8 Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) in:

Michael Beyer, Reinhard Heyd, Daniel Zorn

Bilanzierung nach HGB in Schaubildern, page 126 - 134

Die Grundlagen von Einzel- und Konzernabschlüssen

1. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4502-2, ISBN online: 978-3-8006-4503-9, https://doi.org/10.15358/9783800645039_126

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8 8.1 Stellung der GuV-Rechnung im Jahresabschluss Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) ist neben der Bilanz wesentlicher Bestandteil des handelsrechtlichen Jahresabschlusses (§242 Abs.3 HGB) nach HGB. Sie ist im Rahmen der externen Rechnungslegung Teil der Unternehmenspublizität und stellt die Ertragslage des Unternehmens dar. Die GuV stellt Aufwendungen und Erträge eines Geschäftsjahres strukturiert gegenüber und erläutert die erfolgswirksamen Eigenkapitalveränderungen. Am Jahresende wird der GuV-Saldo auf das Eigenkapital, welches die verbindende Größe zwischen Bilanz und GuV darstellt, abgeschlossen. Die GuV ist daher ein Unterkonto der Position Eigenkapital in der Bilanz. Übersteigen die Erträge die Aufwendungen, erwirtschaftet das Unternehmen einen Gewinn. Übersteigen die Aufwendungen die Erträge, erwirtschaftet das Unternehmen einen Verlust. Aus der GuV lassen sich somit sowohl die Höhe als auch die Quellen des Unternehmenserfolgs erkennen. Als Zeitraum- bzw. Periodenrechnung berücksichtigt die GuV alle erfolgsrelevanten Daten einer Rechnungsperiode. Von der GuV unabhängig ist die Erfolgsermittlung des internen Rechnungswesens. Dieses wird der Unternehmenssteuerung zugrundegelegt und stellt vielmehr transparente Informationen auf Kostenträger- und Kostenstellen-Basis zur Verfügung. Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) Abb. 114: Stellung der GuV-Rechnung im Jahresabschluss Grundsätzlich: Jahresabschluss § 242 Abs. 3 HGB Bilanz Gewinn- und Verlustrechnung Anhang Jahresabschluss von Kapitalgesellschaften §§ 242 Abs. 3 i.V.m. 264 Abs. 1 Satz 1 HGB Bei kapitalmarktorientierten Unternehmen zusätzlich (§ 264 Abs. 1 Satz 1 HGB): + Lagebericht Eigenständig § 264 Abs. 1 Satz 1 HGB Kapitalflussrechnung Eigenkapitalspiegel Segmentberichterstattung + (ggf.) Implizit: §§ 238 ff. HGB Explizit: §§ 242, 275 ff. HGB 8 Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)122 Die gesetzlichen Grundlagen der GuV finden sich in § 242 HGB. Danach muss ein Kaufmann am Schluss eines Geschäftsjahrs eine Gegenüberstellung seiner Aufwendungen und Erträge erstellen. Ein GuV-Gliederungsschema für Kapitalgesellschaften ist in §275 HGB vorgegeben. Die wertmäßigen Veränderungen von Bilanzpositionen können regelmäßig über die GuV erklärt und nachvollzogen werden. So ist beispielsweise eine Wertminderung im Anlagevermögen über die GuV-Positionen „Abschreibungen“ respektive „Erträge/ Aufwendungen aus dem Abgang vom Anlagevermögen“ zu erklären. Die GuV ist im Rahmen der Jahresabschlusserstellung einmal jährlich aufzustellen. Personengesellschaften sind in der Gestaltung der GuV (formale Gliederung) grundsätzlich frei. Aufgrund der Haftungsbeschränkung sind Kapitalgesellschaften an die formalen Gliederungsvorschriften des §275 HGB gebunden. Gemäß §242 Abs.3 HGB bilden die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Bilanz den Jahresabschluss nach dem Handelsgesetzbuch. Kapitalgesellschaften haben nach §242 Abs.3 HGB den Jahresabschluss um einen Anhang zu erweitern. Ggf. kann ein eigenständiges Rechnungslegungsinstrument, der sogenannte Lagebericht, hinzutreten. Kapitalmarktorientierte Unternehmen haben darüber hinaus eine Kapitalflussrechnung, einen Eigenkapitalspiegel sowie ggf. eine Segmentberichterstattung zu erstellen. Als zentrales Element der Ertragsdarstellung dient die GuV der Ermittlung des Periodenergebnisses und beeinflusst somit neben der Ausschüttung auch die Zahlungs- und Steuerbemessungsfunktion des handelsrechtlichen Jahresabschlusses. Die GuV wirkt über das Eigenkapital indirekt auf die Vermögenslage des Unternehmens ein. Abb. 115: Stellung der GuV-Rechnung im Jahresabschluss Gewinn- und Verlustrechnung als Unterkonto des Eigenkapitals EigenkapitalAnlagevermögen Umlaufvermögen Fremdkapital Bilanz zum 31.12.20xx GuV zum 31.12.20xx Umsatzerlöse sonstige Erlöse Personalaufwand Materialaufwand sonstiger Aufwand GewinnVerlust n-Erlöskonten n-Aufwandskonten 8.1 Stellung der GuV-Rechnung im Jahresabschluss 123 Aufgrund ihrer Aufgliederung ermöglicht die GuV einen hinreichenden Einblick in die Ertragslage des Unternehmens. Voraussetzung für eine Vergleichbarkeit ist die stetige Zuordnung von Aufwendungen und Erträgen zu den entsprechenden GuV Positionen. Dies ermöglicht sowohl den innerbetrieblichen Vergleich der unternehmerischen Ertragsentwicklung als auch einen zwischenbetrieblichen Vergleich von verschiedenen Unternehmen. Entsprechend der gewählten Rechtsform kann es zu einer regulierten Darstellung der GuV kommen. Während Personengesellschaften und Einzelunternehmer in der Darstellung relativ frei von formalen Vorschriften bzgl. der GuV sind, sind Kapitalgesellschaften an eine formelle Darstellung entsprechend des §275 HGB gebunden. Eine Abweichung von diesem Gliederungsschema ist nur möglich und geboten, wenn die Besonderheiten des Unternehmens dies erfordern und so ein besserer Einblick in die Ertragslage gegeben wird. Die Haftungsbeschränkung der Kapitalgesellschaften wird durch erweiterte Offenlegungspflichten „erkauft“. Da grundsätzlich nur das Unternehmensvermögen bei Kapitalgesellschaften haftet, benötigen externe Abschlussadressaten weitergehende Informationen bzgl. der Ertragslage. Die GuV stellt diese Informationen zur Verfügung. Da Gesellschafter der Personengesellschaftsformen einer uneingeschränkten Haftung unterliegen, sind grund- Abb. 116: Stellung der GuV-Rechnung im Jahresabschluss Gewinn- und Verlustrechnung Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, etc.) Einzelunternehmer, Personengesellschaften (OHG, KG, GbR, etc.) Pflicht zur Anwendung der allgemeinen Rechnungslegungsvorschriften (§§ 238 bis 263 HGB) Neben der doppelten Buchführung (Bilanz und GuV) sind besondere formale Vorschriften bzgl. der GuV anzuwenden Pflicht zur Anwendung der besonderen Vorschriften für Kapitalgesellschaften (§§ 264 bis 289 HGB) Pflicht zur Anwendung der allgemeinen Rechnungslegungsvorschriften (§§ 238 bis 263 HGB) Doppelte Buchführung (Bilanz und GuV) keine formalen Vorschriften bzgl. GuV 8 Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)124 sätzlich keine expliziten Anforderungen an die Darstellungsweise der GuV vorgeschrieben. Voraussetzung für die Anwendung der Gliederungsvorschriften des §275 HGB ist zum einen die Rechtsform (Kapitalgesellschaft – GmbH, AG, KGaA, etc.) sowie die Kaufmannseigenschaft nach den §§1 ff. HGB. In der Praxis ist zu beobachten, dass Personengesellschaften sich regelmä- ßig an das Gliederungsschema des §275 HGB anlehnen. Ansonsten wird eine stringente Umsetzung der vorgegebenen formalen Eigenschaften in der Praxis verfolgt. 8.2 Merkmale der Gewinn- und Verlustrechnung Bei der GuV handelt es sich um eine zeitraumbezogene Unternehmensrechnung. Hierbei geht es grundsätzlich um die Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge einer Rechnungsperiode sowie um die Erläuterung von Ursachen der Veränderungen einzelner Bilanzpositionen. Zusätzliche Informationen resultieren aus der Darstellung der Gewinnverwendung und ggf. Anhangangabeverpflichtungen bzgl. der GuV-Positionen. Die GuV ist zentrales Informationsinstrument der Ertragslage von Unternehmen. Aufwendungen und Erträge sind entsprechend ihres Anfalls in der GuV darzustellen und ggf. periodengerecht abzugrenzen. Abb. 117: Merkmale der GuV-Rechnung Zeitraumbezogen Erfassung sämtlicher erfolgsrelevanter Daten in einer Rechnungsperiode Darstellung Gewinn oder Verlust der Rechnungsperiode Erläuterung von Ursachen der Bilanzposten Gegenüberstellung von Erträgen und Aufwendungen Darstellung der Gewinnverwendung (Gewinnverwendungsrechnung) Gewinn- und Verlustrechnung Darstellung der Ertragslage 8.3 Gewinn- und Verlustrechnung nach Gesamt- und Umsatzkostenverfahren 125 8.3 Gewinn- und Verlustrechnung nach Gesamt- und Umsatzkostenverfahren Es wird eine Unterscheidung in der Darstellungsform zwischen Gesamtkostenverfahren (GKV) und Umsatzkostenverfahren (UKV) vorgenommen. Das Gesamtkostenverfahren berücksichtigt alle Leistungen, die im Rahmen der betrieblichen Leistungserstellung innerhalb einer Rechnungsperiode entstanden sind. Dabei ist ein Absatz der erstellten Leistungen am Markt nicht erforderlich. Den erzielten Leistungen werden mithin sämtliche Aufwendungen einer Periode gegenübergestellt, obgleich die Gesamtproduktionsaufwendungen nicht zwingend den Aufwendungen der abgesetzten Produkte entsprechen. Im Rahmen des Umsatzkostenverfahrens (UKV) werden den Leistungen nur diejenigen Kosten gegenübergestellt, die für die tatsächlich verkauften Produkte innerhalb der Rechnungsperiode angefallen sind. Das GKV stellt sämtliche Aufwendungen einer Periode in der GuV dar. Da jedoch die Entstehung von Aufwendungen und Erlöse nicht zwangsläufig in der gleichen Periode gegeben ist, müssen Bestandsveränderungen (Ertragsgegenbuchung für nicht abgesetzte Aufwendungen) und entsprechende Eigenleistungen (Aktivierung für selbsterstellte Leistungen, die zu einer Neutralisierung der hierfür gebuchten Aufwendungen führt) berücksichtigt werden. Dies führt zu einer periodengerechten Gewinnermittlung. Im Rahmen des Umsatzkostenverfahrens geht es hingegen um eine funktionale Gliederung der GuV entsprechend der internen Steuerungsgrößen des Unternehmens. Dabei werden nur diejenigen Kosten dargestellt, die in direktem Zusammen- Abb. 118: GuV-Rechnung nach Gesamt- und Umsatzkostenverfahren Gesamtkostenverfahren § 275 Abs. 2 HGB Umsatzkostenverfahren § 275 Abs. 3 HGB 1. Umsatzerlöse 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 3. andere aktivierte Eigenleistungen 4. sonstige betriebliche Erträge 5. Materialaufwand a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 6. Personalaufwendungen a) Löhne und Gehälter b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung 7. Abschreibungen a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 8. sonstige betriebliche Aufwendungen Darstellung der GuV bei Kapitalgesellschaften gem. § 275 HGB 1. Umsatzerlöse 2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen 3. Bruttoergebnis vom Umsatz 4. Vertriebskosten 5. allgemeine Verwaltungskosten 6. sonstige betriebliche Erträge 7. sonstige betriebliche Aufwendungen 9. (8.) Erträge aus Beteiligungen (davon aus verbundenen Unternehmen) 10. (9.) Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens (davon aus verbundenen Unternehmen) 11. (10.) sonstige Zinsen und ähnliche Erträge (davon aus verbundenen Unternehmen) 12. (11.) Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 13. (12.) Zinsen und ähnliche Aufwendungen 14. (13.) Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 15. (14.) außerordentliche Erträge 16. (15.) außerordentliche Aufwendungen 17. (16.) außerordentliches Ergebnis 18. (17.) Steuern vom Einkommen und Ertrag 19. (18.) sonstige Steuern 20. (19.) Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag 8 Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)126 hang mit den Erlösen der Periode stehen. Es kommt daher nicht zum Ausweis von Bestandsveränderungen bzw. aktivierten Eigenleistungen. Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die die Unternehmen zur Anwendung des Gesamt- bzw. Umsatzkostenverfahrens verpflichtet. Die Entscheidung, welcher Verfahrenstyp im spezifischen Unternehmen angewendet wird, obliegt dem Kaufmann. Unternehmen können beide Verfahren parallel anwenden, wobei sie stets zu einem gleichen Ergebnis (Gewinn/Verlust) führen müssen. In der praktischen Umsetzung ist eine vermehrte Hinwendung zum Gesamtkostenverfahren zu erkennen. Regelmäßig wird auch nur dieses Verfahren von Wirtschaftsprüfern geprüft. Das Umsatzkostenverfahren ist insbesondere bei Handelsunternehmen oder als parallele GuV für Steuerungszwecke anzutreffen. 8.4 Ausgewählte Ertrags- und Aufwandpositionen Die graphische Darstellung zu den ausgewählten Ertragspositionen stellt die für die Unternehmen wichtigsten Erträge dar. Sie ist nicht abschließend. Bei den Erträgen handelt es sich um eine Zunahme des wirtschaftlichen Nutzenzuflusses des Unternehmens innerhalb einer Rechnungsperiode. Die graphische Darstellung zu den ausgewählten Aufwandspositionen stellt die für die Unternehmen wichtigsten Aufwendungen dar. Sie ist nicht abschließend. Die Aufwandspositionen stellen den bewerteten betrieblichen Abb. 119: Ausgewählte Ertragspositionen Umsatzerlöse - Außenleistung - Wert der an den Markt abgegeben Leistung - Hierzu zählen u.a.: - Erlöse aus dem Verkauf und Dienstleistungen - Vermietung und Verpachtung - Lizenzen - Schrottverkäufen - etc. - Erlöse die nicht hierunter fallen werden den sonstigen betrieblichen Erträgen zugewiesen Sonstige betriebliche Erträge - Vermögenszuwachs, der außerhalb der eigentlichen unternehmerischen Tätigkeit entstanden ist - Hierzu zählen u.a.: - Erträge aus dem Verkauf von Anlagevermögen - Erträge aus abgeschriebenen Forderungen - Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen - etc. Andere aktivierte Eigenleistungen - Gegenwert der Aufwendungen, die für aktivierungsfähige, selbsterstellte Anlagen angefallen sind - Auch eigene aktivierungsfähige Entwicklungen - Notwendig für den korrekten Ausweis der betrieblichen Gesamtleistung - Hierzu zählen u.a.: - Löhne, Gehälter - Materialaufwand - Abschreibungen Bestandsveränderungen - Lagerleistung - Erhöhung = Wert der erzeugten aber nicht abgesetzten Leistung - Bestandsmehrungen sind den Erlösen zuzurechnen (Betriebsleistungen) - Ausweis zu Herstellungskosten - Minderungen = Wert von Leistungen die zu Umsatz geführt haben, deren Aufwand in den Vorperioden verrechnet wurden (Aufwand) Erträge aus Beteiligungen - Grundsätzlich sind Beteiligungen Anteile an anderen Unternehmen - Herstellung einer dauerhaften Verbindung - Hierzu zählen u.a.: - Dividenden - Gewinnanteile - Sonstige Gewinnausschüttungen Sonstige Zinsen und ähnlich Erträge - Hierzu zählen u.a.: - Zinsen für Einlagen bei Kreditinstituten - Zinsen und Dividenden auf Wertpapiere des Umlaufvermögens - Zinsähnliche Erträge 8.5 Aussagefähigkeit der GuV-Rechnung 127 Leistungsverzehr des Unternehmens innerhalb einer Rechnungsperiode dar. Sie mindern den wirtschaftlichen Nutzenzufluss des Unternehmens. 8.5 Aussagefähigkeit der GuV-Rechnung Die GuV gibt Auskunft über das Jahresergebnis (Gewinn/Verlust) von Unternehmen der vergangenen Rechnungsperiode. Entsprechend dem Gliederungsschema des §275 HGB erfolgt innerhalb der GuV eine Ergebnisspaltung. Darüber hinaus kann auch die (teilweise) Gewinnverwendung in der GuV dargestellt werden. Die Ergebnisspaltung respektive die Trennung der Ergebnisse soll darstellen, in welchen Bereichen das Unternehmen seine Erträge und Aufwendungen generiert hat. Im Rahmen des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten werden alle Aufwendungen und Erträge dargestellt, die mit dem originären Geschäftsbetrieb des Unternehmens einhergehen. Dabei wird das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit weiter in das Betriebs- und Finanzergebnis aufgeteilt. Das Betriebsergebnis betrifft den originären Leistungserstellungsprozesses des Unternehmens. Das Finanzergebnis betrifft die Entstehung der Aufwendungen und Erträge im Bereich der Finanzierungs- und Kapitalanlagebeschaffung des Unternehmens und ist somit eng mit der Leistungserstellung verbunden. Darüber hinaus gibt es im Rahmen der Ergebnisspaltung das außerordentliche Ergebnis. Dieses Ergebnis enthält unternehmensfremde Erfolgsbestandteile (sogenannte Einmaleffekte). Meist ist hierbei nicht von einer Wiederholung auszugehen und die Aufwendungen und Erträge stehen Abb. 120: Ausgewählte Aufwandspositionen Materialaufwand - Werteverzehr der bezogenen Fremdleistungen bei der Leistungserstellung - Hierzu zählen u.a.: - Aufwendungen für Roh-, Hilfsund Betriebsstoffe - Aufwendungen für bezogene Waren und Leistungen - Strom- und Energieaufwand Personalaufwand - Aufwendungen, die sich aus Arbeitsverträgen ergeben - Hierzu zählen u.a. - Löhne und Gehälter - Nebenbezüge - Sachwertbezüge - Sozialabgaben - Aufwendungen für Altersversorgung - Pensionszahlungen Abschreibungen - Werteverzehr der Anlagen aufgrund von Alter, Verschleiß, technischer Neuerung etc. - Der Abschreibung unterliegen u.a.: - Maschinen - Gebäude - Technische Anlagen - Fuhrpark - etc. Sonstige betriebliche Aufwendungen - Sammelposten für Aufwendungen, die nicht einer anderen Aufwandsposition zugewiesen werden können - Hierzu zählen u.a.: - Reisekosten - Porto - Rechts-und Beratungskosten - Mieten - Versicherungen - Jahresabschlusskosten - etc. Zinsen und ähnliche Aufwendungen - Erfassung von Zins- und zins- ähnlichen Aufwendungen - Eine Abstufung nach Fristigkeiten (kurz-, mittel- und langfristig) ist nicht vorgesehen - Keine Saldierung mit Zinserträgen Außerordentliche Aufwendungen - Erfassung seltener Aufwandspositionen - Hierzu zählen u.a.: - Verluste aus der Veräußerung von Betrieben - Außerplanmäßige Abschreibungen - Außergewöhnliche Schadensfälle - Die Position korrespondiert mit den außerordentlichen Erträgen, die ebenfalls selten anfallen 8 Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)128 nicht im direkten Zusammenhang mit der eigentlichen Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Die Ergebnisspaltung ist aufgrund des § 275 HGB für Kapitalgesellschaften vorgegeben. Weitere Anwendungsvoraussetzungen liegen nicht vor. Personengesellschaften orientieren sich regelmäßig an dieser Gliederung und somit auch an der Ergebnisspaltung. Die praktische Umsetzung ist durch das Gesetz (§275 HGB) determiniert. Es sind hierzu keine Alternativen anzutreffen. 8.6 Erleichterungsvorschrift für die GuV-Rechnung Aus Wirtschaftlichkeitsgründen sollen gewisse Unternehmen von den strikten formalen Anforderungen der Aufstellung der GuV befreit werden. Für sie sollen nur eingeschränkte Aufstellungsverpflichtungen gelten, was die Anwendung erleichtert. Nach §267 HGB sind kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften bei der Aufstellung der GuV begünstigt. Sie unterliegen dabei wesentlich geringeren Publizitätsanforderungen. Die größenabhängigen Erleichterungen kommen nur bei kleinen und mittelgroßen Gesellschaften zum Tragen. Hierbei gibt es strikte Voraussetzungen, von denen mindestens zwei der drei Kriterien an zwei aufeinander folgen- Abb. 121: Aussagefähigkeit der GuV-Rechnung Trennung in Ergebnisse Ergebnisspaltung Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (§ 275 Abs. 2 Nr. 14 HGB (GKV); § 275 Abs. 3 Nr. 13 HGB (UKV)) Betriebsergebnis Finanzergebnis Enthält Aufwendungen und Erträge, die für den Geschäftsbereich des Unternehmens typisch sind Entstehung durch den satzungsmäßigen Prozess der Leistungserstellung Entstehung durch Finanzierungs- und Kapitalanlagegeschäft (ggf. betriebsfremd) Außerordentliches Ergebnis (§ 275 Abs. 2 Nr. 17 HGB (GKV); § 275 Abs. 3 Nr. 16 HGB (UKV)) Enthält unternehmensfremde Erfolgsbestandteile. Ungewöhnliche/seltene Vorgänge, die nicht im Zusammenhang mit der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stehen; meist keine Wiederholung 8.6 Erleichterungsvorschrift für die GuV-Rechnung 129 den Bilanzstichtagen erfüllt sein müssen (§ 267 HGB). Es handelt sich um die Parameter Bilanzsumme, Umsatzerlöse und Arbeitnehmer (vergleiche Graphik). Große Kapitalgesellschaften sind bei der Aufstellung der GuV nicht begünstigt. Vom Wahlrecht der Erleichterungsvorschrift des §267 HGB wird in der Praxis regelmäßig Gebrauch gemacht. D.h. kleine und mittelgroße Gesellschaften publizieren im Rahmen der GuV eine entsprechend verminderte Version. Abb. 122: Erleichterungsvorschrift für die GuV-Rechnung Größenabhängige Erleichterungen? Liegen die größenmäßige Voraussetzungen nach § 267 HGB am Abschlussstichtag vor? Merkmal Bilanzsumme Umsatzerlöse Arbeitnehmer Kleine Gesellschaft EUR 4.840.000,00 EUR 9.680.000,00 50 Arbeitnehmer Mittelgroße Gesellschaft EUR 19.250.000,00 EUR 38.500.000,00 250 Arbeitnehmer Große Gesellschaft Überschreitung mindestens zwei der drei Merkmale der mittelgroßen Gesellschaft an zwei aufeinanderfolgenden Bilanzstichtagen + Kleine Gesellschaft MittelgroßeGesellschaft Ausweis Rohergebnis durch zusammenfassen der Posten (§ 275 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 oder Abs. 3 Nr. 1 bis 3 und 6 HGB) Ausweis Rohergebnis durch zusammenfassen der Posten (§ 275 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 oder Abs. 3 Nr. 1 bis 3 und 6 HGB) Keine Erläuterung der Posten außerordentliche Erträge und Aufwendungen (§ 277 Abs. 4 Satz 2 und 3 HGB) Große Gesellschaft Keine Erleichterungen -

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Zusammenfassung

Ziel dieses Buches ist es, Ihnen eine strukturierte Durchdringung der doch sehr komplexen gesetzlichen Regelungen der einzelnen Bilanzierungsnormen des Einzel- und Konzernabschlusses zu ermöglichen. Dabei soll ein Grundverständnis für den Gesamtkontext der Rechnungslegung nach HGB geschaffen werden mit dem Ziel, einen sicheren Umgang mit den gesetzlichen Bilanzierungsregeln zu ermöglichen.

Die „Übersetzung“ der Bilanzierungsnormen in 260 Schaubilder hilft Ihnen, sich auf anschauliche Art und Weise einfach und schnell den Inhalt einer Bilanzierungsnorm zu erschließen. Um das Gesamtverständnis zu schärfen, wird jede grafische Darstellung zusätzlich mit einem Begleittext unterlegt, der anwendungsorientiert die illustrierten Sachverhalte beschreibt.

Aus dem Inhalt: Grundlagen der Bilanzierung nach HGB, Jahresabschluss und Jahresabschlusserstellung, Bilanzinhalt, Ansatz- und Bewertungsvorschriften, Gliederung der Bilanz und Bilanzpositionen, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang, Lagebericht, spezielle Bilanzsachverhalte, Konzernabschluss, Offenlegung und Corporate Governance

Zielgruppe: Leser ohne Vorkenntnisse als auch erfahrenere Anwender, wie Bilanzbuchhalter oder Abschlussprüfer, erhalten mit diesem kompakten Band einen visuell orientierten Einstieg und Überblick über die zentralen Bilanzierungsnormen zur Einzel- und Konzernabschlusserstellung sowie zur Abschlussprüfung und Corporate Governance nach HGB.

Die Autoren: Prof. Dr. Reinhard Heyd ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Bilanzierung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Aalen und Honorarprofessor an der Universität Ulm. Dr. Michael Beyer ist Leiter Finanzen der Sparda-Bank Berlin. Daniel Zorn LL.M. (WSU) arbeitet als Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsassistent bei der H/W/S Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft GmbH & Co. KG in Stuttgart und ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Nürtingen-Geislingen.