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11.2 Akzeptanzprobleme in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 249 - 251

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_249

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 238 11. Probleme der IFRS238 •• Managementabsichten bestimmen mit, ob Entwicklungskosten gemäß IAS 38.57 aktiviert werden müssen, und schaffen ein faktisches Wahlrecht (vgl. Kapitel 4.2.5). •• Der Managementansatz wird ferner bei der Segmentberichterstattung bemüht (IFRS 8.5). (e) Mangelnde Zuverlässigkeit: Der Rechnungslegung droht dann mangelnde Zuverlässigkeit, wenn dem Management große Freiräume bei Ansatz, Bewertung und Berichterstattung bleiben. •• Von beachtlicher Problematik ist die Identifikation der bei einem Unternehmenskauf erworbenen immateriellen Vermögenswerte (vgl. Kapitel 9.10.1.3). Während Rechte relativ gut dokumentiert sind und sich bei ihnen das Problem eher auf die Bewertungsebene verschiebt, gilt dies für vom Geschäfts- oder Firmenwert separierbare Güter nicht. Mit der externen Verwertbarkeit, die keine Einzelverwertbarkeit verlangt, wird ein relativ unscharfes Kriterium verwendet. •• Ein wichtiger, die Zuverlässigkeit beeinträchtigender Punkt ist die Feststellung von beizulegenden Zeitwerten, sofern liquide Märkte fehlen. Die Zeitwerte müssen dann durch Rückgriff auf frühere Transaktionen desselben Guts oder Transaktionen vergleichbarer Güter oder Bewertungskalküle erhoben werden (vgl. Kapitel 5.4). Hierbei bestehen beachtliche Beurteilungsspielräume, die vom Management ausgenutzt werden können. •• Eine beachtliche Gestaltungsmöglichkeit findet sich auch bei der Abgrenzung von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten, in der Verteilung des Konsolidierungsgoodwill auf diese (vgl. Kapitel 9.10.1.6) und im später stattfindenden Werthaltigkeitstest für den Geschäfts- oder Firmenwert (vgl. Kapitel 9.11). 11.2 Akzeptanzprobleme Der IASB sieht sich mit seinem Regelwerk aus mehreren Gründen Akzeptanzproblemen ausgesetzt: (a) Bis heute ist das Ziel, international akzeptiert zu werden, gerade in den USA für börsennotierte Gesellschaften noch nicht erreicht. Zwar ist für ausländische Unternehmen mit Börsennotierung in den USA die Überleitungspflicht von Gewinn und Eigenkapital entfallen und es wird (angeblich) erwogen, die IFRS auch für US-Unternehmen zu erlauben, aber diese Pläne sind trotz jahrelanger Vorarbeit noch nicht umgesetzt. Der IASB hat die Befürchtung, dass sie endgültig unrealisiert bleiben werden (vgl. oben Kapitel 4.2.3 sowie Kapitel 1). 11.2 Akzeptanzprobleme Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 239 11.2 Akzeptanzprobleme 239 (b) Ein weiterer Bereich eröffnet sich durch die Übernahme der Vorschriften durch die EU. Hier kam es bei der Verabschiedung von IAS 39 zu vielfältigen Problemen, die eine Nachbesserung des in London verabschiedeten Standards nötig machten (vgl. Kapitel 2.4). (c) Einwendungen gegen eine EU-weite Übernahme sind besonders dann zu erwarten, wenn konzeptionelle Änderungen geplant oder Unternehmen stark durch Zusatzarbeiten belastet werden. Hierzu trägt derzeit der IASB durch Projekte zu Revenue Recognition, Leasing oder Finanzinstrumente bei. Es stellt sich umso eher die Frage nach der Legitimationsbasis des Vorgehens, wenn der IASB bei scheinbar in ihrem Objektbereich begrenzten Standards weitgehende konzeptionelle Änderungen quasi nebenbei einzuführen versucht. Dies wurde besonders bei der Diskussion der Erstbewertung deutlich472. (d) Akzeptanzprobleme werden sich weiterhin ergeben, wenn einzelne Standards oder Änderungen von ihnen viele abweichende Meinungen der Board-Mitglieder hervorrufen. Das war z. B. bei den vorgeschlagenen Änderungen von IFRS 3 hinsichtlich des Wahlrechts zur Abweichung von der Full-Goodwill-Methode (vgl. Kapitel 9.10.1.5) zu beobachten473. Ähnliches gilt, wenn nicht zum Standard zählende Erläuterungen (Grundlage für Schlussfolgerungen, Erläuternde Beispiele und Anwendungsleitlinien = Implementation Guidance) mehr Seiten beanspruchen als die Standards oder wenn die zum Standard zählenden Leitlinien für die Anwendung (EU-Übersetzung) = Anleitungen zur Anwendung (IASB-Übersetzung) = Application Guidance (im Anhang) den Kernstandard seitenmäßig erreichen oder gar übertreffen: Musterfälle hierfür sind IAS 39474 und IFRS 3475. 472 Vgl. Schmidt (2006), S. 75, zu IASB (2005): „Die eigentliche Brisanz des Diskussionspapiers dürfte (…) darin liegen, dass für Fragen der Folgebewertung implizit eine Vorentscheidung getroffen wird. (…) Dies würde dafür sprechen, Erst- und Folgebewertung gemeinsam zu untersuchen. Letztlich müsste aber dann zuvor grundsätzlich diskutiert werden, welcher Konzeption die Rechnungslegung (für Gewinnmessung und Kapitalerhaltung) bei unterstellter Informationsfunktion überhaupt insgesamt folgen soll. Insofern erscheint es nicht sachgerecht, derlei grundsätzliche Entscheidungen mittelbar in einem Diskussionspapier anzusprechen, welches sich – zumindest dem Titel nach – ,nur‘ mit der Erstbewertung befasst.“ 473 Es gab bezüglich dieser Frage „Dissenting Opinions“ von drei der 14 Mitglieder des IASB (Barth, Garnett und Smith). 474 Basis for Conclusions, Illustrative Example und Implementation Guidance von IAS 39 umfassen im englischen Text zum 1. Januar 2012 141 Druckseiten, der Standard hat mit Anhängen 42 Druckseiten, ohne Anhänge 21. 475 Die zum Standard gehörende Application Guidance ist mit 23 Seiten im englischen Text zum 1. Januar 2012 nahezu gleich lang wie der Kernstandard mit 19 Seiten; vgl. zu früheren Umfängen auch Brücks/Richter (2005), S. 409. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 240 11. Probleme der IFRS240 11.3 Durchsetzungsprobleme Die IFRS drohen, gegenüber bisherigen nationalen Rechnungslegungssystemen aufwändiger zu sein. Sie sind aufgrund ihrer Komplexität und zahlreichen Berichtspflichten unter Umständen fehleranfälliger als die Vorschriften, die sie ersetzen oder ergänzen. Um so wichtiger wird, dass ihre sachgemäße Anwendung überwacht wird476. Ihre supranationale Überwachung, die eine Vergleichbarkeit von IFRS- Abschlüssen über Landesgrenzen hinaus sichern könnte, fällt aus verschiedenen Gründen schwer. Zum einen gibt es politische Vorbehalte gegen eine derartige, beispielsweise europaweite Enforcement-Institution. Zum anderen gibt es Vorbehalte gegen die damit verbundenen Kosten und Skepsis bezüglich der Gewinnbarkeit von kompetenten Mitgliedern. Die Überprüfung der Einhaltung des obligatorischen Rechnungslegungsrechts obliegt – bei prüfungspflichtigen Unternehmen – bisher dem Aufsichtsrat (sofern vorhanden), den Abschlussprüfern und den nationalen Gerichten. Hinzu kamen ab 2005 die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) und die sanktionsbewehrte Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der EuGH ist kein unmittelbarer Adressat von Adressaten der Rechnungslegung, sondern muss von Gerichten angerufen werden, soweit er nicht selbst im Hinblick auf die Durchsetzung von Europarecht tätig wird. Die Parteien können die Vorlage beim EuGH durch das nationale Gericht lediglich anregen477. Die Überwachung benötigt fachliche und rechtliche Kompetenz. Während man bei Abschlussprüfern die fachliche Kompetenz bezüglich IFRS am ehesten unterstellen darf – u. a. deshalb, weil die Entwicklung der IFRS in hohem Maße durch Vertreter der vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften beeinflusst wird478 –, müssen sich die Vertreter der Aufsichtsräte und Gerichte die IFRS-Kenntnisse in größerem Umfange erst aneignen. Von besonderem Interesse ist die erst jüngst geschaffene DPR. Ihre Aufgabe ist die Überwachung der Einhaltung der Rechnungslegung, wozu sie einerseits stichprobenweise ohne weiteren Anlass und andererseits aufgrund von Mängelhinweisen durch Dritte 476 Zur Bedeutung der Überwachung im Hinblick auf die Eigenschaften von Kapitalmärkten, die Bewertung von Unternehmen oder die Senkung von Kapitalkosten vgl. La Porta/Lopez-De-Silanes/Shleifer/Vishny (1997) und (2002); La Porta/Lopez-De-Silanes/Shleifer (2006) und Hail/Leuz (2006). 477 Vgl. auch Niedermühlbichler (1998). 478 Das wird nicht nur positiv gesehen. Vgl. Schildbach (2004). 11.3 Durchsetzungsprobleme

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS