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Philipp Burmester, Katharina Koring, Gaby Trinkaus, 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungspositionen aus der Sicht eines Investors in:

Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Ed.)

Asset Securitisation in Deutschland, page 101 - 109

4. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4498-8, ISBN online: 978-3-8006-4499-5, https://doi.org/10.15358/9783800644995_101

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Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 97 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen 97 sichtigen, als stünde es im Risiko des Instituts. Zudem ist das Institut verpflichtet, nicht nur die implizite Unterstützung, sondern auch die daraus resultierende Pflicht zur vollständigen Einbeziehung des verbrieften Portfolios in seine Eigenkapitalermittlung offenzulegen. Soweit der Originator selbst Verbriefungspositionen in der relevanten Verbriefungstransaktion hält, muss er diese nicht mehr bei der Eigenkapitalermittlung berücksichtigen. 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungspositionen aus der Sicht eines Investors Gemäß den Begriffsbestimmungen für Verbriefungen im KWG (§ 1b Nr. 9 KWG) gilt ein Institut, das weder als Originator noch als Sponsor anzusehen ist, als Investor einer Verbriefungstransaktion, wenn es 1. eine oder mehrere Verbriefungspositionen aus dieser Verbriefungstransaktion hält oder 2. von anderen gehaltene Verbriefungspositionen aus dieser Verbriefungstransaktion gewährleistet oder absichert. Per Definition des § 1b KWG umfasst eine Verbriefungsposition zum einen Investitionen in Tranchen von ABS-Strukturen, zum anderen aber auch gestellte Liquiditätslinien, Kreditverbesserungen (Credit Enhancements) sowie derivative Risikopositionen aus Zins- und Währungsabsicherungen. Die risikogewichteten Positionswerte („Risk Weighted Assets“ – RWA) für Verbriefungspositionen eines Investors ergeben sich gemäß der folgenden Formel: RWA = Bemessungsgrundlage x Kreditkonversionsfaktor x Risikogewicht Der von dem Investor zur Ermittlung der einzelnen Parameter zu wählende Ansatz (Kreditrisiko-Standardansatz/KSA vs. auf internen Ratings basierender Ansatz/IRBA) ergibt sich aus der verbrieften Forderungsklasse (§ 227 Abs. 3 und 4 SolvV). Die Bestimmung der Bemessungsgrundlage basiert im Wesentlichen auf den allgemeinen KSA- bzw. IRBA-Grundsätzen; für die Ermittlung der Risikogewichte und der Kreditkonversationsfaktoren bestehen jedoch spezielle Regularien für Verbriefungen (§§ 226 ff. SolvV). Resultierend aus den CRD-Änderungen hat ein Investor im Rahmen einer Verbriefungstransaktion im Vergleich zu den vorherigen Vorschriften weitere umfangreiche Anforderungen zu erfüllen. Sofern diese 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 98 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen98 nicht ausreichend beachtet werden, kann die Bundesanstalt die anzuwendenden Risikogewichte heraufsetzen. 6.4.1 Behandlung von Verbriefungspositionen im KSA Bei einer KSA-Verbriefungsposition ermittelt sich das Risikogewicht aus dem Vorliegen einer maßgeblichen Bonitätsbeurteilung (externes Rating) (vgl. § 242 SolvV). Anforderungen für die Nutzung von Bonitätsbeurteilungen sind u. a. die Bestimmung des Ratings durch eine von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht anerkannte Ratingagentur, die Berücksichtigung sämtlicher Zahlungsströme sowie die öffentliche Verfügbarkeit des Ratings (§ 235 ff. SolvV). Ferner darf eine verwendungsfähige Bonitätsbeurteilung nicht auf einer Unterstützung in Form von Liquiditätsfazilitäten oder Gewährleistungen durch das Institut beruhen. Sofern die Anforderungen erfüllt sind, ergeben sich die Risikogewichte unter Berücksichtigung des jeweiligen Ratings aus der Tabelle 6.1. Langfristiges Rating AAA bis AA-/Aaa bis Aa3 A+ bis A-/ A1 bis A3 BBB+ bis BBB-/Baa1 bis Baa3 BB+ bis BB-/Ba1 bis Ba3 schlechter BB-/ Ba3 bzw. nicht geratet 20 % 50 % 100 % 350 % 1250 % (Kapitalabzug) Kurzfristiges Rating F1+, F1/P-1/A-1+, A-1 F2/P-2/A-2 F3/P-3/A-3 schlechter F3/P-3/A-3 bzw. nicht geratet 20 % 50 % 100 % 1250 % (Kapitalabzug) Tab. 6.1: Risikogewichte im KSA Wenn kein externes Rating vorliegt, kann der Investor das Risikogewicht im Rahmen einer Durchschaumethode ermitteln, sofern ihm ausreichende und aktuelle Informationen über die Zusammensetzung des Portfolios vorliegen (§ 243 Abs. 2 SolvV). Das anzuwendende KSA- Verbriefungsrisikogewicht ergibt sich dabei aus dem KSA-Durchschnittsrisikogewicht des zugrunde liegenden verbrieften Portfolios und der Risikokonzentrationsrate. Die Risikokonzentrationsrate ist hierbei definiert durch das Verhältnis der Summe der Nominalwerte aller Verbriefungstranchen zur Summe des Nominalwerts der gehaltenen Verbriefungstranche sowie der Nominalwerte aller gleich- und nach- Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 99 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen 99 rangigen Tranchen. Der Rang der gehaltenen Tranche innerhalb der Verbriefungstransaktion ist somit berücksichtigt. Für das zu verwendende Risikogewicht sind jedoch zwei Grenzen zu beachten: Zum einen darf das durch diese Methode für eine Risikoposition ermittelte Gewicht nicht kleiner sein als das Risikogewicht der im Rang vorgehenden Verbriefungstranche, d. h., es ist mindestens das Risikogewicht dieser Tranche zu verwenden, zum anderen ist das ermittelte Risikogewicht auf maximal 1250 % begrenzt. Sofern eine nicht-geratete Verbriefungsposition von einer qualifizierten Verbriefungs-Liquiditätsfazilität gebildet wird, kann ein Investor ohne Anwendung einer Durchschau mit Risikokonzentrationsrate auf das höchste Risikogewicht der im Portfolio enthaltenen KSA-Positionen abstellen (Durchschau ohne Floor – § 243 Abs. 4 SolvV). Das KWG definiert eine Verbriefungs-Liquiditätsfazilität als eine „Verbriefungsposition, die aus der vertraglichen Verpflichtung entstanden ist, finanzielle Mittel zur Sicherstellung der termingerechten Weiterleitung von Zahlungen an Investoren bereitzustellen“. Als qualifiziert wird eine solche Fazilität angesehen, wenn unter anderem die Umstände der Inanspruchnahme genau dokumentiert sind, die entsprechende Linie keine Kreditverbesserung darstellt und nicht zur laufenden bzw. regelmäßigen Finanzierung des verbrieften Portfolios dient (§ 230 SolvV). Auf eine Position in einem ABCP-Programm kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Durchschau mit Floor angewendet werden. Wenn die Position u. a. eine Kreditqualität von mindestens Investment-Grade116 besitzt sowie keine Erstverlustposition ist, darf ein Investor das höchste Risikogewicht der im Pool enthaltenen KSA-Positionen verwenden, jedoch mindestens ein Risikogewicht von 100 % (§ 243 Abs. 3 SolvV). Wenn eine Durchschau nicht erfolgt bzw. aufgrund der Voraussetzungen nicht möglich ist, beträgt das Verbriefungsrisikogewicht für unbeurteilte (ungeratete) KSA-Verbriefungspositionen 1250 % (§ 243 Abs. 1 SolvV). Des Weiteren ist zur Bestimmung des risikogewichteten Positionswerts die Bestimmung des KSA-Konversionsfaktors von Bedeutung. Außer für verschiedene Teile einer qualifizierten Verbriefungs-Liquiditätsfazilität beträgt der KSA-Konversionsfaktor stets 100 % (§ 239 Abs. 2 SolvV). 116 Die Ratings AAA bis BBB- bzw. Aaa bis Baa1 werden als Investment-Grade bezeichnet. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 100 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen100 Verbriefungsposition KSA-Konversionsfaktor Nicht in Anspruch genommener Teil einer qualifizierten Verbriefungs-Liquiditätsfazilität, wenn die Linie jederzeit unbedingt kündbar & vorrangige Ansprüche bei Rückzahlung 0 % Nicht in Anspruch genommener Teil einer ungerateten, qualifizierten Verbriefungs-Liquiditätsfazilität 50 % Sonstige Positionen 100 % Tab. 6.2: Konversionsfaktoren im KSA 6.4.2 Behandlung von Verbriefungspositionen im IRBA Im IRBA stehen für die Ermittlung des Risikogewichts die folgenden Methoden zur Verfügung: •• Ratingbasierter Ansatz (RBA) (§ 257 SolvV) •• Aufsichtlicher Formel-Ansatz (SFA) (§ 258 SolvV) •• Internes Einstufungsverfahren (IAA) (§ 259 SolvV) •• Rückfalllösung für qualifizierte Verbriefungs-Liquiditätsfazilitäten (§ 260 SolvV) Der RBA ist anzuwenden, wenn für eine Verbriefungsposition ein externes Rating vorliegt. Das Risikogewicht ist in Abhängigkeit von dem Rating der jeweiligen Tranche, deren Rangfolge innerhalb der Verbriefung und der Granularität des verbrieften Portfolios zu ermitteln. Die Granularität eines Portfolios ergibt sich auf Basis der Anzahl der im Portfolio enthaltenen effektiven Forderungen (N). Diese sind durch das Institut durch zwei alternative Formeln zu bestimmen. Das durch die Tabelle 6.3 bestimmte Risikogewicht ist, sofern es kleiner als 1250 % ist, mit dem aufsichtlichen Skalierungsfaktor von 1,06 zu multiplizieren. Ein Rating für eine nicht-geratete Verbriefungsposition kann unter bestimmten Voraussetzungen nach § 256 SolvV abgeleitet werden. Zur Bestimmung des Risikogewichts wird das Rating der nachrangigen Tranche, welche keine kürzere Restlaufzeit als die betrachtete Verbriefungsposition haben darf, herangezogen. Das Risikogewicht ergibt sich gemäß Tabelle 6.3. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 101 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen 101 Fristigkeit/ Rating Rating Risikogewicht Höchstranging und granular (N ≥ 6) Nicht höchstrangig und granular (N ≥ 6) Nicht granular (N < 6) Langfristig AAA/Aaa 7 % 12 % 20 % AA+ bis AA-/Aa1 bis Aa3 8 % 15 % 25 % A+/A1 10 % 18 % 35 %A/A2 12 % 20 % A-/A3 20 % 35 % BBB+/Baa1 35 % 50 % 50 % BBB/Baa2 60 % 75 % 75 % Langfristig BBB-/Baa3 100 % 100 % 100 % BB+/Ba1 250 % 250 % 250 % BB/Ba2 425 % 425 % 425 % BB-/Ba3 650 % 650 % 650 % unter BB-/Ba3 1250 % 1250 % 1250 % Kurzfristig F1+, F1/P-1/A-1+, A-1 7 % 12 % 20 % F2/P-2/A-2 12 % 20 % 35 % F3/P-3/A-3 60 % 75 % 75 % unter F3/P-3/A-3 1250 % 1250 % 1250 % Tab. 6.3: Risikogewichte im RBA117 Ein Institut darf den Aufsichtlichen Formel-Ansatz (SFA) für jede Verbriefungsposition anwenden, für welche die Nutzung des RBA oder des IAA nicht in Frage kommt. Als Investor kann der SFA nur angewandt werden, wenn kein Widerspruch durch die Bundesanstalt erfolgt. Hierfür ist zu belegen, dass ausreichend aktuelle Informationen in Bezug auf die Zusammensetzung des verbrieften Portfolios vorliegen.117 Im SFA ermittelt sich das Risikogewicht anhand einer vorgegebenen Formel, wobei jedoch ein Mindestrisikogewicht von 7 % anzuwenden ist. Die Formel basiert u. a. auf den folgenden wesentlichen Parametern: •• Die Eigenkapitalanforderung des zugrunde liegenden Portfolios, sofern die Forderungen direkt vom Institut gehalten würden (KIRB) •• Die Besicherung der entsprechenden Tranche (Verlustpuffer) (L) •• Das Volumen der Tranche (T) 117 Mit Blick auf die Implementierung der CRD III ist davon auszugehen, dass für Wiederverbriefungen nach der Umsetzung zum 31.12.2011 höhere Risikogewichte anzuwenden sind. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 102 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen102 •• Die Anzahl der im Portfolio enthaltenen effektiven Forderungen (N) •• Volumengewichtete Verlustquote bei Ausfall des Pools (ELGD) Die Parameter L, T und N sind negativ mit dem aus der aufsichtlichen Formel resultierenden Risikogewicht korreliert, wohingegen bei einer Erhöhung des ELGD das Risikogewicht steigt. Vom Eigenkapital sind diejenigen Positionen abzuziehen, die unterhalb von KIRB liegen. Positionen hingegen, die genau „auf“ KIRB liegen, sind aufzuteilen und die Eigenkapitalunterlegungen der Teiltranchen, welche oberhalb und unterhalb von KIRB liegen, sind separat anhand der SFA zu ermitteln. Das Interne Einstufungsverfahren (IAA) findet Anwendung auf Verbriefungspositionen, die im Rahmen eines ABCP-Programms eingegangen wurden. Das Verfahren kann jedoch nur angewendet werden, wenn a) das Institut über eine Zulassung der Bundesanstalt verfügt, b) die Mindestanforderungen an die Verwendung interner Einstufungsverfahren nach § 259 Abs. 3 SolvV eingehalten sind und c) das betrachtete ABCP-Programm die Anforderungen nach § 259 Abs. 4 SolvV erfüllt. Unter anderem sind die Mindestanforderungen eingehalten, wenn das interne Einstufungsverfahren auf einem öffentlich verfügbaren Verfahren zumindest einer anerkannten Ratingagentur basiert und die vom Institut verwendeten quantitativen Elemente (z. B. Stressfaktoren) nicht weniger konservativen Annahmen folgen als die, welche die Ratingagentur zugrunde legen würde. Ferner sind bei der Entwicklung des IAA Gründe für die Berücksichtigung bzw. Nicht-Berücksichtigung der Verfahren der Ratingagenturen zu dokumentieren und regelmäßig zu überprüfen. Die Zuordnung der internen Einstufungen zu den Ratingkategorien der maßgeblichen Ratingagentur muss außerdem eindeutig sein. Das Verfahren muss Teil der Risikosteuerung des Instituts sein und regelmäßig durch qualifizierte interne bzw. externe Stellen überprüft und dokumentiert werden. Insbesondere hat ein Institut auch die dem Verfahren zugrunde liegenden Annahmen mit der Bonitätsentwicklung des verbrieften Portfolios abzugleichen und ist angehalten, bei regelmä- ßigen Abweichungen das IAA anzupassen. Ein ABCP-Programm gilt als geeignet, sofern es verschiedene Anforderungen erfüllt: Zum einen müssen für die unter dem ABCP-Programm zu platzierenden Commercial Papers externe Ratings vorliegen. Der Sponsor des ABCP-Programms ist zudem verpflichtet, die zu verbriefenden Forderungen und die Kreditverbesserungen auf Werthaltigkeit, die Zuweisung der Verlustrisiken sowie die insolvenzfeste Isolierung der Forderungen zu prüfen. Darüber hinaus hat der Sponsor den Verkäufer der Forderungen im Hinblick auf dessen Kreditwürdigkeit zu überprüfen. Für das ABCP-Programm sind Kriterien für den Ankauf von For- Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 103 6.4 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungs positionen 103 derungen festzulegen (z. B. Ausschluss von überfälligen Forderungen) sowie Richtlinien und operative Prozesse bezüglich des Einzugs der Forderungen einzurichten, insbesondere im Hinblick auf die Minimierung der mit dem Sponsor bzw. Verkäufer zusammenhängenden Risiken. Der Sponsor hat außerdem bei der Bewertung sämtliche Risikofaktoren zu berücksichtigen und bei Kreditverbesserungen, die durch den Verkäufer gestellt werden, Rücklagen zu bilden, sofern die angekauften Forderungen wesentliche Veritätsrisiken beinhalten. Für die Bemessung der Kreditverbesserungen sind historische Daten mehrerer Jahre zu berücksichtigen. Ferner muss für ein geeignetes ABCP-Programm bei einer wesentlichen Bonitätsverschlechterung der zugrunde liegenden Forderungen eine vorzeitige Beendigung des Programms möglich sein. Die sich aus dem IAA ergebende Bonitätsstufe wird ebenfalls über Tabelle 6.3 einem Risikogewicht zugeordnet. Bei Verbriefungspositionen in Form von qualifizierten Verbriefungs- Liquiditätsfazilitäten kann für den nicht in Anspruch genommenen Teil die Rückfalllösung angewendet werden, sofern kein abgeleitetes Rating vorliegt und ein Risikogewicht nicht durch das IAA oder den SFA ermittelt werden kann. Nach Zustimmung durch die Bundesanstalt darf für die Liquiditätslinie vorübergehend das höchste anzuwendende KSA-Risikogewicht angesetzt werden, welches eine im Portfolio enthaltene Adressausfallrisikoposition erhalten würde. Der Antrag an die Bundesanstalt hat Informationen über die Art und Restlaufzeit der entsprechenden Position zu umfassen. Ferner ist zu begründen, warum eine Ermittlung nach dem IAA sowie dem SFA nicht möglich war. Zudem ist der Zeitpunkt zu benennen, zu dem eine Bestimmung des relevanten Risikogewichts mittels RBA, SFA oder IAA voraussichtlich möglich sein wird. Sofern keines der genannten Verfahren bzw. Ansätze zur Anwendung kommt, ist für die IRBA-Verbriefungsposition ein Verbriefungsrisikogewicht von 1250 % zu berücksichtigen. Die IRBA-Konversionsfaktoren ergeben sich aus der Tabelle 6.4. Verbriefungsposition IRBA- Konversionsfaktor Nicht in Anspruch genommener Teil einer qualifizierten Verbriefungs-Liquiditätsfazilität, wenn die Linie jederzeit unbedingt kündbar & vorrangige Ansprüche bei Rückzahlung 0 % Sonstige Positionen 100 % Tab. 6.4: Konversionsfaktoren im IRBA Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 104 6 Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen104 6.4.3 Weitere Pflichten für den Investor in einer Verbriefung Aus den Anforderungen gemäß den §§ 18a und 18b KWG ergeben sich für einen Investor weitere Pflichten, die auf seit dem 1.1.2011 erstmals durchgeführte Transaktionen anzuwenden sind. Ferner gelten die Anforderungen für bereits vor dem 1.1.2011 bestehende Transaktionen, sofern bei diesen nach dem 31.12.2014 zugrunde liegende Forderungen neu hinzugefügt oder ersetzt werden.118 •• Selbstbehalt: Ein Institut darf nur dann eine Verbriefungsposition halten, wenn der Originator, Sponsor bzw. ursprüngliche Kreditgeber ausdrücklich offengelegt hat, dass er kontinuierlich einen materiellen Nettoanteil, d. h. einen Selbstbehalt von mindestens 10 %119 des Nominalwerts, hält (§ 18a Abs. 1 KWG). Unter gewissen Bedingungen lässt das KWG Ausnahmen in Bezug auf den Selbstbehalt zu. •• Kenntnisse: Für jede gehaltene Verbriefungsposition muss ein Investor bereits vor der Investition umfassende und gründliche Kenntnisse belegen (§ 18a Abs. 4 KWG). Kenntnisse müssen vorliegen über: 1. Offengelegte Informationen über den Selbstbehalt 2. Risikomerkmale der einzelnen Verbriefungsposition 3. Risikomerkmale der zugrunde liegenden Forderungen 4. Reputation und die entstandenen Verluste früherer Verbriefungstransaktionen der Originatoren und Sponsoren in den maßgeblichen der Verbriefungspositionen zugrunde liegenden Forderungsklassen 5. Erklärungen und Offenlegungen über die in Bezug auf die verbrieften Positionen und die Qualität der für die verbrieften Positionen bestehenden Sicherheiten geübte Sorgfalt 6. Methoden und Konzepte in Bezug auf die Bewertung der bestehenden Sicherheiten und Vorschriften zur Gewährleistung der Unabhängigkeit der bewertenden Personen 7. Strukturelle Merkmale mit wesentlichem Einfluss auf die Wertentwicklung der Verbriefungspositionen (z. B. Wasserfallstruktur, Kreditverbesserungen) Für die Erfassung und Analyse der Informationen hat der Investor unter Berücksichtigung des Risikoprofils der Investitionen förmliche Verfahren und Regelungen zu implementieren. •• Stresstests: Ein Investor hat für seine gehaltenen Verbriefungspositionen regelmäßige und geeignete Stresstests durchzuführen. Hierzu 118 Vgl. § 64m Abs. 4 KWG. 119 Gemäß § 64m Abs. 4 KWG gibt es eine Übergangsregelung: Für bis zum 31.12.2014 durchgeführte Verbriefungstransaktionen ist ein Selbstbehalt von mindestens 5 % ausreichend. Vahlen – Deloitte Press – Asset Securitisation in Deutschland – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.05.12 Status: Druckdaten Seite 105 6.5 Zusammenfassung 105 kann der Investor beispielsweise auch Modelle von Ratingagenturen verwenden, sofern er auf Anfrage der Bundesanstalt belegen kann, dass er die Modellstrukturierung und Annahmen überprüft und die Methodik, Annahmen und Ergebnisse verstanden hat (§ 18b Abs. 1 KWG). •• Überwachung: Ein Investor hat durch entsprechende Prozesse die Informationen über die Wertentwicklung der der Verbriefungsposition zugrunde liegenden Forderungen zu überwachen (§ 18b Abs. 2 KWG). Unter Berücksichtigung der verfügbaren Informationen über die zugrunde liegende Forderungsart hat eine Überwachung zu erfolgen über: 1. Art der Forderung 2. Überfällige Kredite 3. Ausfallquoten 4. Vorzeitige Rückzahlungen 5. Zwangsvollstreckte Kredite 6. Art der Besicherung und ihre Beanspruchung 7. Scoring und Bonitätsbewertungen für zugrunde liegende Forderungen 8. Diversifikation nach Branche und Region 9. Beleihungsausläufe Bei Wiederverbriefungen sind zusätzlich die den einzelnen Tranchen zugrunde liegenden Portfolios, die Emittenten und die Kreditqualität zu überwachen. Wenn ein Investor die beschriebenen Anforderungen schuldhaft nicht erfüllt, so hat dieser der Bundesanstalt und der Deutschen Bundesbank den Verstoß zu melden. Die Bundesanstalt setzt – abhängig von Schwere und Häufigkeit des Verstoßes – das vom Investor für seine gehaltene Position anzuwendende Risikogewicht um mindestens den Faktor 3,5 bis zu einer Obergrenze von 1250 % herauf (§ 18b Abs. 6 KWG). 6.5 Zusammenfassung Mit den Änderungen der Bankenrichtlinie und der Kapitaladäquanzrichtlinie wurden zwar die regulatorischen Bedingungen für Verbriefungstransaktionen verschärft, dem entgegen steht jedoch die deutlich verbesserte Transparenz sowie die Intention, eine Harmonisierung der Interessen von Originatoren, Sponsoren und Investoren zu schaffen. Auf nationaler Ebene wurden die Vorgaben durch Anpassungen des Kreditwesengesetzes und der Solvabilitätsverordnung umgesetzt. 6.5 Zusammenfassung

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References

Zusammenfassung

Höchste Fachkompetenz zum Thema Securitisation.

Deloitte (Hrsg.), Asset Securitisation in Deutschland

4. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4498-8

Asset Securitisation

Dieses Handbuch liefert Ihnen Antworten auf die wesentlichen, bei einer Securitisation auftretenden Praxisfragen. Neben einem Überblick über gängige Securitisation-Strukturen und die Marktentwicklung in Deutschland werden vor allem die Rechnungslegung nach HGB und IFRS aus der Perspektive sowohl des Originators als auch des Investors vorgestellt. Zudem wird auf Bewertungsfragen eingegangen. Den als Reaktion auf die Finanzmarktkrise deutlich verschärften aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Verbriefungstransaktionen wird besonderer Raum gegeben. Abgerundet wird das Buch durch Beiträge, die sich mit steuerlichen Aspekten sowie rechtlichen Fragestellungen und deren Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.

Alles zu Asset Securitisation:

* Der deutsche Verbriefungsmarkt – Strukturen und Entwicklungen

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Veräußerer nach deutschem Handelsrecht

* Die Bilanzierung von ABS-Transaktionen beim Originator/Veräußerer nach IFRS

* Bilanzierung von Verbriefungen beim Investor nach IFRS 9

* Bewertung von ABS-Transaktionen

* Aufsichtsrechtliche Behandlung von Verbriefungen

* Steuerliche Aspekte bei Asset-Backed-Securities-Finanzierungen

* Rechtliche Aspekte bei Verbriefungen in Deutschland