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1.4.2 Allgemeine Tourismuspolitik in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 52 - 54

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_52

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 37 371.4 Wirtschaftsordnung und Tourismuspolitik Trotz des tragischen Unglücks auf der Loveparade, das die RUHR.2010 überschattete, zogen die Veranstalter am Jahresende eine positive Bilanz. „Mit der gesamten Veranstaltung waren Besucher aus dem In- und Ausland gleichermaßen zufrieden und vergaben auf der Skala von eins (äußerst begeistert) bis sechs (eher enttäuscht) die Note 1,7.“33 1.4.2 Allgemeine Tourismuspolitik 1.4.2.1 Begriff und Bedeutung Nachdem in den vorangegangenen Abschnitten der ökonomische Rahmen des Tourismus definiert wurde, müssen nun noch die formalen Vorgaben diskutiert werden, innerhalb derer sich der Tourismus bzw. das Tourismusmanagement bewegen kann. Denn in vielen Ländern oder Regionen, in denen Tourismus stattfindet (oder stattfinden soll), gibt es auf der einen Seite nicht nur mehr oder weniger bindende Vorgaben und Regularien, die eingehalten werden müssen. Sondern auf der anderen Seite werden auch gezielt Instrumente geschaffen, die den „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ fördern und stärken soll. Diesen Eckpfeilern dient die Tourismuspolitik. Sie ist damit weniger ein aktiver Handlungsansatz für Tourismus-Manager als die politisch-rechtliche Umwelt, die auf die touristischen Akteure einwirkt.34 Hiervon ausgenommen ist natürlich die Lobbyarbeit, Verbände etc. mit deren Hilfe sehr wohl aktiv Einfluss genommen werden kann. Ebenso bieten die auf politischer Ebene tätigen Institutionen ein breites Angebot an Karrieremöglichkeiten, wodurch jeder dort Tätige die politischrechtliche Umwelt aktiv mitgestalten kann. Die Tourismuspolitik vervollständigt somit das ökonomische Gerüst und zeigt Möglichkeiten aber auch Grenzen auf, an denen sich die Beteiligten orientieren können und müssen. Als solches umspannt sie den in Abschnitt 1.3 vorgestellten Management Kubus, da sie Chancen offeriert und Regeln schafft, die in alle genannten Dimensionen hineinwirken. Das Verständnis der Tourismuspolitik und ihre Ziele sind abhängig von der Perspektive, von der aus sie betrachtet wird. In diesem Abschnitt erfolgt allerdings eine eher allgemeine ordnungspolitische Darstellung, um die Tourismuspolitik in einen universellen betriebswirtschaftlichen Rahmen einordnen zu können. Definition Vor dem Hintergrund einer universellen betriebswirtschaftlichen Sichtweise ist die Tourismuspolitik als Sicherung der rechtlichen, ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Aktivitäten der Tourismuswirtschaft zu sehen.35 ! 33 DZT (2011). Informationen zur Fallstudie unter http://www.deutschland-extranet.de/ und http://www.ruhr2010.de. 34 Zu den verschiedenen Teilbereichen der globalen Umwelt, die auf einen touristischen Betrieb einwirken, vgl. Abschnitt 3.1.3.2.2. 35 Vgl. Freyer (2011), S. 398 f. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 38 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus38 1.4.2.2 Instrumente zur ordnungspolitischen Steuerung und Förderung Die Tourismuswirtschaft ist eine Querschnittsdisziplin. Aus diesem Grund stehen zur Sicherung und Steuerung dieser Rahmenbedingungen nicht nur tourismusspezifische Instrumente zur Verfügung. Auch Maßnahmen, die auf den ersten Blick wenig touristischen Bezug haben, wie beispielsweise außenpolitische, arbeitsmarktpolitische oder auch wettbewerbspolitische Aktivitäten wirken sich indirekt auf die Branche aus. Eine abschließende Diskussion aller Instrumente ist an dieser Stelle daher nicht zielführend. Vielmehr werden im Folgenden in erster Linie Instrumente angesprochen, die touristisch insofern relevant sind, als dass sie in Einzelnormen die Tourismuswirtschaft explizit erwähnen oder sich auf die touristischen Teilindustrien beziehen. Im Vordergrund stehen dabei ökonomische Instrumente mit nationalem Fokus zur Förderung der Tourismuswirtschaft.36 Zunächst sind Investitionsförderprogramme wie das GRW-Förderprogramm und das ERP-Regionalförderprogramm zu nennen. Beide Programme dienen insbesondere der Förderung strukturschwacher Regionen. Die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) des Bundes und der Länder hat zum Ziel, Investitionstätigkeiten in strukturschwachen Regionen zu stärken. Der Tourismussektor und seine Unternehmen werden explizit erwähnt. Gefördert werden gewerbliche Investitionen und Investitionen in die kommunale wirtschaftsnahe Infrastruktur (Geländeerschließung für den Tourismus, öffentliche Einrichtungen des Tourismus).37 Das ERP-Regionalförderprogramm richtet sich vornehmlich an kleine und mittlere Unternehmen. Da die Tourismusbranche von Unternehmen dieser Größe dominiert wird, ist das ERP-Regionalförderprogramm ebenfalls als besonders relevant für diesen Wirtschaftszweig anzusehen. Es werden zinsgünstige Darlehen zur vorrangig langfristigen Finanzierung gewerblicher Investitionen in strukturschwachen Regionen gewährt.38 Das Unternehmerkapital – ERP-Kapital für Gründung zielt ebenso auf mittelständische Unternehmen ab. Dieses Programm unterstützt durch die Vergabe nachrangiger Darlehen Gründungs- und Festigungsvorhaben. Weiterhin führen natürlich allgemein steuerliche Anreize zur Förderung der Tourismuswirtschaft. Als Beispiel soll hier die ermäßigte Mehrwertsteuer für Beherbergungsleistungen angeführt werden. Seit 1. Januar 2010 gilt für die Hotellerie ein von 19 % auf 7 % reduzierter Mehrwertsteuersatz. Laut DEHOGA war die Steuersenkung nötig, um Wettbewerbsverzerrungen zu eliminieren, da in 21 von 27 EU-Staaten eine verringerte Mehrwertsteuer gilt. Außerdem, so die DEHOGA, eröffnen sich Möglichkeiten für Preissenkungen und vor allem Investitionen und es werden Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen und gesichert. Schließlich besteht die Möglichkeit, Fördermittel zur Schulung, Beratung und akademischen Ausbildung von touristischen Unternehmen und deren Mit- 36 Diese Aufteilung findet sich auch bei Freyer (2011), S. 403–407. 37 Vgl. Deutscher Bundestag (2009), S. 23. 38 Vgl. ebd., S. 40. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 39 391.4 Wirtschaftsordnung und Tourismuspolitik arbeiter in Anspruch zu nehmen. Hierfür stehen ebenfalls GRW-Mittel zur Verfügung, die für nicht-investive Unternehmensaktivitäten auf Länderebene eingesetzt werden können. Die Maßnahmen sollen der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft von kleinen und mittleren Unternehmen dienen.39 Neben den genannten Instrumenten aus dem ökonomischen Bereich existieren noch andere tourismuspolitische Maßnahmen, die den Teilbranchen der Tourismuswirtschaft zuzuordnen sind. Beispielhaft soll hier die Verkehrspolitik und die Raumordnung herausgegriffen werden. Bereits 2004 stellte der ADAC fest: „Tourismus braucht eine optimale Verkehrsinfrastruktur.“40 Um dies zu bewerkstelligen, muss die touristische Verkehrspolitik den ordnungspolitischen Rahmen in Form von Regulierung/Deregulierung, angemessene Infrastrukturplanung, Verkehrssicherheit, etc. setzen. Unter sinnvoller Abwägung der negativen Folgen des touristischen Verkehrs soll die Mobilität der Reisenden gefördert werden.41 Die Raumordnung hat hingegen zum Ziel, die räumliche Entwicklung so zu gestalten, dass eine ausgewogene wirtschaftliche, soziale und kulturelle Ordnung geschaffen wird und zugleich eine regionale Disparität ausgeglichen wird.42 Dieses Ziel kommt anschaulich bei dem auf Länderebene angesiedelten Raumordnungsverfahren zum Tragen. Das Raumordnungsverfahren ist für Vorhaben, die großflächigen Raum in Anspruch nehmen und eine überörtliche Bedeutung haben, wozu unter anderem der Neubau einer Bundesfernstraße, der Ausbau eines Flughafens oder die Errichtung einer Freizeitgroßanlage zählen. Hierbei sind verschiedene, zum Teil sehr konträre, Interessenlagen zu berücksichtigen und im Sinne der Raumordnung auszugleichen. Einem solchen Verfahren unterlag z. B. der Flughafen Frankfurt im Zusammenhang mit dem neuen Bau der Nordwest Landebahn. 1.4.3 Spezielle Tourismuspolitik 1.4.3.1 Tourismuspolitische Aufgaben Aufbauend auf der anfänglichen, allgemeinen Definition wird nun im Folgenden der Blickwinkel einer speziellen, auf die Tourismuswirtschaft zugeschnittenen Politik eingenommen. Definition Im Sinne einer speziellen tourismusbezogenen Sichtweise ist Tourismuspolitik die zielgerichtete Planung und Gestaltung touristischer Abläufe und Ergebnisse durch verschiedene staatliche, halbstaatliche und private Träger.43 ! 39 Vgl. Deutscher Bundestag (2009), S. 54. 40 Scheller (2004), S. 31. 41 Vgl. Freyer (2011), S. 413. 42 Vgl. ebd., S. 407. 43 Vgl. ebd., S. 361.

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.