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Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz in:

Volker Bergen, Wilhelm Löwenstein, Roland Olschewski

Forstökonomie, page 331 - 350

Volkswirtschaftliche Ansätze für eine vernünftige Umwelt- und Landnutzung

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4552-7, ISBN online: 978-3-8006-4553-4, https://doi.org/10.15358/9783800645534_331

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 18.1. Rohholz-Marktmodell Unter Rohholz versteht der Gesetzgeber gefälltes, entwipfeltes und entastetes Holz, auch wenn es entrindet, abgelängt oder gespalten ist. Rohholz wird nach Arten und Sortimenten unterschieden. In Deutschland gelten als wichtigste Rohholzarten Nadelrohholz von Fichte und Kiefer und Laubrohholz von Eiche und Buche. Stammholz ist Rohholz, das gesägt oder geschält werden soll. Stammholz wird nach Stärke und Güte sortiert (U. Lohmann, 1998, S. 60ff.). Die Stärke wird als Durchmesser in cm angegeben. Drei Güteklassen sind gebräuchlich: A umfasst gesundes Holz mit ausgezeichneten Arteigenschaften, B umfasst Holz von normaler Qualität mit nur geringen Fehlern, C umfasst Holz mit größeren Fehlern. Industrieholz ist Rohholz, das mechanisch zerkleinert oder chemisch aufgeschlossen werden soll. Industrieholz wird in drei Güteklassen eingeteilt: N (Normal) umfasst gesundes, nicht grobastiges Holz ohne starke Krümmung, F (Fehlerhaft) umfasst leicht anbrüchiges, grobastiges oder krummes Holz, K (Krank) umfasst stark anbrüchiges, jedoch gewerblich verwendbares Holz (U. Lohmann, 1998, S. 80f.). Anbieter von Rohholz sind in- und ausländische Forstbetriebe. Nachfrager nach Rohholz sind in- und ausländische Holzbearbeitungs-, Holzverarbeitungs- und Holzhandelsunternehmen. Die amtliche Statistik berichtet über die Rohholzmarktergebnisse seit 1963 in unterschiedlicher Weise. Bis 1992 einschließlich sind Rohholzbilanzen verfügbar, die eine Trennung von Stammholz und Industrieholz für Nadel- und Laubholz ermöglichen. Ausgewiesen werden Verkäufe aus dem laufenden Einschlag (Einschlagsprogramm), Lagerabbau (Restverkäufe aus früheren Kalenderjahren), Einfuhr, Ausfuhr und Inlandsverbrauch. Ab 1993 werden Einfuhr und Ausfuhr nur noch für Rohholz, also nicht mehr für Stamm- und Industrieholz getrennt ausgewiesen. Damit wird eine getrennte Marktanalyse für Stamm- und Industrieholz erschwert. Der technische Fortschritt in der Holzwirtschaft hat zudem die Substitutionalität zwischen den Rohholzdimensionen und Rohholzarten verstärkt. Beides spricht dafür, einen Markt für Rohholz insgesamt zu untersuchen. An ihm kann im Übrigen die marktanalytische Vorgehensweise generell dargestellt werden, die auch bei enger abgegrenzten Rohholzmärkten zu verwenden ist. Marktergebnisse Die Tabelle 18.1 zeigt die Marktergebnisse des deutschen Rohholzmarktes. Entsprechend dem Konzept der Rohholzbilanz setzt sich die gesamte gehandelte Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 323 Rohholzmenge eines Jahres auf der Aufkommensseite aus den Verkäufen aus dem Einschlag XRVE, dem Lagerabbau XRLAb und den Importen XRIm und auf der Verwendungsseite aus den Einkäufen für den inländischen Verbrauch, dem Lageraufbau sowie den Exporten XREx zusammen. Tab. 18.1: Rohholz-Marktergebnisse Rohholzpreise IndexRohholzmengen in 1.000 m³ o.R. 2000 = 100 Jahr XRVE XRLAb XR XRIm XREx pR 1991 27.398 7.679 40.977 1.439 7.721 83,5 1992 22.531 6.155 33.511 1.515 5.083 101,5 1993 24.599 4.109 33.537 1.032 4.373 85,1 1994 30.816 3.839 40.484 1.608 4.714 97,4 1995 32.179 2.362 40.351 1.660 3.881 108,2 1996 32.555 1.300 39.549 2.354 3.487 96,5 1997 35.194 1.738 43.144 1.771 4.136 102,9 1998 35.464 1.410 43.076 2.255 4.871 110,3 1999 32.082 2.825 40.778 2.722 3.987 114,0 2000 42.177 -315 48.903 3.549 5.558 100,0 2001 32.776 6.105 45.421 3.493 4.906 98,9 2002 31.822 4.904 42.903 2.623 4.907 98,8 2003 35.635 3.817 46.088 2.519 4.592 97,4 2004 40.024 946 47.861 2.820 5.589 90,2 2005 42.914 586 50.817 3.005 6.819 92,8 2006 45.157 1.250 54.213 3.669 7.556 100,7 2007 49.932 1.100 59.616 7.214 7.674 116,1 2008 44.220 3.200 55.396 5.758 7.040 121,1 Quelle: Statistische Jahrbücher über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.: BMELF), ZMP-Bilanzen Forst und Holz, eigene Berechnungen Der Rohholzaußenhandel ist, wie wir bereits aus Kapitel 17 wissen, intersektoral und kann durch das Substitutionsmodell erklärt werden. Deshalb ist es sinnvoll, den Außenhandel als Saldo XREx-XRIm zu behandeln. Die Marktmenge wird dann als inländisches Aufkommen XR=XRVE+XRLAb abgegrenzt. Die Daten finden sich in den ZMP-Bilanzen Forst und Holz. Die Verkäufe aus dem Einschlag der Jahre 2006 bis 2008 und der Lagerabbau der Jahre 1999 bis 2008 sind eigene Berechnungen, da die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle die Erhebung dieser Daten eingestellt hat. Das von der ZMP ermittelte inländische Aufkommen liegt in der Regel unter der Einschlagsmenge. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren sollten Einschlag und inländisches Aufkommen übereinstimmen. Für Dritter Teil: Forstliche Marktlehre324 die Periode von 1991 bis 2008 beträgt die Differenz 16,82 %. Ohne den Charakter der ZMP-Reihe zu verändern, kann man das jährliche inländische Aufkommen um 16,82 % erhöhen. Man erhält dann in der Tabelle 18.1 die Marktmenge XR. Der Rohholzpreis eines Jahres pR ist der Index der Erzeugerpreise auf der Basis 2000 der Sortimente Stammholz Fichte B (Gewicht am gesamten Rohholz 0,47889), Kiefer B (0,05579), Kiefer C (0,06340), Eiche B (0,04533), Buche B (0,19245) sowie Industrieholz Fichte (0,04640), Kiefer (0,05256), Eiche (0,00533) und Buche (0,05985) aus den Staatsforsten ohne Mehrwertsteuer. Diese Angaben finden sich in den Statistischen Jahrbüchern über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Konkurrenzmarktmodell Die Marktanalyse hat die Aufgabe, die Marktergebnisse zu erklären. Die Abbildung 18.2 zeigt das zugehörige Marktdiagramm in der Form eines Streudiagramms. Abgebildet sind die Gesamtmengen XR und die Erzeugerpreise pR. Rohholzmenge Rohholzpreis 33 36 39 42 45 48 51 54 57 60 140 05 04 02 06 03 01 99 91 93 94 95 96 97 98 130 120 110 100 90 80 08 92 07 00 Abb. 18.2: Rohholz-Marktdiagramm Die Betrachtungen in den Kapiteln 16 und 17 lassen die Annahme eines polypolistischen Verhaltens auf beiden Marktseiten plausibel erscheinen. Der Rohholzmarkt kann dann als Konkurrenzmarkt modelliert werden. Ein Konkurrenzmarkt besteht aus einer Angebotsfunktion, einer Nachfragefunktion und einer Gleichgewichtsbedingung. Die Angebotsfunktion kann danach in allgemeiner Form als XRA= XRA(pR,q,K,F) formuliert werden. Die Einflüsse des Rohholzpreises pR und des Faktorpreises q hängen davon ab, ob bei den Anbietern das Gewinnmaximierungs- oder das Kostendeckungsverhalten dominiert und ob die Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 325 Forstbetriebe mit steigenden oder konstanten Grenzkosten das Rohholz produzieren. Diese alternativen Angebotsreaktionen haben wir im Abschnitt 16.2 bereits analysiert. Bei einer Zunahme von Schadereignissen K wird erwartet, dass sich das Angebot erhöht. Die Variable F steht für forstspezifische Besonderheiten des Angebotsverhaltens. Verhalten sich die Forstbetriebe frei von Geldillusion, dann müssen die Determinanten als reale Größen formuliert werden. Dies kann durch die Bildung der Preisrelation q/pR geschehen. Die Schadereignisse K können in m³ dimensioniert werden. Planen die Forstbetriebe aufgrund rationaler Erwartungen, dann beziehen sich alle Variablen auf die gleiche Periode, bei adaptiven Erwartungen müssen die entsprechenden Determinanten mit einem time-lag versehen werden. Die Nachfragefunktion kann in allgemeiner Form als XRN=XRN(pR,pH,i,e,H) formuliert werden. Die Rohholznachfrage reagiert entgegengerichtet auf Änderungen des Rohholzpreises pR. Bei Änderungen des Holzhalbwarenpreises reagiert die Nachfrage gleichgerichtet. Ist der Holzhalbwarenmarkt unvollkommen, dann wird der Holzhalbwarenpreis pH durch die Konjunktur Y und den Substitutspreis pHS ersetzt, an der gleichgerichteten Reaktion der Nachfrage in Bezug auf diese Determinanten ändert sich nichts. Auf Zinsänderungen reagiert die Nachfrage entgegengerichtet. Der Wechselkurs e steht hier für die ausländische Nachfrage, den Exportüberschuss. Eine Zunahme des Wechselkurses, definiert als € pro ausländischer Währungseinheit, führt zu einer Zunahme der ausländischen Nachfrage, da die Abwertung des € den deutschen Preisvorteil verstärkt. Somit ist eine gleichgerichtete Nachfragereaktion bei Wechselkursänderungen zu erwarten. Die Variable H steht für holzwirtschaftliche Besonderheiten des Nachfrageverhaltens. Verhalten sich die Holzbetriebe frei von Geldillusion, dann müssen die Determinanten als reale Größen formuliert werden. Dies kann durch die Bildung der Preisrelationen pH/pR bzw. pHS/pR und durch die Verwendung des Realzinssatzes ir, des realen Wechselkurses er und des realen Konjunkturindikators Yr geschehen. Planen die Holzbetriebe aufgrund rationaler Erwartungen, dann beziehen sich alle Variablen auf die gleiche Periode, bei adaptiven Erwartungen müssen die Determinanten mit einem time-lag versehen werden. Da sich der Rohholzpreis auf dem Rohholzmarkt frei bilden und an Marktstörungen anpassen kann, ergibt sich stets eine Tendenz zum Gleichgewicht. Es ist dann naheliegend, diesen Markt als Gleichgewichtsmarkt zu konzipieren. Die Gleichgewichtsbedingung lautet XRA=XRN. 18.2. Empirische Analyse Das aufgestellte Konkurrenzmarktmodell für Rohholz besitzt mehrere Varianten, die sich durch die Vielzahl der Determinanten sowie die Frage nach der Geldil- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre326 lusion und nach der Erwartungsbildung ergeben. Durch Konfrontation des Modells mit empirischen Daten kann eine brauchbare Modellvariante ausgewählt werden. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre 1991 bis 2008. Die Tabelle 18.3 zeigt die für die Angebotsschätzung verwendeten Daten. Tab. 18.3: Rohholz-Angebotsdeterminanten Jahr Ek Ek/pR Kt-1 T 1991 94,5 113,2 46.301 1 1992 98,1 96,7 0 2 1993 96,6 113,4 0 3 1994 91,9 94,4 0 4 1995 91,9 94,8 0 5 1996 92,5 95,9 0 6 1997 92,0 89,4 0 7 1998 92,8 84,1 0 8 1999 95,6 83,9 0 9 2000 100,0 100,0 0 10 2001 103,4 104,6 15.411 11 2002 95,8 96,9 0 12 2003 94,1 96,6 0 13 2004 94,1 104,4 0 14 2005 88,4 95,3 0 15 2006 81,0 80,4 0 16 2007 77,4 66,7 0 17 2008 86,6 71,5 18.814 18 Quelle: Statistische Jahrbücher über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.: BMELF), ZMP-Bilanzen Forst und Holz, Agrarberichte der Bundesregierung (Hrsg.: Deutscher Bundestag), eigene Berechnungen Die Faktorpreise werden durch die Erntekosten Ek operationalisiert. Bei den Erntekosten handelt es sich um Erntekosten im Staatswald in DM pro m³ ohne Rinde einschließlich Mehrwertsteuer als Index zur Basis 2000=100. K sind Lagerbestände an Rohholz, die als zu hoch empfunden werden. Sie resultieren vornehmlich aus nicht-kompensierbaren Kalamitäten. Sie werden in 1.000 m3 angegeben und sind berechnet aus den Einschlagsmengen, die den Durchschnitt der letzten drei Normaljahre vor dem Eintritt der Kalamität übersteigen. Der Zeittrend T soll den Einfluss der Aufforstungen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg widerspiegeln. Durch Zerstörungen und Reparationen sind die deutschen Wälder stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Durch vermehrte Aufforstungen sollten diese Vermögensschäden wieder ausgeglichen werden. Das führt für mehrere Regionen in Deutschland zu einer Situation vergleichbar einem aufbauenden Forstbetrieb mit einer Überausstattung der dritten (41 bis 60 Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 327 Jahre) Baumaltersklasse. Diese Besonderheit könnte zu einem Mehrangebot an schwächer dimensioniertem Rohholz führen (U. Steinmeyer, 1992a, S. 129). Als Datenverarbeitungsmethode dient die Regressionsanalyse der Ökonometrie. Eine gut verständliche Einführung in die Regressionsanalyse bieten S. Chatterjee und B. Price (1995). Als beste Angebotsschätzung ergibt sich: XRAt = 45.401,94 – 124,09 Ekt/pR,t + 0,15 Kt-1 + 1.082,58 T + ut t-Werte 6,65 −1,93 2,50 7,23 R2 = 0,88 R2ad = 0,85 DW = 2,37 Tol = 0,69 bis 0,96 Alle Determinanten haben mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % bei einseitigem Test einen signifikanten Einfluss (t>1,76) auf das Rohholzangebot. Eine Autokorrelation der Residuen (DW<2,44) und eine Multikollinearität der Determinanten (Tol>0,10) liegen nicht vor. Die forstlichen Anbieter haben sich frei von Geldillusion verhalten und aufgrund rationaler Erwartungen geplant. Der negative Regressionskoeffizient des Erntekosten-Preisverhältnisses besagt, dass das inländische Marktangebot an Rohholz konform reagiert hat. Bei steigenden Grenzkosten haben das Gewinnmaximierungsverhalten und das Kostendeckungsverhalten bei hoher Einschlagspräferenz dominiert. Im Zeitablauf haben die Forstbetriebe ihr Rohholzangebot um 1.082.580 m3 jährlich infolge der Nachkriegsaufforstungen erhöht. Der Abbau ungeplanter Lagerbestände aus Kalamitäten hat angebotserweiternd gewirkt. Doch der Einfluss ist quantitativ gering. Das spricht dafür, dass es den Forstbetrieben gelungen ist, das Mehrangebot an Rohholz infolge von Wind- und Schneebruch stark zu begrenzen. Zu diesem Ergebnis kommt auch U.P.M. Steinmeyer (2000, S. 113f.) in einer Untersuchung verschiedener Landesforstverwaltungen. Die Reaktionsstärke gemessen als durchschnittliche Rohholzpreiselastizität des Angebots beträgt +0,26, sie errechnet sich folgendermaßen: 26,0)9,92124,09( 812.44 1))/(124,09(1, +=⋅+=+= d Rd R px pEkxdRdR ε Diese Preiselastizität ist gering, das Angebot reagiert unelastisch auf Preisänderungen. Auf eine einprozentige Preiserhöhung haben die deutschen Forstbetriebe mit einer durchschnittlichen Zunahme des Angebots um 0,26 % reagiert. Dieses Ergebnis ist mit früheren Untersuchungen zum Angebotsverhalten auf dem Nadelstammholzmarkt, dem Laubstammholzmarkt und dem Industrieholzmarkt vereinbar. In der Periode 1968 bis 1985 betrug die durchschnittliche Nadelstammholzpreiselastizität des Nadelstammholzangebots –0,42 (V. Bergen et al., 1988, S. 47). Die Nachschätzung mit einer Verlängerung der Periode bis 1989 reduzierte die Preiselastizität auf –0,39 (U.P.M. Steinmeyer, 1992b, S. 108), eine weitere Verlängerung der Untersuchungsperiode bis 1992 erbrachte eine weitere Dritter Teil: Forstliche Marktlehre328 Minderung auf –0,29. Das inverse Angebotsverhalten der deutschen Forstbetriebe bezogen auf das Nadelstammholz ist also schwächer geworden. Beim Laubstammholzmarkt betrug für die Periode 1968 bis 1988 die Laubstammholzpreiselastizität des Laubstammholzangebots +0,24 (U.P.M. Steinmeyer, 1991, S. 480). Die Nachschätzung mit einer Verlängerung der Periode bis 1992 reduzierte diese Preiselastizität auf +0,13. Auf dem Industrieholzmarkt verhielten sich die deutschen Forstbetriebe stets konform. In der Periode 1965 bis 1987 betrug die Industrieholzpreiselastizität des Industrieholzangebots +0,52 (U.P.M. Steinmeyer, 1992a, S. 147). Die Nachschätzung für die Periode 1965 bis 1992 erbrachte eine Zunahme auf +0,83. Die geringe positive Rohholzpreiselastizität des Rohholzangebots ist somit die Folge der Zusammenführung von Nadelstammholzmarkt, Laubstammholzmarkt und Industrieholzmarkt zum Rohholzmarkt. Eine Zunahme der Erntekosten führt entsprechend dem negativen Regressionskoeffizienten zu einer Angebotsverminderung. Die durchschnittliche Erntekostenelastizität des Rohholzangebots beträgt –0,26. Da sich die Forstbetriebe frei von Geldillusion verhalten und somit die Erntekosten dividiert durch den Rohholzpreis als Determinante erscheinen, muss die Erntekostenelastizität betragsmäßig der Rohholzpreiselastizität entsprechen. Die durchschnittliche Kalamitätenelastizität des Rohholzangebots beträgt +0,015 und die Aufforstungselastizität des Rohholzangebots +0,23. Als beste Nachfrageschätzung ergibt sich: XR,tN = –8.868,10 + 161,66 pSIm,t/pR,t + 434,55 Yrt – 1.089,81 ikrt – 7.911,56 Dt + ut t-Werte –0,72 3,19 3,85 −3,90 –3,93 R2 = 0,95 R2ad = 0,93 DW = 1,83 Tol=0,62 bis 0,99 Die Konjunktur wird durch das Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen Y gemessen. Das reale Bruttoinlandsprodukt Yr ist in Preisen von 2000 angegeben. Als Holzhalbwarensubstitutspreis dient der Index der Einfuhrpreise für Schnittholz pSIm auf der Basis 2000. Die Kosten der Lagerhaltung werden durch den durchschnittlichen Zinssatz für Wechseldiskontkredite ik erfasst. Der kurzfristige Realzins ikr ist unter Verwendung der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte errechnet. Die Nachfrageschätzung verwendet die in der Tabelle 18.4 enthaltenen Daten. Alle Determinanten zeigen das erwartete Vorzeichen. Das Importpreisverhältnis, die Konjunktur, die Kosten der Lagerhaltung und die Dummy-Variable haben einen signifikanten Einfluss auf die Rohholznachfrage. Eine Autokorrelation der Residuen und eine Multikollinearität der Determinanten liegen nicht vor. Die Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 329 holzbetrieblichen Nachfrager haben sich frei von Geldillusion verhalten und aufgrund rationaler Erwartungen geplant. Tab. 18.4: Rohholz-Nachfragedeterminanten Jahr Yr PSIm PSIm / PR ikr D 1991 86,9 94,4 113,1 6,8 0 1992 88,8 91,3 90,0 9,0 0 1993 87,8 88,7 104,2 8,9 0 1994 89,9 98,4 101,1 6,3 0 1995 91,5 93,8 86,7 4,3 0 1996 92,2 90,0 93,3 6,2 0 1997 93,5 97,2 94,5 3,5 0 1998 95,3 91,9 83,3 5,2 0 1999 97,2 94,0 82,5 6,4 0 2000 100,0 100,0 100,0 3,2 0 2001 100,6 96,6 97,7 3,7 0 2002 101,4 98,0 99,2 7,0 0 2003 101,4 98,9 101,5 4,2 0 2004 102,9 97,4 108,0 4,1 0 2005 102,9 99,4 107,1 1,2 0 2006 105,8 106,1 105,3 1,0 0 2007 109,3 123,1 106,0 6,4 -1 2008 110,4 104,2 86,0 2,4 -1 Quelle: Statistische Jahrbücher über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ZMP-Bilanzen Forst und Holz, Lange Reihen zur Wirtschaftsentwicklung des Statistischen Bundesamtes, Monatsberichte der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank und eigene Berechnungen Auf Änderungen des Rohholzpreises haben sie erwartungsgemäß entgegen gerichtet mit ihrer Nachfrage nach Rohholz reagiert. Das besagt der positive Regressionskoeffizient des Importpreisverhältnisses, dessen Nenner der Rohholzpreis ist. Die durchschnittliche Rohholzpreiselastizität der Rohholznachfrage beträgt –0,35. Das weist auf eine schwache Reaktion der Holzbetriebe auf Rohholzpreisänderungen hin. Frühere Untersuchungen zum Nachfrageverhalten auf dem Nadelstammholzmarkt, dem Laubstammholzmarkt und dem Industrieholzmarkt zeigen etwas stärkere Preisreaktionen. In der Periode 1968 bis 1985 betrug die Nadelstammholzpreiselastizität der Nadelstammholznachfrage –0,51 (V. Bergen et al., 1988, S. 47). Die Nachschätzung mit einer Verlängerung der Periode bis 1989 reduzierte die Preiselastizität auf –0,50 (U.P.M. Steinmeyer, 1992b, S. 108), eine weitere Verlängerung der Untersuchungsperiode bis 1992 erbrachte eine leichte Zunahme auf –0,59. Beim Laubstammholzmarkt hat eine Dritter Teil: Forstliche Marktlehre330 Schätzung für die Periode 1968 bis 1992 eine Preiselastizität von –0,66 erbracht. Auf dem Industrieholzmarkt betrug die Industrieholzpreiselastizität der Industrieholznachfrage in der Periode 1965 bis 1987 –0,82 (U.P.M. Steinmeyer, 1992a, S. 147). Die Nachschätzung für die Periode 1965 bis 1992 erbrachte eine Preiselastizität von –1,08. Der Holzhalbwarenmarkt ist eher unvollkommen. Der Holzhalbwarensubstitutspreis, hier operationalisiert als Importpreis für Schnittholz, zeigt den erwarteten gleichgerichteten Zusammenhang mit der Rohholznachfrage. Seine Elastizität beträgt +0,35. Anstelle des Importpreises für Schnittholz hätten auch andere Importpreise für Holzhalbwaren verwendet werden können. Die positive Korrelation zwischen den Importpreisen erschwert jedoch eine Trennung der Einflüsse, so dass der Importpreis mit der besten Erklärungskraft als Nachfragedeterminante ausgewählt wurde. Das bedeutet aber nicht, dass nur der Import an Schnittholz nachfragebestimmend ist. Der ausgewählte Importpreis steht vielmehr stellvertretend für alle importierten Holzhalbwaren. Der Außenwert der Währung zeigte keinen signifikanten Einfluss auf die Rohholznachfrage, Wechselkursänderungen machen sich dann ebenfalls in den Änderungen des Importpreises für Schnittholz bemerkbar. Der Konjunktureinfluss entspricht den Erwartungen. Der positive Regressionskoeffizient zeigt den gleichgerichteten Zusammenhang zwischen der Konjunktur und der Rohholznachfrage. Die durchschnittliche Konjunkturelastizität der Nachfrage beträgt +0,95. Das ist eine recht hohe Einkommenselastizität, die es der der Forstwirtschaft in diesen 18 Jahren ermöglicht hat, mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten. Bedeutet sie doch, dass bei einer Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes um ein Prozent, die nachgefragte Menge an Rohholz ebenfalls um fast ein Prozent zunimmt. Die Kosten der Lagerhaltung in der Form des kurzfristigen Zinssatzes beeinflussen die Rohholznachfrage erwartungsgemäß entgegen gerichtet. Die durchschnittliche Zinselastizität der Nachfrage beträgt −0,12. Die Dummy-Variable könnte für die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2007 und 2008 stehen, die entsprechend der Schätzung zu einer Reduzierung der Rohholznachfrage um jährlich fast 8 Mill. m3 geführt hat. Preisbildung Der deutsche Rohholzmarkt kann nun in seiner Funktionsweise beschrieben werden. Es handelt sich um einen Konkurrenzmarkt mit sofortiger Anpassung an Marktstörungen. Der Markt ist stabil in dem Sinne, dass Marktstörungen durch Preisanpassungen ausgeglichen werden. Die Stabilitätsbedingung ist dadurch erfüllt, dass die durchschnittliche Rohholzpreiselastizität des Angebots mit +0,26 größer als die durchschnittliche Rohholzpreiselastizität der Nachfrage mit −0,35 ist. Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 331 Aufgrund unserer empirischen Analyse können wir die Angebots- und Nachfragekurven in das Rohholz-Marktdiagramm einzeichnen. Wir wählen dazu eine Durchschnittsbetrachtung über die gesamte Periode 1991 bis 2008. Die durchschnittliche Marktangebotskurve lautet XRA=56.357,55−1.149.073,4/pR. Aus der Nachfrageschätzung ergibt sich XRN=29.008,66+1.584.268,0/pR für die durchschnittliche Marktnachfragekurve. Die Abbildung 18.5 zeigt diesen deutschen Rohholzmarkt. Rohholzmenge Rohholzpreis 33 36 39 42 45 48 51 54 57 60 140 05 04 02 06 03 01 99 91 93 94 95 96 97 98 130 120 110 100 90 80 08 92 07 00 AngebotNachfrage Abb. 18.5: Deutscher Rohholzmarkt Daraus errechnet sich eine durchschnittliche Marktmenge XR von 44.860 Tsd. m3 bei einem durchschnittlichen Marktpreis pR von 99,94 Indexpunkten. Der tatsächliche durchschnittliche Marktpreis beträgt 100,85 Indexpunkte. Die Differenz ergibt sich aus dem Umstand, dass der Quotient aus den Durchschnitten zweier Preise nicht gleich dem Durchschnitt ihres Preisverhältnisses ist. Der Korrekturfaktor, mit dem der errechnete Marktpreis multipliziert werden muss, beträgt (Ek/pR)d/(Ekd/pRd) = 92,91/91,82 = 1,0119. Die Preisbildung erfolgt interdependent. Die Marktteilnehmer planen ihre Angebots- und Nachfragemengen auf der Grundlage der von ihnen für die Planungsperiode erwarteten Determinanten. Mit diesen Informationen ausgestattet betreten sie den Markt und suchen nach einem Partner, mit dem sie ihre Planungen realisieren können. Beim Rohholzverkauf dominiert der Freihandverkauf (R. Grammel, 1989, S. 82). Hierbei werden durch bilaterale Verhandlungen Preis und Menge ausgehandelt. Der Markt ist nicht organisiert. Die Bildung eines Gleichgewichtspreises verlangt von den Beteiligten, dass sie ihre alternativen Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten in die Verhandlungen einbringen. Bei Ver- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre332 steigerungen in offener oder verdeckter Form (Submission) steigt der Organisationsgrad, das erleichtert die Bildung eines Gleichgewichtspreises. H. Ollmann (1995, S. 2000) schätzt, dass pro Jahr etwa 100 Rohholz-Verträge mit diesen Verkaufsverfahren zustande kommen. Wird das Rohholz auf einer möglichst umfassenden Holzbörse, beispielsweise unter Verwendung des Internet (T. Libutzki et al., 1998, S. 391) gehandelt, dann nähert man sich bereits der Idealvorstellung einer zentralen Marktleitung, die den Gleichgewichtspreis mit Hilfe eines Computers bestimmt. Bei unvollständig organisierten Märkten kommt es zu Angebots- oder Nachfrageüberschüssen, die den Marktteilnehmern signalisieren, dass eine Preisanpassung erforderlich ist, um die Planungen aller Marktteilnehmer zu realisieren. Das vorliegende Rohholzmarktmodell verlangt dann allerdings, dass diese Preisanpassungen während eines Jahres abgeschlossen sind. 18.3. Komparativ-statische Analyse Der Rohholzmarkt ist zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Die vorangegangenen Ausführungen haben sieben wichtige Einflussfaktoren isoliert: die Erntekosten, die nicht-kompensierbaren Kalamitäten, die Nachkriegsaufforstungen, der Schnittholzimportpreis, das reale Bruttoinlandsprodukt, der kurzfristige Realzinssatz und eine Krisenvariable. Änderungen dieser Einflussfaktoren verschieben das Marktangebot oder die Marktnachfrage. Die alten Marktergebnisse haben keinen Bestand, es stellen sich neue Marktergebnisse ein. Marktreaktionen ergeben sich aus dem Vergleich der neuen mit den alten Marktergebnissen. Es ist analytisch zweckmäßig, von einem Gleichgewichtszustand auszugehen und mit einem neuen Gleichgewichtszustand zu vergleichen. Es handelt sich dann um eine komparativ-statische Betrachtungsweise. Die Änderung der Marktergebnisse kann qualitativ oder quantitativ analysiert werden. Von einer qualitativen Analyse spricht man dann, wenn nur Richtungs- änderungen bestimmt werden sollen. Hierzu genügt das Marktmodell in der allgemeinen Form mit eindeutigen Einflussrichtungen der Determinanten, die sich aus Plausibilitätsüberlegungen ergeben. Will man dagegen das Ausmaß der Ver- änderung bestimmen, dann benötigt man empirische Informationen und bedient sich der quantitativen Analyse. Jetzt benötigt man das Marktmodell in der Form der Schätzgleichungen. Es empfiehlt sich, das Marktmodell in seiner reduzierten Form zu formulieren. Zu diesem Zweck transformiert man das Drei- Gleichungsmodell in ein Zwei-Gleichungsmodell und löst nach den Marktergebnissen, dem Rohholzpreis und der Rohholzmenge auf. Die Preisgleichung lautet: pR,t = (161,66 pSIm,t + 124,09 Ekt) 100 / (54.270,04 + 0,15 Kt-1 + 1.082,58 T – 434,55 Yrt + 1.089,81 irt + 7.911,56 Dt) Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 333 Die Mengengleichung lautet: XR,t = (161,66 pSIm,t (45.401,94 + 0,15 Kt-1 + 1.082,58 T) + 124,09 Ekt (– 8.868,10 + 434,55 Yrt – 1.089,81 irt – 7.911,56 Dt)) / (161,66 pSIm,t + 124,09 Ekt) In der Untersuchungsperiode 1991 bis 2008 zeigen die Einflussfaktoren die folgenden Durchschnittswerte: Ekd = 92,60 Indexpunkte, Kd = 4.473,67 Tsd. m3, Td = 9,50, pSImd = 97,97 Indexpunkte, Yrd = 97,66 Indexpunkte, ird = 4,99 % und Dd = – 0,11. Setzt man diese Werte in die Preis- und Mengengleichungen ein, dann erhält man pRd = 99,90 Indexpunkte und XRd = 44.855,52 Tsd. m3. Rohholzmenge Rohholzpreis 44.789 44.856 - 0,149 % + 0,420 % 100,3 99,9 Nachfrage Altes Angebot Neues Angebot Abb. 18.6: Marktreaktion bei einer 1%igen Zunahme der Erntekosten Bei einer Zunahme der Erntekosten muss mit den folgenden Marktreaktionen gerechnet werden. Die Abbildung 18.6 zeigt die graphische Lösung. Das Marktangebot wird von den Forstbetrieben bei jedem Rohholzpreis reduziert, die Marktangebotskurve verschiebt sich nach links. Dieses verminderte Angebot nehmen die Holzbetriebe zu einem höheren Rohholzpreis ab. Im neuen Gleichgewicht liegen also der Rohholzpreis höher und die Marktmenge an Rohholz niedriger. Die mit diesen Marktreaktionen verbundenen einzelbetrieblichen Konsequenzen sind bei den einzelnen Marktteilnehmern unterschiedlich. Die Produzentenrente der gewinnmaximierenden Forstbetriebe aus dem Rohholzverkauf wird durch die Erhöhung der Erntekosten und die damit verbundene Rohholzmengenverminderung reduziert und durch die Zunahme des Rohholzpreises erhöht, die Gesamtwirkung lässt sich qualitativ nicht abschätzen. Die kostendeckenden Forst- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre334 betriebe halten ihre Produzentenrente durch eine entsprechende Variation der Rohholzmengen konstant. Die Holzbetriebe verzeichnen eine Reduktion ihrer Produzentenrente, da die Vorgänge auf dem Rohholzmarkt ihre Rohstoffkosten erhöhen. Soweit die qualitative Analyse. Die quantitative Analyse setzt eine Quantifizierung der Zunahme der Erntekosten voraus. Angenommen, die Erntekosten hätten in der Untersuchungsperiode 1991 bis 2008 um 1% über dem Durchschnittswert von 92,60 Indexpunkten gelegen, dann hätte ihr Durchschnittswert 93,53 Indexpunkte betragen. Setzt man diesen neuen Wert in die Preisgleichung an Stelle des alten ein, dann hätte der neue Rohholzpreis um 0,42 Indexpunkte bzw. 0,420 % über dem alten gelegen. In der Mengengleichung ergibt sich eine Abnahme der Rohholzmenge um 66,68 Tsd. m3 bzw. 0,149 %. Die Preiserhöhung wäre also etwa dreimal so stark wie die Mengenabnahme gewesen, so wie es die durchschnittliche Rohholzpreiselastizität der Rohholznachfrage von −0,35= −0,149 % / +0,420 % errechnet hat. Der Umsatz der Forstbetriebe aus dem Rohholzverkauf hätte somit um (+0,420%) + (−0,149 %) = +0,271 % über dem alten Niveau gelegen. Mehr nicht-kompensierbare Kalamitäten führen zu ähnlichen Auswirkungen wie stärkere Nachkriegsaufforstungen. Beide vergrößern das Marktangebot bei jedem Rohholzpreis, die Marktangebotskurve verschiebt sich nach rechts. Um dieses zusätzliche Rohholz zu kaufen, verlangen die Holzbetriebe eine überproportionale Preisminderung. Die Marktreaktion zeigt eine Mengenzunahme, eine dreimal so starke Preissenkung und einen Umsatzrückgang. Die Holzbetriebe profitieren von dieser Marktreaktion durch eine Zunahme ihrer Produzentenrente. Die Forstbetriebe verlieren eher Produzentenrente, da sie auf den starken Preisrückgang mit einem Minderangebot reagieren. Eine einprozentige Zunahme der durchschnittlichen Kalamitäten, also um 44.737 m3, hätte einen Preisrückgang von 0,022 % und eine Mengenzunahme von 0,0087 % zur Folge gehabt, der Umsatz der Forstwirtschaft wäre um 0,0133 % niedriger ausgefallen. Eine um ein Prozent höhere Nachkriegsaufforstung hätte einen Preisrückgang von 0,372 % und eine Mengenzunahme von 0,133 % bewirkt, der Umsatz der Forstwirtschaft wäre um 0,239 % geringer gewesen Bei einer Erhöhung des Schnittholzimportpreises verursacht beispielsweise durch eine €-Abwertung sind folgende Marktreaktionen zu erwarten. Aus der Sicht der Käufer von Schnittholz wird die Importware im Vergleich zur deutschen Ware teurer. Sie substituieren importiertes durch deutsches Schnittholz. Die gestiegene Nachfrage nach ihren Holzhalbwaren veranlasst die deutschen Holzbetriebe mehr Rohholz nachzufragen, die Marktnachfragekurve verschiebt sich nach rechts. Die Abbildung 18.7 zeigt die Marktreaktionen. Die Marktmenge und der Marktpreis für Rohholz nehmen zu. Diese Marktreaktionen führen bei den Forstbetrieben zu einer höheren Produzentenrente. Die Produzentenren- Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 335 tenveränderung der Holzbetriebe ist nicht eindeutig, da sie von zwei gegenläufigen Einflüssen bestimmt wird. Die geschwächte ausländische Konkurrenz auf ihrem Holzhalbwarenmarkt erhöht ihren Umsatz, dies wirkt rentensteigernd. Die Vorgänge auf dem Rohholzmarkt erhöhen ihre Kosten, dies wirkt rentenmindernd. Nur eine quantitative Analyse des Holzhalbwarenmarktes könnte den Produzentenrentensaldo bestimmen. 44.789 44.922 - 0,148 % + 0,580 % 100,5 99,9 Alte Nachfrage Angebot Neue Nachfrage Rohholzmenge Rohholzpreis Abb. 18.7: Marktreaktion bei einer 1%igen Zunahme des Importpreises für Schnittholz Die quantitative Abschätzung einer einprozentigen Erhöhung des Schnittholzimportpreises wäre mit einer Zunahme des Rohholzpreises um 0,579 Indexpunkte bzw. 0,58 % und einer Zunahme der Rohholzmenge um 66.260 m3 bzw. +0,148 % verbunden gewesen. Die Preiserhöhung wäre also etwa viermal so stark wie die Mengenzunahme gewesen, so wie es die durchschnittliche Preiselastizität des Angebots von +0,26=+0,148 % / +0,58 % errechnet hat. Der Umsatz der Forstwirtschaft hätte um 0,728 % höher gelegen. Eine Konjunkturverbesserung gemessen als Zunahme des realen Bruttoinlandsproduktes lässt die folgenden Marktreaktionen erwarten. Die Marktnachfrage wird von den Holzbetrieben bei jedem Rohholzpreis erhöht, die Marktnachfragekurve verschiebt sich nach rechts. Die Forstbetriebe sind auch bereit, eine größere Marktmenge bereit zu stellen, allerdings nur zu einem höheren Preis. Im neuen Gleichgewicht haben sich der Rohholzpreis und die Marktmenge erhöht. Die Konjunktur hat zu einer monetären Ausweitung geführt, die auf Preis- und Mengenerhöhungen zurück zu führen ist. Die quantitative Abschätzung bestätigt diese Aussagen. Wäre das reale Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt um 1% höher gewesen, hätte also nicht 97,66 sondern 98,64 Indexpunkte betragen, dann Dritter Teil: Forstliche Marktlehre336 hätten der Rohholzpreis um 1,578 % und die Rohholzmenge um 0,399 % höher gelegen. Der Rohholzumsatz der Forstbetriebe wäre um 1,977 % höher gewesen. Die Marktteilnehmer verzeichnen unterschiedliche Produzentenrentenänderungen. Die gewinnmaximierenden Forstbetriebe erhöhen ihre Produzentenrente. Die kostendeckenden Forstbetriebe behalten ihre alte Produzentenrente, da sie die Rohholzmengen entsprechend variieren. Die Veränderung der Produzentenrente der Holzbetriebe ist nicht eindeutig, da sie von zwei gegenläufigen Einflüssen bestimmt wird. Die Konjunkturverbesserung eröffnet den Holzbetrieben Preiserhöhungsspielräume bei ihren Holzhalbwaren, dies wirkt rentenerhöhend. Die Preiserhöhung für ihren Rohstoff wirkt dagegen rentenmindernd. Bei einer Erhöhung der Lagerhaltungskosten der Holzbetriebe gemessen als Zunahme des kurzfristigen Realzinssatzes ist mit folgenden Marktreaktionen zu rechnen. Die Holzbetriebe sind bestrebt, einen Anstieg der Lagerhaltungskosten zu vermeiden. Sie vermindern ihren Lagerbestand an Rohholz, indem sie Teile des Lagers für die laufende Produktion der Holzhalbwaren verwenden. Das mindert die Nachfrage nach Rohholz für die laufende Produktion. Die Marktnachfrage geht bei jedem Rohholzpreis zurück, die Marktnachfragekurve verschiebt sich nach links. Im neuen Gleichgewicht hat sich der Rohholzpreis stark reduziert, die Rohholzmenge dagegen nur mäßig vermindert, der Umsatz der Forstbetriebe ist gesunken. Die quantitative Abschätzung bringt folgende Ergebnisse. Hätte der durchschnittliche Realzins um 1 % höher gelegen, also bei 5,04 % anstelle von 4,99 %, dann wären der Rohholzpreis um 0,196 % und die Rohholzmenge um 0,051 % niedriger gewesen. Der Umsatz der Forstbetriebe wäre um 0,247 % kleiner gewesen. Die Forstbetriebe müssten mit einer Reduzierung der Produzentenrente rechnen. Die Rentenentwicklung der Holzbetriebe ist wiederum nicht eindeutig. Tab. 18.8: Stärke der Marktreaktionen des Rohholzmarktes führt zu einer Eine 1%ige Erhöhung der... relativen Preis- änderung von relativen Mengen- änderung von relativen Umsatz- änderung von Erntekosten + 0,420 - 0,149 + 0,271 Kalamitäten - 0,022 + 0,009 - 0,013 Aufforstungen - 0,372 + 0,133 - 0,239 Schnittholzimportpreise + 0,580 + 0,148 + 0,728 Konjunktur + 1,578 + 0,399 + 1,977 Lagerhaltungskosten - 0,196 - 0,051 - 0,247 Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 337 Einen Vergleich der Stärke der Marktreaktionen auf Änderungen der Einflussfaktoren zeigt die Tabelle 18.8. Die Übersicht macht deutlich, dass der Rohholzmarkt am stärksten durch die Konjunktur beeinflusst wird. Danach folgen mit abnehmender Stärke der Außenhandel, die Erntekosten, die Lagerhaltungskosten der Holzbetriebe und die Nachkriegsaufforstungen. Die geringsten Einflüsse haben die Kalamitäten. 18.4. Dynamische Analyse Unter Verwendung der bisher gewonnenen Erkenntnisse können wir nun versuchen, das Geschehen auf dem Rohholzmarkt im Zeitablauf zu erklären. Die Abbildung 18.2 zeigt die Marktergebnisse in der zeitlichen Abfolge. Wir untersuchen die letzten drei Jahre der Betrachtungsperiode. Im Jahre 2005 wurden auf dem Rohholzmarkt 50.817 Tsd. m3 zum Preise von 92,8 Indexpunkten gehandelt. Die Abbildung 18.9 zeigt die schematische Vorgehensweise der dynamischen Analyse von 2005 auf 2006. Die Argumentation folgt der Reihe A, B, C, D, E. 101,9 Angebot 100,7 92,8 50.817 52.856 54.213 51.892 54.500 B D 06 A C E 05 Nachfrage Rp RX Abb. 18.9: Dynamische Analyse Für das Jahr 2006 erwarteten die forstlichen Anbieter eine starke Abnahme der Erntekosten. Unter Berücksichtigung des zusätzlichen Aufforstungsangebots planten sie auf der Basis des Rohholzpreises von 2005 eine Erhöhung der Angebotsmenge für 2006 auf 45.401,94 − 124,09 (81,0/92,8) 100 + 1.082,58⋅16 = 51.892 Tsd. m3. Das entspricht der Bewegung von A nach B. Die holzwirtschaftlichen Nachfrager erwarteten für das Jahr 2006 einen stark steigenden Schnittholzimportpreis, eine Konjunkturverbesserung und eine leichte Abnahme der Dritter Teil: Forstliche Marktlehre338 Lagerhaltungskosten. Daraufhin planten sie auf der Basis des Rohholzpreises von 2005 eine erhebliche Zunahme der Nachfragemenge für 2006 auf – 8.868,10 + 161,66 (106,1/92,8) 100 + 434,55⋅105,8 − 1.089,81⋅1,0 = 54.500 Tsd. m3. Das entspricht der Bewegung von A nach C. Beim Rohholzpreis von 2005 hätte somit ein Nachfrageüberschuss als Differenz C−B in Höhe von 2.608 Tsd. m3 vorgelegen, der durch eine Preiserhöhung abgebaut würde. Anbieter und Nachfrager erwarteten also für 2006 eine Rohholzpreiserhöhung. Sie meldeten der Marktleitung ihre geplanten Preis-Mengen-Relationen, um die erforderliche Preiserhöhung bestimmen zu lassen. Die Anbieter meldeten als Angebotsfunktion XR,06 = 62.723,22 − 1.005.129/pR,06, das ist die Bewegung von B auf der Angebotsgeraden. Die Nachfrager meldeten die Nachfragefunktion XR,06 = 36.017,48 + 1.715.212,6/pR,06 als Bewegung von C auf der Nachfragegeraden. Daraus errechnete die Marktleitung den Gleichgewichtspreis für 2006 in Höhe von pR,06 = 101,9, den sie den Marktteilnehmern zurück meldete. Zu diesem Preis wollten die Marktteilnehmer die Marktmenge XR,06 = 52.856 Tsd. m3 handeln. Das ist der Punkt D. Aufgrund zufälliger Einflüsse ist die tatsächliche Preissteigerung noch um 1,2 Indexpunkte niedriger und die Menge um 1.357 Tsd. m3 höher ausgefallen. Das tatsächliche Marktergebnis für 2006 liegt in E. Aus der Sicht der forstlichen Anbieter sollte sich die positive Entwicklung des vorangegangenen Jahres fortsetzen. Sie erwarteten eine nochmalige starke Verminderung der Erntekosten und planten unter Berücksichtigung des zusätzlichen Aufforstungsangebots auf der Basis des Rohholzpreises von 2006 eine im Vergleich zum Vorjahr fast unveränderte Angebotsmenge für 2007 in Höhe von 45.401,94 – 124,09 (77,4/100,7) 100 + 1.082,58⋅17 = 54.268 Tsd. m3. Die holzwirtschaftlichen Nachfrager erwarteten eine nochmalige starke Steigerung des Schnittholzimportpreises, eine weitere Konjunkturverbesserung, allerdings auch eine starke Zunahme der Lagerhaltungskosten. Zudem erwarteten sie einen Einfluss der Finanzkrise auf die Güterwirtschaft und wollten ihre Rohholzläger unabhängig von den Lagerhaltungskosten aufstocken. Daraufhin planten sie auf der Basis der Rohholzpreise von 2006 eine starke Ausdehnung der Nachfragemenge auf -8.868,10 + 161,66 (123,1/100,7) 100 + 434,55⋅109,3 – 1.089,81⋅6,4 – 7.911,56⋅(-1) = 59.327 Tsd. m3. Beim Rohholzpreis von 2006 hätte also ein erheblicher Nachfrageüberschuss in Höhe von 5.059 Tsd. m3 vorgelegen, der durch eine Preiserhöhung abgebaut würde. Anbieter und Nachfrager erwarteten also für 2007 wiederum eine Rohholzpreiserhöhung. Die Anbieter meldeten der Marktleitung die Angebotsfunktion XR,07 = 63.805,8 − 960.456,6/pR,07. Die Nachfrager meldeten die Nachfragefunktion XR,07 = 39.564,99 + 1.990.034,6/pR,07. Daraus errechnete die Marktleitung den Gleichgewichtspreis für 2007 in Höhe von pR,06 = 121,7 Indexpunkten. Zu die- Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 339 sem Preis wollten die Marktteilnehmer eine Menge von XR,07 = 55.915 Tsd. m3 handeln. Zufällige Ereignisse haben jedoch den Preisanstieg um 5,6 Indexpunkte gebremst und den Mengenanstieg um 3.701 Tsd. m3 verstärkt. Im Januar des Jahres 2007 führte der Sturm Kyrill zu erheblichen Kalamitäten, die im Jahre 2008 angebotserhöhend wirkten. Für das Jahr 2008 erwarteten die forstlichen Anbieter außerdem eine starke Zunahme der Erntekosten. Unter Berücksichtigung des zusätzlichen Aufforstungsangebots planten sie auf der Basis des Rohholzpreises von 2007 eine geringe Verminderung der Angebotsmenge für 2008 auf 45.401,94 − 124,09 (86,6/116,1) 100 + 0,15⋅18.814 + 1.082,58⋅18 = 58.455 Tsd. m3. Die holzwirtschaftlichen Nachfrager erwarteten für das Jahr 2008 eine starke Abnahme des Schnittholzimportpreises, eine leichte Konjunkturverbesserung und eine starke Abnahme der Lagerhaltungskosten. Zudem erwarteten sie ein Andauern der Finanzkrise. Auf der Basis des Rohholzpreises von 2007 nahmen die Nachfrager daraufhin ihre Menge für 2008 auf – 8.868,10 + 161,66 (104,2/116,1) 100 + 434,55⋅110,4 − 1.089,81⋅2,4 – 7.911,56⋅(-1) = 58.911 Tsd. m3 zurück. Beim Rohholzpreis von 2007 hätte somit ein geringer Nachfrageüberschuss in Höhe von 456 Tsd. m3 vorgelegen, der durch eine Preiserhöhung abgebaut würde. Anbieter und Nachfrager erwarteten also trotz des zusätzlichen Sturmholzes für 2008 eine Rohholzpreiserhöhung. Sie meldeten der Marktleitung ihre geplanten Preis-Mengen-Relationen, um die erforderliche Preiserhöhung bestimmen zu lassen. Die Anbieter meldeten XR,08 = 67.710.48 − 1.074.619,4/pR,08 als Angebotsfunktion und die Nachfrager die Nachfragefunktion XR,08 = 44.402,24 + 1.684.497,2/pR,08. Daraus errechnete die Marktleitung den Gleichgewichtspreis für 2008 in Höhe von pR,08 = 118,4 Indexpunkten, den sie den Marktteilnehmern zurück meldete. Zu diesem Preis wollten die Marktteilnehmer die Marktmenge XR,08 = 58.632 Tsd. m3 handeln. Zufällige Einflüsse haben die Preissteigerung um 2,7 Indexpunkte verstärkt und die Mengenausdehnung um 3.236 Tsd. m3 gekürzt. Das Forstschäden-Ausgleichgesetzes von 1969, das durch Einschlags- und Importbeschränkungen sowie durch Steuerminderungen Angebotsüberschüsse vermeiden soll (N. Rehbock, 1969, S. 313), ist trotz der Klagen von Teilen der Forstwirtschaft (M. Hoelzel, 2007, S. 1311) zu Recht nicht angewandt worden. Wagen wir zum Abschluss eine Prognose für das Jahr 2009. Die Forstbetriebe erwarten eine leichte Senkung der Erntekosten auf 84,9 Indexpunkte. Unter Berücksichtigung des zusätzlichen Aufforstungsangebots planen sie eine gegenüber dem Vorjahr erhöhte Angebotsmenge auf der Basis des Rohholzpreises von 2008 von 57.271 Tsd. m3. Die Holzbetriebe erwarten eine starke Konjunkturverschlechterung auf 105,2 Indexpunkte, eine starke Zunahme des Schnittholzimportpreises auf 109,8 Indexpunkte und eine starke Zunahme des Realzinses auf 9,2 %. Sie erwarten darüber hinaus eine Fortdauer der Finanzkrise. Auf der Dritter Teil: Forstliche Marktlehre340 Preisbasis von 2008 vermindern sie daraufhin ihre Nachfrage auf 49.389 Tsd. m3. Es muss deshalb mit einem Angebotsüberschuss in Höhe von 7.882 Tsd. m3 gerechnet werden, der den Rohholzpreis auf 90,5 Indexpunkte fallen lässt. Tatsächlich ist der Rohholzpreis zwar gefallen, jedoch nicht so stark, sondern lediglich auf 111,3 Indexpunkte. Daran erkennt man, dass die Zufallseinflüsse eine Prognose erheblich beeinflussen können. Weitere Ausführungen über eine mittelfristige Prognose finden sich bei V. Bergen (2012). Kapitel 19: Vermarktung von Schutz- und Erholungsleistungen 19.1. Institutionenökonomische Voraussetzungen einer Vermarktung Schutz- und Erholungsleistungen sind forstliche Dienstleistungen, die Waldeigentümer anderen Wirtschaftseinheiten zur Verfügung stellen. Eine Vermarktung bedeutet, dass diese Bereitstellung nur gegen Entgelt erfolgt. Dazu bedarf es mehrerer rechtlicher und ökonomischer Voraussetzungen. Diese lassen sich mit Hilfe der Neuen Institutionenökonomik, einer jüngeren wirtschaftswissenschaftlichen Entwicklung aufzeigen. „Die Kerngedanken dieses Ansatzes sind erfreulich einfach: die Begründung und Benutzung von Institutionen und Organisationen verursacht Kosten, Transaktionskosten, weshalb die Gestaltung der individuellen Verfügungsrechte auf das wirtschaftliche Gesamtergebnis nicht ohne Einfluss ist.“ (R. Richter, 1994, S. V). Da Märkte Institutionen sind, handelt es sich bei der Vermarktung forstlicher Dienstleistungen um einen Anwendungsfall dieses Ansatzes. Danach verlangt die Vermarktung forstlicher Dienstleistungen ausreichende individuelle Verfügungsrechte der Waldbesitzer, niedrige Transaktionskosten einer Vermarktung sowie funktionsfähige relationale Verträge zwischen Waldbesitzern und den nachfragenden Wirtschaftseinheiten. Individuelle Verfügungsrechte forstlicher Dienstleistungen Die rechtliche Voraussetzung einer Vermarktung forstlicher Dienstleistungen ist, dass der Waldbesitzer Eigentümer der Dienstleistung ist. Eigentum an einem Gut bedeutet dreierlei. Erstens, das Recht, das Gut in einer bestimmten Weise zu nutzen, und die Pflicht, es nicht in anderer Weise zu nutzen. Zweitens, das Recht, andere von der Nutzung des Gutes auszuschließen oder für die Nutzung durch andere einen Preis zu verlangen. Drittens, das Recht, das Gut zu verkaufen. Für die Forstbetriebe bedeutet das, dass sie nur solche Dienstleistungen verkaufen können, für die sie ein exklusives Eigentumsrecht besitzen. Wenn die Waldgesetze ein freies Betretungsrecht für Waldbesucher vorsehen, dann ist der Forstbetrieb nicht Eigentümer der Dienstleistung Waldzugang. Wenn jedoch die Waldbewirtschaftung nicht im Detail vorgeschrieben ist, dann kann er den Waldbesuchern eine bessere Waldqualität für Erholungszwecke bieten, die er nur gegen Entgelt bereit stellt. Die Qualität der Erholungsmöglichkeiten befindet sich im Eigentum des Forstbetriebes. Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der Schutzfunktionen ist das Folgende. Wenn das Wasserwirtschaftsgesetz dem

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References

Zusammenfassung

Zur Forstökonomie liefert dieses Lehrbuch theoretisch fundierte Antworten auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes. Als umfassende Umweltökonomie bietet es dabei gleichzeitig Analysen, die sich mit der Vermarktung von Holz und Holzwaren auseinandersetzen und den ökonomischen trade-off zwischen Schutz und Nutzung der Wälder verdeutlichen. Es stellt sich ebenso den Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung sowohl von Gütermärkten als auch – wie die internationale Klimaschutzdebatte zeigt – von Umweltproblemen ergeben.

Zur Neuauflage

Die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. die Klimaschutzdebatte wurden integriert. Der Fokus ist nun stärker auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes ausgerichtet.

Die Autoren

Prof. Dr. Volker Bergen, Göttingen, Dr. Wilhelm Loewenstein, Bochum, und Dr. Roland Olschewski, Göttingen.