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10.3 Prognoseeignung von IFRS-Kennzahlen in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 230 - 231

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_230

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 219 10.3 Prognoseeignung von IFRS-Kennzahlen 219 (grundsätzlich) großzahlig und vermeiden die bei den Befragungen und Experimenten erwähnten Nachteile. 10.3 Prognoseeignung von IFRS-Kennzahlen Zur Prognoseeignung von IFRS-Daten liegen kaum Ergebnisse vor. Van der Meulen/Gaeremynck/Willekens prüfen, ob der skalierte Gewinn einer Periode mit Hilfe der skalierten Gewinne der beiden Vorperioden vorhergesagt werden kann. Hierbei vergleichen sie auch die Prognosekraft von Gewinnen nach US-GAAP mit denen nach IFRS. Ihre Daten erfassen 128 Unternehmen, die am Neuen Markt in Deutschland zwischen den Jahren 2001 und 2003 notiert waren. Dabei erweist sich die Prognosekraft nach US-GAAP als deutlich besser. Diese Aussage basiert auf dem R2, das für die Regressionsgleichung mit Gewinnen nach US-GAAP bei rd. 46 % liegt, während es für Gewinne nach IFRS rd. 19 % ausmacht397. Gassen/Sellhorn finden in ihrer Analyse von 630 freiwilligen IFRS-Anwendern in Deutschland in den Jahren zwischen 1998 und 2004 eine geringere Vorhersagekraft von Gewinnen nach IFRS statt nach HGB398. Auf den ersten Blick ist dieses Ergebnis für die IFRS enttäuschend, aber mehrere Gründe können dafür verantwortlich sein. Erstens lässt die Regressionsgleichung jede theoretische Begründung vermissen und das Ergebnis kann zufällig sein. Zweitens ist unklar, wie sehr die Abschlüsse den Regelsystemen entsprochen haben. Die Abschlüsse am Neuen Markt waren bekanntermaßen trotz Prüfung in Einzelfällen stark mit Fehlern belastet399. Drittens waren die Anforderungen von US-GAAP in vielen Fällen eindeutiger als die von IFRS. Studien zur Prognoseeignung von Kennzahlen für finanzielle Schwierigkeiten, z. B. in Form von Kreditstörungen, in der Nachfolge von Ball/ Brown liegen vermutlich deshalb nicht vor, weil lange Datenreihen für IFRS-Anwender fehlen. So wurden bei vergleichbaren Studien nach HGB konzernfreie Unternehmen betrachtet400. Für diese gibt es keinen Grund, IFRS-Abschlüsse vorzulegen. Das Gesetz fordert dies nicht; Konzernrichtlinien für diese Unternehmen fehlen. Die Hinwendung 397 Van der Meulen/Gaeremynck/Willekens (2007), S. 136. Zur Kritik hieran und zur Erwiderung vgl. die Diskussion von Hope und den Verfassern im selben Heft. 398 Vgl. Gassen/Sellhorn (2006), S. 379. 399 Vgl. auch Ballwieser (2001c); Glaum/Street (2002) und (2003). 400 Vgl. z. B. Baetge/Beuter/Feidicker (1992), S. 754; grundlegend schon Baetge (1980). 10.3 Prognoseeignung von IFRS-Kennzahlen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 220 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB220 zu IFRS kann sich nur aus dem Druck von Aufsichtsorganen oder Banken ergeben. Dieser war erst nach der sog. IAS-Verordnung des Jahres 2002, wahrscheinlich sogar erst nach dem Umstellungszwang für kapitalmarktorientierte Konzerne in den Jahren 2005 bis 2007 zu erwarten. Auch fehlen aufgrund der relativ jungen IFRS-Anwendung große Ausfallzahlen401. 10.4 Wertrelevanz von IFRS-Kennzahlen Zum Vergleich der Wertrelevanz von IFRS- gegenüber HGB-Daten liegen mehrere Studien mit widersprüchlichen Ergebnissen vor. So regressieren Bartov/Goldberg/Kim jährliche Aktienrenditen auf Gewinne vor außerordentlichen Posten von 417 in Deutschland notierten Unternehmen für die Jahre 1998 bis 2000 und erhalten grundsätzlich eine signifikant höhere Wertrelevanz bei Abschlüssen nach IFRS und US-GAAP gegenüber solchen nach HGB402. Das Ergebnis ist gegenläufig zu dem von Hung/Subramanyam403. Diese untersuchen mit einer Stichprobe von 80 deutschen Unternehmen die Einflüsse einer erstmaligen Verwendung von IFRS in der Zeit zwischen 1998 und 2002. Da im Umstellungsjahr die Vorjahreswerte sowohl nach HGB als auch nach IFRS angegeben werden müssen, lassen sich sämtliche Untersuchungen für jeweils dasselbe Unternehmen vornehmen, ohne Vergleichsunternehmen zu benötigen. Die Autoren finden, dass das Gesamtvermögen und der Buchwert des Eigenkapitals wie auch die Variabilität des Buchwerts und des Gewinns signifikant höher in Abschlüssen nach IFRS als nach HGB sind. Die kombinierte Wertrelevanz von Buchwert des Eigenkapitals und Gewinn nach IFRS ist hingegen nicht stärker als bei Werten nach HGB; sie ist vielmehr geringfügig niedriger404. Schließlich untersucht Vorstius die Wertrelevanz von Buchwert des Eigenkapitals und Gewinn nach Steuern für zwei Gruppen von möglichst vergleichbaren Unternehmen, die in den Jahren 1998 bis 2000 einerseits HGB-, andererseits IFRS- oder US-GAAP-Abschlüsse aufgestellt haben (jeweils 338 Unternehmen), und erhält bessere Ergebnisse für Unterneh- 401 Vgl. Mahlstedt (2008), S. 312–314. 402 Vgl. Bartov/Goldberg/Kim (2005), S. 108. Dies gilt nicht bei Verlust ausweisenden Unternehmen. Vgl. Bartov/Goldberg/Kim (2005), S. 110 f.; Lindemann (2006), S. 981. 403 Vgl. Hung/Subramanyam (2007) sowie Lindemann (2006), S. 981 f. 404 Das korrigierte R2 ist 80 % gegenüber 84 %. Vgl. Hung/Subramanyam (2007), S. 643 f. 10.4 Wertrelevanz von IFRS-Kennzahlen

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References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS