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5.3 Folgebewertung in:

Wolfgang Ballwieser

IFRS-Rechnungslegung, page 127 - 144

Konzept, Regeln und Wirkungen

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4562-6, ISBN online: 978-3-8006-4563-3, https://doi.org/10.15358/9783800645633_127

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 116 5. Bilanzbewertung116 5.3 Folgebewertung 5.3.1 Sachanlagen201 5.3.1.1 Wahlmöglichkeit Ein Unternehmen kann zur Folgebewertung von Vermögenswerten der Sachanlagen (a) die fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten heranziehen oder (b) eine Neubewertung auf Basis des beizulegenden Zeitwertes vornehmen. Im ersten Fall ist der Vermögenswert nach seinem Erstansatz zu den um kumulierte planmäßige Abschreibungen und alle kumulierten Abwertungsverluste verminderten Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen (IAS  16.30). Abwertungsverluste sind gemäß IAS  36 zu berücksichtigen (IAS 16.63). Alternativ ist der Vermögenswert zu einem Neubewertungsbetrag anzusetzen, der seinem beizulegenden Zeitwert am Tage der Neubewertung abzüglich nachfolgender kumulierter planmäßiger Abschreibungen und Abwertungsverluste entspricht. Es besteht keine Bewertungsobergrenze in Höhe der ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Neubewertungen müssen mit hinreichender Regelmäßigkeit erfolgen, damit der Buchwert nicht wesentlich von dem Wert abweicht, der sich bei einer Bewertung mit dem beizulegenden Zeitwert am Bilanzstichtag ergeben würde (IAS 16.31). Die gewählte Methode ist einheitlich auf eine gesamte Gruppe von Vermögenswerten der Sachanlagen anzuwenden (IAS 16.29). Bei einer Gruppe von Sachanlagen sind die zugehörigen Sachanlagen sowohl ähnlicher Art als auch ähnlicher betrieblicher Verwendung. Eine weitere Differenzierung, z. B. nach Segmenten (IFRS 8) oder zahlungsmittelgenerierenden Einheiten (IAS 36.6), ist nicht erforderlich202. Beispiele für Gruppen von Sachanlagen sind gemäß IAS 16.37 (a) unbebaute Grundstücke, (b) Grundstücke und Gebäude, (c) Maschinen und technische Anlagen, (d) Schiffe, (e) Flugzeuge, (f) Kraftfahrzeuge, 201 Ich folge in diesem Abschnitt stark, z. T. wörtlich, Ballwieser (2013). 202 Vgl. Beck-IFRS-HB/Scharfenberg (2013), § 5 Rz. 124. 5.3 Folgebewertung Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 117 5.3 Folgebewertung 117 (g) Betriebsausstattung und (h) Büroausstattung. Die Gegenstände innerhalb einer Gruppe sind gleichzeitig neu zu bewerten, um eine Mischung aus fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten und beizulegenden Zeitwerten zu verschiedenen Zeitpunkten zu vermeiden. Jedoch darf die Gruppe auf rollierender Basis neubewertet werden, sofern ihre Neubewertung in einer kurzen Zeitspanne vollendet wird und die Neubewertungen aktuell sind (IAS 16.38). Neben der gewählten Bewertungsmethode ist zu unterscheiden, ob es sich bei den Sachanlagen um abnutzbare oder nicht abnutzbare Vermögenswerte handelt. Erstere werden planmäßig über die erwartete Nutzungsdauer abgeschrieben und erfahren gegebenenfalls eine weitere außerplanmäßige Wertminderung. Letztere kennen keine planmäßige Abschreibung und erleiden allenfalls eine außerplanmäßige Wertminderung. 5.3.1.2 Neubewertungsmethode Die für die Neubewertung maßgeblichen beizulegenden Zeitwerte waren bis Mai 2011 gemäß IAS 16.32-33 grundsätzlich über Marktwerte der Sachanlagen auf aktiven Absatzmärkten zu bestimmen, wobei Transaktionskosten unberücksichtigt bleiben. Waren aktuelle Marktwerte nicht zu erheben, konnten durch Schätzungen ermittelte Marktwerte herangezogen werden, die z. B. an Marktwerten ähnlicher Vermögenswerte, vergangenen Transaktionspreisen oder dem Barwert der künftigen dem Gegenstand zurechenbaren Cash Flows anknüpfen. Waren für spezielle Sachanlagen in Ausnahmefällen auch solche Schätzungen von Marktwerten nicht möglich, konnte auf fortgeführte Wiederbeschaffungskosten zurückgegriffen werden. Mit der Verabschiedung von IFRS 13 im Mai 2011 sind diese Regelungen entfallen. Nunmehr ist dieser Standard gemäß IASB mit Wirkung ab dem Geschäftsjahr 2013 für die methodische Konkretisierung des beizulegenden Zeitwerts und die mit diesem Wertkonzept verbundenen Anhangangaben einschlägig (IFRS 13.5), während er die Anwendungsbereiche des beizulegenden Zeitwerts offen lässt. Auch wenn IFRS 13 noch nicht von der EU übernommen wurde, lege ich ihn hier der Diskussion zugrunde. Wie schon oben ausgeführt (vgl. S. 102), definiert IFRS 13.9 den beizulegenden Zeitwert als den Preis, der bei Verkauf eines Vermögenswerts oder bei Übertragung einer Schuld im Rahmen einer gewöhnlichen Transaktion zwischen Marktteilnehmern am Bewertungsstichtag erzielt werden würde. Damit gilt ein marktbasiertes, kein unternehmensbe- Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 118 5. Bilanzbewertung118 zogenes Bewertungskonzept und es wird von einem Abgangspreis für einen Vermögenswert ausgegangen. Für die unterstellte Transaktion ist der Hauptmarkt oder – bei seinem Fehlen – der vorteilhafteste Markt bedeutsam. Der Hauptmarkt hat den größten Umschlag oder das größte Aktivitätsniveau für den Vermögenswert und ist insofern grundsätzlich aus Sicht der zu bewertenden Posten zu bestimmen. Da nicht alle Unternehmen denselben Zugang zum Hauptmarkt aufweisen, dieser Zugang aber verlangt wird, kann es für verschiedene Unternehmen selbst bei identischen Gütern verschiedene Hauptmärkte geben. Auf dem vorteilhaftesten Markt wird der unter Berücksichtigung von Transport- und Transaktionskosten maximale Erlös erzielt. Eine erschöpfende Suche nach beiden Märkten wird nicht verlangt. Das Unternehmen soll vielmehr alle Informationen berücksichtigen, die vernünftigerweise zugänglich sind. Bis zum offenkundigen Beweis des Gegenteils darf angenommen werden, dass der üblicherweise benutzte Markt relevant ist (IFRS 13.17). Sachanlagen sind – wie andere nicht finanzielle Vermögenswerte – nach dem Konzept der Erzielung des „höchsten und besten Nutzens“ zu bewerten, wobei der größtmögliche Nutzen im Unternehmen selbst oder durch Verkauf an einen Marktteilnehmer hergestellt werden kann (IFRS 13.27) und seine Erzielung derzeit nicht beabsichtigt sein muss (IFRS 13.29). Jedoch zählt die widerlegbare Vermutung, dass die gegenwärtige Nutzung der größtmöglichen Nutzenstiftung entspricht (IFRS 13.29). Die größte Nutzenstiftung kann – stets aus Markt- statt aus Unternehmenssicht – durch eine isolierte Nutzung des Vermögenswerts oder durch eine Nutzung im Verbund mit anderen Vermögenswerten oder mit anderen Vermögenswerten und Schulden erzielt werden (IFRS 13.31). Die Bewertung setzt dabei an der Bewertungseinheit gemäß IAS 16 an, auch wenn eine Bewertung im Gruppenverbund erfolgt (IFRS 13.32). Die Umsetzung dieser Überlegung verlangt komplexe, Freiräume für das Management schaffende Überlegungen203. Die Bewertungsmethoden zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts sollen die Verwendung von relevanten beobachtbaren Einsatzgrößen maximieren und die Verwendung von nicht beobachtbaren Einflussgrö- ßen minimieren (IFRS 13.67). Zur Unterstützung von Widerspruchsfreiheit und Vergleichbarkeit der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert schafft IFRS 13 eine Hierarchie von Einsatzgrößen durch deren Zuweisung zu drei Ebenen. In ihr stehen notierte und unangepasste Preise aus aktiven Märkten für identische Güter auf der höchsten Ebene (sie haben Einsatzgrößen der Ebene 1) und nicht beobachtbare Einsatzgrößen auf der niedrigsten Ebene (sie haben Einsatzgrößen der Ebene 203 Vgl. Schildbach (2012), S. 527-532; ders. (2011), S. 75-77; ders. (2010), S. 72 f. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 119 5.3 Folgebewertung 119 3) (IFRS 13.72). Dazwischen stehen direkt oder indirekt beobachtbare Preise, die nicht die Eigenschaften von Ebene 1 aufweisen, weil sie z. B. aus inaktiven Märkten stammen oder sich auf ähnliche statt identische Güter beziehen (IFRS 13.82). Eine Einsatzgröße der Ebene 2 ist z. B. ein aus Transaktionen gewonnener Quadratmeterpreis für hinsichtlich Lage, Bauart und Ausstattung vergleichbare Gebäude (IFRS 13.B35(g)). Sofern man sich nur auf von Gutachtern geschätzte Marktwerte stützt, bewegt man sich auf Ebene 3. Das hiermit verbundene Problem ist, dass die Schätzungen der Gutachter häufig voneinander abweichen, weil sie regelmäßig auf Transaktionen mit nur teilweise vergleichbaren Objekten Bezug nehmen müssen204. Selbst veröffentlichte Listen mit erhobenen Transaktionspreisen vernachlässigen die besonderen Gegebenheiten des Grundstücks oder des Gebäudes und stellen bestenfalls Mittelwerte für durchschnittliche Objekte einer bestimmten Kategorie dar. Die Häufigkeit der Neubewertung hängt von den Veränderungen des beizulegenden Zeitwertes ab. Eine Neubewertung ist durchzuführen, wenn beizulegender Zeit- und Buchwert wesentlich voneinander abweichen. Bei geringfügigen Änderungen des beizulegenden Zeitwertes können Neubewertungen alle drei oder fünf Jahre genügen; bei bedeutenden und stark schwankenden Änderungen können sie aber auch jährlich nötig werden (IAS 16.34). Im Rahmen der Neubewertung eines Vermögenswerts wird die kumulierte Abschreibung (a) entweder proportional zur Änderung des Bruttobuchwertes neu festgelegt (b) oder gegen den Bruttobuchwert verrechnet, und der daraus resultierende Nettobetrag wird neu bewertet (IAS 16.35). Die erste Methode wird häufig bei einer indirekten Neubewertung des gebrauchten Gegenstandes unter Rückgriff auf die Wiederbeschaffungskosten eines neuen Gegenstandes, der z. B. mithilfe eines Index ermittelt wird, verwendet. (Streng genommen sind nach IFRS 13.9 Wiederbeschaffungskosten irrelevant, weil auf Veräußerungspreise abzustellen ist.) Die zweite Methode wird beispielsweise für Gebäude, für die direkt ein Marktpreis für gebrauchte Gegenstände vorliegt, benutzt. Beispiel: Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten betragen 100, die voraussichtliche Nutzungsdauer ist 5 Jahre, die Abschreibung erfolgt linear. 204 Vgl. auch das Beispiel von Baetge (2009), S. 19, bei dem sich je nach Makler für eine Büroimmobilie im Frankfurter Bankenviertel ein Mietzins zwischen 35 DM/qm und 85 DM/qm ergeben hat. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 120 5. Bilanzbewertung120 Wird nach zwei Perioden neu bewertet, sucht man nach der ersten Methode die Wiederbeschaffungskosten. Sie sollen um 20 % von 100 auf 120 gestiegen sein. Die alten kumulierten Abschreibungen in Höhe von 40 (über zwei Perioden) sind proportional zu der Preissteigerung zu erhöhen, d. h. von 40 um 20 % auf 48. Der Buchwert nach Abschreibung beträgt 72 (120 – 48) statt 60 (100 – 40). Nach der zweiten Methode würde man von dem Buchwert nach Abschreibung (100 – 40 = 60) ausgehen und für einen zwei Perioden lang genutzten Gegenstand die Wiederbeschaffungskosten suchen. Sie betragen annahmegemäß 72. Im Exposure Draft „Annual Improvements to IFRSs 2010-2012 Cycle“ ist eine Änderung der soeben beschriebenen Behandlung der kumulierten Abschreibung im Rahmen der Neubewertung eines Vermögenswerts vorgesehen (vgl. S. 49-53). Dadurch soll gesichert werden, dass die Höhe der kumulierten Abschreibung nicht davon abhängt, nach welcher Variante sie berechnet wird. Konkret ist geplant, bei der ersten Methode keine proportional zur Veränderung des Bruttobuchwerts erfolgende Anpassung der kumulierten Abschreibung mehr zu fordern. Letztere soll stattdessen als Differenz der Brutto- und Nettobuchwerte berechnet werden. Hintergrund dieser Änderung ist, dass die bislang geforderte proportionale Anpassung nicht ohne Weiteres einzuhalten ist, wenn vor der Neubewertung bereits eine Änderung des Restwerts, der Nutzungsdauer oder der Abschreibungsmethode aufgetreten ist. Im Zuge der geplanten Anpassung des IAS 16.35 sollen auch die Hinweise auf hauptsächliche Anwendungsbereiche der beiden Berechnungsvarianten gestrichen werden. Wird aufgrund einer Neubewertung der Buchwert erhöht, wird die Erhöhung (a) Ertrag, soweit sie eine in der Vergangenheit als Aufwand erfasste Abwertung aufgrund einer Neubewertung desselben Vermögenswerts rückgängig macht, und sonst (b) erfolgsneutral dem Eigenkapital als Neubewertungsrücklage zugebucht (IAS 16.39). Wird aufgrund einer Neubewertung der Buchwert vermindert, wird die Abwertung (a) direkt mit einer zugehörigen Neubewertungsrücklage verrechnet, soweit sie den Betrag der entsprechenden Neubewertungsrücklage nicht übersteigt, und sonst (b) als Aufwand erfasst (IAS 16.40). Die zu einem Vermögenswert der Sachanlagen gehörende Neubewertungsrücklage kann direkt den Gewinnrücklagen zugeführt werden. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 121 5.3 Folgebewertung 121 Gemäß IAS 16.41 kann die ganze Neubewertungsrücklage bei Stilllegung und Veräußerung umgegliedert werden; bei einer Nutzung des Vermögenswertes ist die Neubewertungsrücklage schrittweise umzugliedern. In diesem Fall entspricht der realisierte bzw. umzugliedernde Teil der Rücklage der Differenz zwischen der Abschreibung auf den neu bewerteten Buchwert und der Abschreibung auf Basis historischer Kosten. Zuführungen aus der Neubewertungsrücklage in die Gewinnrücklage sind erfolgsneutral vorzunehmen (IAS 16.41). Sofern sich Konsequenzen für die Ertragsteuern ergeben, werden diese nach IAS 12 Ertragsteuern erfasst und ausgewiesen. Die aus der Neubewertung entstehenden latenten Steuern sind erfolgsneutral direkt gegen das Eigenkapital zu buchen, weil auch die Neubewertungsrücklage erfolgsneutral gebildet wird205. In der deutschen Bilanzierungspraxis dominiert die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Eine empirische Untersuchung von Geschäftsberichten für das Jahr 2006 bei Unternehmen des DAX, MDAX und SDAX hat ergeben, dass nur zwei Unternehmen die Neubewertungsmethode anwenden206. Aufgrund des Stetigkeitsgebots (IAS  8.14) ist davon auszugehen, dass für aktuelle Geschäftsberichte vergleichbare Ergebnisse resultieren. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch außerhalb Deutschlands. So kommt eine Studie des Institute of Chartered Accountants in England and Wales durch Auswertung der Geschäftsberichte von 200 zufällig ausgewählten Unternehmen in der EU zu dem Ergebnis, dass 191 Unternehmen alle Sachanlagen zu fortgeführten historischen Kosten bewerten. Die übrigen 9 verwenden die Neubewertungsmethode jeweils auch nur für einzelne Teile ihrer Sachanlagen, in den meisten Fällen für Immobilien, nicht jedoch für andere Sachanlagen207. Abnutzbare Vermögenswerte sind planmäßig abzuschreiben. Die Abschreibung beginnt, wenn sich der Vermögenswert in betriebsbereitem Zustand befindet (IAS 16.55). Abschreibungsparameter sind (a) die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, (b) die Nutzungsdauer, (c) der Restwert, (d) die Abschreibungsmethode. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten wurden bereits in Kapitel 5.2.3 behandelt. 205 Vgl. Wagenhofer (2009), S. 370. 206 Vgl. Müller/Wobbe/Reinke (2008), S. 637; mit ähnlichem Befund auch von Keitz (2005), S. 59. 207 Vgl. Institute of Chartered Accountants in England and Wales (2007), S. 119. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 122 5. Bilanzbewertung122 Die Nutzungsdauer bestimmt sich entweder nach der voraussichtlichen Nutzungszeit des Vermögenswerts im Unternehmen oder der voraussichtlichen Leistungsabgabe des Vermögenswerts (IAS 16.6). Der Restwert ist der geschätzte Nettobetrag, den das Unternehmen gegenwärtig nach Abzug der Abgangskosten für den Vermögenswert erhalten würde, wenn dieser heute bereits das Alter und den Abnutzungsgrad hätte, wie er für das Ende der Nutzungsdauer erwartet wird (IAS 16.6). Die Nutzungsdauer und der Restwert eines Vermögenswerts der Sachanlagen sind zumindest am Ende eines jeden Geschäftsjahres zu überprüfen. Ergeben sich Änderungen in den Erwartungen, so sind diese als Schätzungsänderung gemäß IAS 8 zu behandeln (IAS 16.51). Die Abschreibungen sind als Aufwand zu erfassen (IAS 16.48), wenn sie nicht als Herstellungskosten in die Buchwerte anderer Vermögenswerte, wie in das Vorratsvermögen oder in aktivierte Entwicklungskosten, einzurechnen sind (IAS 16.49). Abschreibungen sind auch dann vorzunehmen, wenn der beizulegende Zeitwert eines Vermögenswerts über dem Buchwert liegt, nicht aber, wenn der Restwert den Buchwert übersteigt (IAS  16.52 und .54). Die Durchführung von Reparaturen und Wartungen eines Vermögenswerts stehen der Notwendigkeit zur planmäßigen Abschreibung nicht entgegen (IAS 16.52). Die Abschreibungsmethode muss dem erwarteten Verbrauch des wirtschaftlichen Nutzens des Vermögenswerts entsprechen und den Abschreibungsbetrag (Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich Restwert) auf systematische Weise auf die Nutzungsdauer verteilen (IAS 16.60 i. V. m. IAS 16.50). „Für die planmäßige Abschreibung kommt eine Vielzahl an Methoden in Betracht (…).“ (IAS 16.62) Hierzu zählen nach IAS 16.62 (a) die lineare Abschreibungsmethode, (b) die degressive Abschreibungsmethode und (c) die leistungsabhängige Abschreibungsmethode. Diese Aufzählung ist beispielhaft, weil weitere Methoden nicht ausgeschlossen sind. Gegen eine abschließende Aufzählung und gegen ein echtes Methodenwahlrecht spricht insbesondere die Zielsetzung der Abschreibung, wonach die Methode nach dem Verbrauch des wirtschaftlichen Nutzens des Vermögenswerts auszuwählen und solange stetig beizubehalten ist, bis es einen Wechsel im erwarteten Verbrauch gibt (IAS 16.62). Die Abschreibungsmethode ist mindestens am Ende eines jeden Geschäftsjahres zu überprüfen und an den erwarteten wirtschaftlichen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 123 5.3 Folgebewertung 123 Nutzenverlauf anzupassen. Ein Wechsel der Abschreibungsmethode ist nach IAS 16.61 i. V. m. IAS 8 erläuterungs-, aber nicht begründungspflichtig208. Der Verbrauch des wirtschaftlichen Nutzens ist allerdings – entgegen des ersten Eindrucks – kein klares Kriterium für die Wahl der Abschreibungsmethode. Sofern nur die technische Leistung betrachtet wird, ist eine nach Leistungsabgabe und so verstandenem Nutzenverbrauch bemessene Abschreibung vermutlich am einfachsten zu ermitteln; unter Umständen lässt sich hiermit auch eine progressive Abschreibung begründen. Ökonomisch interessiert aber die technische Leistung nur sekundär in Form einer Nebenbedingung. Aufgrund der Wartungsund Instandhaltungspolitik ist sie auch kein fester Parameter209. Erheblich komplizierter wird eine Bemessung nach Erfolgsbeitrag und so verstandener wirtschaftlicher Nutzung. Bislang war aus dem Wortlaut des IAS 16 nicht eindeutig ersichtlich, ob planmäßige Abschreibungen auch nach dem Erfolgsbeitrag und so verstandener wirtschaftlicher Nutzung bemessen werden können. Hierzu hätten sich bspw. mengenmäßige Erfolge (Produktions- oder Absatzmengen), Produkterträge (Umsätze210), Produktdeckungsbeiträge oder Produktgewinne angeboten. Bilanzierende, die diese Größen verwenden wollen, kämpfen mit beachtlichen Schätzproblemen und darüber hinaus mit mehr oder minder willkürlichen Unterstellungen. Zur Ermittlung von Produktgewinnen sind bspw. Gemeinkosten zu schlüsseln. Schon bei der Schätzung von Produkterträgen sind neben Preisschätzungen z. B. Absatzverbundeffekte zu berücksichtigen. Von einer Identität der Abschreibung nach Leistungsabgabe und wirtschaftlicher Nutzung im skizzierten Sinne kann nicht ohne weiteres ausgegangen werden. Der IASB hat jedoch im Dezember 2012 einen Standardentwurf veröffentlicht (ED/2012/5), der folgende Aussagen enthält: „A method that uses revenue generated from an activity that includes the use of an asset is not an appropriate depreciation method for that asset, because it reflects a pattern of the future economic benefits being generated from the asset, rather than a pattern of consumption of the future economic benefits embodied in the asset. 208 IAS 16.61 klassifiziert einen Wechsel der Abschreibungsmethode als Schätzungsänderung, nicht als Änderung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden; vgl. auch IAS 8.32-34; vgl. zu den Angabepflichten für die erste Kategorie IAS 8.39-40 und für die zweite Kategorie IAS 8.28–31. 209 Skeptisch zur Feststellung des Nutzungsverlaufs auch Baetge/Kirsch/Thiele (2012), S. 260 f. 210 So grundsätzlich Breidert (1994), S. 9–14, die neben den Umsätzen aber auch noch Instandhaltungsausgaben berücksichtigt. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 124 5. Bilanzbewertung124 When applying the diminishing balance method, information about technical or commercial obsolescence of the product or service output is relevant for estimating both the pattern of consumption of future economic benefits and the useful life of the asset. An expected future reduction in unit selling price of the product or service output of the asset could be an indication of the diminution of the future economic benefits of the asset as a result of technical or commercial obsolescence.“ Die Klarstellungen sind eine Reaktion auf eine Anfrage, die beim IFRIC eingegangen war, und sollen als Tz. 62A und Tz. 62B in IAS 16 ergänzt werden. Konstruktiv gesehen grenzt der Verweis auf den Nutzenverbrauch planmäßige Abschreibungen zur Approximation von Einzelzerschlagungswerten der Gegenstände der Sachanlagen aus. Es wird grundsätzlich von der Unternehmensfortführung ausgegangen (vgl. auch Rahmenkonzept Abs. 4.1). Neben den oben erwähnten linearen, degressiven und progressiven Abschreibungen sind auch Mischungen erlaubt, z. B. im Sinne einer Kombination von (a) erst linearen, dann degressiven Abschreibungen oder (b) erst degressiven, dann linearen Abschreibungen. Die Nutzungsdauer ist regelmäßig zu überprüfen. Wenn sich die Erwartungen von früheren Schätzungen erheblich unterscheiden, sind die Abschreibungen für die betrachtete Periode und für Folgeperioden anzupassen. Das folgende Beispiel geht von Anschaffungskosten von 100 und einer anfangs geschätzten Nutzungsdauer von 10 Perioden aus. Es sieht in Fall a) die in Periode 4 bekannt werdende Nutzungsdauerverkürzung von 10 auf 5 Perioden vor. Fall b) geht hingegen von einer in derselben Periode bekannt werdenden Nutzungsdauerverlängerung auf 13 Perioden aus. Beispiel: Perioden 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Abschreibungsplan 10 10 10 10 10 10 10 10 10 10 Abschreibungen 10 10 10 a) neue planmäßige Abschreibungen 35 35 b) neue planmäßige Abschreibungen 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 Tab. 5: Nutzungsdaueränderungen Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 125 5.3 Folgebewertung 125 Im Fall der Nutzungsdauerverkürzung wird ab dem Jahr der Änderung der Nutzungsdauer (4. Jahr) der Restbuchwert von 70 auf die verkürzte Restnutzungsdauer von zwei Jahren planmäßig verteilt und führt zu Abschreibungen von jeweils 35. Dies entspricht IAS 8.36 und .38, wonach eine Schätzungsänderung prospektiv zu behandeln ist. Darüber hinaus stellt die Nutzungsdauerverkürzung ein Indiz dafür dar, dass ein Wertminderungsbedarf gemäß IAS 36 bestehen könnte. Im Fall der Nutzungsdauerverlängerung wird der Restbuchwert von 70 auf die verlängerte Restnutzungsdauer von zehn Jahren planmäßig verteilt und führt zu Abschreibungen von jeweils 7. 5.3.1.4 Außerplanmäßige Abschreibungen Der Buchwert eines Vermögenswerts darf nicht über dem erzielbaren Betrag liegen. Die Relation beider Werte zueinander ist regelmäßig zu überprüfen. Wenn der erzielbare Betrag unter dem Buchwert liegt, ist unabhängig von der erwarteten Dauer der Wertminderung eine außerplanmäßige Abschreibung auf den erzielbaren Betrag nötig. Maßstäbe zur Ermittlung des erzielbaren Betrags sind der Nettoveräußerungspreis und der Nutzungswert, wobei der höhere Betrag maßgeblich ist (IAS 36.6). Der Nutzungswert resultiert als Barwert künftiger Zahlungsüberschüsse aus dem weiteren Gebrauch des Vermögenswerts und seinem Abgang am Ende der Nutzungsdauer. Gemäß IAS 16.63 gelten für die Bestimmung, ob und in welcher Höhe eine Wertminderung eines Vermögenswerts vorliegt, die Regelungen des IAS 36. Diese beziehen sich auf einzelne Vermögenswerte oder auf zahlungsmittelgenerierende Einheiten (IAS 36.6). Kann die Prüfung einer Wertminderung nicht für einen einzelnen Vermögenswert vorgenommen werden, da sich ein separater erzielbarer Betrag nicht ermitteln lässt, ist die zahlungsmittelgenerierende Einheit, zu der dieser Vermögenswert gehört, dem Werthaltigkeitstest zu unterziehen (IAS 36.66). Das ist für Sachanlagen oftmals gegeben, da sie z. B. aus technischen Gründen nur gemeinsam mit anderen verkauft oder ihnen keine eigenen Zahlungsströme zugeordnet werden können. 5.3.1.5 Zuschreibungen Sind die Umstände und Ereignisse, die eine außerplanmäßige Abschreibung nötig machten, entfallen, ist bei Anwendung der Bewertung zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten eine Zuschreibung gemäß IAS  36.109-123 vorzunehmen (Wertaufholung). Die Zuschreibung ist um die planmäßige Abschreibung zu kürzen, die sich Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 126 5. Bilanzbewertung126 ergeben hätte, wenn die außerplanmäßige Abschreibung nicht erfolgt wäre (IAS 36.117). Nach IAS 36.119 ist die Zuschreibung sofort erfolgswirksam zu vereinnahmen, es sei denn, der Vermögenswert wird mit seinem beizulegenden Zeitwert nach der Neubewertungsmethode gemäß IAS 16 angesetzt. In diesen Fällen ist die Zuschreibung entsprechend den Regelungen zur Neubewertungsmethode gemäß IAS 16.39 zu behandeln. 5.3.2 Finanzielle Vermögenswerte Für die Bewertung nach noch geltendem EU-Recht ist die Einteilung der finanziellen Vermögenswerte in die folgenden vier Kategorien bedeutsam (IAS 39.45): (a) Kredite und Forderungen, (b) bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen, (c) finanzielle Vermögenswerte, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden; sie umfassen (i) zu Handelszwecken gehaltene finanzielle Vermögenswerte und (ii) beim erstmaligen Ansatz dieser Position zugewiesene (gewidmete) finanzielle Vermögenswerte, (d) zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte. Die ersten beiden Kategorien werden zu fortgeführten Anschaffungskosten, die letzten beiden zum beizulegenden Zeitwert bewertet, wobei die Wertänderung bei Kategorie (c) erfolgswirksam, bei Kategorie (d) Finanzielle Vermögenswerte Kredite und Forderungen Bis zur Endfälligkeit zu haltende nanzielle Vermögenswerte Erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bewertendes Finanzvermögen Zur Veräußerung verfügbares Finanzvermögen Fortgeführte Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode Beizulegender Zeitwert (Ausnahme Eigenkapitaltitel, deren beizulegender Zeitwert nicht zuverlässig geschätzt werden kann: Anschaffungskosten) erfolgswirksam erfolgsneutral Abb. 8: Folgebewertung von finanziellen Vermögenswerten Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 127 5.3 Folgebewertung 127 hingegen grundsätzlich erfolgsneutral ist (vgl. IAS 39.55(b) zur Ausnahme bei Wertberichtigungen und Gewinnen und Verlusten aus der Fremdwährungsumrechnung). Die für die ersten beiden Kategorien nötige Effektivzinsmethode wird in IAS 39.9 beschrieben. Der Effektivzins ist der interne Zinsfuß der mit dem Finanzinstrument verbundenen Zahlungsreihe, wobei die vertraglichen Bedingungen zugrunde gelegt werden, jedoch keine erwarteten künftigen Zahlungsausfälle. Letztere führen zu einem Werthaltigkeitstest gemäß IAS 39.58. Auf den ersten Blick erscheint sich hier wegen IAS 39.63 ein Widerspruch zu ergeben, weil dieser künftige, noch nicht erlittene Kreditausfälle als Wertminderungsgrund ausnimmt. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man auf IAS 39.BC108-110 zurückgreift, in denen erwartete künftige Zahlungsausfälle von erlittenen Kreditausfällen abgegrenzt werden. Die erfolgsneutrale Buchung der Wertänderung erfolgt auf einem Rücklagenkonto (IAS 39.55(b)). Zum Ausbuchungszeitpunkt ist der zuvor im Eigenkapital gebuchte kumulierte Gewinn oder Verlust im Periodenergebnis zu erfassen. Um die erfolgsneutrale Erfassung von Wertänderungen zu zeigen, betrachte ich folgendes Beispiel in Anlehnung an Wagenhofer211: Ein Unternehmen erwirbt im Jahr 2006 Wertpapiere mit Anschaffungskosten von 100 zur Anlage liquider Mittel. Werden die Mittel in der Folgezeit benötigt, sollen die Wertpapiere wieder verkauft werden. Die Wertpapiere sind zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte. Der Ertragsteuersatz beträgt 30 %. Am 31.12. 2006 beträgt der beizulegende Zeitwert 120. Die Aufwertung ist steuerlich ohne Bedeutung. Das Unternehmen bucht die Aufwertung der Wertpapiere um 20, 30 % des Aufwertungsbetrags, also 6, als passive latente Steuern und den Differenzbetrag von 14 auf dem Rücklagenkonto: Wertpapiere 20 an Wertänderungsrücklage 14 Passive latente Steuern (30 % von 20) 6 Am 31.12. 2007 beträgt der beizulegende Zeitwert 90. Das Unternehmen bucht spiegelbildlich zu vorher die Abwertung um 30, mindert das Konto der latenten Steuern um 30 % hiervon (also 9) und erfasst die Differenz von 21 auf dem Rücklagenkonto: Wertänderungsrücklage 21 an Wertpapiere 30 Latente Steuern 9 211 Vgl. Wagenhofer (2009), S. 255. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 128 5. Bilanzbewertung128 Im Jahr 2008 mehren sich die Anzeichen, dass der Schuldner insolvent wird. Es ist eine Wertminderung zu erfassen. Am 31.12. 2008 beträgt der erzielbare Betrag 70. Das Unternehmen wertet die Wertpapiere um 20 ab, bucht den Bestand der Wertänderungsrücklage (7 im Soll) und die Latenten Steuern (3 im Soll) aus und erhält eine außerplanmäßige Abschreibung von 30: Außerplanmäßige 30 an Wertänderungsrücklage 7 Abschreibung Latente Steuern 3 Wertpapiere 20 Im Jahr 2009 erholt sich der Schuldner wieder. Der beizulegende Zeitwert am 31.12. 2009 beträgt 110. Das Unternehmen wertet die Wertpapiere um 40 auf, korrigiert die au- ßerplanmäßige Abschreibung des letzten Jahres in Höhe von 30, bildet 30 % des höheren handelsrechtlichen Betrags von 110 gegenüber dem steuerlichen Ansatz von 100 (also 3) als passive latente Steuern und erfasst den verbleibenden Saldo von 7 auf dem Rücklagenkonto: Wertpapiere 40 an Außerplanmäßige 30 Abschreibung Wertänderungsrücklage 7 Passive latente Steuern 3 Wird das zur Veräußerung verfügbare Finanzvermögen veräußert, wird die zugehörige Wertänderungsrücklage erfolgswirksam aufgelöst (IAS 39.55(b)). Durch Umklassifikation der Finanzinstrumente lassen sich Gewinnwirkungen erzielen. Deshalb gibt es hier strikte Regeln. Sie besagen: (a) Umklassifikationen in die Kategorie der erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bewertenden Finanzinstrumente sind verboten (IAS 39.50). (b) Finanzinstrumente des Handelsbestands können hingegen unter bestimmten Bedingungen umklassifiziert werden. Danach darf der finanzielle Vermögenswert nicht mehr länger kurzfristig zu Handelszwecken gehalten werden (IAS 39.50(c)). Erfüllt er ferner (1) die Definition von Krediten und Forderungen und hat das Unternehmen (2) die Absicht und Möglichkeit, ihn auf absehbare Zeit oder bis zur Endfälligkeit zu halten, dann ist er umklassifizierbar in Kredite und Forderungen (IAS 39.50D). Erfüllt er hingegen weiterhin (1) nicht die Definition von Krediten und Forderungen, aber liegen (2) außergewöhnliche Umstände vor (IAS 39.50B), dann ist er entweder in bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen oder in zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte umklassifizierbar. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 129 5.3 Folgebewertung 129 (c) Entfallen die Gründe, eine Finanzinvestition als bis zur Fälligkeit zu halten zu klassifizieren, wird sie als zur Veräußerung verfügbar klassifiziert und statt zu fortgeführten Anschaffungskosten zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Die Differenz zwischen beizulegendem Zeitwert und Buchwert ist (mit Ausnahme von außerplanmäßigen Abschreibungen und Gewinn oder Verlust aus Währungsumrechnungen) im sonstigen Ergebnis und so lange direkt im Eigenkapital zu erfassen, bis der finanzielle Vermögenswert ausgebucht wird (IAS 39.51 und .55(b)). (d) Sind wegen (bestimmten) Verkäufen und Umklassifizierungen die Bedingungen der Einstufung als bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen nicht mehr erfüllt (IAS 39.9), sind diese und alle übrigen bis zur Endfälligkeit zu haltenden Finanzinstrumente in „zur Veräußerung verfügbar“ umzugliedern. Sie werden statt zu fortgeführten Anschaffungskosten zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Die Differenz zwischen beizulegendem Zeitwert und Buchwert ist wie im letzten Aufzählungspunkt beschrieben zu behandeln (IAS 39.52 und .55(b)). (e) „Wird für einen finanziellen Vermögenswert oder eine finanzielle Verbindlichkeit eine verlässliche Bewertung verfügbar, die bisher nicht vorlag, und muss der Vermögenswert oder die Verbindlichkeit zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, wenn eine verlässliche Bewertung verfügbar ist (…), ist der Vermögenswert oder die Verbindlichkeit zum beizulegenden Zeitwert neu zu bewerten (…).“ (IAS 39.53) Die Differenz zwischen beizulegendem Zeitwert und Buchwert ist nach IAS 39.55 erfolgswirksam oder erfolgsneutral zu erfassen. 5.3.3 Immaterielle Anlagewerte Wie bei Sachanlagen kann ein Unternehmen zur Folgebewertung von immateriellen Anlagewerten entweder (a) die fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten heranziehen oder (b) eine erfolgsneutrale Neubewertung auf Basis des beizulegenden Zeitwertes vornehmen. Die gewählte Methode ist einheitlich auf eine gesamte Gruppe von immateriellen Vermögenswerten anzuwenden. „Wird ein immaterieller Vermögenswert nach dem Neubewertungsmodell bilanziert, sind alle anderen Vermögenswerte seiner Gruppe ebenfalls nach demselben Modell zu bilanzieren, es sei denn, dass kein aktiver Markt für diese Vermögenswerte existiert.“ (IAS 38.72) Auf einem aktiven Markt werden Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 130 5. Bilanzbewertung130 (laut Definition) homogene Produkte gehandelt, können vertragswillige Käufer und Verkäufer in der Regel jederzeit gefunden werden und stehen Preise der Öffentlichkeit zur Verfügung (IAS 38.8). „Beispiele für separate Gruppen können sein: (a) Markennamen; (b) Drucktitel und Verlagsrechte; (c) Computersoftware; (d) Lizenzen und Franchiseverträge; (e) Urheberrechte, Patente und sonstige gewerbliche Schutzrechte, Nutzungs- und Betriebskonzessionen; (f) Rezepte, Geheimverfahren, Modelle, Entwürfe und Prototypen; und (g) immaterielle Vermögenswerte in Entwicklung.“ (IAS 38.119) Mit der Forderung des Nachweises eines aktiven Marktes wird die Anwendung der Neubewertungsmethode eingeschränkt. IAS 38 stellt klar, dass die Neubewertungsmethode die Ausnahme von der Regel sein soll: „Auch wenn ein (…) aktiver Markt für einen immateriellen Vermögenswert normalerweise nicht existiert, kann dies dennoch vorkommen. Zum Beispiel kann in manchen Ländern ein aktiver Markt für frei übertragbare Taxilizenzen, Fischereilizenzen oder Produktionsquoten bestehen. Allerdings gibt es keinen aktiven Markt für Markennamen, Drucktitel bei Zeitungen, Musik- und Filmverlagsrechte, Patente oder Warenzeichen, da jeder dieser Vermögenswerte einzigartig ist. Und obwohl immaterielle Vermögenswerte gekauft und verkauft werden, werden Verträge zwischen einzelnen Käufern und Verkäufern ausgehandelt, und Transaktionen finden relativ selten statt. Aus diesen Gründen gibt der für einen Vermögenswert gezahlte Preis möglicherweise keinen ausreichenden substanziellen Hinweis auf den beizulegenden Zeitwert eines anderen. Darüber hinaus stehen der Öffentlichkeit die Preise oft nicht zur Verfügung.“ (IAS 38.78) Entscheidend für die Folgebewertung ist die Klärung der Frage, ob eine begrenzte Nutzungsdauer vorliegt: „Ein Unternehmen hat festzustellen, ob die Nutzungsdauer eines immateriellen Vermögenswerts begrenzt oder unbegrenzt ist, und wenn begrenzt, dann die Laufzeit dieser Nutzungsdauer bzw. die Anzahl der Produktions- oder ähnlichen Einheiten, die diese Nutzungsdauer bestimmen. Ein immaterieller Vermögenswert ist von einem Unternehmen so anzusehen, als habe er eine unbegrenzte Nutzungsdauer, wenn es aufgrund einer Analyse aller relevanten Faktoren keine vorhersehbare Begrenzung der Periode gibt, in der der Vermögenswert voraussichtlich Netto-Cashflows für das Unternehmen erzeugen wird.“ (IAS 38.88) Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 131 5.3 Folgebewertung 131 Ein immaterieller Vermögenswert mit begrenzter Nutzungsdauer wird planmäßig abgeschrieben, ein Vermögenswert mit unbegrenzter Nutzungsdauer erfährt allenfalls eine außerplanmäßige Abschreibung (Wertminderung). Gemäß IAS 38.91 hat der Begriff „unbegrenzt“ nicht dieselbe Bedeutung wie „endlos“, vielmehr braucht – wie IAS 38.88 verdeutlicht – die Begrenzung nur nicht vorhersehbar zu sein. „Die Nutzungsdauer eines immateriellen Vermögenswerts, der aus vertraglichen oder gesetzlichen Rechten entsteht, darf den Zeitraum der vertraglichen oder anderen (sic!) gesetzlichen Rechte212 nicht überschreiten, kann jedoch kürzer sein, je nachdem über welche Periode das Unternehmen diesen Vermögenswert voraussichtlich einsetzt. Wenn die vertraglichen oder anderen gesetzlichen Rechte für eine begrenzte Dauer mit der Möglichkeit der Verlängerung übertragen werden, darf die Nutzungsdauer des immateriellen Vermögenswerts die Verlängerungsperiode(n) nur mit einschließen, wenn es bewiesen ist, dass das Unternehmen die Verlängerung ohne erhebliche Kosten unterstützt.“ (IAS 38.94; im Original hervorgehoben) Die Abschreibung beginnt, wenn der Vermögenswert sich in betriebsbereitem Zustand befindet (IAS 38.97). „Die Amortisationsmethode hat dem erwarteten Verbrauch des zukünftigen wirtschaftlichen Nutzens des Vermögenswerts durch das Unternehmen zu entsprechen. Kann dieser Verlauf nicht verlässlich bestimmt werden, ist die lineare Abschreibungsmethode anzuwenden.“ (IAS 38.97) Der für die Abschreibung maßgebliche Restwert ist in der Regel mit Null anzusetzen (IAS 38.100); dies ist anders bei IAS 16. Ein immaterieller Vermögenswert mit unbegrenzter Nutzungsdauer ist gemäß IAS 36 auf Wertminderung zu prüfen, „indem sein erzielbarer Betrag mit seinem Buchwert (a) jährlich, und (b) wann immer es einen Anhaltspunkt dafür gibt, dass der immaterielle Vermögenswert wertgemindert sein könnte, verglichen wird.“ (IAS 38.108) 5.3.4 Vorräte Für Vorräte gilt der niedrigere Wert aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert (IAS 2.9), insoweit ein strenges Niederstwertprinzip. Für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe ist die Preisent- 212 Der Umgang mit der Sprache ist sorglos: Eine vertragliche Regelung ist keine gesetzliche Regelung, was das „andere“ impliziert. Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 132 5. Bilanzbewertung132 wicklung unerheblich, solange die mit diesen Teilen herzustellenden Fertigerzeugnisse noch oberhalb der Herstellungskosten verkauft werden können (IAS 2.32). Fallen die Umstände, die zu einer Abwertung der Vorräte geführt haben, weg, ist eine Wertaufholung geboten (IAS 2.33). Es fällt auf, dass IAS 2 über Vorräte bei der Folgebewertung – ebenso wie IAS 39 – nicht auf IAS 36 zurückgreift. 5.3.5 Fertigungsaufträge Fertigungsaufträge werden bei Vorliegen der in Kapitel 5.2.4 genannten Bedingungen zu Herstellungskosten plus Gewinnanteil bewertet. Das geschieht bei Zugangs- wie Folgebewertung. Andernfalls gelten die werthaltigen Herstellungskosten. „Ist es wahrscheinlich, dass die gesamten Auftragskosten die gesamten Auftragserlöse übersteigen werden, sind die erwarteten Verluste sofort als Aufwand zu erfassen.“ (IAS 11.36) Insofern werden erwartete Gewinne und erwartete Verluste imparitätisch behandelt. 5.3.6 Finanzielle Verbindlichkeiten Die finanziellen Verbindlichkeiten sind einzuteilen in solche, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden sollen (IAS 39.47), inklusive des Handelsbestands, und sonstige finanzielle Verbindlichkeiten. Die sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten sind zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode zu bewerten (IAS 39.47). Sie wurde in Kapitel 5.3.2 kurz beschrieben. Kurzfristige Verbindlichkeiten, z. B. aus Lieferungen und Leistungen, werden nicht abgezinst und insofern zum Erfüllungsbetrag ausgewiesen. 5.3.7 Rückstellungen „Rückstellungen sind zu jedem Abschlussstichtag zu prüfen und anzupassen, damit sie die bestmögliche Schätzung widerspiegeln. Wenn es nicht mehr wahrscheinlich ist, dass mit der Erfüllung der Verpflichtung ein Abfluss von Ressourcen mit wirtschaftlichem Nutzen verbunden ist, ist die Rückstellung aufzulösen.“ (IAS 37.59) Vahlens Handbücher Ballwieser – IFRS-Rechnungslegung, 3. Auflage Herstellung: Frau Deuringer Stand: 20.03.2013 Status: Druckdaten Seite 133 5.4 Fair-value-Problematik 133 Bei leistungsorientierten Pensionsplänen führten in der Vergangenheit nicht sämtliche Parameteränderungen sofort zur Anpassung des Rückstellungsbetrags, weil Ausnahmen von der notwendigen Anpassung am Bilanzstichtag an die gegebenen neuen Verhältnisse erlaubt waren. Es konnte ein Korridor genutzt werden, innerhalb dessen bestimmte Werte schwanken durften, ohne dass eine Anpassung notwendig wurde. Diese Regelung ist seit der Neufassung von IAS 19 abgeschafft. „Bei Abzinsung spiegelt sich der Zeitablauf in der periodischen Erhöhung des Buchwertes einer Rückstellung wider. Diese Erhöhung wird als Fremdkapitalkosten erfasst.“ (IAS 37.60) 5.4 Fair-value-Problematik An vielen Stellen verwenden die IFRS den beizulegenden Zeitwert oder fair value als Wertkategorie (vgl. auch Kapitel 5.1). Die Aussagekraft von fair values basiert auf einer Modellwelt mit den Annahmen (a) homogener Güter, (b) die auf vollständigen und liquiden Märkten mit vielen Nachfragern und Anbietern ohne individuelle Marktmacht und ohne Transaktionskosten gehandelt werden (vollkommene Konkurrenz) und (c) deren Gleichgewichtspreise den Marktteilnehmern nahezu zeitlos bekannt werden213. Die Bepreisung lässt sich in diesem Sinne nachvollziehen, auch wenn die Wertvorstellungen der einzelnen Marktteilnehmer von dem erzielten Preis mit Ausnahme der Grenzparteien abweichen. Um das Konzept theoretisch gut verwenden zu können, ist auch die Unsicherheit einzubeziehen, d. h. die Güter müssen zeit- und zustandsabhängig definiert und bepreist werden, was im Zeit-Zustands-Modell von Arrow-Debreu214 gelingt, aber von der Realität weit entfernt ist. In der Welt von Arrow-Debreu gibt es auch keinen Grund, Unternehmen zu gründen. Diese werden gegenüber alleinigen Tauschaktionen am Markt erst dadurch sinnvoll, dass sie durch eine Güterkombination Mehrwerte (Kombinationseffekte oder Synergien) schaffen können. Bereits das zeigt, dass das theoretische Modell zur Begründung der Relevanz von fair values von der praktischen Realität weit entfernt ist. Diese Feststel- 213 Vgl. auch Hitz (2005), S. 58 f.; anders Bieker (2006), S. 12, der das Konzept an beobachtbaren Marktpreisen „als Ergebnis des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage“ und nicht an einem Gleichgewichtsmodell verankert sehen will. Offen bleibt, weshalb Marktpreise ohne Gleichgewichtsannahme relevant sein sollen. 214 Vgl. Arrow/Debreu (1954). 5.4 Fair-value-Problematik

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References

Zusammenfassung

IFRS-Rechnungslegung

Dieses Handbuch liefert einen Überblick über das Konzept und die Regeln der IFRS, ohne in einer Flut von Details unterzugehen. Neben der Vermittlung von Grundlagenwissen geht es aber auch um eine Wertung des Regelwerkes im Hinblick auf Konsistenz, Verständlichkeit und empirische Wirkungen auf den Kapitalmarkt.

Die Schwerpunkte

- IFRS als EU-weite Rechnungslegungsnormen

- Regelungsphilosophien des IASB

- Vermögensabbildung versus Gewinnermittlung

- Bilanzansatz und -bewertung

- Gesamtergebnisrechnung

- Weitere Instrumente

- Generalklausel: Vermittlung des den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes

- Konzernbesonderheiten

- Vermeintliche Vorteile der IFRS gegenüber HGB

- Probleme der IFRS