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3.2.3 Elemente der externen Rechnungslegung in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 225 - 233

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_225

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Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 214 3. Managementprozesse: Lenken und Entscheiden im Tourismus214 Beispiel Die „Good Cook GmbH“ ist ein Anbieter von Airline Catering Dienstleistungen und beliefert u. a. die Fluggesellschaft „Blue Sky First“ mit Mahlzeiten. Folgender, aus mehreren Einzelfällen bestehender Geschäftsvorgang kann den einzelnen betriebswirtschaftlichen Stromgrößen zugeordnet werden: 15. März: Einkauf von Zutaten gegen Barzahlung, Einlagerung der Produkte = Auszahlung und Ausgabe 23. März: Verkauf von Mahlzeiten an Blue Sky First mit Zahlungsziel 90 Tage = Einnahme, Ertrag und Leistung 25. März: Lagerentnahme der Zutaten, Weiterverarbeitung zu Mahlzeiten und Auslieferung der Mahlzeiten an Blue Sky First = Aufwand und Kosten 3. April: Aufnahme eines Überbrückungskredits in Höhe des Verkaufspreises = Einzahlung 10. Juni: Zahlungseingang Blue Sky First und Rückführung des Kredits = Einzahlung und Auszahlung taggleich 3.2.3 Elemente der externen Rechnungslegung 3.2.3.1 Bestandteile des Jahresabschlusses im Überblick Maßgeblich für den Jahresabschluss eines Einzel-Unternehmens ist das dritte Buch („Handelsbücher“) des Handelsgesetzbuches (HGB). Demnach ist jeder Kaufmann nach § 238 (1) HGB zur Buchführung und nach § 242 (1) HGB zur Aufstellung eines Jahresabschlusses verpflichtet. Der Jahresabschluss soll „(…) ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (…)“289 des Unternehmens vermitteln. Damit ist der Jahresabschluss in erster Linie eine Sammlung der wesentlichen Daten, die für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage nötig sind. Dem Jahresabschluss kommen eine Zahlungsbemessungs- und eine Informationsfunktion zu. Anhand des im Abschluss publizierten Unternehmensergebnisses bemessen sich die Steuerzahlungen an das Finanzamt (steuerrechtlicher Abschluss, „Steuerbilanz“) und die Ausschüttungen an die Eigentümer.290 Zudem erhalten weitere Adressaten (Gläubiger, Wettbewerber, Medien, allg. Öffentlichkeit etc.) durch den Jahresabschluss wertvolle Informationen. Die sinnvolle Nutzung der Informationen des Jahresabschlusses setzt voraus, dass die Adressaten in der Lage sind, die Informationen des Jahresabschlusses richtig zu lesen und zu interpretieren. 289 § 264 (2) Satz 1 HGB, Vorschrift für Kapitalgesellschaften. 290 Vgl. hierzu und im Folgenden Coenenberg, Haller, Schultze (2009), S. 16–23. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 215 2153.2 Rechnungswesen und Controlling Mit einer steigenden Unternehmensgröße geht auch eine höhere Bedeutung des Unternehmens für die oben genannten Adressaten der externen Rechnungslegung einher. Deswegen sind die Vorschriften für den Jahresabschluss bei den Rechtsformen der Kapitalgesellschaft und der Unternehmensstruktur des Konzerns deutlich umfangreicher als diejenigen, die für alle Unternehmen und somit auch für die Personengesellschaften gelten. Konzerne müssen zusätzlich zu den Einzelabschlüssen der zum Konzern gehörenden Unternehmen auch einen Konzernabschluss vorlegen, der in aller Regel nicht auf Basis eines nationalen Gesetzes wie dem HGB, sondern anhand internationaler Rechnungslegungsnormen wie den International Accounting Standards (IAS) bzw. International Financial Reporting Standards (IFRS) aufzustellen ist. Dies sichert die Verständlichkeit und Vergleichbarkeit dieser Abschlüsse auf internationaler Ebene. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und Anhang sind als Einheit zu sehen. Dagegen der zählt der Lagebericht nicht zum Jahresabschluss selbst, sondern ist neben dem Jahresabschluss Teil des Geschäftsberichts. 3.2.3.2 Der Blick auf das Vermögen: Die Bilanz 3.2.3.2.1 Aufbau und Lesart einer Bilanz Die Bilanz eines Unternehmens bildet zu einem bestimmten Stichtag (Geschäftsjahres- oder Quartalsende) die aktuelle Vermögenssituation des Unternehmens ab. Vermögenswerte können grundsätzlich dahingehend analysiert werden, von wem sie ins Unternehmen eingebracht wurden (Mittelherkunft), und wo sie im Unternehmen investiert sind (Mittelverwendung). Die Mittelherkunft wird auf der Passivseite der Bilanz gezeigt. Alle dort aufgeführten Positionen haben Schuldencharakter: Das Eigenkapital (EK) schuldet Abbildung 70: Bestandteile des Jahresabschlusses nach HGB Unternehmen Bestandteile des Jahresabschlusses Zusätzliche Inhalte im Geschäftsbericht (obligatorisch) Zusätzliche Inhalte (fakultativ) Jedes Unternehmen §§238–263 § 242 (3) HGB: Bilanz und GuV Kapitalgesellschaften zusätzlich §§264–289a § 264 (1) HGB: Bilanz, GuV und Anhang Lagebericht Konzernmütter zusätzlich §§290–315a § 297 (1) HGB: Konzern- Bilanz, -GuV und -Anhang, Kapitalflussrechnung, Segmentberichterstattung, Eigenkapitalveränderungsrechnung § 290 (1) und § 315 HGB: Konzern-Lagebericht Zusätzliche Informationen für Investoren Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 216 3. Managementprozesse: Lenken und Entscheiden im Tourismus216 das Unternehmen den Eigentümern, etwa den Aktionären bei einer Aktiengesellschaft. Das Fremdkapital hingegen wird den Gläubigern geschuldet, seien es Banken, Anleihegläubiger oder das Finanzamt. Die Mittelverwendung auf der Aktivseite der Bilanz verdeutlicht, welche Vermögensteile langfristig im Unternehmen verbleiben sollen und daher im Anlagevermögen (AV) investiert sind, und welche Vermögen dem Unternehmen nur kurzfristig als Umlaufvermögen (UV) zur Verfügung stehen. Man kann dann die in Kontenform aufzustellende Bilanz von rechts nach links lesen: Schon bei dieser grundlegenden Betrachtung wird deutlich, dass mehrere Anspruchsgruppen ein berechtigtes Interesse an dem Geld haben, das „im Unternehmen steckt“. Die Eigentümer erwarten eine angemessene Rendite ihres investierten Kapitals, die Gläubiger Zinsen und Tilgung ihrer an das Unternehmen vergebenen Kredite. Das Finanzamt hat den ausgewiesenen Gewinn bereits um die Steuerlast geschmälert und erwartet auch für ein abgelaufenes Geschäftsjahr evtl. noch weitere Steuerzahlungen, die zum Bilanzstichtag der Höhe nach noch nicht feststanden. Dadurch ergeben sich naturgemäß Zielkonflikte. So lassen z. B. dauerhaft zu hohe Gewinnausschüttungen an die Eigentümer Gläubigerbanken zweifeln, ob ihre Kredite tatsächlich zurückgezahlt werden können. 3.2.3.2.2 Die buchhalterische Grundlage der Bilanz Die Aufstellung des Jahresabschlusses hat unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) zu erfolgen. Zu den GoB zählen:291 •• Grundsatz der Richtigkeit und Willkürfreiheit, •• Grundsatz der Klarheit, 291 Vgl. Wöhe, Döring (2010), S. 733–743 und Coenenberg, Haller, Schultze (2009), S. 36–44. Abbildung 71: Die Bilanz. Gliederung für Kapitalgesellschaften nach § 266 HGB, verkürzt Mittelherkunft: Passiva A Anlagevermögen I. Immaterielle Vermögensgegenstände 1. Geschäfts- und Firmenwerte II. Sachanlagen 1. Grundstücke … 2. Technische Anlagen u. Maschinen III. Finanzanlagen 1. Anteile an verbundenen Unternehmen 2. Beteiligungen B Umlaufvermögen I. Vorräte II. Forderungen und sonst. Verm.gegenst. III. Wertpapiere IV. Kassenbestand, Guthaben C Rechnungsabgrenzungsposten Mittelverwendung: Aktiva A Eigenkapital I. Gezeichnetes Kapital II. Kapitalrücklage III. Gewinnrücklage IV. Bilanzgewinn B Rückstellungen C Verbindlichkeiten 1. Anleihen 2. Verb. ggü. Kreditinstituten 3. Erhaltene Anzahlungen 4. Verb. aus Lief. & Leist. D Rechnungsabgrenzungsposten EK FK Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 217 2173.2 Rechnungswesen und Controlling •• Grundsatz der Vollständigkeit, •• Grundsatz der Stetigkeit, •• Grundsatz der Vorsicht und •• Abgrenzungsgrundsätze (Realisationsprinzip, Grundsätze der sachlichen und zeitlichen Abgrenzung, Imparitätsprinzip) Die kaufmännische Buchhaltung (Finanzbuchhaltung) arbeitet nach dem Prinzip der doppelten Buchführung. Dabei werden alle Geschäftsvorfälle auf mindestens zwei Konten, also doppelt, verbucht. Im Gegensatz zu der u. a. bei öffentlichen Haushalten üblichen einfachen Buchführung der Einnahmen und Ausgaben, ermöglicht die doppelte Buchführung die periodengerechte Ermittlung des kaufmännischen Erfolges, da die Wertgrößen Ertrag und Aufwand berücksichtigt werden.292 Die doppelte Buchführung unterscheidet drei Arten von Grundkonten: Bilanzkonten zur Abbildung von Beständen und deren Veränderungen, Erfolgskonten zur Abbildung aller erfolgswirksamen Vorgänge sowie Finanzkonten zur Abbildung aller liquiditätswirksamen Vorgänge durch Einnahmen- und Ausgabenkonten. 292 Vgl. Benz (2011), S. 14–16. 293 Vgl. Hutzschenreuter (2011), S. 337 und Jung (2010), S. 1080. Abbildung 72: Beispiel Maschinenkauf: Einfache und doppelte Buchführung im Vergleich293 Einfache Buchführung Jahr 1: Einnahmen 1.000 – Ausgaben (Maschinenkauf) 1.000 Saldo („Erfolg“) 0 Jahr 2–10: Einnahmen 1.000 – Ausgaben (Maschinenkauf) 0 Saldo („Erfolg“) 1.000 Doppelte Buchführung I: Erfolgsbetrachtung GuV Jahr 1: Ertrag 1.000 – Aufwand (Abschreibung) 100 Erfolg 900 GuV Jahr 2–10: Einnahmen 1.000 – Aufwand (Abschreibung) 100 Erfolg 900 Doppelte Buchführung II: Bestandsbetrachtung Anfangs-Bilanz Jahr 1 Maschine 0 Kasse 1.000 1.000 Eigen- und Fremdkapital 1.000 Aktiva Passiva End-Bilanz Jahr 1 Maschine 1.000 Kasse 0 1.000 Eigen- und Fremdkapital 1.000 Aktiva Passiva Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 218 3. Managementprozesse: Lenken und Entscheiden im Tourismus218 Die konkrete Buchung dieser Konten im Laufe des Geschäftsjahres richtet sich danach, welcher Untertyp eines Grundkontos vorliegt. So müssen bei Bilanzkonten Zu- und Abgänge jeweils auf verschiedenen Kontenseiten gebucht werden; je nachdem, ob ein Aktivkonto (Darstellung des Bestandes auf der Aktivseite der Bilanz) oder ein Passivkonto (Darstellung des Bestandes auf der Passivseite der Bilanz) vorliegt: Bei allen Grundkonten und deren Ausprägungen gilt, dass sich zum Ende eines Berichtszeitraumes der Endbestand aus dem Anfangsbestand zzgl. der Zugänge und abzgl. der Abgänge errechnet.295 Durch diesen Abschluss aller Geschäftskonten und den Übertrag aller Endbestände auf die rechtlich vorgeschriebenen Abschlusskonten entsteht der Jahresabschluss. 3.2.3.2.3 Der Prozess der Bilanzierung Die Bilanzierung zerfällt in mehrere Einzelprozesse, deren Durchlaufen in einer bestimmten Reihenfolge erforderlich ist:296 •• Ansatz („Bilanzierung dem Grunde nach“): Welche Vermögensgegen stände (VGG) und Schulden müssen oder dürfen in der Bilanz angesetzt werden? 294 Aufbauend auf Jung (2010), S. 1080 und Döring, Buchholz (2009), S. 19. 295 Ein einfaches Zahlenbeispiel für ein Reisebüro findet sich bei Bach (2008), S. 29–44. 296 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2009), S. 77–149. Abbildung 73: Buchungsvorgänge am Beispiel von Bilanzkonten294 Aktivkonten z.B. Grundstücke Anfangsbestand Abgänge (–) Zugänge (+) S H Passivkonten z.B. Verbindlichkeiten AnfangsbestandAbgänge (–) Zugänge (+) S H Abbildung 74: Der Prozess des Bilanzansatzes Ist der Vermögensgegenstand bilanzierungsfähig? Kein Bilanzansatz nein Besteht ein Bilanzierungswahlrecht ? ja Bilanzansatz nein Bilanzierungspflicht Ausübung? ja ja nein Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 219 2193.2 Rechnungswesen und Controlling •• Bewertung („Bilanzierung der Höhe nach“): Mit welchen Werten müssen diese VGG und Schulden gezeigt werden, wenn sie angesetzt sind? •• Ausweis: An welcher Stelle der Bilanz müssen diese VGG und Schulden ausgewiesen werden? Münden diese drei Prozesse in einer sach- und wertmäßigen Aufnahme in die Aktiva der Bilanz an der vorgeschriebenen Position, spricht man von einer Aktivierung; im umgekehrten Fall einer sach- und wertmäßigen Aufnahme in die Passiva der Bilanz an der vorgeschriebenen Position von einer Passivierung.297 Für diese Einzelprozesse sehen die anzuwendenden Gesetze oder Rechnungslegungsnormen für jede Bilanzposition bestimmte Pflichten (Gebote), Verbote oder Wahlrechte vor. Diese müssen für jeden einzelnen Vermögensgegenstand geprüft werden, wodurch sich eine charakteristische Stufenfolge für den Bilanzierungsprozess ergibt, vgl. Abb. 74. 3.2.3.3 Der Blick auf den Erfolg: Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) In der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) werden alle Erträge einer Periode den entsprechenden Aufwendungen gegenübergestellt und als Saldo der Gewinn in Form des Jahresüberschusses ermittelt. Kapitalgesellschaften haben ihre GuV grundsätzlich in Staffelform zu erstellen, gemäß folgendem Schema: 297 Vgl. Scheffler (2006), S. 28–32. 298 Vgl. mit Zahlenbeispiel Jung (2010), S. 1054. Kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften genießen gem. § 276 HGB Erleichterungen, indem sie bestimmte Positionen zusammenfassen dürfen. Abbildung 75: Die GuV-Gliederung nach § 275 HGB298 1. Umsatzerlöse 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen oder unfertigen Erzeugnissen 3. Andere aktivierte Eigenleistungen 4. Sonstige betriebliche Erträge 5. Materialaufwand 6. Personalaufwand 7. Abschreibungen (ohne Ziff. 12) 8. Sonstige betriebliche Aufwendungen 9. Erträge aus Beteiligungen 8. 10. Erträge aus anderen Wertpapieren und 9. Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 11. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 10. 12. Abschreibungen auf Finanzanlagen und 11. Wertpapiere des Umlaufvermögens 13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 12. 14. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 13. 15. Außerordentliche Erträge 14. 16. Außerordentliche Aufwendungen 15. 17. Außerordentliches Ergebnis 16. 18. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 17. 19. Sonstige Steuern 18. 20. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag 19. Gesamtkostenverfahren Umsatzkostenverfahren 1. Umsatzerlöse 2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen 3. Bruttoergebnis vom Umsatz 4. Vertriebskosten 5. Allgemeine Verwaltungskosten 6. Sonstige betriebliche Erträge 7. Sonstige betriebliche Aufwendungen B e t r i e b s e r g e b n i s F i n a n z e r g e b n i s Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 220 3. Managementprozesse: Lenken und Entscheiden im Tourismus220 Die GuV bietet die Möglichkeit, drei Quellen unternehmerischen Erfolgs zu unterscheiden: Das operative Geschäft, die finanziellen Aktivitäten und die außerordentlichen Effekte.299 Diese Unterscheidung ist enorm wichtig bei der Beurteilung von „Erfolgszahlen“, die ein Unternehmen berichtet. Es gibt Situationen, in denen sind Unternehmen operativ sehr profitabel und kommunizieren dies auch gerne. Ein kritischer Blick in die GuV kann dann aber große Verluste im finanziellen Bereich oder durch außergewöhnliche Ereignisse offenbaren. Das Gesamtkostenverfahren ist vornehmlich an der Finanzbuchhaltung orientiert, während das Umsatzkostenverfahren eher am Gedanken der Deckungsbeitragsrechnung (Abschnitt 3.2.4.3) des Controllings ausgerichtet ist. Gesamt- und Umsatzkostenverfahren führen jedoch stets zum gleichen Jahresüberschuss. 3.2.3.4 Der Blick in die Kasse: Die Cash Flow-Rechnung Im Gegensatz zu den zukunftsorientierten Rechnungen der Finanzierung und Liquiditätsplanung301 dient die Cash Flow- oder Kapitalflussrechnung der vergangenheitsorientierten Betrachtung, inwieweit und durch welche Zahlungsströme sich die Liquiditätssituation des Unternehmens in einer abgelaufenen Berichtsperiode verändert hat. Integriert man diese vergangenheitsbezogenen und zukunftsbezogenen Elemente, entsteht ein Cash Management aus systematischem Nachhalten und aktiver Steuerung der Hauptzahlungsströme eines Unternehmens. Dies ist insbesondere dann zwingend nötig, wenn wie 299 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2009), S. 517–519 und Döring, Buchholz (2009), S. 37–39. 300 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2009), S. 511. 301 Vgl. Abschnitt 2.1. Abbildung 76: Ermittlung des Periodenergebnisses bei Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren300 Gesamtkostenverfahren Umsatzkostenverfahren Aufwand Ertrag Bestandserhöhung3 3 Aufwand Ertrag Umsatzerlöse Umsatzerlöse 1 2 1 2 1: Gesamter Periodenaufwand 2: Herstellungskosten der Bestandserhöhung 3: Jahresüberschuss (GKV) = Jahresüberschuss (UKV) Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 221 2213.2 Rechnungswesen und Controlling im Tourismus stark schwankende Geschäftsverläufe mit stark schwankenden Zahlungsströmen einhergehen.302 Während bei Einzelunternehmen Erläuterungen zur Finanzlage ausreichend sind, ist die Erstellung einer ausführlichen Kapitalflussrechnung für Konzerne verpflichtend. Aber auch Einzelunternehmen können sich die Strukturvorgaben der Kapitalflussrechnung für Konzerne zu Eigen machen, wenn sie ihre Liquiditätsplanung zu einem umfassenden Cash Management ausbauen wollen. Erst durch die Kapitalflussrechnung vervollständigt sich das Bild, das die Rechnungslegung vom Unternehmen abgeben soll:303 Die Cash Flow-Rechnung hat mehrere Ziele. Vor allem sollen Dritte Erkenntnisse gewinnen, ob der Konzern kurzfristig und dauerhaft seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Ferner eignet sich die Größe Cash Flow auch als langfristiger Indikator für „echtes“ unternehmerisches Wachstum, das letztlich nur aus dauerhaften Einzahlungsüberschüssen resultieren kann. Die monetären Wertgrößen der Kapitalflussrechnung können nur die liquiditätswirksamen sein, also die Einzahlungen und Auszahlungen. Damit besitzt die Kapitalflussrechnung gegenüber Bilanz und GuV einen großen Transparenzvorteil, denn Ein- und Auszahlungen kann man im Gegensatz zu Erträgen und Aufwendungen nicht bewerten: Ein Euro bleibt ein Euro. Zahlungsströme können im Rahmen unternehmerischer Tätigkeit aus drei Quellen gespeist werden:304 •• Cash Flow aus Geschäftstätigkeit, z. B. Erhalt von Kundenzahlungen, Bezahlen der Lieferanten •• Cash Flow aus Investitionstätigkeit, z. B. Bezahlen einer Rate für ein neues Kreuzfahrtschiff, Verkauf eines Flugzeuges •• Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit, z. B. Gewährung eines Darlehens, Zahlung von Zinsen Damit können diese drei Bereiche auch getrennt voneinander analysiert werden. Für die Liquiditätsplanung des Gesamtunternehmens ist natürlich die Gesamtsicht die vordringliche. Der Cash Flow kann auf unterschiedliche Weise ermittelt werden. Am genauesten ist die Bildung des Saldos aller Einzahlungen mit allen Auszahlungen 302 Zum Cash Management von Reiseveranstaltern vgl. Mundt (2011), S. 165–191. 303 Vgl. Coenenberg, Haller, Schultze (2009), S. 769 f. 304 Vgl. Scheffler (2006), S. 149–151. Abbildung 77: Das Zusammenspiel von Bilanz, GuV und Cash Flow-Rechnung „Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage“ (§264 (2) HGB) Bilanz Kapitalfluss- Rechnung GuV Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 222 3. Managementprozesse: Lenken und Entscheiden im Tourismus222 einer Berichtsperiode. Diese direkte Ermittlung entspräche dem Bild eines Kontoauszuges. Allerdings stehen Unternehmensexternen diese Zahlungsdaten meist nicht zur Verfügung. Dann bietet es sich an, den Cash Flow auf einem vereinfachten Weg über die zugänglichen GuV-Daten zu ermitteln. Bei dieser indirekten Ermittlung wird der Jahresüberschuss der GuV um diejenigen Posten zurückgerechnet („bereinigt“), die zuvor bei der Berechnung des Jahresüberschusses eingegangen sind, aber zahlungsunwirksam waren.305 Dazu zählen insbesondere die Abschreibungen und Rückstellungen. Diese Korrektur um alle nicht-zahlungswirksamen Effekte führt je nach Genauigkeit und Vollständigkeit der Korrekturen ebenfalls zum Cash Flow. Für externe Leser von Jahresabschlüssen ist die Genauigkeit des Cash Flows meist weniger interessant als die Frage, wie sich der Cash Flow des Unternehmens langfristig entwickelt, auch im Verhältnis zur Verschuldung des Unternehmens (dynamischer Verschuldungsgrad 306). 3.2.4 Elemente des internen Rechnungswesens 3.2.4.1 Controlling ist nicht Kontrolle Für die interne Steuerung eines Unternehmens hat sich auch im deutschen Sprachraum der Begriff des Controllings307 durchgesetzt. Die phonetische Ähnlichkeit zum deutschen Begriff Kontrolle führt allerdings immer noch zu Fehlinterpretationen des Controllings im Sinne einer zu engen Auslegung als reines internes Berichtsystem. 305 Vgl. Reichmann (2011), S. 98 und Scheffler (2006), S. 150 f. 306 Vgl. Abschnitt 2.1.5. 307 Engl. to control = steuern, lenken, beherrschen. Abbildung 78: Wege der Ermittlung des Cash Flows Direkte Ermittlung („vorwärts“) Ermittlung des Cash Flow Indirekte Ermittlung („rückwärts“) Genaue Ermittlung NäherungsrechnungEinzahlungen – Auszahlungen = Cash Flow „Kontoauszug“ Jahresüberschuss + Aufwand, der nicht Auszahlung ist – Ertrag, der nicht Einzahlung ist + Einzahlung, die nicht Ertrag ist – Auszahlung, die nicht Aufwand ist = Cash Flow Jahresüberschuss + Abschreibungen – Zuschreibungen + Rückstellungserhöhungen – Rückstellungsverminderungen +/– Sonstige Korrekturgrößen = Cash Flow

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Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.