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9.9 Fremdwährungsumrechnung in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 189 - 192

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_189

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 178 9. Konzernbesonderheiten178 Dies schafft praktisch große Probleme278, weil die Einflussnahmemöglichkeit auf assoziierte Unternehmen nicht so groß ist wie bei Tochteroder Gemeinschaftsunternehmen (vgl. Kapitel 9.1 und 9.12). Für deutsche Unternehmen, die konsolidiert werden müssen und nicht bereits nach IFRS Jahresabschlüsse erstellen, ergibt sich wegen der Verpflichtung der kapitalmarktorientierten Konzerne, einen IFRS-Konzernabschluss zu erstellen, hier eine besondere Arbeitslast. 9.9 Fremdwährungsumrechnung Für die Fremdwährungsumrechnung gilt IAS 21. Dieser Standard regelt gemäß Abs. 3 (a) die Bilanzierung von Geschäftsvorfällen und Salden in Fremdwährungen außer solchen Geschäftsvorfällen und Salden, die derivatbezogen sind (für sie gilt IAS 39), (b) die „Umrechnung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage“279 ausländischer „Geschäftsbetriebe“280, die durch Vollkonsolidierung oder durch die Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen werden, und (c) die „Umrechnung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage“ eines Unternehmens in eine Darstellungswährung. IAS 21.8 unterscheidet folgende Währungen: (a) Die Darstellungswährung ist die Währung, in der die Abschlüsse dargestellt werden. (b) Die funktionale Währung ist die Währung des primären Wirtschaftsumfelds, in dem das Unternehmen tätig ist. Für deren Feststellung ist in erster Linie erheblich, in welcher Währung Preise und Kosten für die Produkte angegeben werden; Finanzierungsvorgänge sind erst danach von Bedeutung (IAS 21.9 f.). Für die Bestimmung der funktionalen Währung eines ausländischen Unternehmens gibt IAS 21.11 folgende Faktoren an: •• die Tätigkeit des ausländischen Geschäftsbetriebs als erweiterter Bestandteil des berichtenden Unternehmens oder ihre davon weitgehend unabhängige Ausübung (Unabhängigkeit der Tätigkeit), 278 Vgl. auch Hayn/Grüne (2006), S. 22; Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 818. 279 Ein weiteres Beispiel für eigenwilliges Deutsch. 280 Der Ausdruck „Geschäftsbetrieb“ mutet merkwürdig an, weil in der genannten Form Unternehmen einzubeziehen sind. Der Ausdruck umfasst aber auch gemäß IAS 21.8 die hier nicht vertieften gemeinschaftlichen Vereinbarungen. Er geht insofern über Unternehmen hinaus. 9.9 Fremdwährungsumrechnung Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 179 9.9 Fremdwährungsumrechnung 179 •• das Gewicht der Geschäftsvorfälle mit dem berichtenden Unternehmen, bezogen auf das Gesamtgeschäftsvolumen des ausländischen Geschäftsbetriebs (Bedeutung der Tätigkeit), •• die Direktheit der Auswirkungen der Cash Flows des ausländischen Unternehmens auf die Cash Flows des berichtenden Unternehmens (finanzielle Wirkung der Tätigkeit), •• die Finanzierungsunabhängigkeit des ausländischen Unternehmens zur Bedienung vorhandener und im Rahmen des normalen Geschäftsbetriebs erwarteter Schuldverpflichtungen (finanzielle Selbständigkeit). (c) Eine Fremdwährung ist jede andere als die funktionale Währung des berichtenden Unternehmens. Für den Konzernabschluss gilt die Methode der funktionalen Währung, wonach – unter Vernachlässigung von Währungen eines Hochinflationslandes (vgl. zu diesem Fall IAS 21.42 f.) – wie folgt vorzugehen ist: (a) Weitgehend selbständige Tochterunternehmen sind nach der modifizierten Stichtagskursmethode ohne Ergebniswirksamkeit der Umrechnungsdifferenzen zu erfassen (IAS 21.39). „Modifiziert“ heißt, dass nicht alle Bilanzposten zu Stichtagskursen umgerechnet werden. (b) Weitgehend unselbständige Tochterunternehmen sind nach der Zeitbezugsmethode mit regelmäßiger Ergebniswirksamkeit umzurechnen (IAS 21.23-34). Die modifizierte Stichtagskursmethode verlangt: Vermögenswerte und Schulden einer Bilanz sind zum Stichtagskurs umzurechnen. Erträge und Aufwendungen für alle Gesamtergebnisrechnungen sind grundsätzlich zum Wechselkurs am Tag des Geschäftsvorfalls umzurechnen, jedoch sind auch Durchschnittskurse einer Periode erlaubt, soweit die Wechselkurse nicht stark schwanken (IAS 21.39-40). Die Umrechnungsdifferenzen sind als separater Teil des Eigenkapitals anzusetzen. IAS 21 sagt nichts über die Umrechnung des Eigenkapitals, will aber die Auswirkungen der Umrechnung im Eigenkapital ausweisen (IAS 21.39(c)). Das Eigenkapital darf deshalb nicht zum Stichtagskurs umgerechnet werden. Vielmehr ist, um die Erfolgsneutralität der Umrechnungsvorgänge zu sichern, „eine Umrechnung dieser einzelnen Eigenkapitalbestandteile mit denjenigen Kursen erforderlich, die zu den Zeitpunkten ihrer jeweiligen, aus Konzernsicht erfolgten Zugänge galten (…).“281 Das sind die historischen Kurse. Wenn sämtliche Posten der Gesamtergebnisrechnung mit Durchschnittskursen umgerechnet 281 Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 711. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 180 9. Konzernbesonderheiten180 wurden, resultiert daraus keine Umrechnungsdifferenz. Dann geht die bilanziell ausgewiesene Umrechnungsdifferenz allein auf Differenzen bei den jeweiligen Eigenkapitalkomponenten wie Anfangsbestand, Periodenergebnis als Zugang, Dividendenausschüttung als Abgang zurück282. Für den Erstansatz von Fremdwährungsgeschäften im Jahresabschluss und für die Zeitbezugsmethode im Konzernabschluss gilt: „Die Fremdwährungstransaktion ist erstmalig in der funktionalen Währung anzusetzen, indem der Fremdwährungsbetrag mit dem am jeweiligen Tag des Geschäftsvorfalls gültigen Kassakurs zwischen der funktionalen Währung und der Fremdwährung umgerechnet wird.“ (IAS 21.21) Es bleibt offen, ob oder wann Geld-, Brief- oder Mittelkurs anzusetzen sind. Aus praktischen Erwägungen sind Durchschnittskurse einer Woche oder eines Monats erlaubt, sofern die Wechselkurse nicht stark schwanken (IAS 21.22). Kriterien hierfür werden nicht genannt. Für den späteren Bilanzansatz verlangt IAS 21.23: (a) Für – in IAS 21.8 und .16 definierte – monetäre Posten gilt der Stichtagskurs. (b) Bei nicht monetären Posten ist zu unterscheiden: •• Wurden diese Posten zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten in Fremdwährung bewertet, dann ist mit dem Kurs am Tag des Geschäftsvorfalls (historischer Kurs) umzurechnen. Dies betrifft auch mit diesen Posten in Zusammenhang stehende Aufwendungen und Erträge wie Abschreibungen283. •• Wurden diese Posten mit dem beizulegenden Zeitwert in Fremdwährung bewertet, dann gilt der Kurs, der am Tag der Ermittlung des Wertes gültig war (das ist oft der Stichtagskurs284). „Gleiches gilt für die entsprechenden Aufwendungen und Erträge.“285 Bezüglich der Erfolgswirksamkeit gilt: (a) Umrechnungsdifferenzen von monetären Posten sind grundsätzlich erfolgswirksam zu erfassen (IAS 21.28). (b) Umrechnungsdifferenzen aus einem monetären Posten, der Teil einer Nettoinvestition des berichtenden Unternehmens in einen ausländischen Geschäftsbetrieb ist (das sind langfristige Forderungen oder Darlehen, keine aus Lieferungen und Leistungen), sind im 282 Vgl. das Beispiel bei Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 711–713. 283 Vgl. auch Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 702. 284 Wegen früher vorgenommener Neubewertung kann auch ein historischer Kurs relevant sein. Vgl. auch Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 702. 285 Pellens/Fülbier/Gassen/Sellhorn (2011), S. 702. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 181 9.10 Erstkonsolidierung (Vollkonsolidierung) 181 Abschluss des berichtenden Unternehmens oder gegebenenfalls im Abschluss des ausländischen Unternehmens im Ergebnis zu erfassen. Im Konzernabschluss erfolgt hingegen der Ansatz als separater Bestandteil des Eigenkapitals. Die Umrechnungsdifferenz wird erst bei Veräußerung ergebniswirksam (IAS 21.32). (c) IAS 21.30 regelt, dass Umrechnungsdifferenzen aus Erträgen und Aufwendungen aus der Bewertung von nicht monetären Posten bezüglich der Ergebniswirksamkeit deren Behandlung folgen: „Wird ein Gewinn oder Verlust aus einem nicht monetären Posten direkt im sonstigen Ergebnis erfasst, ist jeder Umrechnungsbestandteil dieses Gewinns oder Verlusts ebenfalls direkt im Eigenkapital zu erfassen. Umgekehrt gilt: Wird ein Gewinn oder Verlust aus einem nicht monetären Posten im Gewinn oder Verlust erfasst, ist jeder Umrechnungsbestandteil dieses Gewinns oder Verlusts ebenfalls im Gewinn oder Verlust zu erfassen.“286 9.10 Erstkonsolidierung (Vollkonsolidierung) 9.10.1 Kapitalkonsolidierung 9.10.1.1 Überblick Kapitalkonsolidierung bedeutet, den Beteiligungsbuchwert der Mutter gegen das anteilige Eigenkapital der Tochter zu verrechnen: „Im Konzernabschluss (…) werden der Buchwert der dem Mutterunternehmen gehörenden Anteile an jedem Tochterunternehmen und der Anteil des Mutterunternehmens am Eigenkapital jedes Tochterunternehmens verrechnet (eliminiert) (siehe IFRS 3, in dem dargelegt wird, wie ein resultierender Geschäfts- oder Firmenwert zu bilanzieren ist) (…).“ (IFRS 10.B86) Ohne die Eliminierung käme es zu einer Doppelzählung, wenn man die gleichartigen Posten in den einzelnen Abschlüssen der Konzernmitglieder einfach summieren würde: Bei der Mutter wäre die Beteiligung an der Tochter als Vermögenswert aktiviert. Zugleich würden durch die Summation die hinter der Beteiligung stehenden Vermögenswerte und Schulden nochmals in den Konzernabschluss eingehen. Das Beteiligungsvermögen würde doppelt gezählt. 286 Es handelt sich um eine zweifach vom IASB abweichende EU-Übersetzung und ist ferner insoweit wenig überzeugend, als im ersten Satz von „im sonstigen Ergebnis“ auf „im Eigenkapital“ gewechselt wird. 9.10 Erstkonsolidierung (Vollkonsolidierung)

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Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS