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8.1 Fallstudie Existenzgründung in:

Marcus Oehlrich

Betriebswirtschaftslehre, page 516 - 523

Eine Einführung am Businessplan-Prozess

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4545-9, ISBN online: 978-3-8006-4546-6, https://doi.org/10.15358/9783800645466_516

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Businessplan Kapitelübersicht 8.1 Fallstudie Existenzgründung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507 8.2 Fallstudie T-Mobile vs. Vodafone . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513 OehlrichBWL.pdf 529 29.01.2013 08:18:38 8.1 Fallstudie Existenzgründung1 Ausgangssituation Anton Müller und Heinz Weis, zwei Hochschulabsolventen haben nach drei Jahren als Angestellte in einem weltweit bekannten Technologie-Konzern keine Lust mehr auf das Angestellten-Dasein. Sie überlegen daher, eine eigene Existenz zu gründen. Die Idee ist, eine neuartige Technologie zur Übertragung der digitalen Frequenzen auch für herkömmliche Fernsehgeräte zu einem Bruchteil des Preises, den die Vertreiber des digitalen Fernsehens für ihre Produkte verlangen, realisierbar zu machen. Mit einem Koffer voller Unterlagen, ihrer Dynamik und der Idee, ihr Unternehmen „Cybercom“ oder auch anders zu nennen, gehen sie zu ihrer Hausbank, der Verschuldnix AG, um über ein Existenzgründerdarlehen in Höhe von ca. 250 000 Euro zu verhandeln. Der zuständige Firmenkundenbetreuer, Herr Karl-Heinz Milewski, ein grauhaariger, älterer Herr in einem feinen dunkelblauen Anzug hört sich die Idee der beiden 30 Minuten lang an und lächelt dann mitleidig. Anschließend stellt er die Frage, wie hoch denn das Eigenkapital der beiden sei. Als diese erwidern, dass sie lediglich 5000 Euro aufbringen können, bittet er die beiden, sich doch zunächst ein paar Gedanken über die weitere Geldbeschaffung zu machen. Außerdem sollten Sie eine Plan-Bilanz für die Gründung erstellen sowie einen Liquiditätsplan für die kommenden 12 Monate, um eine mögliche Kreditvergabe abschließend beurteilen zu können. Diese sei aus seiner Sicht aber nicht sehr aussichtsreich. Nicht gerade ermutigt gehen unsere beiden Existenzgründer wieder nach Hause, um ihre „Hausaufgaben“ zu erledigen. Die beiden Gründer haben ihren Onkel Max für ihre Idee gewinnen können. Er stellt ihnen als Privatdarlehen 25 000 Euro zinslos zur Verfügung. Somit steht der Gründung der Cybercom GmbH nichts mehr im Wege. Außerdem ist er bereit, als Bürge gegenüber der Hausbank aufzutreten. 1 Lösungshinweise zur Fallstudie finden sich in Anhang 4. Problemstellung 1 Zunächst wollen sich die beiden über die Rechtsform ihres Unternehmens Gedanken machen, um darüber möglicherweise weiteres Eigenkapital zu beschaffen. Helfen Sie den beiden, indem Sie die möglichen Rechtsformen in Bezug auf die Eigenkapitalbeschaffung mit ihren Vorund Nachteilen gegenüberstellen und zu einer abschließenden Empfehlung gelangen. Hier ist nicht die Lösung entscheidend, sondern eine systematische Gegenüberstellung gemäß der acht Kriterien zur Wahl der Rechtsform. Lassen Sie sich bei Ihrer Empfehlung vom Ergebnis im Fortgang der Fallstudie nicht beeinflussen. Beachten Sie bei der Lösung der Problemstellung nur den Aufgabentext vor der Problemstellung 1. OehlrichBWL.pdf 531 29.01.2013 08:18:38 508 8 Businessplan Weiterhin tragen die Existenzgründer die Daten für die Bank zusammen, um daraus die geforderte Gründungsbilanz sowie den Liquiditätsplan für die kommenden 12 Monate zu erstellen. Vor kurzem wurde Heinz Weis ein schönes Büro mit einer kleinen Werkstatt angeboten, das ideal den Bedürfnissen des zu gründenden Unternehmens entsprechen würde. Das Büro hat eine Fläche von 100 qm zu einer Miete von 16,00 Euro/qm. Die angrenzende Werkstatt mit einer Fläche von 35 qm zu einem Quadratmeterpreis von 7,50 Euro. Drei Pkw-Stellplätze kosten pro Monat zusammen 90,00 Euro. An Nebenkosten sind etwa 250 Euro pro Monat zu veranschlagen. An laufenden Bürokosten werden 500 Euro pro Monat veranschlagt. In der ersten Phase wird an Personal eine Sekretärin, eine Verkaufssachbearbeiterin sowie ein Techniker benötigt. Zu den aufgrund der Marktlage erwarteten Bruttolöhnen kommen Nebenkosten von ca. 50% dazu, die ebenfalls zu kalkulieren sind. Die Bruttolöhne werden in der folgenden Tabelle zusammengestellt. Für die Pensionszusage der Sekretärin sind im Monat 120 Euro als Rückstellung zu bilden. Die Büroausstattung beinhaltet die Einrichtung von 4 Büros sowie ein Besprechungszimmer. Hier soll gespart werden und die Ausstattung über einen Möbelabholmarkt gedeckt werden. Trotz der kostengünstigen Beschaffung werden dafür 22 500 Euro benötigt. Steuerlich wird eine Nutzung über 10 Jahre angesetzt. Die PC-Ausstattung erfordert lediglich ca. 6000 Euro inklusive Drucker, weil ein früherer Studienkollege auf diesem Gebiet zwischenzeitlich ein gut laufendes Geschäft betreibt und mit günstigen Preisen behilflich ist. Die Nutzung wird hierbei vom Finanzamt mit 4 Jahren veranschlagt. Die Telefonanlage wird von der Telekom für 10 Jahre gemietet und kostet monatlich 175 Euro. Der Kopierer, das Faxgerät und ein für den Verkauf notwendiges Videogerät werden für zusammen 212,50 Euro pro Monat geleast. Der Leasingvertrag hat eine Laufzeit von 3 Jahren. Die Ausstattung der Werkstatt mit den benötigten Gerätschaften kostet ca. 75 000 Euro. Das Finanzamt rechnet mit einer Nutzung über 5 Jahre. In der Werkstatt werden lediglich Kleinteile benötigt, da die Komponenten für die Produkte, die verkauft werden sollen, in Asien eingekauft und in Deutschland lediglich montiert werden sollen. An Kleinteilen werden durchschnittlich pro Monat 750 Euro benötigt, die in jedem Monat zu berücksichtigen sind, egal wie hoch der Absatz ist. Die beiden Jungunternehmer wollen sich aufgrund ausgedehnter Akquisitionstouren jeweils ein Fahrzeug leisten. Die Leasingraten belaufen sich auf 500 Euro pro Monat für jeweils einen 5er BMW. Eine Anzahlung wird nicht fällig. Die laufenden Kosten wie Versicherungen, Autotelefon, Benzin und Wartung werden mit ca. 550 Euro pro Fahrzeug und Monat angesetzt. Position Monatsgehalt in Euro Anzahl der Monate Pensionszusage Sekretärin 3250 12 Ja Verkaufssachbearbeiterin 2700 12 Nein Techniker 3650 12 Nein OehlrichBWL.pdf 532 29.01.2013 08:18:38 8.1 Fallstudie Existenzgründung 509 Als Gehalt setzen Anton Müller und Heinz Weis für sich jeweils 2500 Euro an, die sie sich aber erst in guten Zeiten entnehmen wollen. Solange leben beide von den Gehältern ihrer Ehefrauen. Die Kosten für die Reisen zu den asiatischen Subunternehmern werden gesondert abgerechnet und werden mit ca. 1000 Euro pro Monat für das erste Jahr erwartet. Das Marktpotenzial für die zu verkaufenden Produkte wird für das erste Jahr als sehr gut bezeichnet. Um eine gute Marktakzeptanz sowie Marktdurchdringung zu gewährleisten, sollen drei Produkte mittels Preisdifferenzierung angeboten werden. Die Aufteilung der Absatzzahlen aus der vierten Spalte auf die Monate sieht wie folgt aus: Da das gesamte Fremdkapitalvolumen noch nicht bekannt ist, soll auf die Berücksichtigung von Fremdkapitalzinsen verzichtet werden. Das Muster zur Aufstellung des Liquiditätsplans sieht folgendermaßen aus: Produkttyp Nettomarktpreis in Euro je Stück Einkaufspreis der Komponenten in Euro je Stück Erwarteter Absatz in Stück Primus 28,75 7,50 1 850 Select 22,50 6,00 2 750 Basic 17,50 3,75 14 050 Typ Jan. Feb. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Primus 0 25 25 50 50 100 100 200 200 300 300 500 Select 0 25 50 75 100 150 200 250 300 350 500 750 Basic 0 50 100 250 400 500 750 1000 1500 2000 2500 5000 Problemstellung 2 Um die Höhe der langfristigen Fremdkapitalfinanzierung zu ermitteln, sollen Sie eine Bilanz für den Zeitpunkt der Gründung (Gründungsbilanz) erstellen. Ein evtl. fehlender Kapitalbetrag wird über ein langfristiges Gründungsdarlehen finanziert. Weiterhin haben Sie die Aufgabe, für die ersten 12 Monate einen Liquiditätsplan (kurzfristigen Finanzplan) zu entwickeln. Dieser soll den kurzfristigen Kapitalbedarf aufzeigen. Überlegen Sie, welche Daten dafür notwendig sind und welchen Aufbau der Liquiditätsplan aufweisen muss, um die Höhe des dafür notwendigen Kontokorrentkredits festzustellen. Verwenden Sie zur Lösung das nachfolgende Muster zur Aufstellung des Liquiditätsplans. Wenn Sie sich bei der Bearbeitung unsicher sind, geben Ihnen die nachfolgenden Bearbeitungshinweise weitere Tipps. Gehen Sie davon aus, dass sich alle Preisangaben ohne Mehrwertsteuer verstehen. Bei allen Überlegungen soll von einer Berücksichtigung der Mehrwertsteuer abgesehen werden. Beachten Sie bei der Lösung der Problemstellung nur den Aufgabentext vor der Problemstellung 2 inkl. der aktuellen Änderungen. OehlrichBWL.pdf 533 29.01.2013 08:18:38 510 8 Businessplan Hinweise zur Bearbeitung der Problemstellung 2: Erstellen Sie zunächst die Gründungsbilanz. Welche Vermögensgegenstände sind in die Bilanz aufzunehmen (Aktiva)? Denken Sie daran, dass nur Vermögensgegenstände aufgenommen werden dürfen, die sich im Eigentum des Unternehmens befinden, also nicht geleast oder gemietet sind. Die Gründungsbilanz beinhaltet zudem nur Positionen zum Zeitpunkt der Gründung; die im Text genannte Rückstellung z.B. wird erst später gebildet und gehört daher nicht in die Gründungsbilanz. Abweichend zu den bisherigen Fällen ist hier das Eigenkapital gegeben und das Fremdkapital ist zu ermitteln. Dazu müssen Sie die Bilanzsumme Aktiva mit dem vorhandenen Eigenkapital „vergleichen“. Der Fehlbetrag wird durch das Gründungsdarlehen (Fremdkapital) beschafft. Erstellen Sie danach den Liquiditätsplan, der alle Ein- und Auszahlungen enthält, die im ersten Jahr voraussichtlich anfallen werden. Berücksichtigen Sie auch hier wieder nur die Angaben, die bis zur Problemstellung 2 gegeben wurden. Treffen Sie erst einige Vorüberlegungen, welche der genannten Beträge Auszahlungen und/oder Aufwand darstellen. Nutzen Sie hierzu das obige Muster. Mit diesen Vorüberlegungen können Sie den Liquiditätsplan erstellen. Der Liquiditätsplan soll nur die laufenden Ein- und Auszahlungen enthalten. Die zahlungswirksamen Geschäftsvorfälle, die Sie bereits in der Bilanz berücksichtigt haben, müssen im Liquiditätsplan nicht mehr berücksichtigt werden. Da das Gründungsdarlehen genau den Fehlbetrag deckt, ist die Liquidität am Monatsanfang Januar gleich null. Die Einzahlungen ergeben sich über die Umsatzeinzahlungen. Diese berechnen sich bekanntermaßen als Preis × Menge. Über den Nettomarktpreis und die geplanten Absatzzahlen können Sie somit die Einzahlungen für jeden Monat ermitteln. Vielleicht gelingt es Ihnen, eine Formel in Microsoft EXCEL® vorzugeben, mit der Sie die Berechnung automatisieren können. Monat Januar Februar März April … Liquidität am Monatsanfang Absatz Primus Umsatzeinzahlungen Primus Absatz Select Umsatzeinzahlungen Select Absatz Basic Umsatzeinzahlungen Basic = Summe Einzahlungen Mietzahlungen Leasingzahlungen usw. … = Summe Auszahlungen = Cash Flow = Liquidität am Monatsende OehlrichBWL.pdf 534 29.01.2013 08:18:38 8.1 Fallstudie Existenzgründung 511 Die Auszahlungen sind bis auf den Wareneinsatz (Komponenten) in jedem Monat gleich. Der Wareneinsatz ist abhängig von den o.g. Absatzzahlen. Vielleicht können Sie auch hier mit einer Formel die Berechnung vereinfachen. Wenn Sie dann der Liquidität am Monatsanfang die Einzahlungen hinzuaddieren und die Auszahlungen abziehen, erhalten Sie die Liquidität am Monatsende. Diese können Sie wiederum als Anfangsliquidität des Folgemonats übernehmen. Fortgang der Fallstudie: Bei einer erneuten Vorstellung bei der Verschuldnix AG werden unsere beiden Existenzgründer vom jungen Firmenkundenberater Gustav Blank betreut. Dieser ist im Gegensatz zu seinem Kollegen von der Produktidee und dem Elan der beiden Jungunternehmer begeistert. Auf Grundlage der ihm vorliegenden Liquiditätsplanung bewilligt er ein Gründungsdarlehen für die Erstinvestitionen in Höhe von 100 000 Euro sowie einen Kontokorrentkredit für die laufenden Zahlungen in Höhe von 200 000 Euro. Da dies eine etwas geringere Liquidität als geplant ist, müssen sich die beiden Unternehmer überlegen, wie sie ca. 2500 Euro sparen. Sie entscheiden sich für eine kleinere Telefonanlage (monatliche Leasingrate 75 Euro) und günstigere Bürogeräte (monatliche Leasingrate 112,50 Euro). Im Laufe des Jahres stellt sich allerdings wie so oft bei Existenzgründungen heraus, dass der Absatz zu hoch und die Kosten zu niedrig angesetzt wurden. Aus diesem Grund gewährt Herr Blank den beiden Gründern einen um 65 000 Euro höheren Kontokorrentkredit. Da Onkel Max hierfür nicht mehr bürgen möchte, erhält die Bank als Gegenleistung eine Globalzession auf alle Forderungen der Cybercom GmbH. Vor allem die Absatzseite ließ sehr zu wünschen übrig und stellt sich am Jahresende wie folgt dar: Auf der Aufwandsseite haben sich vor allem folgende Aufwandsarten nachhaltig negativ entwickelt: Typ Jan. Feb. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Primus 0 0 14 21 32 55 87 187 201 256 244 321 Select 0 0 54 64 76 122 167 221 235 318 443 531 Basic 0 30 46 141 156 237 578 782 976 1457 1675 2534 Aufwand Jan. Feb. März Apr. Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Bürokosten 1500 870 1200 1320 670 780 1230 1440 1600 1800 980 880 Kleinteile 1800 3000 1250 1500 1450 1750 2200 2300 1700 1600 1800 2300 Kfz-Kosten* 3200 2400 2000 3600 4000 4500 4800 4600 4500 5000 5600 4000 Reisekosten 4500 5000 2000 2100 3600 4000 6500 1000 1500 4500 6000 3000 * Die Kfz-Kosten verstehen sich ohne Leasing-Raten. OehlrichBWL.pdf 535 29.01.2013 08:18:38 512 8 Businessplan Bei einer vorläufigen Aufstellung einer fortgeschrieben Gewinn- und Verlustrechnung stellen die beiden Existenzgründer zu ihrem Schrecken fest, dass der Verlust exorbitant hoch ausfallen wird, wenn sich nichts Wesentliches ändert. Da sie außerdem wissen, dass Banken vor allem auf den Gewinn und weniger auf die Liquidität bei existierenden Unternehmen schauen, überlegen sie sich, was sie unternehmen können, um die Kündigung der Kreditlinien zu verhindern. Dies hätte nicht nur den Verlust ihres gesamten Privatvermögens zur Folge, sondern auch die Verpflichtung ihres Onkels, aus der Bürgschaft die Bank zu bezahlen. Dies wollen sie unbedingt verhindern. Sie korrigieren die der Bank vorzulegenden geplanten Absatzmengen für das 2. Jahr nach oben und kaufen sowohl im Oktober, im November als auch im Dezember jeweils 2000 Stück Komponenten der einzelnen Produkttypen ein. Außerdem erwerben Sie im Oktober, November und Dezember jeweils für 1500 Euro zusätzliche Kleinteile, die sie für den Zusammenbau dieser zusätzlichen Stückzahlen benötigen. Am Jahresende bewerten Sie in Absprache mit ihrem Steuerberater Max Schlau, einem langjährigen Freund aus Studientagen, die auf Lager liegenden Produkte aufgrund der Montage und Veredelung der eingekauften Komponenten mit folgenden Preisen: Es kann weiterhin davon ausgegangen werden, dass alternativ am Kapitalmarkt Gelder zu 10% angelegt werden können. Die Inflationsrate wird in den nächsten 10 Jahren mit 2% pro Jahr als konstant angenommen. Alle Abschreibungen verstehen sich linear. Typ Bilanzwert je Stück Primus 26,00 Select 20,50 Basic 15,50 Problemstellung 3 Erstellen Sie anhand der vorliegenden Angaben eine Ist-Bilanz und die Ist-Liquiditätsrechnung der Cybercom GmbH zum Ende des ersten Jahres. Weiterhin sollen Sie das Ergebnis des Unternehmens für das erste Jahr anhand einer Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Kostenrechnung ermitteln. Überlegen Sie sich zunächst, welche Rechnungen Sie zuerst erstellen sollten und wie welche Rechnungen voneinander abhängen. Der Liquiditätsplan soll wieder monatlich entwickelt werden. Den Gewinn bzw. Verlust der Gewinn- und Verlustrechnung können Sie zusammengefasst für das erste Jahr ermitteln. Wie beurteilen Sie die Lage der Cybercom GmbH anhand der vorliegenden Daten? OehlrichBWL.pdf 536 29.01.2013 08:18:38 8.2 Fallstudie T-Mobile vs. Vodafone 513 8.2 Fallstudie T-Mobile vs. Vodafone2 Hintergrundinformationen Sie sind Assistent des Vorstandes der Deutschen Telekom AG (DTAG) im Jahr 2003. Ihr Vorgesetzter, der Vorstandsvorsitzende Dr. Roland Winter, hat von einem „Freund“ erfahren, dass ein bedeutender Konkurrent der DTAG, die britische Vodafone Group Plc (Vodafone) derzeit ein neues Geschäftskonzept entwickelt. Vodafone ist das größte Unternehmen der Welt im Mobilfunkbereich und stellt ein breites Sortiment von Service-Angeboten bereit, einschließlich Sprach- und Datenkommunikation. Vodafone ist damit der größte Wettbewerber des Mobilfunkgeschäfts der Deutsche Telekom AG, das – wie Sie wissen – von der Tochtergesellschaft T-Mobile Deutschland GmbH (T-Mobile) geführt wird. Vodafone möchte den Gerüchten zufolge die Mobilfunktechnik dazu nutzen, um auch Dienste außerhalb des traditionellen Mobilfunkbereichs anzubieten. Der Freund hat auch ein paar Screenshots aus dem Vodafone Forschungs- und Entwicklungszentrums (Group R&D) mitgebracht. Kernstück des ganzen Konzeptes ist der sogenannte Communicator, den man sehr vereinfachend als völlig neuartiges Handy beschreiben könnte. Allerdings leistet der Communicator viel mehr als ein Handy; er ist eher – wie der Name schon sagt – eine Kommunikationszentrale. Der Communicator ist aber nicht die einzige Neuerung. Zusätzlich entwickelt Vodafone Geräte, die den Communicator ergänzen. Beispielsweise entwickelt Vodafone ein sogenanntes Visual Bracelet (Bracelet = engl. Armband), mit dem sich in Verbindung mit dem Communicator nicht nur Musikvideos downloaden und abspielen lassen, sondern das quasi auch als Video-Handy dienen kann. Für den Business-Einsatz wird für den Communicator auch ein sogenanntes Electronic Paper entwickelt, mit dem sich unterwegs Text und Grafiken darstellen lassen. Man kann sich etwa Word-Dokumente oder Excel-Dateien auf den Communicator übertragen und diese dann hochauflösend und ohne Kabel auf dem Electronic Paper darstellen lassen. Das Electronic Paper lässt sich sogar falten, so dass es platzsparend verstaut werden kann. Für den Privatanwender wurde aufbauend auf der Technologie des Electronic Paper ein sogenanntes Digital Score entwickelt. Hiermit lassen sich Filme und Musikvideos direkt vom Communicator aus abspielen. Zudem können Videospiele gespielt werden. Schließlich wird für medizinische Zwecke ein sogenanntes Sensor Bracelet entwickelt, mit dem bei Patienten mit einem hohen Krankheitsrisiko (z.B. Herzinfarkt) die lebenswichtigen Funktionen wie Herzschlag, Puls und Blutdruck online überwacht werden können. Im Notfall verbindet sich das Gerät selbst mit dem behandelnden Arzt, der dem Patienten Ratschläge geben oder einen Notarzt benachrichtigen kann. Dr. Winter ist außer sich, weil Vodafone damit ein ganz neues Geschäftsmodell umsetzen würde. Bislang hatte Vodafone im Bereich des Mobilfunks genau das gleiche Produktund Dienstleistungsangebot wie T-Mobile. Das würde sich mit den Neuentwicklungen ändern. Vodafone könnte auch Dienstleistungen anbieten, für die man bislang eine Kabelanbindung benötigte (beispielsweise für die Internetübertragungstechnik DSL). Weiter- 2 Die Fallstudie basiert auf der „Vodafone Future Vision“. Jedoch sind alle Daten und Personen frei erfunden. Wir danken Frau Gabriele Dangel, Group New Media Manager, Corporate Affairs, Vodafone Group. Lösungshinweise finden sich in Anhang 4. OehlrichBWL.pdf 537 29.01.2013 08:18:38

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Zusammenfassung

Dieses Lehrbuch vermittelt eine verständliche Einführung in die Betriebswirtschaftslehre mit einem Schwerpunkt auf den Managementfunktionen. Die Besonderheit besteht darin, dass es die betriebswirtschaftlichen Funktionen nicht getrennt voneinander darstellt, sondern die Praxiszusammenhänge, z.B. zwischen der Organisation und dem Strategischen Management, deutlich macht. Dies gelingt dadurch, dass der Erstellungsprozess eines Businessplans gemeinsame Grundlage ist.

Aufbau

1. Businessplan und Business Planning

2. Geschäftsmodell, Zielsystem und Strategie

3. Analyse von Markt, Kunden und Konkurrenten

4. Gestaltung der Wertschöpfung

5. Unternehmensstruktur

6. Rechnungswesen

7. Finanzierung, Shareholder Value und Wertmanagement

8. Businessplan