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Kapitel 20: Internationale Holzmärkte in:

Volker Bergen, Wilhelm Löwenstein, Roland Olschewski

Forstökonomie, page 363 - 386

Volkswirtschaftliche Ansätze für eine vernünftige Umwelt- und Landnutzung

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4552-7, ISBN online: 978-3-8006-4553-4, https://doi.org/10.15358/9783800645534_363

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Vierter Teil: Internationale Forstökonomie Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 20.1. Internationaler Handel mit Holz und Waren aus Holz Holz und Waren aus Holz (forest products) werden in den internationalen Statistiken der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) und der International Tropical Timber Organization (ITTO) in die folgenden Warengruppen gegliedert: • Brennholz und Holzkohle (BH) (fuel wood and charcoal), • Nutzholz (NH) (industrial round wood), • Schnittholz (SH) (sawn wood), • Holzplatten (HP) (wood-based panels) • Zellstoff und Holzstoff (ZH) (wood pulp) • Papier und Pappe (PP) (paper and paper board) Die beiden erstgenannten Warengruppen kann man als Rohholz, die vier letztgenannten als Holzhalbwaren bezeichnen. Der internationale Handel mit Holz und Waren aus Holz hat seit 1970 zugenommen. Im Jahre 2008 betrug der Exportwert 223 Mrd. US-$ f.o.b. Die Abkürzung f.o.b. bedeutet free on board und besagt, dass die Ware frei Landesgrenze (auf das Schiff) vom Verkäufer zu liefern ist und der Preis entsprechend kalkuliert wird. Im Jahre 1970 hatte dieser Wert nur 13 Mrd. US-$ f.o.b. betragen, das entspricht einer Versiebzehnfachung in 38 Jahren oder einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate von 2,8 %. Diese Zunahme war begleitet von einem Strukturwandel. Die Tabelle 20.1 zeigt den Strukturwandel der Holzwarengruppen. Tab. 20.1: Strukturwandel der Holzwarengruppen Holzwarengruppen mengenmäßige Exportanteile an der Weltproduktion in % wertmäßige Exportanteile am Exportwert des Holzhandels in % 1970 2008 1970 2008 BH 0,2 0,26 0,2 1,41 NH 7 7,59 15 5,69 SH 14 28,99 22 13,65 HP 17 29,15 9 16,01 ZH 14 24,35 20 14,18 PP 18 29,63 34 49,06 Quelle: FAO (1997): SOFO-1997; FAO (2011): SOFO-2011 Bei allen Warengruppen hat sich der international gehandelte Produktionsanteil erhöht. Beim Rohholz ist diese Zunahme kaum spürbar, die Holzhalbwaren ha- Vierter Teil: Internationale Forstökonomie356 ben dagegen starke Zunahmen zu verzeichnen. Innerhalb des Holzaußenhandels ist die Bedeutung des Nutzholzes, des Schnittholzes und der Zell- und Holzstoffe stark zurückgegangen, während die Bedeutung von Holzplatten sowie Papier und Pappe erheblich zugenommen hat. Am Handel mit Holz und Waren aus Holz sind zahlreiche Länder beteiligt. Aus forst- und holzwirtschaftlicher Sicht können die Länder der Erde entsprechend der Tabelle 20.2 strukturiert werden. Es handelt sich bei den Ländern um die Mitglieder der Vereinten Nationen im Jahre 2011. Anstelle des Vatikanstaates ist Taiwan berücksichtigt worden. Tab. 20.2: Die Länder der Erde Entwicklungsländer (Länder mit PKE von 2004 < 10.000 US-$) Entwickelte Länder (Länder mit PKE von 2004 > 10.000 US-$) Anzahl Regionen Tropen gemäßigteZone Tropen gemäßigte Zone Afrika 46 8 54 Amerika 29 3 1 2 35 Asien 16 22 2 8 48 Ozeanien 12 2 14 Europa 11 32 43 Anzahl 103 44 3 44 194 Quelle: FAO (2011): SOFO-2011; PKE: Pro-Kopf-Einkommen auf Wechselkursbasis Die meisten Länder handeln mit Holz und Waren aus Holz, aber nur wenige Länder sind wichtige Holzhandelsländer mit einem Export- oder Importwert von mehr als 2,5 Mrd. US-$ in 2008. Diese Länder, die nach der Summe von Export- und Importwert geordnet sind, zeigt die Tabelle 20.3. Danach sind sechzehn Länder wichtige Exporteure und Importeure. Zehn Länder sind nur entweder wichtige Exporteure oder Importeure. Die meisten wichtigen Handelsländer sind entwickelte Länder in den gemäßigten Breiten. Neun Länder sind Entwicklungsländer, davon liegen vier Länder in den Tropen. Diese 26 wichtigsten Holzhandelsländer haben einen Außenhandelsanteil von 90 % der gesamten Exporte und 82 % der gesamten Importe. Gegenüber 1999 hat die Zahl der wichtigen Handelsländer um sieben zugenommen. Damals bestritten diese 19 Länder 82 % der gesamten Exporte und 78 % der gesamten Importe. Die Globalisierung hat somit bei Holz und Waren aus Holz zu einer Verbreiterung des Außenhandels geführt. Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 357 Tab. 20.3: Wichtige Holzhandelsländer Entwicklungsländer EntwickelteLänder Tropen gem. Breiten gem. Breiten Angaben von 2008 in Mrd. US-$ Länder Ex Im Ex Im Ex Im USA 22,7 24,4 Deutschland 23,4 20,6 China 9,7 29,4 Kanada 24,9 4,9 Schweden 17,2 3,0 Frankreich 8,4 11,7 Finnland 15,2 2,9 Italien 5,7 11,3 Japan 3,0 12,5 UK 3,3 11,7 Belgien 6,9 7,4 Russland 10,6 2,7 Österreich 8,3 4,2 Niederlande 4,7 7,8 Spanien 5,2 6,8 Brasilien 7,9 Polen 4,6 3,0 Indonesien 6,7 Korea (Republik) 5,4 Chile 4,9 Mexiko 4,7 Malaysia 3,8 Türkei 3,5 Indien 3,3 Portugal 2,7 Dänemark 2,6 Quelle: FAO (2011): FAOSTAT Betrachtet man den Handel nach Warengruppen getrennt und die fünf jeweils mengenmäßig wichtigsten Export- bzw. Import-Länder, dann erkennt man einige weitere wichtige Holzhandelsländer (Quelle: FAO (2011): SOFO-2011). Bei Brennholz und Holzkohle sind die fünf wichtigsten Exporteure Lettland, Frankreich, Bosnien-Herzegowina, Slowenien und Russland, die fünf wichtigsten Importeure sind die Ukraine, Italien, Deutschland, Griechenland und Dänemark. Nutzholz wird vor allem von Russland, den USA, Deutschland, Neuseeland und Malaysia exportiert und von China, Finnland, Österreich, Schweden und Japan importiert. Bei Schnittholz sind die wichtigsten Exporteure Kanada, Russland, Deutschland, Schweden und Österreich, die wichtigsten Importeure USA, China, Italien, Japan und Deutschland. Holzplatten werden insbesondere von China, Deutschland, Malaysia, Kanada und Indonesien exportiert und von den USA, Deutschland, Japan, Kanada und UK importiert. Vierter Teil: Internationale Forstökonomie358 Bei Zell- und Holzstoff sind die wichtigsten Exporteure Kanada, Brasilien, USA, Chile und Schweden, die wichtigsten Importeure sind China, USA, Deutschland, Italien und die Republik Korea. Papier und Pappe schließlich wird vor allem von Deutschland, Kanada, Finnland, USA und Schweden exportiert und von den USA, Deutschland, UK, Frankreich und China importiert. Wir können nun die wertmäßig und mengenmäßig wichtigsten Holzhandelsländer nach ihrem Entwicklungsstand gemessen als Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner entsprechend ihrer Kaufkraftparität (PPP = Purchasing-Power Parity), nach ihrer Waldfläche pro Einwohner und nach ihrem Holzaußenhandel ordnen. Die Tabelle 20.4 gibt für das Jahr 2008 darüber Auskunft. Die Abkürzung VHG bedeutet dort „Verschiedene Holzwarengruppen“. Die Tabelle 20.4 besagt, dass nur die Länder USA, Deutschland und Kanada einen erheblichen intrasektoralen Holzaußenhandel innerhalb einer Warengruppe betreiben. Alle übrigen Länder haben innerhalb einer Warengruppe nur entweder Exporte oder Importe in nennenswertem Umfang. Inzwischen beteiligen sich auch die Entwicklungsländer bei allen Warengruppen am Außenhandel. Das betrifft insbesondere China und Russland, gilt aber auch für die Tropenländer Malaysia, Brasilien, Indonesien und Indien. Tab. 20.4: Wichtige Handelsländer nach Holzwarengruppen Entwicklungsländer EntwickelteLänderBIP(PPP) Waldfläche gemäßigte pro Einwohner Tropen gemäßigte Zone Zone Länder US-$ ha Ex Im Ex Im Ex Im USA 46.350 0,98 HP,ZH,PP SH,HP, ZH,PP Deutschland 35.374 0,14 NH,SH,ZH,PP BH,SH, HP,ZH, PP China 5.971 0,15 HP NH,SH,ZH,PP Kanada 39.078 9,33 SH,HP,ZH,PP HP Schweden 36.961 3,06 SH,ZH,PP NH Frankreich 33.058 0,26 BH PP Finnland 36.195 4,18 PP NH Italien 31.283 0,15 VGH BH,SH,ZH Japan 34.129 0,20 VGH NH,SH,HP UK 35.468 0,05 VGH HP,PP Belgien 35.238 0,06 VGH VGH Russland 15.923 5,72 BH,NH,SH VGH Österreich 37.912 0,47 SH NH Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 359 Entwicklungsländer EntwickelteLänderBIP(PPP) Waldfläche gemäßigte pro Einwohner Tropen gemäßigte Zone Zone Länder US-$ ha Ex Im Ex Im Ex Im Niederlande 40.961 0,02 VHG VHG Spanien 31.674 0,41 VHG VGH Brasilien 10.304 2,71 ZH Polen 17.275 0,25 VGH VGH Indonesien 3.994 0,42 HP Korea (Rep.) 27.658 0,13 ZH Chile 14.436 0,97 ZH Mexiko 14.570 0,60 VGH Malaysia 14.215 0,76 NH,HP Türkei 13.417 0,15 VGH Indien 2.946 0,06 VGH Portugal 23.254 0,32 VGH Dänemark 36.845 0,10 BH Slowenien 27.866 0,62 BH Bosnien-H. 8.095 0,58 BH Lettland 16.357 1,49 BH Ukraine 7.277 0,21 BH Griechenland 29.356 0,35 BH Neuseeland 27.260 1,96 NH Quelle: FAO (2011): SOFO-2011, FAO(1997-2009): FAOSTAT Der Handel mit Holz und Waren aus Holz auf den Holzmärkten führt zu drei Arten von Marktergebnissen, die für eine Marktanalyse von Bedeutung sind. Das sind erstens die Marktmengen, zweitens die Marktpreise und drittens die Konsumenten- und Produzentenrenten der Marktteilnehmer. Die internationalen Statistiken bieten Informationen über Export- und Importmengen sowie über Export- und Importwerte der verschiedenen Holzwarengruppen. Dividiert man die Exportwerte durch die Exportmengen, dann erhält man die durchschnittlichen Exporterlöse. Das sind nicht die von der Theorie gewünschten Marktpreise, da die darin enthaltenen Exportmengen nicht homogen sind. Gleichartige, aber nicht homogene Holzsortimente bilden mit ihren Preisen multipliziert die Exporterlöse. Wenn man diese Durchschnittserlöse dennoch als Marktpreise interpretiert, dann nimmt man die damit verbundene Ungenauigkeit in Kauf. Bei den Importen ist die Situation nicht anders. Dividiert man die Importwerte durch die Importmengen, dann erhält man die durchschnittlichen Importausgaben. Diese sind wegen der Transportkosten bei jeder Warengruppe üblicherweise größer als die durchschnittlichen Exporterlöse. Es gilt der in Abbildung 17.5 geschilderte Zusammenhang. Vierter Teil: Internationale Forstökonomie360 Die Tabelle 20.5 zeigt die Handelsmengen in m³ bzw. t, die durchschnittlichen Exporterlöse und die durchschnittlichen Importausgaben in US-$ pro m³ bzw. t für die verschiedenen Holzwarengruppen und Jahre 1970, 1990 und 2010. Die Handelsmengen sind als Mittelwert aus Exportmenge und Importmenge berechnet. Tab. 20.5: Weltmarktergebnisse der Holzwarengruppen Warengruppe Jahr Handelsmenge DExErlös (US-$/ME) DImAusgabe (US-$/ME) 1970 1,2 Mio. m3 9 11 1990 0,6 Mio. m3 45 44BH 2010 5,3 Mio. m3 62 76 1970 109,0 Mio. m3 96 113 1990 83,0 Mio. m3 97 123NH 2010 109,0 Mio. m3 96 113 1970 52,2 Mio. m3 52 57 1990 81,1 Mio. m3 221 242SH 2010 102,7 Mio. m3 256 271 1970 10,0 Mio. m3 115 118 1990 30,5 Mio. m3 332 364HP 2010 67,5 Mio. m3 398 387 1970 16,8 Mio. t 148 159 1990 25,1 Mio. t 634 691ZH 2010 51,4 Mio. t 628 641 1970 23,0 Mio. t 186 200 1990 55,6 Mio. t 824 885PP 2010 108,9 Mio. t 878 904 Quelle: FAO 2011: FAOSTAT( July 2011) und eigene Berechnungen Die mit dem Welthandel verbundenen Konsumenten- und Produzentenrenten der Marktteilnehmer lassen sich nicht direkt beobachten, sie sind das Ergebnis ökonomischer Hypothesen und ökonometrischer Schätzungen. Um dennoch die Marktergebnisse beurteilen zu können, behilft man sich mit den Terms of Trade (ToT). Die ToT beschreiben das Austauschverhältnis zwischen den Exporten und den Importen eines Landes. Sie lassen sich als Quotient der Exportpreise und der Importpreise berechnen, die in einer Währung angegeben sind. Somit haben die ToT die Dimension Importmenge zu Exportmenge und drücken aus, welche Importmenge für eine Einheit Export erworben werden kann. Die abso- Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 361 lute Höhe der ToT sagt noch nichts über die Vorteilhaftigkeit des Außenhandels aus. Ihre Veränderung ist hier von Interesse. Steigen die ToT, dann kann für eine Exporteinheit mehr importiert werden. Die im Inland verfügbare Gütermenge steigt, und dies wird als wohlfahrtserhöhend interpretiert. Üblicherweise beziehen sich die ToT auf alle Exporte und alle Importe eines Landes. Wenn damit der Handel nur einer Güterart, nämlich von Holz und Waren aus Holz beurteilt werden soll, dann benötigt man zum Vergleich eine andere Güterart. Die internationalen Statistiken bieten güterspezifische ToT jedoch nicht an. Dies ist ein mageres Ergebnis. Die Vor- und Nachteile des Weltholzhandels lassen sich durch die verfügbaren Statistiken nicht unmittelbar belegen. 20.2. Analyse von Holz-Weltmärkten Ein Markt ist eine soziale Institution, die durch Bekanntgabe einer Zeit, eines Ortes, eines Preises und der Art und Qualität eines Gutes Käufer und Verkäufer zusammenführt, die das Gut gegen Geld tauschen. Diese Aussage haben wir im Kapitel 5 näher behandelt. Bei Holz-Weltmärkten ist das gehandelte Gut Holz, und der Ort ist die Welt. Damit meint man, dass nur Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern betrachtet werden. Transaktionen zwischen Inländern und solche zwischen Ausländern bleiben unberücksichtigt. Exporte und Importe sind der Gegenstand der Weltmärkte. Dennoch spielen die Vorgänge auf den Inlands- und Auslandsmärkten eine wichtige Rolle. Dieses Zusammenspiel kann durch das Standardmodell der Außenhandelstheorie, das Substitutionsmodell, das David Ricardo (1772-1823) im Jahre 1817 vorgestellt hat, am besten verdeutlicht werden. Dieses Modell haben wir bereits im Abschnitt 17.1 kennen gelernt. Die Kernaussagen dieses Modells wollen wir uns hier nochmals an einem Beispiel kurz vor Augen führen. Die Abbildung 20.6 zeigt die Analyse. Zwei Länder, Deutschland und Malaysia, produzieren im Autarkiezustand, also vor Aufnahme des Außenhandels, zwei homogene Güter, Holzplatten und Paraffin. Die Autarkiepreise betragen in der jeweiligen Landeswährung für Holzplatten 750 €/m3 bzw. 1500 Rt/m3 und für Paraffin 60 €/dt bzw. 250 Rt/dt (Rt = Ringgit als malaysische Währung, dt = Dezitonnen =100 kg). Aufgrund dieser Informationen hat Deutschland einen relativen Preisvorteil bei Paraffin und einen relativen Preisnachteil bei Holzplatten. Wenn wir von einem Wechselkurs von 0,35 €/Rt ausgehen, dann betragen die Autarkiepreise in Malaysia 525 €/m3 für Holzplatten und 87,5 €/dt für Paraffin. Die Aufnahme des Außenhandels führt nun zu einer Preisangleichung auf angenommene 650 €/m3 für Holzplatten und 81,25 €/dt für Paraffin. Deutschland spezialisiert sich auf die Produktion von Paraffin und Malaysia auf die Produktion von Holzplatten. Vierter Teil: Internationale Forstökonomie362 750 650 525 87,5 60 81,25 Deutschland Weltmarkt Ex Rt * € / Rt = € Weltmarkt € Bild a: Holz-Außenhandel Bild b: Paraffin-Außenhandel Malaysia Rt * € / Rt = € € dt DN DA DA DA M 0P M 1P DPD0P D 1P DHD0H D 1H WP WH 3m W Hp Ex Im dt 3m3m dt DN DMA + MA M 0H M 1HMH MDN + MN MDA + DMN + MA DNMN MN W Pp MP MA Im DeutschlandMalaysia Abb. 20.6: Substitutionsmodell Beide Länder profitieren von dem Außenhandel. Der marginale Außenhandelsgewinn kann durch die Terms of Trade berechnet werden (siehe Abschnitt 17.1.) und beträgt für Deutschland 0,125 m³/dt - 0,08 m³/dt = 0,045 m³/dt und für Malaysia 8 dt/m³ - 6 dt/m³ = 2 dt/m³. Allerdings gibt es auch hier nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Die Verlierer beim Holzhandel sind die deutschen Anbieter und die malaysischen Nachfrager. Wegen der deutschen Holzpreissenkung sinkt die Produzentenrente der deutschen Holzplattenproduzenten. Wegen der malaysischen Holzpreiserhöhung sinkt die Produzentenrente der malaysischen Holzplattenverarbeiter. Widerstände gegen den Freihandel können damit begründet werden. Betrachtet man nur den Weltmarkt für Holzplatten, dann gibt das Dreieck zwischen der deutschen Importnachfragekurve und dem Weltmarktpreis den deutschen Nettogewinn aus dem Außenhandel an. Das Dreieck zwischen der malaysischen Exportangebotskurve und dem Weltmarktpreis gibt den malaysischen Nettogewinn aus dem Außenhandel an. Die Summe aus beiden Nettogewinnen ist maximal, das ist das Ergebnis der freien Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Die deutsche Importnachfragekurve entspricht dem Nachfrageüberschuss auf dem Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 363 deutschen Holzplattenmarkt. Die malaysische Exportangebotskurve entspricht dem Angebotsüberschuss auf dem malaysischen Holzplattenmarkt. Das ist der Beweis für die Behauptung, dass die Vorgänge auf dem Weltmarkt von den Inlands- und Auslandsmärkten abhängen. Das Modell zeigt aber auch hier, dass umgekehrt der Weltmarkt Einfluss auf die Inlands- und Auslandsmärkte nimmt. Die Preisangleichung bewirkt, dass auf allen Märkten nur noch zu Weltmarktpreisen gehandelt wird. Das ist die Rechtfertigung dafür, bei Investitionsprojekten mit Weltmarktpreisen zu kalkulieren. Wechselkursänderungen Der Wechselkurs macht die beiden Währungen gleichnamig. Ändert er sich, sind Rückwirkungen auf den Außenhandel zu erwarten. Angenommen, der Ringgit wird abgewertet, für einen Ringgit müssen nur noch 0,30 € gezahlt werden. Weltmarkt Rt * € / Rt = € Weltmarkt € Bild a: Holz-Außenhandel Bild b: Paraffin-Außenhandel Rt * € / Rt = € € dt DN DA DA DA M 0P M 1P DPD0P D 1P DHD0H D 1H WP WH 3m W Hp dt 3m3m dt DN MA M 0H M 1HMH MDN + MN MDA + DMN + MA DN MN MN W Pp MP MA Ex DMA + Im Im DeutschlandMalaysia DeutschlandMalaysia Ex Abb. 20.7: Auswirkungen einer Abwertung Das bedeutet, dass sich in der Abbildung 20.7 die malaysischen Angebots- und Nachfragekurven für Holzplatten und Paraffin nach unten verschieben. Die Autarkiepreise betragen jetzt 450 €/m³ bzw. 75 €/dt. Der malaysische Preisvorteil bei Holzplatten vergrößert sich. Auf dem Weltmarkt verschiebt sich das malaysische Exportangebot nach unten. Der Weltmarktpreis für Holzplatten fällt, der Vierter Teil: Internationale Forstökonomie364 Export nach Deutschland nimmt zu. Die deutschen und die malaysischen Nettogewinne aus dem Holzaußenhandel steigen. Auf den Paraffinmärkten zeigt sich das umgekehrte Ergebnis. Durch die Abwertung der malaysischen Währung reduziert sich der deutsche Preisvorteil bei Paraffin. Auf dem Weltmarkt verschiebt sich die malaysische Importnachfrage nach unten. Der Weltmarktpreis für Paraffin fällt, die deutsche Exportmenge geht zurück. Die deutschen und die malaysischen Nettogewinne aus dem Paraffinaußenhandel sinken. Die Abwertungsvorteile auf dem Holzmarkt werden durch Abwertungsnachteile auf dem Paraffinmarkt reduziert. Über die Gesamtwirkung der Abwertung entscheiden Lage und Steigung der Angebots- und Nachfragekurven auf den beiden Weltmärkten. Hier wird deutlich, dass sich die gesamtwirtschaftliche Beurteilung einer Wechselkursänderung nicht auf einen Gütermarkt beschränken kann. Transportkosten Der im Abschnitt 20.1 festgestellte Unterschied zwischen f.o.b.- und c.i.f.- Preisen kann auf Transportkosten bestehend aus Fracht- und Versicherungskosten zurückgeführt werden. Das Substitutionsmodell der Abbildung 20.6 abstrahiert von Transportkosten. Was ändert sich an der Analyse, wenn Transportkosten berücksichtigt werden? t Weltmarkt Im Rt * € / Rt = € € DN DA DHD0H D 1H WH 3m M Hp 3m3m DN MA M 0H M 1HMH MN MDA + DMN + MA 750 525 D HP W HP tPP MH D H =− Ex DeutschlandMalaysia Abb. 20.8: Substitutionsmodell mit Transportkosten Die Abbildung 20.8 gibt darüber Auskunft. Betragen die Transportkosten t €, dann verschiebt sich die malaysische Exportangebotskurve um die Transportkosten nach oben. Zu den malaysischen Produktionskosten kommen nun noch die Transportkosten von Malaysia nach Deutschland. Das führt zu einem geringeren Weltmarktpreis auf f.o.b.-Basis und geringeren Importen bzw. Exporten. Zwar führt der Außenhandel noch immer zu einer Preisangleichung zwischen beiden Ländern. Die Angleichung findet aber nicht mehr vollständig statt, es bleibt eine Preisdifferenz in Höhe der Transportkosten. Wegen des verminderten Außenhandelsvolumens schrumpfen auch die Gewinne aus dem Außenhandel. Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 365 20.3. Staatliche Handelsinterventionen Der Freihandel wird durch verschiedene staatliche Maßnahmen behindert. Die Außenhandelstheorie unterscheidet tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse. Tarifäre Instrumente sind Zölle und Subventionen, nicht-tarifäre Instrumente sind Kontingente, technische Vorschriften (Normen, Standards) und anderes mehr. Für Holz und Holzprodukte gibt es eine Vielzahl von Handelsbeschränkungen. Von besonderer Bedeutung sind Importzölle und technische Importvorschriften. Die Auswirkungen von Importzöllen entsprechen denen der Transportkosten. Die Abbildung 20.9 entspricht der Abbildung 20.8. Erhebt das Importland Deutschland auf den Holzimport einen Zoll t, dann verschiebt sich das malaysische Exportangebot um diesen Abgabesatz nach oben. Dadurch sinkt der Weltmarktpreis, während sich der deutsche Inlandspreis erhöht. Die Preisdifferenz entspricht dem Zollsatz. Der Importzoll wird in der Regel erhoben, um die heimischen Anbieter zu schützen, man spricht deshalb auch vom Schutzzoll. Wie die Abbildung 20.9 zeigt, gelingt der Schutz. t Weltmarkt Im Rt * € / Rt = € € DN DA DHD0H D 1H WH 3m M Hp 3m3m DN MA M 0H M 1HMH MN MDA + DMN + MA 750 525 D HP W HP tPP MH D H =− C A BEx DeutschlandMalaysia Abb. 20.9: Auswirkungen von Importzöllen Die deutschen Anbieter von Holz erzielen gegenüber dem Freihandel eine zusätzliche Produzentenrente (Schutzeffekt). Auch der Staat profitiert vom Zoll, er erzielt Zolleinnahmen in Höhe der mit dem Zollsatz multiplizierten Importe (Steuereffekt). Doch es gibt nicht nur Gewinner der Zollerhebung, die Nachfrager von Holz verlieren Produzentenrente, da sie den höheren Inlandspreis bezahlen müssen (Verbrauchseffekt). Der Verlust der Holznachfrager ist jedoch geringer als die Gewinne der Holzanbieter und des Staates, so dass Deutschland (als großes Land) einen Effizienzgewinn durch den Importzoll erhält. Und welche Auswirkungen hat der Importzoll auf Malaysia? Durch den reduzierten Weltmarktpreis verlieren die malaysischen Anbieter mehr Produzentenrente als die malaysischen Nachfrager solche gewinnen. Die malaysische Volkswirtschaft erleidet einen Effizienzverlust. Insgesamt geht der Weltwirtschaft Wohlfahrt in Vierter Teil: Internationale Forstökonomie366 Höhe des Weltmarkt-Dreiecks ABC durch den Importzoll verloren. Dennoch verbleibt eine Wohlfahrtserhöhung gegenüber dem Autarkiezustand. Bezogen auf die weltwirtschaftliche Wohlfahrt gilt Freihandel vor Handelsbeschränkung vor Autarkie. Der Schutzeffekt heimischer Produktionsbereiche wird durch die Höhe des Nominalzolls nur unzureichend wiedergegeben. Wenn man wissen will, um wie viel inländische Produzenten ein zollgeschütztes Gut teurer als ihre ausländischen Konkurrenten ohne Wettbewerbsnachteil produzieren können, dann muss man den Effektivzoll berechnen. Die Tabelle 20.10 zeigt die Unterschiede für wichtige Branchen der deutschen Holzwirtschaft, zum Vergleich sind die Zahlen für die gesamte Industrie angefügt. Nominalzölle sind die im Zolltarif gesetzlich festgelegten Zollsätze. Sie geben an, um wie viel Prozent ein Gut im Inland teurer sein kann als im Ausland. Die Tabelle 20.10 besagt, dass z. B. inländisches Schnittholz als Produkt der Holzbearbeitung 1994 um 4,6 % teurer als importiertes Schnittholz sein kann. Effektivzölle geben an, welche prozentuale Mehrwertschöpfung ein inländischer Produzent gegenüber dem Freihandel akzeptieren kann. Tab. 20.10: Deutsche Nominal- und Effektivzölle in der Holzwirtschaft Nominalzoll EffektivzollProduktionsbereich 1958 1964 1972 1994 2004 1958 1964 1972 1994 2004 Holzbearbeitung 5,1 7,3 6,1 4,6 2,1 12,7 15,9 13,7 9,7 4,2 Holzschliff, Zellstoff, Papier u. Pappe 11,5 12,6 9,4 6,8 2,9 35,8 41,3 29,6 18,2 7,4 Holzverarbeitung 13,3 14,8 8,0 5,2 1,6 19,9 20,7 9,9 7,7 1,3 Papier- u. Pappwaren 15,0 17,0 13,2 9,8 4,5 24,4 24,8 19,9 20,5 9,3 ges. Industrie 9,7 11,9 7,9 5,8 3,3 13,0 17,4 11,2 11,0 5,9 Quelle:H. H. Glismann et al. (2000), S. 5, 7, 9 Der Effektivzoll wird folgendermaßen berechnet: Bei Freihandel ist die Wertschöpfung pro Produkteinheit gleich dem Produktpreis multipliziert mit Eins minus dem Vorleistungsanteil an dem Produktionswert: (Y/x) = p(1-v). Werden sowohl auf das Produkt als auch auf die Vorleistung Importzölle erhoben, dann beträgt die zollmodifizierte Wertschöpfung pro Produkteinheit (Y/x)zm = p((1+tx)-v(1+tv)). Der Effektivzoll teff = ((Y/x)zm-(Y/x))/(Y/x) = (tx-vtv)/(1-v). Bei einem Wertzoll von 4,6 % auf importiertes Schnittholz und zollfreier Einfuhr von Rohholz beträgt bei einem Vorleistungsanteil von 53 % der Schnittholzproduktion der Effektivzoll teff = (4,6-0,53*0)/(1-0,53) = 9,7. Geht das Schnittholz als Vorleistung in die Holzverarbeitung ein, dann erhöht sich der Nominalzoll Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 367 der Holzverarbeitung 1994 von 5,2 % bei einem Vorleistungsanteil von 81 % zu einem Effektivzoll teff = (5,2-0,81*4,6)/(1-0,81) = 7,7. Die inländischen Holzbearbeiter können somit gegenüber ihrer ausländischen Konkurrenz um 9,7 % höhere Einkommen an die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Unternehmerleistung ausschütten. Die Holzverarbeiter haben hier einen Vorteil von 7,7 %. In der Regel ist also der effektive Schutz größer als der nominale Schutz. Die Tabelle 20.10 zeigt, dass in der Vergangenheit wichtige Branchen der deutschen Holzwirtschaft überdurchschnittlich gemessen am Industriedurchschnitt gegen ausländische Konkurrenz geschützt wurden. Wenn es richtig ist, dass Handelshemmnisse Wohlfahrtsverluste bedeuten, dann müssten die am internationalen Handel beteiligten Länder ein Interesse an einem Abbau von Handelsbeschränkungen haben. Zu diesem Zweck wurde 1947 eine Welthandelsordnung von 23 Ländern beschlossen, die als „Allgemeines Zollund Handelsabkommen“ („General Agreement on Tariffs and Trade“ - GATT) bezeichnet wird. Inzwischen beteiligen sich mehr als 130 Länder an diesem Abkommen. Getragen wird dieser internationale Vertrag von den Prinzipien der Gegenseitigkeit (Reziprozität), der Liberalisierung und der Nicht- Diskriminierung. Liberalisierung meint, auf die Einführung neuer Handelsbeschränkungen zu verzichten und bestehende Handelsbeschränkungen abzubauen. Die Meistbegünstigungsklausel schreibt vor, dass Zollsenkungen, die ein Land einem anderen Land gewährt, unverzüglich und bedingungslos auch allen anderen Mitgliedsstaaten des GATT einzuräumen sind. Das Gegenseitigkeitsprinzip besagt, dass einem Land für den Abbau von Handelshemmnissen Gegenleistungen durch die begünstigten Länder zu erbringen sind. Ausnahmen von diesen Regeln sind begrenzt auf Entwicklungsländer sowie unter bestimmten Voraussetzungen auf die Landwirtschaft und die Fischerei. Um den Abbau von Handelshemmnissen voranzutreiben wurden bislang acht internationale Verhandlungsrunden im Rahmen des GATT durchgeführt. Die drei letzten waren die „Kennedy-Runde“ (1964-1967), die „Tokio-Runde“ (1973-1979) und die „Uruguay-Runde“ (1986-1994). Die „Kennedy-Runde“ hat Zollsenkungen von durchschnittlich 30 % und mehr beschlossen und bis 1972 durchgeführt. Dies zeigt auch die Tabelle 20.10. Einen ähnlichen Erfolg hatte auch die „Tokio-Runde“, die allerdings auch Rückschläge insbesondere bei den nicht-tarifären Handelshemmnissen brachte. Mit Vollzug der Uruguay-Runde im Jahr 2004 sind die Nominal- und Effektivzölle bei allen Holzprodukten drastisch zurückgegangen. Davon insbesondere betroffen sind die Holzbearbeitung und Holzverarbeitung, deren effektiver Zollschutz gegenüber Einfuhren aus Drittländern unter den Durchschnitt des effektiven Zollschutzes der gesamten deutschen Industrie gesunken ist (siehe Tab. 20.10). Vierter Teil: Internationale Forstökonomie368 Die Gründung und stetige Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft (EU- Mitglieder sind derzeit Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Dänemark, Großbritannien, Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, Finnland, Österreich, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Zypern, Bulgarien, Rumänien), die Bildung der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA-Mitglieder sind USA, Kanada und Mexiko), und weiterer sieben regionaler Wirtschaftsgemeinschaften (FAO (1997): SOFO-1997, S. 162ff.), die stark dazu neigen, zum Schutz von Gemeinschaftsinteressen die GATT-Regeln nicht zu beachten, haben in der Uruguay-Runde die Bildung einer neuen, mit erweiterten Zuständigkeiten und Kompetenzen ausgestatteten Organisation nahe gelegt. Die Welthandelsorganisation („World Trade Organization“ - WTO) soll vor allem den stark beschränkten Handel mit Agrarerzeugnissen und mit Textilien liberalisieren. Besonderer Liberalisierungsbedarf besteht auch bei Dienstleistungen und im öffentlichen Beschaffungswesen. Ein erweiterter Schutzbedarf besteht dagegen bei geistigem Eigentum in der Form von Patenten, Urheberrechten und Qualitätszertifikaten, um Produktfälschungen entgegenzuwirken. Obwohl die Doha-Runde ihre Arbeit bereits im Jahre 2001 aufgenommen hat, kam es bislang nicht zu einem Verhandlungsabschluss. Die Minderung der Zollsätze ist von einer Zunahme der nicht-tarifären Handelshemmnisse begleitet worden. Nicht-tarifäre Handelshemmnisse beschränken den Import durch Vorschriften des Importlandes, die durch das Exportland entweder gar nicht oder nur mit erhöhten Kosten zu erfüllen sind. Ein deutsches Importverbot tropischen Holzes würde Malaysia (im Zwei-Länder-Modell) in seinen Autarkiezustand versetzen, bei dem es auf seine Gewinne aus dem Außenhandel vollständig verzichten müsste. Hier läge auch ein Verstoß gegen die WTO- Regeln vor. Am 1.1.1997 ist das Internationale Tropenholz-Übereinkommen in Kraft getreten. Danach ist die Bundesregierung nicht berechtigt, Maßnahmen zu Verwendungsbeschränkungen zu ergreifen. Importkontingente in der Form von Importlizenzen sind eine Mengenbegrenzung, die vom Exportland ebenfalls nicht überwunden werden kann. Gibt das Importland Deutschland die Importmenge H0 vor, dann knickt die deutsche Nachfragekurve auf dem Weltmarkt im Punkt A senkrecht nach unten ab. Der Weltmarktpreis sinkt auf pHW mit den gleichen negativen Konsequenzen für das Exportland Malaysia wie beim Zollsatz t. In Deutschland steigt der Preis auf pHD, da ja nur die Menge H0 zur Verfügung steht. Die Preisdifferenz kann sich der Staat durch den Verkauf der Importlizenzen aneignen. Der Effizienzverlust für beide Länder entspricht auch hier dem Weltmarkt-Dreieck ABC (siehe Abb. 20.11). Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 369 Weltmarkt Im Rt * € / Rt = € €DA DHD0H D 1H WH 3m M Hp 3m3m DN MA M 0H M 1HMH MN MDA + DMN + MA D HP W HP C A BEx DeutschlandMalaysia 0H DN Abb. 20.11: Auswirkungen von Importvorschriften Der Unterschied zur Zollerhebung besteht nun darin, dass eine Verschiebung der Weltmarkt-Angebots- und -Nachfragekurven bei unveränderten Importkontingenten keine Anpassung erlaubt, welche die negativen Auswirkungen dämpft. Mengenvorschriften wirken deshalb stärker wohlfahrtseinschränkend als Zölle. Technische Vorschriften, die durch das Exportland erfüllt werden können, dort aber zu höheren Kosten führen, sind eher den Zöllen vergleichbar. Sie verschieben die Weltmarktangebotskurve nach oben. Dadurch wird der Preisvorteil des Exportlandes geringer, der Weltmarktpreis steigt. In der Abbildung 20.11 liegt das Weltmarktgleichgewicht in A. Da das Exportland Anpassungsmöglichkeiten bei Kostensenkungen für die Vorschriftenerfüllung besitzt, sind die negativen Wohlfahrtswirkungen bei technischen Vorschriften geringer als bei starren Importkontingenten. Im Bereich der Holzerzeugung sind verschiedene technische Vorschriften denkbar. Das sind zum einen Richtlinien für die Normung und Sortierung von Holz und Waren aus Holz, die zurzeit in der EU im Rahmen von „Comité Européen de Normalisation/Technical Comities“(CEN/TC) neu diskutiert werden. CEN- Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute der 27 EU-Staaten sowie Island, Norwegen, Schweiz und Tschechien. Solche Arbeitsgruppen gibt es zur Zeit für Rund- und Schnittholz (TC 175), Holzwerkstoffe (TC 112), Holzbau (TC 124) und für die Dauerhaftigkeit von Holz und Waren aus Holz (TC 38). Auch die „International Organization for Standardization“ (ISO) bemüht sich um die Festlegung solcher Vorschriften. Mit Rund- und Schnittholz beschäftigt sich die Arbeitsgruppe ISO/TC 55 („Round and sawn timber“), angestrebt wird eine Abstimmung mit der Gruppe CEN/TC 175. Die Arbeitsgruppe ISO/TC 99 befasst sich mit Holzhalbwaren („Semi-manufactures of timber“). Zum anderen gibt es zurzeit weltweite Bemühungen um eine obligatorische Kennzeichnung von Holz und Waren aus Holz durch Zertifizierung. Kriterien für eine ökologisch verträgliche, nachhaltige Nutzung von Wäldern werden von verschiedenen Institutionen erarbeitet. Die bekanntesten sind der „Forest Stewardship Council“ Vierter Teil: Internationale Forstökonomie370 (FSC) und die ISO 14.000 ff. Waldbesitzerverbände bemühen sich um ein europäisches Nachhaltigkeitszeichen. Werden solche Zertifizierungsnachweise von Importländern verlangt, dann können sie sich ebenfalls handelshemmend auswirken. Inwieweit solche Wohlfahrtsminderungen durch einen dadurch ausgelösten internationalen Waldschutz kompensiert werden können, wird im Kapitel 21 behandelt. 20.4. Internationales Holz-Marketing Internationales Marketing besteht in der Analyse, Planung, Organisation und Kontrolle marktbezogener Unternehmensaktivitäten bei einer Geschäftstätigkeit in mehr als einem Land. Unterschiede zum nationalen Marketing resultieren somit aus dem Regionalbezug der Geschäftstätigkeit. Der Managementprozess im internationalen Marketing gleicht dem im nationalen Marketing. Die Abbildung 20.12 zeigt in Anlehnung an H. Meffert und J. Bolz (1998, S. 36) diesen Prozess. Zielsystem Strategische Geschäftsfelder Marktsegmentierung Marktwahlstrategie Markteintrittsstrategie Marktbearbeitungsstrategie Ergebnis Ablauf Produktpolitik Preispolitik Kommunikationspolitik Distributionspolitik Implementierung PartizipationKoordination Planung Situationsanalyse Prognose Kunden KonkurrentenHandel Politischrechtliche Umwelt Kulturelle Umwelt Natürliche Umwelt Marktwirtschaftliche Umwelt Analyse Organisation Kontrolle Abb. 20.12: Planungsprozess im internationalen Marketing Ausgangspunkt der Marketingplanung ist stets die Analyse der Situation und der Entwicklung der Unternehmung oder der Branche. Wie ist die wirtschaftliche Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 371 Situation der Unternehmung oder der Branche zu beurteilen und wie wird die wirtschaftliche Entwicklung verlaufen? Beeinflusst werden die Wirtschaftseinheiten durch die globale und die unternehmensspezifische Umwelt. Zur globalen Umwelt zählen die Gesamtwirtschaft, die Kultur, die Staats- und Rechtsordnung sowie die natürliche Umwelt. Die unternehmensspezifische Umwelt wird bestimmt durch die Kunden und die Konkurrenten. Die marktwirtschaftliche Analyse dient dazu, die Größe der Holzmärkte und ihre Entwicklungspotentiale abzuschätzen. Hier interessieren vor allem die Auslandsmärkte und die Weltmärkte für Holz und Holzprodukte. Damit haben wir uns in den vorangegangenen Abschnitten näher beschäftigt. Unternehmen besitzen mehrere Arten einer Teilnahme auf Auslandsmärkten (Internationalisierungsformen). Geordnet nach der Intensität der Auslandsmarktbearbeitung stehen zur Verfügung der Ex- bzw. Import, die Vergabe von Lizenzverträgen, das Franchising, das Joint Venture, die Gründung einer Auslandsniederlassung, eines Produktionsbetriebes oder einer Tochtergesellschaft. Ex- bzw. Import ist eine reine Handelsbeziehung mit unmittelbarer Leistung und Gegenleistung. Ein Lizenzvertrag ist ein längerfristiger Vertrag über Nutzungsrechte, z. B. das Recht eine durch Patent geschützte Ware herzustellen. Franchising ist eine vertraglich geregelte Kooperation zwischen Unternehmen, wobei der Kontraktgeber („franchisor“) den Kontraktnehmer („franchisee“) in wichtigen betrieblichen Funktionen, insbesondere im Bereich des taktischen Marketings verbindlich unterstützt. Joint Ventures sind Direktinvestitionen im Ausland, die in der Form einer gemeinschaftlichen Investition von Inlands- und Auslandsunternehmen vorgenommen werden. Es handelt sich dabei um eine längerfristige Bindung aus einer Kapitalbeteiligung mit Risikoteilung und Entscheidungsbefugnis beider Unternehmen. Niederlassungen implizieren Direktinvestitionen im Ausland. Gemessen an der Zahl der Mitarbeiter und der Kapitalbindung unterscheidet man die Vertriebsniederlassung mit einer geringen Mitarbeiterzahl und geringer Kapitalbindung vom ausländischen Produktionsbetrieb mit eingeschränkten Betriebsfunktionen bis hin zur selbständigen Tochtergesellschaft mit allen Betriebsfunktionen, großer Mitarbeiterzahl und hoher Kapitalbindung. Kulturelle Eigenheiten der Länder können einen erheblichen Einfluss auf die Absatzchancen haben. Viele Länder unterscheiden sich in den Kulturelementen Sprache, Symbole, Nationalbewusstsein, Religion und Sozialverhalten. Die Sprachenvielfalt macht es erforderlich, im Bereich der Kommunikationspolitik bei Werbung und Produktgestaltung mehrsprachig zu kommunizieren. Für das Auslandsgeschäft sind damit höhere Kosten verbunden. Die Entwicklung einer allgemeinen Verkehrssprache („lingua franca“), wie derzeit die englische Sprache, kann diese Problematik zwar mindern, jedoch nicht beseitigen. Zudem kön- Vierter Teil: Internationale Forstökonomie372 nen wegen mangelnder Sprachkenntnisse der Marktteilnehmer neue Missverständnisse auftreten, die einen Verkaufserfolg eher erschweren. Symbole sind Worte, Objekte und Gesten, deren Bedeutung aus regionalen Konventionen und der Geschichte erwachsen. Von besonderer Bedeutung für das internationale Marketing sind Statussymbole, Farbsymbole und Tiersymbole. Das Nationalbewusstsein ist ein besonders sensibler Bereich. Das Streben nach Autarkie zur Wahrung der nationalen Identität kann eine ernsthafte Behinderung des Außenhandels bedeuten. Dem kann durch die Vergabe von Lizenzverträgen an Auslandsfirmen über Joint Ventures mit Auslandsfirmen bis hin zur Gründung einer Tochtergesellschaft im Ausland wirkungsvoll begegnet werden. Viele Deutsche glauben, dass die Autofirma Opel eine deutsche Unternehmung sei, viele Amerikaner halten Budweiser für eine amerikanische Bierbrauerei. Religiöse Überzeugungen können in manchen Ländern das Kaufverhalten direkt oder indirekt stark beeinflussen. Manche Religionen kennen das Verbot der Verwendung bestimmter Produkte. Religiöse Darstellungen bei Werbung und Produktgestaltung verletzten das religiöse Empfinden und führen zu Protesten. Dies trifft auch bei manchem Sozialverhalten zu, wenn die Geschlechterrolle von Mann und Frau falsch eingeschätzt wird. Sorgfalt ist hier insbesondere im Rahmen der Instrumente der Kommunikationspolitik geboten. Bei der politisch-rechtlichen Umwelt geht es vor allem um Rechtskenntnisse, Rechtssicherheit und politische Stabilität. International tätige Unternehmen handeln innerhalb der Rechtsordnung des Auslandes. Unterschiede gibt es zunächst im Rechtssystem, kodifiziertem Recht in einem Land steht fallweises Recht in einem anderen Land gegenüber. Ein Warenzeichen muss im kodifizierten Rechtssystem angemeldet und registriert sein, im Fallrechtssystem steht es demjenigen zu, der es in der Vergangenheit tatsächlich genutzt hat. Die Inhalte der für die Handelsbeziehungen relevanten Rechtsregeln können sich erheblich zwischen Ländern unterscheiden. Hier besteht Bedarf an einem einheitlichen internationalen Recht. Dies betrifft vor allem den Schutz ausländischer Unternehmen vor Verstaatlichung und Enteignung sowie den Schutz des Auslandes vor unlauteren Handelspraktiken multinationaler Unternehmen. Rechtsunsicherheit und politische Instabilität im Ausland sind besondere Risikofaktoren internationaler Geschäftstätigkeit. Die Zunahme der unternehmenspolitischen Risiken ist eine Besonderheit des internationalen Marketings. Diese Risiken sind umso größer, je intensiver die Auslandsmarktbearbeitung gemessen an der Kapitalbindung ist. Die natürliche Umwelt von Unternehmen wird vornehmlich bestimmt durch die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen und der öffentlichen Infrastruktur. Die Länder unterscheiden sich hinsichtlich spezifischer Ressourcenbeanspruchung und Umweltbelastung. Die regionalen Bevölkerungen nehmen solche Knapp- Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 373 heitssituationen mit unterschiedlicher Intensität wahr. Von besonderer Bedeutung für die Vermarktung von Holz und Waren aus Holz sind Zustand und Entwicklung der Wälder. Anpassung und Rücksichtnahme sind geboten, um mögliche Geschäftserfolge nicht zu gefährden. Die Kunden und ihr Verhalten sind für ein Unternehmen von essentieller Bedeutung, da sie es sind, die einen Unternehmenserfolg ermöglichen. Im Rahmen des internationalen Marketings ist von Interesse, ob die Kunden aus verschiedenen Ländern ähnliche Verhaltensweisen zeigen, die eine einheitliche Marktbearbeitung ermöglichen. Der Holzeinkauf geschieht durch professionelle Einkäufer der Holzwirtschaft. Industrielle Abnehmer zeichnen sich durch ein vornehmlich rationales Einkaufsverhalten aus. Im Bereich der Vorprodukte, zu denen auch Holz und Holzprodukte gehören, lassen sich starke Bestrebungen erkennen, auf globaler Basis zentral einzukaufen, um eine länderübergreifend gleichmäßige Qualität sowie einen einheitlichen Service bei einheitlichen, möglichst niedrigen Preisen zu realisieren (H. Meffert und J. Bolz, 1998, S. 57). Dieses „global sourcing“ bedeutet ein ähnliches Marktverhalten industrieller Einkäufer, das stark vom Interesse an rechtzeitiger Belieferung und an Kostensenkung bestimmt wird. Die Konkurrenten bestimmen über den Unternehmenserfolg ebenfalls mit. Starke internationale Konkurrenz schränkt die Erfolgsmöglichkeiten ein. Die Globalisierung des Wettbewerbs hat durch den Abbau von Handelshemmnissen, die Beschleunigung bei der Entwicklung neuer Produkte sowie die Standardisierung von Produkten stark zugenommen. Dieser verstärkten internationalen Konkurrenz können die Unternehmen mit verschiedenen Strategien begegnen. Möglich ist die Strategie eines internationalen Ländermarktausgleichs („crosssubsidization“), bei der Verluste durch stärkere Konkurrenz auf einem Markt durch verstärkte Anstrengungen auf einem anderen Markt kompensiert werden sollen. Dabei sollte ein Mindestmarktanteil auf dem wettbewerbsintensiven Markt gehalten werden, um die Konkurrenten auch weiterhin beeinflussen zu können. Diese Strategie wird deshalb auch als „global chess“ bezeichnet. Eine alternative Strategie besteht darin, auf dem wettbewerbsintensiven Markt die eigenen Marketing-Instrumente zu intensivieren. Erbringt die Analyse unbefriedigende Unternehmensergebnisse, dann ist eine neue Marketing-Konzeption zu planen. Die Marketing-Planung beginnt mit der Festlegung der Marketingziele, dem Zielsystem. Die Internationalisierung meint vorrangig die geographische Expansion mit dem Ziel der Gewinnerhöhung ergänzt durch Marktstellungsziele, finanzielle, soziale, Macht- und Prestige-Ziele. Der nächste Schritt ist die Bildung strategischer Geschäftsfelder. Das meint vor allem die Auswahl von Ländermärkten und die anschließende Segmentierung, Vierter Teil: Internationale Forstökonomie374 also die Bestimmung des Kundenkreises. Bei dieser Auswahl ist wiederum eine länderspezifische Analyse der globalen und unternehmensspezifischen Umwelt hilfreich. Der nun folgende Schritt ist die Markteintrittsstrategie. Wir haben bereits die verschiedenen Arten der Teilnahme auf Auslandsmärkten behandelt, die sich durch die Art und Dauer vertraglicher Bindungen und Kontrollmöglichkeiten der Geschäftstätigkeiten unterscheiden. Den Abschluss bildet die Marktbearbeitungsstrategie, die festlegt, ob das Zielsystem vornehmlich durch Qualitätsorientierung, Innovationsorientierung oder Kostenorientierung der Unternehmensaktivitäten erreicht werden soll. Die Qualitätsorientierung strebt nach hoher Produktqualität aus der Sicht der Kunden. Für Holz und Holzprodukte spielt dabei die Qualitätsdimension der Normgerechtigkeit eine besondere Rolle. Die Einhaltung von ISO-, CEN- oder DIN-Normen erleichtert den industriellen Kunden die Weiterverarbeitung. Die Innovationsorientierung ist gekennzeichnet durch gemessen am Umsatz hohe Forschungs- und Entwicklungskosten zur Entwicklung neuer Produkte. Die Kostenorientierung zielt auf produktivitätssteigernde Verfahreninnovationen ab, um die Stückkosten unter das Niveau von Konkurrenten zu senken. Der Einsatz der Marketinginstrumente muss die Marketing-Strategien umsetzen. Der Marketing-Mix bildet das Gestaltungspotential auch der international agierenden Unternehmen. Da auf mehreren Auslandsmärkten agiert wird, stellt sich im internationalen Marketing das besondere Problem der Standardisierung oder Differenzierung der Produkte und Prozesse. Produktstandardisierung meint das Angebot gleicher Produkte zu gleichen Preisen durch gleiche Vertriebswege und Verkaufsförderung. Die Prozessstandardisierung geht darüber hinaus und meint die einheitliche Strukturierung und ablauforganisatorische Vereinheitlichung von Marketingentscheidungen. Ein Beispiel für die Standardisierungstaktik im Bereich von Holz und Waren aus Holz ist die Zertifizierung. Als Produktzertifizierung strebt sie eine einheitliche Produktqualität von Holz und Holzprodukten an. Als Prozesszertifizierung geht es um eine nachhaltige und umweltverträgliche Produktionsweise der Forst- und Holzwirtschaft. Über die Einhaltung der Zertifizierungskriterien wachen unabhängige Institutionen. Derzeit bilden sich mehrere internationale Zertifizierungsagenturen: der „Forest Stewardship Council“ (FSC), die „International Organization for Standardization“ (ISO) sowie das paneuropäische System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft (PEFC). Als Marketinginstrument soll die Zertifizierung den gewinnbringenden Holzabsatz fördern. Die diskutierten Zertifizierungskriterien reichen jedoch weit über die Holzproduktion hinaus und fordern eine multifunktionale Waldbewirtschaftung. Das kann am Beispiel der FSC-Prinzipien dargestellt werden. Ein wohldefiniertes Waldeigentum soll durch Eigeninteresse eine effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung fördern, dabei sollen die indigenen Gruppen angemessen betei- Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 375 ligt werden. Ein kontrollierter Bewirtschaftungsplan soll die ökonomische, soziale und ökologische Multifunktionalität von Wäldern sichern. Hier wird deutlich, dass die Zertifizierung eine starke gesellschaftliche Komponente besitzt. Der Marketingerfolg setzt die gesellschaftliche Akzeptanz der Zertifizierungskriterien voraus, Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit sind deshalb wichtige Aufgaben der Zertifizierungsagenturen. Die starke gesellschaftliche Ausrichtung weist aber auch auf Standardisierungsgrenzen hin. In Deutschland ist das Waldeigentum wohldefiniert, Waldvermögensverteilungsprobleme sind durch die Schaffung öffentlicher Güter des Waldes gemildert. Forstliche Rahmenpläne sichern eine ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung. Die Verbesserungsmöglichkeiten in Deutschland werden nicht als grundlegend, sondern nur als geringfügig eingeschätzt. Eine 1996 angefertigte Studie über zertifiziertes Tropenholz und deutsches Verbraucherverhalten kommt zu folgendem Schluss: „Die Auswertung von insbesondere in der Bundesrepublik gemachten Erfahrungen mit Umweltzeichen weist daraufhin, dass glaubhaft zertifizierte Produkte vom Verbraucher bei Preisgleichheit in der Regel bevorzugt werden. Unter bestimmten Umständen kann ein Umweltzeichen dabei auch eine leicht erhöhte Zahlungsbereitschaft der Konsumenten wecken.“ (K. L. Brockmann et al., 1996, S. 145). Verstärkter internationaler Wettbewerb mit zertifizierten Produkten macht die Bedeutung dieses Marketinginstrumentes auch für die deutsche Forstwirtschaft aus. Neben der Zertifizierung als Instrument der Produkt- und Kommunikationspolitik können auch viele andere Instrumente des Marketing-Mix verkaufsfördernd eingesetzt werden. Von besonderer Bedeutung im internationalen Holz- Marketing sind die Werbung als Teil der Kommunikationspolitik, die Absatzwege im Bereich der Distributionspolitik sowie die Zahlungsbedingungen im Bereich der Preispolitik. Die internationale Direktwerbung hat wegen der verbesserten Möglichkeiten im Bereich der elektronischen Medien an Bedeutung gewonnen. Online-Dienste im Internet gestatten eine direkte Kommunikation über Produkte zwischen Käufer und Verkäufer verschiedener Länder („Electronic-Commerce“). Wegen der großen Entfernungen im internationalen Handel kommt der Wahl der Absatzkanäle eine besondere Bedeutung zu. Welcher Absatzweg gewählt wird, hängt von der Art der gewählten Internationalisierungsform ab. Die Alternativen heißen zum einen einstufiger direkter oder unter Verwendung von Absatzmittlern mehrstufiger Absatzweg. Zum anderen kann der Absatzweg eingleisig über einen Exporteur als Zwischenhändler oder mehrgleisig unter Einschaltung von Exporteur und Importeur gestaltet werden. Zurzeit ist eine Verkürzung der Absatzwege durch eingleisigen Direktverkauf festzustellen. Die Marketing- Vierter Teil: Internationale Forstökonomie376 Logistik wird allerdings erheblich durch die verfügbare Infrastruktur und klimatische Bedingungen in den Handelsländern mitbestimmt. Für Auslandsgeschäfte können im Bereich der Kreditgewährung verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten eingesetzt werden. Kontokorrentkredite bieten Flexibilität in der Höhe der Kredit, allerdings zu vergleichsweise hohen Zinsen. Lieferantenkredite durch Exportkreditversicherer verschieben die Zahlung des Restkaufpreises um mehrere Monate. Langfristige Exportkredite werden in Deutschland von staatlichen und privaten Banken gewährt. Daneben gibt es Kreditsubstitute. Beim Factoring bzw. der Forfaitierung tritt ein Lieferant seine Forderung aus einem Exportgeschäft an einen gewerblichen Abnehmer ab und kann so eine sofortige Einzahlung verbuchen. Beim Leasing behält der Exporteur die Eigentumsrechte an der Ware, mögliche Vorteile ergeben sich hier aus länderspezifischen Kostenunterschieden beim internationalen Handel, z. B. durch verminderte Zölle. Die Umsetzung der Marketing-Planung erfolgt durch Organisation im Unternehmen. Die Auslandsaktivitäten müssen koordiniert werden. Die Organisation kann betriebsfunktional, produktorientiert und regional ausgerichtet sein. Je nach der Intensität der Auslandsaktivitäten bieten sich differenzierte oder integrierte Organisationsstrukturen an. Bei geringen Auslandsaktivitäten dominiert die funktionale Organisation. Das Unternehmen gliedert sich in die Abteilungen Einkauf, Produktion, Finanzen, Marketing, Controlling. Bei Mehrprodukt- Unternehmen bietet sich eine Gliederung nach Produktgruppen, z. B. in der Form der Profit-Center an. Global agierende Unternehmen wählen eher eine Regionalgliederung mit kontinentalen Ländergruppen, z. B. Westeuropa, Nordamerika, Südostasien. Die integrierten Organisationsstrukturen machen keine Unterschiede mehr zwischen Inlands- und Auslandsgeschäften. Ein besonderes Organisationsproblem ist die Frage nach dem Zentralisierungsgrad betrieblicher Entscheidungen. Während Einkauf, Produktion und Finanzierung Kostenvorteile durch zentrale Entscheidungen erwarten lassen, legen die kulturellen Unterschiede beim Marketing eher eine dezentrale Entscheidungskompetenz nahe. Auch bei den Marketinginstrumenten lässt sich ein Unterschied feststellen. Produkt- und kommunikationspolitische Entscheidungen werden eher zentral, preisund distributionspolitische Entscheidungen eher dezentral getroffen. Für global agierende Unternehmen wird inzwischen das Organisationsprinzip „Koordination und Partizipation“ als erfolgversprechend angesehen. Darunter versteht man eine Interdependenz von lokalem und zentralem Management. Das lokale Management besitzt den Vorteil der Marktnähe. Diese Informationen helfen der Zentrale bei der Realisierung von Kostenvorteilen in den Bereichen Beschaf- Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 377 fung, Produktion und Finanzierung. Dies wiederum hilft dem lokalen Management wettbewerbsfähig zu agieren. Den Abschluss des Managementprozesses im internationalen Marketing bildet die Kontrolle. Kontrolle meint allgemein einen Soll-Ist-Vergleich. Objekte der Kontrolle können Ergebnisse und Abläufe sein. Die Ergebniskontrolle kann sich auf alle Marketingziele der internationalen Geschäftstätigkeit beziehen. Hierfür eignen sich die quantitativen Kennzahlen wie Umsatz, Absatz, Marktanteil, Deckungsbeitrag, aber auch qualitative Kennzahlen wie Markentreue, Beschwerden, wahrgenommene Produktqualität eignen sich als Kontrollgrößen. Bei der Ablaufkontrolle dominiert die Kontrollgröße Zeit. Internationale Vergleiche von Entscheidungs- und Implementierungszeiten bei Betriebsabläufen zeigen Unterschiede, die Anlass für eine Kontrolle sein können. Die Weiterentwicklung der elektronischen Datenübertragung und Datenverarbeitung haben die Kontrollmöglichkeiten besonders für international agierende Unternehmen erheblich verbessert. Kapitel 21: Internationaler Umwelt- und Waldschutz 21.1. Zwischenstaatliche Umweltprobleme „Umweltprobleme haben immer eine räumliche Dimension, denn Umweltmedien sind über den Raum definiert.“ (H. Siebert, 1978, S. 99) Auch Staaten haben immer eine räumliche Dimension, denn auch sie sind über den Raum definiert. Wenn sich nun die Umwelträume und die Staatsgebiete nicht decken, kann es zu zwischenstaatlichen Umweltproblemen kommen. Die räumliche Überlappung kann nun bilateral, multilateral oder sogar global sein. Bilaterale Probleme liegen dann vor, wenn nur zwei Staaten betroffen sind. Ein Beispiel ist die Verschmutzung von Fließgewässern. Der Oberlieger Frankreich emittiert das Herbizid Atrazin in die Saar und damit in den Rhein. Hohe Atrazinkonzentrationen (mehr als 0,1 µg pro l) schädigen die aquatischen Lebensgemeinschaften im deutschen Rheinabschnitt als Unterlieger (Umweltbundesamt, 1997, S. 252 f.). Die internationale Kommission zum Schutz des Rheins sucht nach einer Lösung. Multilaterale Umweltprobleme betreffen mehrere Staaten. Ein Beispiel sind die neuartigen Waldschäden, die in Europa und Nordamerika seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts beobachtet werden. Die physischen Schäden zeigen sich in einem verminderten und unnatürlichen Wachstum (z. B. Nadel- oder Blattverluste, Verluste an Wurzelfasern und Abwurf ganzer grüner Triebe) sowie einer gestörten Wasserversorgung (z. B. Zunahme der Nassfäule) der Bäume. Eine Übersicht über die Schädigung der Laub- und Nadelbäume in Deutschland und seinen Nachbarländern zeigt die Tabelle 21.1. Zahlreiche Erklärungsansätze haben natürliche und anthropogene Ursachen identifiziert (A. Goudie, 1994, S. 89-92). Als natürliche Ursachen gelten klimatische Veränderungen, starke und wiederkehrende Dürre, Nährstoffmangel, Viren, krankheitserregende Pilze und Schädlingsbefall. Als vom Menschen verursacht gelten zum einen forstwirtschaftliche Mängel in der Form schlechter Bewirtschaftung und Pflege der Wälder sowie überalterter Bestände. Zum anderen wird insbesondere eine zunehmende Umweltverschmutzung als externer Effekt zunehmender ökonomischer Aktivitäten verantwortlich gemacht. Als waldschadensverursachende Umweltverschmutzung gelten zunehmende Luftschadstoffkonzentrationen an Schwefeldioxid, Stickoxiden und Ozon und damit verbundene Säureablagerungen auf Blättern und Nadeln, Bodenversauerungen, Metall-

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Zur Forstökonomie liefert dieses Lehrbuch theoretisch fundierte Antworten auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes. Als umfassende Umweltökonomie bietet es dabei gleichzeitig Analysen, die sich mit der Vermarktung von Holz und Holzwaren auseinandersetzen und den ökonomischen trade-off zwischen Schutz und Nutzung der Wälder verdeutlichen. Es stellt sich ebenso den Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung sowohl von Gütermärkten als auch – wie die internationale Klimaschutzdebatte zeigt – von Umweltproblemen ergeben.

Zur Neuauflage

Die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. die Klimaschutzdebatte wurden integriert. Der Fokus ist nun stärker auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes ausgerichtet.

Die Autoren

Prof. Dr. Volker Bergen, Göttingen, Dr. Wilhelm Loewenstein, Bochum, und Dr. Roland Olschewski, Göttingen.