Content

Fallbeispiel: Mit Manpower zum flexiblen Weltbild in:

Ewald Scherm, Stefan Süß

Personalmanagement, page 51 - 53

2. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3708-9, ISBN online: 978-3-8006-4474-2, https://doi.org/10.15358/9783800644742_51

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

Bibliographic information
3 Personalfreisetzung 43 widerspiegelt. Wer nachhaltig attraktiv ist, erhält die besten Mitarbeiter und erreicht damit hervorragende Leistungen und letztendlich ausgezeichnete Ergebnisse. Wie ist diese Aussage zu beurteilen? 6. Welche grundlegenden Formen der Personalfreisetzung lassen sich unterscheiden? 7. Wie sind die Bildung von Personalpools und die Überleitung freigesetzter Mitarbeiter in Zeitarbeitsunternehmen aus Mitarbeitersicht zu beurteilen? Fallbeispiel: Mit Manpower zum flexiblen Weltbild Die Verlagsgruppe Weltbild muss in ihrem stark saisonalen Versandgeschäft kurzfristig hohe Bedarfsspitzen abdecken. Im Rhythmus der aufwändigen Direktmarketingmaßnahmen „atmen“ die Bereiche Call-Center, Kundendienst, Lager, Versand, Filialdistribution und Retouren. Diese Bereiche lösen das Problem der ausgeprägten Personalbedarfsschwankungen mit zeitlich begrenzter Beschäftigung und Arbeitnehmern auf der Basis des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes in einer Größenordnung von mehreren hundert gleichzeitig eingesetzten Zeitarbeitnehmern. Im November 1999 war bei Weltbild jedoch mit einem Rekordbedarf von über 900 Zeitarbeitnehmern die Belastungsgrenze der Personalabteilung erreicht. Deshalb wurden – zusammen mit dem Betriebsrat – drei Alternativen für die zukünftige Deckung des kurzfristig und saisonal schwankenden Personalbedarfs auf einem lokalen Arbeitsmarkt mit spürbaren Engpässen diskutiert; die relevanten Merkmale der Alternativen sind in Abbildung II.6 zusammengefasst. Einigkeit bestand über eine „Personalpolitik der mittleren Linie“, d. h. moderaten Ausbau des Stammpersonals; befristete Einstellungen und Hire-and-Fire-Methoden wurden verworfen. Damit musste auch in Zukunft auf Zeitarbeitnehmer zurückgegriffen werden, wobei im Hinblick auf die Verfügbarkeit und die Erfüllung der Anforderungsprofile größere Sicherheit und Verlässlichkeit gefordert war. Angestrebt war ferner die „Optimierung der Kosten für Zeitarbeit“. Die Entscheidung fiel für das On-Site-Management als strategische Kooperation mit dem leistungsstarken Zeitarbeitshauptanbieter Manpower, der mit einem Büro im Unternehmen die Disposition, Einweisung, Betreuung und Verwaltung des Zeitpersonals übernimmt. Manpower ist verpflichtet, den geplanten Personalbedarf in ganz konkreten Bedarfskategorien zur Verfügung zu stellen, und übernimmt für nicht bereit gestellte Zeitarbeitskapazität die Haftung. Zur Bedarfsdeckung zieht Manpower inzwischen sieben weitere Zeitarbeitsunternehmen als Co-Anbieter im Rahmen des Teil II – Planung, Beschaffung, Freisetzung 44 On-Site-Rahmenvertrags heran. Die Bereitstellung von Zeitarbeitskräften erfolgt auf der Grundlage eines Jahresarbeitszeitkontingents, so dass Sonderzahlungen für Überstunden, Schicht- und Samstagszulagen nicht anfallen. Die gesteckten Ziele – Optimierung der Zeitarbeit in Bezug auf Flexibilität, Quantität, Qualität, Administration und Kosten – wurden klar übertroffen. Sowohl Weltbild als auch die Zeitarbeitspartner bewerten die Zusammenarbeit als sehr gut. Der Betriebsrat steht den Zeitarbeitnehmern als Ansprechpartner zur Seite. Am Arbeitsmarkt Augsburg hat die Zeitarbeit einen großen Schritt vom Schattendasein zur akzeptierten Beschäftigungsalternative gemacht und sich als durchaus effiziente Rekrutierungsform erwiesen. Allein im Jahr 2001 wurden rund 100 (etwa 15 %) Zeitarbeitnehmer übernommen. Einsatz von Zeitarbeitskräften im On-Site-Management Aufgaben Systemleistung durch einen oder mehrere Dienstleister Einsatz von Aushilfen, befristeten und unbefristeten Arbeitnehmern Personalbeschaffung, -verwaltung, -abrechnung, -betreuung Einzelüberlassung von Zeitarbeitskräften mit einzelnen Zeitarbeitsunternehmen kein Beschaffungsaufwand, hoher Dienstleistungsauf- Organisatorische Ände- Dienstleister übernimmt vor Ort das Beschaffung, Verwaltung und wand für Bestellung und Verwaltung für jeden einzelnen Dienstleister Disposition und Verwaltung bindet Kaparungen operative Zeitarbeitsgeschäft und entlastet die Personalabteilung Betreuung bindet Kapazitäten in der Personalabteilung zitäten in der Personalabteilung. Entlastung durch Koordinatoren möglich Rechtliche Bedingungen Einsatz der Arbeitnehmer nach AÜG Kündigungsschutz ab siebtem Monat, Einsatz von Aushilfen Einsatz der Arbeitnehmer nach AÜG für max. sechs Monate (nach Tarifvertrag) Wirtschaftliches Risiko Abhängigkeit von einem starken Partner hoch, durch Fehlzeitenausfälle, Kündigungsfristen gering, da Risikoverteilung auf mehrere Partner Kosten hoher Einarbeitungsaufwand, keine Zusatzkosten für Ausbau der Personalabteilung, Kosten für Infrastruktur On-Site (Raum und Technik) Zusatzkosten für Ausbau der Personalabteilung, hoher Einarbeitungs- und Handlingsaufwand Zusatzkosten für Ausbau der Personalabteilung, hoher Einarbeitungs- und Handlingsaufwand Abb. II.6: Alternativen der Personalbedarfsdeckung der Weltbild GmbH (Quelle: Feldmann, Ludger/Vomvell, Toni: Mit Manpower zum flexiblen Weltbild, in: Personalwirtschaft 29 (5/2002), S. 54–57) 3 Personalfreisetzung 45 Fragen zum Fallbeispiel 1. Welche Instrumente eignen sich für die Personalbedarfsplanung bei der Weltbild GmbH? 2. Welchen Einfluss hat die Arbeitsmarktsituation auf die Bewertung der drei Alternativen zur Bedarfsdeckung? 3. Wie beurteilen Sie die Entscheidung der Weltbild GmbH? 4. Weltbild und die Zeitarbeitsanbieter sind mit der On-Site- Lösung zufrieden. Wie schätzen Sie diese Zusammenarbeit aus Sicht der Mitarbeiter ein? 5. Welche Gründe könnten zur Übernahme von Zeitarbeitnehmern im Jahr 2001 geführt haben? Wie beurteilen Sie diese Rekrutierung aus Sicht von Weltbild und Manpower?

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Moderne Methoden des Personalmanagements.

Dieses Buch gibt Ihnen einen umfassenden und aktuellen Überblick über das Personalmanagement. Es ist in elf Teile gegliedert, die den Stand der Diskussion in den wesentlichen personalwirtschaftlichen Aufgabenfeldern widerspiegeln:

* Personalmanagement und Personaltheorie

* Personalplanung, -beschaffung und -freisetzung

* Personalauswahl, -einführung und -zuweisung

* Personalbeurteilung

* Ausbildung und Personalentwicklung

* Vergütung und Arbeitszeit

* Personalführung

* internationaler Personaleinsatz

* Mitbestimmung

* Personalcontrolling

* Personalorganisation

Alle Teile sind in sich geschlossen, vorangestellte Überblicke und Lernziele sowie abschließende Kontrollfragen sollen das Verständnis verbessern. Die Fallbeispiele am Ende jedes Teils erleichtern den Praxistransfer. Die Marginalientexte auf jeder Seite ermöglichen es Ihnen zudem, Inhalte auf einen Blick zu erfassen. Das Buch kann Sie daher durch Studium und Beruf begleiten.

Die Autoren

Professor Dr. Ewald Scherm ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Planung an der FernUniversität in Hagen.

Professor Dr. Stefan Süß ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Personal an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.