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Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz in:

Volker Bergen, Wilhelm Löwenstein, Roland Olschewski

Forstökonomie, page 315 - 331

Volkswirtschaftliche Ansätze für eine vernünftige Umwelt- und Landnutzung

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4552-7, ISBN online: 978-3-8006-4553-4, https://doi.org/10.15358/9783800645534_315

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

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Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 17.1. Gründe für den Außenhandel Volkswirtschaften sind in der Regel keine autarken Systeme, sie sind vielmehr durch den internationalen Austausch von Gütern und Forderungen mit anderen Volkswirtschaften verflochten. Mit der Analyse von ökonomischen Beziehungen zwischen Volkswirtschaften beschäftigt sich die Außenwirtschaftstheorie. Sie versucht, Antworten auf die folgenden Fragen zu geben: (1) Warum wird Außenhandel betrieben? Sind Vorteile im Sinne von Wohlfahrtssteigerungen damit verbunden? (2) Welches sind die Prinzipien der internationalen Arbeitsteilung? Unter welchen Bedingungen kommt ein Güteraustausch zwischen einzelnen Volkswirtschaften zustande? Wie bestimmen sich seine Struktur und sein Umfang? (3) Welche Faktoren bestimmen das Tauschverhältnis zwischen exportierten und importierten Waren? Wie bildet sich das Tauschgleichgewicht und welches Tauschverhältnis entspricht ihm? (4) Welche Faktoren bestimmen die Zahlungsbilanz eines Landes und welche Zusammenhänge bestehen zwischen ihr, dem Wechselkurs und der internen Stabilität (Volkseinkommen, Beschäftigung und Preisniveau) des Landes? Aus forst- und holzökonomischer Sicht interessieren vor allem Antworten auf die ersten drei Fragen, die dem Bereich der Außenhandelstheorie zuzuordnen sind. Die vierte Frage bildet den Gegenstand der monetären Außenwirtschaftstheorie, die mehr gesamtwirtschaftlich als sektoral orientiert ist. „Die Vielfalt möglicher Bestimmungsgründe der Warenstruktur von Exporten und Importen schließt eine monokausale Erklärung von Außenhandelsströmen aus“ (D. Bender, 2003, S. 478). Um die Auswirkung spezifischer Einflussfaktoren auf den Handel zu analysieren, müssen daher mehrere Typen von Erklärungsmodellen entwickelt werden, die jeweils nur einen Teilbereich internationaler Handelsbeziehungen erfassen. Dies gilt auch für den Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz, verschiedene Warengruppen lassen sich den unterschiedlichen Erklärungsmodellen zuordnen. Substitutionsmodell Dieser Erklärungsansatz der Außenhandelsstruktur bezieht sich auf Güter, die sowohl im Inland als auch im Ausland hergestellt werden können. In beiden Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 307 Volkswirtschaften besteht damit ein substitutives Verhältnis zwischen der Inlandserzeugung und dem Import eines Gutes bzw. zwischen der Inlandsverwendung und dem Export dieses Gutes. Die Richtung des Außenhandels wird nun durch einen Preisvergleich zwischen den inländischen und den ausländischen Preisen bestimmt. Inländer kaufen ausländische Güter dann, wenn sie billiger als inländische Güter sind. Das Inland wird ein Gut exportieren, wenn es einen absoluten Preisvorteil hat. Es wird ein Gut importieren, bei dem es einen absoluten Preisnachteil hat. Wir wollen uns diesen Erklärungsansatz an einem einfachen Beispiel genauer ansehen. Zwei Länder, Deutschland und die USA, produzieren im Autarkiezustand, also vor Aufnahme des Außenhandels, zwei homogene Güter, Holz und Bier. Die Autarkiepreise betragen in der jeweiligen Landeswährung für Holz 750 €/m3 bzw. 600 $/m3 und für Bier 60 €/hl bzw. 100 $/hl (hl = Hektoliter). Diese Informationen ermöglichen einen Preisvergleich zwischen den beiden Gütern in jedem der beiden Länder: Deutschland: 750 €/m3: 60 €/hl = 12,5 hl/m3 USA: 600 $/m3 : 100 $/hl = 6 hl/m3 In Deutschland muss man für einen m3 Holz 12,5 hl Bier bezahlen, in den USA dagegen nur 6 hl Bier. Holz ist also in Deutschland relativ teurer als in den USA, Deutschland hat also einen relativen Preisnachteil bei Holz im Vergleich zu den USA. Bei Bier hat Deutschland dagegen einen relativen Preisvorteil gegenüber den USA. Die Käufer eines Gutes interessieren sich aber nicht für relative, sondern für absolute Preisvorteile. Sie prüfen, bei welchem Verkäufer sie ein Gut absolut billiger erwerben können. Um das herauszufinden, muss man die Preise in einer einheitlichen Währung, z.B. in € ausdrücken. Dies ermöglicht der Wechselkurs, hier also der Dollarkurs €/$. Ein Wechselkurs bildet sich erst dann, wenn zwischen Volkswirtschaften Wirtschaftsbeziehungen bestehen. Im Falle der Autarkie gibt es keinen Wechselkurs. Da der Außenhandel absolute Preisvorteile voraussetzt, kann der Wechselkurs nur solche Werte annehmen, bei denen solche Preisvorteile existieren. In unserem Beispiel kann der Wechselkurs nur zwischen 0,60 und 1,25 €/$ liegen. Bei einem Wechselkurs unter 0,60 €/$ würden in den USA Holz unter 360 € und Bier unter 60 € kosten. Die USA hätten also bei beiden Gütern einen absoluten Preisvorteil, ein Außenhandel käme nicht zustande. Deutschland würde gern beide Güter importieren, da es aber in die USA nicht exportieren kann, könnte es die Importe nicht mit $ bezahlen. Bei einem Wechselkurs über 1,25 €/$ würden in den USA Holz über 750 € und Bier über 125 € kosten, auch hier käme kein Außenhandel zustande. Die USA hat in beiden Gütern einen absoluten Preisnachteil. Würde Deutschland nach den USA exportie- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre308 ren, dann erhielte es $, mit dem es aber nichts anfangen könnte, da sich ein Import von Gütern nicht lohnt. Bei einem Wechselkurs zwischen 0,60 und 1,25 €/$ besitzt Deutschland einen absoluten Preisvorteil bei Bier und die USA einen solchen bei Holz. Bei einem Wechselkurs von 0,90 €/$ kosten in den USA Holz 540 €/m3 und Bier 90 €/hl. Bier ist dann in Deutschland absolut billiger. Deutschland exportiert Bier. Holz ist in den USA absolut billiger, Deutschland importiert Holz. Außenhandel kommt zustande. Die relativen oder komparativen Preisvorteile sind also eine notwendige Bedingung für absolute Preisvorteile. Sind sie auch hinreichend? Ist es nicht auch ohne Berücksichtigung eines Wechselkurses vorteilhaft, Außenhandel zu treiben? Bier ist in Deutschland relativ billiger. Für einen hl Bier erhält ein Händler in Deutschland 0,08 m3 Holz. Er transportiert nun einen hl Bier in die USA und verkauft ihn dort zu 100 $. Dafür kauft er in den USA 0,1667 m3 Holz und transportiert sie nach Deutschland. Sein Handelsgewinn beträgt 0,0867 m3. Relative Preisvorteile sind also nicht nur notwendige, sondern auch hinreichende Bedingungen für Außenhandel. Um diesen Handelsgewinn zu realisieren, muss der Händler ein naturales Tauschgeschäft machen. Er tauscht nicht Geld gegen Ware, sondern Ware gegen Ware. In einer monetären Weltwirtschaft ist dies nicht typisch für den Außenhandel. Solche Gegengeschäfte kommen allerdings vor, insbesondere mit Ländern mit Weichwährungen. Wenn wir von einem gegebenen Wechselkurs, z.B. 0,90 €/$ ausgehen, dann können wir das Tauschgleichgewicht in unserem Beispiel bestimmen. Wir können uns dabei der graphischen Methode bedienen und Angebots- und Nachfragekurven verwenden. Die Abbildung 17.1 zeigt die Vorgehensweise. Als Schrittfolge empfiehlt sich: (1) Umrechnung der USA-Preise in €-Preise mit Hilfe des Wechselkurses. (2) Einzeichnen der Autarkie-Zustände in Deutschland und den USA. (3) Bestimmung der Weltmarktgleichgewichte. (4) Bestimmung der Marktgleichgewichte mit Außenhandel auf den deutschen und amerikanischen Märkten. Welche Preis- und Mengeneffekte hat der Außenhandel nun für den deutschen Holzmarkt? Zu dem heimischen Angebot an Holz AD tritt nun noch das ausländische Angebot an Holz AU. Es entsteht ein Angebotsüberschuss beim Autarkiepreis von 750 €/m3. Der Holzpreis sinkt auf 650 €/m3. Dies ist gleichzeitig der Weltmarktpreis für Holz. Die Nachfrage der deutschen Holzwirtschaft erhöht sich dadurch von HD0 auf HD. Der Holzimport führt somit zu einer Erhöhung der heimischen Holzversorgung, allerdings geht sie zum Teil zu Lasten der heimischen Produktion, die durch den Preisverfall auf HD1 reduziert wird. In den USA treten die umgekehrten Effekte auf. Das Substitutionsmodell der internationalen Arbeitsteilung führt somit zur internationalen Preisangleichung bei zunehmender Abweichung der nationalen Produktionsstrukturen. Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 309 Ex Im 750 650 540 USA $ * € / $ = € Deutschland Weltmarkt € Bild a: Holz-Außenhandel 90 60 81,25 Bild b: Bier-Außenhandel USA $ * € / $ = € Deutschland Weltmarkt € hl DUN + UN UN DN DN UN UDN + DUA + UDA + DA UA DA DA UA UB U0B U 1B DBD0B D 1B UH U0H U 1H DHD0H D 1H WB WH 3m W Hp W BpEx Im hl 3m3m hl UA DN Abb. 17.1: Substitutionsmodell Hat Deutschland einen Vorteil durch den Holzimport? Hierüber geben die Terms of Trade (ToT) Auskunft. Die Terms of Trade sind das internationale Austauschverhältnis zwischen den Importen und den Exporten eines Landes, also der Quotient zwischen dem Exportpreis und dem Importpreis. Sie betragen in unserem Beispiel pBW : pHW = 81,25 €/hl : 650 €/m3 = 0,125 m3/hl. Dies besagt, dass Deutschland für einen hl Bier, den es der Inlandsverwendung entzieht und im Ausland verkauft, als Gegenleistung des Auslandes 0,125 m3 Holz erhält. Bei Autarkie betrug die Gegenleistung eines inländischen Bierkäufers lediglich 0,08 m3 Holz. Der marginale Außenhandelsgewinn beträgt somit 0,125 m3 - 0,08 m³ = 0,045 m3 Holz. Auch die USA gewinnen durch den Außenhandel. Ihre ToT betragen pHW : pBW = 650 €/m3 : 81,25 €/hl = 8 hl/m3. Der marginale Außenhandelsgewinn beträgt hier 8 hl - 6 hl = 2 hl Bier. Beide Länder profitieren von dem Außenhandel. Das gilt aber nicht für alle acht am Handel mit Holz und Bier beteiligten Gruppen. Die Verlierer beim Holzhandel sind die deutschen Anbieter und die amerikanischen Nachfrager. Wegen der deutschen Holzpreissenkung sinkt die Produzentenrente der deutschen Forstbe- Dritter Teil: Forstliche Marktlehre310 triebe. Wegen der amerikanischen Holzpreiserhöhung sinkt die Produzentenrente der amerikanischen Holzwirtschaft. Wie erklärt sich dieser vermeintliche Widerspruch? Durch den Import erhöht sich die Produzentenrente der deutschen Holzwirtschaft stärker als die Produzentenrente der deutschen Forstwirtschaft sinkt. Die Holzwirtschaft könnte die Forstwirtschaft entschädigen und behielte dennoch einen Nettogewinn für sich. Tatsächlich findet die Entschädigung aber nicht statt. Widerstände gegen den Freihandel können damit begründet werden. Der Holzimport hat auf dem deutschen Holzmarkt zu einer erweiterten Marktangebotskurve geführt. Zum Binnenangebot ist das Außenangebot getreten. Im Abschnitt 16.2 haben wir wichtige Determinanten des Binnenangebots analysiert. Um welche Determinanten sind sie zu erweitern, um auch den Markteinfluss des Außenangebots erfassen zu können? Das Exportangebot der USA ist der jeweilige Angebotsüberschuss gemessen am Autarkiezustand. Der Angebotsüberschuss ist die jeweilige Mengendifferenz aus dem USA-Angebot und der USA-Nachfrage. Das bedeutet, dass alle Determinanten der Angebots- und Nachfragefunktionen der USA zu Determinanten des Angebots auf dem deutschen Markt werden. Hierzu zählen die USA-Erzeugerpreise für Holz, die USA- Faktorpreise der Holzproduktion, die amerikanische Konjunktur, der kurzfristige US-Zinssatz und anderes mehr. Die Lage der amerikanischen Angebots- und Nachfragekurve wird darüber hinaus vom Wechselkurs beeinflusst, so dass auch der Wechselkurs eine Determinante der Exportnachfrage der USA ist. Wir können aus Zeitgründen nicht näher auf diese Determinanten und ihre Einflüsse auf den deutschen Holzmarkt eingehen. Es ist aber deutlich geworden, dass der Au- ßenhandel die Marktanalyse erheblich kompliziert. Verfügbarkeitsmodell Dieser Erklärungsansatz der Außenhandelsstruktur bezieht sich auf Güter, die entweder im Inland oder im Ausland hergestellt werden können. Mangelnde Liefermöglichkeiten im Importland sind hier der Bestimmungsgrund der Warenstruktur des Außenhandels. Für Deutschland liegen solche Nicht-Verfügbarkeiten z.B. für tropische Laubhölzer vor. Die klimatischen Bedingungen lassen eine deutsche Produktion dieser Baumarten nicht zu. Der internationale Austausch solcher Güter orientiert sich dann nicht mehr an Divergenzen relativer Autarkiepreise, sondern am Vorhandensein natürlicher, technologischer oder gesetzlicher Verfügbarkeitsmonopole. Besteht in Deutschland eine Nachfrage nach tropischen Laubhölzern, dann kann sie nur durch einen Import gedeckt werden. Der Außenhandel kommt dann zustande, wenn deutsche Nachfrage nach tropischen Laubhölzern bei einem Preis besteht, der über dem Autarkiepreis des Lieferlandes liegt. Die Situation zeigt die Abbildung 17.2. Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 311 Real * € / Real = € Ex Brasilien Deutschland Weltmarkt Im ImBH B0H B 1H BA 3m W Hp B Hp 3m DBN + DNBN BA Abb. 17.2: Verfügbarkeitsmodell Das Importangebot des Auslandes, hier z.B. Brasiliens, entspricht seinem Überschuss-Angebot bei Preisen, die über seinem Autarkiepreis pHB liegt. Dieses Importangebot trifft auf dem Weltmarkt, hier nur Deutschland, auf die heimische Nachfrage. Es bildet sich der Weltmarktpreis für tropisches Holz pHW mit der deutschen Importmenge Im. Die Determinanten des ausländischen Importangebots umfassen den Wechselkurs sowie alle Determinanten der ausländischen Angebots- und Nachfragefunktionen. Raumwirtschaftsmodell Das Substitutionsmodell kommt zu dem Ergebnis, dass ein Gut nur entweder exportiert oder importiert wird. Fallen bei der Lieferung der Güter erhebliche Transportkosten an, dann ist es möglich, dass ein homogenes Gut von einem Land gleichzeitig exportiert und importiert werden kann. Im Substitutionsmodell wird ein Gut dann exportiert, wenn der Inlandspreis niedriger ist als der Auslandspreis. Existieren Transportkosten, dann wird ein Gut dann exportiert, wenn der Inlandspreis ab Werk bzw. frei Waldstraße plus den Stück-Transportkosten bis Empfänger, also der cif-Importpreis (cif = cost, insurance, freight) geringer ist als der Auslandspreis am gleichen Ort. Wir können uns den Einfluss der Transportkosten auf die Warenstruktur des Außenhandels graphisch verdeutlichen. Ein homogenes Gut wird von einem deutschen Produzenten AD und von einem tschechischen Produzenten AT angeboten. Der deutsche Ab-Werk-Preis und der tschechische Ab-Werk-Preis stimmen überein. Die Kreise um die Produktionsstätten der Anbieter geben das Gebiet an, in dem die Produzenten ohne Transportkostenaufschlag auf die Ab- Werk-Preise liefern. Für Lieferungen außerhalb dieses Gebietes verlangen sie zusätzliche Transportkosten. Für den deutschen Nachfrager ND ist somit der Dritter Teil: Forstliche Marktlehre312 Kauf beim tschechischen Anbieter AT günstiger als beim deutschen Anbieter AD. Die gleiche Überlegung gilt für den tschechischen Nachfrager NT. Deutscher Import Deutscher Export Tschechien Deutschland Staatsgrenze TN DN DA TA Abb. 17.3: Raumwirtschaftsmodell Die Abbildung zeigt, dass Deutschland nach Tschechien in das quer gestreifte Gebiet exportieren kann und gleichzeitig aus Tschechien für das längs gestreifte Gebiet importieren kann. Intrasektoraler Außenhandel mit homogenen Produkten ist zustande gekommen. Basis dieses Außenhandels ist die Standortverteilung und nicht mehr die unterschiedliche Struktur der Ab-Werk-Preise. Die Transportkosten werden damit ebenfalls zu einer Determinante des Außenhandels. Für Deutschland trifft dieses Erklärungsmodell für die meisten europäischen Holzarten zu. Modell der heterogenen Konkurrenz Nicht nur Preisunterschiede, Verfügbarkeitsmonopole oder Transportkostenunterschiede lassen Außenhandel zustande kommen. Ein großer Teil des Handels mit Waren zwischen reichen Industrieländern lässt sich mit der Vielschichtigkeit und der weiten Auffächerung der Käuferpräferenzen erklären. Die Produzenten versuchen mit einem nach Qualität, Aufmachung und Markengebung stark differenzierten Produktangebot diesen Käuferwünschen zu entsprechen. Dies führt zu einer heterogenen Konkurrenz, bei der die Anbieter durch strategisches Marketing Marktmacht gewinnen. Die Abbildung 15.9 des Abschnittes 15.4 zeigt eine solche erfolgreiche Marketing-Strategie, die hier als Abbildung 17.4 nochmals wiedergegeben wird. Märkte mit heterogener Konkurrenz eröffnen die Möglichkeit, dass ausländische Produkte trotz eines gegenüber inländischen Substituten höheren Preises importiert werden, weil sie sich im Bewusstsein der Käufer durch qualitative Besonderheiten auszeichnen, die den Preisnachteil ausgleichen. Heterogene Konkurrenz gibt außerdem den Produzenten die Möglichkeit, ihr Absatzrisiko dadurch Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 313 zu mildern, indem auf zahlreichen Exportmärkten angeboten wird. Die Produktdifferenzierung führt dann sowohl zu Exporten als auch zu Importen innerhalb der gleichen Güterkategorie. Auch hierdurch kann intrasektoraler Außenhandel zustande kommen. Für die Analyse ergibt sich hieraus eine andere Marktform, und zwar die der monopolistischen Konkurrenz, die wir bereits im Abschnitt 15.4 kennen gelernt haben. Dieser Erklärungsansatz könnte ebenfalls für viele europäische Holzarten zutreffen. Preis-Absatzfunktionen Grenzumsätze Grenzkosten p X0 0X 1X 0p 1p Abb. 17.4: Heterogene Konkurrenz Märkte mit heterogener Konkurrenz eröffnen die Möglichkeit, dass ausländische Produkte trotz eines gegenüber inländischen Substituten höheren Preises importiert werden, weil sie sich im Bewusstsein der Käufer durch qualitative Besonderheiten auszeichnen, die den Preisnachteil ausgleichen. Heterogene Konkurrenz gibt außerdem den Produzenten die Möglichkeit, ihr Absatzrisiko dadurch zu mildern, indem auf zahlreichen Exportmärkten angeboten wird. Die Produktdifferenzierung führt dann sowohl zu Exporten als auch zu Importen innerhalb der gleichen Güterkategorie. Auch hierdurch kann intrasektoraler Außenhandel zustande kommen. Für die Analyse ergibt sich hieraus eine andere Marktform, und zwar die der monopolistischen Konkurrenz, die wir bereits im Abschnitt 16.4 kennen gelernt haben. Dieser Erklärungsansatz könnte ebenfalls für viele europäische Holzarten zutreffen. 17.2. Export und Import von Holz und Waren aus Holz Der Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz kann in drei Gruppen eingeteilt werden. Das Einteilungskriterium ist die Produktionsstufe, die wir bereits bei der schematischen Darstellung des forst- und holzwirtschaftlichen Produktionsprozesses in Abbildung 15.1 verwendet haben. Die erste Gruppe umfasst das Holz Dritter Teil: Forstliche Marktlehre314 als Rohstoff, das Rohholz genannt wird. Die zweite Gruppe umfasst das Holz als be- oder verarbeitendes Zwischenprodukt, das als Holzhalbware bezeichnet wird. Die dritte Gruppe umfasst das Holz als Enderzeugnis für Konsum- oder Investitionszwecke, das als Holzfertigware bezeichnet wird. Diese Unterscheidung erscheint unter marktanalytischen Gesichtspunkten sinnvoll, da jeweils andere Anbieter und Nachfrager auf den verschiedenen Märkten auftreten. Empirische Informationen über den Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz bietet die Außenhandelsstatistik. Für Deutschland finden sich Informationen über Mengen und Werte in der Reihe Außenhandel des Statistischen Bundesamtes, 51000-0007 Aus- und Einfuhr: Deutschland, Jahre, Länder, Warensystematik. Die Waren sind zu Gruppen entsprechend dem Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik zusammengefasst. Für analytische Zwecke sind Informationen über die wichtigsten Ursprungs- und Bestimmungsländer von Bedeutung. Die Bedeutung bemisst sich am Wert des Exportes oder Importes unter Berücksichtigung der allgemeinen Außenhandelsentwicklung. Bedeutende Außenhandelspartner bei einer Warengruppe sind solche Länder, deren Export- oder Importwert 1997 mindestens 30 Mill. €, 2004 mindestens 35 Mill. € und 2010 mindestens 40 Mill. € betrug. Außenhandel mit Rohholz Der Rohholz-Außenhandel umfasst die Warengruppe Nr. 511 Rundholz. Der gesamte Rohholzaußenhandel zeigt in den drei ausgewählten Jahren erhebliche Veränderungen. Die Ausfuhrüberschüsse der Jahre 1997 und 2004 haben sich im Jahre 2010 in einen Einfuhrüberschuss verkehrt. Dabei ist zu beachten, dass die Einfuhren mit c.i.f.-Preisen bewertet werden, die Ausfuhren dagegen mit den niedrigeren f.o.b.-Preisen. Es gilt der in der Abb. 17.5 dargestellte Zusammenhang. Cost, insurance, freight (c.i.f.) Preis Free on board (f.o.b.) Preis Insurance, freight (i.f.) Preisaufschlag Importeur Bestimmungsland Landesgrenze Hafen Waldstraße Werk Abb. 17.5: Außenhandelspreise Im Betrachtungszeitraum fand ein erheblicher Rohholzaußenhandel nur mit sieben Ländern statt. Als wichtige Importländer erscheinen die EU-Länder der Eurozone Frankreich und Belgien/Luxemburg sowie die EU-Länder Polen und Tschechien. Bedeutende Ausfuhren finden mit den Euroländern Österreich und Italien sowie mit China statt. Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 315 Im Betrachtungszeitraum fand ein Strukturwandel statt. 2004 ist Belgien/Luxemburg, 2010 Italien und China als bedeutende Handelspartner ausgeschieden, Frankreich und Polen als wichtige Importeure hinzugekommen. Wichtigster Handelspartner ist Österreich. Kein Land war und ist sowohl ein bedeutender Exporteur als auch Importeur. Bedeutender intrasektoraler Außenhandel findet bei Rohholz also nicht statt. Als dominierender Erklärungsansatz bietet sich somit das Substitutionsmodell an. Der Strukturwandel im gesamten Außenhandel kann dann damit begründet werden, dass von 2004 auf 2010 Deutschland seinen Preisvorteil in einen Preisnachteil verwandelt hat. Tab. 17.6: Rohholz-Außenhandel Rundholz EGW Nr. 511 Einfuhr Ausfuhr Land 1.000 t Mill.€ 1.000 t Mill. € Gesamt 1997 1.220 204,1 2.776 202,6 2004 1.718 207,3 4.754 241,1 2010 5.672 469,7 3.102 289,9 Österreich 1997 - - 841 67,5 2004 - - 2.149 138,2 2010 - - 1.357 118,9 Italien 1997 - - 396 34,3 2004 - - 484 41,0 2010 - - - - Frankreich 1997 - - - - 2004 - - - - 2010 955 54,0 - - Belgien/Luxemburg 1997 311 31,7 - - 2004 - - - - 2010 - - - - Polen 1997 - - - - 2004 - - - - 2010 1.227 71,3 - - Tschechien 1997 372 34,3 - - 2004 - - - - 2010 971 92,1 - - China 1997 - - - - 2004 - - 328 36,1 2010 - - - - Dritter Teil: Forstliche Marktlehre316 Außenhandel mit Holzhalbwaren Die Holzhalbwaren werden in vier Warengruppen zusammengefasst. Die Warengruppe Nr. 607 umfasst „Schnittholz“, Nr. 608 erfasst „Halbstoffe aus zellulosehaltigen Faserstoffen“, Nr. 708 enthält „Papier und Pappe“ und Nr. 709 „Sperrholz, Span-, Faserplatten, Furnierblätter u. ä.“. Außenhandel mit Schnittholz Die Tabelle 17.7 zeigt diesen Außenhandel. Der gesamte Schnittholzaußenhandel weist im Jahr1997 einen erheblichen Importüberschuss auf. Das gilt sowohl mengen- als auch wertmäßig. Danach nimmt der Export stark zu und bewirkt in den Jahren 2004 und 2010 einen zunehmenden Exportüberschuss. Im Betrachtungszeitraum waren 23 Länder wichtige Handelspartner. Nur mit Österreich, Tschechien, Polen und den USA ergab sich ein bedeutender intrasektoraler Au- ßenhandel. Mit den übrigen 19 Ländern bestanden nur entweder wichtige Import- oder Exportbeziehungen. Wichtigster Handelspartner, gemessen an der Summe von Einfuhr- und Ausfuhrwert, ist Österreich. Tab. 17.7: Schnittholz-Außenhandel Schnittholz EGW Nr. 607 Land Einfuhr Ausfuhr 1.000 t Mill. € 1.000 t Mill. € Gesamt 1997 3.244 1.147,3 2.145 446,5 2004 3.136 1.127,4 3.697 1.243,5 2010 2.678 1.235,0 4.465 1.655,5 Österreich 1997 203 67,5 248 45,0 2004 285 115,4 212 89,9 2010 340 144,8 579 213,2 Frankreich 1997 - - 614 73,7 2004 - - 636 180,1 2010 - - 631 242,1 Niederlande 1997 - - 242 57,3 2004 - - 332 89,2 2010 - - 508 151,0 Belgien 1997 - - 198 30,7 2004 - - 227 55,8 2010 - - 388 100,5 Italien 1997 - - 337 70,6 2004 - - 519 121,5 2010 - - 383 107,8 Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 317 Schnittholz EGW Nr. 607 Land Einfuhr Ausfuhr 1.000 t Mill. € 1.000 t Mill. € Spanien 1997 - - - - 2004 - - 141 52,3 2010 - - - - Finnland 1997 421 177,5 - - 2004 292 120,7 - - 2010 188 90,1 - - Schweden 1997 500 209,7 - - 2004 342 142,1 - - 2010 378 167,7 - - Tschechien 1997 371 72,1 - - 2004 155 47,5 - - 2010 241 99,2 96 43,3 Russland 1997 156 43,5 - - 2004 400 105,2 - - 2010 387 135,6 - - Polen 1997 279 61,4 - - 2004 181 59,9 - - 2010 139 70,7 181 72,3 Norwegen 1997 85 34,3 - - 2004 - - - - 2010 - - - - Litauen 1997 378 65,5 - - 2004 - - - - 2010 - - - - Lettland 1997 156 31,7 - - 2004 - - - - 2010 - - - - Schweiz 1997 - - 104 35,3 2004 - - 94 65,0 2010 - - 133 105,7 USA 1997 105 109,5 - - 2004 - - 730 254,9 2010 52 47,7 86 42,3 Kanada 1997 69 79,3 - - 2004 36 38,0 - - 2010 - - - - Dritter Teil: Forstliche Marktlehre318 Schnittholz EGW Nr. 607 Land Einfuhr Ausfuhr 1.000 t Mill. € 1.000 t Mill. € Malaysia 1997 51 47,1 - - 2004 - - - - 2010 - - - - Vereinigtes Königreich 1997 - - - - 2004 - - 251 86,0 2010 - - 309 115,3 Weiß-Russland 1997 - - - - 2004 372 54,6 - - 2010 - - - - Indonesien 1997 - - - - 2004 - - - - 2010 40 51,3 - - Saudi-Arabien 1997 - - - - 2004 - - - - 2010 - - 129 42,1 China 1997 - - - - 2004 - - - - 2010 - - 158 53,8 Als Erklärungsansatz bietet sich das Substitutionsmodell an. Für die Nachbarländer Österreich, Polen und Tschechien kommt dem Raumwirtschaftsmodell eine gewisse Bedeutung zu. Für die Tropenländer Malaysia und Indonesien könnte das Verfügbarkeitsmodell eine Rolle spielen, wenn man davon ausgeht, dass es für Tropenschnittholz kein enges Substitut gibt. Laubschnittholz wird vornehmlich noch von den Ländern USA und Kanada geliefert, wobei Kanada jedoch an Bedeutung verliert. Auch beim Schnittholz zeigt sich ein Strukturwandel. Litauen, Lettland, Norwegen und Malaysia verlieren an Bedeutung. China, Saudi-Arabien, Indonesien und das Vereinigte Königreich treten als bedeutende Handelspartner hinzu. Außenhandel mit Holzstoff und Zellstoff Der Außenhandel mit Holzstoff und Zellstoff der Warengruppe EGW 608 zeigt einen erheblichen Importüberschuss. Das gilt sowohl mengen- als auch wertmä- ßig. Im Jahr 2010 waren 14 Länder wichtige Handelspartner. Wichtigster Handelspartner ist Schweden. Ein bedeutender intrasektoraler Außenhandel fand nicht statt. Bis auf Italien und Polen, in die neuerdings Holzstoff und Zellstoff exportiert wird, sind alle übrigen Länder Importländer. Im Betrachtungszeitraum Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 319 ergab sich kein bemerkenswerter Strukturwandel. Als außenwirtschaftlicher Erklärungsansatz bietet sich das Substitutionsmodell an. Außenhandel mit Papier und Pappe Bei Papier und Pappe ergibt sich eine andere Situation. Hier liegt ein mengenund wertmäßiger Exportüberschuss vor. Mit 37 Ländern unterhielt Deutschland wichtige Außenhandelsbeziehungen, mit 16 Ländern war der Handel intrasektoral. Neben das Substitutionsmodell tritt hier gleichberechtigt das Modell der heterogenen Konkurrenz als Erklärungsansatz. Intrasektoraler Außenhandel besteht vor allem mit den westlichen entwickelten Ländern mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen. Wichtigster Handelspartner ist Schweden. Auffällig ist die in 1997 ausgewiesene Erweiterung der Zahl wichtiger Exportländer um zehn. Deutschland wird damit zum Netto-Exporteur bei Papier und Pappe. Außenhandel mit Furnieren, Sperrholz und Holzplatten Bei Furnieren, Sperrholz und Holzplatten ergeben sich wichtige Außenhandelsbeziehungen mit 19 Ländern. Auch bei dieser Warengruppe hat sich Deutschland vom Netto-Importeur zum Netto-Exporteur gewandelt. Mit acht Ländern findet ein intrasektoraler Außenhandel statt. Wichtigster Handelspartner ist Österreich. Auch hier kommt dem Modell der heterogenen Konkurrenz neben dem Substitutionsmodell eine Erklärungskraft zu. Der Außenhandel mit Holzhalbwaren ist im Vergleich zum Rohholzaußenhandel wesentlich intensiver. Das betrifft zum einen das Außenhandelsvolumen, zum anderen die Zahl wichtiger Handelspartner. Wichtigste Handelspartner sind gemessen am Außenhandelsvolumen Exportwert plus Importwert 2010 die Länder Österreich und Schweden. Noch immer dominiert das Substitutionsmodell als Erklärungsansatz. Das gilt vor allem für die Produkte der ersten Be- und Verarbeitungsstufe, also für Schnittholz, Holzmasse und Zellstoff. Bei der zweiten Be- und Verarbeitungsstufe gewinnt das Modell der heterogenen Konkurrenz an Bedeutung. Bei Papier, Pappe, Furnieren, Sperrholz und Holzplatten findet mit etwa der Hälfte der wichtigen Handelspartner ein intrasektoraler Außenhandel statt. Die Intensivierung des Exportes von Holzhalbwaren hat Deutschland inzwischen zu einem Nettoexporteur gewandelt. Außenhandel mit Holzfertigwaren Die Holzfertigwaren werden in drei Warengruppen zusammengefasst. Die Warengruppe 813 umfasst die „Papierwaren“, Nr. 814 erfasst „Druckerzeugnisse“ und Nr. 815 enthält „Holzwaren“. Außenhandel mit Papierwaren Der Papierwarenaußenhandel weist einen erheblichen Exportüberschuss auf. Das gilt sowohl mengen- als auch wertmäßig. Im Betrachtungszeitraum waren 28 Dritter Teil: Forstliche Marktlehre320 Länder wichtige Handelspartner. Mit 16 Ländern bestand ein intrasektoraler Au- ßenhandel. Wichtigster Handelspartner ist Frankreich. Als Erklärungsansätze eignen sich das Modell der heterogenen Konkurrenz und das Substitutionsmodell. Außenhandel mit Druckerzeugnissen Der Außenhandel mit Büchern, Karten, Noten und Bildern zeigt stets einen erheblichen Exportüberschuss. Das gilt sowohl mengen- als auch wertmäßig. Wichtiger Außenhandel besteht mit 16 Ländern. Wichtigster Handelspartner ist Österreich. Mit zehn Ländern bestand ein intrasektoraler Außenhandel. Außenhandelstheoretische Erklärungskraft kommt somit dem Modell der heterogenen Konkurrenz und dem Substitutionsmodell zu. Außenhandel mit Holzwaren Der Holzwarenaußenhandel zeigt in den letzten Jahren einen erheblichen Importüberschuss. Das gilt sowohl mengen- als auch wertmäßig. Deutschland unterhielt mit 15 Ländern wichtige Außenhandelsbeziehungen. Wichtigster Handelspartner ist Polen. Intrasektoraler Außenhandel fand nur mit vier Ländern statt. Als Erklärungsansätze bieten sich somit das Substitutionsmodell und das Modell der heterogenen Konkurrenz an. Auffällig ist die für 2010 verzeichnete starke Zunahme der Importe aus China. Der Außenhandel mit Holzfertigwaren ist etwas weniger intensiv als der Außenhandel mit Holzhalbwaren. Das Außenhandelsvolumen mit Holzfertigwaren beträgt nur etwa 80 %, die Zahl wichtiger Handelspartner nur etwa 60 % derjenigen mit Holzhalbwaren. Wichtigste Handelspartner sind gemessen am Außenhandelsvolumen die Länder Frankreich, Österreich und Polen. Dem Modell der heterogenen Konkurrenz kommt hier eine größere Bedeutung als dem Substitutionsmodell zu. Das gilt vor allem für den Handel mit Papierwaren und Druckerzeugnissen. Beim Handel mit Holzwaren dominiert weiterhin das Substitutionsmodell. Trotz einer starken Zunahme der Importe ist Deutschland noch immer ein Netto-Exporteur bei den Holzfertigwaren. Wir können feststellen, dass die Bedeutung des intrasektoralen Außenhandels mit Holz umso stärker wird, je mehr wir uns von der Rohstoffstufe entfernen und der Enderzeugnisstufe nähern. Konnte der Außenhandel mit Rohholz noch gut mit dem Substitutionsmodell in Beziehung gebracht werden, so kommt dem Modell der heterogenen Konkurrenz bei den Halb- und Fertigwaren eine größere Bedeutung zu, ohne allerdings das Substitutionsmodell als Erklärungsansatz vollständig abzulösen. Fasst man den gesamten Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz zusammen, dann ergibt sich für 2010 ein erheblicher Exportüberschuss, einem Import von 21.133 Mill. € stehen Exporte von 28.653 Mill. € gegenüber. Die wichtigsten Handelspartner sind beim gesamten Holzaußenhandel Kapitel 17: Außenhandel mit Holz und Waren aus Holz 321 die Länder Frankreich und Österreich, gefolgt von der Schweiz, Schweden, den Niederlanden und Polen. Zwar handelt es sich bei diesen Ländern um Nachbarn Deutschlands, da aber auch Russland, Brasilien, die USA und China bedeutende Handelspartner sind, kann man hier von einer Globalisierung der Holzmärkte reden. Kapitel 18: Vermarktung von Rohholz 18.1. Rohholz-Marktmodell Unter Rohholz versteht der Gesetzgeber gefälltes, entwipfeltes und entastetes Holz, auch wenn es entrindet, abgelängt oder gespalten ist. Rohholz wird nach Arten und Sortimenten unterschieden. In Deutschland gelten als wichtigste Rohholzarten Nadelrohholz von Fichte und Kiefer und Laubrohholz von Eiche und Buche. Stammholz ist Rohholz, das gesägt oder geschält werden soll. Stammholz wird nach Stärke und Güte sortiert (U. Lohmann, 1998, S. 60ff.). Die Stärke wird als Durchmesser in cm angegeben. Drei Güteklassen sind gebräuchlich: A umfasst gesundes Holz mit ausgezeichneten Arteigenschaften, B umfasst Holz von normaler Qualität mit nur geringen Fehlern, C umfasst Holz mit größeren Fehlern. Industrieholz ist Rohholz, das mechanisch zerkleinert oder chemisch aufgeschlossen werden soll. Industrieholz wird in drei Güteklassen eingeteilt: N (Normal) umfasst gesundes, nicht grobastiges Holz ohne starke Krümmung, F (Fehlerhaft) umfasst leicht anbrüchiges, grobastiges oder krummes Holz, K (Krank) umfasst stark anbrüchiges, jedoch gewerblich verwendbares Holz (U. Lohmann, 1998, S. 80f.). Anbieter von Rohholz sind in- und ausländische Forstbetriebe. Nachfrager nach Rohholz sind in- und ausländische Holzbearbeitungs-, Holzverarbeitungs- und Holzhandelsunternehmen. Die amtliche Statistik berichtet über die Rohholzmarktergebnisse seit 1963 in unterschiedlicher Weise. Bis 1992 einschließlich sind Rohholzbilanzen verfügbar, die eine Trennung von Stammholz und Industrieholz für Nadel- und Laubholz ermöglichen. Ausgewiesen werden Verkäufe aus dem laufenden Einschlag (Einschlagsprogramm), Lagerabbau (Restverkäufe aus früheren Kalenderjahren), Einfuhr, Ausfuhr und Inlandsverbrauch. Ab 1993 werden Einfuhr und Ausfuhr nur noch für Rohholz, also nicht mehr für Stamm- und Industrieholz getrennt ausgewiesen. Damit wird eine getrennte Marktanalyse für Stamm- und Industrieholz erschwert. Der technische Fortschritt in der Holzwirtschaft hat zudem die Substitutionalität zwischen den Rohholzdimensionen und Rohholzarten verstärkt. Beides spricht dafür, einen Markt für Rohholz insgesamt zu untersuchen. An ihm kann im Übrigen die marktanalytische Vorgehensweise generell dargestellt werden, die auch bei enger abgegrenzten Rohholzmärkten zu verwenden ist. Marktergebnisse Die Tabelle 18.1 zeigt die Marktergebnisse des deutschen Rohholzmarktes. Entsprechend dem Konzept der Rohholzbilanz setzt sich die gesamte gehandelte

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Zusammenfassung

Zur Forstökonomie liefert dieses Lehrbuch theoretisch fundierte Antworten auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes. Als umfassende Umweltökonomie bietet es dabei gleichzeitig Analysen, die sich mit der Vermarktung von Holz und Holzwaren auseinandersetzen und den ökonomischen trade-off zwischen Schutz und Nutzung der Wälder verdeutlichen. Es stellt sich ebenso den Herausforderungen, die sich aus der Globalisierung sowohl von Gütermärkten als auch – wie die internationale Klimaschutzdebatte zeigt – von Umweltproblemen ergeben.

Zur Neuauflage

Die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. die Klimaschutzdebatte wurden integriert. Der Fokus ist nun stärker auf Fragen des nationalen und internationalen Waldschutzes ausgerichtet.

Die Autoren

Prof. Dr. Volker Bergen, Göttingen, Dr. Wilhelm Loewenstein, Bochum, und Dr. Roland Olschewski, Göttingen.