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2.1.3 Investitionsrechnung in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 94 - 103

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_94

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 80 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung80 2.1.3 Investitionsrechnung 2.1.3.1 Einführung Die Investitionsrechnung beschäftigt sich mit der Vorteilhaftigkeit einer Investitionsmöglichkeit. Sie überprüft mittels verschiedener Rechenverfahren, ob die Investition einen wertmäßigen Vorteil schafft oder nicht. Die Rechenverfahren aus Abb. 16 sind unterschiedlich aufwändig und setzen zum Teil auf einer unterschiedlichen Datenbasis auf. Die verschiedenen Verfahren werden in den folgenden beiden Kapiteln anhand von konkreten Beispielen vorgestellt. Als Ausgangspunkt dient folgender Fall: Beispiel Ein Freizeitpark überlegt sich, in eine Seilbahn zu investieren, damit dessen Besucher schnell vom Nord- zum Südende des Parks gelangen können. Der Geschäftsleitung stehen zwei Modelle zur Auswahl, zu denen die folgenden Daten gegeben seien. in €, falls nicht anders angegeben Modell Gondola Modell Panorama Anschaffungsauszahlungen 420.000 330.000 Instandhaltung/Wartung p. a. 24.000 15.000 Personalkosten p. a. 12.000 12.000 Sonstige Betriebskosten p. a. 54.000 48.000 Nutzungsdauer in Jahren 12 15 Zins p. a. 8 % 8 % ? erwartete Fahrgäste p. a. 100.000 80.000 Fahrpreis pro Gast 1,80 1,80 Investitionsrechenverfahren Statische Verfahren Dynamische Verfahren • Kostenvergleichsrechnung • Gewinnvergleichsrechnung • Rentabilitätsrechnung • Amortisationsrechnung • Kapitalwertmethode • Annuitätenmethode • Interne Zinsfußmethode Abbildung 16: Überblick der Investitionsrechenverfahren Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 81 812.1 Investition und Finanzierung Das Modell Gondola hat ein komfortableres Design und eine etwas ausgereiftere Technik. Sie ist daher teurer im Unterhalt. Dafür geht die Geschäftsleitung davon aus, dass mehr Fahrgäste pro Jahr (per annum = p. a.) die Bahn nutzen. Für beide Modelle wird mit einem Fahrpreis von 1,80 € kalkuliert. Der Erwerb der Seilbahn soll über einen Bankkredit finanziert werden, der mit 8 % p. a. zu verzinsen ist. Die Beurteilung der vorzustellenden Verfahren erfolgt vor dem Hintergrund dreier Fragestellungen: •• Ist die Investitionsmöglichkeit vorteilhaft (Vorteilhaftigkeitskriterium)? •• Welche von mehreren sich gegenseitig ausschließenden Investitionsmöglichkeiten soll durchgeführt werden (Vorteilhaftigkeitsvergleich)? •• Über welchen Zeitraum amortisiert sich die Investitionsmöglichkeit (Nutzungsdauerentscheidung)? 2.1.3.2 Statische Investitionsrechenverfahren Der Name der statischen Verfahren leitet sich daraus ab, dass der konkrete Zeitpunkt, zu dem eine Investition spezifische Kosten verursacht und Erträge erwirtschaftet bzw. Auszahlungen und Einzahlungen erzeugt, unberücksichtigt bleibt. Vielmehr wird eine repräsentative Periode mit durchschnittlichen Kosten, Erlösen oder Zahlungsströmen betrachtet. Wenngleich diese Herangehensweise nicht unbedingt realen Gegebenheiten entspricht, sind die Verfahren jedoch leicht anwendbar und werden daher häufig als erste Annäherung an die Investitionsproblematik eingesetzt. Die Kostenvergleichsrechnung geht der Frage nach, welche Investitionsalternative die geringsten Kosten verursacht. Es sind sowohl Betriebskosten (Personal, Material, Instandhaltung, Energie, etc.) als auch Kapitalkosten (kalkulatorische Abschreibungen, kalkulatorische Zinsen) in Form eines Periodendurchschnittswerts – im vorliegenden Fall ein Jahresdurchschnittswert – zu berücksichtigen. Instandhaltungs- und Wartungskosten, Personalkosten sowie sonstige Betriebskosten pro Jahr sind aus der Tabelle direkt ablesbar. Die kalkulatorischen Abschreibungen verteilen vereinfachend die Anschaffungsauszahlungen gleichmäßig (linear) auf die Nutzungsdauer und ergeben sich aus: (1) = 0 A Kalkulatorische Abschreibungen n mit n = Periodenanzahl A0 = Anschaffungsauszahlung der Periode 0. Im Beispiel ergibt sich für das Modell Gondola ein durchschnittlicher Abschreibungsbetrag pro Jahr in Höhe von 420.000 €12 = 35.000 €. Die kalkulatorischen Finanzierungskosten berechnet man durch Multiplikation des Zinssatzes mit dem durchschnittlich gebundenen Kapital. Auch hier wird vereinfachend angenommen, dass das eingesetzte Kapital kontinuierlich bis zum Ende des Betrachtungszeitraums zurückgezahlt wird, so dass das durchschnittlich in der Investition gebundene Kapital 0A 2 beträgt. Für die Finanzierungskosten folgt Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 82 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung82 (2) 0AKalkulatorische Finanzierungskosten · i 2 = , mit i = Zinssatz p. a. Das Modell Gondola verursacht somit 420.000 €2 · 8 % = 16.800 € an durchschnittlichen Finanzierungskosten. Führt man schließlich eine komplette Kostenvergleichsrechnung für beide Modelle durch, ergibt sich folgendes Bild: in €, falls nicht anders angegeben Modell Gondola Modell Panorama Instandhaltung/Wartung p. a. 24.000 15.000 Personalkosten p. a. 12.000 12.000 Sonstige Betriebskosten p. a. 54.000 48.000 Abschreibungen p. a. 35.000 22.000 Finanzierungskosten p. a. 16.800 13.200 Gesamtkosten p. a. 141.800 110.200 Das Modell Panorama verursacht durchschnittlich weniger Kosten pro Periode  als das Modell Gondola, so dass die Entscheidung nach der Kostenvergleichsrechnung daher für das Modell Panorama fällt. Allerdings kann dieser Ansatz die Frage nach der Vorteilhaftigkeit des einzelnen Projektes nicht beantworten, da die Erlöse nicht berücksichtigt sind. Weil nur die Kostenseite betrachtet wird, bleibt unklar, ob die Investitionsprojekte überhaupt einen Gewinn abwerfen. Zudem ist nicht geklärt, welche Alternative den höheren Gewinn erwirtschaftet und realisiert werden sollte. Es findet also lediglich ein Vorteilhaftigkeitsvergleich auf Kostenbasis statt. Das Vorteilhaftigkeitskriterium kommt nicht zur Anwendung. Diese Nachteile heilt die Gewinnvergleichsrechnung. Bei der Gewinnvergleichsrechnung werden die Erlöse in das Entscheidungskalkül miteinbezogen, indem der durchschnittliche Periodengewinn gemäß der folgenden Darstellung berechnet wird. in €, falls nicht anders angegeben Modell Gondola Modell Panorama ? erwartete Fahreranzahl p. a. 100.000 80.000 Fahrpreis pro Kunde 1,80 1,80 Gesamterlöse p. a. 180.000 144.000 Gesamtkosten p. a. 141.800 110.200 Gewinn p. a. 38.200 33.800 Zunächst zeigt sich, dass beide Modellvarianten einen Gewinn erwirtschaften und daher beide durchgeführt werden könnten (Vorteilhaftigkeitskriterium). Da der Freizeitpark aber nur in der Lage ist, eine Seilbahn zu installieren, d. h. die beiden Investitionsalternativen schließen sich gegenseitig aus, sollte er das Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 83 832.1 Investition und Finanzierung Modell Gondola vorziehen, denn es erwirtschaftet einen durchschnittlich höheren Gewinn (Vorteilhaftigkeitsvergleich). Wenngleich das Modell Gondola zu einem höheren Gewinn führt, muss das Unternehmen zum Investitionszeitpunkt 90.000 € mehr aufbringen als beim Modell Panorama. Um den höheren Gewinn zu vereinnahmen ist folglich auch ein höherer Kapitaleinsatz notwendig. Dies kann zum Problem werden, falls der Park nur beschränkte Kapitalmittel zur Verfügung hat, also zum Investitionszeitpunkt nicht unbegrenzt Kapital aufbringen kann. Die konkreten Zeitpunkte, zu denen Aus- und Einzahlungen anfallen, sind also durchaus relevant und die Betrachtung von Periodendurchschnittsergebnissen ist nicht unbedingt hilfreich. Die Rentabilitätsrechnung trägt diesem Sachverhalt Rechnung, indem sie die unterschiedlichen Anschaffungsauszahlungen explizit berücksichtigt, anstatt diese wie bei den Methoden zuvor über die Nutzungsdauer zu verteilen. Das Rechenverfahren setzt den erwirtschafteten Gewinn ins Verhältnis zum durchschnittlichen Kapitaleinsatz, welcher gleichbedeutend mit dem durchschnittlich gebundenen Kapital 0A 2 ist. (3) Gewinn vor Zinsen p.a.Rentabilität O Kapitaleinsatz = / Die ermittelte Kennzahl entspricht der Gesamtkapitalrendite, welche auch bekannt ist unter dem Namen Return on Investment oder Return on Capital Employed.88 Als Betrachtungsgröße wird der Gewinn vor Abzug der Finanzierungskosten verwendet. Der Grund dafür findet sich im Nenner der Gleichung: hier wird das gesamte eingesetzte Kapital – also sowohl von Eigen- als auch von Fremdkapitalgebern – als Bezugsgröße verwendet. Deshalb muss auch im Zähler eine Gewinngröße verwendet werden, aus der beide Kapitalgeber bedient werden. Würde als Betrachtungsgröße der Gewinn nach Abzug der Finanzierungskosten herangezogen werden, wäre dies eine Größe, die nur an die Eigenkapitalgeber fließt, denn die Fremdkapitalgeber sind durch die Finanzierungszahlungen schon bedient worden. Folglich dürfte im Nenner auch nur das Eigenkapital berücksichtigt werden. In letzterem Fall gibt die errechnete Kennzahl die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity) wieder. Aufbauend auf der Gewinnvergleichsrechnung liefert die Rentabilitätsrechnung folgende Größen für das Fallbeispiel. in €, falls nicht anders angegeben Modell Gondola Modell Panorama Gewinn p. a. 38.200 33.800 Finanzierungskosten p. a. 16.800 13.200 Gewinn vor Zinsen p. a. 55.000 47.000 ? Kapitaleinsatz 210.000 165.000 Rentabilität 26,2 % 28,5 % 88 Vgl. hierzu Abschnitt 3.2. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 84 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung84 Beide Investitionsobjekte rentieren sich zwar aber es muss noch geprüft werden, ob die Rentabilität auch die Finanzierungskosten deckt. Im betrachteten Beispiel liegen diese bei 8 %, so dass die Durchführung beider Projekte vorteilhaft wäre. Allerdings sollte dem Modell Panorama der Vorzug gegeben werden, da sich dort das eingesetzte Kapital mehr rentiert. Auch dieses Investitionskalkül schenkt folglich sowohl dem Vorteilhaftigkeitskriterium als auch dem Vorteilhaftigkeitsvergleich Beachtung. Was bisher noch nicht beantwortet wurde ist die Frage, wann sich die beiden Investitionsalternativen amortisieren und damit die Frage nach der Nutzungsdauerentscheidung. Die Amortisationsrechnung greift diesen Aspekt auf, indem sie eine Aussage darüber trifft, wie lange es dauert, bis dass die Rückflüsse aus dem Investitionsprojekt mindestens die Anschaffungsauszahlungen decken. Hier tritt ein entscheidender Unterschied zu den bisher besprochenen Verfahren zu Tage: die Amortisationsrechnung basiert auf Einzahlungen und Auszahlungen während zuvor Erlöse und Kosten zugrunde gelegt wurden. Die Amortisationsdauer in Jahren berechnet sich nach (4) Anschaffungsauszahlungen Amortisationsdauer Einzahlungsüberschuss p.a. = Im Beispiel sind die Anschaffungsauszahlungen gegeben, nicht jedoch die Einzahlungsüberschüsse. Hierfür werden ausgehend vom Gewinn pro Periode die nicht zahlungswirksamen Kosten (Abschnitt 3.2) wieder hinzuaddiert. Im vorliegenden Fall betrifft dies lediglich die Abschreibungen, so dass sich für die beiden Investitionsalternativen folgende Amortisationsdauer ergibt: in €, falls nicht anders angegeben Modell Gondola Modell Panorama Gewinn p. a. 38.200 33.800 Abschreibungen p. a. 35.000 22.000 Einzahlungsüberschuss p. a. 73.200 55.800 Anschaffungsauszahlung 420.000 330.000 Amortisationsdauer 5,74 Jahre 5,91 Jahre Für das Modell Gondola gilt folgender Gedankengang: die Seilbahn muss mindestens 5,74 Jahre betrieben werden, bis dass die Einzahlungsüberschüsse die Anfangsauszahlungen mindestens decken und sich die Investition damit amortisiert hat. Da die Nutzungsdauer 12 Jahre beträgt, ist die Investition in jedem Fall lohnend und sollte durchgeführt werden. Dasselbe gilt für das Modell Panorama. Da sich der Freizeitpark für eines der beiden Modelle entscheiden muss, sollte er nach diesem Verfahren das Modell Gondola wählen, da es eine kürzere Amortisationsdauer hat. Die Amortisationsrechnung geht damit auf alle drei der anfänglich erwähnten Fragestellungen ein. Insgesamt sind die statischen Verfahren jedoch mit einigen Nachteilen verbunden, wovon die folgenden am schwerwiegendsten sind: •• Die Betrachtung von Kosten und Erlösen anstelle von Zahlungsströmen bei der Kosten-, Gewinn- und Rentabilitätsrechnung Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 85 852.1 Investition und Finanzierung •• Die Annahme durchschnittlicher Periodengrößen •• Die Vernachlässigung des exakten Zeitpunktes, zu dem Erlöse und Kosten bzw. Ein- und Auszahlungen tatsächlich anfallen Aus diesen Gründen sind statische Investitionsrechenverfahren zwar für eine schnelle und einfache Annäherung an ein Investitionsproblem anwendbar und daher in der Praxis weit verbreitet. Für eine fundierte Investitionsentscheidung insbesondere komplexer und längerfristiger Projekte sind sie aufgrund ihrer mangelnden Plangenauigkeit jedoch nur sehr eingeschränkt geeignet. In solchen Fällen ist es sinnvoller auf die dynamischen Investitionsrechenverfahren zurückzugreifen. 2.1.3.3 Dynamische Investitionsrechenverfahren Die dynamischen Investitionsrechenverfahren untergliedern sich in die •• Kapitalwertmethode •• Annuitätenmethode und •• Interne Zinsfußmethode, wobei sich die drei Verfahren in ihrem grundlegenden Konzept nicht unter scheiden. Sie stellen lediglich die Betrachtung eines Problems aus unterschiedlichen Blickwinkeln dar. Ihnen allen ist gemein, dass sie auf Zahlungsströmen basieren, eine explizite Periodenbetrachtung durchführen und den zeitlichen Anfall der Ein- und Auszahlungen berücksichtigen und damit die genannten Nachteile der statischen Verfahren eliminieren. Die Notwendigkeit den genauen Zeitpunkt, zu dem Zahlungsströme anfallen, zu betrachten, fußt auf dem Grundsatz, dass Geld heute mehr wert ist als Geld morgen. Es gibt also einen sogenannten Zeitwert des Geldes. Hierzu ein einfaches Beispiel: ein Investor steht vor der Wahl, entweder heute eine Einzahlung von 100 € zu erhalten oder eine Periode später. Bekommt er die 100 € sofort, kann er den Betrag „erhöhen“, indem er ihn z. B. bei der Bank anlegt und verzinst bekommt. Bei einem Zinssatz von 10 % hat er eine Periode später einen Betrag von 100 € ? (1 + 10 %) = 110 €. Aufgrund der Verzinsung ist es für ihn immer besser, den Betrag sofort in Empfang zu nehmen anstatt zu einem späteren Zeitpunkt. Die heutigen 100 € sind demnach in der nächsten Periode 110 € wert. Umgekehrt kann man auch einen Betrag, der zukünftig gezahlt wird, zum heutigen Zeitpunkt bewerten. Erhält der Investor die 100 € erst in einer Periode, so sind sie zum jetzigen Zeitpunkt nur 100 €(1+10 %) = 90,91 € wert. Anders ausgedrückt müsste er heute 90,91 € zu 10 % anlegen, um in einer Periode 100 € zu erhalten. Auch so wird deutlich, dass es besser für ihn ist, die Zahlungsmittel von 100 € sofort zu vereinnahmen als zu einem späteren Zeitpunkt. Je nach betrachtetem Zeitpunkt weist das Geld aufgrund der Verzinsung also einen unterschiedlichen Wert auf. Das dargestellte Prinzip liegt der Kapitalwertmethode zugrunde. Zahlungsströme, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen, werden aufgezinst oder im umgekehrten Fall abgezinst (diskontiert) auf einen gemeinsamen Zeitpunkt, Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 86 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung86 um sie vergleichbar zu machen. Allgemein berechnet sich der Kapitalwert einer Investition nach der folgenden Formel: (5) n t t 0 0 t t 1 E -A Kapitalwert K A (1 i)= = = ? + +? , mit t = Periode (0,1,…,n) At = Auszahlung zum Zeitpunkt t Et = Einzahlung zum Zeitpunkt t i = Kalkulationszinsfuß Er gibt den in Euro bewerteten Überschuss aus der Investition an. Um das Verfahren zu verdeutlichen, dient wieder das Beispiel des Freizeitparks aber in leicht abgeänderter Form. Beispiel Der Freizeitpark möchte die Vorteilhaftigkeit des Modells Gondola nun mittels der Kapitalwertmethode überprüfen. Hierzu plant er detailliert die erwarteten Zahlungsmittelzu- und abgänge in einem Planungszeitraum der nächsten 5 Jahre.89 Seine Bank bietet ihm einen Zins von 5 %. Er erwartet die folgenden Zahlungen: in €, falls nicht anders angegeben Modell Gondola Periode Einzahlung Et Auszahlung At Netto: Et–At 0 420.000 –420.000 1 180.000 106.800 73.200 2 220.000 108.300 111.700 3 260.000 112.500 147.500 4 190.000 115.200 74.800 5 220.000 118.400 101.600 Es werden nun keine Periodendurchschnittswerte mehr betrachtet, sondern die unterschiedliche Entwicklung der Zahlungsströme in den einzelnen Perioden fließt explizit in die Rechnung mit ein. Gemäß der Formel (5) erhält man einen Kapitalwert von 0 1 2 3 4 5 73.200 111.700 147.500 74.800 101.600 K 420.000 (1 5%) (1 5%) (1 5%) (1 5%) (1 5%) 420.000 419.589,93 19.589,93 = ? + + + + + + + + + + = ? + = Der Kapitalwert in Höhe von 19.589,93  € ergibt sich aus dem sogenannten Barwert aller zukünftigen Ein- und Auszahlungen (419.589,93 €) abzüglich der Anschaffungsauszahlung und stellt den heutigen Wert (in Euro) der Investitionsmöglichkeit dar.90 Abbildung 17 verdeutlicht das Prinzip der Kapitalwertmethode grafisch. 89 Es wird kein Unterschied zwischen einem Anlage- und einem Verschuldenzins gemacht. Sowohl die Geldaufnahme als auch die Geldanlage ist zu 5 % möglich. 90 Die Begriffe Kapitalwert und Barwert werden häufig synonym verwendet. Zum Teil werden diskontierte Zahlungsströme, die das gleiche Vorzeichen haben, als Barwerte Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 87 872.1 Investition und Finanzierung Die einzelnen Zahlungsströme wurden durch die Diskontierung vergleichbar gemacht, indem ihr jeweiliger Wert zum Zeitpunkt t=0 berechnet wurde. Da der Kapitalwert im Betrachtungszeitraum positiv ist, ist die Investition in das Modell Gondola vorteilhaft und sollte durchgeführt werden – unter der Voraussetzung eines 5-periodigen Planungszeitraums und einer Geldaufnahmemöglichkeit von 5 %. In einem zweiten Schritt sollte eine detaillierte Periodenplanung für das Modell Panorama erfolgen und die Kapitalwerte der beiden Modelle verglichen werden. Auch hier muss ein Planungszeitraums von 5 Perioden und ein Kalkulationszinsfuß von 5 % zugrunde gelegt werden, um eine einheitliche Basis zu schaffen. Das Modell mit dem höheren Kapitalwert ist lohnender und sollte realisiert werden. Die Annuitätenmethode ist eine Variante der Kapitalwertmethode, die auf demselben Prinzip der Diskontierung von Zahlungsströmen beruht. Die Methode wandelt den Kapitalwert in eine Reihe gleich bleibender Zahlungen über eine bestimmte Anzahl an Perioden um. Die gleich bleibenden Zahlungen nennt man Annuität. Der Kapitalwert einer Annuität ist damit gleich dem Kapitalwert der ursprünglichen Zahlungsreihe. Zurück zum Beispiel: die Annuitätenmethode transformiert also den Kapitalwert 19.589,93 € in eine Reihe gleich bleibender Zahlungen in der Zukunft mittels der folgenden Rechenmethodik: (6) n 0 i,n 0 n (1 i) · i Annuität a K · ANF K · (1 i) 1 + = = = + ? , mit ANFi,n = Annuitätenfaktor mit Zins i und Periodenanzahl n. bezeichnet. Der Kapitalwert einer Investition entspricht in letzterem Fall dem Barwert der Zahlungsmittelzugänge abzüglich des Barwerts der Zahlungsmittelabgänge. Abbildung 17: Verfahren der Kapitalwertmethode -420.000 t t0 t1 t2 t3 t4 t5 73.200 111.700 147.500 74.800 101.600 69.714,3 101.315,2 127.416,0 61.538,1 79.606,3 Et, At K0 = 19.589,93 Barwert = 439.589,93 Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 88 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung88 Das ergibt für das Beispiel 5 5 (1 5%) · 5% (1 5%) 1 a 19.589,93 · 4.524,78+ + ? = = und der folgenden grafischen Veranschaulichung. Eine Interpretation dieser Rechnung ist: aus einer Kapitalanlage von 19.589,93 € lässt sich bei einem Zins von 5 % in den nächsten 5 Jahren ein Betrag von jährlich 4.524,78 € entnehmen, bis dass der Betrag aufgebraucht ist. Oder bezogen  auf  das Beispiel: Beim Bau der Seilbahn Gondola bliebe dem Frei zeitpark jährlich ein Betrag von 4.524,78 € als Überschuss aus den Einzahlungen. Während Kapitalwertmethode und Annuitätenmethode einen (Euro-)Betrag als Ergebnis liefern, resultiert aus der internen Zinsfußmethode die Rentabilität des Investitionskapitals. Die Annahme eines Kalkulationszinsfußes wird nun aufgegeben. Stattdessen wird ermittelt, mit welchem Prozentsatz sich das in der Investition gebundene Kapital verzinst. Hierfür wird die Kapitalwertformel aus (5) Null gesetzt und nach dem Zinsfuß aufgelöst. (7) n ! t t 0 0 t t 1 E A K A 0 (1 IZF)= ? = ? + = +? , mit IZF = Interner Zinsfuß Gemäß des Kapitalwertkalküls ist eine Investition immer dann lohnend, wenn der Kapitalwert positiv ist. Bei einem Kapitalwert von Null ist der Entscheider gerade indifferent, so dass der interne Zinsfuß den Wendepunkt darstellt, bei dem eine zuvor nicht lohnenswerte Investition ins Vorteilhafte umschlägt. Ist die interne Verzinsung, die der Investor auf das eingesetzte Kapital erhält, dann größer als eine vom Investor geforderte Verzinsung, so ist das Projekt für ihn vorteilhaft und sollte durchgeführt werden. Betrachtet man das Beispiel des Freizeitparks stellt man fest, dass die Auflösung der Gleichung nach i zu einem erheblichen Rechenaufwand führt. In der Praxis behilft man sich mit entsprechender IT und erhält für das Modell Gondola einen internen Zinsfuß von IZF = 6,64 %. Diese Verzinsung vergleicht der Park nun mit seiner geforderten Verzinsung. Diese kann beispielsweise die 5 %-ige Geldanlage bei der Bank sein. Da IZF > 5 % ist, ist die Investition in die Seilbahn Gondola vorteilhaft. Der Zusammenhang zwischen dem Kapitalwert und verschiedenen Kalkulationszinsfüßen wird in der Abbildung  19 veranschaulicht. 19.589,93 t t0 t1 t2 t3 t4 t5 4.524,78 Et,At 4.524,78 4.524,78 4.524,78 4.524,78 Abbildung 18: Verfahren der Annuitätenmethode Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 89 892.1 Investition und Finanzierung Bei zwei sich gegenseitig ausschließenden Investitionsmöglichkeiten gilt zwar grundsätzlich, dass diejenige zu wählen ist, die die höchste interne Verzinsung aufweist. Allerdings führt diese Entscheidungsgrundlage unter Umständen zu problematischen Ergebnissen, so dass die Resultate der internen Zinsfußmethode sorgfältig geprüft werden sollten.91 Zusammenfassend liefern die dynamischen Investitionsrechenverfahren fundierte Aussagen bezüglich der Vorteilhaftigkeit einer Investition. Sie finden beispielsweise in der Kreditanalyse von Banken oder im Rahmen von Machbarkeitsüberprüfungen touristischer Projekte – sogenannten Feasibility Studies – Anwendung. Voraussetzung ist jedoch, dass die zukünftigen Zahlungsströme verlässlich geschätzt werden können und – im Fall der Kapitalwertmethode oder Annuitätenmethode – ein Kalkulationszinsfuß zuverlässig ermittelt werden kann. 2.1.4 Finanzierung 2.1.4.1 Überblick über die Kapitalarten Die Finanzierung befasst sich mit der Mittelherkunft, also der Frage, welche Kapitalquellen überhaupt zur Verfügung stehen und welche letztendlich zur Finanzierung einer Investition eingesetzt werden sollen. Die Finanzierungsstruktur eines Unternehmens kann auf der Passivseite der Bilanz abgelesen werden. So stellte sich die Bilanz der Fluggesellschaft airberlin zum 31. März 2010 folgendermaßen dar: 91 Dies gilt insbesondere für sich schneidenden Kapitalwertkurven. Außerdem kann die IZF-Methode zu mathematischen Problemen führen, wenn eine Zahlungsreihe betrachtet wird, die einen mehrmaligen Vorzeichenwechsel in den verschiedenen Perioden aufweist. Abbildung 19: Kapitalwert bei unterschiedlichen Kalkulationszinsfüßen i K 0 IZF K 0 > 0 für IZF > i K 0 < 0 für IZF < i K 0 = 0 für IZF = i

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.