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Andrea Flunker, Ulrich Lotz, 2.3 Behandlung von Reservekonten in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 38 - 39

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_38

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 32 2 Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer32 Sind der variable Kaufpreisabschlag oder andere Gestaltungselemente als unangemessen zu betrachten, scheitert der True Sale im Bilanzsinne, da der Verkäufer weiterhin Verluste zu tragen hat, die über die zu erwartenden Ausfälle hinausgehen. Der Verkäufer weist die Forderungen weiterhin in seiner Bilanz aus und bucht in Höhe der zugeflossenen Mittel eine Verbindlichkeit ein. Eine Gewinn- oder Verlustrealisierung findet nicht statt. 2.3 Behandlung von Reservekonten Wird der Kaufpreisabschlag zur Dotierung eines Reservekontos verwendet, das dem Erwerber der Forderungen zur Abdeckung von Forderungsausfällen zur Verfügung steht und dessen Restsaldo nach Beendigung der Transaktion an den Forderungsverkäufer ausgeschüttet wird, stellt sich die Frage, ob und in welcher Höhe der Verkäufer die auf dem Reservekonto befindlichen Beträge aktivieren darf. Da bei der vorstehend beschriebenen Gestaltung ein Auszahlungsanspruch des Veräußerers erst nach Beendigung der Transaktion feststeht, kommt eine Aktivierung des Reservekontos in seiner Bilanz insoweit nicht in Betracht (vgl. IDW RS HFA 8, Tz.  33 ff.). Soweit bei der Aufstellung des Jahresabschlusses des Veräußerers zu einem Bilanzstichtag während der laufenden Transaktion bis zum Ende der jeweiligen Wertaufhellungsphase12 (Teil-)Beträge des Reservekontos endgültig abgerechnet worden sind, kann er diese Beträge jedoch zu diesem Bilanzstichtag aktivieren. Dies kann insbesondere für revolvierende Transaktionen relevant sein (vgl. IDW RS HFA 8, Tz. 38 f.). Eine weitere Möglichkeit zur Aktivierung des Reservekontos beim Ver- äußerer besteht gemäß IDW RS HFA 8, Tz. 39a dann, wenn die Transaktion so strukturiert wird, dass anstatt eines Kaufpreisabschlags vom Nennwert bzw. Barwert der Forderungen eine Garantie des Veräußerers für Forderungsausfälle bis zu einer bestimmten Höhe vereinbart wird. Soweit die sonstigen Voraussetzungen für den True Sale im bilanziellen Sinne vorliegen (insbesondere Erfüllung des Angemessenheitskriteriums), aktiviert der Veräußerer die Kaufpreisforderung bzw. den erhaltenen Kaufpreis in voller Höhe. Die Garantieverpflichtung ist durch eine Risikovorsorge (Rückstellung) in Höhe der erwarteten Garantieinanspruchnahme bilanziell zu berücksichtigen. Diese dürfte meistens der vor Veräußerung auf die Forderungen gebildeten Risikovorsorge 12 Die Wertaufhellungsphase umfasst den Zeitraum zwischen Bilanzstichtag und Bilanzaufstellung. 2.3 Behandlung von Reservekonten Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 33 2.4 Konsolidierung der Zweckgesellschaft 33 entsprechen. Eine Barunterlegung der Garantie, z. B. auf einem Konto des Veräußerers bei der Zweckgesellschaft (Erwerber), hindert die Aktivierung nicht. 2.4 Konsolidierung der Zweckgesellschaft Die Konsolidierung von Zweckgesellschaften richtet sich nach den allgemeinen Regeln des § 290 HGB. In Folge der weltweiten Finanzmarktkrise wurden die Konsolidierungsvorschriften u. a. auch im deutschen Handelsrecht reformiert, um zu gewährleisten, dass Muttergesellschaften, welche die wesentlichen Risiken aus Zweckgesellschaften tragen, diese in ihrer Bilanz ausweisen. Bis dato konnte ein Mutter-Tochter-Verhältnis entweder nach dem Konzept der „einheitlichen Leitung“ (§ 290 Abs. 1 HGB) oder nach dem „Control-Konzept“ (§ 290 Abs. 2 HGB) begründet werden. Bei einheitlicher Leitung war zudem eine Beteiligung des Mutterunternehmens an dem Tochterunternehmen i. S. d. § 271 Abs. 1 HGB für eine Einbeziehung in den Konzernabschluss erforderlich. Dies führte dazu, dass bei den gängigen ABS-Strukturen, bei denen in aller Regel keine Beteiligung des Veräußerers an der Zweckgesellschaft vorliegt, eine Konsolidierung der Zweckgesellschaft beim Veräußerer nach § 290 Abs. 1 HGB normalerweise nicht in Betracht kam. Mit Inkrafttreten des BilMoG am 29.5.2011 wurde das Konzept der einheitlichen Leitung nach § 290 Abs. 1 HGB abgeschafft. Die gesetzlichen Vertreter einer Kapitalgesellschaft mit Sitz im Inland haben nach den neuen Regelungen dann einen Konzernabschluss aufzustellen, wenn diese auf ein anderes Unternehmen (Tochterunternehmen) unmittelbar oder mittelbar einen beherrschenden Einfluss ausüben kann. Das Vorliegen der Möglichkeit der Beherrschung begründet demnach bereits eine Konsolidierungspflicht. Zudem ist mit § 290 Abs. 2 Nr. 4 HGB ein neuer Absatz eigens für die Konsolidierung von Zweckgesellschaften aufgenommen worden. In Annäherung an die IFRS (insbesondere IAS 27 in Verbindung mit SIC-12) besteht ein beherrschender Einfluss eines Mutterunternehmens auch dann, wenn es bei wirtschaftlicher Betrachtung die Mehrheit der Risiken und Chancen eines Unternehmens trägt, das zur Erreichung eines eng begrenzten und genau definierten Ziels des Mutterunternehmens dient. Neben Unternehmen können Zweckgesellschaften auch sonstige juristische Personen oder unselbständige Sondervermögen des Privatrechts, ausgenommen Spezial-Sondervermögen im Sinn des § 2 Absatz 3 2.4 Konsolidierung der Zweckgesellschaft

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland