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Kapitel 5: Markt- und Preistheorie in:

Volker Bergen, Wilhelm Löwenstein, Roland Olschewski

Forstökonomie, page 70 - 88

Volkswirtschaftliche Ansätze für eine vernünftige Umwelt- und Landnutzung

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4552-7, ISBN online: 978-3-8006-4553-4, https://doi.org/10.15358/9783800645534_70

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 5.1. Marktfunktionen Ein Markt ist eine soziale Institution, die durch Bekanntgabe einer Zeit, eines Ortes, eines Preises und der Art und Qualität eines Gutes Käufer und Verkäufer zusammenführt, die das Gut gegen Geld tauschen (P. Weise et al., 1991, S.119). Der Markt hat dabei die Aufgabe, die Verkaufspläne der Anbieter und die Einkaufspläne der Nachfrager zu koordinieren. Gelingt die Koordination, dann befindet sich der Markt im Gleichgewicht. Als Koordinator für die Angebots- und Nachfragepläne fungiert der Marktpreis. Er bildet sich auf dem Markt. Die Preisbildung zu erklären, ist eine Hauptaufgabe der Markttheorie. Um die Koordinationsfunktion erfüllen zu können, ist es notwendig, dass das Angebot und die Nachfrage preisabhängig sind. Wir haben diese Frage in der Theorie des Haushalts im 3. Kapitel und der Theorie der Unternehmung im 4. Kapitel ausführlich diskutiert. Um einen Markt in seiner Funktionsweise zu verstehen, bedarf es vielfältiger Informationen. Sie lassen sich mit den Begriffen Marktstruktur, Marktverhalten und Marktergebnis beschreiben (R. Linde, 1996, S.135-137). Die Marktstruktur bildet die für eine bestimmte Zeit geltenden Rahmenbedingungen eines Marktes. Dazu zählen die Anzahl und Größe der Marktteilnehmer auf beiden Marktseiten, die Produktionsmöglichkeiten der Anbieter, die Verwendungsmöglichkeiten der Nachfrager sowie die gesetzlichen Vorschriften des Staates, die insbesondere die wirtschaftliche Freiheit der Marktteilnehmer im Sinne einer Handlungs- und Wahlfreiheit gewährleisten sollen (K. Herdzina, 1999, S.31ff.). Das Marktverhalten beschreibt das Verhalten des einzelnen Marktteilnehmers gegenüber seinen Mitkonkurrenten und gegenüber den Wirtschaftseinheiten der anderen Marktseite. Zwei Verhaltensweisen sind möglich. Gegenüber den anderen Marktteilnehmern kann er sich passiv anpassend oder aktiv führend verhalten. Zur ersten Verhaltensweise gehört das Mengenanpasserverhalten. Hierbei nimmt er den Marktpreis als gegeben und für ihn nicht beeinflussbar hin und richtet seine geplanten Mengen daran aus. Oder er versucht, den Marktpreis zu diktieren, indem er nur bereit ist, eine bestimmte Menge zu diesem Marktpreis zu verkaufen oder zu kaufen. Er verhält sich dann als Preisfixierer oder als Preisführer, eine aktiv führende Verhaltensweise. Das Marktergebnis umfasst den sich bildenden Marktpreis, die umgesetzten Gütermengen und die daraus resultierenden Vor- und Nachteile für die Marktteilnehmer. Letztere können wiederum Änderungen der Rahmenbedingungen auslösen, die ein verändertes Marktverhalten und neue Marktergebnisse beinhalten. So stehen die drei Markteigenschaften in Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 61 einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Die Abbildung 5.1 zeigt die darauf aufbauende Marktsystematik. Markt als Institution und Handlungssystem Eigenschaften Existenz, Eindeutigkeit, Stabilität, Optimalität Marktformen MarktergebnisMarktstruktur Rahmenbedingungen Anzahl und Größe der Marktteilnehmer Produktions- und Verwendungsmöglichkeiten Vertragsfreiheit und Eigentumssicherheit Marktpreis Marktmenge Renten Marktverhalten Mengenanpasser aktiv führend Preisfixierer Preisführer passiv anpassend Konkurrenzmarkt mehrere Preise Heterogenes GutHomogenes Gut Monopolistische Konkurrenz Transportkosten Handelshemmnisse gleiche Informationen sachlich gleichartig keine personalen, räumlichen und zeitlichen Präferenzen personale, räumliche oder zeitliche Präferenzen ein Preis Vollkommener Markt Unvollkommener Markt sachlich verschiedenartig unterschiedliche Informationen Monopolmarkt Abb. 5.1: Marktsystematik Der Marktbegriff umfasst alle Vorgänge, Handlungen oder Aktivitäten, die für den Tausch Gut gegen Geld von Bedeutung sind. Der Markt wird damit als Handlungssystem gesehen, in dem die Marktteilnehmer ihre Ziele unter Beachtung von Regeln zu realisieren suchen (D. Schneider, 1995, S.75ff.). Wenn man die im Handlungssystem ablaufenden Marktprozesse besonders betonen möchte, dann spricht man auch von der Vermarktung der Güter. Der Begriff der Vermarktung findet sich vornehmlich in der landwirtschaftlichen Marktlehre (U. Koester, 1992, S.155ff.), aber auch in der betrieblichen Marktlehre (E. Leitherer, 1989, S.3). Da der Markt als Institution und als Handlungssystem zwei Seiten derselben Münze sind, werden hier Markt und Vermarktung als Synonyme verwendet. Gewisse Standardtypen von Marktstrukturen, verbunden mit den von ihnen nahegelegten Verhaltensweisen, werden in der Lehre von den Marktformen unter- Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen62 sucht. Man kann dabei unterscheiden zwischen einem vollkommenen Markt und einem unvollkommenen Markt. Der vollkommene Markt ist dadurch charakterisiert, dass auf ihm zu einem bestimmten Zeitpunkt ein einheitlicher Preis besteht, zu dem alle Umsätze getätigt werden. Das ist das Gesetz von der Unterschiedslosigkeit der Preise. Ein solches Marktergebnis kann sich nur für ein einheitliches, homogenes Gut einstellen, über dessen Eigenschaften und Preise die Nachfrager die gleichen Informationen besitzen. Ein Gut ist homogen, wenn es im Urteil der Nachfrager sachlich gleichartig ist und keine persönlichen, räumlichen und zeitlichen Präferenzen zwischen den Marktteilnehmern existieren. Sind eine oder mehrere dieser Bedingungen nicht erfüllt, dann handelt es sich um einen unvollkommenen Markt. Die dort gehandelten Güter differieren in der Einschätzung der Marktteilnehmer voneinander, so dass die einzelnen Marktteilnehmer einen preispolitischen Spielraum besitzen und damit unterschiedliche Preise möglich werden. Zwar darf man vermuten, dass alle real existierenden Märkte Marktunvollkommenheiten enthalten, in vielen Fällen sind sie jedoch nicht so gravierend, dass nicht mit der einfacheren Analyse eines vollkommenen Marktes brauchbare Ergebnisse zu erzielen wären. Neben dem Grad der Marktvollkommenheit hängt die Preisbildung auch von quantitativen Strukturen des Angebots und der Nachfrage ab. Mit der Anzahl der Marktteilnehmer und ihrer relativen Größe lassen sich Marktstrukturen kennzeichnen, die bestimmte Verhaltensweisen nahe legen und zu unterschiedlichen Marktergebnissen führen. Im Polypol produzieren sehr viele Unternehmen, von denen jedes einen unerheblichen Bruchteil des Gesamtangebots auf den Markt bringt. Diesen Markt bezeichnet man als Konkurrenzmarkt. Im Oligopol konkurrieren einige wenige Anbieter um den Absatz. Jeder von ihnen hat einen nicht unerheblichen Anteil am Gesamtangebot. Ein Unternehmen besitzt ein Monopol, wenn keine Konkurrenten um den Absatz des von ihm angebotenen Gutes auf den Markt treten. Hier handelt es sich um einen Monopolmarkt. Im Folgenden wollen wir uns mit einigen Marktformen beschäftigen, die in der Markttheorie von zentraler Bedeutung sind. 5.2. Konkurrenzmarkt Wir betrachten den Markt für ein Gut. Anbieter und Nachfrager verhalten sich als Mengenanpasser. Jeder von ihnen sieht den Marktpreis des Gutes als vorgegebene, von ihm nicht veränderbare Größe an und passt sich durch Wahl seiner Angebots- bzw. Nachfragemenge an. Individuelle Nachfrage und Marktnachfrage In der Theorie des Haushalts haben wir für einen nutzenmaximierenden Haushalt eine Nachfragekurve für ein Konsumgut abgeleitet. Ihre Gestalt und Lage ist Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 63 bestimmt durch die individuelle Nutzenfunktion und das individuelle verfügbare Einkommen. Die Güterpreise sind dem Haushalt vorgegeben. Die Haushalte unterscheiden sich durch ihre Nutzenfunktionen und die verfügbaren Einkommen. Jeder Haushalt besitzt somit eine individuelle Nachfragekurve für ein Gut. Diese Nachfragekurven werden sich voneinander unterscheiden. Die gewünschten Gütermengen erhalten die Haushalte auf dem Gütermarkt. Hier agieren sie gemeinsam als Konkurrenten um die von den Produzenten angebotene Gütermenge. Welche Gütermengen wollen die das Gut nachfragenden Konsumenten gemeinsam kaufen? Diese Frage beantwortet die Marktnachfrage. Sie gibt an, welche Gütermengen bei alternativen Güterpreisen insgesamt nachgefragt werden. 1p 2p p X 3p I II III A B C D 0 Abb. 5.2: Marktnachfrage Um die Marktnachfrage zu ermitteln, bedienen wir uns der Methode der horizontalen Addition. Sie besagt, dass für einen gegebenen Preis die Marktnachfragemenge die Summe aller individuellen Nachfragemengen ist. Wir wollen die Marktnachfragekurve graphisch bestimmen. Wir nehmen an, dass drei Haushalte das Gut nachfragen. Zum Preis von Null fragen die Haushalte D Gütereinheiten nach (Punkt D). Beim Preis p1 verlässt der Haushalt III den Markt, die beiden anderen Haushalte fragen die Menge C nach. Beim Preis von p2 fragt nur noch Haushalt I die Menge B nach, seine Nachfrage verschwindet beim Preis p3. Die Marktnachfragekurve ist also die Linie ABCD. Fragen viele Haushalte das Gut nach, dann verläuft die Marktnachfragekurve kontinuierlich, die Knicke verschwinden. Individuelles Angebot und Marktangebot In der Theorie der Unternehmung haben wir für ein gewinnmaximierendes Unternehmen eine Angebotskurve für ein Gut abgeleitet. Ihre Gestalt und Lage ist bestimmt durch die betriebsspezifische Produktionstechnik und die Wahl der optimalen Betriebsgröße bei totaler Faktorvariation. Die Faktorpreise und der Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen64 Güterpreis sind jeder Unternehmung vorgegeben. Die Unternehmen unterscheiden sich durch ihre Produktionstechnik und die optimale Betriebsgröße. Jedes Unternehmen besitzt somit eine individuelle Angebotskurve für das Gut. Diese Angebotskurven werden sich unterscheiden. Auf dem Gütermarkt agieren die Anbieter gemeinsam als Konkurrenten um die von den Haushalten nachgefragte Gütermenge. Welche Gütermengen wollen die das Gut anbietenden Produzenten gemeinsam verkaufen? Diese Frage beantwortet das Marktangebot. Es gibt an, welche Gütermengen bei alternativen Güterpreisen insgesamt angeboten werden. Zur Ermittlung der Marktangebotskurve bedienen wir uns wieder der Methode der horizontalen Addition. Wir wollen annehmen, dass drei Produzenten das Gut anbieten. p X0 1p 2p 3p 4p A B C D IIIIII Abb. 5.3: Marktangebot Das Marktangebot beginnt erst beim Preis p1 im Punkt A. Hier beginnt das Unternehmen I sein Angebot. Das Unternehmen II betritt erst beim Preis p2 den Markt. Beim Preis p3 bietet auch das Unternehmen III das Gut an. Die Marktangebotskurve ist demnach die Linie ABCD. Bei vielen anbietenden Unternehmen verläuft die Marktangebotskurve kontinuierlich, die Unstetigkeiten verschwinden. Marktgleichgewicht Sowohl die Angebotskurven als auch die Nachfragekurven sind Preis-Mengen- Beziehungen. Sie sagen etwas darüber aus, welche Mengen angeboten oder nachgefragt werden wollen, wenn der Preis eine bestimmte Höhe hat. Welcher Preis sich tatsächlich einstellt, ist damit noch nicht entschieden. Wir suchen nun denjenigen Preis, der eine perfekte Koordination der Angebots- und Nachfrageplanungen der Individuen ermöglicht. Diesen Preis bezeichnen wir als Gleichgewichtspreis. Wir bestimmen diesen Gleichgewichtspreis, wenn wir die Marktnachfrage mit dem Marktangebot konfrontieren. Gleichgewicht herrscht auf dem Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 65 Markt dann, wenn die angebotene Menge gleich der nachgefragten Menge ist. Nur beim Preis p* herrscht Gleichgewicht. Bei diesem Preis wollen die Nachfrager die Menge X* kaufen und die Anbieter wollen diese Menge verkaufen. Da sich die Marktnachfrage und das Marktangebot aus den individuellen Nachfrage- und Angebotsmengen zusammensetzen, bedeutet das Gleichgewicht E, dass sich der Plan jedes einzelnen Marktteilnehmers erfüllen lässt. p X0 Mp A B C D Angebot F E Nachfrage MX *X *p Abb. 5.4: Marktgleichgewicht Der Handel der Gleichgewichtsmenge X* ist freiwillig. Er basiert auf den Plänen der Marktteilnehmer. Beide Marktseiten ziehen Vorteile aus diesem Handel. Für die nachfragenden Konsumenten zeigt sich dieser Vorteil in ihrer Konsumentenrente p*EA. Um diesen Geldbetrag sind die Konsumausgaben im Marktgleichgewicht niedriger als die maximale Zahlungsbereitschaft. Für die anbietenden Produzenten zeigt sich der Vorteil in der Produzentenrente p*EB. Um diesen Geldbetrag übersteigen die Erlöse die variablen Produktionskosten. Der gemeinsame monetäre Vorteil ist im Marktgleichgewicht am größten. Bei jedem anderen Marktpreis ist er geringer. Wir können uns das am Beispiel eines über dem Marktpreis festgesetzten Mindestpreises pM verdeutlichen. Wird der Preis auf pM festgesetzt, dann wollen die Nachfrager nur die Menge XM kaufen, es entsteht ein Überschussangebot in Höhe von CD. Die Summe aus Konsumentenund Produzentenrente reduziert sich um den Betrag CEF. Dies ist der monetäre Nachteil, der durch die überhöhte Preisfestsetzung entsteht. Stabilität des Marktgleichgewichts Wird der überhöht festgesetzte Mindestpreis freigegeben, dann löst das Anpassungsprozesse aus, die auf eine Beseitigung des Überschussangebots hinwirken. Bei pM können die Anbieter ihre Pläne nicht erfüllen. Sie müssten die Menge CD auf Lager nehmen. Um dies zu vermeiden, werden sie ihr Überschussange- Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen66 bot zu niedrigeren Preisen anbieten und mit den sinkenden Preisen ihre Produktion zurückfahren. Das veranlasst die Konsumenten, mehr nachzufragen. Dieser Anpassungsprozess kommt erst beim Gleichgewichtspreis p* zum Stillstand. Dort gibt es kein Überschussangebot. Die Pläne aller Anbieter sind realisierbar. Das Marktgleichgewicht ist stabil, der Anpassungsprozess konnte das Ungleichgewicht beseitigen. Existenz des Marktgleichgewichts Dies konnte jedoch nur deshalb gelingen, weil ein Marktgleichgewicht existiert. Die Abbildung 5.5 zeigt einen Markt, in dem dies nicht der Fall ist. p X0 Mp C D AngebotNachfrage Abb. 5.5: Nicht-Existenz eines Marktgleichgewichts Eine Preissenkung vermag zwar auch hier, das Überschussangebot zu reduzieren, es gelingt jedoch nicht, das Überschussangebot ganz zu beseitigen, da es keine Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage gibt. Selbst bei einem Preis von Null übersteigt die angebotene Menge die nachgefragte Menge. Ein solcher Markt hat beim freien Wettbewerb keinen Bestand, da sich die Produktion für die Unternehmen nicht lohnt. Eindeutigkeit des Marktgleichgewichts Der Anpassungsprozess kann auch dann erfolglos bleiben, wenn es mehrere Marktgleichgewichte gibt, wenn also das Marktgleichgewicht nicht eindeutig ist. Die Abbildung 5.6 zeigt einen solchen Markt. Das Marktangebot zeigt bis zur Menge X1 einen normalen Verlauf und verläuft danach invers. Dies kann auf eine Änderung der Zielsetzung der Produzenten zurückgehen, die bei höheren Preisen mehr auf ihre Liquidität als auf ihre Gewinne achten. Beim Preis PM ergibt sich ein Nachfrageüberschuss. Die Nachfrager können ihre Pläne nicht realisieren. Sie erhalten nicht die Menge, die sie bei diesem Preis Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 67 wünschen. Um die Nachfrage zurückzudrängen, müssen sie höhere Preise bieten. Dies veranlasst jedoch die Anbieter noch weniger anzubieten. Die Überschussnachfrage vergrößert sich weiter, ein Marktgleichgewicht kann nicht erreicht werden. p X0 Mp C D Angebot Nachfrage 1p 1X Abb. 5.6: Nicht-Eindeutigkeit eines Marktgleichgewichts Reaktionen des Marktgleichgewichts auf Änderungen der Rahmenbedingungen Auf einem Markt treffen sich Anbieter und Nachfrager, um freiwillige Transaktionen zum gegenseitigen Vorteil durchzuführen. Ihre Kauf- und Verkaufspläne werden dabei von zahlreichen Determinanten beeinflusst. Die Orientierung am Marktpreis koordiniert die Pläne. Alle anderen Determinanten werden als Rahmenbedingungen des Marktes umschrieben. Wir haben sie als Marktstruktur bei der Diskussion der Marktfunktion bezeichnet, auch die Bezeichnung Marktbedingungen (K. Lancaster, 1991) ist üblich. Wir fragen nun, wie sich das Marktergebnis bei gleichem Marktverhalten ändert, wenn sich die Marktbedingungen ändern. Man bezeichnet eine solche Analyse als komparativ-statische Analyse, als Vergleich zweier Gleichgewichtszustände. In der Theorie des Haushalts haben wir festgestellt, dass das verfügbare Einkommen eines Haushalts eine wichtige Determinante seines Kaufplanes ist. Auf eine Erhöhung seines verfügbaren Einkommens reagiert der Haushalt mit einer größeren Nachfrage nach einem nicht-inferioren Gut. Die individuellen Nachfragekurven verschieben sich nach rechts, bei jedem Preis wünschen die Haushalte eine größere Menge des Gutes nachzufragen. Somit verschiebt sich auch die Marktnachfragekurve nach rechts. Das Marktergebnis ändert sich: Der Gleichgewichtspreis und die Gleichgewichtsmenge nehmen zu. Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen68 p X0 0X 1X 0p 1p 0E 1E 0A 0N 1N Abb. 5.7: Wirkungen einer Nachfrageerhöhung Der Anpassungsprozess vom alten zum neuen Gleichgewicht kann folgendermaßen beschrieben werden. Beim Ausgangspreis p0 entsteht durch die Nachfrageausdehnung eine Überschussnachfrage. Um sie abzubauen, bieten die Nachfrager höhere Preise, auf welche die Anbieter mit einer Angebotsausdehnung reagieren. Der Anpassungspfad verläuft entlang der kürzeren Marktseite, hier also entlang der Angebotskurve. p X0 0X 1X 0p 1p 0E 0N 0A 1A 1E Abb. 5.8: Wirkungen einer Angebotserhöhung In der Theorie der Unternehmung haben wir festgestellt, dass die Faktorpreise eine wichtige Determinante des Verkaufsplanes einer Unternehmung sind. Sinkt der Faktorpreis eines variablen Produktionsfaktors, dann sinken die Produktionskosten bei jeder Ausbringungsmenge. Arbeitet das Unternehmen mit steigenden Grenzkosten, dann bedeutet ein geringerer Faktorpreis eine Abnahme Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 69 der Grenzkosten bei jeder Ausbringungsmenge. Die individuellen Angebotskurven verschieben sich nach unten, bei jedem Güterpreis wünschen die Unternehmen nun eine größere Menge des Gutes anzubieten (siehe Abb. 5.8). Da dies für alle Anbieter gilt, verschiebt sich auch die Marktangebotskurve nach rechts. Das Marktergebnis ändert sich: Der Gleichgewichtspreis sinkt, die Gleichgewichtsmenge steigt. Beim Ausgangspreis p0 entsteht hier ein Angebotsüberschuss durch die Angebotsausweitung. Um die Nachfrager zu veranlassen, das Mehrangebot zu kaufen, reduzieren die Anbieter ihre Preisforderungen. Der Anpassungspfad verläuft entlang der Nachfragekurve als der kürzeren Marktseite. Verzögerte Angebotsanpassung Bei der Analyse der Reaktionen auf Markt-Ungleichgewichts-Situationen sind wir davon ausgegangen, dass die Produzenten ihre Produktion bzw. ihr mengenmäßiges Angebot unverzögert anpassen können. p X0 0X 1X 0p 0E nE 1p 2p 1-p np nX2X Angebot A C B 0N 1N Abb. 5.9: Cobweb-Modell Wenn dies nicht möglich ist, können die Anbieter nur verzögert reagieren. Das Angebotsverhalten kann dann folgendermaßen beschrieben werden: Das Angebot der Periode t orientiert sich an dem Preis, der für diese Periode erwartet wird. Wir nehmen an, erwartet werde der Preis, der in der Vorperiode t-1 gegolten hat. Die Mengenplanung der Periode t basiert also auf dem realisierten Preis der Vorperiode t-1. Die Nachfragekurve wird in der bisherigen Weise interpretiert. Die nachgefragte Menge der Periode t wird bestimmt vom Preis derselben Periode t. Der Markt ist nun so organisiert, dass die Anbieter ein Angebot entsprechend ihren Preiserwartungen auf den Markt bringen und die Nachfrage darüber entscheidet, zu welchem Preis es abgenommen wird. Die jeweils angebotene Menge wird also auch verkauft, aber nicht unbedingt zu dem erwarteten Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen70 Preis. Das Marktgeschehen lässt sich graphisch darstellen. Wir zeichnen die Nachfragekurve preiselastischer (flacher) als die Angebotskurve. Wir wollen annehmen, das Ausgangsgleichgewicht befinde sich in E0. Aufgrund des zugehörigen Preises p-1 planen die Anbieter für die Periode 0 die Angebotsmenge X0. Tatsächlich hat sich die Nachfrage jedoch nach rechts verlagert. Die Nachfrager bieten für die zu geringe Menge den höheren Preis p0. In der Periode 0 wird die Menge X0 zum Preis p0 verkauft. Bei diesem Preis p0 planen die Produzenten für die Periode 1 entsprechend ihrer Angebotskurve die erhöhte Menge X1. Diese Menge kaufen die Nachfrager jedoch nur zum niedrigeren Preis p1. Dieser Preisverfall veranlasst die Anbieter in der Periode 2 die Menge X2 anzubieten. Preis und Menge konvergieren und führen nach vielen Anpassungsrunden zum neuen Marktgleichgewicht En. Der Anpassungspfad verläuft über die Preis-Mengen-Kombinationen E0 - A - B - C - ...- En. Das graphische Gebilde ähnelt einem Spinnennetz, weshalb dieses Modell als Spinngewebe-Theorem oder Cobweb-Theorem bezeichnet wird. In der Abbildung 5.9 konvergiert der Anpassungsprozess zum neuen Gleichgewicht. Woran liegt das? Der Irrtum der Anbieter, beim Preis p-1 eine zu geringe Menge X0 anzubieten, führt zu einer Preiserhöhung. Bei gestiegener Nachfrage und dem damit verbundenen Nachfrageüberschuss ist eine Preiserhöhung der richtige Weg der Anpassung an das neue Gleichgewicht. Die hierzu erforderliche Anpassung beträgt aber nur pn-p-1 Tatsächlich steigt der Preis aber über den neuen Gleichgewichtspreis hinaus bis zur Höhe p0. Der Preis überschießt also den neuen Gleichgewichtspreis um p0-pn Wenn nun die überschießende Preisreaktion geringer ist als die gleichgewichtskompatible Preisreaktion, dämpft das den Anpassungsprozess. Dieser dämpfende Effekt tritt dann ein, wenn die Angebotskurve steiler verläuft als die Nachfragekurve, das Angebot also weniger preiselastisch reagiert als die Nachfrage. Dies ist die Bedingung für einen stabilen Anpassungsprozess trotz einer zeitlich verzögerten Reaktion des Angebots auf Marktstörungen. 5.3. Monopolmarkt Ein Monopol liegt dann vor, wenn ein Unternehmen Alleinanbieter eines Produktes ist. Die Nachfrager können dieses Produkt nur von ihm beziehen, die Marktnachfragekurve wird damit zur für den Monopolisten relevanten Nachfragekurve. Das Monopol setzt dabei voraus, dass die Nachfrager Wettbewerbsbedingungen unterworfen sind, d. h., es gibt viele kleine Nachfrager. Wie wird sich ein gewinnmaximierender Monopolist unter diesen Marktbedingungen verhalten? Da der Monopolist keinen direkten Konkurrenten hat, kann er den Preis, zu dem er anbieten will, setzen. Er handelt so als Preisfixierer. Die Nachfrager ent- Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 71 scheiden über seinen Absatz. Er kann aber auch als Mengenfixierer handeln, indem er die Angebotsmenge festlegt. Die Nachfrager entscheiden dann über den Preis, den sie für diese Menge zu zahlen bereit sind. In beiden Fällen ergibt sich eine einzige Preis-Mengen-Kombination, die das Angebot des Monopolisten beschreibt. Der Monopolist besitzt also keine Angebotskurve wie im Fall des Mengenanpassers, sondern nur ein Punktangebot. Das Problem des Monopolisten besteht darin, dieses Punktangebot zu bestimmen. Es handelt sich dabei um ein Unternehmensoptimum. Zur Bestimmung seines Gewinnmaximums benötigt er Angaben über die Produktionskosten und die Umsätze bei alternativen Produktionsmengen. Die Ermittlung der Produktionskosten sollte ihm keine Schwierigkeiten bereiten. Schwieriger ist die Ermittlung der Umsätze. Ein Mengenanpasser kann jede Produktionsmenge zum konstanten Marktpreis absetzen. Der Monopolist sieht sich jedoch einer fallenden Marktnachfragekurve gegenüber. Erhöht er seine Angebotsmenge, dann sinkt der Preis. Damit ist nicht mehr gewährleistet, dass eine größere Produktionsmenge auch höhere Umsätze bringt. Um sich über den Verlauf der Umsatzkurve ein Bild zu machen, benötigt der Monopolist eine möglichst genaue Vorstellung über die Marktnachfragekurve. Diese kann er durch Markterfahrung und Marktforschung annähernd ermitteln, man bezeichnet seine Erwartung darüber als konjekturale Preis-Absatz-Funktion. Wir wollen annehmen, der Monopolist rechnet mit einer linearen Marktnachfragekurve. Wie ändert sich nun sein Umsatz, wenn er fortlaufend seine Produktion erhöht, um jede nachgefragte Menge zu befriedigen? Wir wollen eine graphische Antwort auf diese Frage suchen. X0 D A Umsatz Nachfrage Grenzumsatz dX dU, X U,U B Abb. 5.10: Umsatzkurven Die vom Monopolisten erwartete und tatsächliche Nachfrage ist gleich AB. Verkauft er nichts, dann muss der Umsatz gleich Null sein. Verkauft er die Menge B Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen72 zum Preis von Null, dann ist sein Umsatz ebenfalls gleich Null. Die Umsatzkurve muss also durch die Punkte 0 und B gehen. Verkauft der Monopolist eine Gütereinheit, dann erhält er dafür als Umsatz den Preis p1 entsprechend der Nachfragekurve. Verkauft er zwei Gütereinheiten, dann beträgt sein Umsatz nicht 2p1, denn die Nachfrager kaufen zwei Gütereinheiten nur zum geringeren Preis p2. Der Umsatz muss also geringer als 2p1 sein, die Umsatzkurve kann somit nicht linear, sie muss vielmehr konkav verlaufen. Der Durchschnittsumsatz ist bei einer Mengeneinheit gleich p1, bei zwei Mengeneinheiten gleich p2. Das heißt, dass die Nachfragekurve den Durchschnittsumsatz bei jeder Menge angibt. Wenn nun der Durchschnittsumsatz fortlaufend abnimmt, dann kann der Gesamtumsatz nur unterproportional zunehmen oder sogar abnehmen. Der Monopolist erhält für die erste Einheit des Gutes den Durchschnittsumsatz p1, für die zweite Einheit des Gutes den Durchschnittsumsatz p2. Der Gesamtumsatz für zwei Einheiten beträgt aber nicht (p1+p2), sondern weniger, nämlich 2p2. Das bedeutet, dass der Grenzumsatz der zweiten Einheit kleiner sein muss als der Durchschnittsumsatz dieser Einheit. Als Grenzumsatz bezeichnet man die Zunahme des Gesamtumsatzes, die aus dem Verkauf einer zusätzlichen Mengeneinheit resultiert. Die Grenzumsatzkurve muss also unterhalb der Nachfragekurve verlaufen. Das impliziert, dass der Grenzumsatz bei einer geringeren Menge als B gleich Null sein muss. Ein Grenzumsatz von Null bedeutet, dass die relative Zunahme des Gesamtumsatzes aus der Mengenzunahme kompensiert werden muss durch die relative Abnahme des Gesamtumsatzes aus der Preissenkung. Dies ist genau bei einer Preiselastizität der Nachfrage von Eins der Fall. Beweis: 1η p dp: X dX1 Xdp pdX XdppdX0XdppdXdUpXU pX, −=≡→−=→ −=→=+=→= Bei einer linearen Nachfragekurve liegt dieser Punkt genau auf der Hälfte der Strecke AB. Bei der zugehörigen Menge D besitzt der Gesamtumsatz sein Maximum. Bei einer Preiselastizität absolut größer als Eins steigt der Gesamtumsatz mit abnehmender Rate. Das gilt im Bereich OD. Der Grenzumsatz ist hier positiv. Bei einer Preiselastizität absolut kleiner als Eins sinkt der Gesamtumsatz mit zunehmender Rate. Das gilt im Bereich BD. Der Grenzumsatz ist hier negativ. Die Gesamtumsatzkurve zeigt somit eine glockenförmige Gestalt. Mit diesen Informationen versehen, vermag der Monopolist nun seine gewinnmaximale Ausbringungsmenge zu bestimmen. Der Gewinn ist die Differenz aus Umsatz und Kosten. Aus der Unternehmenstheorie wissen wir, dass der Gewinn dort am höchsten ist, wo der Grenzgewinn gleich Null ist. Der Grenzgewinn ist jedoch die Differenz aus dem Grenzumsatz und den Grenzkosten. Das bedeutet, Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 73 dass sich die gewinnmaximale Ausbringungsmenge dort befindet, wo der Grenzumsatz gleich den Grenzkosten ist. In der Abbildung 5.11 sind die Grenzkosten und die Grenzumsätze eingetragen. Bis zur Menge X* übersteigen die Grenzumsätze die Grenzkosten. Es lohnt sich also, die Produktion auszudehnen. Bei einer größeren Menge als X* übersteigen die Grenzkosten die Grenzumsätze, es lohnt sich also, die Produktion einzuschränken. Es sollte beachtet werden, dass die gewinnmaximale Angebotsmenge nur im Bereich positiver Grenzumsätze liegen kann, nur dort ist ein Ausgleich mit den positiven Grenzkosten möglich. p X0 Nachfrage Grenzumsatz Kp KX*X Grenzkosten A C DF E B *p Abb. 5.11: Monopolgleichgewicht Den zur gewinnmaximalen Ausbringungsmenge X* zugehörigen Preis p* bestimmen die Nachfrager. Das Monopolgleichgewicht ist also ein Punkt auf der Nachfragekurve, und zwar in deren elastischem Teil. Der Punkt C wird als Cournotscher Punkt bezeichnet, da A. Cournot [französischer Nationalökonom, 1801-1876] diese Monopollösung 1838 entwickelt hat. Der Monopolist nutzt seine Marktmacht zu seinen Gunsten aus. Dies lässt sich zeigen, wenn unterstellt werden darf, dass Konkurrenzanbieter das Gut X zu den gleichen Kosten produzieren könnten wie der Monopolist. Bei Mengenanpasserverhalten würde die Menge Xk beim Preis pk auf dem Markt gehandelt. Den Konsumenten bleibt dann die Konsumentenrente ADpk. Der Monopolist vermag sich davon den Teil CFpkp* als zusätzlichen Gewinn zu verschaffen. Hierbei handelt es sich um ein Verteilungsproblem. Der Monopolist verursacht aber auch einen Effizienzverlust für die Volkswirtschaft. Durch die Mengenbeschränkung auf X* entsteht der Volkswirtschaft ein Verlust an Konsumentenund Produzentenrente im Betrag des Dreiecks CDE. Das ist ein Grund, einer Wettbewerbswirtschaft den Vorzug vor einer monopolistischen Wirtschaft zu geben. Man spricht hier auch von der Optimalität des Konkurrenzmarktes. Den- Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen74 ken Sie bei dieser Kritik am Monopol aber an die Voraussetzung gleicher Kosten in beiden Marktformen. Könnte der Monopolist das Gut X mit geringeren Kosten herstellen, z.B. dadurch, dass er Vorteile der Massenproduktion nutzt oder technische Fortschritte stärker einsetzen kann, dann reduzieren sich die Nachteile durch das Monopol. 5.4. Markt mit inversem Angebot Eine forstökonomische Anwendung der Markt- und Preistheorie im Bereich der Forstlichen Marktlehre ist die Analyse des deutschen Nadelstammholzmarktes. Nadelstammholz ist Rohholz bestimmter Stärkeklassen von Nadelbäumen, insbesondere Fichte und Kiefer, das sich für Verwendungszwecke insbesondere der holzbearbeitenden Industrie eignet. Anbieter von Nadelstammholz sind in- und ausländische Forstbetriebe. Nachfrager nach Nadelstammholz sind in- und ausländische Holzbearbeitungs- und Holzhandelsunternehmen. Anzahl und Größe der Marktteilnehmer auf beiden Marktseiten lassen die Annahme eines polypolistischen Verhaltens auf beiden Marktseiten plausibel erscheinen. Der Nadelstammholzmarkt kann dann als Konkurrenzmarkt modelliert werden. Ein Konkurrenzmarkt besteht aus einer Angebotsfunktion, einer Nachfragefunktion und einer Gleichgewichtsbedingung. Konkurrenzmarktmodell Entsprechend der Theorie der Unternehmung im Kapitel 4 wird das Marktangebot der Periode t XSt,tA hauptsächlich durch den Nadelstammholzpreis der Vorperiode pSt,t-1 und durch den Faktorpreis der Vorperiode qEK,t-1 als durchschnittliche Holzerntekosten bestimmt. Beide Determinanten wirken invers auf das Angebot. Das heißt, dass die Anbieter auf steigende Nadelstammholzpreise und auf fallende Faktorpreise mit einer Abnahme ihrer Angebotsmengen reagieren. Der Grund ist ihr Bemühen um Kostendeckung und einen festen Gewinn, die sie bei steigenden Produktpreisen und fallenden Faktorpreisen bereits bei einer geringeren Verkaufsmenge erreichen. Eine dritte, forstspezifische Determinante sind Schadereignisse in der Form von Kalamitäten der Vorperiode Kt-1. Ihr Eintreten wirkt in der Folgeperiode angebotserhöhend. Entsprechend der Theorie der Unternehmung wird die Marktnachfrage der Periode t XSt,tN vom Nadelstammholzpreis derselben Periode pSt,t und vom Holzhalbwarenpreis bestimmt. Auf einen steigenden Stammholzpreis reagieren die Nachfrager nachfragesenkend. Ein steigender Holzhalbwarenpreis veranlasst die Nachfrager zur Ausdehnung ihrer Nachfrage. Da der Holzhalbwarenmarkt unvollkommen ist, existiert kein einheitlicher Holzhalbwarenpreis, stattdessen wird die Nachfrage von der Konjunktur Yt und dem Substitutionspreis in der Form des Nadelschnittholzimportpreises pSIm,t bestimmt. An der gleichgerichteten Re- Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 75 aktion der Nachfrage in Bezug auf diese Determinanten ändert sich nichts. Eine vierte wichtige Determinante ist der kurzfristige Realzins, der den Einfluss der Lagerhaltung an Nadelstammholz bei den Nachfragern kenntlich macht. Zinssteigerungen bedeuten steigende Kosten der Lagerhaltung und führen zur Reduktion der Nachfrage. Die Marktangebots- und -nachfragehypothesen bedürfen der weiteren Spezifizierung, bevor sie zur Erklärung des Marktgeschehens verwendet werden können. Das betrifft zum einen die Einstellung der Marktteilnehmer gegenüber der Geldillusion, zum anderen die Art der Erwartungsbildung bezüglich der Determinanten. Die Theorie der Unternehmung besagt, dass ein rationaler Unternehmer frei von Geldillusion handeln muss. Erwartet er eine Zunahme seines Produktpreises um einen bestimmten Prozentsatz und gleichzeitig eine Erhöhung seiner Grenzkosten um denselben Prozentsatz, so darf er seine Angebotsmenge nicht ändern, wenn er seinen Gewinn nicht schmälern will. Beim Kostendeckerverhalten treten an die Stelle der Grenzkosten die Durchschnittskosten vermehrt um den Durchschnittsgewinn. Analytisch lässt sich dieses Verhalten dadurch verdeutlichen, dass die Determinanten in Mengeneinheiten und nicht in Geldeinheiten ausgedrückt werden. Die Determinanten erscheinen dann als Preisrelationen, Realzinssätze, reales Sozialprodukt als Konjunkturindikator und ähnliches. Ein Handeln mit Geldillusion belässt die Determinanten in Geldeinheiten. Dann wird nicht ausgeschlossen, dass ein gewinnmaximierendes Unternehmen sein Angebot bei einer Produktpreiserhöhung stärker ausdehnt, als es sein Angebot bei einer prozentual gleich großen Zunahme seiner Grenzkosten reduziert. Es unterliegt der Illusion erhöhter Gewinnmöglichkeiten aufgrund der Vergrößerung monetärer Variablen. Auf dem Nadelstammholzmarkt verhalten sich beide Marktseiten frei von Geldillusion. Bei der Erwartungsbildung über die zukünftige Höhe der Determinanten unterscheidet die ökonomische Theorie die rationalen und die adaptiven Erwartungen. Die rationale Erwartungshypothese unterstellt, dass die Marktteilnehmer ihre Erwartungen unter Verwendung aller ihnen verfügbaren Informationen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft bilden. Sie lernen aus Fehlern und antizipieren die Determinanten der Planungsperiode immer besser. Analytisch wird dieses Verhalten dadurch ausgedrückt, dass alle Determinanten auf die Planungsperiode t bezogen sind. Im Gegensatz dazu unterstellt die adaptive Erwartungshypothese, dass sich die Marktteilnehmer nur an der ihnen bekannten Vergangenheit und Gegenwart orientieren, nicht aus Fehlern lernen und der Entwicklung immer hinterherlaufen. Die Determinanten sind dann auf die Vorperiode der Planung t-1 bezogen. Auf dem Nadelstammholzmarkt verhalten sich die Anbieter adaptiv, die Nachfrager dagegen rational. Erster Teil: Volkswirtschaftliche Grundlagen76 Da sich der Nadelstammholzpreis auf dem deutschen Nadelstammholzmarkt frei bilden und schwanken kann, ergibt sich stets eine Tendenz zum Gleichgewicht. Es ist dann naheliegend, diesen Markt als Gleichgewichtsmarkt zu konzipieren. Preisbildung Der deutsche Nadelstammholzmarkt kann nun in seiner Funktionsweise beschrieben werden. Es handelt sich um einen Konkurrenzmarkt mit zeitlich verzögerter Anpassung des Angebots. Es ist also ein Markt vom Cobweb-Typ, allerdings mit einem inversen Marktangebot. Der Markt ist stabil in dem Sinne, dass Marktstörungen durch Preisanpassungen ausgeglichen werden. Die Stabilitätsbedingung ist dadurch erfüllt, dass die negative durchschnittliche Nadelstammholzpreiselastizität des Angebots größer ist als die ebenfalls negative durchschnittliche Nadelstammholzpreiselastität der Nachfrage. Die Preisbildung erfolgt rekursiv. Die Forstbetriebe bestimmen ihr Angebot auf der Grundlage der ihnen bekannten Determinanten. Die Holzbetriebe nehmen dieses Angebot ab, aber nur zu dem von ihnen erwarteten Preis. Dieser Preisbildungsprozess ist in der Abbildung 5.12 graphisch dargestellt. Herrscht in einer Ausgangsperiode 0 beispielsweise ein Angebotsüberschuss aufgrund des Preises der Vorperiode p-1, dann kann diese zusätzliche Menge in der Periode 0 nur zum geringeren Preis p0 verkauft werden. Diese Preissenkung bedeutet für die Forstbetriebe eine Gewinnreduktion in der Periode 0, der sie durch eine weitere Angebotszunahme in der Periode 1 zu entgehen suchen. Eine erneute Preissenkung auf p1 ist die Folge. Allerdings ist die erneute Preissenkung geringer als die der Vorperiode, weil die Holzbetriebe stärker auf eine Preissenkung reagieren als die Forstbetriebe. Der Preissenkungsprozess konvergiert im Laufe mehrerer Perioden zum Gleichgewichtspreis p*. Erst hier haben die Forstbetriebe ihren gewünschten festen Gewinn wieder erreicht. Herrscht dagegen in der Ausgangsperiode 0 ein Nachfrageüberschuss bei p’-1, dann verläuft der Anpassungsprozess aus der Sicht der Forstbetriebe etwas anders, weil nun die kürzere Marktseite jeweils die Angebotsseite ist. Das auf der Grundlage der Determinanten der Vorperiode zu gering geplante Angebot wird von den Holzbetrieben zum höheren Preis p'0 abgenommen. Dadurch erhöhen sich die Gewinne der Forstbetriebe, die ja mit dem geringeren Preis p'-1 gerechnet hatten. Da sie an höheren Gewinnen nicht interessiert sind, reduzieren sie in der Periode 1 ihr Angebot. Dadurch entsteht wiederum ein Nachfrageüberschuss, der nur durch eine erneute Preiserhöhung auf p'1 vermieden wird. Die erneute Preiserhöhung fällt jedoch geringer aus als die vorangegangene, weil die Holzbetriebe auf die Preiserhöhung stärker als die Forstbetriebe reagieren. Der Preiserhöhungsprozess konvergiert auch hier zum Gleichgewichtspreis p*. Erst hier haben auch die Forstbetriebe ihren gewünschten festen Gewinn wieder er- Kapitel 5: Markt- und Preistheorie 77 reicht, aber anders als im Preissenkungsprozess konnten sie temporäre Gewinnerhöhungen verbuchen und mussten nicht mit temporären Gewinneinbußen kämpfen. p X0 Nachfrage Angebot 0p 1p 1-p ' 1p *p ' 1-p ' 0p Abb. 5.12: Deutscher Nadelstammholzmarkt Aus der Sicht der Holzbetriebe stellt sich der Preisanpassungsprozess entgegengesetzt dar. Bei Angebotsüberschüssen realisieren sie stets Marktsituationen auf ihrer Nachfragekurve, sie können ihre Einkaufspläne realisieren und verzeichnen im Verlaufe des Preissenkungsprozesses ständige Gewinnzunahmen. Bei Nachfrageüberschüssen können sie ihre Einkaufspläne nicht realisieren und müssen durch ständige Preiserhöhungsgebote versuchen, das Ungleichgewicht zu beseitigen. Dieser Preiserhöhungsprozess mindert ihre Gewinne fortlaufend. Während des Preisbildungsprozesses bestehen somit ständig Interessengegensätze zwischen den Forstbetrieben und den Holzbetrieben. Die oft beschworene Interessenharmonie zwischen Forstwirtschaft und Holzwirtschaft besteht bezüglich der Preishöhe nicht. Damit sollen die Ausführungen über den deutschen Nadelstammholzmarkt im Rahmen dieses Kapitels beendet werden. Weitere Analysen zum Rohholzmarkt werden im Kapitel 18 behandelt. Kapitel 6: Wirtschaftskreislauf und gesamtwirtschaftliches Rechnungswesen 6.1. Wirtschaftskreislauf In jeder arbeitsteiligen Volkswirtschaft finden Tauschvorgänge statt. Getauscht werden Wirtschaftsobjekte zwischen Wirtschaftssubjekten. Wirtschaftsobjekte sind Güter in der Form von Waren und Dienstleistungen und Forderungen in der Form von verzinslichen und unverzinslichen Wertpapieren. Wirtschaftssubjekte sind Haushalte und Unternehmen, die zu Gruppen zusammengefasst als Sektoren bezeichnet werden. Im einfachsten Fall finden zwischen Haushalten und Unternehmen die folgenden Tauschvorgänge statt, die sich als Kreislaufbeziehungen darstellen lassen. Die Haushalte liefern Faktorleistungen zu Produktionszwecken, z.B. in der Form von Arbeitsstunden an die Unternehmen. Sie erhalten als Gegenleistung von den Unternehmen ein Faktoreinkommen, z.B. in der Form von Geld. Getauscht wird hier ein Gut (Dienstleistung) gegen eine Forderung (Geld). Man nennt diesen Tauschvorgang eine ökonomische Transaktion. Der Tausch, Gut gegen Forderung, stellt einen Kauf der Unternehmen bzw. einen Verkauf der Haushalte dar. Damit ist dieser erste Tauschvorgang abgeschlossen. UnternehmenHaushalte Faktorleistungen Faktoreinkommen Konsumausgaben Konsumgüter Abb. 6.1: Realer und monetärer Kreislauf Die ökonomischen Aktivitäten können damit aber noch nicht beendet sein, denn es ist bisher ungeklärt, von wem oder woher die Unternehmen das Geld erhalten haben und wie die Haushalte das empfangene Geld verwendet haben. Die Unternehmen stellen mit den Faktorleistungen Güter her, die sie an die Haushalte verkaufen. Sie liefern die Konsumgüter an die Haushalte und empfangen von ihnen die Konsumausgaben in der Form von Geld. Hier liegt also ein zweiter

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Zusammenfassung

Zur Forstökonomie liefert dieses Lehrbuch theoretisch fundierte Antworten auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes. Als umfassende Umweltökonomie bietet es dabei gleichzeitig Analysen, die sich mit der Vermarktung von Holz und Holzwaren auseinandersetzen und den ökonomischen trade-off zwischen Schutz und Nutzung der Wälder verdeutlichen. Es stellt sich ebenso den Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung sowohl von Gütermärkten als auch – wie die internationale Klimaschutzdebatte zeigt – von Umweltproblemen ergeben.

Zur Neuauflage

Die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. die Klimaschutzdebatte wurden integriert. Der Fokus ist nun stärker auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes ausgerichtet.

Die Autoren

Prof. Dr. Volker Bergen, Göttingen, Dr. Wilhelm Loewenstein, Bochum, und Dr. Roland Olschewski, Göttingen.