Content

Ralf Struffert, 4.3 Bewertung von Verbriefungen in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 76 - 79

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_76

Bibliographic information
Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 71 4.3 Bewertung von Verbriefungen 71 •• Credit-Spread-basierte Methode: Vergleich der Credit Spreads der erworbenen Tranche mit dem durchschnittlichen gewichteten Credit Spread des zugrunde liegenden Referenzvermögens. Für die Beurteilung des Kreditrisikos ist vom Bilanzierenden ein entsprechender Test zu entwickeln und in den Prüfungsprozess für die erworbene Verbriefungstranche zu implementieren. 4.2.4 Umklassifizierung Ein Wechsel der Bewertungskategorie im Sinne der Umklassifizierung von Instrumenten von der Amortised-Cost- zur Fair-Value-Bewertung oder umgekehrt ist ausschließlich bei Änderung des Geschäftsmodells, in dem die Verbriefungstitel gehalten werden, vorgesehen, in diesem Fall aber verpflichtend vorzunehmen.96 Die Umklassifizierung erfolgt prospektiv ab dem Umklassifizierungszeitpunkt.97 Der Zeitpunkt der Umklassifizierung ist der erste Tag der ersten Berichtsperiode nach der Änderung im Geschäftsmodell, die ein Unternehmen zur Umklassifizierung finanzieller Vermögenswerte veranlasst.98 Eine Änderung des Geschäftsmodells muss als Ergebnis externer oder interner Änderungen durch die Geschäftsleitung beschlossen werden, sich signifikant auf die Unternehmensaktivitäten auswirken und Dritten gegenüber nachweisbar sein. Der IASB geht indes davon aus, dass eine solche Änderung eher selten ist.99 4.3 Bewertung von Verbriefungen Die Folgebewertung der Verbriefungstitel hängt von der getroffenen Klassifizierungsentscheidung ab. Sowohl bei den als Fair Value klassifizierten Verbriefungen als auch bei denjenigen, die für eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten in Betracht kommen, ist die Bewertung alles andere als trivial. Ausfallwahrscheinlichkeiten. Beispielsweise besitzt bei einem WARF von 3 der zugrunde liegende Pool das dreifache Ausfallrisiko eines Aaa-gerateten Pools. 96 Vgl. IFRS 9.4.4.1. 97 Vgl. IFRS 9.5.6.1. 98 Vgl. IFRS 9 Appendix A. 99 Vgl. IFRS 9.B4.4.1 mit entsprechenden Beispielen. 4.3 Bewertung von Verbriefungen Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 72 4 Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 972 4.3.1 Zum Fair Value zu bewertende Verbriefungen Bei den zum Fair Value zu bewertenden Verbriefungsbeständen stellt sich auch weiterhin aufgrund der aktuellen Marktgegebenheiten die Herausforderung, einen verlässlichen Fair Value zu ermitteln. Sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene wurden Schwierigkeiten in der Bewertung von Verbriefungstiteln infolge der seit Sommer 2007 zu beobachtenden sog. Subprime-Krise erörtert. Vom IASB Expert Advisory Panel wurde im Oktober 2008 die Guidance „Measuring and disclosing the fair value of financial instruments in markets that are no longer active“ veröffentlicht.100 Auf nationaler Ebene hat sich das IDW im Dezember 2007 in seinem Positionspapier zu Bilanzierungs- und Bewertungsfragen im Zusammenhang mit der Subprime-Krise beschäftigt und Hinweise zur Bewertung gegeben.101 Sofern am Abschlussstichtag keine Markttransaktionen stattfanden, ist nach den Vorgaben des IASB102 auf Marktpreise kurz vor dem Stichtag zurückzugreifen. Bei wesentlicher Änderung der wirtschaftlichen Rahmendaten ist der letzte verfügbare Preis unter Zugrundelegung von sachgerechten Verfahren anzupassen. Verbriefungstitel sind jedoch vielfach – beispielsweise in Deutschland – nicht börsennotiert bzw. es finden trotz Börsennotierung kaum Umsätze statt. Während externe Marktdatenanbieter103 für ABS und MBS grundsätzlich Kurse zur Verfügung stellen, ist dies für CDO vielfach nicht der Fall. Darüber hinaus werden – v. a. wenn es sich um eigene Verbriefungstitel handelt – Preise auch von Investmentbanken, Brokern und Kontrahenten (Arranger und Originatoren) gestellt, die jedoch vielfach nur indikativen Charakter haben und nicht auf tatsächlichen Markttransaktionen beruhen.104 Besteht keine Möglichkeit des Rückgriffs auf jüngste Geschäftsvorfälle zwischen sachverständigen, vertragswilligen und unabhängigen Geschäftspartnern, ist ein Vergleich mit dem aktuellen Fair Value eines anderen, im Wesentlichen identischen Finanzinstruments vorzunehmen. Scheidet auch dies aus, ist auf Bewertungsmodelle wie beispielsweise die Diskontierung erwarteter Zahlungsströme zurückzugreifen. Dies erfordert regelmäßig eine Durchschau auf die verbrieften Finanzinstrumente. 100 Das Papier ist abrufbar unter http://www.iasb.org/NR/rdonlyres/0E37D59C-1C74- 4D61-A984-8FAC61915010/0/IASB_Expert_Advisory_Panel_October_2008.pdf. 101 Vgl. auch im Folgenden Positionspapier des IDW zu Bilanzierungs- und Bewertungsfragen im Zusammenhang mit der Subprime-Krise. Das Positionspapier ist abrufbar unter http://www.idw.de/idw/download/Subprime-Positionspapier.pdf?id=424920. 102 Zur Bewertungshierarchie vgl. IFRS 9.B.5.4.1 ff. 103 Beispielsweise sei Bloomberg genannt. 104 Jedoch schließen die Kurssteller bei solchen indikativen Kursen regelmäßig aus, zu diesem Preis tatsächlich zu kontrahieren. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 73 4.3 Bewertung von Verbriefungen 73 4.3.2 Zu Amortised Cost zu bewertende Verbriefungen Diejenigen Verbriefungen, die sowohl in einem Geschäftsmodell gehalten werden, das auf die Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungsströme ausgerichtet ist, als auch die besonderen Anforderungen wie Durchschaumöglichkeit, Zahlungsstromanforderungen an die Tranche, Anforderungen an den Pool sowie Kreditrisikotest erfüllen, sind mit ihren fortgeführten Anschaffungskosten anzusetzen. Dies setzt die effektivzinsgemäße Verteilung der direkt zurechenbaren Transaktionskosten sowie von ggf. bestehenden Agien und Disagien voraus. Darüber hinaus unterliegen diese Verbriefungspositionen den Vorschriften zu Wertminderungen (Impairment). Diesbezüglich zeichnen sich gegenüber IAS 39 erhebliche Veränderungen ab. Der IASB hat am 31.1.2011 gemeinsam mit dem FASB eine Ergänzung zu dem im November 2009 vom IASB herausgegebenen ED/2009/12 Wertminderungen von Finanzinstrumenten (Supplement to ED/2009/12 Financial Instruments: Impairment) veröffentlicht. In der Ergänzung wird der Gedanke der Berücksichtigung von erwarteten Verlusten des ursprünglichen Standardentwurfs zwar beibehalten, jedoch an entscheidenden Stellen um Anregungen des eingerichteten Expertengremiums (Expert Advisory Panel) sowie aus eingegangenen Rückmeldungen zum ursprünglichen Entwurf angepasst. Der Ergänzungsentwurf beschäftigt sich allein mit offenen Portfolios und unterscheidet dabei zwischen nicht leistungsgestörten Finanzinstrumenten (Good Book oder Weißbuch) und leistungsgestörten Finanzinstrumenten (Bad Book oder Schwarzbuch), für die separate Ansätze für die Erfassung erwarteter Verluste vorgesehen werden. Aufgrund der Rückmeldungen zum Ergänzungsentwurf beschlossen IASB und FASB indes erneute konzeptionelle Änderungen. Das nunmehr angestrebte Modell soll zwischen drei Töpfen („Buckets“) differenzieren, die unterschiedliche Methoden zur Erfassung von Wertminderungen vorsehen. Dabei soll die Höhe der zu erfassenden Kreditverluste von der Zuordnung des finanziellen Vermögenswerts zu dem jeweiligen Topf abhängen. Die Zuordnung der finanziellen Vermögenswerte auf die einzelnen Töpfe soll auf Basis des Kreditrisikos oder der Verschlechterung des Kreditrisikos der finanziellen Vermögenswerte erfolgen: Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 74 4 Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 974 Topf 1 Topf 2 Topf 3 Inhalt Portfolios, die aus finanziellen Vermögenswerten bestehen, die keine beobachtbaren Ereignisse auf eine zukünftige Kreditverschlechterung aufweisen (also nicht den Töpfen 2 oder 3 zuzuordnen sind) Finanzielle Vermögenswerte, die beobachtbare Ereignisse auf zukünftige potenzielle Kreditverluste auf Portfolioebene aufweisen, welche einem einzelnen finanziellen Vermögenswert noch nicht zuordenbar sind Finanzielle Vermögenswerte, bei denen Informationen darauf schließen lassen, dass sich Kreditverluste auf individueller Basis ereignen werden oder schon ereignet haben Erfassungsebene Portfoliowertberichtigung Portfoliowertberichtigung Einzelwertberichtigung Umfang der Risikovorsorge Anteilige Erfassung erwarteter Verluste Vollständige Erfassung erwarteter Verluste über die (Rest-)Laufzeit Vollständige Erfassung erwarteter Verluste über die (Rest-)Laufzeit Tab. 4.1: Zuordnung finanzieller Vermögenswerte auf einzelne Töpfe Nach dem aktuellen Arbeitsplan des IASB soll im ersten Halbjahr 2012 ein neuer Standardentwurf mit Vorschlägen zur Wertminderungsprüfung vorgelegt werden. Es bleibt abzuwarten, welche Regelungen der finale Standard vorsehen wird; gleichwohl ist bereits jetzt absehbar, dass der bisherige unter IAS 39 entwickelte Impairment-Prozess grundlegend zu überdenken ist. Zur Ermittlung und Verteilung der Expected Losses sind geeignete Modelle zu entwickeln und zu implementieren. 4.4 Zusammenfassung Mit IFRS 9 haben sich hinsichtlich der vom Investor erworbenen Verbriefungstitel erhebliche Änderungen ergeben. Die künftige Klassifizierung hängt wesentlich davon ab, in welchem Portfolio die Verbriefungstitel gehalten werden und mithin welches Geschäftsmodell diesem Portfolio zugrunde liegt. Eine Bewertung der erworbenen Verbriefungstranche zu fortgeführten Anschaffungskosten ist – vorbehaltlich der Erfüllung weiterer Bedingungen hinsichtlich des Zahlungsstroms – nur dann möglich, wenn das Geschäftsmodell „Halten zur Vereinnahmung vertraglicher Zahlungsströme“ lautet. Sonst ist eine Bewertung zum Fair Value vorzunehmen. Ein aktiver Abbau eines Verbriefungsportfolios – nach Erstanwendung von IFRS 9 – dürfte regelmäßig dem Geschäftsmodell „Halten zur Vereinnahmung vertraglicher Zahlungsströme“ entgegenstehen. Eine detaillierte Beurteilung ist auf Basis der bei Erstanwendung 4.4 Zusammenfassung

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland