Lösung werden Reststücke vernichtet, was die knappe Nähkapazität belastet. Könnten weitere Nackenstützen verkauft werden, würde dies die Nähkapazität entlasten. Die Vernichtung aller Reststücke einer Grundgewebeeinheit benötigt 4 Stk. ⋅ 15 Min./Stk. = 60 Min., während zehn Nackenstützen nur 10 Stk. ⋅ 4 Min./Stk. = 40 Min. Nähzeit beanspruchen. Die Vernichtung führt daher zu einem zusätzlichen Zeitbedarf von 20 Min./10 Stk. = 2 Min./Stk. pro Nackenstütze verglichen zur Weiterverarbeitung. Mit dem bekannten Dualwert der Produktionsanlage von 0,25 €/Min. verbessert sich das Ergebnis somit pro Stück, das nicht vernichtet wird, um 0,25 €/Min. ⋅ 2 Min./Stk. = 0,50 €/Stk., da freiwerdende Nähzeit anderweitig genutzt werden kann. Außerdem entsprechen sich Vernichtungs- und Weiterverarbeitungskosten. Die Preisuntergrenze für eine zusätzliche Nackenstütze liegt damit bei – 0,50 €. Die Plastro OHG könnte also einem potenziellen Käufer bis zu 0,50 € pro Nackenstütze bezahlen, ohne dass sich der erzielbare Gesamtdeckungsbeitrag verschlechtert. Dasselbe Ergebnis erhält man, wenn man den Dualwert für den Absatzschlupf der Nackenstützen s8 = 10,50 €/Stk. verwendet. Dieser besagt, dass der Absatz eines weiteren Stücks der Nackenstütze den Deckungsbeitrag um 10,50 € erhöht. Vom bisherigen Verkaufspreis der Nackenstütze in Höhe von 10,-- € je Stück könnten also bis zu 10,50 € nachgelassen werden, ohne dass sich der Gesamtdeckungsbeitrag verschlechtert. Somit erhält man auch hier als Preisuntergrenze: 10 €/Stk. – 10,50 €/Stk. = – 0,50 €/Stk. (c) Die neue Verkaufsstrategie der Plastro-Brüder bedeutet, dass nur noch Päckchen A gefertigt wird und zwar bis zur Kapazitätsgrenze der Produktionsanlage, da keine anderen Absatzbeschränkungen mehr vorliegen. Die zurückgegebenen Nackenstützen (2 Stück pro Päckchen) müssen entweder vernichtet oder separat abgegeben werden. Die Preisuntergrenze bestimmt sich daher nach dem Deckungsbeitrag, der bei Vernichtung einer Nackenstütze entgeht. Insgesamt können 15.000 Min./80 Min. je Päckchen = 187,5 Päckchen A gefertigt werden, wenn keine Nackenstützen zu vernichten sind. Die Vernichtung zurückgegebener Nackenstützen kostet 5 € pro Stück und benötigt 2 Min./Stk. Hierdurch entgeht ein Deckungsbeitrag für das Komplettpaket BIODECKE RHEUMEX-GARANT LUXUS mitsamt Zugaben in Höhe von €00,6 80 2240 =⋅ . Somit würde es sich für die Plastro-Brüder lohnen, einem potenziellen Kunden bis zu 5 € + 6 € = 11 € zu zahlen, wenn er eine der zurückgegebenen Nackenstützen abnimmt. 194 V. Preismanagement Fallstudie 12: Yachta GmbH Target Costing und Preisstrategien im Lebenszyklus Problembeschreibung: Die Yachta GmbH ist auf Holzvertäfelungen der Salons von Luxus-Yachten spezialisiert. Allerdings entwickelt sich das Geschäft nicht wie gewünscht, da hohe ungenutzte Kapazitäten bestehen und auch nicht mit einer anziehenden Nachfrage gerechnet wird. Daher hat Geschäftsführer S. Egelturn keine Hoffnung, die Kreditlast von derzeit 43 Millionen € innerhalb der nächsten zehn Jahre nennenswert zu senken. Anfang des Jahres 2 möchte er jedoch mit einer Produktinnovation das Ruder herumreißen: Er plant die Fertigung eines schnittigen Segelboots für Binnengewässer. Dieses soll durch neuartige Einsatzmaterialmischungen bei der Schale und dem Spanten-System einerseits besonders robust und seebeständig, andererseits aber auch besonders manövrierfähig sein. Von den Marktchancen eines derartigen Segelschiffes ist er überzeugt, da die Yachta GmbH vor allem beim Deckaufbau von der langjährigen Erfahrung als Yachten-Ausbauer profitieren und dem Kunden durch elegante Innenvertäfelung entscheidende Kaufanreize setzen könnte. Im Bewusstsein ist S. Egelturn dabei das Motto seines Vaters und zugleich Alleingesellschafters „Alles zum Kundennutzen“. So ist er froh, in einer Fachzeitschrift auf einen Beitrag zur Zielkostenrechnung gestoßen zu sein, die er für sein Problem als recht brauchbar ansieht. Er vergibt daher an ein Marktforschungsinstitut den Auftrag, die Anforderungen möglicher Kunden an ein Segelboot zu ermitteln. P. Fiffig, der Leiter des beauftragten Instituts, präsentiert ihm als Ergebnis die nachfolgende Tabelle mit den Bedeutungsanteilen von Produktfunktionen, zusammen mit einer sechsstelligen Rechnung und einer mehrseitigen Erläuterung, warum sich die Kundenanforderungen tatsächlich auf nur fünf verschiedene Produktfunktionen zurückführen lassen. P. Fiffig teilt noch mit, dass die Kunden derzeit einen Preis von 56.000 € für ein Segelboot der von S. Egelturn geplanten Art für angemessen halten. Bedeutung der Produktfunktionen aus Kundensicht: Produktfunktion Bootshandling Wendigkeit Sicherheit Seebeständigkeit Wartungsbedarf Bedeutung 25 % 30 % 25 % 10 % 10 % Entsetzt über die Rechnungshöhe ist S. Egelturn erleichtert, den nächsten Schritt der Zielkostenrechnung zusammen mit dem Leiter der Konstruktionsabteilung selbst erledigen zu können. Die beiden erstellen gemeinsam die folgende Übersicht. Sie zeigt die prozentualen Anteile, mit denen die Komponenten des Segelboots zur Erfüllung der von den Kunden gewünschten Funktionen beitragen.

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References

Zusammenfassung

Controlling-Methoden gekonnt umsetzen

Für ein erfolgreiches Controlling genügt es nicht, die Methoden zu beherrschen – man muss sie vor allem auch praktisch umsetzen können. Die richtige Methode wählen, sie geschickt auf das aktuelle Problem anwenden und Widrigkeiten bei ihrem Einsatz überwinden: das kennzeichnet gutes Controlling.

Dieses Buch gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihre praktische Umsetzungskompetenz im Controlling zu testen und weiterzuentwickeln. 19 Fallstudien bieten Ihnen dazu typische Problemstellungen; die ausführlichen Lösungen erlauben eine schrittweise Eigenkontrolle. Zudem erhalten Sie zu jedem Themenbereich eine kompakte Einführung mit den zentralen Controlling-Prinzipien und Argumentationslinien.

Aus dem Inhalt:

- Controlling-Organisation

- Planungs- und Kontrollkonzepte

- Erfolgssteuerung mit Budgets und Lenkpreisen

- Risikocontrolling

- Preiscontrolling

- Gemeinkostenmanagement

- Investitionsmanagement

- Wertorientierte Führung mit Kennzahlen