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Literatur und zitierte Quellen zu Kapitel 1 in:

Peter Spahn

Geldpolitik, page 44 - 46

Finanzmärkte, neue Makroökonomie und zinspolitische Strategien

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4478-0, ISBN online: 978-3-8006-4479-7, https://doi.org/10.15358/9783800644797_44

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32 1. Geld, Zins und Banken 1.2.3 Im Vergleich zu bilateralen Kreditgeschäften zwischen einzelnen Geldvermögensbesitzern und Schuldnern bietet die Konzentration der Kreditvergabe bei den Geschäftsbanken volkswirtschaftliche Vorteile. Bei einem großen Geschäftsvolumen können langfristige Ausleihungen mit kurzfristigen Einlagen finanziert werden (Fristentransformation), das Ausfallrisiko wird durch Diversifikation verringert und besser kalkulierbar, Informations- und Transaktionskosten sinken. Es bleibt jedoch eine asymmetrische Informationsverteilung zwischen Bank und Kreditkunden. Eine Allokation der Kredite nach Höhe der gebotenen Zinsen würde Kunden mit riskanten Projekten anlocken (adverse Selektion); Banken praktizieren daher eine Kreditrationierung bei gegebenem Zins, wählen Kreditprojekte nach einer Bonitätsprüfung und überwachen ihre Kreditkunden. Die besonderen Solvenz- und Liquiditätsrisiken von Geschäftsbanken (im Vergleich zu bloßen Finanzintermediären) entstehen daraus, dass der Wert der Depositen nicht mit dem Wert der Bilanzaktiva schwankt, sondern nominal fixiert ist; eben dies erlaubt eine Zahlungsmittelfunktion der Bankdepositen. Können sich Geschäftsbanken auf Notfallkredite eines Lender of Last Resort verlassen, so werden sie zu einer riskanten Investitionspolitik verleitet (Moral Hazard). Literatur und zitierte Quellen zu Kapitel 1 Auster, P. (1997): Von der Hand in den Mund. Reinbek 1999. Bagehot, W. (1873): Lombard Street A Description of the Money Market. Westport 1979. Belke, A. / Polleit, T. (2009): Monetary Economics in Globalised Financial Markets. Berlin / Heidelberg, Kap. 1. Blanchard, O. J. / Illing, G. (2009): Makroökonomie. 5. Aufl. München, Kap. 4. Bofinger, P. (2001): Monetary Policy Goals, Institutions, Strategies, and Instruments. Oxford, Kap. 1, 3. De Grauwe, P. (1996): International Money. 2. 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Deshalb wird der Frage nachgegangen, aus welchen Gründen Wirtschaftssubjekte auf potenzielle Zinserträge verzichten und einen Teil ihres Vermögens in Form von unverzinslichem (Bar-) Geld halten. Auf den Finanzmärkten findet zum einen eine permanente Allokation von Risiken statt, indem die Akteure Anlageobjekte mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Profilen handeln, die ihren jeweiligen Präferenzen entsprechen. Zum anderen werden hier auch neue Finanzmittel für kreditfinanzierte Ausgabenprojekte im Gütermarkt bereitgestellt. Der für die Geldwirtschaft zentrale, oft beschriebene (und nicht immer verstandene) Zusammenhang zwischen Verschuldung, Investition und Ersparnis wird ausführlich in kreislauftheoretischer Perspektive dargelegt. In der offenen Volkswirtschaft stehen die nationalen Finanzmärkte vermittelt über die Drehscheibe des Devisenmarktes im Kontakt mit dem Geschehen in der Weltwirtschaft. Das Spektrum von Portfolioallokation, Vermögensbildung und Verschuldung erweitert sich durch Wertpapiere, die auf verschiedene Währungen lauten. Damit tritt zusätzlich ein Währungsrisiko die Veränderung von Wechselkursen in der Zeit auf, das sich in internationalen Zinsdifferenzen ausdrückt. 2.1 Erträge, Zins und Vermögen 2.1.1 Gleichgewicht und Portfoliowahl auf Vermögensmärkten: der Trade-off zwischen Rendite und Risiko Einkommen ist eine Stromgröße, bezogen auf eine bestimmte Periode, Vermögen hingegen eine Bestandsgröße, d.h. nur zu einem bestimmten Zeitpunkt definierbar. Als Vermögen gelten alle Güter und Objekte i.w.S., die von Wirtschaftssubjekten gehalten werden, weil sie • die Möglichkeit einer Wertaufbewahrung über die Zeit versprechen, und ggf. • einen periodischen Ertrag (Einkommen oder sonstige Nutzenströme) erwarten lassen.

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Zusammenfassung

Entscheidungen von Notenbanken wirken sich nicht nur auf Geschäftsbanken, sondern auch auf das Wirtschaftsumfeld von privaten Haushalten und Unternehmen aus. Im Zentrum dieses Buches stehen folgende drei Themenbereiche:

* Finanzmärkte: Das Buch beschreibt die Rolle des Geldes in der Marktwirtschaft, die Tätigkeit der Banken sowie die Preisbildung auf Wertpapier- und Devisenmärkten. Vor diesem Hintergrund analysiert es die Wirkungsweise der geldpolitischen Instrumente.

* Ein „neuer Konsens“ in der Makroökonomie begreift nicht die Geldmenge, sondern den Zins als Hauptinstrument der Geldpolitik. Damit wird das traditionelle IS-LM-Modell durch einen Drei-Gleichungs-Ansatz ersetzt, in dem das Verhalten der Notenbank durch eine zinspolitische Reaktionsfunktion beschrieben wird.

* Die Konzeption zinspolitischer Strategien als Richtschnur für tagespolitische Entscheidungen der Notenbank berücksichtigt dabei wirtschaftspolitische Ziele, unterschiedliche Vorstellungen über die Funktionsweise einer Geldwirtschaft sowie Erfahrungen mit der Wirkungsweise geldpolitischer Instrumente.

Der Autor

Prof. Dr. Heinz-Peter Spahn, Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik, an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Seine Lehr- und Forschungsgebiete sind insbesondere Makroökonomie, Geld- und Währungspolitik sowie Theoriegeschichte.