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4.3.5 Stimmen aus der Praxis: Peter-Mario Kubsch, Studiosus Reisen München GmbH in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 335 - 339

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_335

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 329 3294.3 Nachhaltiges Tourismusmanagement Gütesiegel beziehen nur einen Teil der touristischen Wertschöpfungskette ein. Ein erstes Gütesiegel für Fairen Handel im Tourismus ist das Fair Trade-Siegel FTTSA (Fair Trade in Tourism South Africa). FTTSA leitet auch ein globales Pilotprojekt eines Fair Trade-Gütesiegels für Reisepakete (FTT – Fair Trade Travel). Ein bereits sehr häufig genutztes Instrument im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit sind Emissionsrechner. Sie ermöglichen für unterschiedliche Produkte die Berechnung von CO2-Äquivalenten sowie deren Kompensation durch eine freiwillige Klimaabgabe, die in Klimaschutzprojekte investiert wird. Laut einer Studie der UNWTO aus dem Jahr 2008 ist der Tourismus für 4,9 % aller klimaschädlichen Emissionen verantwortlich, wobei auf Verkehr und Beherbergung die größten Anteile entfallen.503 Im privaten Bereich wird die Möglichkeit der Kompensation der Klimaauswirkungen von Reisen bislang allerdings kaum wahrgenommen. Führende Anbieter von Emissionsrechnern mit angeschlossenem Kompensationssystem sind atmosfair und myclimate. Klima- Fußabdrücke von typischen Urlaubsreisen lassen sich mit dem „touristischen Klima-Fußabdruck“ des World Wide Fund For Nature (WWF) quantifizieren, der ebenfalls einen Emissionsrechner beinhaltet.504 Im Bereich der Kommunikation gewinnt die Nachhaltigkeits-Berichterstattung an Bedeutung. Zwar werden Nachhaltigkeitsberichte als Instrument der Rechenschaftslegung über ökologische, soziale und ökonomische Effekte der Unternehmenstätigkeit beliebter, allerdings folgen sie keinem verbindlichen Berichtsrahmen. Der am meisten genutzte Kriterienkatalog in der Nachhaltigkeitsberichterstattung leitet sich aus dem Global Reporting Initiative (GRI)-Standard ab, der von einigen tausend Unternehmen weltweit angewendet wird.505 Im Jahr 2011 orientierten sich 53 Nachhaltigkeitsberichte aus der Tourismusbranche (inkl. Hotellerie) an den GRI-Standards, dazu kamen 14 aus dem Luftverkehr.506 4.3.5 Stimmen aus der Praxis: Peter- Mario Kubsch, Studiosus Reisen München GmbH Die Studiosus Reisen München GmbH ist Deutschlands größter Studienreise-Veranstalter. Die 310 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gesamten Unternehmensgruppe planen, entwickeln und organisieren über 1.000 verschiedene Routen in mehr als 100 Ländern zu mehr als 6.000 Terminen. Pro Jahr lernen rund 100.000 Reisegäste mit uns fremde Länder und Kulturen kennen. Der Jahresumsatz beträgt in der gesamten Unternehmensgruppe rund 250 Mio. €. 503 Vgl. UNWTO (2008), S. 32–34. 504 Vgl. WWF 2009, insbesondere S. 9–17. 505 Vgl. GRI (2012a). 506 Vgl. GRI (2012b). Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer Studiosus Reisen München GmbH Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 330 4. Werte und Strategien: Fragen nach Sinn, Wegen und Verantwortung330 Für ein mittelständisches Unternehmen in Familienbesitz besitzt die Nachhaltigkeit seiner Existenz und seines Wachstums per se eine große Bedeutung. Wer Verantwortung für ein eigenes Unternehmen trägt, der weiß auch um die Verantwortung des Unternehmens in der Gesellschaft. Nachhaltigkeit bei Studiosus heute: Ein nachhaltiges Management bei Reiseveranstaltern sollte über punktuelle „Leuchtturmprojekte“ deutlich hinausgehen. Wir haben daher die Nachhaltigkeit seit der Gründung unseres Unternehmens 1954 fest in das Kerngeschäft integriert. Damit wollen wir Maßstäbe setzen im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens. Das Fundament unserer Geschäftsaktivitäten ist unser Unternehmensleitbild. Darin stellt das nachhaltige Wirtschaften eine von vier Säulen der Unternehmenspolitik dar. Selbstverständlich zählt zu den Unternehmenszielen auch die Wahrnehmung unserer sozialen Verantwortung. Soweit die Theorie. Entscheidend ist natürlich, wie Leitbild und Standards in der täglichen Praxis umgesetzt werden. Das geschieht bei Studiosus systematisch im Rahmen der Corporate Social Responsibility (CSR). Sie gründet auf den Pfeilern Qualität, Umwelt, soziale Verantwortung und Sicherheit. Und enthält auch unsere Zertifizierungen nach ISO 9001, 14001, die Validierung nach EMAS und die Nachhaltigkeitsberichterstattung (GRI A+). Außer dass alle MitarbeiterInnen ferner verpflichtet sind, die Grundsätze des Leitbilds in ihrer täglichen Arbeit zu beachten, kommt die Implementierung der CSR drei zentralen Ausschüssen zu. Hier werden die Nachhaltigkeitsziele in konkrete Maßnahmen „übersetzt“ und Verantwortlichkeiten zugewiesen. Weiterentwicklung: Durch das Jahrzehnte lange Engagement für einen ökologisch vertretbaren und sozial verantwortlichen Tourismus sieht sich Studiosus auch für eine neue Herausforderung gut gerüstet: die Menschenrechtsverantwortung von Unternehmen. Menschenrechte sind kein neues Thema im Tourismus, aber der Abschlussbericht des UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte, John Ruggie, vom Mai 2011, Hintergrund des Studiosus-Engagements, legt erstmals einen verbindlichen Referenzrahmen für die Menschenrechtsverantwortung von Unternehmen vor. Das stellt die Branche vor neue Herausforderungen. Bei Studiosus sind alle Hotelpartner und Incoming-Agenturen weltweit schon seit gut zehn Jahren vertraglich verpflichtet, die Menschenrechte in ihren Betrieben einzuhalten, insbesondere die ECPAT-Richtlinie zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung. Künftig will Studiosus vertragliche Regelungen präzisieren, die auch Dienstleister der Leistungspartner zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichten. Übrigens hat das Unternehmen eine Beschwerdestelle für Menschenrechtsangelegenheiten eingerichtet, die unter HumanRightsAlert@studiosus.com zu erreichen ist. Die bisher schon starke Einbindung der Studiosus-Geschäftspartner in unsere CSR-Maßnahmen wird künftig weiter intensiviert. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 331 3314.3 Nachhaltiges Tourismusmanagement Literatur Baumgartner, Christian; Röhrer, Christian (1998): Nachhaltigkeit im Tourismus. Umsetzungsperspektiven auf regionaler Ebene. Wien Baumgartner, Christian (2008): Nachhaltigkeit im Tourismus, Von 10 Jahren Umsetzungsversuchen zu einem Bewertungssystem. Innsbruck Bausch, Thomas (2009): Was bringt die Zukunft dem Tourismus? Branchen-Szenarien für das Jahr 2028. 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Vortrag anlässlich des Experten-Symposiums „Klimawandel und Tourismus im Alpenraum“ am 15.04.2011 Kolbeck, Felix (2011b): Der Gast zuhause. Eine Quellmarktbefragung untersucht Reiseentscheidungen im deutschen quellmarkt und die Wahrnehmung des Alpenraums als Urlaubsziel. Vortrag anlässlich des Experten-Symposiums „Klimawandel und Tourismus im Alpenraum“ am 14.4.2011 Kolbeck, Felix (1997): Entwicklung eines integrierten Umweltmanagementsystems. Konzeption, Empirie und Ausgestaltung. München und Mering Mundt, Jörn W. (2004): Tourismuspolitik. München Plüss, Christine; Mancama, Katharina (2010): Was ist denn so neu an diesen Fair Trade- Reisen? Interview mit Jennifer Seif, unter http://www.fairunterwegs.org/themen/thema/ article/was-ist-denn-so-neu-an-diesen-fair-trade-reisen.html, letzter Zugriff am 18. März 2012 Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 332 4. Werte und Strategien: Fragen nach Sinn, Wegen und Verantwortung332 SAI (2012): Social Accountability International. Unter http://www.sa-intl.org/, letzter Zugriff am 18. März 2012 Schaltegger, Prof. Dr. Stefan et al. (2007): Nachhaltigkeitsmanagement in Unternehmen. Von der Idee zur Praxis: Managementansätze zur Umsetzung von Corporate Social Responsibility und Corporate Sustainability. Berlin Steinle, Claus (2005): Ganzheitliches Management. Eine mehrdimensionale Sichtweise integrierter Unternehmensführung, Wiesbaden Swarbrooke, John (1999): Sustainable Tourism Management. Wallingford TourCert (2012): CSR-Prozess. Unter http://www.tourcert.org/index.php?id=csr-prozess, letzter Zugriff am 15. März 2012 UNWTO (2008): Climate Change and Tourism. Responding to global challenges. Madrid Vahs, Dietmar; Schäfer-Kunz, Jan (2007): Einführung in die Betriebswirtschaftslehre. 5. Aufl., Stuttgart Weaver, David (2006): Sustainable Tourism. Theory and Practice. Amsterdam et al. 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Ablauforganisation 147, 273f., 280ff. Abschöpfungsstrategie 176 Abschreibung 213, 219, 222, 314 – kalkulatorische 81 Abschreibungsfinanzierung 94 Abteilung 270, 274 ff., 295 Adverse Selection 283 Agency-Kosten 283 AIDA-Modell 177f. Akkordlohn 250 Aktiengesellschaft (AG) 56ff., 91, 216, 251, 297 Aktiva 216ff. Altersteilzeit 254 Amortisationsdauer 84 Amortisationsrechnung 84 Anlagedeckungsgrad 98 Anlagegüter 106 Anlagenintensität 232 Annuität 80, 87ff. Annuitätenfaktor 87 Anstalt 62 Arbeitsanalyse 244, 274, 280f. Arbeitsbewertung 250 Arbeitsgang 274, 281 Arbeitsort 249 Arbeitsproduktivität 234 Arbeitsprozess 274, 280f. Arbeitssynthese 274, 281f. Arbeitsvermittler 246 Arbeitsvertrag 247, 249f., 253 Arbeitszeit 249 Arbeitszeitverkürzung 253f. Artenteilung 247f., 270 Attraktoren, touristische 21, 151 Aufbauorganisation 138, 266ff., 274ff. Aufgabenanalyse 274 Aufgabenorientierung 259 Aufgabensynthese 274, 276 Aufwand 68, 110, 212ff., 220 Ausbildung 83, 252 Ausgabe 211ff., 217 Auslastung 149, 164, 176, 223 – Risiko 108, 119 Ausschreibung 153, 245f. Außenfinanzierung 76, 92f. Auszahlung 78f., 84ff., 97, 211ff., 221f. B Balanced Scorecard 198 Barwert 86f. Bedürfnispyramide (Maslow) 256 Berichtswesen 223f. Beschaffung 26, 103ff. – von Dienstleistungen 116ff. – von Investitionsgütern 107f. – von Materialien 108ff. – Ziele 107, 110, 112, 124, 151 – Zusammenhänge 125 Beschaffungskosten 107, 113, 226 Beschaffungsobjekte 105ff., 118 Bestell – häufigkeit 114 – menge 112ff. – zeitpunkt 112, 114f. Bestellpunktverfahren 112, 114f. Bestellrhythmusverfahren 115 Beteiligungsfinanzierung 92f. Betriebe 5f., 41, 43ff., 49ff., 151, 165, 268 – kostendeckende 62 – öffentliche 61ff. Betriebsergebnis 51, 227ff. Stichwortverzeichnis

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References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.