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Ralf Struffert, 4.1 Einleitung in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 64 - 66

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_64

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 59 Kapitel 4 Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9 von Dr. Ralf Struffert 4.1 Einleitung Mit der Verabschiedung von IFRS 9 Financial Instruments zur Klassifizierung und Bewertung finanzieller Vermögenswerte im November 2009 und der Ergänzung um die Klassifizierung und Bewertung finanzieller Verbindlichkeiten im Rahmen der Veröffentlichung einer überarbeiteten IFRS-9-Fassung im Oktober 2010 wurde die erste Projektphase zur Ablösung von IAS 39 abgeschlossen.68 Insgesamt ist vorgesehen, die Regeln zur Ablösung von IAS 39 im Rahmen mehrerer Phasen mit verschiedenen Schwerpunkten zu erarbeiten. Neben der Klassifizierung und Bewertung finanzieller Vermögenswerte und Verbindlichkeiten handelt es sich dabei um die Themengebiete Fortgeführte Anschaffungskosten und Wertminderungen (Phase II), Hedge Accounting (Phase III) sowie Saldierung finanzieller Vermögenswerte und finanzieller Verbindlichkeiten (Phase IV).69 In der ersten Phase wurden insbesondere auch spezifische Regeln zur bilanziellen Abbildung von Verbriefungstranchen beim Investor formuliert. Treiber waren dabei nicht zuletzt die Probleme, die sich im Zuge der Finanzkrise mit Blick auf Verbriefungstitel und deren bilanzielle Abbildung zeigten. 68 Zu den Wechselwirkungen von IFRS 9 mit IAS 39, IFRS 7 und IAS 32 vgl. Deloitte, iGAAP 2011, S. 3010 f. 69 Zur Phase „Fortgeführte Anschaffungskosten und Wertminderungen“ werden nach dem Entwurf aus November 2009 und der Ergänzung aus Januar 2011 für das erste Halbjahr 2012 nochmals eine Überarbeitung und ein erneuter Standardentwurf erwartet. Siehe dazu Abschnitt 3. Der Standardentwurf zu Sicherungsbeziehungen wurde in zwei Teile gespalten. Der erste Teil zum allgemeinen Hedge Accounting Modell (insb. Micro Hedge Accounting) wurde bereits Ende 2010 veröffentlicht. Die Herausgabe des Entwurfs zum Macro Hedge Accounting wurde für das erste Halbjahr 2012 angekündigt. Dann wird auch mit einer Finalisierung der Vorschriften zum allgemeinen Hedge-Accounting-Modell gerechnet. Vgl. Arbeitsplan des IASB, abrufbar unter: http://www.ifrs.org/Current+Projects/IASB+Projects/IASB+Work+Plan.htm. 4 Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9 4.1 Einleitung Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 60 4 Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 960 Im Zuge der Ablösung von IAS 39 wurden hinsichtlich Verbriefungen neben der Abbildung beim Investor auch die für die Bilanzierung beim Originator relevanten Ausbuchungsregeln diskutiert.70 IASB und FASB hatten bereits im April 2005 ein entsprechendes Forschungsprojekt initiiert. Neben einer angestrebten Vereinheitlichung der Regelungen von IAS 39 und ASC 860 (ehemals SFAS 140) sollte auch die vielfach geäußerte Kritik aufgegriffen werden, nach der die derzeitigen Anforderungen der IFRS und US-GAAP zur Ausbuchung als zu komplex empfunden wurden. Im Frühjahr 2009 veröffentlichte der IASB schließlich den Exposure Draft ED/2009/3 Derecognition, Proposed amendments to IAS 39 and IFRS 7, der sowohl einen primär an der Kontrolle ausgerichteten Ansatz als auch einen alternativen Ansatz enthielt.71 Der primär an der Kontrolle ausgerichtete Ansatz wurde in der Praxis überwiegend kritisch gesehen, der Alternativansatz von vielen Vertretern der Praxis hingegen grundsätzlich begrüßt. Im Zuge der weiteren Beratungen von IASB und FASB zeichnete sich jedoch noch größerer Abstimmungsbedarf ab, da unter anderem der Sachverhalt „Repo 105“ nicht mit dem ED vereinbar erschien.72 Schließlich wurde das IASB-Projekt zur Ausbuchung von der aktuellen Prioritätenliste genommen. Stattdessen verständigten sich IASB und FASB darauf, den Fokus kurzfristig auf die Verbesserung der Transparenz und Vergleichbarkeit im Hinblick auf Angaben zur Übertragung finanzieller Vermögenswerte nach IFRS und US-GAAP zu legen. Im Oktober 2010 veröffentlichte der IASB daher lediglich Änderungen an IFRS 7. Künftig sind nach diesen Änderungen zusätzliche Angabepflichten erforderlich, um bei übertragenen, aber nicht oder nicht vollständig ausgebuchten finanziellen Vermögenswerten die Beziehung zwischen diesen Vermögenswerten und den zugehörigen Verbindlichkeiten sowie bei übertragenen und ausgebuchten finanziellen Vermögenswerten Art und Risiko aus dem anhaltenden Engagement anzugeben. Eine Entscheidung zum weiteren Projektvorgehen hinsichtlich einer grundsätzlichen Neufassung der Ausbuchungsregeln steht noch aus. Der folgende Beitrag konzentriert sich damit auf die Neufassung der Regeln zur Abbildung von Verbriefungen beim Investor. Am 7.11.2011 hat der IASB den Vorschlag aus dem ED Mandatory Effective Date of IFRS 9 bestätigt, IFRS 9 verpflichtend erst für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1.1.2015 beginnen. Eine frühere Anwendung ist (bei entsprechendem Endorsement) zulässig. Darüber 70 Siehe zu den Ausbuchungsregeln in diesem Buch: Vladimir Gryshchenko, Ulrich Lotz: Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS, S. 37. 71 Vgl. zum ED Derecognition z. B. Berger/Kaczmarska, KoR 2009, S. 316–328. 72 Grundsätzlich sollten Rückkaufvereinbarungen als gesicherte Kapitalaufnahmen (Finanzierung) behandelt werden und nicht als Veräußerungen des Vermögenswerts. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 61 4.2 Klassifizierung von Verbriefungen 61 hinaus hat der IASB beschlossen, auf die Angabe von Vergleichszahlen für das Vorjahr zu verzichten. Stattdessen sollen im Erstanwendungszeitpunkt Anhangangaben zur Überleitung von IAS 39 auf IFRS 9 (Comparative Transition Disclosures) veröffentlicht werden. 4.2 Klassifizierung von Verbriefungen 4.2.1 Klassifizierungsmodell des IFRS 9 Ein Unternehmen hat einen finanziellen Vermögenswert – mithin den erworbenen Verbriefungstitel – bei Zugang für Zwecke der Folgebewertung hinsichtlich des anzuwendenden Wertmaßstabs zu klassifizieren. In Abhängigkeit der Klassifizierung erfolgt die Folgebewertung entweder zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value) oder zu fortgeführten Anschaffungskosten (Amortised Cost). Die in IAS  39 zur Anwendung kommenden Bewertungskategorien für finanzielle Vermögenswerte sind in ihrer bisherigen Abgrenzung entfallen.73 Entscheidend für die Klassifizierung des finanziellen Vermögenswertes zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum Fair Value sind nach IFRS 9.4.1.1 •• das Geschäftsmodell des Unternehmens, das der Steuerung finanzieller Vermögenswerte zugrunde liegt, und •• die Eigenschaften der vertraglichen Zahlungsströme (Contractual Cash Flow Characteristics) des Instruments. Das folgende Schema gibt einen Überblick über das grundsätzliche Modell des IFRS 9 zur Abbildung finanzieller Vermögenswerte. In Abhängigkeit der beiden genannten Klassifizierungskriterien erfolgt die Festlegung der Bewertungsklasse, woraus sich dann wiederum die Erfolgswirksamkeit der Wertänderungen ergibt. Eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten kommt letztlich nur dann in Betracht, sofern die nachfolgenden Bedingungen kumulativ erfüllt sind:74 •• Das Geschäftsmodell der Beurteilungseinheit (z. B. Portfolio), in der der finanzielle Vermögenswert gehalten wird, zielt auf die Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungsströme (Geschäftsmodellbedingung) und 73 Hinsichtlich der Bewertung im Zeitpunkt des Zugangs des Finanzinstruments ergeben sich mit IFRS 9 keine Änderungen im Vergleich zu den Regelungen in IAS 39. Die Zugangsbewertung erfolgt somit weiterhin zum Fair Value. 74 Vgl. IFRS 9.4.1.2. 4.2 Klassifizierung von Verbriefungen

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland