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Melanie Bresser, Nikolay Delchev, Borislav Goranov, Annike von Slupetzki, 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 26 - 29

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_26

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 19 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt 19 wicklung. Diese und ähnliche Qualitätsstandards werden dazu beitragen, das Vertrauen von Investoren in deutsche Verbriefungsprodukte zu stärken oder zu gewinnen. Des Weiteren fördert auf internationaler Ebene der Commercial Real Estate Finance Council (CRE Finance Council, ehemals Commercial Mortgage Securities Association) die Entwicklung von Transaktionen gewerblicher Immobiliendarlehen. Die private Organisation beschäftigt sich u. a. mit aktuellen Marktentwicklungen und der Einführung von standardisierten Investor Report-Anforderungen. Bisher ist der CRE Finance Council stark auf dem US-Markt aktiv, jedoch hat sich bereits auch ein Sub-Komitee gebildet, das sich besonders auf die deutschen Marktanforderungen und Belange konzentriert. Mit dem aktuellen Einführungsprozess des CRE Finance Council-Investor Reporting Package (CREFC IRP) Version 5.1 wurde im Verbriefungssegment CMBS bereits ein Schritt in Richtung vergleichbarer und qualitativ hochwertiger Informationsübermittlung unternommen. Bei dem CREFC IRP handelt es sich um einen Standard zum inhaltlichen und formellen Aufbau von Berichten für Anleger, die in verbriefte gewerbliche Hypothekenforderungen investiert haben. Die Vorteile der Platzierung von Risiken und die Refinanzierung an internationalen Kapitalmärkten sind für unsere Volkswirtschaft zu bedeutend, um auf das Finanzinstrument der Verbriefung verzichten zu können. Solide und wenig komplexe Verbriefungen werden auch künftig wichtige Instrumente für das deutsche Finanzsystem sein. In Deutschland verbriefte klassische Kredite sind und waren ganz überwiegend solide Instrumente, die insbesondere dem Mittelstand in der Vergangenheit einen erheblichen Mittelzufluss gewährt haben. Sie unterscheiden sich ganz wesentlich von den Papieren, die als Auslöser für die Finanzkrise gelten, worauf nachfolgend näher eingegangen wird. 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt Den deutschen Verbriefungsmarkt zu fördern, war ab dem Jahr 2000 das erklärte Ziel von deutschen Banken und von öffentlicher Seite. Zu nennen sind etwa Initiativen wie die PROMISE/PROVIDE Programme der KfW, TSI (True Sale International) sowie der Finanzmarktförderplan der Bundesregierung. Das Vorhaben war unter anderem, Verbriefung zur Förderung des Mittelstandes, des privaten Wohnungsbaus und insgesamt des Wachstums in Deutschland zu nutzen. Nach dem Ausbruch der Krise im Sommer 2007 erfuhr die Öffentlichkeit von den engen Bezügen des Themas Verbriefung zur Finanzmarktkrise. Von „Giftmüll“, „Massenvernichtungswaffen“ und Finanzmärkten, 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 20 1 Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen20 die zu „Monstern“ geworden seien, war selbst seitens Politikern und Wirtschaftsgrößen die Rede. Was war passiert? Und was hatte der mit so hehren Zielen geförderte deutsche Verbriefungsmarkt damit zu tun? Auch Transaktionen aus Deutschland konnten seit 2007 nur äußerst eingeschränkt am Markt platziert werden, auch wenn sie zu denjenigen mit den vergleichsweise geringsten Risikoaufschlägen zählten. Grund war das tiefe Misstrauen von Investoren gegenüber jeglichen Verbriefungsprodukten, das seinen Ursprung im US-amerikanischen Subprime Segment hat. Analysen der Subprime Krise weisen immer wieder auf zwei wichtige Ursachen der Krise hin: Ein fehlleitendes Anreizsystem und Moral Hazard Aspekte (Risiko des bewussten Fehlverhaltens). Gab es in Deutschland Vergleichbares? Zwar gab es auch hierzulande Verbriefungen mit zweifelhaften Konzeptionen und schlechter Performance, sie blieben jedoch Randerscheinungen. Bei Verbriefungen von klassischen Krediten etwa aus dem Bereich Mittelstand und privater Immobilien- oder Autofinanzierung sind verhältnismäßig einfache Strukturen, weitgehende Standardisierung und Transparenz (nicht zuletzt: die Plattformen der KfW und TSI), hohe Qualität sowie gute Performance die Merkmale dieser deutschen Primärprodukte. Diese positiven Merkmale haben sich nicht zufällig entwickelt. Es lohnt sich, hier einige Aspekte hervorzuheben und den Gegebenheiten im Subprime Segment gegenüberzustellen. Im Subprime Segment war es etwa privaten Kreditnehmern in den USA möglich, mit schwacher Bonität oder kaum nachgewiesenen Einkommensverhältnissen Immobilienkredite in beachtlichen Höhen zu erhalten – dies wurde durch üppige Provisionen für die Vermittler und aggressive Darlehenskonditionen regelrecht angeheizt. Begründbar war dies nur mit dem Glauben an ständig steigende Preise der als Sicherheit dienenden Immobilien sowie mit sofortiger und vollständiger Ausplatzierung aller Kreditrisiken. Zu finden waren etwa Darlehen mit niedrigen Einstiegszinsen, die nach einigen Jahren gleich um mehrere Prozentpunkte anstiegen, oder „negative Amortisationsdarlehen“, d. h. Darlehen, in denen regelmäßige Zahlungen unter dem eigentlichen Zinssatz liegen, damit aber auch die Verschuldung des Darlehensnehmers stetig ansteigt. Ein vergleichbares Segment gab und gibt es in Deutschland nicht. Die privaten Immobilienkredite hierzulande dürften nach US-amerikanischer Einteilung ganz überwiegend dem Prime Segment zuzuordnen sein. Das so genannte „Platzen der Immobilienblase“ in den USA führte zwangsläufig zum deutlichen Absinken der Verwertungserlöse bei einer zunehmenden Anzahl von notleidenden Krediten und somit zu befürchteten oder auch tatsächlich realisierten Verlusten in Subprime Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 21 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt 21 Verbriefungsprodukten. Das Misstrauen gegenüber dem Subprime Segment griff bald auf Produkte mit undurchsichtigen Vermögenswerten und schließlich auf alle Arten von Verbriefungsprodukten über. Als Folge dessen wurde während der Krise auch gut und transparent strukturierten Produkten mit qualitativ hochwertigen Vermögensgegenständen so wenig vertraut, dass sie nur schlecht oder gar nicht mehr am Markt platziert werden konnten. In den USA waren häufig die Einzelelemente des Kreditprozesses sehr weitgehend voneinander getrennt und unterlagen nur sehr eingeschränkt aufsichtsrechtlicher Regelung und Kontrolle. Die Kredite wurden oft nur zur anschließenden Verbriefung vergeben und sodann das gesamte Risiko ausplatziert. Die Bank, die über die Kreditvergabe und deren Bearbeitung entschied, war so von einem späteren Verlust nicht betroffen. Dies zusammen führte zu einem fehlleitenden Anreizsystem, das in letzter Konsequenz das Verbriefen „schlechter“ Kredite förderte. In Deutschland dagegen sind die Einzelelemente des Kreditprozesses üblicherweise weitgehend in einer Hand, auf jeden Fall unterliegen sie jedoch den aufsichtsrechtlichen Vorgaben. Bei Kreditvergabe ist in der Regel ungewiss, welche Darlehen später verbrieft werden oder welche mit vollem Risiko bei der Bank verbleiben. Schon im Jahr 1997 verfügte das damalige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) in seinem Rundschreiben 4/97, dass die Auswahl von zu verbriefenden Darlehen nicht selektiv, sondern zufällig erfolgen muss. Zudem verpflichtet sich die verbriefende Bank („Originator“), die meist die Kredite weiter verwaltet, regelmäßig dazu, die verbrieften Kredite gemäß den eigenen Kreditrichtlinien zu behandeln, so als wäre das Kreditrisiko in der Bank verblieben. Diese Kreditrichtlinien unterliegen der ständigen Ordnungsmäßigkeitsprüfung durch die interne Revision und die Jahresabschlussprüfer. Des Weiteren wurden in Deutschland die Erstverlustpositionen in der überwiegenden Zahl der Transaktionen vom Originator zumindest teilweise selbst einbehalten, so dass ihn zuerst Verluste treffen und er ein Eigeninteresse daran hat, hohe Qualitätsmaßstäbe anzuwenden. Die Einhaltung der Verpflichtungen des Originators/Servicers wird in deutschen synthetischen Banktransaktionen durch einen Transaktionstreuhänder überprüft. Ist ein Verlust im Portfolio angefallen, der den Investoren zugewiesen würde, wird zunächst die korrekte Beachtung der Qualitätskriterien bei Auswahl des nunmehr verwerteten Kredits für den Verbriefungspool kontrolliert. Sodann wird die korrekte Kreditverwaltung und -verwertung gemäß internen Kreditrichtlinien und Transaktionsprospekt geprüft. Soweit hier materielle Fehler festgestellt werden, muss der Originator statt des Investors den Verlust tragen. Ein Transaktionstreuhänder wahrt die Interessen der Investoren, die bei Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 22 1 Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen22 einer Transaktion nur eingeschränkt Informationszugriff haben und kaum aktiv eingreifen können. In Deutschland haben sich hohe Qualitätsstandards entwickelt. Diese gilt es, weiter zu entwickeln und vor allem intensiv zu kommunizieren, damit Investorvertrauen zurück gewonnen werden kann. An der wichtigen Funktion von seriösen Verbriefungsprodukten für die Finanz- und Volkswirtschaft hat sich auch angesichts der derzeitigen angespannten Finanzmarktsituation nichts geändert. Vielmehr werden sie insbesondere bei Tendenzen restriktiverer Kreditvergaben stärker benötigt denn je. 1.5 Aktuelle Lage und Ausblick Während in den Jahren 2008 und 2009 fast ausschließlich EZB-Repogeschäfte getätigt wurden, ließ sich bereits 2010 eine Wiederbelebung des europäischen Verbriefungsmarktes feststellen. Dabei konzentrierte sich das Marktgeschehen vorrangig auf niederländische und britische RMBS- Transaktionen sowie deutsche Auto-ABS. Die positive Entwicklung der europäischen Märkte im Jahr 2010 setzte sich im ersten Halbjahr 2011 fort. Bis Juni 2011 wurden Transaktionen mit einem Volumen von rd. 160 Mrd. aufgelegt, demgegenüber stehen rd. 95 Mrd. EUR für den gleichen Zeitraum im Jahr 2010; als positiver Trend ist der Anstieg an ausplatzierten Verbriefungstranchen, die in diesem Zeitraum ein Volumen von rd. 43 Mrd. EUR erreichten, zu verzeichnen. Dieser europäische Trend konnte teilweise auch in Deutschland beobachtet werden. Trotz eines Rückgangs des verbrieften Nominalvolumens steigt der Anteil ausplatzierter Verbriefungen seit 2009. So ist das ausplatzierte Nominal von Neutransaktionen im ersten Halbjahr 2011 mit rd. 4 Mrd. EUR doppelt so groß wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. ABS i. e. S. – mit einem überwiegenden Teil an Autokrediten – machten den größten Teil der verbrieften deutschen Forderungen aus, während der Rest auf verbriefte Mittelstandskredite entfiel. Obwohl die Anforderungen der EZB an die Notenbankfähigkeit mehrfach verschärft und die Haircuts angehoben wurden, wird die Refinanzierung bei der Zentralbank weiterhin zumindest mittelfristig ein möglicher Grund für deutsche Originatoren für eine Verbriefung sein. Vielfach diskutiert wird im deutschen Markt derzeit die Emission von Structured Covered Bonds zur Refinanzierung. Dadurch sollen Vermögensgegenstände, die sich nicht für Pfandbriefe nach dem Pfandbriefgesetz eignen, als vertraglich gestaltete Besicherung von Bankanleihen genutzt werden. Erwartung ist, dass mit dem Produkt Structured 1.5 Aktuelle Lage und Ausblick

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland