Content

10.5 Gewinneigenschaften von IFRS-Abschlüssen in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 232 - 234

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_232

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 221 10.5 Gewinneigenschaften von IFRS-Abschlüssen 221 men mit HGB-Abschlüssen405. Er sieht seine Ergebnisse allerdings nur mit Vorbehalt als repräsentativ an, weil sich die Struktur der verglichenen Gesellschaften hinsichtlich Branchen und Börsensegmenten nicht vollständig deckt406. Barth/Landsman/Lang untersuchen in einer Stichprobe von 327 Unternehmen aus 21 Ländern, die zwischen 1994 und 2003 von den heimischen Rechnungslegungsregeln auf IFRS umgestellt haben407, ob die damit verbundenen Rechnungslegungsdaten ein geringeres Ausmaß an Gewinnsteuerung, eine zeitnähere Verlustberücksichtigung und eine höhere Wertrelevanz aufweisen. Hierzu werden sowohl die umstellenden Unternehmen mit möglichst ähnlichen nicht umstellenden Unternehmen als auch die jeweiligen Unternehmen selbst in der Vorund Nachumstellungsperiode verglichen. Die Wertrelevanz wird insbesondere408 durch die Erklärungskraft des Gewinns nach Steuern und des Buchwerts des Eigenkapitals, jeweils pro Aktie, für den Aktienkurs mit Hilfe des korrigierten R2 gemessen. Resultat der Untersuchungen ist für die IFRS-Umsteller ein korrigiertes R2 von 40 % gegenüber 30 %. 10.5 Gewinneigenschaften von IFRS-Abschlüssen Zu Gewinneigenschaften von IFRS-Daten liegen mehrere Ergebnisse vor. Untersucht werden insbesondere das Ausmaß von Gewinnsteuerung im Sinne von Gewinnglättung, Erreichen bestimmter Werte oder unüblicher Zahlungsabgrenzungen409 und die Zeitnähe einer Verlustberücksichtigung als Indiz vorsichtiger Rechnungslegung410. Van Tendeloo/Vanstraelen finden, dass in Deutschland notierte Unternehmen, die in den Jahren 1999 bis 2001 freiwillig auf IFRS wechseln, keine Unterschiede in der Gewinnglättung aufweisen gegenüber Unternehmen, die das HGB beibehalten411. Ihre Stichprobe besteht aus 405 Vgl. Vorstius (2004), S. 175 f., S. 219–224 und S. 275. Das korrigierte R2 ist 65 % gegenüber 42 %. 406 Vgl. Vorstius (2004), S. 223 f. 407 Knapp 20 % stammten davon aus Deutschland; vgl. Barth/Landsman/Lang (2008), S. 488. 408 Zwei weitere Maße beziehen den Gewinn pro Aktie auf die jährliche Aktienrendite, wobei die Stichproben nach positiver und negativer Rendite unterschieden werden. Vgl. Barth/Landsman/Lang (2008), S. 486 f. 409 Vgl. zur genauen Charakterisierung, Messung und weiteren Ergebnissen insb. Dobler (2008a), S. 266–271. 410 Neben den hier wiedergegebenen Studien vgl. insb. Ahmed/Neel/Wang (2012); Capkun/Collins/Jeanjean (2012); Christensen/Lee/Walker (2008). 411 Vgl. Van Tendeloo/Vanstraelen (2005), S. 168. 10.5 Gewinneigenschaften von IFRS-Abschlüssen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 222 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB222 146 IFRS- und 490 Nicht-IFRS-Anwendern. Zu dem gleichen Ergebnis gelangen Goncharov/Zimmermann, die 115 in Deutschland notierte Unternehmen in den Jahren 1996 bis 2002 untersuchen. Während zwischen IFRS- und HGB-Anwendern keine Unterschiede in der Gewinnsteuerung erkennbar werden, ist das signifikant anders gegenüber US- GAAP-Anwendern412. Barth/Landsman/Lang untersuchen in ihrer international zusammengesetzten Stichprobe, die schon beschrieben wurde, ob die Umstellung auf IFRS ein geringeres Ausmaß an Gewinnsteuerung und eine zeitnähere Verlustberücksichtigung offenbart. Ein geringeres Ausmaß an Gewinnsteuerung sehen sie bei einer größeren Varianz der Änderung des Gewinns nach Steuern, einem größeren Verhältnis der Varianzen der Änderungen des Gewinns und der Änderungen der operativen Cash Flows, einer negativen Korrelation zwischen (mit den gesamten Aktiva am Jahresende skalierten) Periodenabgrenzungen (gemessen als Differenz von Gewinn und operativem Cash Flow) und operativen Cash Flows und einer geringeren Häufigkeit von kleinen positiven Gewinnen413. Als Maß für zeitnahe Verlustberücksichtigung nehmen sie die Häufigkeit großer Jahresfehlbeträge. Die Ergebnisse in der Stichprobe mit vergleichbaren Unternehmen zeigen, dass die auf IFRS umstellenden Unternehmen in der Nachumstellungsperiode eine signifikant geringere Gewinnsteuerung und eine signifikant zeitnähere Verlustberücksichtigung als die Vergleichsgruppe aufweisen. Da sich die umstellungswilligen Unternehmen schon vor der Umstellung von den nicht umstellenden Unternehmen unterschieden haben können, gehen Barth/Landsman/Lang dieser Vermutung nach. Hier zeigt sich, dass ein signifikanter Unterschied bei den Unternehmen zwar hinsichtlich der Verlustberücksichtigung, nicht aber hinsichtlich der Gewinnsteuerung (und auch nicht hinsichtlich der Wertrelevanz) besteht414. Betrachtet man die Eigenschaften derselben Unternehmen in der Vor- und Nachumstellungsperiode (verwendet man also nicht die abgeglichene Stichprobe), erweisen sich drei Unterschiede von fünf als signifikant415, d. h. in der Tat scheinen umstellende Unternehmen andere Eigenschaften als die nicht umstellenden Unternehmen aufzuweisen. 412 Vgl. Goncharov/Zimmermann (2007), S. 379–382. 413 Vgl. Barth/Landsman/Lang (2008), S. 469. Vgl. weiterhin Barth/Landsman/ Lang/Williams (2007). 414 Vgl. Barth/Landsman/Lang (2008), S. 492. 415 Vgl. Barth/Landsman/Lang (2008), S. 495. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 223 10.6 Informationsasymmetrie und IFRS 223 10.6 Informationsasymmetrie und IFRS Zum Abbau von Informationsasymmetrie aufgrund der Nutzung von IFRS-Daten liegen mehrere Ergebnisse vor, die sich auf die Güte von Gewinnschätzungen durch Finanzanalysten, die Geld-Brief-Spanne und die Eigenkapitalkosten beziehen. Letztere behandele ich im nächsten Kapitel, weil deren Messbarkeitsprobleme eine umfangreichere Erörterung verlangen. Ashbaugh/Pincus zeigen, dass die Vorhersagefehler für den Gewinn von Finanzanalysten abnehmen416, wenn die Zahl der Unterschiede bei den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden des nationalen Rechts gegenüber den IFRS abnimmt. „This suggests that firms domiciled in countries with accounting standards that require less disclosure and/or have more measurement method choices as compared to IAS benefit relatively more from adopting IAS because sophisticated users of their financial reports are now able to predict with greater accuracy a key valuation-relevant factor.“417 Ihre Ergebnisse basieren auf 80 Unternehmen aus 13 Ländern, die zwischen 1990 und 1993 auf IFRS wechselten. Deutschland war hierbei nicht vertreten. Cuijpers/Buijink untersuchten die Konsequenzen des Wechsels auf IFRS oder US-GAAP im Jahre 1999 in einer Stichprobe von 114 Unternehmen aus 12 Ländern (80 davon wechselten auf IFRS; 35 waren in Deutschland notiert418) und erhielten eine stärkere Streuung der Analystenschätzungen für den Gewinn419. Daske fand für den Zeitraum zwischen 1993 und 2002 für in Deutschland notierte Unternehmen eine geringere Prognosegenauigkeit und eine höhere Streuung der Prognosen zwischen Analysten, aber keinen signifikanten Unterschied in der Streuung der Änderung der Analystenprognosen, die (u. a.) aufgrund von Abschlüssen nach IFRS oder US-GAAP und HGB vorgenommen wurden420. Ernstberger/Krotter/Stadler untersuchen 591 deutsche Unternehmen, die zwischen den Jahren 1998 und 2004 von HGB auf IFRS oder US- GAAP gewechselt haben. Über den gesamten Zeitraum betrachtet ist der absolute skalierte Prognosefehler nach HGB zwar geringer als nach IFRS oder US-GAAP, aber Verlustjahre kommen häufiger bei Gesellschaften 416 Der Fehler ist die Differenz aus berichtetem Gewinn pro Aktie im Jahr t und dem Median der Analystenschätzungen für das Jahr t, dividiert durch den Aktienkurs zu Beginn des Jahres. Vgl. Ashbaugh/Pincus (2001), S. 422 f. 417 Ashbaugh/Pincus (2001), S. 430. 418 Vgl. Cuijpers/Buijink (2005), S. 494. 419 Vgl. Cuijpers/Buijink (2005), S. 515. 420 Vgl. Daske (2005a), S. 106–110. 10.6 Informationsasymmetrie und IFRS

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS