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Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen in:

Volker Bergen, Wilhelm Löwenstein, Roland Olschewski

Forstökonomie, page 350 - 363

Volkswirtschaftliche Ansätze für eine vernünftige Umwelt- und Landnutzung

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4552-7, ISBN online: 978-3-8006-4553-4, https://doi.org/10.15358/9783800645534_350

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 19.1. Institutionenökonomische Voraussetzungen einer Vermarktung Schutz- und Erholungsleistungen sind forstliche Dienstleistungen, die Waldeigentümer anderen Wirtschaftseinheiten zur Verfügung stellen. Eine Vermarktung bedeutet, dass diese Bereitstellung nur gegen Entgelt erfolgt. Dazu bedarf es mehrerer rechtlicher und ökonomischer Voraussetzungen. Diese lassen sich mit Hilfe der Neuen Institutionenökonomik, einer jüngeren wirtschaftswissenschaftlichen Entwicklung aufzeigen. „Die Kerngedanken dieses Ansatzes sind erfreulich einfach: die Begründung und Benutzung von Institutionen und Organisationen verursacht Kosten, Transaktionskosten, weshalb die Gestaltung der individuellen Verfügungsrechte auf das wirtschaftliche Gesamtergebnis nicht ohne Einfluss ist.“ (R. Richter, 1994, S. V). Da Märkte Institutionen sind, handelt es sich bei der Vermarktung forstlicher Dienstleistungen um einen Anwendungsfall dieses Ansatzes. Danach verlangt die Vermarktung forstlicher Dienstleistungen ausreichende individuelle Verfügungsrechte der Waldbesitzer, niedrige Transaktionskosten einer Vermarktung sowie funktionsfähige relationale Verträge zwischen Waldbesitzern und den nachfragenden Wirtschaftseinheiten. Individuelle Verfügungsrechte forstlicher Dienstleistungen Die rechtliche Voraussetzung einer Vermarktung forstlicher Dienstleistungen ist, dass der Waldbesitzer Eigentümer der Dienstleistung ist. Eigentum an einem Gut bedeutet dreierlei. Erstens, das Recht, das Gut in einer bestimmten Weise zu nutzen, und die Pflicht, es nicht in anderer Weise zu nutzen. Zweitens, das Recht, andere von der Nutzung des Gutes auszuschließen oder für die Nutzung durch andere einen Preis zu verlangen. Drittens, das Recht, das Gut zu verkaufen. Für die Forstbetriebe bedeutet das, dass sie nur solche Dienstleistungen verkaufen können, für die sie ein exklusives Eigentumsrecht besitzen. Wenn die Waldgesetze ein freies Betretungsrecht für Waldbesucher vorsehen, dann ist der Forstbetrieb nicht Eigentümer der Dienstleistung Waldzugang. Wenn jedoch die Waldbewirtschaftung nicht im Detail vorgeschrieben ist, dann kann er den Waldbesuchern eine bessere Waldqualität für Erholungszwecke bieten, die er nur gegen Entgelt bereit stellt. Die Qualität der Erholungsmöglichkeiten befindet sich im Eigentum des Forstbetriebes. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der Schutzfunktionen ist das Folgende. Wenn das Wasserwirtschaftsgesetz dem Dritter Teil: Forstliche Marktlehre342 Wasserwerk die freie Entnahme von Grundwasser aus dem Einzugsbereich von Wäldern zubilligt, dann ist der Forstbetrieb nicht Eigentümer des Grundwassers im Walde. Wenn jedoch die Waldbewirtschaftung einen Einfluss auf die Qualität des Grundwassers hat und eine bestimmte Waldbewirtschaftung nicht im Detail vorgeschrieben ist, dann kann der Forstbetrieb dem Wasserwerk eine bessere Rohwasserqualität für seine Trinkwasserproduktion gegen Entgelt anbieten. Zwei Aspekte sind hier von besonderer Bedeutung. Der erste Aspekt betrifft das Begriffspaar Privateigentum und Gemeineigentum. Von Privateigentum spricht man dann, wenn die Verfügungsrechte einer Wirtschaftseinheit zugeordnet sind, in freien Verträgen an andere Wirtschaftseinheiten übertragen werden können und bei einer Verletzung von Verfügungsrechten ein Anspruch auf Schadensersatz besteht. Beim Gemeineigentum stehen die Verfügungsrechte einer Vielzahl von Wirtschaftseinheiten gemeinsam zur Verfügung, die Verfügungsrechte können nicht übertragen werden, ein Anspruch auf Schadensersatz besteht nicht. Häufig unterliegt Privateigentum der Sozialpflichtigkeit. Darunter versteht man gemeinwohlorientierte Einschränkungen von Verfügungsrechten des Eigentümers. Es liegt eine Mischung aus Privateigentum und Gemeineigentum vor. Grund und Boden sind hiervon in besonderer Weise betroffen. Zahlreiche Gesetze und Verordnungen regeln die Nutzung und Inanspruchnahme von Wäldern, bestehend aus Waldboden und aufstockendem Baumbestand. Bei den genannten Beispielen gehören dazu das freie Betretungsrecht der Bevölkerung, geregelt durch die Waldgesetze, und die freie Rohwasserentnahme der Wasserwerke, geregelt durch die Wasserwirtschaftsgesetze. In einer sozialen Marktwirtschaft kann das Eigentum allerdings nicht ausschließlich sozialpflichtig sein, der Gesetzgeber muss dafür Sorge tragen, dass die systembedingte Dominanz der Privatnützigkeit gewahrt bleibt. Damit eröffnen sich Spielräume einer Vermarktung, die sich in den genannten Beispielen auf die Qualität der forstlichen Dienstleistung beziehen. Der zweite Aspekt betrifft die genaue Bestimmung und Gestaltung der zu vermarktenden forstlichen Dienstleistung (U. Mantau, 1994). Erforderlich ist die Entwicklung einer Produktidee, mit der Forstbetriebe potenzielle Interessenten ansprechen können. In den genannten Beispielen sind dies unterschiedliche Qualitäten der ansonsten öffentlichen forstlichen Dienstleistungen. Diese „zusätzlichen“ Dienstleistungen verursachen in der Regel Kosten der Forstbetriebe, sind also im betrieblichen Sinne eindeutig Leistungen der Forstwirtschaft. Aber auch dann, wenn die Waldbewirtschaftung auch ohne zusätzliche Kosten solche „zusätzlichen“ Dienstleistungen bewirkt, können sie als Dienstleistungen vermarktet werden. Solche „zusätzlichen“ Dienstleistungen bieten Wirtschaftseinheiten als Konsumgüter einen Zusatznutzen, der durch eine erhöhte Zahlungsbereitschaft der Nutznießer ausgedrückt werden kann. Als Vorleistungsgüter verbessern sie Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 343 die Vermarktung anderer Güter und steigern so die Gewinnmöglichkeiten der Produzenten. Transaktionskosten der Vermarktung Transaktionskosten eines Marktes sind die Kosten des Vermarktungsprozesses. Sie bestehen aus den Kosten der Anbahnung und des Abschlusses von Verträgen zwischen den Marktpartnern sowie aus den Kosten der Überwachung und Durchsetzung der gegenseitigen Leistungspflichten (R. Richter, 1994, S. 6f.). Anbahnungskosten sind Such- und Informationskosten. Die Forstbetriebsleitung prüft, ob sich in ihrem Betrieb Dienstleistungen zur Vermarktung eignen. Hierbei ist es hilfreich, Dienstleistungen auszuwählen, die gesellschaftliche Defizite decken. Solche Defizite werden regelmäßig durch Bevölkerungs-Umfragen aufgedeckt. Ausgewählte Dienstleistungen müssen möglichst detailliert in ihrem Leistungsvermögen beschrieben werden. Häufig geschieht die Beschreibung in Abstimmung mit einem interessierten Umweltverband, der dann mit dem Leistungskatalog einen Sponsor sucht. Die Forstbetriebsleitung muss die Preisuntergrenze für die Projektbereitstellung berechnen. Preisuntergrenzen sind betriebsinterne Kalkulationen. Dabei kann sie sich der Mehraufwand-Minderertrag- Methode des Abschnittes 11.6 bedienen. Der Forstbetrieb benötigt sie für die Vertragsverhandlungen, in denen er versuchen muss, einen Dienstleistungspreis oberhalb seiner Preisuntergrenze zu vereinbaren. Nur so kann er Verluste durch die Vermarktung vermeiden und möglichst Gewinne erzielen. Der Forstbetrieb verfügt durch seine Leistungsbeschreibung und die Preisuntergrenze über ein Angebot. Für dieses Angebot sucht er Nachfrager. Um potenzielle Nachfrager für seine Dienstleistung zu interessieren, ist es hilfreich, die Vorteilhaftigkeit der Dienstleistung aus der Sicht der Nachfrager zu kennen und dar zu legen. Dazu zählt auch die monetäre Bewertung aus der Sicht der Nutznießer der Dienstleistung. Hierbei geht es um die Berechnung der Preisobergrenze, also um den Geldbetrag, den die Nutznießer für die Dienstleistung maximal zu zahlen bereit wären. Bei dieser Bewertung schaltet der Forstbetrieb sinnvollerweise einen Gutachter ein, der sich der im Kapitel 11 dargestellten Bewertungsmethoden bedienen kann. Die Bedeutung für die Forstbetriebe liegt in der Information der Dienstleistungs-Bewertung durch die Nutznießer als Preisverhandlungsspielraum bei den Vertragsverhandlungen. Mit all diesen Prozessschritten sind Kosten für den Forstbetrieb verbunden. Die Kosten des Vertragsabschlusses sind Verhandlungs- und Entscheidungskosten. Hierzu zählen die Zeitkosten einer Vertragsverhandlung, Kosten für Rechtsberatung und die Kosten der Informationsverarbeitung für die Entscheidung, ob der Vertrag geschlossen wird. Vorteilhaft sind Verhandlungen mit mehreren Interessenten, um mögliche Preisspielräume aus zu schöpfen. Dabei muss der Forstbetrieb jedoch berücksichtigen, dass auch forstliche Mitbewerber ver- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre344 gleichbare Dienstleistungen auf dem Markt anbieten können. Das reduziert seinen Verhandlungsspielraum. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist eine solche Konkurrenzsituation durchaus erwünscht, da sie einen Beitrag zur effizienten Verwendung des knappen Produktionsfaktors Wald leistet. Bei der Frage nach der ökonomischen Effizienz einer Marktlösung leisten die monetären Bewertungen ebenfalls wertvolle Hilfe. Wenn die Nutzen die Kosten der Dienstleistung übersteigen, dann stellt die Bereitstellung einen Wohlfahrtsgewinn für die Gesellschaft dar. Bei einem freiwilligen Vertragsabschluss besteht diese Vermutung, da jeder Vertragspartner mit den Konsequenzen seines Tuns konfrontiert wird und im Falle eines Nachteils den Vertrag nicht schließen wird. Durch die monetären Bewertungen aus betrieblicher und volkswirtschaftlicher Sicht lässt sich dieser Beweis erbringen. Die monetären Bewertungen der Dienstleistungen verbessern also nicht nur die Verhandlungspositionen der Vertragspartner, sondern belegen auch deren gesellschaftlich sinnvolles Tun. Dennoch ist zu beachten, dass Vertragsabschlüsse und deren Beurteilungen Kosten verursachen. Kosten der Überwachung und Durchsetzung der gegenseitigen Leistungspflichten sind Kontrollkosten. Hierbei handelt es sich um Kosten der Überwachung von Lieferterminen, der Qualität der Dienstleistung und des Zahlungseingangs. Besonders die Überwachung der Qualität der forstlichen Dienstleistung kann für eine forstfachlich nicht gebildete Wirtschaftseinheit kostspielig sein. Hier empfiehlt sich die Zwischenschaltung eines forstlichen Absatzmittlers, der einen beidseitigen Vertrag jeweils mit dem Forstbetrieb und dem Nutznießer abschließt und das Vertrauen beider Vertragspartner besitzt. Die Differenzierung der Kostenarten soll die Suche nach einer Senkung der Transaktionskosten erleichtern. Zu hohe Transaktionskosten können eine erfolgreiche Vermarktung forstlicher Dienstleistungen verhindern. Die Suche nach kostengünstigeren Vermarktungsstrategien dauert an. Erste Ergebnisse liegen für Absatzwegealternativen vor (B. Mertens, 2000). Relationale Verträge zwischen Anbietern und Nachfragern Auf Märkten werden Verträge zwischen Anbietern und Nachfragern geschlossen. Die Verträge bestimmen die gegenseitigen Leistungspflichten. Wenn die Vertragsparteien unter Unsicherheit bezüglich des Leistungsumfangs handeln, dann werden sie sich nur auf einen relationalen Vertrag einigen, bei denen den Beziehungen zwischen den Vertragsparteien eine besondere Bedeutung zukommt (R. Richter, 1994, S. 18f.). Langfristige Verträge mit transaktionsspezifischen Investitionen verlangen ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragsparteien, um ein opportunistisches Verhalten einer Partei auszuschlie- ßen. Bei forstlichen Dienstleistungen spielt dieser Aspekt eine besondere Rolle, wenn die Bereitstellung der Dienstleistung beispielsweise waldbauliche Verän- Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 345 derungen oder Waldpflegemaßnahmen verlangt. Wenn diese Operationen durch den Forstbetrieb vollzogen sind und der Vertragspartner kurzfristig den Vertrag kündigt, dann lassen sich die damit verbundenen Investitionskosten nicht mehr über das Leistungsentgelt finanzieren. Der Forstbetrieb erleidet einen Verlust. Dieser Gefahr sollen relationale Verträge vorbeugen, bei denen die Einhaltung der Verträge an besondere Anreize oder Sanktionen geknüpft sind. Dieser Aspekt gewinnt noch dadurch besondere Bedeutung, wenn sich Anbieter und Nachfrager eines Absatzmittlers, wie z. B. eines Umweltverbandes oder einer Umweltagentur bedienen. Ein solcher Agent, der mit einer eigenen Konzeption Umweltschutz im und durch den Wald fördern will, muss bekannt und vertrauenswürdig sein (U. Mantau und B. Mertens, 1997, S. 918ff.). Bekanntheit lässt sich durch den Einsatz von Marketinginstrumenten erreichen, die wir im Abschnitt 15.4 bereits kennengelernt haben. Vertrauen lässt sich durch Maßnahmen der Produktqualitätssicherung in der Form externer Evaluationen durch Gutachter aufbauen. 19.2. Vertragsschutz Die öffentlichen Güter des Waldes, die in der Abbildung 9.9 des Abschnitts 9.2 genannt sind, können durch privatrechtliche oder öffentlich-rechtliche Verträge geschützt werden. Der Schutz von Boden, Wasser, Luft und Landschaft durch oder im Wald ist dann Gegenstand von Verträgen zwischen Waldeigentümern und Nutznießern unter möglicher Beteiligung von Agenten. Am Beispiel des Vertragsnaturschutzes soll die Vermarktung von Schutzleistungen dargestellt werden. Vertragsnaturschutz Was versteht man unter Vertragsnaturschutz? Vertragsnaturschutz meint jede freiwillige Verpflichtung eines Grundeigentümers oder Nutzungsberechtigten, gegen Entgelt die vertraglich bestimmten Maßnahmen im Interesse des Naturschutzes zu treffen, zu unterlassen oder zu dulden. Das Gegenstück zum Vertragsnaturschutz ist der hoheitliche Naturschutz, der auf dem Ordnungsrecht basiert und die individuellen Verfügungsrechte eines Grundeigentümers beschränkt, wie etwa im Fall von Kahlschlägen bei forstlich genutzten Flächen. Was sind Naturschutzleistungen? Die vereinbarten Leistungen (Maßnahmen) reichen von der Begründung eines Bestandes, beispielsweise als Beitrag zum Klimaschutz durch Kohlenstoffspeicherung, bis zum Verzicht auf die Nutzung eines hiebsreifen Bestandes, um Le- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre346 bensräume für bestimmte Tierarten zu sichern. Weitere Beispiele sind die Rekonstruktion historischer Waldnutzungsformen und die Überlassung von Flächen zur Gestaltung als Feuchtbiotop. Die Dienstleistungen sind in der Regel aufgrund unterschiedlicher Standorte und der Vielfalt natürlicher Gegebenheiten als heterogene Güter zu bezeichnen. Ein weiteres Kennzeichen für Naturschutzleistungen ist die relativ lange Vertragslaufzeit, verbunden mit Unsicherheit bezüglich zukünftiger Ereignisse. Im Folgenden soll der Vertragsnaturschutz am Beispiel einer Waldrandgestaltung näher erläutert werden, das weitgehend auf einer Veröffentlichung von M. Moog und H. D. Brabänder (1994) basiert. Beispiel Waldrandgestaltung Waldkahlflächen sind laut §12 (4) des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) vom 21. März 2002 innerhalb einer angemessenen Frist wieder auf zu forsten. Auf welche Weise die Wiederbewaldung geschieht kann der Waldeigentümer innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens selbst entscheiden. Er könnte die gesamte Fläche beispielsweise mit einer bestimmten Hauptbaumart bepflanzen oder aber auf einem Teil der Fläche eine Waldrandgestaltung durchführen. Dies eröffnet einen Spielraum für eine vertragliche Naturschutzregelung. Vertragsgestaltung Eine Voraussetzung für das Zustandekommen eines Vertrages ist die ausreichende Konkretisierung eines Naturschutzvorhabens, beispielsweise durch eine Leistungsbeschreibung des Anbieters. Für die Waldrandgestaltung wird ein Teil der Fläche vorgeschlagen, die ursprünglich für eine Bestockung mit der Hauptbaumart vorgesehen war. Die potenzielle Vertragsfläche besteht aus einem mehrere Meter breiten Streifen und soll zum Aufbau eines stufigen Waldrandes mit Bäumen zweiter und dritter Ordnung sowie mit Sträuchern bepflanzt werden. Der Waldeigentümer verpflichtet sich, die Kultur an zu legen und im Rahmen der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft zu pflegen sowie alle Maßnahmen zu unterlassen, die zu einer Gefährdung des Naturschutzzweckes führen. Als Gegenleistung verpflichtet sich die Gegenseite zur Übernahme der Pflanz- und Pflegekosten der Kultur. Ferner erfolgt eine einmalige Kompensationszahlung für die zu erwartenden Ertragsausfälle auf der Vertragsfläche. Die Verträge über eine Waldrandgestaltung sehen in der Regel eine lange Laufzeit vor. Im vorliegenden Fall bietet sich ein Zeitraum bis zur Endnutzung des neu begründeten, angrenzenden Bestandes an. Angesichts dieses langen Zeitraums werden die Vertragspartner versuchen, die Unsicherheit bezüglich des Leistungsumfangs und der Leistungsdauer durch relationale Verträge ein zu grenzen und damit die Überwachungs- und Durchsetzungskosten möglichst ge- Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 347 ring zu halten. Diese Verträge enthalten oft eine Mindest-Vertragslaufzeit ohne Kündigungsmöglichkeit. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit verlängert sich der Vertrag bis zur vereinbarten Gesamtlaufzeit, wenn er nicht gekündigt wird. Ein außerordentliches Kündigungsrecht kann für den Fall vorgesehen werden, dass der Schutzzweck durch den Grundstückseigentümer gefährdet wird. Im Falle von Streitigkeiten können Einigungsgremien hinzu gezogen werden. Welche Marktform liegt vor? Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Standorte und der Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten, kann die Waldrandgestaltung als heterogenes Gut bezeichnet werden. Ferner ist in der Regel nicht davon aus zu gehen, dass die jeweiligen Vertragspartner über die gleichen Informationen bezüglich des Gutes verfügen. Es handelt sich daher um einen unvollkommenen Markt. Preise und Mengen werden bilateral zwischen Anbietern und Nachfragern ausgehandelt. Anbieter können private Forstbetriebe, Forstgenossenschaften, Forstbetriebsgemeinschaften, kommunale Forstbetriebe und Vereine sein. Potenzielle Nachfrager sind Gebietskörperschaften und Verbände. Im vorliegenden Fall wird angenommen, dass eine Gebietskörperschaft, vertreten durch die Forstbehörde, aufgrund der örtlichen Gegebenheiten das Gut Waldrandgestaltung von einem ganz bestimmten privaten Forstbetrieb erwerben möchte. Wenn nur dieser eine Anbieter in Frage kommt und auf der Nachfrageseite keine weiteren Markteilnehmer auftreten, liegt die Marktform eines bilateralen Monopols vor. Wie bildet sich der Preis? Die Preisbildung im bilateralen Monopol ergibt sich aus dem Spannungsverhältnis zweier Monopolisten, die beide ihre Marktmacht zu ihren Gunsten nutzen wollen. Das Marktgleichgewicht ist unbestimmt, es bleibt ein Verhandlungsspielraum zwischen der Preisuntergrenze des Anbieters und der Preisobergrenze des Nachfragers. Für die Bestimmung der Preisuntergrenze sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Waldrandgestaltung anhand einer Referenzsituation zu ermitteln. Im vorliegenden Fall ist anzunehmen, dass der Forstbetrieb ohne Zustandekommen des Naturschutzprojektes die gesamte Fläche mit der Hauptbaumart bepflanzt hätte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Waldrandgestaltung sind somit vergleichbar mit dem Wechsel von einer typischen Wirtschaftsbaumart zu einer ertragsschwachen Bestockung. Vorrangig sind hier, neben höheren Kosten bei der Begründung und Pflege, Ertragseinbußen zu nennen, da im Vergleich zur rohholzproduzierenden optimalen Bestockung nur geringfügige forstliche Nutzungen beabsichtigt sind. Ferner sind eventuelle Zusatzkosten zu berücksichtigen, die dadurch entstehen können, dass der dichte Waldrandbewuchs den Zu- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre348 gang zum angrenzenden Bestand und damit die Waldarbeiten erschwert. Bei der Bewertung kann die Mehraufwand-Minderertrag-Methode angewendet werden. Für die Berechnung der Preisobergrenze auf der Nachfrageseite ist die monetäre Bewertung der Naturschutzleistung durch die Nutznießer entscheidend. Hier kann die Forstbehörde einen Gutachter einschalten, um die maximale Zahlungsbereitschaft der Nutznießer zu ermitteln. Grenzausgaben des N Durchschnittsausgaben des N Grenzkosten des A Grenzeinnahmen des A CA CN PO Durchschnittszahlungsbereitschaft des N Durchschnittseinnahmen des A Grenzzahlungsbereitschaft des N Durchschnittskosten des A NS0 p CSN CAp POp CNp 0GAp = 0GNp = POSN Abb. 19.1: Preisbildung im bilateralen Monopol Das Marktbild der Abbildung 19.1 zeigt, dass der Nachfragemonopolist nur so viele Leistungen kauft, für die seine Grenzausgaben nicht größer als seine Grenzzahlungsbereitschaft sind (NSC). Er bietet dafür den Mindestpreis pCN. Würde der Anbieter diesen Preis akzeptieren, dann läge das Marktgleichgewicht in CN (C = Cournot), und der Anbieter würde noch einen Gewinn GA>0 machen. Nun ist der Anbieter aber ebenfalls Monopolist, der nur so viele Leistungen verkauft, für die seine Grenzkosten nicht größer als seine Grenzeinnahmen sind (NSC). Hierfür verlangt er den Höchstpreis pCA, der weit über pCN liegt. Eine Lösung dieses Interessenkonfliktes gelingt durch Verhandlung. Hierbei entdecken sie, dass ihr gemeinsamer Gewinn weder in CN noch in CA sondern nur im Pareto-Optimum PO maximal ist. Hier gilt die Bedingung Grenzkosten des Anbieters gleich Grenzzahlungsbereitschaft des Nachfragers. Die zugehörige Leistungsmenge ist NSPO. Man erkennt dies durch die Rentenbetrachtungen der beiden Monopolisten. Obwohl die Marktmenge und der gemeinsame maximale Gewinn dadurch bestimmt sind, bleibt die Aufteilung des Gewinns auf beide Monopolisten ein Verhandlungsgegenstand. Die Verhandlungsgrenzen ergeben sich durch die beiden Ausbeuterpositionen, in denen jeweils ein Monopolist leer ausgeht. Diesen Null-Gewinn-Positionen entsprechen die Preisobergrenze pGN=0 und die Preisuntergrenze pGA=0. Die Preisbildung bleibt also unbestimmt und hängt von den relativen Machtpositionen der beiden Monopolisten ab. Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 349 Im bilateralen Monopol wird die Marktmacht der Akteure vorrangig durch den jeweiligen Informationsstand bestimmt. Im vorliegenden Fall kann der Nachfrageseite ein hohes Informationsniveau bezüglich der Preisuntergrenze unterstellt werden, „...da Erfahrungen der staatlichen Forstbetriebe genutzt werden können und die staatliche Forstverwaltungen durch ihre Beratungs- und Betreuungstätigkeit oft sehr tiefen Einblick in die Kalkulationen und Wirtschaftsergebnisse privater Forstbetriebe haben.“ (M. Moog u. H. D. Brabänder, 1994, S. 28). Aber auch die Angebotsseite kann sich Informationen über die Preisobergrenze des potenziellen Vertragspartners beschaffen, indem sie ihrerseits einen Gutachter damit beauftragt, die maximale Zahlungsbereitschaft der Nutznießer zu ermitteln. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Transaktionskosten der Vertragsanbahnung entstehen, die wiederum in die Berechnung der eigenen Preisuntergrenze einzubeziehen sind. Im vorliegenden Fall könnte die vermutet starke Verhandlungsposition der Nachfrageseite nicht nur durch ihren Informationsstand bezüglich der Preisuntergrenze begründet sein, sondern auch durch die Tatsache, dass sie als Forstbehörde gegebenenfalls durch hoheitliche Maßnahmen die individuellen Verfügungsrechte des privaten Forstbetriebes einschränken und die Erbringung der Naturschutzleistung erzwingen könnte. Ein Preis in der Nähe von GA=0 für die Menge NSC darf deshalb erwartet werden. 19.3. Vermarktung von Erholung In Abschnitt 9.2 haben wir gesehen, dass auch Erholungsleistungen überwiegend den Charakter eines öffentlichen Gutes haben. Dieser resultiert vor allem aus dem rechtlich garantierten Betretungsrecht des Waldes und der damit verbundenen Nicht-Ausschließbarkeit von einzelnen Nutzern. Forstbetriebe haben aber die Möglichkeit, zusätzliche Dienstleistungen anzubieten, mit denen sie den Erholungswert ihres Waldes erhöhen und ihren Gewinn steigern können. Was sind Erholungsdienstleistungen? Es können zwei Formen von Erholungsdienstleistungen unterschieden werden (B. Mertens, 2000, S. 120ff.). Zum einen gibt es einfache Erholungsangebote für individuelle Nutzer. Darunter fallen z.B. Park- und Picknickplätze, Reitwege für Einzelreiter oder Gruppen,Wildtiergehege, Waldspielplätze, Langlauf-Loipen und Mountainbike-Wege. Zum anderen gibt es komplexe Erholungsdienstleistungen und -einrichtungen. Hierunter versteht man z.B. Naturerlebniszentren, Waldjugendspiele oder Besucherpfade durch Baumkronen. Zur Erbringung dieser Dienstleistungen wird der Wald als Produktionsfaktor verwendet, für den ein Entgelt kalkuliert und vereinbart werden kann. Anbieter dieser Dienstleistungen Dritter Teil: Forstliche Marktlehre350 können staatliche, kommunale oder private Forstbetriebe sein, Nachfrager sind einzelne Nutzer oder Nutzergruppen (z.B. Sportvereine). Die Vermarktung von Erholungsdienstleistungen wird im Folgenden anhand des Beispieles von Reitwegen näher erläutert. Dieses Beispiel basiert auf einer Fallstudie von B. Mertens (2000, S. 280) und U. Mantau, M. Merlo, W. Sekot und B. Welcker (2001, S. 36f.) aus einem Privatwald mit einer Waldfläche von 5.100 ha in Schleswig-Holstein. Beispiel Reitwege Eigentumsrechte Durch den § 14 Bundeswaldgesetz wird jedermann das Betreten des Waldes und das Reiten im Wald gestattet. Dies gilt auch für den Privatwald, für den die Waldbetretungsbefugnis eine öffentlich-rechtliche Duldungspflicht darstellt (F. Klose und S. Orf, 1998, S. 571). Das Bundeswaldgesetz überlässt es den einzelnen Landesgesetzgebungen, die Einzelheiten dieser Befugnis zu regeln. Das Reiten im Wald ist nach dem Bundeswaldgesetz nur auf Straßen und Wegen gestattet. § 21 des Waldgesetzes für das Land Schleswig-Holstein in der Fassung vom 1.9.1994 spezifiziert diesen Begriff, indem es das Reiten im Wald auf den besonders gekennzeichneten Waldwegen (Reitwegen) und mit Beton oder Bitumen befestigten privaten Straßen, die nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmet sind, gestattet. Weitergehende Befugnisse und Absprachen mit den Waldbesitzern sind zulässig. In dem Fallbeispiel hat der Waldbesitzer also ein exklusives Eigentumsrecht über seine unbefestigten Waldwege. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass er die Dienstleistung „Reitwege“ überhaupt vermarkten kann. Vertragsabschluss Wenn Reiter die Reitwege im diesem Privatwald nutzen möchten, müssen sie eine Jahres-Reitkarte erwerben. Beim Erwerb der Jahres-Reitkarte unterzeichnen die Nutzer eine Reitvereinbarung. Damit schließen sie mit dem Waldbesitzer einen Gebrauchsüberlassungsvertrag mit kurzer Laufzeit. In diesem Vertrag sind alle von den Vertragsparteien zu erbringenden Leistungen und ihre Rechte klar definiert, so dass es sich hier nicht um einen relationalen Vertrag handelt. Ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragsparteien ist nicht erforderlich, da bei der Verletzung einer Vertragspflicht eventuell auftretende Schadensersatzansprüche über den Vertrag geltend gemacht werden können. Mit diesem Vertrag verpflichtet sich der Waldbesitzer, die Reitwege instand zu halten. Zum einen erhält er damit die Attraktivität seines Produktes, zum anderen kommt er damit seiner aus § 823 BGB resultierenden gesetzlichen Verkehrssicherungspflicht nach. Die Reiter verpflichten sich, die Vertragsbedingungen anzuerkennen, z.B. die Einhaltung der gekennzeichneten Wege. Durch den Verkauf der Reitkarte an Einzelreiter und Reitvereine sollen alle Reiter von der Nut- Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 351 zung ausgeschlossen werden, die diese Karte nicht erwerben. Das Kollektivgut „Reiten im Wald“ wird also transformiert in das Klubkollektivgut „Reiten im Wald auf Reitwegen“. Den Begriff Klubkollektivgut haben wir bereits im Abschnitt 9.2 kennen gelernt. Aus diesem Grund kann der Waldbesitzer jetzt einen Preis für seine Dienstleistung verlangen. Durch die Anlage des Reitwegenetzes hat der Waldbesitzer Investitionen z.B. in Form von Wegebaumaßnahmen, Beschilderung und Karten getätigt. Diese Ausgaben wurden getätigt, bevor er Verträge mit den Nutzern abschließen konnte. Er ist damit das Risiko eingegangen, dass die Investitionen nicht über ein entsprechendes Leistungsentgelt finanziert werden. Ein Problem stellen Reiter dar, welche die Reitwege nutzen, ohne eine Jahreskarte zu erwerben (Schwarzreiter). Diese Reiter nehmen die Investitionen in Anspruch und verursachen Kosten durch die Nutzung, ohne den Waldbesitzer dafür durch das Entgelt für die Jahreskarte zu entschädigen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Ausschluss von einzelnen Nutzern in der Realität nicht vollständig gelingt. Als Konsequenz daraus verzichtet der Waldbesitzer auf Werbung für sein Produkt, und er ist nicht daran interessiert, das Reitwegenetz zu erweitern. Transaktionskosten des Anbieters Der Privatwald stellt das größte zusammenhängende Waldgebiet in der Nähe einer Großstadt (Hamburg) dar. In der Region gibt es viele Reiter aber nur wenige Reitwege im Wald, und auf den privaten Straßen kommt es zu Konflikten mit Spaziergängern. Es besteht demnach ein gesellschaftliches Defizit an Erholung in der Form von Reiten im Wald auf Reitwegen. Dieses war dem Waldbesitzer bekannt, so dass seine Kosten zur Gewinnung der Information, ob sein Produkt von den Nutzern angenommen wird, gering waren. Die Einschaltung eines Absatzmittlers war nicht erforderlich, da bereits in der Vergangenheit Reitkarten verkauft wurden. Den Nachfragern war dieses Angebot also bereits bekannt. Dem Waldbesitzer entstanden durch eine rechtliche Beratung bei der Formulierung der Reitvereinbarung Anbahnungskosten. Indem ein standardisierter Vertrag (Jahres-Reitkarte) verwendet wird, sind die Kosten des Vertragsabschlusses gering. Verhandlungskosten entstehen nicht, da der Waldbesitzer ein einheitliches Angebot macht. Es gibt keine nutzerspezifischen Verhandlungen. Die Reiter haben nur die Wahl, ob sie dieses Angebot annehmen oder ablehnen. Durch die Erbringung der Erholungsdienstleistung entstehen dem Waldbesitzer Kontrollkosten. Er muss kontrollieren, ob die Reiter eine Reitkarte erworben haben und die Bestimmungen des Vertrages einhalten. Außerdem muss er den Zustand der Reitwege regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls Reparaturen und andere Maßnahmen der Verkehrssicherung durchführen. Dritter Teil: Forstliche Marktlehre352 Transaktionskosten der Nachfrager Den Nachfragern nach der Erholungsdienstleistung „Reiten im Wald auf Reitwegen“ in dieser Region entstehen Suchkosten in Form von Zeit- und Kommunikationskosten. Diese Kosten entstehen nur vor dem Erwerb der ersten Jahreskarte, danach ist ihnen das Produkt bekannt. Außerdem entstehen den Reitern Entscheidungskosten, wenn sie sich über Alternativen informieren und abwägen, welche sie wählen. Diese Kosten treten jährlich auf, da die Vertragslaufzeit begrenzt ist und die Reiter sich entscheiden müssen, ob sie das Angebot des Waldbesitzers erneut annehmen oder nicht. Die Abschlusskosten sind gering, da keine Verhandlungen erforderlich sind, sondern der Leistungsanspruch durch wenige Tätigkeiten (Unterzeichnung der Reitvereinbarung, Zahlung des Entgelts) erworben werden kann. Die Kosten zur Überwachung der Leistung entstehen nicht. Der Waldbesitzer hat sich verpflichtet, die Wege instand zu halten, und die Reiter können bei jedem Ausritt kontrollieren, ob er dieser Pflicht nachkommt. Dieser Ausritt verursacht den Reitern zwar Kosten, z.B. durch die Anreise zu dem Waldgebiet. Aber diese Kosten werden der Aktivität „Reiten“ zugeordnet und nicht der Aktivität „Kontrolle der Leistung“. Anders ist es bei den Kosten der Durchsetzung der Leistung. Stellen die Reiter fest, dass die Wege nicht instand gehalten werden, so können ihnen Kosten z.B. in Form einer Rechtsberatung entstehen. In der Fallstudie wird erwähnt, dass die Reiter den schlechten Zustand der Reitwege zwar kritisieren aber akzeptieren. Dies ist ein Zeichen dafür, dass der Nutzenentgang durch die schlechte Qualität der Wege geringer ist als die Kosten, die ihnen bei der Einklagung des Rechtes auf die vertraglich zugesicherte Leistung entstehen. Marktform und Preisbildung Im vorliegenden Fall handelt es sich bei der Erholungsdienstleistung um die Bereitstellung des homogenen Gutes Reitweg (RW), das eine bestimmte Qualität hat. Die Qualität wird bestimmt z.B. durch den Instandhaltungsgrad der Wege, die Güte der Beschilderung und des Kartenmaterials. Die Maßeinheit für dieses Gut ist eine Längeneinheit (z.B. Kilometer). In diesem Fall kann davon ausgegangen werden, dass beide Vertragspartner dieselben Informationen über das Gut haben. Es handelt sich also um einen vollkommenen Markt, auf dem nur ein Preis existiert. In der Region der Fallstudie gibt es keine Waldfläche, in der eine ähnliche Leistung erbracht werden kann wie in diesem Privatwald. Damit ist der Waldbesitzer ein Angebotsmonopolist. Auf der Nachfrageseite stehen Einzelreiter und Reitvereine. Da es keinen Hinweis darauf gibt, dass einer dieser Reiter oder eine Reitergruppe über eine starke Machtposition gegenüber dem Waldbesitzer verfügt, liegt hier die Form eines Monopols vor. Wie die Preisbildung im Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 353 Monopol erfolgt, haben wir bereits in Abschnitt 5.3 gesehen. Abbildung 19.2 zeigt das Marktbild. Als Eingangsgrößen werden die Grenzkosten des Monopolisten sowie die konjekturale Preis-Absatz-Funktion benötigt. Der Waldbesitzer kennt seine Grenzkosten, also diejenigen Kosten, die ihm zusätzlich entstehen, wenn er einen weiteren Kilometer Reitweg anbietet. Diese Grenzkosten stellen seine Preisuntergrenze dar. Wir wollen annehmen, dass seine Grenzkosten steigend sind. Informationen über die Preis-Absatz-Funktion kann er auf verschiedenen Wegen erhalten. Zum einen kann er auf Erfahrungen aus dem vergangenen Verkauf von Reitkarten zurückgreifen. Zum anderen könnte er ein Marktforschungs-Institut beauftragen, die notwendigen Daten zu erheben. Die gewinnmaximale Angebotsmenge RWCA wird durch den Schnittpunkt E von Grenzumsatz- und Grenzkostenkurve bestimmt. Der Preis pCA wird am Cournot’schen Punkt C auf der Preis-Absatz-Funktion abgelesen. Dieser Preis entspricht dem Entgelt, das er für die Jahres-Reitkarte verlangt. Preis-Absatz- Funktion RW0 Grenzumsatz Grenzkosten C PO E p CAp POp CARW PORW Abb. 19.2: Preisbildung im Monopol Anders als im Fall des Vertragsnaturschutzes aus dem vorherigen Abschnitt haben die Nachfrager hier keine Verhandlungsmöglichkeit. Sie müssen den Monopolpreis akzeptieren. Diese Situation kann sich ändern, wenn die Nachfrager sich vereinen. Das kann man sich so vorstellen, dass alle Reiter dieser Region einem einzigen Reitverein beitreten. Dann wäre dieser Reitverein der einzige Nachfrager nach der Leistung „Reitwege im Wald des privaten Waldbesitzers“. Als Marktform läge dann ein bilaterales Monopol vor, die Preisbildung haben wir im vorherigen Abschnitt kennengelernt. In einem solchen Fall hängt es von der Verhandlungsposition des Reitvereines ab, ob ein niedrigerer Preis als der Monopolpreis zustande kommt und ob das Reitwegenetz vergrößert wird, also ob sich die Verhandlungslösung dem Pareto-Optimum PO annähert. Vierter Teil: Internationale Forstökonomie Kapitel 20: Internationale Holzmärkte 20.1. Internationaler Handel mit Holz und Waren aus Holz Holz und Waren aus Holz (forest products) werden in den internationalen Statistiken der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) und der International Tropical Timber Organization (ITTO) in die folgenden Warengruppen gegliedert: • Brennholz und Holzkohle (BH) (fuel wood and charcoal), • Nutzholz (NH) (industrial round wood), • Schnittholz (SH) (sawn wood), • Holzplatten (HP) (wood-based panels) • Zellstoff und Holzstoff (ZH) (wood pulp) • Papier und Pappe (PP) (paper and paper board) Die beiden erstgenannten Warengruppen kann man als Rohholz, die vier letztgenannten als Holzhalbwaren bezeichnen. Der internationale Handel mit Holz und Waren aus Holz hat seit 1970 zugenommen. Im Jahre 2008 betrug der Exportwert 223 Mrd. US-$ f.o.b. Die Abkürzung f.o.b. bedeutet free on board und besagt, dass die Ware frei Landesgrenze (auf das Schiff) vom Verkäufer zu liefern ist und der Preis entsprechend kalkuliert wird. Im Jahre 1970 hatte dieser Wert nur 13 Mrd. US-$ f.o.b. betragen, das entspricht einer Versiebzehnfachung in 38 Jahren oder einer durchschnittlichen jährlichen Zuwachsrate von 2,8 %. Diese Zunahme war begleitet von einem Strukturwandel. Die Tabelle 20.1 zeigt den Strukturwandel der Holzwarengruppen. Tab. 20.1: Strukturwandel der Holzwarengruppen Holzwarengruppen mengenmäßige Exportanteile an der Weltproduktion in % wertmäßige Exportanteile am Exportwert des Holzhandels in % 1970 2008 1970 2008 BH 0,2 0,26 0,2 1,41 NH 7 7,59 15 5,69 SH 14 28,99 22 13,65 HP 17 29,15 9 16,01 ZH 14 24,35 20 14,18 PP 18 29,63 34 49,06 Quelle: FAO (1997): SOFO-1997; FAO (2011): SOFO-2011 Bei allen Warengruppen hat sich der international gehandelte Produktionsanteil erhöht. Beim Rohholz ist diese Zunahme kaum spürbar, die Holzhalbwaren ha-

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Zusammenfassung

Zur Forstökonomie liefert dieses Lehrbuch theoretisch fundierte Antworten auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes. Als umfassende Umweltökonomie bietet es dabei gleichzeitig Analysen, die sich mit der Vermarktung von Holz und Holzwaren auseinandersetzen und den ökonomischen trade-off zwischen Schutz und Nutzung der Wälder verdeutlichen. Es stellt sich ebenso den Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung sowohl von Gütermärkten als auch – wie die internationale Klimaschutzdebatte zeigt – von Umweltproblemen ergeben.

Zur Neuauflage

Die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. die Klimaschutzdebatte wurden integriert. Der Fokus ist nun stärker auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes ausgerichtet.

Die Autoren

Prof. Dr. Volker Bergen, Göttingen, Dr. Wilhelm Loewenstein, Bochum, und Dr. Roland Olschewski, Göttingen.