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2.1.6 Stimmen aus der Praxis: Achim von der Lahr, UniCredit Bank AG; Dieter Semmelroth, TUI AG in:

Felix Kolbeck, Marion Rauscher

Tourismus-Management, page 113 - 116

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4486-5, ISBN online: 978-3-8006-4487-2, https://doi.org/10.15358/9783800644872_113

Bibliographic information
Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 99 992.1 Investition und Finanzierung 2.1.6 Stimmen aus der Praxis Achim von der Lahr, UniCredit Bank AG Die Touristikbranche ist einerseits weiterhin von globalem Wachstum gekennzeichnet, andererseits aber sehr stark von externen Schocks beeinträchtigt. Insbesondere in den letzten 10 Jahren – beginnend mit den Ereignissen des 11. September 2001, dem Irakkrieg, Naturkatastrophen wie Tsunami oder Vulkaneruption, globalen Krankheitswellen wie SARS, bis hin zu Bürgerkriegen in Nordafrika – mussten die Manager von Touristikunternehmen lernen, sich immer besser auf diese Situationen vorzubereiten. Andernfalls wäre die Profitabilität des Unternehmens stark gefährdet. Aufgrund der genannten Volatilität sowie geringer Gewinnmargen ist die Verschuldungsfähigkeit von Touristikunternehmen eher gering. Bezüglich der Finanzierung bedeutet dies, dass ein Touristikveranstalter das Ziel haben sollte, tendenziell frei von Nettofinanzschulden zu sein. Dies schließt jedoch Saisonlinien (insbesondere über den kritischen, weil liquiditätsschwachen Zeitraum von Dezember bis Februar) nicht aus. Investitionen in betriebsnotwendige Assets wie Flugzeuge, Hotels oder Kreuzfahrtschiffe bringen erhebliche Finanzierungserfordernisse mit sich. Diese werden tendenziell Off-Balance, insbesondere über Leasingstrukturen finanziert. Das jeweilige Asset dient dabei dem Finanzier als Sicherheit, sodass dieser nicht ausschließlich von der operativen Performance des Unternehmens abhängig ist. Für die langfristige On-Balance-Finanzierung haben sich – Kapitalfähigkeit des Unternehmens vorausgesetzt – Kapitalmarktprodukte wie Anleihen und Wandelanleihen als sinnvolle Eckpfeiler bewiesen. Aufgrund der zahlreichen Besonderheiten dieser Branche, ist es für die Unternehmen aber auch besonders wichtig, eine stabile Kernbankengruppe zu haben, die die Branche sehr gut versteht und bereit ist, die damit verbundenen Risiken (z. B. über syndizierte Kredite) zu tragen. Der Grund dafür, dass die Nettoverschuldung einiger Unternehmen heute dennoch relativ hoch ist, liegt vor allem an der anhaltenden Konsolidierungswelle in Europa. Durch zahlreiche, primär fremdfinanzierte Übernahmen, wurde diese aufgebaut und ist aufgrund der nicht ausreichenden Profitabilität nur sehr langsam abzubauen. Achim von der Lahr Corporate Finance & Investment Banking, UniCredit Bank AG Managing Director und Head of Transport, Tourism, Machinery and Steel Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 100 2. Funktionsbereiche: Kernelemente touristischer Wertschöpfung100 Dieter Semmelroth, TUI AG In einer Zeit globaler Schuldenkrisen und Rettungsschirme kommen Aspekte der Finanzierung und Investitionen auch in der Privatwirtschaft eine wachsende Bedeutung zu. Dies gilt auch für den Tourismus, in dem traditionell häufig Fragestellungen des Marketing und der Kundenbindung im Vordergrund des Interesses stehen. Lange Zeit schenkte die Tourismusbranche Aspekten der Investition- oder Finanzierung keine besondere Bedeutung. Gerade in aufstrebenden ausländischen Tourismusmärkten investieren teilweise Branchenfremde in Hotels und/oder Freizeiteinrichtung im Glauben, dass es ich um einfache Gebäude oder Einrichtungen handelt, für die sich schon genügend Nachfrage finden und eine konventionelle Finanzierung ausreichend wird. Dabei wird von Investoren und Fremdkapitalgebern die Komplexität touristischer Leistungsbeziehungen unterschätzt. Die Praxis zeigt, dass u. a. sorgfältige Analysen und Planungen im Vorfeld, angemessene Investitions- und Finanzierungsentscheidungen und eine frühzeitige Kooperation mit Nachfragern touristischer Produkte nötig sind, um erfolgreiche Projekte durchzuführen. Das vorliegende Lehrbuch zu den betriebswirtschaftlichen Grundlagen des Tourismus- Management ist für Studenten und interessierte Praktiker gleichermaßen eine Bereicherung. Im Kapitel Finanzierung und Investitionen werden alle wesentlichen Aspekte behandelt und für den Leser gut aufbereitet. Die Grundlagen der Finanzierung und Investition werden für Touristiker in einer leicht verständlichen Sprache aufbereitet und durch aktuelle praxisnahe Fallbeispiele gut illustriert. Aus meiner Sicht stellt dieses Kapitel grundlegende Theoreme und Zusammenhänge der Finanzierung und Investition in der Tourismuswirtschaft anschaulich dar und ist somit sowohl für Studierende als auch die interessierte Fachöffentlichkeit zu empfehlen. Literatur airberlin (2010): Geschäftsbericht 2010 Böttcher, Jörg; Blattner, Peter (2010): Projektfinanzierung, 2. Aufl., München Deutsche Bundesbank (2009): Statistik „Vermögensbildung der Sektoren und ihre Finanzierung 2008“, Datenstand April 2009 Drukarczyk, Jochen (2006): Finanzierung, in: Bea, Franz Xaver; Friedl, Birgit; Schweitzer, Marcell (Hrsg.): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Band 3: Leistungsprozess, 9. Aufl., Stuttgart Jung, Hans (2009): Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 11. Aufl., München Lufthansa AG (2011): Geschäftsbericht 2011 Dieter Semmelroth Leiter Hotelfinanzierung TUI AG Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 101 1012.1 Investition und Finanzierung Mundt, Jörn (2007): Reiseveranstaltung, 6. Aufl., München Perridon, Louis; Steiner, Manfred (2009): Finanzwirtschaft der Unternehmung, 15. Aufl., München Schierenbeck, Henner; Lister, Michael (2002): Value Controlling: Grundlagen wertorientierter Unternehmensführung, 2. Aufl., München Schumacher, Martin; Wiesinger, Manuela (2009): Finanzmanagement im Tourismus, Wien TUI AG (2011): Geschäftsbericht 2010/2011 Wöhe, Günter; Döring, Ulrich (2010): Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 24. Aufl., München Weiterführende Literaturhinweise Becker, Hans Paul (2010): Investition und Finanzierung, 2. Aufl., Wiesbaden Bieg, Hartmut; Kußmaul, Heinz (2009): Finanzierung, 2. Aufl., München Bleis, Christian (2009): Grundlagen Investition und Finanzierung, 2. Aufl., München Bösch, Martin (2009): Finanzwirtschaft, München Braun, Thomas (2009): Investition und Finanzierung, Berlin, Heidelberg Breuer, Wolfgang (2008): Finanzierung, 2. Aufl., Wiesbaden Drukarczyk, Jochen (2008): Finanzierung, 10. Aufl., Stuttgart Franke, Günter; Hax, Herbert (2009): Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt, 6. Aufl., Berlin u. a. Götze, Uwe (2008): Investitionsrechnung, Berlin, Heidelberg Gräfer, Horst; Schiller, Bettina; Rösner, Sabrina (2008): Finanzierung, 6. Aufl., Berlin Hirth, Hans (2008): Grundzüge der Finanzierung und Investition, 2. Aufl., München Kruschwitz, Lutz (2009): Investitionsrechnung, 12. Aufl., München Kruschwitz, Lutz (2009): Finanzierung und Investition, 6. Aufl., München Olfert, Klaus (2008): Finanzierung, 14. Aufl., Ludwigshafen (Rhein) Olfert, Klaus (2009): Investition, 11. Aufl., Ludwigshafen (Rhein) Pape, Ulrich (2009): Grundlagen der Finanzierung und Investition, München Rehkugler, Heinz (2007): Grundzüge der Finanzwirtschaft, München Rudolph, Bernd (2006): Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarkt, Tübingen Spremann, Klaus (2010): Finance, 4. Aufl., München Wöhe, Günter et al. (2009): Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 10. Aufl., München Zantow, Roger (2008): Finanzwirtschaft der Unternehmung, 2. Aufl., München u. a. Vahlen – Allgemeine Reihe – Kolbeck/Rauscher – Tourismus-Management – Herstellung: Frau Deuringer Stand: 22.08.2012 Status: Druckdaten Seite 103 2.2 Beschaffung 2.2.1 Fallbeispiel: Deutsche Lufthansa (2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 2.2.2 Überblick: Zu beschaffende Güter und Dienstleistungen im Tourismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 2.2.3 Investitionsgüterbeschaffung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 2.2.4 Materialbeschaffung und Wareneinkauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 2.2.4.1 Analyse der zu beschaffenden Güter und Materialien. . . . . . . . . 108 2.2.4.2 Lieferantenauswahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 2.2.4.3 Festlegung von Bestellmengen und -rhythmen bei kontinuierlichem Verbrauch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 2.2.4.4 Festlegung von Bestellzeitpunkten bei schwankendem Verbrauch 114 2.2.5 Dienstleistungsbeschaffung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 2.2.5.1 Segmente unternehmensbezogener Dienstleistungen . . . . . . . . . 116 2.2.5.2 Optimierung der Dienstleistungsbeschaffung . . . . . . . . . . . . . . . 117 2.2.6 Touristischer Leistungsträgereinkauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 2.2.7 Eine zentrale Frage im Tourismus: Selber produzieren oder fremd beziehen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 2.2.7.1 Die Make or Buy-Entscheidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 2.2.7.2 Operativer Aspekt: Kostenvergleichsrechnung am Beispiel eines Flugeinkaufs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 2.2.7.3 Strategischer Aspekt: Die Frage der Wertschöpfungstiefe im Tourismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 2.2.8 Stimmen aus der Praxis: Heike Pabst, FTI Touristik GmbH . . . . 126 Leitfragen •• Worin liegen die operative und die strategische Bedeutung der Beschaffung? •• Was muss im touristischen Geschäft eingekauft, also beschafft werden? •• Welche Bereiche umfasst der touristische Leistungsträgereinkauf? Wie ist seine Stellung in der Struktur der Beschaffungsobjekte? •• Welche Alternativen bestehen bei der Beschaffung von Investitionsgütern? •• Wonach richtet sich die Entscheidung, ob man Leistungen bezieht oder selbst produziert? •• Wie werden bei Sachgütern optimaler Bestellzeitpunkt und optimale Bestellmenge ermittelt? •• Warum gehen mit Investitionsbeschaffungen oftmals weitere Dienstleistungsbeschaffungen einher? •• Was unterscheidet operative von strategischen Beschaffungsfragen? •• Wie wählt man Lieferanten aus und unterhält Beziehungen zu ihnen? •• Welche Zusammenhänge bestehen speziell im Tourismus zwischen Beschaffung und Produktion? •• Welche Arten von Beschaffungszusammenhängen können in Unternehmen existieren? 2.2 Beschaffung

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Zusammenfassung

Vorteile

- Umfassendes Grundlagenwerk zur touristischen Betriebswirtschaftslehre

- Im deutschsprachigen Bereich ohne Beispiel

- Abdeckung aller wesentlichen Funktionsbereiche des Tourismus-Managements

- Eignung für Studierende und Praktiker

- Zahlreiche Praxis-Kurzbeiträge von Führungskräften

Zum Werk

Die Tourismusbranche gehört zu den am stärksten wachsenden, aber auch komplexesten Wirtschaftsbereichen.

Dieses Werk vermittelt erstmalig ein umfassendes betriebswirtschaftliches Grundwissen für die Tourismusbranche für Studium und Praxis, das alle wesentlichen Bereiche der Betriebswirtschaftslehre abdeckt. Es unterstützt Studierende und Praktiker bei der Entwicklung einer betriebswirtschaftlichen Denkhaltung, die sinnvolles aktives Handeln („Management“) im touristischen Geschäft ermöglicht.

Das Buch beschreibt auf der Basis eines integrierten Management-Modells Investition und Finanzierung, Beschaffung, Produktion und Marketing sowie die Managementprozesse Planung, Steuerung, Personalmanagement und Organisation. Den Abschluss bilden langfristige Überlegungen zur strategischen Unternehmensführung sowie zum nachhaltigen Tourismusmanagement.

Zahlreiche Experten-Statements von Führungskräften aus der Branche illustrieren die Praxisrelevanz.

Autoren

Prof. Dr. Felix Kolbeck und Prof. Dr. Marion Rauscher, Fakultät für Tourismus, Hochschule München

Zielgruppe

- Studierende der Bachelor-Studiengänge Tourismusmanagement, Masterstudiengänge, Weiterbildungsangebote (IHK, MBA, …) und Tourismusunternehmen.