Content

Literatur und zitierte Quellen zu Kapitel 4 in:

Peter Spahn

Geldpolitik, page 195 - 198

Finanzmärkte, neue Makroökonomie und zinspolitische Strategien

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4478-0, ISBN online: 978-3-8006-4479-7, https://doi.org/10.15358/9783800644797_195

Bibliographic information
184 4. Geldpolitik und Realwirtschaft ist, dass die Inflation dabei sogar weiter zurückgeführt werden konnte (Abbildung 4-34) das Ergebnis einer nun zurückhaltenden Lohnpolitik. Das Beispiel der Wirtschaftsentwicklung in Großbritannien zeigt die hohe Erfolgswirksamkeit eines kombinierten Einsatzes von Nachfrageund Angebotspolitik. Beide Politikansätze stellen keineswegs eine Alternative dar, sondern können sich in sinnvoller Weise ergänzen. Zusammenfassung 4.5.1 Bei Unterbeschäftigung und flexiblen Löhnen und Preisen kann eine Deflation eintreten. Eine Null-Untergrenze für den Nominalzins bedeutet bei anhaltender Deflation einen endogenen Anstieg des Realzinses und führt zu einer kumulativ instabilen Entwicklung. In der Deflation verstärkt sich die Vermögensumverteilung von Schuldnern zu Gläubigern. Schuldner werden zahlungsunfähig, Kreditketten brechen zusammen; die zunehmende Geldhaltung als in der Deflation profitabelste Investitionsstrategie kann die Wirtschaft über eine Liquiditätskrise in den Zusammenbruch treiben. In der Deflation sollte die Notenbank das Geldmengenwachstum über eine Offenmarktpolitik in langfristigen Titeln fördern und dadurch eine expansive Fiskalpolitik unterstützen. Die Lohnpolitik sollte keine absoluten Lohnkürzungen zulassen. 4.5.2 Auch bei struktureller Arbeitslosigkeit kann eine expansive Nachfragepolitik zu einer dauerhaften Beschäftigungssteigerung führen, wenn eine Flexibilität des Arbeitsmarktes gesichert ist und zusätzliches Arbeitspotenzial im Produktionsprozess qualifiziert wird. Temporär entstehen jedoch Effizienzverluste in den Unternehmen, die einen Kosten- und Preisdruck bewirken. Für die Arbeitsmarktpolitik ergibt sich die Aufgabe, der Dequalifizierung der Arbeitslosen entgegenzuwirken und sich an den unternehmerischen Kosten der Wiedereingliederung von Arbeitslosen in das Beschäftigungssystem zu beteiligen. Oft ist der Hysteresis-Effekt jedoch asymmetrisch; die Wiedereingliederung von strukturell Arbeitslosen misslingt. Der Stellenwert des Vollbeschäftigungsziels nimmt damit zu, weil seine Verletzung auch langfristige Kosten mit sich bringt. Literatur und zitierte Quellen zu Kapitel 4 Ball, L. (1991): The Genesis of Inflation and the Costs of Disinflation. Journal of Money, Credit, and Banking, 23, 439-452. Ball, L. (1997): Disinflation and the NAIRU. In: Romer, C. D. / Romer, D. H., Hg.: Reducing Inflation Motivation and Strategy. Chicago, 167-185. Ball, L. (1999): Aggregate Demand and Long-Run Unemployment. Brookings Papers on Economic Activity, 2, 189-251. Blanchard, O. J. (1991): Wage Bargaining and Unemployment Persistence. Journal of Money, Credit, and Banking, 23, 277-292. Blanchard, O. J. / Illing, G. (2009): Makroökonomie. 5. Aufl. München. Kap. 6, 8-9, 23, 28. Bofinger, P. (2001): Monetary Policy Goals, Institutions, Strategies, and Instruments. Oxford, Kap. 5. 6 12 24 41 _S pa hn - B g 6 Literatur 185 Bofinger, P. u.a. (2004): Das BMW-Modell Neukeynesianische monetäre Makroökonomie für die Lehre. Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 33, 574-581. Carlin, W. / Soskice, D. (2006): Macroeconomics Imperfections, Institutions and Policies. Oxford, Kap. 2.6, 3, 4. De Grauwe, P. (2009): Economics of Monetary Union. 8. Aufl. Oxford. De Grauwe, P. / Costa Storti, C. (2007): Monetäre Politik und reale Ökonomie. In: Schettkat, R. / Langkau, J., Hg.: Aufschwung für Deutschland. Bonn, 49-80. De Long, J. B. (1999): Should We Fear Deflation? Brookings Papers on Economic Activity, 225- 252. Europäische Zentralbank (2008): Produktivitätsentwicklung und Geldpolitik. Monatsbericht Januar, 67-80. Europäische Zentralbank (2010): Die "Große Inflation" − Lehren für die Geldpolitik. Monatsbericht Mai, 111-124. Europäische Zentralbank (2011): Entwicklung des Produktionspotenzials. Monatsbericht Januar, 79-92. Fischer, S. (1985): The Problem of Disinflation. Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 105, 123-131. Franz, W. (1996): Theoretische Ansätze zur Erklärung der Arbeitslosigkeit. In: Gahlen, B. u.a., Hg.: Arbeitslosigkeit und Möglichkeiten ihrer Überwindung. Tübingen, 3-45. Friedman, M. (1968): Die Rolle der Geldpolitik. In: Ders.: Die optimale Geldmenge und andere Essays. Frankfurt 1976, 135-156. Friedman, M. (2002): Comment on Gaspar and Issing. Australian Economic Papers, 41, 366-368. Galbraith, J. K. (1997): Time to Ditch the NAIRU. Journal of Economic Perspectives, 11, 1, 93- 108. Goodfriend, M. / King, R. G. (2005): The Incredible Volcker Disinflation. Journal of Monetary Economics, 52, 981-1015. Horn, G. / Tober, S. (2007): Wie stark kann die deutsche Wirtschaft wachsen? Zu den Irrungen und Wirrungen der Potenzialberechnung. IMK-Report 17. Hume, D. (1752): Of Money. In: Writings in Economics. Madison 1970. Issing, O. (2011): Einführung in die Geldtheorie. 15. Aufl. München, Kap. VII.1-3, 10-12. Jarchow, H.-J. (2010): Grundriss der Geldtheorie. 12. Aufl. Stuttgart, Kap. V.2-3. Keynes, J. M. (1923): Ein Traktat über Währungsreform. München / Leipzig 1924. Keynes, J. M. (1936): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. Berlin 2009. Lucas, R. E. (1996): Monetary Neutrality. Journal of Political Economy, 104, 661-682. Mankiw, N. G. (2001): The Inexorable and Mysterious Tradeoff Between Inflation and Unemployment. Economic Journal, 111, C45-C61. Mill, J. S. (1871): Principles of Political Economy. 7. Aufl., Fairfield 1987. Romer, D. (2000): Keynesian Macroeconomics Without the LM Curve. Journal of Economic Perspectives, 14, 2, 149-169. Sachverständigenrat (2005): Die Chance nutzen Reformen mutig voranbringen. Jahresgutachten 2005/06. Stuttgart, Kap. 3.VI. Schettkat, R. / Sun, R. (2009): Monetary Policy and European Unemployment. Oxford Review of Economic Policy, 25, 1, 94-108. 7 12 24 41 _S pa hn - B g 7 186 4. Geldpolitik und Realwirtschaft Solow, R. M. (1998): How Cautious Must the Fed Be? In: Solow, R. M. / Taylor, J. B., Hg.: Inflation, Unemployment, and Monetary Policy. Cambridge / London 1999, 1-28. Stiglitz, J. E. (1997): Reflections on the Natural Rate Hypothesis. Journal of Economic Perspectives, 11, 1, 3-10. Tobin, J. (1972): Inflation und Arbeitslosigkeit. In: Nowotny, E., Hg.: Löhne, Preise, Beschäftigung. Frankfurt 1974, 213-241. Webster, D. (2005): Long-Term Unemployment, the Invention of "Hysteresis" and the Misdiagnosis of Structural Unemployment in the UK. Cambridge Journal of Economics, 29, 975 995. Wicksell, K. (1898): Geldzins und Güterpreise − Eine Studie über die den Tauschwert des Geldes bestimmenden Ursachen. München 2006. Woodford, M. (2009): Convergence in Macroeconomics − Elements of the New Synthesis. American Economic Journal: Macroeconomics, 1, 267-279. Kapitel 5 Strategien der Geldpolitik Kapitelüberblick Nachdem im vorangegangenen Kapitel die gesamtwirtschaftlichen Wirkungen zinspolitischer Impulse behandelt wurden, geht es nun um die Frage, welche Politikkonzeption eine Notenbank verfolgen kann. Die Grundlage einer jeden Politikkonzeption ist die Wahl und Bewertung der Ziele. Bei diesen Entscheidungen ist die Notenbank jedoch nicht völlig frei; als Institution ist sie in den Prozess der wirtschaftspolitischen Willensbildung in einer Demokratie eingebunden. Der Grad der politischen Unabhängigkeit einer Notenbank hat Auswirkungen auf den relativen Stellenwert der Ziele Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung. Die Notenbank ist für die Geldschöpfung verantwortlich und die Geldmenge hat eine große Bedeutung insbesondere für die Preisentwicklung. Der geldpolitische Kurs kann daher vorrangig am "Zwischenziel" eines stabilitätsorientierten Geldmengenwachstums orientiert werden. Eine Reihe von Problemen hat jedoch dazu geführt, dass Geldmengenpolitik kaum noch angewendet und zunehmend durch Strategien der Zinspolitik ersetzt wird. Hierbei versucht die Notenbank, mit ihren zinspolitischen Entscheidungen direkt auf eine Stabilisierung der Preise und des Outputs hinzuwirken. Dabei lassen sich zwei Typen der Zinspolitik unterscheiden: Im ersten Fall wird eine einfache Daumenregel praktiziert, die eine quantitative Reaktion des Zinses auf Gütermarktungleichgewichte vorschreibt; im zweiten Fall werden optimale Zinsentscheidungen aus Zielfunktionen und modelltheoretisch gestützten Inflationsprognosen berechnet. Geldpolitik steht im Spannungsfeld wirtschaftlicher und politischer Interessen. Die Notenbank muss an ihrer Glaubwürdigkeit und Reputation arbeiten, damit die Gewerkschaften aus Furcht vor inflationsbedingten Reallohneinbußen nicht zu expansiver Lohnpolitik verleitet werden, die dann selbst wieder Inflationsdruck verursacht. Andererseits kann die Finanzpolitik an Inflation interessiert sein, um die Lasten einer hohen Staatsverschuldung real zu verringern. Dem steht der Wunsch der Geldvermögensbesitzer nach einem stabilen Geldwert gegenüber. 5.1 Ziele und Zielkonflikte der Geldpolitik 5.1.1 Geldwertstabilität: ökonomische Vorteile und Probleme der Operationalisierung Geldwertstabilität ist das "natürliche" Ziel einer Notenbank. Als (zumeist) staatliche Institution ist sie für die Qualität des von ihr emittierten Geldes verantwortlich; und die Erwartung der stabilen Kaufkraft einer Währung ist die wichtigste Bedingung für ihre allgemeine Ak-

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Entscheidungen von Notenbanken wirken sich nicht nur auf Geschäftsbanken, sondern auch auf das Wirtschaftsumfeld von privaten Haushalten und Unternehmen aus. Im Zentrum dieses Buches stehen folgende drei Themenbereiche:

* Finanzmärkte: Das Buch beschreibt die Rolle des Geldes in der Marktwirtschaft, die Tätigkeit der Banken sowie die Preisbildung auf Wertpapier- und Devisenmärkten. Vor diesem Hintergrund analysiert es die Wirkungsweise der geldpolitischen Instrumente.

* Ein „neuer Konsens“ in der Makroökonomie begreift nicht die Geldmenge, sondern den Zins als Hauptinstrument der Geldpolitik. Damit wird das traditionelle IS-LM-Modell durch einen Drei-Gleichungs-Ansatz ersetzt, in dem das Verhalten der Notenbank durch eine zinspolitische Reaktionsfunktion beschrieben wird.

* Die Konzeption zinspolitischer Strategien als Richtschnur für tagespolitische Entscheidungen der Notenbank berücksichtigt dabei wirtschaftspolitische Ziele, unterschiedliche Vorstellungen über die Funktionsweise einer Geldwirtschaft sowie Erfahrungen mit der Wirkungsweise geldpolitischer Instrumente.

Der Autor

Prof. Dr. Heinz-Peter Spahn, Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftspolitik, an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Seine Lehr- und Forschungsgebiete sind insbesondere Makroökonomie, Geld- und Währungspolitik sowie Theoriegeschichte.