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Melanie Bresser, Nikolay Delchev, Borislav Goranov, Annike von Slupetzki, 1.3 Entwicklung des deutschen Verbriefungsmarktes in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 22 - 26

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_22

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 15 1.3 Entwicklung des deutschen Verbriefungsmarktes 15 •• die Strukturierung der Transaktion (Arranger Fees) •• eine oder mehrere Ratinganalysen (Rating Agency Fees) •• Rechtsberatungen (Legal Fees) •• Steuerberatung (Tax Fees) •• Gutachten von Wirtschaftsprüfern (Accounting Fees) •• Aufwendungen für den Treuhänder (Trustee Fees) •• Platzierungskosten (Lead Manager Fees) In der Regel werden für diese Fees fixe Beträge vereinbart. Des Weiteren entstehen neben den einmaligen Kosten auch laufende Kosten für Leistungen, die für die Dauer der Transaktion u. a. von Servicer, Administrator, Trustee, Principal Paying Agent oder Ratingagenturen erbracht werden. Die internen Kosten gehen insbesondere auf EDV-Adjustierungen oder ggf. den Ankauf spezieller Securitisation Software, die Konsultierung eigener Anwälte sowie für Büroorganisation und Personal für die laufende Überwachung und das Reporting zurück. Die Zinszahlungen an die Inhaber der Asset-Backed Securities orientieren sich in der Regel an einem Referenzzinssatz wie dem EURIBOR oder dem LIBOR, auf den ein risikoabhängiger Zinsaufschlag zu leisten ist. Den Kosten einer Verbriefungstransaktion stehen die oben genannten Vorteile gegenüber (z. B. Erschließung zusätzlicher Finanzquellen oder Verbesserung des eigenen Verschuldungsgrades sowie der Eigenkapitalquote). Ein weiterer Nutzen sowohl aus der synthetischen als auch aus der True-Sale-Verbriefung ergibt sich für Banken und Unternehmen in Bezug auf das Risikomanagement, da Ausfallrisiken aus den verbrieften Forderungen auf den Kapitalmarkt übertragen werden. Die durch die Verbriefung gesteigerte Flexibilität begründet ebenfalls einen nachhaltigen Vorteil für Unternehmen: Diese Flexibilität ergibt sich durch die Möglichkeit zur Schonung der bestehenden Kreditlinien bzw. zur Steigerung der Verschuldungsfähigkeit. Auch die erforderlichen Analysen von historischen Daten, Forderungsmanagement und IT-Struktur durch Arranger, Ratingagenturen oder Wirtschaftsprüfer bereiten die Unternehmen auf Umsetzungen von Kapitalmarktanforderungen vor. 1.3 Entwicklung des deutschen Verbriefungsmarktes Der Anfang des deutschen Verbriefungsmarktes liegt im Jahr 1998, als erstmals mehrere Transaktionen mit einem erheblichen Volumen am 1.3 Entwicklung des deutschen Verbriefungsmarktes Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 16 1 Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen16 Markt platziert werden konnten. Danach folgten eine rasante Entwicklung und eine Reihe von erfolgreichen Jahren, die bis zum Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2007 andauerten. Im Vergleich zum amerikanischen Markt, bei dem erste Transaktionen bereits in den siebziger Jahren stattgefunden hatten, entwickelte sich der deutsche Verbriefungsmarkt somit deutlich später. Als Vorläufer gelten zwei deutsche Transaktionen, die Anfang und Mitte der neunziger Jahre platziert wurden. Im Jahr 1990 verbriefte die KKB Bank AG (damals ein Tochterunternehmen der Citibank) erfolgreich Konsumentenkredite i. H. v. 230 Mio. DM. Eine weitere Transaktion folgte im April 1995 durch die Rheinhyp Rheinische Hypothekenbank AG, die Immobilienkredite i. H. v. rund 500 Mio. DM am Markt platzierte. Obwohl die beiden Transaktionen seitens der Investoren auf Interesse stießen, kam der Markt für besicherten Wertpapiere nicht wirklich in Gang. Die unsichere Rechtslage hinsichtlich wichtiger Einzelfragen erhöhte das Risiko für die Originatoren und erschwerte dadurch signifikant das Emissionsgeschäft. Erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre wurden Hürden für Verbriefungen durch den Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden signifikant abgebaut und so das Entstehen eines wirklichen Marktes für Verbriefungstransaktionen ermöglicht. Ab 1998 wurden zunächst mehrere True-Sale-Transaktionen emittiert, die vor allem auf Risiko- und Eigenkapitalentlastung der Originatoren abzielten. Sie erwiesen sich aber aufgrund ihrer Kostenstruktur und der noch immer sehr komplexen Rechtslage gegenüber den synthetischen Verbriefungen als unvorteilhaft für den Großteil der Originatoren. Auch die höhere steuerliche Belastung von True-Sale-Verbriefungen verhinderte den Aufbau eines breiten heimischen True-Sale-Verbriefungsmarktes. Die zusätzlichen Kosten mussten auf die emittierten Anleihen umgerechnet werden und machten sie dadurch weniger attraktiv für Investoren. Somit standen die synthetischen Transaktionen im Vordergrund der Entwicklung des Verbriefungsmarktes in Deutschland unmittelbar nach der Jahrtausendwende. Die Vorteile der True-Sale-Verbriefungen, die vor allem in der Beschaffung von Liquidität bestehen, waren zunächst für die deutschen Originatoren (im Gegensatz zu vielen auf anderen Verbriefungsmärkten tätigen Originatoren) nachrangig, gewannen aber im Laufe der Jahre an Bedeutung.5 Im Jahr 2003 wurden zwei Initiativen von der Bundesregierung und der Kreditwirtschaft ins Leben gerufen, deren Ziel die Förderung des deutschen Verbriefungsmarktes war. Die erste, der „Finanzmarktförderplan 2006“, wurde vom Finanzministerium vorgestellt und beabsichtigte eine 5 Vgl. Cordula Emse – Verbriefungstransaktionen deutscher Kreditinstitute, 2005, S. 24–25. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 17 1.3 Entwicklung des deutschen Verbriefungsmarktes 17 dauerhafte Verbesserung der Verbriefungskonditionen in Deutschland. Neben der Verbesserung der Rechtslage beinhaltete er auch Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaftlichkeit der True-Sale-Verbriefungen. Als wichtige Schritte in diese Richtung gelten die Erleichterungen bei der Umsatz- und Gewerbesteuer für Zweckgesellschaften in den Jahren 2003 und 2004. Die zweite Initiative („True-Sale-Initiative“) wurde von zwölf in Deutschland tätigen Banken gemeinsam mit der KfW Bankengruppe ins Leben gerufen. Hieraus entstand im Jahr 2004 die Gesellschaft True Sale International GmbH (TSI). Ziel der TSI ist u. a., eine Infrastruktur für deutsche Zweckgesellschaften zu unterhalten und weiterzuentwickeln sowie Qualitäts- und Transparenzstandards zu schaffen. Im Jahr 2006, dem erfolgreichsten Jahr für den deutschen Verbriefungsmarkt, überstieg das Volumen der Neuemissionen, die am Markt platziert wurden, 66 Mrd. EUR. Im Vergleich zum Volumen aus dem Jahr 2000 bedeutete dies fast eine Verdreifachung des Marktvolumens innerhalb von sechs Jahren. Die Anzahl der Transaktionen im gleichen Zeitraum stieg entsprechend von 14 auf 54 pro Jahr. Seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise, die im US-Hypothekenmarkt (insbesondere im Subprime-Segment) ihren Ursprung hatte und ab 2007 auf den deutschen Markt übergriff, nahmen die Marktaktivitäten deutlich ab. Der Markt für Verbriefungsinstrumente verzeichnete in den folgenden Jahren einen deutlich rückläufigen Trend und kam zeitweise zum Erliegen. Trotz des Ausbruchs der Finanzmarktkrise erreichten die deutschen Verbriefungsaktivitäten ihr Allzeithoch im Krisenjahr 2008 mit einem Neuemissionsvolumen i. H. v. ca. 76 Mrd. EUR. Was wie ein Widerspruch klingt, lässt sich mit dem besonderen Phänomen der nicht platzierten Transaktionen erklären, die es in diesem Ausmaß vorher nicht gab. Viele Banken verbrieften Portfolios, behielten die emittierten Papiere jedoch in den eigenen Büchern. In einem nächsten Schritt hinterlegten sie einen Teil der Papiere bei der EZB als Pfand und bekamen im Gegenzug liquide Mittel. In einer Zeit, in der die Interbankenfinanzierung stockte, sicherte dies den Erhalt der Funktionsfähigkeit des Bankensystems. Seit März 2009 mussten Tranchen neu emittierter Verbriefungen ein Rating von AAA aufweisen und durften nicht nachrangig sein, um als Pfand bei der EZB akzeptiert zu werden. Diese Anforderungen wurden erst im Dezember 2011 teilweise gelockert. Am Markt platzierbar waren deutsche Transaktionen insbesondere in den Jahren 2008, 2009 und (teilweise) 2010 fast gar nicht mehr. Die durch die Subprimekrise ausgelösten Zweifel an der Qualität von jeglichen ABS-Papieren hatten in hohem Maße das Neuemissionsgeschäft auf dem internationalen und so auch auf dem deutschen Verbriefungsmarkt beeinträchtigt. Das Urteil der Ratingagenturen als Kaufargument büßte Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 18 1 Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen18 schlagartig erheblich an Bedeutung ein; hatten sie doch auch Subprimeprodukte, die nun als ausfallgefährdet galten, zuvor teilweise mit guten Ratings versehen. Unterschieden wurde sehr bald nicht mehr zwischen hochwertigen und minderwertigen ABS. Anlagen in neu emittierte ABS waren für institutionelle Investoren generell intern nicht mehr durchsetzbar. Als verhältnismäßig gut platzierbar erwiesen sich in den Jahren nach 2007 die Verbriefungen von Kfz-Forderungen. Jedoch gab es auch hier Phasen, in denen keine Transaktionen platziert werden konnten. Auch wenn deutsche Transaktionen im internationalen Vergleich keine sehr hohe Komplexität aufwiesen, haben sich Originatoren und Arranger insbesondere zum Ziel gesetzt, die Komplexität weiter zu reduzieren und im gleichen Zug die Transparenz zu erhöhen. Der Wiederaufbau des Vertrauens von Investoren in ABS-Papiere sollte als primäres Ziel für die Stabilisierung und Verbesserung des Verbriefungsmarktes angesehen werden. Dies gilt insbesondere für das Vertrauen in die Qualität und die Entwicklung der verbrieften Forderungen, die Strukturierung von Transaktionen sowie die Kreditvergabepraktiken der Banken. Die Gesellschaft True Sale International GmbH zertifiziert seit 2004 Verbriefungstransaktionen und setzt damit Qualitätsstandards. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Transparenz, d. h. Verfügbarkeit von detaillierten Informationen über die Portfolio- und Transaktionsent- Abb. 1.6: Anzahl und Volumen der in Deutschland verbrieften Transaktionen Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 19 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt 19 wicklung. Diese und ähnliche Qualitätsstandards werden dazu beitragen, das Vertrauen von Investoren in deutsche Verbriefungsprodukte zu stärken oder zu gewinnen. Des Weiteren fördert auf internationaler Ebene der Commercial Real Estate Finance Council (CRE Finance Council, ehemals Commercial Mortgage Securities Association) die Entwicklung von Transaktionen gewerblicher Immobiliendarlehen. Die private Organisation beschäftigt sich u. a. mit aktuellen Marktentwicklungen und der Einführung von standardisierten Investor Report-Anforderungen. Bisher ist der CRE Finance Council stark auf dem US-Markt aktiv, jedoch hat sich bereits auch ein Sub-Komitee gebildet, das sich besonders auf die deutschen Marktanforderungen und Belange konzentriert. Mit dem aktuellen Einführungsprozess des CRE Finance Council-Investor Reporting Package (CREFC IRP) Version 5.1 wurde im Verbriefungssegment CMBS bereits ein Schritt in Richtung vergleichbarer und qualitativ hochwertiger Informationsübermittlung unternommen. Bei dem CREFC IRP handelt es sich um einen Standard zum inhaltlichen und formellen Aufbau von Berichten für Anleger, die in verbriefte gewerbliche Hypothekenforderungen investiert haben. Die Vorteile der Platzierung von Risiken und die Refinanzierung an internationalen Kapitalmärkten sind für unsere Volkswirtschaft zu bedeutend, um auf das Finanzinstrument der Verbriefung verzichten zu können. Solide und wenig komplexe Verbriefungen werden auch künftig wichtige Instrumente für das deutsche Finanzsystem sein. In Deutschland verbriefte klassische Kredite sind und waren ganz überwiegend solide Instrumente, die insbesondere dem Mittelstand in der Vergangenheit einen erheblichen Mittelzufluss gewährt haben. Sie unterscheiden sich ganz wesentlich von den Papieren, die als Auslöser für die Finanzkrise gelten, worauf nachfolgend näher eingegangen wird. 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt Den deutschen Verbriefungsmarkt zu fördern, war ab dem Jahr 2000 das erklärte Ziel von deutschen Banken und von öffentlicher Seite. Zu nennen sind etwa Initiativen wie die PROMISE/PROVIDE Programme der KfW, TSI (True Sale International) sowie der Finanzmarktförderplan der Bundesregierung. Das Vorhaben war unter anderem, Verbriefung zur Förderung des Mittelstandes, des privaten Wohnungsbaus und insgesamt des Wachstums in Deutschland zu nutzen. Nach dem Ausbruch der Krise im Sommer 2007 erfuhr die Öffentlichkeit von den engen Bezügen des Themas Verbriefung zur Finanzmarktkrise. Von „Giftmüll“, „Massenvernichtungswaffen“ und Finanzmärkten, 1.4 Subprime-Krise und deutscher Verbriefungsmarkt

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland