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1.4.3 Spezielle Tourismuspolitik in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 54 - 61

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_54

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 39 391.4 Wirtschaftsordnung und Tourismuspolitik arbeiter in Anspruch zu nehmen. Hierfür stehen ebenfalls GRW-Mittel zur Verfügung, die für nicht-investive Unternehmensaktivitäten auf Länderebene eingesetzt werden können. Die Maßnahmen sollen der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft von kleinen und mittleren Unternehmen dienen.39 Neben den genannten Instrumenten aus dem ökonomischen Bereich existieren noch andere tourismuspolitische Maßnahmen, die den Teilbranchen der Tourismuswirtschaft zuzuordnen sind. Beispielhaft soll hier die Verkehrspolitik und die Raumordnung herausgegriffen werden. Bereits 2004 stellte der ADAC fest: „Tourismus braucht eine optimale Verkehrsinfrastruktur.“40 Um dies zu bewerkstelligen, muss die touristische Verkehrspolitik den ordnungspolitischen Rahmen in Form von Regulierung/Deregulierung, angemessene Infrastrukturplanung, Verkehrssicherheit, etc. setzen. Unter sinnvoller Abwägung der negativen Folgen des touristischen Verkehrs soll die Mobilität der Reisenden gefördert werden.41 Die Raumordnung hat hingegen zum Ziel, die räumliche Entwicklung so zu gestalten, dass eine ausgewogene wirtschaftliche, soziale und kulturelle Ordnung geschaffen wird und zugleich eine regionale Disparität ausgeglichen wird.42 Dieses Ziel kommt anschaulich bei dem auf Länderebene angesiedelten Raumordnungsverfahren zum Tragen. Das Raumordnungsverfahren ist für Vorhaben, die großflächigen Raum in Anspruch nehmen und eine überörtliche Bedeutung haben, wozu unter anderem der Neubau einer Bundesfernstraße, der Ausbau eines Flughafens oder die Errichtung einer Freizeitgroßanlage zählen. Hierbei sind verschiedene, zum Teil sehr konträre, Interessenlagen zu berücksichtigen und im Sinne der Raumordnung auszugleichen. Einem solchen Verfahren unterlag z. B. der Flughafen Frankfurt im Zusammenhang mit dem neuen Bau der Nordwest Landebahn. 1.4.3 Spezielle Tourismuspolitik 1.4.3.1 Tourismuspolitische Aufgaben Aufbauend auf der anfänglichen, allgemeinen Definition wird nun im Folgenden der Blickwinkel einer speziellen, auf die Tourismuswirtschaft zugeschnittenen Politik eingenommen. Definition Im Sinne einer speziellen tourismusbezogenen Sichtweise ist Tourismuspolitik die zielgerichtete Planung und Gestaltung touristischer Abläufe und Ergebnisse durch verschiedene staatliche, halbstaatliche und private Träger.43 ! 39 Vgl. Deutscher Bundestag (2009), S. 54. 40 Scheller (2004), S. 31. 41 Vgl. Freyer (2011), S. 413. 42 Vgl. ebd., S. 407. 43 Vgl. ebd., S. 361. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 40 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus40 Diese Träger haben die Aufgabe, die zuvor angesprochenen Rahmenbedingungen zu setzen und zu gestalten. Konkret werden touristische Rahmenbedingungen geplant, einzelne Regionen und Standorte entwickelt und gefördert, die Bedingungen für einzelne Akteure festgelegt und die Tourismuspolitik übergreifend koordiniert.44 Herunter gebrochen auf diese Kategorien sind unter anderem folgende Fragen relevant: •• Soll Tourismus generell stattfinden? Wenn ja, in welchem Umfang soll er gefördert werden? •• Wie sind die verschiedenen touristischen Leistungsträger einzubinden und zu steuern (Arbeitszeiten, Besteuerung, Genehmigungsverfahren etc.)? •• In welcher Form soll der Tourismus entwickelt werden unter Berücksichtigung der destinationsspezifischen Gegebenheiten (gesellschaftliche Ordnung, politische Situation, natürliche Ressourcen, etc.)? •• Wie sind die an der touristischen Leistungserstellung direkt und indirekt beteiligten Unternehmen, die Reisenden und die Bevölkerung vor Ort zu behandeln? •• Wie erfolgt die Abstimmung zwischen den staatlichen, halbstaatlichen und privaten tourismuspolitischen Institutionen? Natürlich sind diese Fragen im Kontext der gesetzten Ziele zu beantworten. Da eine Destination und deren touristischen Produkte in aller Regel ein Gemeinschaftsprodukt verschiedenster Parteien ist (Hotelier, Incoming-Agentur, Transportunternehmen, etc.), wäre es notwendig, eine für alle gemeingültige Zielsetzung zu finden. Denn nur so kann eine auf allen Ebenen konforme Tourismuspolitik durchgesetzt werden. Solch eine Zieldefinition existiert aber bisher noch nicht, was eines der zentralen Probleme der Tourismuspolitik darstellt. Dies gilt im Übrigen nicht nur für einzelne Destinationen, sondern auch für übergeordnete Ebenen. Um eine durchweg einheitliche Tourismuspolitik umzusetzen, bedarf es eines strukturierten Zielfindungsprozesses der einzelnen Beteiligten auf internationaler, nationaler, regionaler und lokaler Ebene, an dessen Ende eine operationalisierbare Zielhierarchie stehen sollte. An dem tourismuspolitischen Gestaltungsprozess sind indes eine große Anzahl an Personen und Institutionen beteiligt, die ihre eigenen, individuellen Teilziele setzen und verfolgen. Da eine übergeordnete Zieldefinition fehlt, können die individuellen Teilziele nicht an dieser verankert werden und es kommt zu keiner homogenen Zielhierarchie. Stattdessen existieren Überschneidungen und Zielkonflikte, so dass eine klare, übergreifende und koordinierte tourismuspolitische Struktur fehlt. 1.4.3.2 Akteure der nationalen, regionalen und kommunalen Tourismuspolitik Die tourismuspolitische Struktur der Bundesrepublik Deutschland ist zersplittert und kleinteilig. Eine grafische Übersicht über die Prozessbeteiligten zeigt Abbildung  6, wobei nach geographischer Reichweite und Trägerschaft 44 Vgl. Schulz et al. (2010), S. 47 f. und Freyer (2011), S. 398 f. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 41 411.4 Wirtschaftsordnung und Tourismuspolitik unterschieden wird. Letztere wird in den öffentlich-rechtlichen und den privatwirtschaftlichen Bereich unterteilt. Im öffentlich-rechtlichen Bereich sticht zunächst ins Auge, dass auf Bundesebene kein eigenständiges Ministerium für Tourismus existiert. Vielmehr werden tourismusbezogene Aufgaben von einer Vielzahl an Ministerien übernommen (Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung, Bundesministerium des Inneren, Auswärtiges Amt, etc.),46 was wiederum in der Querschnittsfunktion, die der Tourismus innehat, begründet ist. Dadurch entsteht die stark zersplitterte Struktur mit einer großen Anzahl an Akteuren, so dass kein klares Gefüge mit einer eindeutigen Kompetenz- und Entscheidungsbefugnis für tourismuspolitische Aufgaben auf Bundesebene vorliegt. Die richtungsweisende Institution auf Bundesebene ist das Referat „Tourismuspolitik“ innerhalb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Es definiert als seine Aufgaben „auch in der Tourismuswirtschaft die unternehmerische Eigenverantwortung zu stärken und durch die Ver- 45 Vgl. Freyer (2011), S. 380. 46 Vgl. ebd., S. 380 f. ADAC Allgemeiner Deutscher Automobilclub e.V. BDO Bund deutscher Omnibusunternehmer e.V. DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V. DHV Deutscher Heilbäderverband e.V. DRV Deutscher ReiseVerband e.V. DTV Deutscher Tourismusverband e.V. DZT Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. Nationale Ebene Landesebene Kreis- und Kommunalebene Deutscher Bundestag Ausschuss für Tourismus Bundesregierung Referat für Tourismuspolitik des BMWi Beirat für Fragen des Tourismus beim BMWi Bund-Länderausschuss Tourismus Landtage Kommunalparlamente Landesregierung WIMI‘s der Länder Kreise, Städte und Gemeinden (z.B. Tourismusamt) Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW) – 4 Spitzenverbände DZT DTV DRV DEHOGA Verbände/ Gemeinschaften einzelner Tourismus Gebiete (z.B. Werbegemeinschaften, Touristische Routen) Landes- und Fachverbände Ca. 6000 Städte und Gemeinden (z.B. Fremdenverkehrsverein, Bürgerinitiativen) Kreis- und Ortsverbände (Einzelbetriebe der touristischen Leistungsträger) Weitere Verbände (z.B. ADAC, BDO, DHV) öffentlich-rechtlicher Bereich halb-öffentlicher bzw. privatwirtschaftlicher Bereich Abbildung 6: Tourismuspolitische Struktur in der Bundesrepublik Deutschland45 Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 42 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus42 besserung der Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen. (…) Zu den wirtschaftspolitischen Gestaltungsfeldern, die die Tourismuswirtschaft maßgeblich beeinflussen, zählen neben der Steuerpolitik und Arbeitsmarktpolitik vor allem die Maßnahmen der allgemeinen Mittelstandspolitik der Bundesregierung.“47 Weiterhin existiert der Beirat für Fragen des Tourismus beim BMWi, welcher die Interessen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, der kommunalen Gremien sowie der Verbände zusammenführen soll und damit der Zusammen arbeit der Bundesregierung mit der Tourismus wirtschaft dient. Für die Abstimmung zwischen Bund und Ländern ist hingegen der Bund-Länder-Ausschuss Tourismus zuständig. Schließlich wurde der Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages eingerichtet, um der Tourismuswirtschaft eine politische wie auch öffentliche Beachtung zukommen zu lassen. Der Ausschuss berät über Gesetzesentwürfe, Anträge und Unterrichtungen des Deutschen Bundestages, er nimmt Berichte des Wirtschaftsministeriums über tourismusrelevante Themen entgegen und kann sich auch eigenständig über touristische Themen informieren und beraten lassen. Auf Länderebene finden sich ähnlich zersplitterte Strukturen wie auf Bundesebene. Auch hier sind verschiedene Landesministerien in die Tourismuspolitik involviert. Regionale Wirtschaftsfördermaßnahmen (Infrastruktur, Kur- und Bäderwesen, etc.), Ferienregelungen oder Marketingmaßnahmen fallen in den touristisch relevanten Bereich und sind im Zuständigkeitsbereich der einzelnen Länder angesiedelt.48 Die lokale Tourismuspolitik wird durch Gemeindeverwaltungen und örtliche Tourismusorganisationen ausgeübt. Die Aufgaben lokaler Tourismusorganisationen umfassen im Wesentlichen die Steigerung der Attraktivität der Destination, die Gästebetreuung in der Destination und die Neugewinnung von Gästen.49 Im privatwirtschaftlichen Bereich gibt es eine Vielzahl an Verbänden. Grundsätzlich haben die auf allen geographischen Ebenen bestehenden Verbände zum Ziel, die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber den öffentlichen Institutionen zu vertreten und so Einfluss auf die Tourismuspolitik zu nehmen. Auf oberster Ebene steht der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW), dessen Mitglieder sich aus rund 40 der größten Unternehmen und aus der Tourismuswirtschaft in Deutschland zusammensetzen. Sein primäres Ziel ist es, Mobilität zu erhalten und zu optimieren. Weitere Themen, die der BTW fördern will, sind eine bedarfsgerechte Infrastruktur, fairen Wettbewerb, Klimaschutz sowie Verbraucherschutz. Aber auch die Steuer- und Arbeitspolitik sind Bereiche, auf die der BTW Einfluss nehmen will. Spitzenverbände auf Bundesebene sind DZT, DTV, DRV und DEHOGA.50 47 BMWi (2008), S. 7. 48 Vgl. Freyer (2011), S. 383. 49 Vgl. ebd., S. 383 f. 50 Zu den einzelnen Verbänden, ihrer Mitglieder und Ziele vgl. Schulz et al. (2010), S. 61 f. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 43 431.4 Wirtschaftsordnung und Tourismuspolitik DZT Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. Die DZT ist in erster Linie eine Marketingorganisation, die Deutschland als Reiseland im In- und Ausland vermarktet. Ihre eigens deklarierten Ziele sind die Steigerung des Reiseaufkommens, die Erhöhung der Deviseneinnahmen, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und die Positionierung Deutschlands als vielfältiges und attraktives Reiseland. Zu seinen Mitgliedern zählen unter anderem die Verbände DTV, DRV und DEHOGA, Unternehmen der Tourismuswirtschaft sowie zahlreiche Marketingorganisationen der Bundesländer. DTV Deutscher Tourismusverband e.V. Im DTV haben sich lokale, regionale und nationale Tourismusorganisationen zusammengeschlossen. Seine Aufgaben sind die Vertretung seiner Mitglieder auf Bundes- und europäischer Ebene sowie das Angebot landesweiter Informations-, Beratungs- und Serviceleistungen für seine Mitglieder. Er stellt Statistiken zur Verfügung und macht auf eventuelle Probleme oder Hindernisse in der touristischen Entwicklung aufmerksam. DRV Deutscher Reise- Verband e.V. Der DRV ist die Interessenvertretung touristischer Unternehmen (Reiseveranstalter, Reisebüros, einzelne Leistungsträger etc.) gegenüber Politik und Wirtschaft im In- und Ausland. Er ist für die Stärkung organisierter Urlaubsreisen und professionell vermittelter Geschäftsreisen zuständig und informiert die Öffentlichkeit über seine Belange. Seinen Mitgliedern bietet er Informationen, Beratungsleistungen und Weiterbildungsmöglichkeiten an. DEHOGA Deutscher Hotelund Gaststättenverband e.V. Der Bundesverband DEHOGA vertritt die Interessen der Hotellerie und der Gastronomie. Seine Ziele sind, die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen zu erwirken und eine gute Wirtschaftspolitik für seine Mitglieder zu gestalten. Außerdem führt er zahlreiche Marketingaktivitäten durch. Der Dachverband DEHO- GA setzt sich aus 17 Verbänden der Bundesländer und weiteren drei Fachverbänden der Branche zusammen. Auf Länderebene gibt es meist einen Landestourismusverband, der als Dachverband für die Regionalverbände auftritt. Letztere sind auf kommunaler Ebene aktiv. Die lokale Ebene wird durch Marketinggesellschaften oder Einzelbetriebe vertreten. Hier finden sich auch die halböffentlichen Institutionen in Form von Tourismus- bzw. Fremdenverkehrsvereinen oder Tourist-Informationsstellen.51 51 Vgl. Schulz et al. (2010), S. 65. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 44 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus44 1.4.3.3 Akteure der internationalen Tourismuspolitik Die internationale Tourismuspolitik wird nur von wenigen Trägern vertreten. Deren Bestreben ist es, den weltweiten Tourismus aufzubauen, indem Beratungstätigkeiten angeboten werden, Netzwerke und Informationen zur Verfügung gestellt werden sowie Marktforschung betrieben wird.52 Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige der bedeutendsten staatlichen Institutionen. UNWTO The World Tourism Organization Die Welttourismusorganisation ist Teil der Vereinten Nationen und die bedeutendste internationale Tourismusorganisation. Zentrales Ziel ist die Förderung und Entwicklung eines verantwortungsvollen, nachhaltigen und universell zugänglichen Tourismus, wobei der Fokus auf Entwicklungsländern liegt. Dabei legt die Organisation darauf Wert, dass ein globaler Ethikkodex implementiert wird, der Mitgliedsländer, Destinationen und Unternehmen bei der Maximierung der positiven ökonomischen, sozialen und kulturellen Effekte durch den Tourismus unterstützt, während gleichzeitig die negativen sozialen und umweltbedingten Folgen so gering wie möglich gehalten werden. OECD Organization for Economic Co-operation and Development Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist nicht primär der Tourismuspolitik gewidmet. Sie beschäftigt sich in erster Linie mit der Förderung von Grundsätzen, die die weltweiten ökonomischen und sozialen Bedingungen verbessern. Das darin etablierte Tourismus Komitee soll als Dialogforum dienen, um sozio-ökonomisch, gewerblich, statistisch und analytisch touristische Belange zu diskutieren. Im Fokus steht dabei das Gespräch mit den beteiligten Regierungen zur Förderung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung, einer besseren Integration und internationalen Kooperation der Tourismuspolitik insgesamt. EU-Kommission Die EU beschäftigt sich lediglich in Unterstrukturen mit dem Thema Tourismus und fördert den Tourismus durch verschiedene Maßnahmen und Programme. Als Kernaufgaben wurden durch die EU-Kommission drei Bereiche definiert: Harmonisierung der Maßnahmen, die den Tourismus betreffen, Förderung einer nachhaltigen Tourismusentwicklung, Verbesserung des Verständnisses und der Sichtbarkeit des Tourismus. 52 Vgl. Schulz et al. (2010), S. 50. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 45 451.4 Wirtschaftsordnung und Tourismuspolitik Charakteristisch für die Organisationen ist, dass sie nur eine unterstützende, keinesfalls aber eine steuernde Funktion, ausüben können. Letztere muss durch die nationalen Träger ausgeführt werden. Neben diesen staatlichen Stellen sind diverse internationale Dach- und Fachverbände aktiv, von denen nur eine kleine Auswahl hier vorgestellt werden soll. FEMTEC Fédération Mondiale du Thermalisme et du  Climatisme Diese Vereinigung des Kur- und Bäderwesen vertritt sowohl öffentliche als auch private Heil- und Kurbäder und wird daher den halbstaatlichen Trägern zugerechnet. Ihre Ziele sind unter anderem die internationale Interessenvertretung seiner Mitglieder und die Kooperation mit wissenschaftlichen und anderen öffentlichen und privaten Organisationen, um Studien und Forschungsarbeiten sowie den internationalen Knowhow Austausch zu fördern sowie die Vermarktung der Heilbäder durchzuführen. WTTC World Travel and Tourism Council Der WTTC ist ein Zusammenschluss internationaler Führungspersönlichkeiten der Reise- und Tourismusindustrie, die dadurch die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus gegenüber der Politik verdeutlichen möchten. Insbesondere sollen die touristischen Marktbedingungen mitgestaltet werden. IATA International Air Transport Association Innerhalb der IATA sind Fluggesellschaften organisiert, um Einfluss auf die Steuerung des internationalen Flugverkehrs nehmen zu können. Ihre Prioritäten sind die Förderung der Sicherheit im Flugverkehr, die Unterstützung von Infrastrukturprojekten des Flugverkehrs, die Vereinfachung der Prozesse im Luftverkehr sowie die Unterstützung finanzieller wie auch regulatorischer Maßnahmen. Auch andere touristische Leistungsträger wie Reiseveranstalter, Reisemittler, Transportunternehmen oder Hotel- und Gaststättenbetriebe haben sich in verschiedenen Verbänden und Vereinigungen organisiert, um international vertreten zu werden. Anzumerken ist jedoch, dass auch auf internationaler Ebene bisher noch keine übergreifende, tourismuspolitische Zieldefinition oder allgemeine tourismuspolitische Struktur geschaffen wurde, was Raum für zukünftige Entwicklungen lässt. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 46 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus46 1.4.4 Stimmen aus der Praxis •• „Voraussetzung für eine erfolgreiche Tourismuspolitik […] ist die noch engere Zusammenarbeit mit der Tourismuswirtschaft und die bessere Koordinierung innerhalb der Bundesressorts sowie zwischen Bund und Ländern.“ Staatssekretär Burgbacher, Beauftragter der Bundesregierung für Mittelstand und Tourismus (BMWi (2010): Konstituierende Sitzung des Beirats für Fragen des Tourismus beim BMWi, Pressemitteilung des BMWi vom 6.7.2010) •• „Aber auch in Deutschland und Europa ist der Tourismus ein wichtiger Arbeitsmarktfaktor. So sichert die Touristikbranche hierzulande 2,8 Millionen Arbeitsplätze. Um das Potenzial zu erhalten, sollte die Politik die Voraussetzungen für weiteres Wachstum in dieser Zukunftsbranche schaffen und die Anliegen der Reisebranche stärker berücksichtigen.“ Klaus Laepple, ehemaliger Präsident des DRV (DRV (2010): Politikthema, Ausgabe 02–10, S. 1) •• „Die Aufgabe der DZT wird auch in Zukunft darin bestehen, Trends, Entwicklungen und Potenziale im Tourismus zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Im Austausch mit Wirtschaft und Politik gilt es, auf allen Ebenen Synergien aufzuspüren und zu nutzen.“ Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstands der DZT (DZT (2010): Jahresbericht 2010, S. 7) •• „Tourismus ist in Deutschland Ländersache. Land, Kreis, Kommune – das Kirchturmdenken ist leider sehr verbreitet, und es wäre schon einmal sinnvoll, wenn es eine Person gäbe, die nur die Tourismuspolitik koordinierte. Aber das wird aufgrund der föderalen Strukturen sicher ein Wunschtraum bleiben.“ Klaus Brähmig, Vorsitzender des Tourismusausschusses im Deutschen Bundestag (Deutscher Bundestag (2011): Serie „Die Ausschüsse der 17. Wahlperiode“: Folge 8 Tourismusausschuss, Pressemitteilung vom 1.3.2011) Literatur Freyer, Walter (2011): Tourismus, 10. Aufl., München BMWi (2008): Tourismuspolitischer Bericht der Bundesregierung, Stand: Februar 2008 Deutscher Bundestag (2009): Koordinierungsrahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ ab 2009, Drucksache 16/13950 vom 08.09.2009 DZT (2011): RUHR.2010: Ein Magnet für die Nachbarn – über die Hälfte will wiederkommen, Presseinformation vom 17.01.2011, unter: http://www.deutschland-extranet.de/pdf/ PM_Fazit_Ruhr.2010_Januar_2011.pdf, letzter Zugriff am 30. April 2011 o.V. (2010): Ruhr.2010, Entdecken Sie Deutschlands neue Hauptstadt, in: Spiegel Online, 08. April 2010, unter: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,670855,00.html, letzter Zugriff am 30. April 2011 Scheller, Bernhard (2004): Verkehr und Tourismus, ADAC-Leitfaden für die Praxis, München Schulz, Axel et al. (2010): Grundlagen des Tourismus, München

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.