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9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 211 - 220

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_211

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 200 9. Konzernbesonderheiten200 9.10.4 Zwischenergebniseliminierung Zwischenergebnisse sind unrealisierte Erfolge aus konzerninternen Lieferungen und Leistungen während der Berichtsperiode und schlagen sich am Bilanzierungsstichtag in den noch im Konzernbestand befindlichen Vermögenswerten nieder. Die Zwischenergebnisse sind aus den in der Summenbilanz enthaltenen Beständen herauszurechnen. Hierzu ist der Einzelbilanzwert eines konzernintern gelieferten Vermögenswertes mit den Konzernanschaffungs- oder Konzernherstellungskosten zu vergleichen. Die Korrekturbuchungen hängen von dem verwendeten Verfahren in der Gewinn- und Verlustrechnung ab. Für das Gesamtkostenverfahren lassen sich folgende Konstellationen unterscheiden: Lieferung … in das Vorratsvermögen in das AnlagevermögenLieferer hat Vermögenswerte … Abnehmer hat verarbeitet Abnehmer hat nicht verarbeitet bearbeitet (Erzeugnisse) Innenumsatz ist gegen Materialaufwand des Abnehmers zu saldieren Innenumsatz ist auf Bestandserhöhungen bei Erzeugnissen umzugliedern Innenumsatz ist auf aktivierte Eigenleistungen umzugliedern nicht bearbeitet (Waren) Innenumsatz ist gegen Materialaufwand des Lieferers zu saldieren Tab. 9: Ertrags- und Aufwandssaldierung bei der Lieferung von Vorräten Quelle: Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 782 in Anlehnung an Busse von Colbe/Ordelheide/Gebhardt/Pellens (2006), S. 447 Einfacher ist die Korrektur beim Umsatzkostenverfahren. Hier „sind die Innenumsatzerlöse in allen Fällen gegen die Herstellungskosten des Umsatzes (beim Lieferer) sowie gegen einen im Vorrats- bzw. Sachanlagevermögen des Abnehmers befindlichen Zwischenerfolg zu eliminieren.“325 9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill Der Goodwill ist mindestens einmal im Jahr auf Werthaltigkeit zu testen (IAS 36.90) und gegebenenfalls außerplanmäßig abzuschreiben (IAS 325 Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 780. 9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 201 9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill 201 36.59). Der Zeitpunkt des regelmäßig vorgenommenen Tests kann vom bilanzierenden Unternehmen frei gewählt werden, ist aber dann für die Folgejahre stetig beizubehalten (IAS 36.96). Unregelmäßig vorgenommene Tests können aufgrund von unterjährig sich ergebenden Anhaltspunkten über Wertminderungen nötig werden. IAS 36.12 enthält Beispiele für solche Anhaltspunkte. Für den Werthaltigkeitstest ist der Buchwert des Goodwill mit dem erzielbaren Betrag zu vergleichen. Der Vergleich findet auf Ebene der zahlungsmittelgenerierenden Einheit oder deren Gruppen statt (IAS 36.80; vgl. auch Kapitel 9.10.1.6). Ist der erzielbare Betrag niedriger als der Buchwert, muss ein Wertminderungsaufwand gebucht werden (IAS 36.104). Hierbei ist der dem Minderheitsanteil zuzurechnende Geschäftsoder Firmenwert in die Berechnung einzuschließen (vgl. Beispiel 7 der Erläuternden Beispiele von IAS 36). Wird die außerplanmäßige Abschreibung nötig, ist zunächst der Goodwill zu mindern. Übersteigt der Wertminderungsaufwand den Buchwert des Goodwill der Einheit, ist der verbleibende Unterschiedsbetrag auf die übrigen Vermögenswerte der Einheit im Verhältnis ihrer Buchwerte zu verteilen (IAS 36.104(b)). Untergrenze der Bewertung der übrigen Vermögenswerte ist – vereinfacht ausgedrückt – der höhere Wert aus Null oder dem erzielbaren Betrag, soweit dieser bestimmbar ist (IAS 36.105); das spart regelmäßig liquide Mittel von der Wertminderung aus. Ein deswegen nicht verteilbarer Wertminderungsaufwand hat pro rata auf die verbleibenden Vermögenswerte der Einheit verteilt zu werden. Sofern auch danach ein Restbetrag verbleibt, ist gegebenenfalls eine Schuld zu passivieren (IAS 36.108)326. Die Goodwillabschreibung kann mit der Abschreibung anderer Vermögenswerte der betroffenen (Gruppen von) zahlungsmittelgenerierenden Einheit(en) konkurrieren. „Um eine zu hohe Abschreibung des Goodwill zu Gunsten anderer Vermögenswerte derselben cash generating unit zu vermeiden, schreibt IAS 36.97 für die Fälle, in denen der Impairmenttest für andere Vermögenswerte zum selben Zeitpunkt wie der Impairmenttest für den Goodwill durchgeführt wird, vor, dass zunächst der Impairmenttest für diese anderen Vermögenswerte durchzuführen ist.“327 Entscheidend für die außerplanmäßige Abschreibung ist neben der Abgrenzung der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten und der Verteilung des Goodwill auf diese die Ermittlung des erzielbaren Betrags328. Der erzielbare Betrag ist das Maximum aus beizulegendem Zeitwert abzüglich der Verkaufskosten und Nutzungswert (IAS 36.6). Der Nut- 326 Vgl. mit Beispielen Dobler (2005), S. 27 f. 327 Brücks/Kerkhoff/Richter (2005), S. 1; im Original z. T. hervorgehoben. 328 Ich folge ab hier weitgehend wörtlich Ballwieser (2006), S. 274–278. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 202 9. Konzernbesonderheiten202 zungswert ist als „Barwert der künftigen Cashflows, der voraussichtlich aus einem Vermögenswert oder einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit abgeleitet werden kann“ (IAS 36.6; im Original hervorgehoben), definiert. Er ist ein Kapitalwert. Der um die Verkaufskosten zu vermindernde beizulegende Zeitwert ist entsprechend IFRS 13 zu ermitteln (vgl. oben Kapitel 9.10.1.4). In praxi werden hierbei vielfach nicht beobachtbare Einsatzgrößen ins Spiel kommen, d. h. man befindet sich auf der niedrigsten Ebene mit Einsatzgrößen der Ebene 3 nach IFRS 13.72. Ein prominentes Beispiel sind die Discounted Cash Flow-Verfahren329. Dadurch verschwimmen – wie gleich zu zeigen ist – aber die Grenzen gegenüber dem Nutzungswert. Zur Ermittlung des Nutzungswerts stellen sich folgende Fragen: (1) Wie ist das Bewertungsverfahren normiert? (2) Wie wird die Unsicherheit berücksichtigt? (3) Wie sind die Cash Flows zu prognostizieren? (4) Ist die Finanzierung zu berücksichtigen? (5) Welche Steuern sind zu erfassen? (6) Welcher Zins ist zu verwenden? IAS 36.30 und andere Regelungen enthalten keine Vorgaben zum Bewertungsverfahren im Sinne einer möglichen DCF-Variante330. Jedoch finden sich Forderungen nach der Einhaltung von Äquivalenzprinzipien, die man aus der Unternehmensbewertung kennt331. Angesprochen werden •• die Risikoäquivalenz (IAS 36.32), •• die Kaufkraftäquivalenz (IAS 36.40) und •• die Währungsäquivalenz (IAS 36.54). Die Unsicherheit kann gemäß IAS 36.32 bei den Cash Flows (das entspricht grundsätzlich der Sicherheitsäquivalentmethode332) und dem Zins (das entspricht grundsätzlich der Risikozuschlagsmethode333) berücksichtigt werden. Praktische Bedeutung dürfte nur die zweite Vorgehensweise haben. In der Beispielrechnung von IAS 36.A8 zur Unsicherheitsberücksichtigung findet sich ein Fehler, weil unsichere Cash Flows mit sicheren Zinsen diskontiert werden, was ohne sog. risikoangepasste oder risiko- 329 Vgl. zu den Varianten der DCF-Verfahren z. B. Ballwieser (2011a), S. 132–198; Hachmeister (2000), S. 91–139. 330 Rudimentäre Angaben finden sich im Anhang von IAS 36. Hierauf wird im Zusammenhang mit der Ermittlung des Zinsfußes noch eingegangen. 331 Vgl. insb. Moxter (1983), S. 155–202; Ballwieser/Leuthier (1986), S. 607–610. 332 Vgl. hierzu z. B. Ballwieser (2011a), S. 67–80. 333 Vgl. z. B. Ballwieser (2011a), S. 81–84. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 203 9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill 203 neutrale Wahrscheinlichkeiten334, an die der IASB nicht denkt, theoretisch nicht zu begründen ist335. Darüber hinaus sollen unter der Vokabel „Traditional Approach“ nicht etwa – wie theoretisch geboten – Erwartungswerte von Wahrscheinlichkeitsverteilungen mit risikoangepassten Zinsfüßen abgezinst werden, sondern wahrscheinlichste Werte (= Modalwerte). Welche Zinsfüße hier gelten, ist unbestimmt. Man weiß nur, dass es Zinssätze nach dem Capital Asset Pricing Model336 (CAPM) im Allgemeinen nicht sein können337. Eine Ausnahme läge dann vor, wenn die Wahrscheinlichkeitsverteilung symmetrisch wäre, weil dann der Erwartungswert mit dem Modalwert übereinstimmen würde. Weiterhin ist unklar, wie sich die in IAS 36.30 angesprochenen Faktoren wie Illiquidität, die Marktteilnehmer „bei der Preisgestaltung der künftigen Cashflows“ (IAS 36.30(e)) berücksichtigen würden, von dem „Preis für die mit dem Vermögenswert verbundene Unsicherheit“ (IAS 36.30(d)) trennen lassen338. Zur Cash-Flow-Prognose gibt es folgende Hinweise: Zu schätzen sind die Cash Flows in der Währung, in der sie generiert werden (IAS 36.54). Zu diskontieren sind sie mit einem für die Währung angemessenen Zins. Der Barwert ist mit dem Devisenkassakurs umzurechnen. Für die ökonomischen Rahmenbedingungen soll die beste Einschätzung des Managements relevant sein, aber ein größeres Gewicht ist auf externe Hinweise zu legen (IAS 36.33(a)). Empfohlen wird ein Phasenmodell339. Hierbei hat die erste Phase grundsätzlich einen Zeitraum von maximal fünf Jahren; für die zweite Phase ist eine angemessene Wachstumsrate (größer, kleiner oder gleich Null) zu verwenden. Nicht einfließen dürfen in die Ermittlung des Cash Flow solche Zahlungen, die auf einer künftigen Restrukturierung, zu der das Unternehmen noch nicht verpflichtet ist, basieren, oder die zu einer Verbesserung oder Erhöhung der Ertragskraft des Vermögenswerts beitragen sollen, d. h. Erweiterungsinvestitionen (IAS 36.44). Hiergegen wird eingewendet, dass bewertungsrelevantes Wissen vernachlässigt wird, weil Restrukturierungen nach investitionstheoretischen Gründen nur geplant werden, wenn sie vorteilhaft sind: „Der VIU (value in use, W.B.) einer CGU (cash generating unit, W.B.) wird um diese positiven Zielbeiträge zu niedrig 334 Vgl. hierzu insb. Kruschwitz/Löffler (2006), S. 27 f. 335 Vgl. auch Hachmeister (2008), S. 253: „Die Beschreibung der Verfahren im Anhang ist jedoch undurchsichtig (…)“. 336 Vgl. Sharpe (1964); Lintner (1965); Mossin (1966). 337 Vgl. Mandl (2005), S. 151. 338 Vgl. Mandl (2005), S. 140 f. 339 Vgl. hierzu z. B. Ballwieser (2011a), S. 63–67. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 204 9. Konzernbesonderheiten204 ermittelt.“340 Diesem Informationsverlust steht ein Objektivierungsvorteil gegenüber, der sich freilich nur auf eine von vielen zu schätzenden Komponenten bezieht und insofern relativ ist. Um Doppelzählungen zu vermeiden, sind Cash Flows vor Finanzierung zu verwenden (IAS 36.43(b), .50 und .76(b)). Gleichermaßen sollen die Cash Flows solche vor Unternehmens- und persönlichen Steuern sein (IAS 36.50), unter anderem auch, um Doppelzählungen zu vermeiden. Zumindest gegen die Vernachlässigung der Unternehmenssteuereffekte lassen sich die gleichen Einwendungen bezüglich der Vernachlässigung bewertungsrelevanten Wissens vorbringen341. Die Vorgaben, wonach neben Ersatzinvestitionen nur bereits eingeleitete Erweiterungsinvestitionen oder Desinvestitionen berücksichtigt werden dürfen und Finanzierungseffekte zu vernachlässigen sind, lassen – wie Hachmeister zu Recht feststellt – keinen Raum für Ausschüttungsplanungen und führen zur Vollausschüttungshypothese342. Das schafft hingegen einen – auch von Hoffmann herausgestellten – Widerspruch zur Wachstumsannahme der Cash Flows in der zweiten Phase, wenn die Wachstumsrate positiv ist und nicht auf Preisniveausteigerungen, sondern Investitionen des Unternehmens zurückgeht343. Gemäß IAS 36.55 f. ist ein Zins vor Steuern anzusetzen. Er soll den Zeiteffekt erfassen sowie spezielle Risiken eines Vermögenswerts, für die die Cash Flows nicht angepasst wurden. Gemäß IAS 36.A17 können die gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten, der Zinssatz für Neukredite des Unternehmens und andere marktübliche Fremdkapitalzinssätze als Ausgangspunkte dienen. Der Verweis auf die gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten (= weighted average cost of capital oder WACC) verblüfft. Diese hier mit dem Symbol k belegte Größe enthält bei dem in praxi gegenüber dem Total Cash Flow-Verfahren beliebteren Free Cash Flow-Verfahren – wie die folgende Gleichung (1) zeigt – die Eigenkapitalkosten des verschuldeten Unternehmens vEKr , die Eigenkapitalquote EK/GK (zu „Marktwerten“344), die Fremdkapitalkosten FKr , den Unternehmenssteuersatz s und die Fremdkapitalquote FK/GK (zu „Marktwerten“)345: 340 Beyhs (2002), S. 206. 341 Vgl. Beyhs (2002), S. 207. 342 Vgl. Hachmeister (2008), S. 258 f. 343 Vgl. Hachmeister (2008), S. 258 f.; ferner Haufe IFRS-Kommentar/Freiberg/ Hoffmann (2012), § 11 Rz. 132; 344 Der Marktwert ist kein realisierter Marktpreis, sondern eine aufgrund einer Kapitalwertberechnung mit zahlreichen Annahmen sich ergebende theoretische Größe und insofern nur ein potentieller Marktpreis. Das erklärt die Anführungszeichen. 345 Vgl. z. B. Ballwieser (2011a), S. 161. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 205 9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill 205 (1) vEK FK EK FK k = r + r (1-s) . GK GK Da Finanzierung und Besteuerung für die Ermittlung des Nutzungswertes irrelevant sein sollen, passen die gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten im Sinne der Unternehmensbewertungstheorie nicht als Referenzpunkt346. Auch müssen diese auf Cash Flows bei reiner Eigenfinanzierung angewendet werden. Überträgt man diese Idee auf den Nutzungswert, degenerieren die gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten zu den Eigenkapitalkosten eines unverschuldeten Unternehmens347, d. h. zu uEKr . Genau diese sind aber kein Element der gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten. Sie werden es erst durch Verwendung der Modigliani/Miller-Anpassung in einer Welt ohne Steuern und mit einem Fremdkapitalzins für das Unternehmen in Höhe des risikolosen Zinssatzes348. Dann gilt (2) vEK FK EK FK k = r + r GK GK und (3) v u uEK EK EK FK FK r = r + (r - r ) . EK Ersetzt man in Gleichung (2) die Variable vEKr gemäß Gleichung (3), so resultiert349 (4) uEKk = r . Zwar passt die Modigliani/Miller-Welt vor Steuern zum WACC gemäß Gleichung (1) und der Reaktionshypothese gemäß Gleichung (3). Aber Beispielrechnungen in der Literatur gehen keineswegs wie beschrieben vor, sondern berechnen gewogene Kapitalkosten, indem die Eigenkapitalkosten nach Unternehmenssteuern aus dem CAPM in solche 346 Vgl. auch Mandl (2005), S. 153 f.: „In einer Welt mit Steuern hängt die Höhe des WACC (…) vom jeweiligen Verschuldungsgrad ab, was der in IAS 36.A19 geforderten Unabhängigkeit des Diskontierungssatzes von der Kapitalstruktur widerspricht.“ 347 So auch Mandl (2005), S. 154, und Hachmeister (2008), S. 259 und S. 261. 348 Vgl. Modigliani/Miller (1958), S. 271. 349 Vgl. Hachmeister (2008), S. 261: „Akzeptieren wir den neoklassischen Bewertungsrahmen von Modigliani/Miller, kann der Diskontierungssatz als die gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten ohne Abzug eines Steuerfaktors (tax shield) oder als Eigenkapitalkostensatz bei vollständiger Eigenfinanzierung verstanden werden.“ Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 206 9. Konzernbesonderheiten206 vor Unternehmenssteuern umgerechnet und Kapitalquoten nach einer Zielkapitalstruktur angesetzt werden350: (5) v EK FK k r EK FK k(neu) = = + r . (1-s) (1-s) GK GK Das Ergebnis dürfte nur zufällig mit den Eigenkapitalkosten des unverschuldeten Unternehmens gemäß Gleichung (4) übereinstimmen: Weder entsprechen die Kapitalquoten nach der Zielkapitalstruktur derjenigen, die das Unternehmen im Bewertungszeitpunkt aufweist351, noch ist davon auszugehen, dass die Eigenkapitalkosten des verschuldeten Unternehmens richtig bestimmt werden, weil Gleichung (3) das unendliche Rentenmodell voraussetzt, das in praxi regelmäßig nicht erfüllt sein wird. Damit sind auch die Eigenkapitalkosten des verschuldeten Unternehmens v EKr , wenn sie nach dem CAPM unter Rückgriff auf empirische Daten bestimmt werden, nur zufällig richtig. Die Höhe des Fehlers ist nicht allgemein abzuschätzen, sondern hängt von einer Vielzahl von Annahmen ab. Konsequenz der Überlegungen ist, dass die IFRS den Nutzungswert durch Rückgriff auf Free Cash Flows und WACC bestimmen wollen, diese Größen aber anders als in der Unternehmensbewertungstheorie definieren352: Der Free Cash Flow wird nicht um Unternehmenssteuern gemindert. Der WACC hat keinen Steuersatz und verlangt Eigenkapitalkosten des verschuldeten Unternehmens. Wie die im WACC-Ansatz immer zum Ausdruck kommende Überlegung der Mischfinanzierung zu einer vermeintlichen Rechnung vor Finanzierung passt, bleibt in den IFRS offen. Das Problem kann nur durch Rückgriff auf die Eigenkapitalkosten des unverschuldeten Unternehmens, mithin die alleinige Erfassung des Investitionsrisikos – und damit die praktische Missachtung des WACC –, gelöst werden353. Das Problem ist keineswegs theoretischer Natur, da die Unternehmen offenbar häufig von diesem Verfahren ausgehen, um die Werthaltigkeit des Goodwill zu testen354. Hierbei ist unklar, ob die Vorgehensweise 350 Vgl. Wolz (2005), S. 251. 351 Vgl. auch das Beispiel von Wolz (2005), S. 251 f., in dem die Eigenkapitalquote nach der Zielkapitalstruktur 50 % beträgt, während sie nach dem Zahlenbeispiel rd. 76 % ausmacht. 352 Vgl. auch zur Steuervernachlässigung Mandl (2005), S. 142. 353 Vgl. Mandl (2005), S. 154 f. Zu weiteren Kritikpunkten vgl. auch Brücks/ Kerkhoff/Richter (2005), S. 5. 354 Nach der empirischen Untersuchung von Pellens et al. (2005), S. 15, stehen zur Berechnung des erzielbaren Betrags die investitionstheoretischen Verfahren und hier besonders der WACC-Ansatz im Vordergrund. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 207 9.11 Werthaltigkeitstest des Goodwill 207 der Praxis mit der Theorie in Übereinstimmung steht. Man darf daran begründete Zweifel haben. Ein wichtiger Kritikpunkt an dieser Form der Behandlung des Goodwill sind nicht nur die mit der Ermittlung des erzielbaren Betrags verbundenen Freiräume des Managements, welche die Zuverlässigkeit der Rechnungslegung beeinträchtigen können355, sondern auch die Vermengung von – grundsätzlich nicht zu aktivierendem – originärem Goodwill mit derivativem Goodwill im Rahmen des Werthaltigkeitstests. Damit verbunden ist die Idee, dass jede Wertminderung auch Ausdruck überhöhter Kaufpreiszahlung oder nicht erreichter Planung aus dem Erwerbsobjekt sei. „Sie gleicht vielfach einem Eingeständnis, einen überhöhten Kaufpreis für ertragreiche Zukunftsaussichten gezahlt zu haben, die sich im Zeitablauf nicht bewahrheitet haben.“356 Während gegen die Kritik der Vermengung von originärem und derivativem Goodwill nichts einzuwenden ist, ist – wie Schultze darlegt – die letztgenannte Schlussfolgerung keineswegs zwingend: Auch dann, wenn sich das Erwerbsobjekt wie erwartet nach dem Erwerbsvorgang entwickelt, kann es geboten sein, einen Wertminderungsaufwand zu buchen. Der Grund liegt darin, dass der erworbene Goodwill, der dem Barwert sog. Residualgewinne (vgl. auch Kapitel 10.7.2) entspricht, auf im Zeitablauf sinkende Residualgewinne zurückgeht, was mit dem geplanten oder erwarteten Zurückgehen von „Überrenditen“ korrespondiert357. Neben dieser Kritik ist festzuhalten, dass es dem IASB nicht gelungen ist, die Trennung zwischen beizulegendem Zeitwert abzüglich Veräu- ßerungskosten und Nutzungswert überzeugend zu etablieren, weil in den meisten Fällen die Vertrags- oder Marktdaten zur Bestimmung des beizulegenden Zeitwertes fehlen werden und – genau wie beim Nutzungswert – auf DCF-Verfahren zurückgegriffen werden muss. Die Literatur sieht den größten Unterschied in der Pflicht zur Eliminierung von Erweiterungsinvestitionen bei der Berechnung des Nutzungswertes, während diese gegebenenfalls beim beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten zu berücksichtigen sind358. Zugleich wird zu Recht konstatiert, dass unklar ist, welche Investitionen hiermit genau gemeint sind359. „Als Unterschied auf konzeptioneller Ebene ist zu beachten, dass in die Ermittlung des fair value less costs to sell Marktannahmen einfließen, 355 Vgl. z. B. Pottgießer/Velte/Weber (2005), S. 1751 f.; Saelzle/Kronner (2004), S. S163. 356 Pottgießer/Velte/Weber (2005), S. 1750, mit Verweis auf Heyd (2004), S. 281. 357 Vgl. Schultze (2005), S. 283–287; Schultze/Hirsch (2005), S. 149. 358 Vgl. Brücks/Kerkhoff/Richter (2005), S. 5. 359 Vgl. Brücks/Kerkhoff/Richter (2005), S. 6. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 208 9. Konzernbesonderheiten208 in die Ermittlung des value in use dagegen unternehmensspezifische Annahmen. Im Einzelfall ist es schwierig, unternehmensspezifische Annahmen von Marktannahmen zu trennen. Zudem stellt sich das Problem der Ermittlung von Marktannahmen, denn viele Parameter, die in Discounted Cashflow-Verfahren einfließen, sind nicht unmittelbar Märkten zu entnehmen.“360 Die auf den ersten Blick überzeugende Trennung alternativer Verwendungsmöglichkeiten für die zahlungsmittelgenerierende Einheit und den darin enthaltenen Goodwill, nämlich Nutzung oder Verkauf, wird dadurch praktisch weitgehend hinfällig. Wenn darauf verwiesen wird, dass nur der beizulegende Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten praktisch relevant sein könne, weil der beizulegende Zeitwert die Erweiterungsinvestitionen nicht vernachlässige und diese von rational handelnden Investoren nur durchgeführt werden würden, wenn ihr Nettokapitalwert größer Null sei361, so gilt dies nur unter den weiteren Vorbehalten, dass (a) klar ist, was die Erweiterungsinvestitionen genau kennzeichnet, und (b) die Veräußerungskosten nicht spürbar werden. Am ersten Punkt hatte ich Zweifel geäußert; der zweite kann nur empirisch erhoben werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine empirische Studie von Müller/Reinke, die 130 Konzernabschlüsse der am 1.10.2008 im DAX, MDAX und SDAX enthaltenen Unternehmen untersuchten. 129 Unternehmen bilanzierten nach IFRS, eines nach US-GAAP. Die Untersuchung bezieht sich auf Wertminderungstests generell, d. h. nicht nur auf solche für den Geschäfts- oder Firmenwert, sondern auch für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Man darf allerdings davon ausgehen, dass Goodwill-Tests dominant sind. Ihr Resultat lautet: „Von den insgesamt 118 Unternehmen, welche im Jahr 2007 in ihrem Anhang Angaben in Bezug auf den Impairment-Test machen, greifen 16 (13,56 %) auf den Nettoveräußerungswert und 67 (56,78 %) auf den Nutzungswert als erzielbaren Betrag zurück. Weitere 2 (1,69 %) Unternehmen nutzen in Abhängigkeit vom Bewertungsobjekt teilweise den Nettoveräußerungswert und teilweise den Nutzungswert als erzielbaren Betrag. Der Nettoveräußerungswert wird jedoch fast ausschließlich mit dem kapitalwertorientierten Verfahren bestimmt. Bei den verbleibenden 360 Brücks/Kerkhoff/Richter (2005), S. 6. 361 Vgl. Brücks/Kerkhoff/Richter (2005), S. 5; Kuhlewind (2008), S. 408. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 209 9.12 Equity-Bewertung 209 33 (27,97 %) Unternehmen ist aus den Anhangangaben nicht eindeutig ersichtlich, auf welcher Grundlage der erzielbare Betrag basiert.“362 9.12 Equity-Bewertung Die Equity-Bewertung gilt für Gemeinschaftsunternehmen und für assoziierte Unternehmen. Ausnahmen von der zwingenden Anwendung der Equity-Bewertung regelt IAS 28.17-19. IAS 28.3 definiert jeweils (im Original hervorgehoben): „Ein Gemeinschaftsunternehmen ist eine gemeinschaftliche Vereinbarung, bei der die Parteien, die die gemeinschaftliche Führung der Vereinbarung innehaben, Rechte am Nettovermögen der Vereinbarung besitzen.“ „Eine gemeinschaftliche Vereinbarung ist eine Vereinbarung, bei der zwei oder mehr Parteien die gemeinschaftliche Führung innehaben.“ „Gemeinschaftliche Führung ist die vertraglich geregelte Teilung der Beherrschung einer Vereinbarung, die nur dann gegeben ist, wenn Entscheidungen über die maßgeblichen Tätigkeiten die einstimmige Zustimmung der sich die Beherrschung teilenden Parteien erfordern.“ Ein assoziiertes Unternehmen ist ein Unternehmen, bei dem der Anteilseigner über maßgeblichen Einfluss verfügt (IAS 28.3) und das weder ein Tochterunternehmen noch ein Anteil an einem Gemeinschaftsunternehmen ist (IAS 28.2), denn es gilt: „Maßgeblicher Einfluss ist die Möglichkeit, an den finanz- und geschäftspolitischen Entscheidungen des Beteiligungsunternehmens mitzuwirken, nicht aber die Beherrschung oder die gemeinschaftliche Führung der Entscheidungsprozesse.“ (IAS 28.2; im Original hervorgehoben) Auf die Wahrnehmung der Möglichkeit zur Mitwirkung an den finanzund geschäftspolitischen Möglichkeiten kommt es nicht an. Der maßgebliche Einfluss wird widerlegbar vermutet, wenn der Anteilseigner direkt oder indirekt über mindestens 20 % der Stimmrechte verfügt (IAS 28.5). „Bei der Equity-Methode wird die Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen beim erstmaligen Ansatz mit den Anschaffungskosten angesetzt.“ (IAS 28.10) 362 Müller/Reinke (2010), S. 28. Zu ähnlichen Ergebnissen vgl. Castedello/Klingbeil (2012), S. 484; Glaum/Wyrwa (2011), S. 68; KPMG (2011), S. 18 f. 9.12 Equity-Bewertung

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References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS