9. Kapitel: Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten in:

Christian-Rainer Weisbach

Das Coachinggespräch, page 213 - 236

Grundlagen und Trainingsprogramm beratender Gesprächsführung

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4488-9, ISBN online: 978-3-8006-4489-6, https://doi.org/10.15358/9783800644896_213

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 205 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten In den vorangegangenen Kapiteln ging es ausführlich um die Problemsicht des Ratsuchenden, wie ihn diese Sichtweise blockieren kann und wie eng und manchmal auch kontraproduktiv daraus Ziele abgeleitet werden. Immer wieder hatte ich betont, dass der Coach nicht unreflektiert die gehörte Anschauungsweise übernimmt, sondern darauf achtet, den meist eingeschränkten Blickwinkel des Ratsuchenden zu erweitern. In diesem Kapitel geht es nun um die Frage, was benötigt wird, um das Problem zu lösen bzw. das gewünschte Ziel tatsächlich zu erreichen. Für das, was dafür benötigt wird, hat sich der Begriff Ressource eingebürgert (lat. resurgere = hervorquellen). Für die Orientierung an den Ressourcen des Ratsuchenden lässt sich das Konzept der Salutogenese aus der Medizin nahtlos auf den Bereich des Coaching übertragen. Die Wortschöpfung Salutogenese (lat. salus = Gesundheit, genese = Entstehung) wurde von Aaron Antonovsky geprägt und der Pathogenese, der Lehre von der Krankheitsentstehung, entgegengesetzt. Die zentralen Fragen lauten: Warum bleiben Menschen – trotz möglicher schädigender Einflüsse – gesund und wie lässt sich diese Entwicklung fördern? Was ist das Besondere an Menschen, die trotz extremer Belastungen nicht erkranken bzw. wie schaffen sie es, sich allen Widrigkeiten zum Trotz wieder zu erholen? Gesundheit wird nicht nur durch äußere Einflüsse gefährdet, auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen können Menschen erschöpfen und ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden einschränken; das sind die zentralen Themen, um die es eigentlich geht, auch wenn die Probleme vordergründig anders formuliert werden. Ein Faktor, der bestimmt, warum Menschen auf belastende Einflüsse unterschiedlich reagieren, lässt sich mit ihrem Sinn für Kohärenz (Sense of Coherence, SOC, lat. cohaerere – zusammenhängen) erklären. Dieses Kohärenzgefühl drückt aus, in welchem Ausmaß jemand darauf vertraut, dass •• die Ereignisse, die sich im Verlauf seines Lebens ergeben, vorhersehbar und erklärbar sind, •• ihm Ressourcen zur Verfügung stehen, um die jeweiligen Anforderungen zu meistern, •• und dass es sich lohnt, diesen Anforderungen mit persönlichem Engagement und Anstrengung zu begegnen. Je stärker der Sinn für Kohärenz ausgeprägt ist, um so autonomer wird ein Mensch dem Leben begegnen. 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 206 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten206 Coaching zielt darauf ab, das Kohärenzgefühl zu stärken, • indem der Ratsuchende lernt, eingetretene Ereignisse zu erklären und sich auf zukünftige Möglichkeiten einzustellen, • indem er sich der Ressourcen bewusst wird, die ihm bereits zur Verfügung stehen, obgleich er sie vielleicht bislang kaum bewusst genutzt hat und schließlich, • indem er erkennt, welchen Einfluss seine Anstrengungen auf das erzielte Ergebnis haben. Um das Kohärenzgefühl des Ratsuchenden anzuregen, hilft es, sich die drei Komponenten zu vergegenwärtigen, die dieses Gefühl bestimmen: 1. Verstehbarkeit Antonovsky beschreibt eine Reihe von Lebenserfahrungen, welche die Entwicklung eines starken Kohärenzgefühls begünstigen. Für die Ausbildung der Komponente Verstehbarkeit sind übereinstimmende Erfahrungen nötig. Dadurch entsteht die Erwartung, dass Situationen, denen man künftig begegnet, vorhersagbar sind bzw. eingeordnet und erklärt werden können. Einer der Gründe, warum Ratsuchende Coaching in Anspruch nehmen, ist ihre momentane Verwirrung. Mit ihnen oder um sie herum passiert etwas, was sie nicht verstehen bzw. das mit ihren bisherigen Erklärungsmustern nicht einordenbar ist. Klärt sich im Coaching eine problematische Situation, trägt dies nicht nur zum momentanen Verstehen bei, sondern stärkt den Ratsuchenden, ähnliche schwierige Sachverhalte künftig besser verstehen zu können. Verstehbarkeit setzt voraus, dass sich der Ratsuchende das Verständnis selbst erarbeitet und nicht irgendwelche Erklärungsmuster des Coach oder anderer Menschen unreflektiert übernimmt. 2. Handhabbarkeit Während das Verstehen ein hohes Maß an analytischem Verständnis erfordert, werden Fragen der Handhabbarkeit pragmatisch betrachtet, (was kann der Ratsuchende? was sind seine Stärken?) Menschen mit einem hohen Ausmaß an Handhabbarkeit lassen sich nicht in eine Opferrolle drängen, sondern glauben, dass sie auch unerwartete Dinge bewältigen können. Dabei bezieht sich Handhabbarkeit auf das Ausmaß, in dem man wahrnimmt, dass geeignete Ressourcen zur Bewältigung von Anforderungen vorhanden sind. Häufig ist aufgrund der erwähnten Problemtrance der Blick des Ratsuchenden so stark eingeengt, dass er offensichtliche Möglichkeiten und tatsächlich vorhandene Stärken nicht erkennt, geschweige denn nutzt. Gelingt es dem Coach, vorhandene Ressourcen bewusst zu machen, dient dies nicht nur der Lösung des aktuellen Anliegens, sondern stärkt insgesamt die Zuversicht des Ratsuchenden in Zukunft ähnliche Probleme eigenständig bewältigen zu können. Der Coach wird nicht umhin kommen, durch konsequentes Nachfragen und Vermutungen über allgemein menschliche Selbstverständlichkeiten dem nachzugehen. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 207 2079. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten 3. Gefühl von Bedeutsamkeit Dieses Gefühl wird durch Erfahrungen gestärkt, die eine wirksame Einflussnahme durch die eigene Person erlauben. Menschen erleben ihr Leben als sinnvoll, wenn Sie ein hohes Maß an Bedeutsamkeit erfahren. Sie handeln aus der Haltung: Das Leben ist es wert, Energie zu investieren, um gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Die Bedeutsamkeit als motivationale Komponente scheint – weil sinnstiftend – am wichtigsten zu sein. Wenn der Mensch Lebensbereiche als wenig sinnvoll erlebt, entwickelt er auch nur ein begrenztes Maß an Verstehbarkeit und Handhabbarkeit. Der Coach kann das Gefühl von Bedeutsamkeit aus einer betonten Würdigung für das bislang Erreichte erschließen, dazu gehört auch, die momentane Befindlichkeit ernst zu nehmen (= affektive Rahmung). Missachtung des seither Geleisteten führt nicht nur zu Enttäuschung und Verunsicherung, sondern hemmt die Motivation, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Während Wertschätzung dazu beiträgt, künftige Veränderungen als bedeutsam zu betrachten und die eigenen Möglichkeiten dafür zu nutzen. Es geht also darum: • vergangene Ereignisse in ihrer Entstehung aus äußeren Einflüssen und eigenen Entscheidungen und Handlungen zu deuten und • daraus für sich persönlich abzuleiten, dass auch zukünftige Ereignisse durch einen selbst mit den bestehenden Fähigkeiten beeinflusst werden können. • Eine Würdigung des bislang Erreichten fördert die Motivation, sich den Herausforderungen zu stellen. Diese theoretischen Erläuterungen zum Kohärenzgefühl möchte ich anhand eines längeren Gesprächsausschnitts illustrieren. So wird der Einfluss der drei Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Gefühl von Bedeutsamkeit deutlich. Sie können beim Lesen wieder die Wörter und Wendungen markieren, die Sie hinterfragen möchten bzw. die Sie für aufschlussreich halten. Der Ratsuchende, 38 Jahre, Geschäftsführer einer Firma für EDV-Support, hatte sich für ein längeres Coaching entschieden, um für sich zu klären, welche Alternativen zu seiner jetzigen Tätigkeit infrage kommen. Kurz nach Beginn der dritten Sitzung äußerte er: Ratsuchender: Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht, warum ich eigentlich nach Alternativen suche. Aber mir ist keine schlüssige Antwort eingefallen. Vielleicht zögere ich auch deswegen, eine Entscheidung herbei zu führen, weil ich mich in dem Laden eigentlich wohl fühle. Der Ratsuchende möchte zwar etwas ändern, kann sich aber nicht erklären, was ihn dazu treibt, kurz: Er versteht sich selbst nicht, obwohl er wirklich lange darüber nachgedacht hat. Sobald der Coach die fehlende Verstehbarkeit registriert, gilt es besonders geduldig vorzugehen, damit sich der Ratsuchende das Verständnis für seine ihn noch verwirrende Situation selbst erarbeitet. Dafür hinterfragt der Coach ein einzelnes Wort, damit der Ratsuchende sich selbst genauer ausdrückt und dabei möglicherweise etwas erkennt, was zwar zu ihm gehört, ihm aber so bislang nicht bewusst ist. Coach: Sie sagen, dass Sie sich eigentlich wohlfühlen. Nr. 14 Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 208 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten208 Ratsuchender: So, hab ich das? Mm. – Nein, es geht mir im Großen und Ganzen wirklich gut, also ich kann mich im Grunde genommen nicht beklagen. Ich habe ein wirklich rundherum gutes Verhältnis zu meinen Mitarbeitern, der Laden läuft zufriedenstellend und ich gehe mehr oder minder gern zur Arbeit. Obgleich der Ratsuchende widerspricht, weist seine Äußerung eine Reihe von Blockaden auf: im Großen und Ganzen, im Grunde genommen, mehr oder minder. Die Sätze wirken dadurch stereotyp und beschreiben keineswegs, wie sich der Ratsuchende tatsächlich fühlt, sondern mehr wie er möglicherweise meint, sich fühlen zu müssen, z. B. kann mich im Grunde genommen nicht beklagen (= negative Suggestion). Es ist nicht erkennbar, dass der Ratsuchende den Einfluss seiner Entscheidungen auf sein tägliches Handeln versteht, darum vertieft der Coach das Nachfragen und konfrontiert ihn mit den einschränkenden Formulierungen. Coach: Und doch hört sich Ihre Schilderung eingeschränkt an, so als ob noch etwas fehlt. Ratsuchender: Komisch. Ich weiß nicht, worauf Sie hinaus wollen. Sie stellen ja manchmal so merkwürdige Fragen. Aber in diesem Fall hilft mir das nicht weiter. Die Reaktion des Coach scheint den Ratsuchenden noch mehr zu verwirren, so dass er diese brüsk zurückweist. Er versteht weder sich noch den Coach (= fehlende Verstehbarkeit). Der Coach verknüpft sein verständnisvolles Einlenken mit einer Bestätigung, bei der die geäußerten Einschränkungen übertrieben (uneingeschränkt) zurück gespiegelt werden. Coach: Das ist völlig in Ordnung, wenn Sie sich wehren. Ich will Ihnen da keineswegs irgend etwas aufdrücken, zumal Sie sich ja uneingeschränkt wohlfühlen. Ratsuchender: Ja, das habe ich Ihnen ja schon in der letzten Sitzung beschrieben, dass ich eine ganz fantastische Beziehung zu meinen Mitarbeitern habe, wirklich freundschaftlich. Manchmal denke ich, wir sind wie eine große Familie. Sagen Sie selbst, wie oft haben Sie schon erlebt, dass Geschäftsbeziehungen freundschaftlich verlaufen? Diese Beschreibung seines Arbeitsumfelds hört sich losgelöst positiv an, allerdings lautet das Coachinganliegen, nach Alternativen zur jetzigen Tätigkeit Ausschau zu halten. Warum sucht jemand, der eine ganz fantastische Beziehung zu seinen Mitarbeitern hat, ein neues Betätigungsfeld? Der Coach hinterfragt die Bedeutung der freundschaftlichen Geschäftsbeziehungen, weil diese so hervorgehoben werden und prüft, wofür diese letztlich stehen. Coach: Das ist in der Tat nicht die Norm. Sie erwähnten beim letzten Mal, dass es mit Ihren Mitarbeitern kaum Spannungen gibt und Sie einander herzlich zugeneigt sind. Ich frage mich gerade, ob Ihnen das außerhalb der Arbeit genauso geht, dass es keine Auseinandersetzungen und Konflikte gibt. Ratsuchender: Ich denke schon. Also, wenn ich gerade mal meine ganzen Kontakte so durchgehe, ich verstehe mich mit allen blendend. Das betrifft sowohl die direkten Kontakte als auch die vielen Kontakte in meinen verschiedenen Netzwerken. Vermutlich halten Sie mich für eingebildet, wenn ich von mir sage, ich bin sehr beliebt, weil ich immer den passenden Spruch auf Lager habe und für gute Stimmung sorge. Für sich allein genommen erscheint die Äußerung klar und zeugt von Selbstkenntnis: ich verstehe mich mit allen blendend, und bin beliebt, weil … Doch genau Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 209 2099. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten betrachtet, setzt sich die Aussage ich habe immer den passenden Spruch auf Lager nicht mit der Frage auseinander, wie es der Ratsuchende mit Auseinandersetzungen und Konflikten hält. Der Coach bemerkt dieses Ausweichen und hinterfragt die positive Selbstdarstellung, indem er diese übertreibend bestätigt (völlig konfliktfrei). Coach: Ich kann mir gut vorstellen, wie gefragt Sie sind. Und Sie kommen völlig konfliktfrei mit allen Menschen zurecht. Ratsuchender: Dafür wäre mir die Zeit auch zu schade. Nee, für Streitereien habe ich keinen Nerv. Diese kurze Erwiderung lässt Dreierlei erkennen: Für den Ratsuchenden sind Streitereien und Konflikte dasselbe, außerdem sind diese Zeitverschwendung und schließlich gilt es, diese zu meiden. Natürlich böte es sich an, dem Ratsuchenden den Unterschied zwischen Streit und Konflikt zu erklären, doch nur wenn er sich das Verständnis für seine Entscheidungen selbst erarbeitet, wird das Kohärenzgefühl der Verstehbarkeit gefördert. Darum umschreibt der Coach die Sichtweise des Ratsuchenden und bringt sie überspitzt auf den Punkt. Coach: Mit anderen Worten: Wenn man sich versteht, dann gibt es keinen Streit, und Harmonie ist auch ein Zeichen guter Freundschaft. Ratsuchender: Stimmt. Man sucht sich ja wohl nicht seine Freunde aus, um mit ihnen zu streiten. Erneut zeigt sich, dass der Ratsuchende ein starkes Harmoniebedürfnis hat, das sich vermutlich auf viele seiner täglichen Entscheidungen auswirkt. Das berührt die Komponente der Handhabbarkeit, wobei anzunehmen ist, dass dem Ratsuchenden nicht bewusst ist, wie sein alltägliches Handeln durch Streben nach Harmonie und Vermeiden von Streit beeinflusst ist. Darum überprüft der Coach das Wertgefüge des Ratsuchenden. Coach: Ich weiß nicht, was Ihnen bei einer Freundschaft das Wichtigste ist. Worauf Sie bei einem richtigen Freund großen Wert legen. Ratsuchender: Mm … (denkt lange nach) also, richtige Freunde, also die habe ich eigentlich nicht. (Schaut zu Boden, schluckt mehrfach.) Jemand, der auch dann noch zu einem steht, wenn man mal Mist gebaut hat oder nicht mehr weiter weiß, nee, so jemanden habe ich nicht. Die Frage worauf der Ratsuchende bei einem richtigen Freund großen Wert legt vergrößert zunächst die Verwirrung und erste Brüche zwischen gelebtem Leben und tiefsitzender Sehnsucht treten zutage. Damit diese durchaus schmerzliche Selbsterkenntnis nicht mit einem passenden Spruch beiseite geschoben wird, bedarf es einer einfühlsamen und zugleich erlaubenden Reaktion des Coach. Coach: Sie klingen gerade ganz betroffen. Ratsuchender: Ja, da ist was dran. Irgendwie hatte ich immer gedacht, bei mir stimmt alles. Ich bin in vielen Netzwerken, verfüge über tolle Kontakte und verstehe mich mit allen Leuten gut. Aber wenn ich so drüber nachdenke … Der Ratsuchende beginnt zu verstehen, was ihm im Grunde genommen fehlt. Der Coach bringt dies behutsam auf den Punkt. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 210 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten210 Coach: Da gibt es etwas, das Ihnen fehlt, und das lässt sich nicht durch heitere Sprüche und freundliches Miteinander ersetzen. Ratsuchender: Wohl wahr. Vielleicht hat meine Mutter recht, die mir immer wieder vorhält, dass ich viel zu viel arbeite und mir keine Zeit gönne für das sogenannte richtige Leben. Meinen Sie, dass ich darum so unzufrieden bin und dringend etwas ändern müsste? Zum ersten Mal räumt der Ratsuchende ein, dass er unzufrieden ist und dringend etwas ändern muss. Zwar erklärt er sich seine Unzufriedenheit damit, dass ich viel zu viel arbeite, aber er anerkennt, dass ihm etwas fehlt. Das streift die Komponente Gefühl von Bedeutsamkeit. Der Ratsuchende beginnt zu ahnen, dass er noch keine Bedeutung im sogenannten richtigen Leben erfahren hat. Um diese Ahnung zu konkretisieren, erweitert der Coach das Sichtfeld des Ratsuchenden und bringt ihn mit seinem gewohnten Vermeidungsverhalten in Kontakt. Coach: Auf jeden Fall haben Sie Ihre momentanen freundschaftlichen Beziehungen noch keiner Belastungsprobe unterzogen. Ich will damit sagen, dass Sie sich noch niemandem so zugemutet haben, wie Ihnen manchmal auch zumute ist. Ratsuchender: Oje! Das wäre doch auch schlimm. Ich möchte doch auch nicht von meinen über hundert Kontakten die jeweilige Lebensproblematik erfahren. Vermutlich war diese Intervention zu direkt, denn der Ratsuchende wehrt die mitschwingende Handlungsmöglichkeit (sich anderen zuzumuten) ab und erklärt, was er auf keinen Fall möchte. Das „Horrorszenario“ (die Lebensgeschichte von über hundert Kontakten zu erfahren) wird affektiv gerahmt, gleichzeitig bleibt der Coach direkt und relativiert die Äußerung, indem er im Tonfall der Beiläufigkeit eine allgemeine Selbstverständlichkeit erwähnt. Coach: Stimmt, das wäre nicht nur extrem belastend, Sie kämen auch zu gar nichts mehr. Nun hat man üblicherweise auch nicht hundert Freunde, sondern so wenige, dass man sie an einer Hand abzählen kann. Ratsuchender: Wozu habe ich dann all diese Kontakte? Denn wenn’s wirklich drauf ankommt, dann ist man ja doch allein, oder? Der Ratsuchende erkennt, wie wenig zielführend seine bisherigen Bemühungen waren und wie wenig bislang seinem Bedürfnis nach Bedeutsamkeit Rechnung getragen wurde. Doch statt das Problematische der vielen Kontakte zu vertiefen, was den Ratsuchenden vermutlich noch stärker bedrücken würde, richtet der Coach die Aufmerksamkeit auf zu nutzende Möglichkeiten. Dafür orientiert sich der Coach an der Wortwahl des Ratsuchenden und greift das Wort wirklich auf, setzt dieses aber in einen anderen Kontext. Coach: Oder auch nicht. Es liegt an Ihnen, den Kontakt zu dem einen oder anderen so zu intensivieren, dass daraus womöglich eines Tages eine wirkliche Freundschaft entsteht. Ratsuchender: Mm. – Mal ganz dumm gefragt: Wie mache ich das? Diese kurze Erwiderung belegt, dass das Verstehen einer Situation noch lange nicht damit einhergeht, sie auch handhaben zu können. Der Blick des Ratsuchenden ist so eingeschränkt, dass er sich der Vielfalt seiner Möglichkeiten nicht Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 211 2119. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten bewusst ist. Statt die direkte Frage nach einem Ratschlag zu beantworten, was im Zusammenhang mit Problemtrance selten zielführend ist, wählt der Coach einen Weg, um aus der Trance heraus zu kommen. Denn der Ratsuchende soll ja für sich erarbeiten, welche Ressourcen ihm zur Verfügung stehen. Coach: Nun, wenn Sie sich gerade Ihre verschiedenen Kontakte vergegenwärtigen, dann gibt es vermutlich den einen oder anderen, den Sie mehr mögen als andere, der Ihnen sympathischer ist oder dem Sie sich in irgendeiner Weise wesensverwandt fühlen. Ratsuchender: Stimmt. Da gibt es Leute, die kenne ich eigentlich nur virtuell, und andere, mit denen habe ich schon mal was zusammen gemacht. Der Ratsuchende geht ganz pragmatisch an seine verschiedenen Kontakte heran und entdeckt wesentliche Unterschiede. Der Coach greift das auf und unterbreitet ihm nun einen konkreten Lösungsvorschlag. (Leider hält sich der Coach nicht an die Kapitelreihenfolge, denn Feedback und Vorschläge kommen erst im nächsten Kapitel dran …) Coach: Auch wenn es sich sehr technisch anhört, Ihnen könnte eine Liste aller Ihrer Kontakte einen Überblick geben, um sich in einem nächsten Schritt zu fragen, mit wem würde ich denn gern mehr Zeit verbringen. Ratsuchender: Okay, da kämen mir schon einige in den Sinn. Und dann? Erneut zeigt sich die Problemtrance des Ratsuchenden, der geradezu vernagelt auf die Frage starrt, wie macht man sich Freunde? Der Coach orientiert sich an den Ressourcen des Ratsuchenden und greift auf, was dieser bislang über sich selbst gesagt hat (ich verstehe mich mit allen blendend, bin beliebt, habe immer den passenden Spruch auf Lager), um ihm bewusst zu machen, welche Ressourcen in ihm schlummern, bzw. welche Stärken er nutzen kann, um sich seinem Ziel zu nähern. Coach: Da es Ihnen ja grundsätzlich leicht fällt, auf andere Menschen unbefangen zuzugehen, bietet es sich an, genau dies zu nutzen und den von Ihnen ausgewählten Kontakt direkt anzusprechen. Ob Sie sich nun auf ein Bier verabreden oder ins Kino gehen, ich bin sicher, Sie werden etwas finden, dass für Sie beide angenehm ist. Ratsuchender: Eigentlich blöd, das klingt so leicht. Man muss es nur tun. Vermutlich war der Coach wieder zu direkt bzw. zu schnell. Denn der Ratsuchende wertet sich ab und wechselt in die unpersönliche Form: das und man muss. Der Coach transformiert die Verallgemeinerungen und führt den Ratsuchenden zu seiner Verantwortung, indem er ihm aufzeigt, wie zukünftige Ereignisse durch persönliche Entscheidungen beeinflusst werden und wie sich vorhandene Fähigkeiten nutzen lassen (= Handhabbarkeit). Coach: Ja. Sie allein entscheiden, wann Sie mit wem beginnen wollen. Und dabei können Sie herausfinden, wie weit Sie am anderen interessiert sind, ob Sie beispielsweise seine Meinung zu einem Kinofilm kennen lernen möchten. Womöglich entdecken Sie, dass eine unterschiedliche Sichtweise keineswegs belastend sein muss. Ratsuchender: Und wahrscheinlich zeigt sich dann ganz schnell, ob ich Lust habe, so etwas zu wiederholen oder sogar zu vertiefen … Jetzt ist der Ratsuchende bei sich und kann den wichtigen Fragen nachgehen: Was will ich? Was ist mir wichtig? Was gibt für mich Sinn und Bedeutung? Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 212 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten212 Das Gespräch ist also noch lange nicht zu Ende. Die Klärung dieser Fragen hat bei diesem Ratsuchenden noch sehr, sehr viel Zeit in Anspruch genommen … Indem der Coach die vorhandenen Ressourcen ins Bewusstsein hebt, erlebt sich der Ratsuchende als Meister und nicht als Lehrling, er besitzt bereits Kompetenzen und muss sich diese nicht erst aneignen. Das stärkt nicht nur sein Selbstvertrauen, sondern motiviert zugleich, die erkannten Ressourcen zu nutzen bzw. auf die aktuelle Situation zu übertragen. Immer wenn der Coach mit den Ressourcen des Ratsuchenden arbeitet, wendet er dessen Blick auf die Kompetenz, die dieser bislang unter Beweis gestellt hat oder lässt den Ratsuchenden nach vorn schauen, damit dieser entdeckt, wie und wo er seine Stärken einsetzen kann. Die Interventionen des Coach haben dabei eine geradezu suggestive Kraft und stärken das Kohärenzgefühl des Ratsuchenden, weil er sich •• erklären kann, wie seine bisherigen Erfolge zustande kamen, nämlich keineswegs zufällig sondern aus eigener Kraft (Verstehbarkeit), •• seiner Ressourcen bewusst wird, und erkennt, dass ihm diese bereits in der Vergangenheit zur Verfügung standen und sowohl gegenwärtig als auch zukünftig zur Verfügung stehen, um die jeweiligen Anforderungen bewältigen zu können (Handhabbarkeit), •• vergegenwärtigt, dass es sich lohnt, weiterhin Energie zu investieren, um gestellten Anforderungen gerecht zu werden (Gefühl von Bedeutsamkeit). Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um vorhandene Fähigkeiten zu wecken und den Ratsuchenden mit seinen Ressourcen in Kontakt zu bringen. Stets zielen die Fragen bzw. Unterstellungen darauf, den Blick weg vom Problem und hin zur Lösung und aufs Ziel zu lenken und das Gefühl von Zuversicht zu stärken. Richtet der Coach seine Aufmerksamkeit auf das Ziel, fragt er sich automatisch: •• Was genau ist das Ziel? •• Wie kann der Ratsuchende dies aus eigener Kraft erreichen? •• Was braucht er zusätzlich? •• Wie wird es ihm ergehen, wenn er sein Ziel erreicht hat? Mit den Fragen, die der Coach in diesem Zusammenhang stellt, stillt dieser keineswegs seinen Informationshunger, sondern er lenkt damit die Aufmerksamkeit des Ratsuchenden auf die Aspekte, die dieser bislang ausgeklammert hat, beispielsweise: Vorwissen nutzen Vermutlich sind Ihnen schon erste Lösungsideen durch den Kopf gegangen. Vielleicht haben Sie bereits an etwas gedacht, aber wieder verworfen. Ihr ganzes Wissen hat Sie bis heute erfolgreich begleitet. Was lässt sich davon nutzen? Positive Erfahrungen aktivieren Ich stelle mir vor, dass sie schon einmal in einer ähnlichen Lage waren. Sie haben in ihrem Leben bestimmt schon ganz andere Herausforderungen bewältigt. Was war für Sie in einer vergleichbaren Situation besonders hilfreich? Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 213 2139. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Gedanken in eine konstruktive Richtung lenken Wie lässt sich das Ergebnis beschreiben, dass sie sich am meisten wünschen? Wenn Sie sich vorstellen, das Problem ist bereits gelöst, was wäre daran am besten? Was war für Sie besonders förderlich und wird Ihnen bei der Bewältigung helfen? Abstand zur Situation gewinnen Was würden Sie einem Kollegen in einer ähnlichen Situation empfehlen? Wen kennen Sie, der eine vergleichbare Situation bewältigt hat? Wer (oder was) könnte Sie bei der Lösung unterstützen? Wäre sich der Ratsuchende all seiner Ressourcen bewusst, könnte er direkt auf sein Ziel zustreben, das Coaching wäre an diesem Punkt idealerweise beendet. Doch aufgrund der Problemtrance konzentriert sich der Ratsuchende wieder und wieder auf die übergroßen Schwierigkeiten. Er neigt oftmals dazu, sich abzuwerten und sein Feststecken mit fehlender Kompetenz zu erklären. Darum ist es wichtig, neben den ungezählten Stärken, über die jeder Mensch verfügt, etwas positiv zu gewichten, was leicht übersehen wird: Der Ratsuchende hat etwas als veränderungswürdig erkannt und es ist ihm bislang gelungen, mit diesem Problem zu leben bzw. dafür zu sorgen, dass es nicht schlimmer wurde (Gefühl von Bedeutsamkeit). Gelingt es dem Coach diese Leistung zu würdigen, stärkt dies die Zuversicht, anstehende Herausforderungen eigenständig zu meistern (Gefühl der Handhabbarkeit). Setzen Sie in der folgenden Übung den selbstabwertenden Äußerungen des Ratsuchenden Vermutungen über seine Ressourcen entgegen. Ratsuchender wertet sich ab Coach sieht Stärken und Ressourcen 1. Ich habe die Projektleitung ja nur bekommen, weil sich vermutlich sonst keiner dafür gefunden hat. 2. Warum unterziehe ich mich überhaupt diesem Bewerbungsgespräch? Ich habe ja doch nichts Besonderes vorzuweisen. 3. Ich bin doch der Depp vom Dienst. Am liebsten würde ich kündigen. Sollen die doch sehen, wie sie dann ohne mich klar kommen. 4. Erstaunlicherweise habe ich doch den Zuschlag des Kunden bekommen. Na ja, ein blindes Huhn findet eben auch manchmal ein Korn. 5. Es ist zum Verzweifeln. Je mehr ich arbeite, um so größer wird der Berg, der noch zu erledigen ist. Alle laden bei mir ihren Scheiß ab. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 214 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten214 Wenn Sie ressourcenorientiert reagieren, trägt die einleitende affektive Rahmung dazu bei, die belastenden Gefühle des Ratsuchenden zu würdigen. Dadurch wird gleichzeitig verhindert, dass die nachfolgende Betonung von Stärken wie ein Herunterspielen wahrgenommen wird. Sie mögen kritisch einwenden, dass die verschiedenen Antworten auf Spekulationen beruhen. In der Tat wird dem Ratsuchenden etwas unterstellt, dabei beruht die „Treffsicherheit“ auf dem Umstand, dass etwas allgemein Menschliches angenommen wird, dessen man sich keineswegs schämen muss. Betrachten Sie meine Antworten bitte wieder nur als eine Möglichkeit. 1. Ich habe die Projektleitung ja nur bekommen, weil sich vermutlich sonst keiner dafür gefunden hat. Sie klingen ganz bedrückt. Immerhin traut man Ihnen diesen Job zu. Zählen Sie mal auf, was Sie alles unternommen haben, Ihre Kompetenz so sichtbar zu machen? 2. Warum unterziehe ich mich überhaupt diesem Bewerbungsgespräch? Ich habe ja doch nichts Besonderes vorzuweisen. Sie sind gerade voller Selbstzweifel. Die Tatsache, dass man Sie zum Gespräch einlädt, lässt erkennen, dass Ihre Unterlagen so interessant waren, dass man Sie gern näher kennen lernen möchte. Wie haben Sie es geschafft, sich so zu positionieren? 3. Ich bin doch der Depp vom Dienst. Am liebsten würde ich kündigen. Sollen die doch sehen, wie sie dann ohne mich klar kommen. Irgendwie fühlen Sie sich ausgenutzt und sind fürchterlich sauer. Gleichzeitig gibt Ihnen irgendetwas die Kraft trotzdem durchzuhalten. Vermutlich haben Sie schon ganz andere Durststrecken durchgemacht. Was hat Ihnen dabei geholfen? 4. Erstaunlicherweise habe ich doch den Zuschlag des Kunden bekommen. Na ja, ein blindes Huhn findet eben auch manchmal ein Korn. Sie wirken ganz überrascht. Wenn Sie angesichts des Wettbewerbs zum Zuge kommen, müssen Sie beim Kunden als besonders gelten. Was haben Sie unternommen, um so gesehen zu werden? 5. Es ist zum Verzweifeln. Je mehr ich arbeite, um so größer wird der Berg, der noch zu erledigen ist. Alle laden bei mir ihren Scheiß ab. Diese Arbeitsbelastung lässt Sie förmlich verzagen. Dabei scheinen Sie sich einen besonderen Ruf erarbeitet zu haben. Man hält Sie nicht nur für kompetent und flei- ßig, sondern auch für unerschöpflich belastbar. Wie haben Sie es hinbekommen, so wahrgenommen zu werden? Allen Fragen gemeinsam ist eine positive Unterstellung, die darauf abzielt, den Ratsuchenden anzuerkennen und Gefühle von Zuversicht zu fördern. Weil in unserer Kultur ausgesprochen sparsam mit Lob und Anerkennung umgegangen wird und weil – gemäß einer Redewendung – Eigenlob stinkt, trauen sich viele Menschen nicht, ihre Stärken hervorzuheben. Nach meiner Erfahrung tun sich viele Ratsuchende ausgesprochen schwer, Situationen zu beschreiben, in denen sie gelobt wurden. Etliche empfinden es sogar peinlich, darüber zu sprechen und brauchen mehrere Anläufe, bis sie einräumen, dass sie im tiefsten Herzen sogar stolz waren oder auch noch sind. Doch wer seine Erfolgserlebnisse Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 215 2159. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten herunterspielt und seine persönlichen Anstrengungen verdrängt, kommt leicht in die Situation, die eigene Kompetenz nicht angemessen wahrzunehmen. Der daraus folgende Mangel an Zuversicht – nämlich aktuelle Herausforderungen bewältigen zu können – lässt das Geschehen schnell dramatisch erscheinen. Im Kapitel 3 hatte ich Sie zu einer Selbstreflexion eingeladen hinsichtlich des Deutens von Hintergründen für Ihr Verhalten. Jetzt kommt ein anderer Aspekt hinzu: Übung zur Selbstreflexion Wie geht es Ihnen, wenn Ihnen etwas unterstellt wird, worauf Sie stolz sein können? Nach dem Muster: Du hast dich vermutlich mächtig ins Zeug gelegt. Dafür hast du bestimmt einen langen Atem gebraucht, Ich stelle mir vor, dass Sie das einige Überwindung gekostet hat. Womöglich haben Sie das auch noch ganz allein gemacht. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie mit „positiven“ Vermutungen konfrontiert werden, auch wenn Sie das nicht so sehen? Du kennst dich bestimmt mit XYZ gut aus. Du warst vermutlich schon in deiner Jugend sehr sportlich. Sie haben wahrscheinlich den neuen Roman von XY schon gelesen. Bei Ihrem guten Spanisch vermute ich, dass Sie in Spanien studiert haben. Wir haben jetzt ausführlich behandelt, wie der Coach das Kohärenzgefühl des Ratsuchenden stärken kann und immer wieder prüft, wie weit den Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Gefühl für Bedeutsamkeit Rechnung getragen wird. Sie haben bei den vorangegangenen Gesprächsausschnitten erleben können, wie viel Geduld nötig ist, den verschlungenen Pfaden des Ratsuchenden zu folgen. Damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt, in welchem sich die Haltung des Coach widerspiegelt und zwar seine Geduld bzw. Ungeduld. Ein ungeduldiger Coach, der zugleich auch glaubt zu wissen, was richtig bzw. falsch ist, kann verführt sein, sich auf das zu konzentrieren, „was nicht ist“, also auf das, was der Ratsuchende nicht kann oder nicht gelernt hat, auf seine vergeblichen Lösungsversuche, auf das Noch-nicht-erreichte. Sein Ansatz ist daher, diesen Mangel zu beheben – und zwar so rasch wie möglich und mit den Mitteln, die ihm selbst dazu zur Verfügung stehen, bzw. die er selbst in einer vergleichbaren Situation einsetzen würde. Eine solche Haltung nennt man defizitorientiert. Dabei erlebt sich der Coach als stark und überlegen, während der Ratsuchende als schwach und unterlegen wahrgenommen wird. Diese Haltung ist in unserer Kultur so verbreitet, dass sie kaum auffällt, ja für normal gilt. Da überlegt sich beispielsweise ein Ingenieur, ob er sich noch einmal beruflich weiterentwickeln soll. Im Coaching äußert er: Ich weiß nicht so recht. Nach so langer Zeit wieder eine Prüfung? Ich glaube, so ein Fernstudium ist doch nichts für mich! Ein defizitorientierter Coach könnte erwidern: Ihre diesbezügliche Unentschiedenheit hängt mit der Prüfung zusammen. Nun, dann sollten wir zunächst einmal an Ihrer Prüfungsangst arbeiten. Die wird ja eine Ursache haben. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 216 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten216 Hier wird noch einmal deutlich, wie sich die verbreitete Problemorientierung von einer unterstützenden und aktivierenden Zielorientierung unterscheidet: Sich mit einem Problem zu beschäftigen, bedeutet, die Aufmerksamkeit auf etwas Ungelöstes zu lenken. Das bewirkt eine andere Gefühlsqualität, als das Augenmerk auf ein Ziel zu richten. Solange sich der Coach am Problem orientiert, geht er Fragen nach, wie: •• Was ist das Problem des Ratsuchenden? •• Warum hat er es? •• Was genau hindert ihn? •• Was ist die Ursache für dieses Problem? •• Wieso gelingt es ihm nicht, das aus eigener Kraft zu lösen? Ganz anders dagegen ein Coach mit sogenannter Ressourcenorientierung, der die Stärken des Ratsuchenden aufspürt, um diese für die Lösungsfindung zu nutzen. Sein Hauptaugenmerk liegt •• auf den Fähigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten des Ratsuchenden, •• auf seinen Ideen und Vorstellungen •• und auf der Handlungs- und Lösungskompetenz, die dieser bislang bereits unter Beweis gestellt hat. Ein ressourcenorientierter Coach könnte bei der obigen Äußerung sowohl die mitschwingende Beklemmung affektiv rahmen als auch vorhandene Ressourcen (= Stärken) thematisieren, beispielsweise: Der Gedanke an die abschließende Prüfung bereitet Ihnen Sorgen. Dabei haben Sie in Ihrem Leben bestimmt schon etliche Prüfungen erfolgreich abgelegt, denn sonst wären Sie nicht dahin gelangt, wo Sie jetzt sind. Dabei greift der Coach auf etwas zurück, was er als selbstverständlich voraussetzt, denn ein Ingenieur muss ja irgendwann ein Studium absolviert haben, das mit einem Abschlussexamen beendet wurde. Im Grunde genommen kann alles als Ressource betrachtet werden, wenn es der Zielverfolgung dienlich ist. Es kommt stets auf die Betrachtungsweise an; dabei wird man im Coaching immer wieder staunen, wie eingeengt der Blickwinkel des Ratsuchenden ist und wie schwer sich dieser tut, vorhandene Stärken oder Unterstützung von außen zu nutzen. Ressource meint sowohl die persönlichen Kraftquellen, als auch alles, womit sich eine erwünschte Veränderung erreichen lässt. Dazu zählen sowohl Menschen, die zur Unterstützung herangezogen werden als auch alle materiellen Mittel, die sich in Anspruch nehmen lassen, um sich dem angestrebten Ziel zu nähern. So wie der Coach bei der Problemschilderung eine zeitliche Strukturierung vornimmt, verfährt er auch beim Aufspüren der Ressourcen: •• Wie hat der Ratsuchende bislang Schwierigkeiten gemeistert, worauf hat er bisher bei der Lösung von Problemen zurückgegriffen bzw. welche Stärken und Kräfte standen ihm in der Vergangenheit zur Verfügung? Ratsuchende vergessen unter dem Druck des ungelösten Problems oftmals, wie viel Unterstützung und Förderung sie in ihrem Leben erfahren haben. Darum prüft der Coach gezielt, wie weit andere Menschen bei der Bewältigung kritischer Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 217 2179. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Angelegenheiten unterstützend gewirkt haben oder welche materiellen Mittel zur Verfügung standen. •• Welche Kompetenz bringt der Ratsuchende gegenwärtig mit? Welche seiner momentanen Fähigkeiten ist ungenutzt? Welche Stärken lassen sich aus anderen Lebensbereichen heranziehen? Welche Menschen (oder Mittel) stehen womöglich bereit, sind aber noch nicht angefragt worden? •• Welche Fähigkeiten benötigt der Ratsuchende in Zukunft? Wieweit können die Stärken anderer Menschen zukünftig ein Vorbild oder Modell sein, um die eigenen Ziele zu erreichen? Welche materiellen Mittel lassen sich gegebenenfalls „anzapfen“. Um gleich einmal zu üben, finden Sie fünf Problemsituationen und eine an den bestehenden Defiziten orientierte Reaktion des Coach. Versetzen Sie sich in die Lage des jeweiligen Ratsuchenden und spüren Sie dem Gefühl nach, das die defizitorientierte Antwort des Coach in Ihnen auslöst und reflektieren Sie, zu welcher spontanen Erwiderung Sie sich dadurch veranlasst fühlen könnten. Analog zum vorangegangenen Beispiel formulieren Sie anschließend eine längere Reaktion, die stattdessen auf die Aktivierung möglicher Ressourcen gerichtet ist. Lassen Sie dazu Ihrer Phantasie freien Lauf und treffen Sie spielerisch irgendwelche Vorannahmen, stellen positiv unterstellende Fragen oder fordern den Ratsuchenden auf, sich über etwas bewusst zu werden. Um sich weiterhin im affektiven Rahmen zu üben, leiten Sie jede Äußerung wieder einfühlsam ein. 1.) Situation Die Ratsuchende ist für eine Versetzung nach Schweden vorgeschlagen worden. Sie überlegt: Wegen des Skifahrens wär’s schon nett. Aber mit dem Sprachenlernen tue ich mich schwer, und auf die Dauer wird Englisch ja wohl nicht ausreichen. Defizitorientierung Für mich stellt sich die Frage, ob Sie überhaupt ausreichend motiviert sind. Ihr einziger Grund für die Annahme des Angebots scheinen ja die Freizeitmöglichkeiten zu sein. Vielleicht sollten wir das klären. Ressourcenorientierung Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 218 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten218 2.) Situation Ein junger Ratsuchender: Also, klingt schon toll, das andere Projekt. Aber jetzt gleich wieder wechseln, neue Kollegen und alles. Wo ich mich hier gerade so gut eingelebt hatte. Da bin ich noch gar nicht drauf eingestellt. Defizitorientierung Wie Sie wissen, ist Flexibilität heute ja eine Voraussetzung für Karriere. Dann sollten wir vielleicht gemeinsam darüber nachdenken, warum Sie vor einem neuen Kollegenkreis zurückscheuen. Ressourcenorientierung 3.) Situation Eine ältere Ratsuchende meint: Jetzt waren die Kinder gerade aus dem Haus. Endlich Zeit für mich. Und nun? Kommt mir die Jüngste mit einer ungeplanten Schwangerschaft dazwischen. Jetzt muss mein Beruf wieder zurückstehen. Defizitorientierung Ich als Ihr Coach frage mich da natürlich, warum Sie sofort in die Bresche springen und für Ihre Tochter die Verantwortung an sich ziehen. Ressourcenorientierung 4.) Situation Eine Ratsuchende ist ganz niedergeschlagen: Ach Mist, mit meiner Karriere ist’s doch vorbei. Wenn der Chef hört, dass ich nicht wegziehen will nur wegen eines Mannes. Aber ich kann doch nicht ewig Single bleiben nur wegen des Jobs! Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 219 2199. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Defizitorientierung Wenn Ihnen die Beziehung peinlich ist, scheinen Sie selbst noch an deren Tragfähigkeit zu zweifeln. Dann sollten Sie überlegen, ob Sie wirklich jetzt schon eine berufliche Entscheidung daran knüpfen wollen. Ressourcenorientierung 5.) Situation Ein Ratsuchender möchte sich weiter entwickeln: Na ja, aber ich weiß ja gar nicht, ob die Firma mich auch so sieht. Nachher bin ich gar nicht so gut wie ich denke. Defizitorientierung In dem Fall arbeiten wir am besten zunächst an Ihren Selbstzweifeln. Ressourcenorientierung Im Folgenden können Sie Ihre Antworten mit denen meiner Seminarteilnehmer vergleichen und sich ausmalen, wie die Gespräche wohl weiter verlaufen. Versetzen Sie sich dazu in die Lage des jeweiligen Ratsuchenden und spüren Sie dem Gefühl nach, das die Reaktion des Coach nun in Ihnen auslöst. 1.) Die Ratsuchende ist für eine Versetzung nach Schweden vorgeschlagen worden. Sie überlegt: Wegen des Skifahrens wär’s schon nett. Aber mit dem Sprachenlernen tue ich mich schwer, und auf die Dauer wird Englisch ja wohl nicht ausreichen. Coach: Schwedisch zu lernen macht Ihnen gerade Kopfzerbrechen. Wenn man Sie für diese Aufgabe in Schweden vorschlägt, müssen Sie Fähigkeiten haben, die andere nicht mitbringen. Und ich vermute, dass Sie sich diese Kompetenz hart erarbeitet haben. 2.) Ein junger Ratsuchender: Also, klingt schon toll, das andere Projekt. Aber jetzt gleich wieder wechseln, neue Kollegen und alles. Wo ich mich hier gerade so gut eingelebt hatte. Da bin ich noch gar nicht drauf eingestellt. Coach: Die Tatsache, dass Sie sich in kurzer Zeit gut eingelebt haben, zeugt von einer großen Stärke. Vielleicht fallen Ihnen noch ganz andere Situationen ein, in denen Sie sich zwangsläufig umstellen mussten und sich erfolgreich auf unerwartete Anforderungen eingestellt haben. 3.) Eine ältere Ratsuchende meint: Jetzt waren die Kinder gerade aus dem Haus. Endlich Zeit für mich. Und nun? Kommt mir die Jüngste mit einer ungeplanten Schwangerschaft dazwischen. Jetzt muss mein Beruf wieder zurückstehen. Coach: Das zieht Ihnen gerade den Boden unter den Füßen weg. Ich stelle mir gerade vor, wie Sie über den sehr langen Zeitraum, Kinder groß zu ziehen, Ihr Ziel nicht aus Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 220 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten220 den Augen verloren haben. Sie konnten dabei eine Stärke entwickeln, die Sie höchstwahrscheinlich unterstützen wird, auch weiterhin Ihr Ziel zu erreichen. 4.) Eine Ratsuchende ist ganz niedergeschlagen: Ach Mist, mit meiner Karriere ist’s doch vorbei. Wenn der Chef hört, dass ich nicht wegziehen will nur wegen eines Mannes. Aber ich kann doch nicht ewig Single bleiben nur wegen des Jobs! Coach: Sie klingen ganz bedrückt. Ich bin mir sicher, dass Sie schon öfter in Ihrem Leben etwas abgelehnt haben. Ihnen werden womöglich Beispiele einfallen, bei denen sich eine klare Absage sogar zum Vorteil entwickelt hat. 5.) Ein Ratsuchender möchte sich weiter entwickeln: Na ja, aber ich weiß ja gar nicht, ob die Firma mich auch so sieht. Nachher bin ich gar nicht so gut wie ich denke. Coach: Sie sind gerade unsicher, wie weit Sie sich vielleicht überschätzen. Und gleichzeitig trauen Sie sich diese Weiterentwicklung zu. Das bedeutet, dass Sie das, was da an Neuem auf Sie zukommt, aus einer Haltung von innerer Zuversicht und Stärke angehen. Vielleicht fallen Ihnen andere Situationen ein, wo Sie ähnlich motiviert waren. Am Ende dieses Kapitels erhalten Sie wieder einen längeren Gesprächsausschnitt, bei dem Sie ganz losgelöst vom Kontext probieren können, einem scheinbar ressourcenlosen Menschen ein Gefühl von Bedeutsamkeit erleben zu lassen. Wenden Sie spielerisch all das an, was Sie bisher gelernt haben. Der Ratsuchende, 31 Jahre, arbeitet in einem großen IT-Unternehmen. Er hat sich auf eine interne Stellenausschreibung für einen Projektkoordinator beworben und einen Termin für ein Vorstellungsgespräch erhalten. Ein Freund hat ihm zur Vorbereitung eine Art „Crash-Coaching“ empfohlen. Zu Beginn der Sitzung schildert der Ratsuchende seine bisherige Arbeit und die Gründe für seine Bewerbung. Ratsuchender: Wenn ich mir so zuhöre, frage ich mich, wozu ich mich eigentlich diesem ganzen Stress unterziehe. Wahrscheinlich bekommt die Stelle doch jemand Anderes. Wie wollen Sie einsteigen und den Ratsuchenden in seiner momentanen Befindlichkeit abholen? Der Ratsuchende wirkt deprimiert und bringt sich gerade in eine resignative Verfassung, indem er sich einredet, ohnehin keine echten Chancen zu haben. Ihm jetzt zu widersprechen würde höchstwahrscheinlich nur Widerspruch hervorrufen. Zu Beginn des Gesprächs benötigt der Ratsuchende die Erfahrung, dass seine negativen Gefühle durchaus nachvollziehbar und erlaubt sind. Coach: Sie klingen auf einmal so resigniert. Ratsuchender: Na ja, ist doch so: Man bewirbt sich, bereitet sich gründlich vor, bemüht sich eine tolle Figur zu machen und die hochgeschraubten Erwartungen zu erfüllen und am Ende entscheiden die doch nach ganz komischen Kriterien. Nr. 15 Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 221 2219. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Wie ist die Problemsicht? Wie lässt sich diese Äußerung affektiv rahmen? Der Ratsuchende begründet, warum seine Bewerbung aussichtslos ist und verallgemeinert dies (Man bewirbt sich). Dabei zeigt sich sein geringes Maß an Handhabbarkeit, was ihn in die Opferrolle rutschen lässt. Die damit einhergehende Problemtrance verhindert, zu erkennen, dass die von ihm praktizierte Lösung zum eigentlichen Problem geworden ist: Obgleich er nämlich die Entscheidungskriterien für komisch hält oder vielleicht auch nicht genau kennt, bereitet er sich gründlich vor, bemüht sich eine tolle Figur zu machen, um die hochgeschraubten Erwartungen zu erfüllen. Obwohl es nichts zu gewinnen gibt, spielt er mit, gemäß dem Bonmot von Mark Twain: „Nachdem wir unser Ziel endgültig aus den Augen verloren haben, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.“ Coach: Mit anderen Worten, Sie haben auf die Entscheidung gar keinen Einfluss und sind dem Ganzen ohnmächtig ausgeliefert. Ratsuchender: Irgendwie schon (denkt nach). Eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, mich auf das Gespräch groß vorzubereiten. Formulieren Sie spaßeshalber zunächst eine defizitorientierte Reaktion und anschließend eine ressourcenorientierte Erwiderung. Würde die mangelnde Motivation thematisiert, entstünde rasch ein Streitgespräch über realitätsferne bzw. realitätsangemessene Einschätzungen. Stattdessen gilt es, nach Stärken zu suchen und dem Ratsuchenden bewusst zu machen, wie groß seine Kompetenz ist, die ihm schließlich eine Einladung eingebracht hat. Coach: So wie Sie das gerade schildern, haben Ihre bisherigen Leistungen und ihre Fähigkeiten überhaupt keinen Einfluss auf das Bewerbungsverfahren. Jetzt machen Sie mich neugierig, wie es Ihnen dennoch gelungen ist, zum Vorstellungsgespräch geladen zu werden. Ratsuchender: Was weiß ich. (Achselzucken) Was bringe ich auch schon mit?! Was sollte ich denn vorweisen, um wenigstens halbwegs beachtet zu werden? Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 222 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten222 Wie können Sie dem Ratsuchenden vermitteln, dass er über Stärken verfügt? Möglicherweise war der Coach zu schnell, denn der Ratsuchende verweigert sich (noch) einem Perspektivenwechsel. Stattdessen wertet er sich pauschal ab. In seiner Gedankenspirale zieht ein negativer Gedanke den nächsten nach sich. Würde der Coach widersprechen, nach dem Motto: Na hören Sie mal, Sie können sehr viel …, würde sofort ein Streitgespräch entstehen. Stattdessen bittet der Coach um eine Erklärung. Gleichzeitig wählt er eine positive Formulierung (Ihnen ist gelungen), welche die Eigenleistung des Ratsuchenden betont und ihn bereits als erfolgreich handelnd erscheinen lässt. Coach: Jetzt müssen Sie mir mal helfen, damit ich das verstehe. (Der Ratsuchende richtet sich auf und schaut fragend.) Man hat Sie doch zu diesem Gespräch eingeladen, weil Ihre Bewerbung so aussagekräftig war, dass man Sie nun näher kennen lernen möchte. Damit ist es Ihnen doch auf jeden Fall gelungen, sich vom Rest aller Bewerber zu unterscheiden. Ratsuchender: Ja, das ist richtig. Aber jetzt geht’s doch genau darum, dass die prüfen wollen, was wirklich hinter meiner Bewerbung steckt. Und was ist das schon? Wie erleben Sie den Ratsuchenden? Wie lässt sich der Ring der Verantwortung zurückschieben? Der Ratsuchende steckt so fest in seiner Problemtrance, dass er nur kurzfristig seine bisherige Kompetenz anerkennt. Typisch ist das geradezu verzweifelte Aber, mit dem er sich an seine negative Vorstellung klammert. Da sich der Ratsuchende weiterhin als Opfer sieht, achtet der Coach in seiner Erwiderung darauf, den Ring der Verantwortung zurückzuschieben und ihm bewusst zu machen, dass er sich gerade für eine destruktive Sichtweise entschieden hat. Coach: Sie betrachten sich gerade sehr kritisch. Gleichwohl können wir auch auf das achten, was Sie an Können mitbringen. Ratsuchender: Meinen Sie? (Denkt nach.) Ich finde nur, dass ich mir nichts vormachen und mir meinen Sinn für die Realität bewahren sollte. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 223 2239. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Wie können Sie dem Ratsuchenden zu einer anderen Sichtweise verhelfen? Zwar gelingt dem Coach eine kurzfristige Verunsicherung, doch im nächsten Moment fixiert sich der Ratsuchende erneut auf seine Problemsicht und stellt seine pessimistische Haltung als gesunden Realitätssinn dar. Hier wird deutlich, wie stark eine negative Suggestion (ich sollte mir nichts vormachen) wirken kann, nämlich den Ratsuchenden vor möglichen Veränderungen zu bewahren und generell den Status quo zu schützen. Um diese schädliche Umklammerung aufzulösen, greift der Coach auf die Wortwahl des Ratsuchenden zurück (Sinn für die Realität), setzt diese jedoch in einen ressourcenorientierten Rahmen und fordert direkt dazu auf, bestimmte Fragen zu beantworten, die darauf abzielen, sich seiner Fähigkeiten und seines Könnens bewusst zu werden. Coach: Prima, gerade Ihr Sinn für Realität ist nämlich jetzt gefordert: Sie können sich nämlich ganz real auf Fragen vorbereiten, bei denen es um Ihre Fähigkeiten geht. Beispielsweise die Frage, was Sie bislang besonders gern gemacht haben oder auch die Frage nach Ihren Wünschen, nach dem, was Sie gern machen möchten. Ratsuchender: Oh je! Da fängt es ja schon an. Was soll ich denn darauf antworten? Wie wollen Sie den Ratsuchenden aktivieren und in Kontakt mit seinen Ressourcen bringen? Der Ratsuchende ist so blockiert, dass er nicht einmal diese einfache Fragestellung an sich heranlässt. Seine Gegenfrage, was er denn antworten solle, unterstreicht noch einmal die Opferposition und stellt eine typische „Falle“ dar. Denn sobald der Coach in die Retterrolle schlüpft und dem Hilflosen etwas vorschlägt, wird dieser seine ganze Energie darauf verwenden, dies abzuwehren, um seine negative Sicht zu verteidigen. Stattdessen benutzt der Coach eine positive Unterstellung, die erneut darauf abzielt, den Ratsuchenden zu aktivieren. Coach: Ich vermute, dass Sie keine Zeit zum Nachdenken benötigen, um mir zu beschreiben, was Ihnen bei Ihrer jetzigen Arbeit gefällt. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 224 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten224 Ratsuchender: Okay, das könnte ich natürlich sofort machen. Aber das ist so viel, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen und wo aufhören. Das macht doch einen ganz schlechten Eindruck, wenn ich ins Plaudern komme und ohne Punkt und Komma von mir rede. Wie lässt sich die versteckte Lösung zurück spiegeln? Der Ratsuchende lässt sich nur hypothetisch auf die Aktivierung ein (ich könnte sofort machen), um erneut mit dem Aber die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens abzuwerten. Auch wenn es ihm vermutlich nicht bewusst ist, formuliert der Ratsuchende indirekt die Lösung für seine Problematik. Denn wenn er weiß, was einen ganz schlechten Eindruck macht, dann lässt sich daraus auch ableiten, dass er ebenso weiß, was er unternehmen kann, um keinen schlechten Eindruck, also einen guten Eindruck zu hinterlassen. Coach: Da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Sie haben recht, Sie benötigen eine solide Vorbereitung, um einen guten Eindruck zu machen. Wenn Sie mögen, können wir die vorhandene Zeit dafür nutzen. Sie sagten gerade, dass es so viel ist, dass Sie ins Plaudern kämen. Vielleicht möchten Sie Ihre Gedanken notieren und sich dabei klar werden, was Sie an der jeweiligen Tätigkeit schätzen. Ich stelle mir vor, dass Ihnen manches leicht von der Hand gehen mag, ohne dass es Sie vom Hocker reißt und umgekehrt. (In der folgenden halben Stunde arbeitet der Ratsuchende an seinen Notizen.) Coach: Wenn Sie nun auf Ihre Aufzeichnungen schauen, was fällt Ihnen besonders auf? Ratsuchender: Im Grunde passt das gar nicht so schlecht zusammen. Aber das, was ich am besten kann, nämlich Projektcontrolling, und was natürlich in erster Linie auf dieser Position von mir erwartet wird, das mag ich eigentlich gar nicht so sehr. Das Führen von Projektkostenstellen kann ich zwar aus dem FF, aber eigentlich langweilt mich so etwas. Wie lässt sich die erkannte Ressource positiv aufwerten? Dank der Aktivierung schaut der Ratsuchende nun auf das, was er wirklich kann und beginnt sich seiner Ressourcen bewusst zu werden. Dabei fällt ihm auf, dass es ein Missverhältnis gibt zwischen dem, was er mag und dem, was Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 225 2259. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten zukünftig von ihm erwartet wird, denn was er am besten kann, langweilt ihn. Hier böte sich ein Umdeuten im Sinne eine positiven Aufwertung an, etwa: Gerade weil Sie es aus dem FF können, entfällt aufwendiges Einarbeiten und Sie finden Zeit für das, was Ihnen auch liegt. Da in der konkreten Coachingsituation der Ratsuchende seine Notizen offen zeigte, konnte der Coach auf Aspekte eingehen, die bislang nicht thematisiert wurden. Coach: Und umgekehrt sehe ich hier, dass Ihnen der gestalterische Teil, wie Ideensuche, Planung und Problemlösung, am meisten liegt, wenngleich Sie Ihre diesbezüglichen Fähigkeiten noch für deutlich ausbaufähig halten. Ratsuchender: Stimmt, das beißt sich irgendwie. Aber dahin würde ich mich am liebsten entwickeln. Wissen Sie, das Entwickeln von Lösungen ist ja für uns IT-ler Alltag, also da bin ich gut, ich glaube, ich müsste mir nur noch eine effizientere Planung von Arbeitsschritten aneignen. Da bin ich manchmal ausgesprochen spontan. Der Ratsuchende beginnt sich mit dem auseinander zu setzen, was er im tiefsten Herzen anstrebt und äußert (endlich!), was er gut kann. Dabei verändert sich seine Haltung so sehr, dass er sich plötzlich Veränderungswünsche (effizientere Planung aneignen) offen eingesteht. Coach: Wenn ich mir Ihre weiteren Notizen anschaue, frage ich mich, wie Sie auf andere wirken, wenn Ihnen Projektpräsentationen eher unangenehm sind und Sie diesen Teil Ihrer zukünftigen Tätigkeit so wenig mögen und sich darin auch unsicher sind. Ratsuchender: Mm … (lange Pause) Verflixt, das geht schief! So etwas kann ich nicht sonderlich gut, und wenn ich ehrlich bin, will ich es auch gar nicht lernen. Aber diese Aufgabe steht und fällt letztlich mit der Fähigkeit, ordentlich zu präsentieren. Nur so bekommt man die nötige Unterstützung durch die Führung. Denn da entscheidet sich, ob das Projekt letztlich ein Erfolg wird. Wenn es mir da nicht gelingt, so aufzutreten, wie es die Herren da oben nun mal gern haben, dann kann ich einpacken und das Projekt schmiert ab. Coach: Jetzt haben Sie sauber herausgearbeitet, sowohl was Sie können und auch gern machen, als auch was Ihnen schwer fällt und Sie auch langweilt. Wie wollen Sie sich angesichts dieser Möglichkeiten nun entscheiden? Ratsuchender: Gute Frage. (Pause) Es wird in jedem Fall schwierig, weil das Scheitern schon vorprogrammiert ist. Danach gibt mir doch keiner mehr eine Empfehlung oder bietet mir sonst wie eine interessante Alternative an. In welches Muster fällt der Ratsuchende zurück? Wie können Sie ressourcenorientiert reagieren? Der Ratsuchende erkennt eine Hürde und rutscht wieder in die Opferrolle, indem er die Katastrophe an die Wand malt, nie wieder eine Entwicklungs- Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 226 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten226 chance zu erhalten. Da der Ratsuchende noch kurz zuvor in stolzem Ton davon berichtet hat, was ihm liegt und was er gut kann, gilt es, ihn genau dort wieder einsetzen zu lassen. Dafür greife ich noch einmal auf den Merksatz aus Kapitel 8 zurück, wonach unter Ressource nicht nur die persönliche Kompetenz verstanden wird, sondern alles, womit sich eine erwünschte Veränderung erreichen lässt. Bislang haben wir vor allem nach Stärken des Ratsuchenden gesucht und nach Kräften Ausschau gehalten, die in der Vergangenheit oder in anderen Lebenszusammenhängen wirksam waren, um diese für die aktuelle Problematik zu nutzen. Zum Mobilisieren von Ressourcen gehört auch die Überlegung, welche Menschen förderlich wirken können. So ließe sich prüfen, wieweit sich die Vorgesetzte des Ratsuchenden zur Unterstützung heranziehen ließe. Damit aus dem Satz: am Ende entscheiden die doch nach ganz komischen Kriterien die Entscheidung erwächst: Ich erkundige mich noch vor dem Gespräch, welche Kriterien ausschlaggebend sind. Neben der direkten Unterstützung können andere Menschen auch als Vorbild genutzt werden. Denn Vorbilder tun etwas oder haben etwas gemacht, bei dem man selbst noch zögert. Sich seiner Vorbilder bewusst zu werden, aktiviert tiefsitzende Sehnsüchte, nämlich (in bestimmten Zusammenhängen) genauso zu handeln, wie diese. Fragt man Menschen direkt nach ihren Vorbildern, tun sie sich erfahrungsgemäß schwer, spontan ihre Vorbilder zu benennen und zu beschreiben, was sie an diesen bewundern. Die Reaktion fällt auch hier wieder ganz anders aus, wenn es gelingt, ein mögliches Vorbild wie selbstverständlich – natürlich wieder im Tonfall der Beiläufigkeit! – vorauszusetzen, z. B.: Coach: Sie hatten vorhin gesagt, dass Sie im Entwickeln von Lösungen wirklich gut sind. Das war wahrscheinlich ein langer Weg, um so gut zu werden. Ich vermute, dass Sie in dieser Zeit ein oder sogar mehrere Vorbilder hatten, an denen Sie sich orientiert haben. Ratsuchender: Stimmt. Ich hatte gleich im ersten Jahr einen Kollegen, der war so was von schnell im Generieren von Lösungen, da verging einem Hören und Sehen. Er war zwar ein totaler Chaot, aber genial. Von dem habe ich ganz viel abgeguckt. Coach: Und wie ist der Kollege mit Ungewissheit umgegangen, also wenn Entscheidungskriterien unklar waren? Ratsuchender: Da kannte der nichts. Der hat allen Leuten so lange die Tür eingerannt, bis er die Information hatte, die er brauchte. (Pause) Verrückt, mir wird gerade klar, dass ich das doch genauso machen kann. Was zögere ich noch … Mit Ressourcen zu arbeiten, bedeutet den Ratsuchenden zu aktivieren. Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 227 2279. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten Zusammenfassung Sie haben in diesem Kapitel das Konzept der Salutogenese kennen gelernt, um das Kohärenzgefühl des Ratsuchenden gezielt zu stärken. Es ging darum: •• dem Ratsuchenden zu helfen, sich eingetretene Ereignisse zu erklären und sich auf zukünftige Möglichkeiten einzustellen, •• den Ratsuchenden erkennen zu lassen, welche Ressourcen ihm bereits zur Verfügung stehen, obgleich er sie vielleicht bislang kaum bewusst genutzt hat und schließlich •• dem Ratsuchenden bewusst zu machen, welchen Einfluss seine Anstrengungen auf das erzielte Ergebnis haben. Dafür habe ich Ihnen die Bedeutung der Komponenten Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Gefühl von Bedeutsamkeit erläutert und Sie konnten lernen den selbst abwertenden Äußerungen des Ratsuchenden ressourcenstärkende Erwiderungen entgegenzusetzen. Sie haben den Unterschied zwischen Defizit- bzw. Problemorientierung und Ressourcenorientierung kennen gelernt und erfahren, wie Sie die Stärken des Ratsuchenden aufspüren, um diese für die Lösungsfindung zu nutzen. Dazu legen Sie Ihr Augenmerk •• auf den Fähigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten des Ratsuchenden, •• auf seinen Ideen und Vorstellungen •• und auf der Handlungs- und Lösungskompetenz, die dieser bislang bereits unter Beweis gestellt hat. Um den Ratsuchenden zu aktivieren und in eine emotional anregende Verfassung zu bringen, lenken Sie seine Aufmerksamkeit auf Aspekte, die er bislang ausgeklammert hat: •• Vorwissen nutzen •• Positive Erfahrungen aktivieren •• Gedanken in eine konstruktive Richtung lenken •• Abstand zur Situation gewinnen Vahlen – Allgemeine Reihe – Weisbach – Das Coachinggespräch – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.09.2012 Status: Druckdaten Seite 228 9. Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten228 Ehe Sie am Ende dieses Kapitels wieder reflektieren, wo Sie gerade stehen, rege ich wieder an, dass Sie zunächst noch einmal lesen, was Ihnen im vorangegangenen Kapitel notierenswert erschien. Mir wichtige Erkenntnisse/Punkte: Was fiel mir leicht? Was fiel mir schwer? Was will ich besonders üben?

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein guter Coach

Dieses neue Werk ist die Quintessenz aus 30 Jahren Ausbildungspraxis und erläutert die Grundfertigkeiten der beratenden Gesprächsführung. Eine Vielzahl von Gesprächsausschnitten aus realen Coachingsitzungen wird detailgenau analysiert und nachvollziebar kommentiert. Durch die konkreten Übungen und durch das zusätzliche Trainingsmaterial im Anhang können Sie Ihr eigenes Gesprächsverhalten gezielt und professionell optimieren. 26 Gesprächsausschnitte können als Audio-Datei herunter geladen werden und ergänzen das Gelesene um das hörbare Erleben.

Coaching-Gespräch: die Schwerpunkte

* Die eigene Grundhaltung erkennen

* Der Unterschied zwischen Coaching/Beratung und anderen Gesprächen

* Die Grundhaltung beeinflusst den Verlauf

* Kontakt herstellen und Vertrauen aufbauen

* Die Ebenen der Problemschilderung

* Die Problemsicht des Ratsuchenden

* Blockaden erkennen und auflösen

* Ziele des Ratsuchenden erkennen und hinterfragen

* Mit Ressourcen des Ratsuchenden arbeiten

* Mit Impulsen und Anregungen arbeiten

* Mit Feedback arbeiten

Der Coaching-Experte

Professor Dr. Christian-Rainer Weisbach, Universitäten Tübingen und Hohenheim, ist Lehrtrainer und Lehrcoach der European Coaching Association.