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10.1 Plausibilitäten in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 224 - 225

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_224

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 213 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB 10.1 Plausibilitäten Gegenüber dem HGB haben die IFRS auf den ersten Blick zahlreiche Vorteile: (a) Die IFRS sind an einem einzigen Ziel, der Vermittlung entscheidungsnützlicher Information, ausgerichtet und können damit frei von kompromisshaften Lösungen sein, die im Hinblick auf die Erfüllung einander wenigstens zum Teil widersprechender Ziele – wie Informationsvermittlung und vorsichtige Zahlungsbemessung für Zwecke der Ausschüttung – zu erwarten sind. (b) Die IFRS stellen die (tatsächlichen und potentiellen) Eigentümer des Unternehmens als Adressaten der Rechnungslegung in den Vordergrund. Diese sind als Residualanspruchsberechtigte auch besonders zu schützen, weil andere Parteien – von Deliktgläubigern abgesehen – grundsätzlich die Möglichkeit haben, sich vertraglich zu schützen364. (c) Aus der Informationsfunktion folgen vorteilhafte Regelungen wie der Ansatz auch selbsterstellter immaterieller Anlagewerte, das Verbot des Ansatzes von Innenverpflichtungen, Gewinnvereinnahmung nach Fertigungsfortschritt, umfangreiche Postenerläuterungsund weitergehende Informationspflichten (z. B. über Beziehungen zu nahestehenden Personen) und Einschränkungen expliziter Wahlrechte. (d) Der Ansatz von Zeitwerten geht nicht nur auf das – den Vorsichtsgedanken konkretisierende – Imparitätsprinzip zurück, sondern erfolgt, z. B. bei bestimmten Finanzinstrumenten, symmetrisch. Das verbessert die Information. (e) Durch die Einschränkung von expliziten Wahlrechten und relativ klare Bilanzierungsregeln lässt sich die Prognose künftiger Cash Flows verbessern und wird das „Rauschen“ des Informationsflusses gegenüber dem Kapitalmarkt in Relation zum HGB verringert, sodass Eigen- und Fremdkapitalkosten sinken können. 364 Das Argument verlangt vollständige Verträge. Hieran gibt es Zweifel. Vgl. Schmidt/Maßmann (1999), S. 145 f. 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB 10.1 Plausibilitäten Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 214 10. Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber dem HGB214 Gerade die Kapitalkostenwirkung ist zentral für die Argumentation von Verfechtern der internationalen wie der US-amerikanischen Rechnungslegung. So hat z. B. Arthur Levitt, früherer Vorsitzender der Securities and Exchange Commission, im Jahr 1998 festgestellt: „(…) high quality accounting standards result in greater investor confidence, which improves liquidity, reduces capital costs, and makes fair market prices possible.“365 Und: „That‘s why we can‘t sacrifice quality. The truth is, high quality standards lower the cost of capital. And that‘s a goal we share.“366 Ähnlich äußern sich Marten et al.: „Eine langfristig angelegte realistische Abbildung des tatsächlichen Geschäftsverlaufs führt (…) aus Sicht der Eigenkapitalgeber zu einer Reduktion des Risikos und damit zu einer Verringerung der Renditeforderungen. Dies bewirkt letztlich eine Reduktion der Kapitalkosten, was für Unternehmen erhebliche Vorteile mit sich bringt.“367 Ich gebe im Folgenden einen Überblick über Fragestellungen und Ergebnisse empirischer Untersuchungen zur Wirkung von IFRS – teils ohne, teils mit Bezug auf das HGB – und konzentriere mich anschließend auf die Frage der Kapitalkostensenkung. 10.2 Fragestellungen empirischer Untersuchungen zur Wirkung von IFRS368 Empirische Untersuchungen zur Wirkung von IFRS lassen sich methodisch unterschiedlich gestalten. Zu denken ist an (a) Befragungen von Adressaten der Rechnungslegung wie Aktionäre, Finanzanalysten, Gläubiger369 oder an Befragungen von (nach bestimmten Kriterien definierten) Experten370, 365 Levitt (1998), S. 81. 366 Levitt (1998), S. 82. 367 Marten/Schlereth/Crampton/Köhler (2002), S. 2010. 368 Ich folge in den Kapiteln 10.2 bis 10.6 stark, überwiegend wörtlich, Ballwieser (2008), S. 3–11. 369 Vgl. z. B. hinsichtlich der Verwendung von Rechnungslegungsdaten durch Investoren Ernst/Gassen/Pellens (2009) und (2005). 370 Vgl. z. B. Daske/Gebhardt (2006). Untersucht wird die Qualität von Abschlüssen deutscher, österreichischer und schweizer Unternehmen, die IFRS oder US-GAAP anwenden. Maßstab sind auf eine Bandbreite von 0 bis 100 standardisierte Punktskalen der Zeitschriften Capital, Focus Money, Bilanz und Trend. Diese Punktskalen sind notwendigerweise subjektiv. 10.2 Fragestellungen empirischer Untersuchungen

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS