Content

1.1.3 Einordnung der Managementlehre in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 23 - 24

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_23

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 6 1. Grundlagen: Betriebswirtschaftslehre und Tourismus6 den sie umgebenden Wirtschaftsbereichen. Ein Betrieb oder mehrere Betriebe bilden ein Unternehmen.“6 Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) stellt als Bestandteil der Wirtschaftswissenschaften Unternehmen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die Volkswirtschaftslehre (VWL) hingegen widmet sich dem „Wirtschaften in unterschiedlich aggregierten Wirtschaftsbereichen unter Berücksichtigung aller Interdependenzen bis hin zu den Beziehungen zwischen einzelnen Betrieben.“7 Die Mikroökonomie – ein wichtiges Teilgebiet der VWL – bietet den Ansatz zum „Brückenschlag“ von der VWL zur BWL, denn sie beschäftigt sich mit einzelnen Märkten und dem Verhalten von Marktteilnehmern auf diesen Märkten. Die Mikroökonomie vollzieht dies meist mittels mathematischer Modellierung und einer mehr oder weniger starken Abstraktion. Die BWL disaggregiert8 die Betrachtung noch stärker und wechselt zudem die Perspektive. Die Disaggregation zeigt sich in der Analyse des Verhaltens einzelner Unternehmen. Der Perspektivenwechsel vollzieht sich in der Analyse der Zielbildung und dem daraus ableitbaren Verhalten der Eigentümer von Unternehmen und der darin tätigen Mitarbeiter. Die thematische Schnittmenge zwischen der VWL und BWL ist vielfältig, als Beispiel ist die Preisbildung zu nennen. Volkswirtschaftlich wird die Preisbildung unter dem Aspekt betrachtet, ob und wie sich Marktgleichgewichte bilden, wie sich die Koordination einer Vielzahl individueller Wirtschaftspläne in Abhängigkeit von der Marktform vollzieht,9 und wie sich Marktteilnehmer strategisch verhalten; letzteres allerdings vorwiegend in einer neutral-beobachtenden Perspektive: „Wie wird man sich verhalten?“ In der BWL steht der wettbewerbsorientierte Instrumentalcharakter des Preises im Vordergrund, sei es bei der Frage nach langfristigen Preisstrategien konkreter Unternehmen, bei der Instrumentalisierung des Preises als Marketinginstrument oder bei kurzfristigen Optimierungsmaßnahmen etwa im Yield Management. Dabei wird die neutrale Position gezielt aufgegeben zugunsten der aus Sicht des Unternehmens stets gewinnzielorientierten Frage: „Wie soll man sich verhalten?“ 1.1.3 Einordnung der Managementlehre Durch die somit aufgeworfenen Fragen nach dem „Wie“ und letztlich dem „Warum?“ rücken die Interessen der Eigentümer oder der Leitungsinstanzen des Unternehmens in den Mittelpunkt der Betriebswirtschaftslehre: Wie können Eigentümer und leitende Angestellte ein Unternehmen zielgerichtet führen? Diesen und allen damit zusammenhängenden Fragen widmet sich innerhalb der Betriebswirtschaft das Fachgebiet der Unternehmensführung, dessen eng- 6 Bea, Schweitzer (2009), S. 24. 7 Ebd. 8 disaggregieren: Herunterbrechen einer Gesamtgröße auf kleinere Einheiten 9 Vgl. Ott (1986), S. 27–31. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 7 71.1 Kaufmännisches Denken und Handeln lernen lische Entsprechung „Management“ im Unternehmenskontext eine gleichwertige Stellung einnimmt. Auch die Bezeichnungen •• „etwas managen“ im Sinne von organisieren oder leiten, •• „das Management“ als Umschreibung für die Führungsebene und •• „Manager/Managerin“ als Entsprechung für Führungskräfte deuten an, dass die Inhaber entsprechender Positionen im Unternehmen über Befugnisse (und hoffentlich auch über die Kompetenzen) verfügen, das Unternehmen, eine Abteilung, oder einzelne Mitarbeiter zu führen und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Die institutionelle Variante des Managementbegriffs wird ergänzt durch ein funktionales Verständnis von Management:10 Es müssen bestimmte Aufgaben (Managementfunktionen) erfüllt werden, damit das Unternehmen „funktioniert“. Planen, organisieren, kontrollieren und weitere Aufgaben müssen natürlich auch von Menschen wahrgenommen werden, die nicht kraft ihrer hierarchischen Position Führungskräfte sind. So müssen im Tourismus etwa eine Flugbegleiterin, ein Reiseleiter, ein Reisebüroexpedient oder andere, scheinbar nur „ausführende“ Mitarbeiter sehr wohl Management- Qualitäten aufweisen, wenn sie ihrer Aufgabe im Tagesgeschäft gerecht werden wollen. Im Krisen- oder Notfallmanagement gilt dies umso mehr. Wie bereits gezeigt, ist die akademische Management-Ausbildung in den vergangenen Jahren sehr stark durch den englischsprachigen Raum geprägt worden. Allerdings wurden in jüngerer Zeit bedeutende Weiterentwicklungen der Managementlehre verstärkt aus Mitteleuropa heraus initiiert. Hierzu zählen insbesondere die Ansätze zur ökologisch orientierten Unternehmensführung (Umweltmanagement) und die Entwicklung ethisch-normativer Führungsmodelle. Aber auch die Hinterfragung von „Exzessen“ zu einseitig kapitalorientierter Management- und Gesellschaftskonzepte („Turbo-Kapitalismus“) zeigt, dass sich in der wirtschaftsbezogenen Forschung und Lehre die Themenfelder von BWL und VWL immer enger verzahnen und damit die Managementlehre – als Teil der BWL – vor enormen Herausforderungen steht: Wie müssen Unternehmen geführt werden, damit eben nicht nur die Eigentümerinteressen, sondern auch die der Mitarbeiter, der Gesellschaft, der Natur und die Rechte zukünftiger Generationen gewahrt bleiben? 1.1.4 Wie „lernt man BWL“ im Studium? Das Erlernen von Management-Qualitäten ist nicht möglich, wenn man nicht über eine solide betriebswirtschaftliche Grundbildung verfügt. Diesem Ziel ist – im Hinblick auf die Tourismuswirtschaft – dieses Lehrbuch verpflichtet. Die betriebswirtschaftliche Basis besteht zum einen aus Wissen, zum anderen aus einer bestimmten Denkhaltung. Aber wie legt man sich diese Basis? Im Hochschulkontext spricht natürlich vieles für die aktive Teilnahme an entsprechenden Lehrveranstaltungen. Das Attribut „aktiv“ kann sich dabei sowohl auf das aktive Zuhören im Rahmen einer Vorlesung beziehen (Fragen stellen, 10 Vgl. Kutschker (2009), S. 98–100 und Steinmann, Schreyögg (2005), S. 6 f.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.