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Vladimir Gryshchenko, Ulrich Lotz, 3.4 Ausbuchung von Vermögenswerten in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 55 - 62

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_55

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 50 3 Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer50 kungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu verstehen, ist das berichtende Unternehmen zur Bereitstellung weiterführender Informationen verpflichtet. 3.4 Ausbuchung von Vermögenswerten 3.4.1 Forderungsabgang beim Veräußerer Wie in Abschnitt 1 bereits erläutert, wurden die Regelungen des IAS 39 zur Ausbuchung von Vermögenswerten inhaltlich unverändert in den neuen IFRS  9 übernommen. Da dem IFRS  9 noch das Endorsement fehlt und seine verpflichtende Anwendung erst für am bzw. nach dem 1.1.2015 beginnende Geschäftsjahre vorgesehen ist, wird im Folgenden auf den momentan noch gültigen IAS 39 verwiesen. In IFRS 9 finden sich die Ausbuchungsvorschriften in den Textziffern 3.2.1 bis 3.3.4. Die in IAS 39.15 ff. dargelegten Abgangsregeln für finanzielle Vermögenswerte (bspw. Forderungen) lassen sich anhand des in der Abbildung 3.2 dargestellten Entscheidungsbaums zusammenfassen.44 Nach der im vorstehenden Abschnitt diskutierten Konsolidierungsfrage ist gemäß IAS 39.16 zunächst zu klären, ob die Abgangsregeln auf einen Teil eines finanziellen Vermögenswerts oder einen finanziellen Vermögenswert in seiner Gesamtheit angewendet werden sollen. Die Anwendung auf einen Teil eines Vermögenswerts ist nur möglich, wenn der Teil entweder genau spezifizierte Cashflows eines finanziellen Vermögenswerts umfasst (z. B. Interest-Only Strip), einen proportionalen Anteil der Cashflows eines finanziellen Vermögenswerts umfasst (z. B. 90 % aller Cashflows eines Vermögenswerts) oder eine Kombination beider Alternativen vorliegt. In allen anderen Fällen ist der Vermögenswert in seiner Gesamtheit zu betrachten. Für die Ausbuchung eines finanziellen Vermögenswerts aus der Bilanz eines Unternehmens ist nach IAS 39.17 erforderlich, dass entweder das vertragliche Recht, Cashflows aus dem Vermögenswert zu erhalten, endet (z. B. vollständige Tilgung einer Forderung) oder der Vermögenswert nach den Vorschriften in IAS 39.18–20 übertragen wird. Die Übertragung eines finanziellen Vermögenswerts kann nach IAS 39.18 auf zwei Arten erfolgen: a) Übertragung der vertraglichen Rechte, die Cashflows aus dem Vermögenswert zu erhalten 44 Vgl. IAS 39.AG36. 3.4 Ausbuchung von Vermögenswerten Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 51 3.4 Ausbuchung von Vermögenswerten 51 b) Verbleiben der vertraglichen Rechte, die Cashflows aus dem Vermögenswert zu erhalten, beim Übertragenden bei gleichzeitiger Übernahme einer vertraglichen Verpflichtung, die Cashflows gemäß IAS 39.19 weiterzuleiten (Pass-through Arrangement) Abb. 3.2: Entscheidungsbaum zur Ausbuchung von Vermögenswerten nach IFRS Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 52 3 Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer52 Allgemeine Voraussetzung für die Übertragung der vertraglichen Rechte ist, dass die Übertragung unter dem anwendbaren Rechtssystem insolvenzfest ist. Bei Verkauf und offener Abtretung dürfte dies in der Regel unproblematisch sein. Schwieriger stellen sich Gestaltungen mit stiller Zession dar. Das IDW vertritt die Auffassung, dass eine stille Zession der Übertragung der vertraglichen Rechte an dem Vermögenswert nur dann nicht entgegensteht, wenn der Erwerber die stille Zession – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen – in eine offene Zession umwandeln kann.45 Der weithin übliche Verbleib der Forderungsverwaltung beim Verkäufer beeinträchtigt für sich genommen die Übertragung nicht. Ein Pass-through Arrangement gemäß IAS 39.19 liegt nur dann vor, wenn die Weiterleitungsverpflichtung einerseits auf die Beträge beschränkt ist, die der Verpflichtete selbst erhält, diese Beträge andererseits aber ohne wesentliche Verzögerung weitergeleitet werden müssen. Au- ßerdem muss es dem Verpflichteten untersagt sein, die Vermögenswerte außer als Sicherheit für die weiterzuleitenden Cashflows zu verpfänden oder sie weiter zu veräußern. Der Begriff „ohne wesentliche Verzögerung“ wird im Standard nicht näher definiert. Bei kontinuierlich eingehenden Cashflows von den Forderungsschuldnern (z. B. bei einem Pool von Handels- oder Kreditkartenforderungen) wird ein Zeitraum von maximal drei Monaten zwischen Erhalt und Weitergabe der Cashflows nicht zu beanstanden sein. Sollten die erhaltenen Cashflows bis zur Weiterleitung zulässigerweise in kurzfristige Anlagen46 investiert werden, müssen auch die erhaltenen Zinsen weitergeleitet werden. Insgesamt stellen die Pass-through-Voraussetzungen vor allem für revolvierende Transaktionen eine wesentliche Hürde für die Ausbuchung dar, da bei diesem Transaktionstyp im Allgemeinen die eingehenden Zahlungen der Forderungsschuldner während eines bestimmten Zeitraums nicht für Tilgungszahlungen an die Inhaber der ABS-Papiere verwendet werden, sondern dem Ankauf neuer Forderungen dienen. Im nächsten Schritt ist zu untersuchen, inwieweit die Risiken und Chancen (Risks and Rewards) aus den übertragenen Vermögenswerten übertragen wurden,47 wobei hier neben Ausfallrisiken bspw. auch Zinsänderungsrisiken, Fremdwährungsrisiken und Risiken vorzeitiger Rückzahlung betrachtet werden. Eine Ausbuchung aus der Bilanz des Veräußerers ist nur dann zulässig, wenn im Wesentlichen alle Chancen und Risiken übertragen wurden. Wurden im Wesentlichen alle Chancen 45 Vgl. IDW RS HFA 9 „Einzelfragen zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS“, Tz. 119 f. 46 Cash or Cash Equivalents gemäß der Definition in IAS 7.6. 47 Vgl. IAS 39.20. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 53 3.4 Ausbuchung von Vermögenswerten 53 und Risiken behalten, sind die Vermögenswerte weiterhin in der Bilanz des Veräußerers auszuweisen. Maßstab für die Beurteilung des Übergangs der Risiken und Chancen ist gemäß IAS 39.21 f. der Vergleich zwischen dem Ausmaß, in dem der Übertragende der Variabilität der zukünftigen Netto-Cashflows aus den übertragenen Vermögenswerten vor und nach der Übertragung ausgesetzt ist. Im Wesentlichen alle Risiken und Chancen wurden zurückbehalten, wenn sich vor und nach der Übertragung kein signifikanter Unterschied ergibt. Im Wesentlichen alle Risiken und Chancen sind übergegangen, wenn der Übertragende nach der Übertragung keiner signifikanten Variabilität der Netto-Cashflows mehr ausgesetzt ist. Die Analyse hat barwertig zu erfolgen, und die möglichen Cashflows sind mit ihren Eintrittswahrscheinlichkeiten zu gewichten. Die Begriffe „wesentlich“ und „signifikant“ werden in IAS 39 nicht näher definiert. Der Standard gibt jedoch einige Anhaltspunkte und Beispiele zu ihrer Auslegung.48 So liegt ein Zurückbehalten im Wesentlichen aller Chancen und Risiken u. a. dann vor, wenn ein Vermögenswert verkauft und gleichzeitig ein Total Return Swap abgeschlossen wird, der die Marktrisiken wieder auf den Verkäufer verlagert. Der Übergang im Wesentlichen aller Risiken und Chancen wird im Standard u. a. an den Beispielen eines bedingungslosen Verkaufs und eines Verkaufs unter Eingehung einer Rückkaufoption zum Fair Value erläutert. Da weniger eindeutige Gestaltungen in IAS 39 nicht dargestellt sind, verbleibt in vielen Fällen ein signifikanter Interpretationsspielraum. Um eine Quantifizierung zu erleichtern, schlägt das IDW bspw. eine Messung der Risiken und Chancen durch ein Erwartungswert-Standardabweichungs-Modell vor.49 Andere Modelle sind aber ebenfalls zulässig. In ABS-Transaktionen dürfte der Fall der Übertragung im Wesentlichen aller Risiken und Chancen sehr selten und hauptsächlich nur dann vorkommen, wenn alle wesentlichen Credit Enhancements von Drittparteien gestellt werden. Hat der Veräußerer weder im Wesentlichen alle Risiken und Chancen übertragen noch sie zurückbehalten,50 ist nach IAS 39.20(c) zu untersuchen, ob der Veräußerer die Verfügungsmacht (Control) über die 48 Vgl. IAS 39.AG39 f. 49 Vgl. IDW RS HFA 9, Tz. 132 ff. 50 In der Praxis wird vielfach eine Grenzziehung etwa im Bereich von 10 %/90 % vorgenommen, d. h. ein Übergang von 10 % oder weniger der Risiken und Chancen führt zum Zurückbehalten im Wesentlichen aller Risiken und Chancen; ein Übergang von 90 % oder mehr der Risiken und Chancen führt zur Übertragung im Wesentlichen aller Risiken und Chancen; für den Bereich zwischen 10 % und 90 % wäre dann der Continuing-Involvement-Ansatz anwendbar. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 54 3 Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer54 Vermögenswerte behalten hat. Ist dies der Fall, findet der sog. Continuing-Involvement-Ansatz51 Anwendung. Ist dies nicht der Fall, sind die Vermögenswerte aus seiner Bilanz auszubuchen. Die Frage der Verfügungsmacht über die Vermögenswerte ist danach zu beantworten, ob der Empfänger/Erwerber die Vermögenswerte frei und ohne Beschränkungen an Dritte weiterveräußern kann. Dies dürfte in den meisten ABS-Strukturen nicht der Fall sein, bspw. aufgrund der einzuhaltenden Servicing Standards bei Kreditforderungen oder der eingeschränkten Geschäftsaktivitäten der Zweckgesellschaft, sodass im Regelfall die Verfügungsmacht beim Veräußerer verbleibt. Der in diesem Fall anzuwendende Continuing-Involvement-Ansatz fordert, dass der Veräußerer die Vermögenswerte in dem Maße weiterhin bilanziert, in dem er Wertänderungen der Vermögenswerte nach ihrer Übertragung ausgesetzt bleibt, z. B. durch Ausfallgarantien, Clean-up Calls oder variable Kaufpreisabschläge/Reservekonten.52 Gleichzeitig ist eine korrespondierende Verbindlichkeit auszuweisen. Die aktivierten und passivierten Beträge müssen insgesamt die vom Veräußerer einbehaltenen Rechte und Pflichten reflektieren.53 So führt bspw. eine Ausfallgarantie des Veräußerers zu einem verbleibenden Bilanzansatz in Höhe des Garantiebetrags, während der darüber hinausgehende Buchwert des Vermögenswerts ausgebucht wird, und zum Ansatz einer Verbindlichkeit in Höhe des Garantiebetrags. Der Fair Value der Garantie ist zudem aufwandswirksam als Verbindlichkeit einzubuchen und über die Laufzeit der Garantie zeitanteilig erfolgswirksam auszubuchen. Im Unterschied zu den deutschen handelsrechtlichen Regeln, die nur die Alternativen „Vollabgang“ oder „kein Abgang“ erlauben, dürfte durch den Continuing-Involvement-Ansatz in einer Reihe von Fällen zumindest ein Teilabgang der Vermögenswerte erzielbar sein. Führt die Prüfung der Abgangsvorschriften gemäß dem oben dargestellten Schema zu der Schlussfolgerung, dass die übertragenen Vermögenswerte aus der Bilanz des Übertragenden auszubuchen sind, erfolgt eine Gewinn- bzw. Verlustrealisierung, wobei auch neu entstandene Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zu berücksichtigen sind, z. B. durch die Beibehaltung des Servicing durch den Übertragenden.54 Verbleiben die Vermögenswerte in der Bilanz des Übertragenden, ist in Höhe des empfangenen Entgelts eine Verbindlichkeit einzubuchen.55 51 Als Synonym für „Continuing Involvement“ wird im Folgenden der Begriff „anhaltendes Engagement“ verwendet. 52 Vgl. IAS 39.30. 53 Vgl. IAS 39.31. 54 Vgl. IAS 39.24 f. 55 Vgl. IAS 39.29. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 55 3.4 Ausbuchung von Vermögenswerten 55 Für Berichtsjahre, die am oder nach dem 1.7.2011 beginnen, sind zudem die erweiterten Angabepflichten des neu gefassten IFRS 7 im Zusammenhang mit der Ausbuchung von Vermögenswerten zu beachten. 3.4.2 Neue Anhangangaben bei der Ausbuchung von finanziellen Vermögenswerten nach IFRS 7 Je nachdem, ob es infolge der Übertragung von Vermögenswerten zu einer vollständigen oder teilweisen Ausbuchung (Bilanzierung i. H. d. Continuing Involvement) bzw. Nicht-Ausbuchung kommt, unterscheiden sich auch die erforderlichen Anhangangaben nach IFRS 7 Finanzinstrumente: Angaben. 56 57 58 Ergebnis der Übertragung Anhangangaben Keine Ausbuchung •• Bereits vor der Überarbeitung sah IFRS 7 umfangreiche Angabepflichten für die Fälle vor, in denen es trotz des Transfers eines finanziellen Vermögenswertes zu keiner Ausbuchung kommt. Dazu zählen Angaben zu der Art der übertragenen Vermögenswerte, den daraus resultierenden Chancen und Risiken sowie die Buchwerte der übertragenen bzw. zurückbehaltenen Vermögenswerte. Diese Angabepflichten wurden im neuen IFRS 7 im Wesentlichen beibehalten. •• Zusätzliche Angaben sieht IFRS 7 in Bezug auf den Charakter der Transaktion als besicherte Darlehensaufnahme vor. Die neu geforderten Angaben sollen den Abschlussadressaten darüber informieren, ob die beim Übertragenden weiterhin bilanzierten Vermögenswerte auch nach dem Transfer von diesem uneingeschränkt genutzt werden können.56 Da ein rechtswirksamer Forderungsübergang in der Regel eine Abtretung von Sicherungsrechten voraussetzt, ist auf diese Tatsache vom Bilanzierenden hinzuweisen. Ohne diese Informationen könnte es zu einer systematischen Überschätzung der Rechte des Originators an den übertragenen Forderungen – und damit auch deren Wertes – durch die Abschlussadressaten kommen.57 •• Kann der Erwerber zur Befriedigung seiner Ansprüche Rückgriff ausschließlich auf die transferierten Vermögenswerte nehmen, was bei Verbriefungen regelmäßig der Fall ist, so werden in IFRS 7 Angaben zum Fair Value der übertragenen Vermögenswerte und der dazugehörigen Verbindlichkeit sowie die Angabe der verbleibenden Nettoposition verlangt.58 56 Vgl. IFRS 7.42D(c). 57 Vgl. Bardens/Meurer, WPg 2011, S. 621. 58 Vgl. IFRS 7.42D(d) sowie IFRS 7.IG40B und IFRS 7.IG40C. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 56 3 Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer56 Teilweise Ausbuchung (Bilanzierung i. H. d. Continuing Involvement) •• Die bisherigen Angabepflichten des IFRS 7 sind weitgehend gleich geblieben. Auch der neu gefasste IFRS 7 sieht die Angabe des gesamten Buchwertes der ursprünglichen Vermögenswerte vor der Übertragung, des Buchwertes der beim Übertragenden weiterhin bilanzierten Vermögenswerte sowie der dazugehörigen Verbindlichkeiten vor.59 Vollständige Ausbuchung •• Der bisherige IFRS 7 verlangte keine Anhangangaben im Falle einer vollständigen Ausbuchung. Folge: Die beim Veräußerer verbleibenden Chancen und Risiken aus nicht ansatzfähigen bzw. nicht separat ausgewiesenen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten waren für den Abschlussadressaten nicht zu erkennen.60 •• Die Neufassung des IFRS 7 sieht nun umfangreiche Angaben auch für vollständig ausgebuchte Vermögenswerte vor, bei denen der Übertragende ein anhaltendes Engagement (Continuing Involvement) nach dem Transfer hat. Als Continuing Involvement gelten sämtliche vertraglichen Rechte und Pflichten, die bei dem Übertragenden aus dem transferierten Vermögenswert zurückbleiben bzw. neu entstehen.61 Auf die Erfassung des anhaltenden Engagements in der Bilanz des Übertragenden kommt es nicht an. Vollständige Ausbuchung •• Bilanziell nicht abgebildete Servicing-Gebühren, Rückkaufvereinbarungen mit Garantiecharakter (Rückkaufpreis entspricht nicht dem Fair Value der Vermögenswerte) sind folglich angabepflichtig. •• Dagegen sind unter Representations and Warranties fallende Vereinbarungen sowie Rechte und Pflichten aus Durchleitungsvereinbarungen von den Angabepflichten ausgenommen.62 •• Liegt ein anhaltendes Engagement vor, werden umfangreiche qualitative und quantitative Angaben vom Bilanzierenden verlangt. •• Qualitative Angaben sind zum Wesen des anhaltenden Engagements sowie zu den daraus resultierenden Risiken zu machen. U. a. ist anzugeben, ob das berichtende Unternehmen vor anderen Transaktionsparteien zur Übernahme von Verlusten aus den übertragenen Vermögenswerten verpflichtet ist. Zu beschreiben sind zudem Trigger, die eine Zahlungsverpflichtung des Übertragenden bzw. einen Rückkauf des übertragenen Vermögenswertes auslösen können.63 •• Quantitative Angaben können für jede Art eines anhaltenden Engagements (z. B. Verbriefung) zusammengefasst dargestellt werden. Vor allem folgende Angaben sind zu machen:64 •– Der Fair Value und ggf. der Buchwert (falls in der Bilanz abgebildet) der Vermögenswerte und Schulden, die das Continuing Involvement des berichtenden Unternehmens darstellen, 59 60 61 62 63 64 59 Vgl. IFRS 7.42D(f). 60 Vgl. Bardens/Meurer, WPg 2011, S. 621. 61 Vgl. IFRS 7.42C. 62 Vgl. IFRS 7.42C(a) und (c). 63 Vgl. IFRS 7.B37(b) und (c). 64 Vgl. IFRS 7.42E ff. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 57 3.5 Zusammenfassung und Ausblick 57 •– Das maximale Verlustrisiko aus dem anhaltenden Engagement sowie eine Beschreibung der bei der Schätzung angewandten Methode; •– Der Gesamtbetrag der nicht abgezinsten Zahlungen, die an den Erwerber aufgrund des anhaltenden Engagements (z. B. Rückkaufoption) zu leisten sind einschließlich einer Übersicht über die vertraglichen Restlaufzeiten; •– Gewinn bzw. Verlust aus dem Transfer der Vermögenswerte zum Zeitpunkt der Übertragung u. a. aufgrund der Änderung des Fair Value des anhaltenden Engagements, 65 •– Zeitpunkt des Transfers. Sofern die Erträge aus dem Verkauf von finanziellen Vermögenswerten nicht gleichmä- ßig über das Geschäftsjahr realisiert wurden, ist hinzuweisen, auf welchen Zeitraum (z. B. die letzten fünf Tage vor Ende der Berichtsperiode) der überwiegende Teil der Verkäufe entfiel und welche Gewinne bzw. Verluste damit erzielt wurden. Dadurch sollen bilanzpolitisch getriebene Verkäufe kurz vor Ablauf des Geschäftsjahres vom Abschlussadressaten erkannt werden. Tab. 3.2: Überblick über die Anhangangaben nach IFRS 7 Die oben dargestellte Übersicht über die erweiterten Anhangangaben des überarbeiteten IFRS 7 zeigt deutlich auf, dass die Erweiterung der Angabepflichten in erster Linie den Fall einer vollständigen Ausbuchung aus der Bilanz des Übertragenden betrifft. Zusätzliche Angabepflichten erwachsen nunmehr aus sämtlichen vertraglich fundierten Continuing Involvements des Verkäufers – auch wenn diese keine Abbildung in seiner Bilanz finden. Zur Identifizierung vorhandener Continuing Involvements ist eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Vertragswerk der jeweiligen Verbriefungstransaktion in jedem Fall geboten. Da der Standard eine Anwendung auf alle Transfers von finanziellen Vermögenswerten unabhängig von dem Zeitpunkt der Übertragung vorschreibt, müssen sämtliche am Bilanzstichtag noch bestehenden anhaltenden Engagements des Originators in den Anhangangaben entsprechend erfasst werden.656 3.5 Zusammenfassung und Ausblick Mit der Verabschiedung des IFRS 10 werden die bestehenden Konsolidierungsvorschriften des IAS 27 und der SIC-12 durch ein einheitliches sowohl auf Zweck- als auch Nicht-Zweckgesellschaften anwendbares Konsolidierungskonzept ersetzt. Dieses enthält zwar auch Elemente des aus SIC-12 bekannten Risk-and-Reward-Ansatzes in Form von variablen 65 Vgl. IFRS 7.B38. 66 Vgl. IFRS 7.42A. 3.5 Zusammenfassung und Ausblick

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland