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Philipp Burmester, Katharina Koring, Gaby Trinkaus, 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung aus der Sicht eines Originators in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 93 - 101

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_93

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 89 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung 89 den Transaktionsverträgen folgende Reduzierung des in Bezug auf eine nachrangige Verbriefungstranche insgesamt ausstehenden Rückzahlungsanspruches dürfen also nicht zu einem vorzeitigen Transaktionsende führen. In der Gesamtschau dürften die oben beschriebenen Merkmale weitgehend dem allgemeinen Marktverständnis für Verbriefungstransaktionen entsprechen. Im Einzelnen kann sich die Einordnung einer Transaktion als Verbriefung aufgrund der individuellen Ausgestaltung jedoch auch als schwierig erweisen. Bei der Beurteilung sollte die ökonomische Substanz gegenüber der rechtlichen Ausgestaltung der Transaktion im Vordergrund stehen.112 Sind die Kriterien für das Vorliegen einer Verbriefungstransaktion kumulativ erfüllt, sind Fragestellungen zur Eigenkapitalunterlegung oder auch -entlastung hinsichtlich der Positionen, die mit der Transaktion in Verbindung stehen, maßgeblich auf Basis der Verbriefungsregelungen des KWG und der Solvabilitätsverordnung zu beurteilen. Aus der Sicht des Originators dürfte dabei in der Regel die Frage der Eigenkapitalentlastung im Mittelpunkt stehen, deren Voraussetzungen im nächsten Kapitel untersucht werden. 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung aus der Sicht eines Originators 6.3.1 Spezifikation des verbrieften Portfolios und der Origina toreigenschaft Möchte eine Bank aus einer Verbriefungstransaktion eine Eigenkapitalentlastung ableiten, ist eine bloße Klassifizierung dieser Transaktion als Verbriefungstransaktion noch nicht ausreichend. Vielmehr müssen die der Transaktion zugrunde liegenden Forderungen als im Sinne der Solvabilitätsverordnung effektiv verbrieft gelten, um bei der Ermittlung des Gesamtanrechnungsbetrags für Adressrisiken unberücksichtigt gelassen werden zu können. Nach der Solvabilitätsverordnung gilt jede Forderung als effektiv verbrieft, die zu einem durch eine solche Verbriefungstransaktion verbrieften Portfolio nach § 1b Abs. 6 KWG gehört, für die das Institut nach § 1b 112 Vgl. CEBS, Guidelines on the implementation, validation and assessment of Advanced Measurement (AMA) and Internal Ratings Based (IRB) Approaches, 4.4.2006, Tz. 193. 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 90 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen90 Abs. 7 KWG als Originator gilt und für die es die Mindestanforderungen an den wesentlichen und wirksamen Risikotransfer nach § 232 erfüllt.113 Die Charakteristika eines verbrieften Portfolios wurden oben bereits dargestellt. Ob eine Bank als Originator für eine Verbriefungstransaktion anzusehen ist, bestimmt sich maßgeblich anhand der im verbrieften Portfolio enthaltenen Forderungen. Umfasst das verbriefte Portfolio Forderungen, die für Rechnung der Bank begründet oder zum Zwecke der Verbriefung angekauft oder im Auftrag der Bank verbrieft wurden, gilt die Bank als Originator. Für den Fall, dass eine Bank Forderungen durch eine Verbriefungstransaktion auf eine andere Person mit dem Zweck der Weiterverbriefung überträgt, gilt die Bank auch für die weiteren Verbriefungstransaktionen als Originator, sofern die von der Bank übertragenen Forderungen mindestens 50 % der Bemessungsgrundlage oder der risikogewichteten Positionswerte sämtlicher Forderungen des verbrieften Portfolios der Folgetransaktionen zum Zeitpunkt ihres Abschlusses ausmachen. Gilt eine Bank als Originator einer Verbriefungstransaktion, kann sie aus dieser nur dann eine Anrechnungserleichterung ableiten, wenn durch die Transaktion ein wirksamer Risikotransfer bewirkt wird und (1) das Institut sämtliche von ihm in dieser Transaktion gehaltenen Verbriefungspositionen bei der Ermittlung des Gesamtanrechnungsbetrags für Adressrisiken mit einem Risikogewicht von 1250 % oder nach § 265 SolvV als abzuziehende Verbriefungspositionen im Abzugsbetrag für Verbriefungspositionen berücksichtigt oder (2) der Risikotransfer einem wesentlichen Risikotransfer entspricht. Für die Beurteilung der Wesentlichkeit und Wirksamkeit des Risikotransfers sind in der Solvabilitätsverordnung entsprechende Mindestanforderungen formuliert. Im Hinblick auf den wesentlichen Risikotransfer stellen diese Anforderungen auf den Umfang der vom Originator aus der Verbriefungstransaktion zurückbehaltenen Positionen ab. 6.3.2 Wesentlicher und wirksamer Risikotransfer Wesentlicher Risikotransfer Für die Beurteilung des Vorliegens eines wesentlichen Risikotransfers ist zunächst zu untersuchen, ob es sich bei der betrachteten Verbriefungs- 113 Für eine Verbriefungstransaktion, zu der ein vom Originator zu berücksichtigender Investorenanteil aus Verbriefungstransaktionen gehört, gelten besondere Bestimmungen. Diese werden im Rahmen dieser übersichtsartigen Darstellung nicht näher behandelt. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 91 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung 91 transaktion um eine Transaktion mit oder ohne maßgebliche mezzanine Verbriefungstranchen handelt. Die maßgeblichen mezzaninen Verbriefungstranchen einer Verbriefungstransaktion sind die in ein bestimmtes Intervall fallenden Tranchen, deren Verbriefungsrisikogewicht kleiner als 1250 % ist. Das Intervall beginnt mit der Tranche, die das Risiko erster Verluste trägt. Das Intervall endet genau eine Tranche unterhalb derjenigen Tranche, die die höchstrangige Verbriefungstranche dieser Transaktion ist, oder für die eine maßgebliche Bonitätsbeurteilung einer anerkannten Ratingagentur vorliegt, die der Bonitätsstufe 1 (z. B. AAA bis AA-/Aaa bis Aa3/AAA bis AA-)114 bei einer KSA-Verbriefungstransaktion oder der Bonitätsstufe 1 (z. B. AAA/Aaa/AAA) oder 2 (z. B. AA+ bis AA-/Aa1 bis Aa3/AA+ bis AA-) bei einer IRBA-Verbriefungstransaktion zugeordnet ist. Grafisch lässt sich dies zum Beispiel wie folgt veranschaulichen: Im Hinblick auf eine Verbriefungstransaktion, für die maßgebliche mezzanine Verbriefungstranchen bestehen, gilt ein wesentlicher Risikotransfer in der Regel als bewirkt, wenn der Anteil der Summe der risikogewichteten Positionswerte für die vom Institut gehaltenen Verbriefungspositionen der maßgeblichen mezzaninen Verbriefungstranchen an der Summe der risikogewichteten Positionswerte für sämtliche zu 114 Diese und die folgenden Ratingangaben in diesem Absatz beziehen sich auf die Agenturen Fitch Ratings/Moody’s Investors Service/Standard & Poor’s Ratings Services. Abb. 6.1: Maßgebliche mezzanine Verbriefungstranchen Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 92 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen92 dieser Verbriefungstransaktion gehörenden maßgeblichen mezzaninen Verbriefungstranchen nicht größer als 50 % ist (vgl. § 232 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 SolvV). Im Fokus steht somit die Frage, ob von den relevanten mezzaninen Tranchen unter qualitativen Gesichtspunkten (d. h. risikogewichtet) mindestens 50 % ausplatziert wurden. Liegt eine Verbriefungstransaktion ohne maßgebliche mezzanine Verbriefungstranchen vor, gilt ein wesentlicher Risikotransfer in der Regel als bewirkt, wenn der Originator bezogen auf den Positionswert nicht mehr als 20 % der Erstverlustposition dieser Verbriefungstransaktion hält (vgl. § 232 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 SolvV). Die Erstverlustposition entspricht dabei jeder Tranche, auf die ein Risikogewicht von 1250 % entfällt oder die im Abzugsbetrag für Verbriefungspositionen nach § 265 SolvV berücksichtigt werden kann. Der Originator muss nachweisen können, dass der Positionswert der Erstverlustposition eine begründete Schätzung des für die verbrieften Positionen zu erwartenden Verlustes substanziell übersteigt. Neben dieser expliziten Fallunterscheidung zwischen Verbriefungstransaktionen mit und ohne maßgebliche mezzanine Verbriefungstranchen wurde in die ab dem 31.12.2010 gültige Fassung der SolvV eine besondere Regelung im Hinblick auf den wesentlichen Risikotransfer aufgenommen. Demnach kann die Bundesanstalt – auch wenn die oben genannten Voraussetzungen vorliegen – im Einzelfall feststellen, dass die für den Originator grundsätzlich mögliche Eigenkapitalentlastung tatsächlich nicht durch einen wesentlichen Risikotransfer an Dritte begründet ist. Folglich kann die Geltendmachung von Anrechnungserleichterungen durch eine Einzelfallentscheidung der Bundesanstalt scheitern. Abgesehen von den oben genannten Voraussetzungen kann ein Institut der Bundesanstalt auch in anderen als den oben genannten Fällen nachweisen, dass ein wesentlicher Risikotransfer vorliegt.115 Wirksamer Risikotransfer Bestimmung der Art des Risikotransfers Neben dem wesentlichen Risikotransfer sind mit Blick auf die Geltendmachung einer Eigenkapitalentlastung aus einer Verbriefungstransaktion die Mindestanforderungen an einen wirksamen Risikotransfer zu erfüllen. Um zu bestimmen, welche Kriterien für die Beurteilung des wirksamen Risikotransfers heranzuziehen sind, ist zunächst zu ermitteln, ob es sich um eine Verbriefungstransaktion mit Forderungsüber- 115 Zu den Voraussetzungen hierfür s. § 232 Abs. 2a S. 2 SolvV. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 93 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung 93 tragung (True-Sale-Verbriefung) oder um eine Verbriefungstransaktion ohne Forderungsübertragung (synthetische Verbriefung) handelt. Nach der Solvabilitätsverordnung liegt eine Verbriefungstransaktion mit Forderungsübertragung bereits bei nur rechtlicher Übertragung des verbrieften Portfolios vor. Interpretationsspielräume, die sich im Zusammenhang mit einer Beurteilung der wirtschaftlichen Übertragung des Forderungsportfolios ergeben können, werden damit weitgehend verringert. Im Falle einer Verbriefungstransaktion ohne Forderungsübertragung wird das Adressenausfallrisiko aus einem verbrieften Portfolio z. B. durch Garantien oder Kreditderivate übertragen. Eine rechtliche Übertragung des verbrieften Portfolios findet nicht statt. Wirksamer Risikotransfer für True-Sale-Verbriefungen Eine Bank, die als Originator einer True-Sale-Verbriefungstransaktion das verbriefte Portfolio rechtlich auf einen Dritten überträgt, muss die verbrieften Risikopositionen nicht mehr mit Eigenkapital unterlegen, sofern wie oben beschrieben ein wesentlicher Risikotransfer vorliegt und zudem die für True-Sale-Verbriefungen relevanten Mindestanforderungen an einen wirksamen Risikotransfer erfüllt sind (vgl. § 232 Abs. 3 SolvV). Diese Mindestanforderungen sind kumulativ zu erfüllen und umfassen im Wesentlichen die folgenden Aspekte: Zunächst muss die Transaktionsdokumentation die wirtschaftliche Substanz der Transaktion widerspiegeln. Zweitens muss sichergestellt sein, dass weder die Bank noch ihre Gläubiger, z. B. bei einer Insolvenz der Bank oder bei einer Einzelzwangsvollstreckung, auf die übertragenen Forderungen zugreifen dürfen. Gemäß der dritten Mindestanforderung dürfen die im Rahmen der Transaktion emittierten Wertpapiere keine Zahlungsverpflichtungen der Bank darstellen. Um der vierten Anforderung für die Anerkennung eines wirksamen Risikotransfers im Rahmen einer True-Sale-Transaktion zu genügen, müssen die verbrieften Forderungen rechtlich auf eine Verbriefungszweckgesellschaft oder auf ein anderes Unternehmen übertragen werden. Das fünfte Kriterium gibt vor, dass die Bank auf die Forderungen im verbrieften Portfolio keinen tatsächlichen oder indirekten Einfluss mehr haben darf. Ein tatsächlicher Einfluss wird in diesem Zusammenhang insbesondere angenommen, wenn das Institut berechtigt ist, übertragene Forderungen von deren Erwerber zurückzukaufen, um damit verbundene Gewinne zu erzielen, oder wenn das Institut verpflichtet ist, übertragenes Risiko zurückzunehmen. Sehen die Transaktionsverträge zum Beispiel vor, dass die Bank rückständige Darlehen zurückkaufen muss, kann dies der Erfüllung dieses Kriteriums entgegenstehen. All- Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 94 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen94 gemein sollten Rückkaufvereinbarungen mit Blick auf die hierdurch eventuell eröffneten Einflussmöglichkeiten entsprechend vorsichtig ausgestaltet werden. Die sechste Mindestanforderung verlangt im Wesentlichen, dass ein Recht zum vorzeitigen Rückkauf oder zur vorzeitigen Tilgung des verbrieften Portfolios oder der Verbriefungspositionen nur vorgesehen sein darf, sofern diese Rückführungsoption nur im Ermessen der Bank ausgeübt werden kann. Zusätzlich darf der Betrag des verbrieften Portfolios 10 % seines ursprünglichen Betrags dann nicht übersteigen. Insgesamt darf die Rückführungsoption nicht dazu dienen, die Verlustzuweisung im Rahmen der Verbriefungstransaktion zu vermeiden oder Kreditverbesserungen zur Verfügung zu stellen. Das siebte und letzte Kriterium gibt vor, dass die Transaktionsdokumentation keine Klausel enthalten darf, die die Bank im Falle einer Verschlechterung der Kreditqualität des verbrieften Portfolios dazu verpflichtet, Verbriefungspositionen aufzuwerten. Beispielsweise dürfte die Bank vor diesem Hintergrund grundsätzlich keinen Austausch von Forderungen aus dem verbrieften Portfolio vornehmen. Auch die Zahlung erhöhter Zinsen an die Investoren der Verbriefungstransaktion als Folge gestiegener Rückstände im verbrieften Portfolio wäre mit dieser Anforderung nicht vereinbar. Bonitätsbezogene Regelungen in der Dokumentation, die einen vorzeitigen Tilgungsbeginn erlauben, stehen diesem Kriterium nicht entgegen. Wirksamer Risikotransfer für synthetische Verbriefungen Aus einer synthetischen Verbriefungstransaktion kann eine Bank schließlich eine Anrechnungserleichterung in Bezug auf das verbriefte Portfolio ableiten, sofern ein wesentlicher Risikotransfer gegeben ist und zudem gesondert aufgeführte Mindestanforderungen an den wirksamen Risikotransfer erfüllt sind. Diese Mindestanforderungen beziehen sich überwiegend auf die zur Übertragung des Ausfallrisikos eingesetzten Sicherungsinstrumente (vgl. § 232 Abs. 4 SolvV). Wie die Anforderungen an den wirksamen Risikotransfer in Bezug auf True-Sale-Verbriefungen sind auch die Anforderungen an den wirksamen Risikotransfer für synthetische Transaktionen kumulativ zu erfüllen. Ebenfalls analog muss zunächst die Dokumentation der Verbriefungstransaktion ihre wirtschaftliche Substanz widerspiegeln. Entsprechend der zweiten Anforderung müssen die zur Übertragung des Ausfallrisikos eingesetzten Sicherungsinstrumente für die im verbrieften Portfolio enthaltenen Positionen berücksichtigungsfähig sein. Zudem muss die Bank für diese Sicherungsinstrumente bestimmte Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 95 6.3 Bedingungen für die Eigenkapitalentlastung 95 Mindestanforderungen erfüllen, wobei die Bank beispielsweise belegen können muss, dass sie über angemessene Verfahren zur Steuerung von Risiken und Risikokonzentrationen verfügt. Verbriefungszweckgesellschaften sind als berücksichtigungsfähige Gewährleistungsgeber ausgeschlossen. Das dritte Kriterium, das für die Anerkennung eines wirksamen Risikotransfers aus synthetischen Verbriefungen zu erfüllen ist, stellt besondere Anforderungen an die Konditionen der Sicherungsinstrumente. Diese Konditionen dürfen keine wesentlichen Materialitätsschwellen enthalten, unterhalb derer das Sicherungsinstrument bei Eintritt eines wirtschaftlichen Ausfallereignisses hinsichtlich der verbrieften Forderungen nicht in Anspruch genommen werden kann. Weiterhin dürfen die Bedingungen zu dem Sicherungsinstrument keine Regelungen vorsehen, die eine Beendigung der Besicherung infolge einer abnehmenden Kreditqualität der Forderungen im verbrieften Portfolio erlauben oder auslösen. Unschädlich ist hierbei die Vereinbarung eines bonitätsabhängigen vorzeitigen Tilgungsbeginns. Zusätzlich zu den genannten Bedingungen sind ebenfalls solche Verpflichtungen nicht erlaubt, nach denen die Bank eine Aufwertung von Verbriefungspositionen zum Beispiel durch Veränderungen des verbrieften Portfolios vornehmen muss. Schließlich dürfen sich die Kosten der Besicherung oder die im Rahmen der Verbriefungstransaktion zu zahlenden Zinsen für die Bank nicht infolge einer verschlechterten Kreditqualität erhöhen. Die vierte Mindestanforderung verlangt, dass der Bank ein qualifiziertes Rechtsgutachten vorliegt, das die rechtliche Durchsetzbarkeit der Sicherungsinstrumente in allen relevanten Rechtsordnungen feststellt. 6.3.3 Sonstige Einflussfaktoren auf die Eigenkapitalentlastung und -unterlegung beim Originator Neben den oben aufgeführten Voraussetzungen für die Ableitung einer Eigenkapitalentlastung gelten grundsätzlich die Regelungen für Verbriefungen in den §§ 18a und 18b KWG, deren Nicht-Beachtung sich auf das vom Originator vorzuhaltende Eigenkapital auswirken kann. Insbesondere kann ein Originator nur dann eine Anrechnungserleichterung aus einer Verbriefungstransaktion erwirken, wenn er sämtliche Forderungen, d. h. sowohl verbriefte als auch unverbriefte Kredite, nach einheitlichen Standards vergibt (vgl. § 18b Abs. 4 und 7 KWG). Hierdurch soll vermieden werden, dass solche Forderungen, die verbrieft werden sollen, nach geringeren Standards vergeben werden als solche Forderungen, deren Risiken bei der Bank verbleiben sollen. Darüber hinaus Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 96 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen96 bestehen für den Originator umfangreiche Pflichten zur Bereitstellung von Informationen an die Investoren. Dies bezieht sich u. a. auf Informationen zum Selbstbehalt sowie auf solche Angaben, die Auskunft über die Performance der verbrieften Forderungen geben. Bei Nicht-Erfüllung dieser Pflichten kann die Aufsichtsbehörde dem Originator vorschreiben, im Hinblick auf die von ihm aus der Verbriefungstransaktion zurückbehaltenen Positionen erhöhte Risikogewichte anzuwenden. Sofern das verbriefte Portfolio als effektiv verbrieft angesehen werden kann und sämtliche sonstigen Voraussetzungen (wie z. B. hinsichtlich der einheitlichen Kreditvergabe) erfüllt sind, kann im Hinblick auf die verbrieften Forderungen eine Anrechnungserleichterung abgeleitet werden. Gegebenenfalls aus der Transaktion neu entstandene Risikopositionen, die vom Originator übernommen wurden, sind mit Eigenkapital zu unterlegen. Für den Fall, dass das verbriefte Portfolio nicht als effektiv verbrieft gilt bzw. die Voraussetzungen für die Eigenkapitalentlastung nicht vollumfänglich erfüllt sind, sind die verbrieften Forderungen weiterhin mit Eigenkapital zu unterlegen. Inwieweit die gegebenenfalls aus der Transaktion neu entstandenen Positionen zu unterlegen sind, hängt von der Art und Ausgestaltung der jeweiligen Positionen ab. 6.3.4 Auswirkungen einer impliziten Unterstützung Die implizite Unterstützung einer Verbriefungstransaktion, aus der der Originator derzeit eine Eigenkapitalentlastung ableitet oder eine solche Entlastung in der Vergangenheit erwirkt hat, ist nach den Vorschriften der Solvabilitätsverordnung nicht zulässig (vgl. § 234 SolvV). Eine implizite Unterstützung liegt vor, wenn ein Institut Maßnahmen unternimmt, die insbesondere drei Merkmale erfüllen. Erstens ist das Institut nicht vertraglich dazu verpflichtet, diese Maßnahmen durchzuführen. Zweitens führen diese Maßnahmen beim Institut zu einem erhöhten Risiko oder zu einer Übernahme von Verlusten aus den verbrieften Forderungen. Drittens entsprechen die Konditionen, zu denen das Institut aktiv wird, nicht den allgemeinen Marktgegebenheiten. Insofern könnte beispielsweise der freiwillige Rückkauf von verbrieften Forderungen aus einer Verbriefungstransaktion, für die die Bank als Originator gilt, in Abhängigkeit von der Höhe des Rückkaufpreises als problematisch angesehen werden. Wird eine Verbriefungstransaktion implizit unterstützt, muss der Originator das verbriefte Portfolio so bei der Eigenkapitalermittlung berück- Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 97 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen 97 sichtigen, als stünde es im Risiko des Instituts. Zudem ist das Institut verpflichtet, nicht nur die implizite Unterstützung, sondern auch die daraus resultierende Pflicht zur vollständigen Einbeziehung des verbrieften Portfolios in seine Eigenkapitalermittlung offenzulegen. Soweit der Originator selbst Verbriefungspositionen in der relevanten Verbriefungstransaktion hält, muss er diese nicht mehr bei der Eigenkapitalermittlung berücksichtigen. 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungspositionen aus der Sicht eines Investors Gemäß den Begriffsbestimmungen für Verbriefungen im KWG (§ 1b Nr. 9 KWG) gilt ein Institut, das weder als Originator noch als Sponsor anzusehen ist, als Investor einer Verbriefungstransaktion, wenn es 1. eine oder mehrere Verbriefungspositionen aus dieser Verbriefungstransaktion hält oder 2. von anderen gehaltene Verbriefungspositionen aus dieser Verbriefungstransaktion gewährleistet oder absichert. Per Definition des § 1b KWG umfasst eine Verbriefungsposition zum einen Investitionen in Tranchen von ABS-Strukturen, zum anderen aber auch gestellte Liquiditätslinien, Kreditverbesserungen (Credit Enhancements) sowie derivative Risikopositionen aus Zins- und Währungsabsicherungen. Die risikogewichteten Positionswerte („Risk Weighted Assets“ – RWA) für Verbriefungspositionen eines Investors ergeben sich gemäß der folgenden Formel: RWA = Bemessungsgrundlage x Kreditkonversionsfaktor x Risikogewicht Der von dem Investor zur Ermittlung der einzelnen Parameter zu wählende Ansatz (Kreditrisiko-Standardansatz/KSA vs. auf internen Ratings basierender Ansatz/IRBA) ergibt sich aus der verbrieften Forderungsklasse (§ 227 Abs. 3 und 4 SolvV). Die Bestimmung der Bemessungsgrundlage basiert im Wesentlichen auf den allgemeinen KSA- bzw. IRBA-Grundsätzen; für die Ermittlung der Risikogewichte und der Kreditkonversationsfaktoren bestehen jedoch spezielle Regularien für Verbriefungen (§§ 226 ff. SolvV). Resultierend aus den CRD-Änderungen hat ein Investor im Rahmen einer Verbriefungstransaktion im Vergleich zu den vorherigen Vorschriften weitere umfangreiche Anforderungen zu erfüllen. Sofern diese 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland