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Fallbeispiel: Personalmanagement in der Steinzeit in:

Ewald Scherm, Stefan Süß

Personalmanagement, page 25 - 27

2. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3708-9, ISBN online: 978-3-8006-4474-2, https://doi.org/10.15358/9783800644742_25_1

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

Bibliographic information
4 Personaltheorie 15 Kontrollfragen zu Teil I 1. Was versteht man unter Personalmanagement? 2. Welche Ziele sollen durch das Personalmanagement erreicht wer den? 3. Worin bestehen die Rahmenbedingungen des Personalmanagements? Wie beeinflussen Arbeitsmarkt und Wertewandel das Personalmanagement? 4. Welche zentralen Annahmen kennzeichnen die beiden dominanten theoretischen Richtungen im Personalmanagement? Fallbeispiel: Personalmanagement in der Steinzeit Eine Abends entwickelte sich ein Gespräch unter den Aynshents, einer prähistorischen Sippe. Eine der Frauen erklärte, sie habe eine Methode entdeckt, um eine viel größere Maisernte durch sorgfältigere Vorbereitung des Bodens zu erzielen. Um die Erträge jedoch noch weiter zu steigern, benötigte sie eine größere Anzahl an Arbeitskräften, die das Land bearbeiten. Man erwartete zwar einige Neugeburten in dem kleinen Stamm, aber diese würden erst in einigen Jahren arbeitsfähig sein. Vielleicht sollte der Stamm einige der Reisenden fangen, die ab und zu hier vorbeikamen, und sie zwingen, für den Stamm zu arbeiten. Die Frau sei bereit, so sagte sie, eine solche Expedition zu organisieren und zu leiten. Anderenfalls könne ja einer ihrer Brüder, der sich in letzter Zeit als hoffnungsloser Versager beim Jagen erwiesen hatte, einige landwirtschaftliche Fähigkeiten entwickeln und nicht weiterhin seine Zeit damit vergeuden, Tiere zu verfolgen, die ihm fast immer davonliefen. Auch hoffte der älteste Bruder, eine starke junge Frau von der anderen Seite des Tals als Lebensgefährtin zu bekommen, die sich dann der Sippe anschließen würde. In diesem Fall würden sie eine weitere Arbeitskraft gewinnen und gleichzeitig ein größeres Geburtenpotenzial erzielen. Dazu komme noch, dass eine Allianz mit der Familie dieser Frau wahrscheinlich dem Stamm spezifisches Medizinmann-Fachwissen zur Verfügung stellen werde, mit dessen Hilfe die Leute jenseits des Tals den anderen beim Aufspüren von Beuteherden zuvorkämen. Weiterhin sah es so aus, als ob die Frau Wissen darüber besaß, wo man wild wachsende Nüsse und Früchte finden und sammeln konnte. Eine Verbindung mit dieser Familie würde auch dem kleinen Stamm helfen, die Eindringlinge abzuwehren, die in letzter Zeit im Tal erschienen waren und den anderen die knappen Quellwasservorräte streitig machten. Die zukünftige Braut war der Familie ihres voraussichtlichen Lebensgefährten schon gut bekannt und auf beiden Seiten bestanden Sympathie und Vertrauen. Teil I – Personalmanagement und Personal theorie 16 Es herrschte allgemein die Ansicht, dass diese Verbindung dem Stamm nicht nur eine weitere Arbeitskraft liefern würde, die zudem über wertvolles Wissen, Fähigkeiten und Geburten- „Potenzial“ verfügte, sondern durch ihre Anwesenheit auch das allgemeine positive und kooperative Stammesklima noch verbessern würde. Einen Tag nachdem die Aynshents am Lagerfeuer darüber geredet hatten, wie man die Versorgung der Familie verbessern könnte, begegnete die Schwester, welche die Diskussion angeregt hatte, dem Bruder, dessen Jagdfähigkeiten am Abend zuvor in Frage gestellt worden waren. Als der Mann sie auf sich zukommen sah, wandte er ihr den Rücken zu. Sofort vermutete sie, seine Gefühle verletzt zu haben, weil sie gesagt hatte, er sei eher für die Landwirtschaft als für die Jagd geeignet. Als es ihr aber schließlich gelang, ihn zum Reden zu bewegen, bemerkte sie, dass er viel tiefer verletzt war. Er sprach der übrigen Familie jegliches Recht ab, seine Fähigkeiten zu beurteilen. Besonders aber pochte er darauf, dass die Tatsache, die ältere Schwester zu sein, ihr keinerlei Sonderstellung in der Gruppe sichere. Sie antwortete, es sei ihr lediglich darum gegangen, für jedes Mitglied des Stammes bessere Lebensbedingungen zu schaffen, indem sie eine Möglichkeit habe finden wollen, wie man die menschliche Arbeitskraft optimal nutzen könne. Der Mann hörte ihr sorgfältig zu, forderte sie aber dann heraus, doch einmal die Frage zu beantworten, warum er denn eigentlich in erster Linie als Jäger, der das Fleisch heimbrachte, oder als Bauer, der Feldfrüchte anbaute, betrachtet werden sollte. Warum könne man ihn nicht einfach in seinem Selbstwert respektieren? Das tue man doch, versicherte sie. Wenn das so ist, antwortete er, könne er dann nicht einfach seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: den Wolken nachschauen oder darüber nachdenken, wie man die Götter dazu bringen könnte, dem Stamm ein wohlwollendes Auge zu schenken. Das – so sagte die Schwester – ist unmöglich. Andere Familienmitglieder würden einfach nicht akzeptieren, dass sie arbeiten sollten, um einen Mann zu unterhalten, der selbst nicht bereit sei zu arbeiten. Daraufhin stürmte der Bruder aus der Höhle und trat zum Abschied seiner Schwester Staub ins Gesicht. Er lief davon, auf der Suche nach anderen Familienmitgliedern, die mit ihm einer Meinung sind, dass man sich bestimmten Machtverschiebungen innerhalb der Gruppe unbedingt widersetzen sollte. (Quelle: Watson, Tony: Organisations, strategies and human resourcing, in: Leopold, John/Harris, Lynette/Watson, Tony (Hrsg.): The Strategic Managing of Human Resources, Edingburgh 2005, S. 6–33) 4 Personaltheorie 17 Fragen zum Fallbeispiel 1. Welche Aufgaben des Personalmanagements werden in dem Fall angesprochen? 2. Lassen sich bei den Aynshents Verfügbarkeits- und/oder Wirksamkeitsprobleme erkennen? 3. Welchen Rahmenbedingungen unterliegt das Personalmanagement bei den Aynshents? 4. Wie lässt sich das Verhalten des Bruders vor dem Hintergrund der Verhaltensannahmen der verhaltenswissenschaftlichen Personalwirtschaftslehre und der Personalökonomik interpretieren?

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Zusammenfassung

Moderne Methoden des Personalmanagements.

Dieses Buch gibt Ihnen einen umfassenden und aktuellen Überblick über das Personalmanagement. Es ist in elf Teile gegliedert, die den Stand der Diskussion in den wesentlichen personalwirtschaftlichen Aufgabenfeldern widerspiegeln:

* Personalmanagement und Personaltheorie

* Personalplanung, -beschaffung und -freisetzung

* Personalauswahl, -einführung und -zuweisung

* Personalbeurteilung

* Ausbildung und Personalentwicklung

* Vergütung und Arbeitszeit

* Personalführung

* internationaler Personaleinsatz

* Mitbestimmung

* Personalcontrolling

* Personalorganisation

Alle Teile sind in sich geschlossen, vorangestellte Überblicke und Lernziele sowie abschließende Kontrollfragen sollen das Verständnis verbessern. Die Fallbeispiele am Ende jedes Teils erleichtern den Praxistransfer. Die Marginalientexte auf jeder Seite ermöglichen es Ihnen zudem, Inhalte auf einen Blick zu erfassen. Das Buch kann Sie daher durch Studium und Beruf begleiten.

Die Autoren

Professor Dr. Ewald Scherm ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Planung an der FernUniversität in Hagen.

Professor Dr. Stefan Süß ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Personal an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.