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2.5 Hinwendung des IASB zur Zeitwertbilanzierung in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 40 - 42

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_40

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 27 2.5 Hinwendung des IASB zur Zeitwertbilanzierung 27 can change, cannot directly be audited, and are sometimes unclear even to the directors.“82 Er bringt weitere Beispiele, für die er Verletzungen zwischen Einzelnormen und Prinzipien belegt. Nach der Überarbeitung von IAS 39 wird die Widmung der Finanzinstrumente zur Bewertung zum beizulegenden Zeitwert (fair value) an eine Erhöhung der Relevanz der Abschlussinformationen und eine Erhöhung der Zuverlässigkeit der Bewertung geknüpft. Danach darf die Widmung vorgenommen werden, wenn durch die Nutzung der Option (a) eine Ansatz- oder Bewertungsinkongruenz reduziert werden kann, (b) eine Übereinstimmung von Bilanzierung und Risikomanagementoder Anlagestrategie erreicht werden kann (IAS 39.9), oder wenn es sich um ein Instrument handelt, das ein bestimmtes eingebettetes Derivat enthält (IAS 39.11A). Die Managementabsicht schlägt auch hier in Punkt (b) durch, weil die interne Steuerung die externe Bilanzierung prägt. 2.5 Hinwendung des IASB zur Zeitwertbilanzierung In der jüngeren Zeit lässt sich beim IASB eine Hinwendung zum „assets and liabilities approach“83 und der Bewertung mit dem beizulegenden Zeitwert (fair value) erkennen. Beides ist nicht durch das Rahmenkonzept vorgegeben. Dieses lässt vielmehr offen, wie der Gewinn zu ermitteln ist. Das Rahmenkonzept besagt zwar: „Die direkt mit der Ermittlung des Gewinnes verbundenen Posten sind Erträge und Aufwendungen.“ (Abs. 4.24) Diese Posten werden auch definiert: „Erträge stellen eine Zunahme des wirtschaftlichen Nutzens in der Berichtsperiode in Form von Zuflüssen oder Erhöhungen von Vermögenswerten oder einer Abnahme von Schulden dar, die zu einer Erhöhung des Eigenkapitals führen, welche nicht auf eine Einlage der Anteilseigner zurückzuführen ist.“ (Abs. 4.25(a)) „Aufwendungen stellen eine Abnahme des wirtschaftlichen Nutzens in der Berichtsperiode in Form von Abflüssen oder Verminderungen von Vermögenswerten oder einer Erhöhung von Schulden dar, die zu einer Abnahme des Eigenkapitals führen, welche nicht auf Ausschüttungen an die Anteilseigner zurückzuführen ist.“ (Abs. 4.25(b)) 82 Nobes (2005), S. 29. 83 Vgl. hierzu auch Preißler (2005), S. 83–89. 2.5 Hinwendung des IASB zur Zeitwertbilanzierung Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 28 2. Regelungsphilosophie des IASB28 Aber diese Definitionen lassen offen, wann Vermögenswerte zu- und abgehen, Schulden ab- und zugehen und Vermögenswerte und Schulden im Wert verändert werden. Der Gewinn als Saldo von Erträgen und Aufwendungen wird insofern nur formal, aber nicht materiell im Rahmenkonzept definiert. Über mehrere Schritte hinweg hat der IASB immer stärker den Ansatz von Zeitwerten in der Folgebewertung von Vermögenswerten und Schulden favorisiert. Die historische Entwicklung lässt sich folgendermaßen skizzieren84: Fair values spielten als Erstes zwingend bei bestimmten Finanzinstrumenten (trading securities und available-for-sale securities; IAS 39.68 f. (1998)) und wahlweise bei bestimmtem Anlagevermögen (immaterielle Anlagewerte (IAS 38.64 (1998)), Sachanlagevermögen (IAS 16.29 (überarb. 1998)) und als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien (IAS 40.24 und .27 (2000)) eine Rolle. Danach kamen fair values bei biologischen Vermögenswerten: In der Einführungsphase des im Jahre 2001 verabschiedeten IAS 41 kam es zwar zu heftigen Diskussionen über die Sinnhaftigkeit dieses Wertansatzes, aber biologische Vermögenswerte waren nicht zentral für die Öffentlichkeit. Aus der Diskussion über die Bilanzierung von Versicherungsverträgen ging im Dezember 1999 ein Issues Paper hervor, das eine Bilanzierung von Versicherungsverträgen mit einem am Absatzmarkt orientierten fair value vorsah. Das Draft Statement of Principles (DSOP) im Juni 2001 sah mit dem entity specific value einen Nutzwert für das Unternehmen vor. Mit IFRS 4 vom März 2004 wurde für Versicherungsverträge eine Übergangslösung geschaffen, die in eine endgültige Regelung münden soll. IFRS 4.25 erlaubt die Fortführung bisheriger Bewertungen unabhängig vom fair value. Der endgültig zu verabschiedende Standard fehlt bis heute. Ein im Juli 2010 verabschiedeter Entwurf fand nicht nur Zustimmung. Im Jahr 2013 soll ein überarbeiteter Entwurf vorgelegt werden; das Verabschiedungsdatum soll im zweiten Halbjahr liegen. Im November 2005 hat der IASB den fair value nicht nur bei der Folgebewertung, sondern auch bei der Erstbewertung – und zwar über die bereits geltenden Regelungen hinaus – als allgemeinen Wertansatz diskutiert85. Das hätte z. B. den Ansatz von Anschaffungsnebenkosten verhindert und ihre erfolgswirksame Erfassung im Jahr der Anschaffung verlangt. Davon hat er ein Jahr später Abstand genommen und sich allein der Frage der Ermittlung von fair values gewidmet. Das führte zum im Mai 2011 verabschiedeten IFRS 13 Bewertung zum bei- 84 Ich übernehme wörtlich Teile von Ballwieser/Küting/Schildbach (2004), S. 544 f. 85 Vgl. IASB (2005). Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 29 2.6 Zeitwertbilanzierung und Finanzkrise 29 zulegenden Zeitwert. Er klärt nur die Bestimmung von fair values. Die Frage, für welche Posten sie gelten sollen, bleibt der Überarbeitung des Rahmenkonzepts vorbehalten und ist noch unbehandelt. Flankiert wurde das Projekt durch Vorschläge zur Änderung der Ertragsvereinnahmung86. Im Dezember 2008 hat der IASB ein Diskussionspapier mit Preliminary Views on Revenue Recognition in Contracts with Customers vorgelegt. Auslöser waren fehlende Regelungen, beispielsweise für Mehrkomponentenverträge (wie Mobiltelefone und zugehörige Netznutzungsverträge oder Softwarepakete mit Wartungsverträgen und Updates), und Inkonsistenzen zwischen IAS 18 Umsatzerlöse und IAS 11 Fertigungsaufträge. Es folgten zwei Standardentwürfe vom Juni 2010 und November 2011. Danach wird Ertrag grundsätzlich nach Lieferung und Leistung in Höhe der vertraglich vereinbarten Gegenleistung angesetzt. Das lässt vorher in die Diskussion gebrachte Zeitwerte von Leistungen außer Acht87. 2.6 Zeitwertbilanzierung und Finanzkrise Die Initiative zur Bewertung von Bilanzposten mit Zeitwerten, unabhängig von eventuell sie begrenzenden Anschaffungskosten, folgte u. a. dem Bestreben, Verwerfungen zwischen der internen Überwachung und Leistungsmessung und der externen Rechnungslegung bei Banken zu beseitigen. Es war deshalb kein Zufall, dass Zeitwerte früh bei Finanzinstrumenten eine Rolle spielten (siehe Kapitel 2.5), zumal man für viele Finanzinstrumente liquide Märkte und, damit verbunden, eine relativ problemlose Wertermittlung erwarten konnte. Genau diese Märkte haben zur Entstehung oder Beschleunigung der Finanzkrise88 beigetragen, während des Versuchs ihrer Bewältigung Probleme hervorgerufen und die Kritik an der Zeitwertbilanzierung gefördert: Die Zeitwertbilanzierung lieferte während steigender Preise für Vermögenswerte Buchgewinne, die das Eingehen riskanter Geschäfte und die Ausschüttung hoher leistungsabhängiger Vergütungen an Manager begünstigte. Soweit die Buchwertgewinne auch das regulatorische Eigenkapital von Banken erhöhten, mussten diese – jenseits von Risikoüberlegungen – keine grundsätzlichen Bedenken bei der Ausdehnung ihrer 86 Der IASB sah eine dem assets and liabilities approach folgende Bewertung zu fair values vor, die aber beim FASB auf Widerstand stieß. Vgl. Dobler (2008b). 87 Vgl. insb. Hommel/Schmitz/Wüstemann (2009). 88 Vgl. hierzu insb. Rudolph (2008) und (2011); Baetge (2009), S. 14; Dobler/Kuhner (2009), S. 25–27. 2.6 Zeitwertbilanzierung und Finanzkrise

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS