1.1 Begriff, Abgrenzung und Aufgabenstellung der „landwirtschaftlichen Marktlehre“ in:

Ulrich Koester

Grundzüge der landwirtschaftlichen Marktlehre, page 13 - 23

4. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3764-5, ISBN online: 978-3-8006-4470-4, https://doi.org/10.15358/9783800644704_13

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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Kapitel 1: Einführung 1.1 Begriff, Abgrenzung und Aufgabenstellung der „landwirtschaftlichen Marktlehre“ Das Lehr- und Forschungsgebiet der landwirtschaftlichen Marktlehre hat sich als eigenständige Disziplin nach einer unterbrochenen Anlaufphase in den 20er und frühen 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts erst nach dem Zweiten Weltkrieg an deutschen Universitäten etabliert. Die im Zeitablauf zunehmende Wechselbeziehung zwischen der Landwirtschaft und den übrigen Teilen der Volkswirtschaft führt zu einer steigenden Bedeutung der Entwicklung auf den Agrarmärkten für die Landwirtschaft einerseits und für die Volkswirtschaft andererseits. Es ist daher verständlich, dass der erhöhte Bedarf an Informationen über die landwirtschaftlichen Märkte einhergeht mit steigenden Forschungsaktivitäten. Das Lehr- und Forschungsgebiet der landwirtschaftlichen Marktlehre ist daher – zunächst als Teildisziplin des Faches Agrarpolitik – seit den 50er Jahren als selbständiges Fach an den deutschen agrarwissenschaftlichen Fakultäten vertreten. Die historische Entwicklung hat zu einer speziellen Ausprägung des Faches beigetragen. Während die Marktlehre in der Form des Marketings an den Wirtschaftsund Sozialwissenschaftlichen Fakultäten mehr betriebswirtschaftlich ausgerichtet ist, dominiert in der landwirtschaftlichen Marktlehre die Makrosicht. Die Ergebnisse der betrieblichen Marktlehre zielen vornehmlich auf Entscheidungshilfen für einzelne Unternehmer hin; Forschungsergebnisse der landwirtschaftlichen Marktlehre dienen dagegen verstärkt den politischen Entscheidungsträgern. Allerdings sind sie für den landwirtschaftlichen Unternehmer auch wichtig, da sie ihm Informationen über den ökonomischen Datenkranz, z. B. über die zu erwartende Entwicklung der Preise, geben und ihm aufzeigen können, wie durch kollektive Aktivitäten möglicherweise das Marktergebnis für ihn selbst und häufig auch für die Volkswirtschaft insgesamt verbessert werden kann. Das Fach „landwirtschaftliche Marktlehre“ wäre überflüssig, wenn Agrarmärkte stets vollkommen funktionieren würden. Es würde dann weder für den einzelnen Landwirt ein Bedarf an Information geben, noch gäbe es für den Politiker einen Grund, in die Märkte einzugreifen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass Märkte – und insbesondere einzelne landwirtschaftliche Produkt- und Faktormärkte – nicht stets zufrieden stellend funktionieren, ja mitunter sich gar nicht herausbilden. Es ist daher eine der wichtigen Aufgaben des Forschungsgebietes der landwirtschaftlichen Marktlehre aufzuzeigen, wie die Funktionsweise der Märkte verbessert werden kann. Im Gegensatz zum angelsächsischen Sprachraum hat sich in Deutschland der einzelbetriebliche Bereich der landwirtschaftlichen Marktforschung zeitlich später entwickelt und hat erst durch die Zunahme der Bedeutung der Direktvermarktung, insbesondere auch von ökologisch produzierten Lebensmitteln, an Dynamik ge- 2 Kapitel 1: Einführung wonnen. Einzelne landwirtschaftliche Unternehmer betreiben sehr viel weniger selbständige Absatzpolitiken als Unternehmer im gewerblichen Bereich. In der Regel betrachten landwirtschaftliche Unternehmer in unserer Volkswirtschaft Marktdaten als für sie gegeben, da sie aufgrund des geringen einzelbetrieblichen Marktanteils kaum Möglichkeiten der Marktbeeinflussung sehen. Einzelbetriebliche Forschungsansätze im Bereich der landwirtschaftlichen Marktlehre konzentrieren sich daher zunächst vornehmlich auf die Ernährungsindustrie und weniger auf den Bereich der landwirtschaftlichen Urproduktion, wie es die makroökonomisch orientierte landwirtschaftliche Marktforschung tut. Doch hat die Änderung der Nachfrage nach Lebensmitteln in Richtung ökologischer Produkte zu Produkten bestimmter regionaler Herkunft und auch zu Produkten, die mit bestimmten Produktionsverfahren oder aus bestimmter Tierhaltung stammen, geführt. Hierdurch sind Marktnischen entstanden, und damit hat die Bedeutung einzelbetrieblicher Marketingforschung zugenommen. Da die landwirtschaftliche Marktlehre im Zuge der wissenschaftlichen Arbeitsteilung aus dem Fach Agrarpolitik ausgegliedert wurde, untersucht sie weitgehend das gleiche Forschungsobjekt wie die Agrarpolitik. Die Beziehung zwischen den beiden Gebieten „Agrarpolitik“ und „Marktlehre“ lässt sich am besten aufzeigen, wenn zunächst geklärt wird, was unter wissenschaftlicher Agrarpolitik zu verstehen ist. Die wissenschaftliche Agrarpolitik hat die praktische Agrarpolitik zum Forschungsobjekt. Die Aufgabe der praktischen Agrarpolitik können wir in enger Anlehnung an H. Giersch wie folgt definieren: Agrarpolitik ist die Gesamtheit aller Bestrebungen, Handlungen und Maßnahmen, die darauf abzielen, den Ablauf des Wirtschaftsgeschehens im Agrarsektor zu ordnen, zu beeinflussen oder unmittelbar festzulegen. Agrarpolitische Aktivitäten versuchen damit, Aufstellung und Vollzug von privaten Wirtschaftsplänen dergestalt zu verändern, dass das Ergebnis der einzelwirtschaftlichen Aktivitäten zu einer gewünschten gesamtwirtschaftlichen Situation (Sollsituation) führt. Die praktische Agrarpolitik hat somit mehrere charakteristische Merkmale (nach M. Streit): Sie ist ein Teilbereich der praktischen Politik und setzt damit Macht im Rahmen eines Systems sozialer Beziehungen bei denjenigen, die erfolgreich praktische Agrarpolitik betreiben, voraus. Sie ist darauf gerichtet, Ziele zu erreichen, die sich in der Regel auf wirtschaftliche Sachverhalte beziehen und auf Oberziele zurückgeführt werden können. Sie basiert auf mehr oder weniger gesicherten Vermutungen über ökonomische Wirkungszusammenhänge, die zwischen Zielen und Mitteln bestehen. Sie ist das Ergebnis politischer Willensbildungsprozesse, die ihre Eigengesetzlichkeiten haben können. Der Erkenntnisgegenstand praktischer Agrarpolitik stellt der wissenschaftlichen Agrarpolitik folgende Aufgaben: Im Rahmen der wissenschaftlichen Agrarpolitik wird versucht, das Objekt zu beschreiben und zu erklären (positive Analyse). In der ersten Phase kann somit aufgezeigt werden, wer in einem gegebenen Raum zu bestimmter Zeit Agrarpolitik betreibt (d. h. agrarpolitischer Träger ist), welche Entscheidungen gefällt werden 1.1 Begriff, Abgrenzung und Aufgabenstellung 3 und welche Ergebnisse sich einstellen. In der folgenden Phase kann erklärt werden, warum sich bestimmte Träger herausbilden und warum bestimmte Entscheidungen fallen. Es ist verständlich, dass diese Aufgabe von der wissenschaftlichen Agrarpolitik nicht nur allein mit Kenntnis ökonomischer Gesetzmäßigkeiten gelöst werden kann. Oben wurde bereits darauf hingedeutet, dass die praktische Agrarpolitik einen Teilbereich der allgemeinen Politik darstellt. Daraus folgt bereits, dass eine Erklärung agrarpolitischer Aktivitäten nur dann möglich ist, wenn man die allgemeinen politischen Zusammenhänge berücksichtigt. Die wissenschaftliche Agrarpolitik kann sich zur Aufgabe setzen, die Ziele der praktischen Agrarpolitik einer Analyse zu unterziehen (normative Analyse). Welchen Beitrag der Wissenschaftler in dieser Hinsicht leisten kann, wird weiter unten in diesem Kapitel, wenn zur Werturteilsproblematik und zur allgemeinen Aufgabe der Wissenschaftler Stellung genommen wird, zu diskutieren sein. Die wissenschaftliche Agrarpolitik kann bei vorgegebenen Zielen untersuchen, ob eine gegebene Situation mit den Zielen im Einklang steht. Dieser Bereich wird zur agrarpolitischen Diagnose gerechnet. Eine wissenschaftliche agrarpolitische Diagnose (Vergleich von Wunsch- mit Ist-Situation) kann sich aber in der Regel nicht nur auf die gegenwärtige Situation beschränken. Agrarpolitische Aktivitäten sind grundsätzlich zukunftsgerichtet. Zwischen dem Einsatz einer Aktivität und deren Wirkung wird in der Regel eine Zeitdifferenz auftreten, so dass stets geprüft werden muss, welche Situation sich zukünftig einstellen wird und ob diese Situation ohne agrarpolitische Aktivitäten der Wunschsituation entsprechen wird (Status quo-Prognose). Die wissenschaftliche Agrarpolitik kann darüber hinaus erforschen, mit welchem Instrumenteneinsatz die Realsituation der Wunschsituation am besten angepasst werden kann. Diese Aufgabe des wissenschaftlichen Agrarpolitikers ist vergleichbar mit der Aufgabe eines Mediziners, der eine Therapie empfiehlt (Wirkungsprognose eines Instrumenteneinsatzes). Die enge Verzahnung von Agrarpolitik und Marktlehre wird deutlich, wenn wir an obige Definition der praktischen Agrarpolitik anknüpfen. Es wurde gesagt, dass durch die praktische Agrarpolitik Aufstellung und Vollzug von Wirtschaftsplänen im Agrarsektor beeinflusst werden sollen. Der Vollzug der Wirtschaftspläne zeigt Wirkungen auf den Agrarmärkten. Die Agrarmärkte sind aber der Erkenntnisgegenstand der landwirtschaftlichen Marktlehre. Daraus folgt, dass die landwirtschaftliche Marktlehre Probleme untersucht, die auch zum Erkenntnisgegenstand der wissenschaftlichen Agrarpolitik gehören. Die landwirtschaftliche Marktlehre ist daher weitgehend als eine Teilmenge der wissenschaftlichen Agrarpolitik zu betrachten. Die enge Verbindung zwischen diesen beiden Disziplinen soll durch die Umschreibung der Arbeitsgebiete der landwirtschaftlichen Marktlehre verdeutlicht werden. Im Bereich der sektoral orientierten landwirtschaftlichen Marktlehre lassen sich analog zur wissenschaftlichen Agrarpolitik Forschungsbereiche der positiven oder normativen Analyse umreißen. (1) Die landwirtschaftliche Marktkunde: Es wird beschrieben, was sich zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten auf den Märkten ereignet. Die landwirt- 4 Kapitel 1: Einführung schaftliche Marktkunde vermittelt in erster Linie Informationen über das Marktgeschehen. (2) Grundlagen der landwirtschaftlichen Marktlehre oder Theorie der landwirtschaftlichen Marktlehre: Hier wird versucht, die Realsituation zu erklären. Fragestellung ist also nicht, was auf den Märkten ist, sondern warum sich eine gegebene Situation eingestellt hat. Zu dieser Aufgabenstellung gehört auch die Beantwortung der Frage, warum sich bestimmte Märkte nicht herausgebildet haben (z. B.: Warum gibt es in Deutschland keinen Markt für Ernteversicherungen?). Die Arbeitsgebiete 1 und 2 sind zum Bereich der positiven Analyse landwirtschaftlicher Märkte zu rechnen. (3) Agrarmarktpolitik: Fragen der Agrarmarktpolitik werden dem Bereich der normativen Analyse landwirtschaftlicher Märkte zugeordnet. Analog zu dem, was für die Agrarpolitik aufgezeigt wurde, werden in der Agrarmarktpolitik die marktpolitischen Ziele einer Analyse unterzogen sowie die Eignung marktpolitischer Instrumente zur Erreichung bestimmter Ziele untersucht. Im Bereich der Agrarmarktpolitik kann aber auch eine positive Analyse vorgenommen werden. Hier wird untersucht, warum bestimmte Politiken gewählt werden, welchen Einfluss Interessengruppen haben und welche politischen Einflussfaktoren zu einer Änderung der Marktpolitik in bestimmter Richtung führen könnten. Ein Vergleich der Arbeitsgebiete der „landwirtschaftlichen Marktlehre“ und „Agrarpolitik“ zeigt nicht nur eine Gleichartigkeit der Fragestellung, sondern darüber hinaus auch die enge Verzahnung der Arbeitsgebiete: Der wissenschaftliche Agrarpolitiker benötigt die Ergebnisse der positiven Analyse der Märkte nicht nur bei der Erstellung einer agrarpolitischen Diagnose, sondern auch bei der Prognose der Wirkungen einzelner agrarpolitischer Instrumente. Zwischen der Agrarmarktpolitik und der Agrarpolitik besteht somit eine wechselseitige Beziehung: Die Verwirklichung agrarpolitischer Ziele und die Wirkung agrarpolitischer Instrumente kann einerseits weitgehend von der Ausgestaltung des agrarmarktpolitischen Instrumenteneinsatzes beeinflusst werden; andererseits wird die Wirkung des agrarmarktpolitischen Instrumenteneinsatzes von der agrarpolitischen Rahmensetzung abhängen. Die kurze Darstellung der Forschungsgebiete der makroökonomisch orientierten „landwirtschaftlichen Marktlehre“ und „Agrarpolitik“ dürfte überzeugend gezeigt haben, dass es wohl kaum möglich und auch nicht sinnvoll sein kann, eine eindeutige Trennung der beiden Disziplinen vorzunehmen. Einfacher fällt allerdings die Abgrenzung des mikroökonomisch orientierten Forschungsgebietes der landwirtschaftlichen Marktlehre, der einzelbetrieblichen Absatzlehre. Die Erkenntnisse dieses Forschungsgebietes gehen zwar auch teilweise in agrarpolitische Analysen ein, sind aber nicht selbst Gegenstand der wissenschaftlichen Agrarpolitik. Somit zeigt sich, dass dieser Teilbereich der landwirtschaftlichen Marktforschung nicht als Teilmenge der wissenschaftlichen Agrarpolitik bezeichnet werden kann. Standort und wissenschaftliche Methode der „landwirtschaftlichen Marktlehre“ Mit der Kennzeichnung der Aufgaben der landwirtschaftlichen Marktlehre dürfte bereits deutlich geworden sein, dass dieses Lehr- und Forschungsgebiet als eine 1.1 Begriff, Abgrenzung und Aufgabenstellung 5 Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften zu betrachten ist. Die landwirtschaftliche Marktlehre ist somit zu den „empirischen Wissenschaften“ zu zählen. Die Einordnung der landwirtschaftlichen Marktlehre in die Systematik der Wissenschaften ist eindeutig. Problematisch erscheint dagegen die Forschungsmethode, die in diesem Bereich eingeschlagen werden sollte. Da es hierfür keine eindeutigen Kriterien geben kann und somit mehr oder weniger der einzelne Wissenschaftler subjektiv über die Methodik entscheidet, sollen kurz mögliche Vorgehensweisen aufgezeigt und gleichzeitig die eigene Position präzisiert werden. Induktives versus deduktives Vorgehen Die methodische Vorgehensweise bei der Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Bereich der empirischen Wissenschaften war lange Zeit umstritten. Es gab einen länger andauernden Methodenstreit über die Zweckmäßigkeit induktiver oder deduktiver Vorgehensweise. Nach der induktiven Methode wird durch Beobachtung von Einzelphänomenen versucht, allgemeine Gesetzmäßigkeiten abzuleiten (Übersicht 1.1). Die deduktive Vorgehensweise dagegen versucht, allgemeine Gesetzmäßigkeiten lediglich in Form von Theorien, d. h. Aussagesystemen, die Hypothesen (= vermutete Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung) enthalten, abzuleiten. Die Einzelbeobachtungen werden dann lediglich benötigt, um die Theorien zu überprüfen. Allgemeingültige Aussage Beobachtung 1 Beobachtung 2 Beobachtung 3 Beobachtung 4 Übersicht 1.1: Induktives Vorgehen In der Übersicht 1.2 wird eine zur Übersicht 1.1 vergleichbare Darstellung gezeigt, um den Unterschied der beiden Vorgehensweisen zu veranschaulichen. Aus dem Zusammenwirken einer Vielzahl von Hypothesen, die vermutete Beziehung zwischen Ursache und Wirkung beinhalten, ergibt sich durch logische Deduktion eine abgeleitete Aussage. Natürlich kann die abgeleitete Aussage keinen allgemeinen Wahrheitsanspruch haben. Da sie auf Vermutungen aufbaut, bleibt auch sie nur eine Vermutung. Nicht zuletzt aufgrund der Arbeit von K. Popper dürfte der Methodenstreit heute weitgehend zugunsten der deduktiven Methode entschieden sein. Es wird überwiegend anerkannt, dass es erkenntnistheoretisch nicht möglich ist, aufgrund von Einzelbeobachtungen allgemeine Gesetze oder Regeln abzuleiten. Dieses gilt selbstverständlich nicht nur für die Wirtschaftswissenschaften, sondern für jede empirische Wissenschaft, wie auch die Naturwissenschaften. Nach den grund- 6 Kapitel 1: Einführung Allgemeingültige Aussage Hypothese 1 Hypothese 2 Hypothese 3 Hypothese 4 Übersicht 1.2: Deduktives Vorgehen legenden Ausführungen von Popper wird heute allgemein mit Hilfe der deduktiven Methode gearbeitet und das im Folgenden dargestellte Vorgehen akzeptiert. Inhalt und Aussagefähigkeit ökonomischer Theorien Es werden von der Theorie Aussagen über die erfahrbare Welt erarbeitet. Diese Aussagen stellen lediglich vermutete Beziehungen über die Zusammenhänge dar. Es ist deshalb grundsätzlich nicht möglich, absolut „wahre“ Aussagen aufzustellen. In den empirischen Wissenschaften, wie in der landwirtschaftlichen Marktlehre, fordert man darüber hinaus, dass die Aussagen der Theorie anhand von Fakten überprüft werden können. Es sollen somit empirisch gehaltvolle Theorien gebildet werden. Anhand der Empirie (Fakten) ist es jedoch nicht möglich, die Theorie zu verifizieren, d. h. als „wahr“ zu bestätigen. Da Theorien grundsätzlich raum- und zeitlose, allgemeingültige Aussagen treffen wollen, die Fakten aber stets raumund zeitgebunden sind, kann man aufgrund der Fakten niemals endgültig eine Theorie als „wahr“ bestätigen. Man kann lediglich feststellen, ob die Fakten mit den Aussagen der Theorie im Einklang stehen oder ihr widersprechen. Im ersten Fall wird die Theorie weiterhin als brauchbar erachtet, im zweiten Fall wird sie als falsifiziert angesehen. Abgeleitete Aussagen sind auch der Inhalt von Theorien. Wie Übersicht 1.3 zeigt, geht man bei der Theorieaufstellung von Prämissen aus, in denen Hypothesen und Definitionen enthalten sind. Eine Theorie ist demnach eine Menge logisch miteinander verbundener Hypothesen. In den Prämissen sind zum einen Definitionen von Begriffen enthalten, die bei der Theoriebildung benötigt werden, und zum anderen Hypothesen. Die Theoriebildung besteht in der Entfaltung der Prämissen. Wir können daher auch sagen, dass die Aussage der Theorie, die auf den Prämissen aufbaut, keine anderen Aussagen enthalten kann als in den Prämissen bereits enthalten sind. Wenn dennoch ein Unterschied zwischen Hypothesen und Theorien getroffen wird, dann deshalb, weil in die Aussagen der Theorien möglicherweise mehrere Hypothesen eingehen und eine Entfaltung dieser Hypothesen notwendig ist, um das Zusammenspiel der Vielzahl von Hypothesen transparent zu machen. Wissenschaftliche Erkenntnis sollte sich allerdings nicht auf die Äußerungen von reinen Vermutungen beschränken. Im Folgenden wird aufgezeigt, wie wissenschaftliche Theorien überprüft werden können. 1.1 Begriff, Abgrenzung und Aufgabenstellung 7 1.Informationsbasis Beobachtung und Sammlung von Fakten Definitionen Hypothesen 2.Prämissenaufstellung 3.Theoriebildung Entfalten der Prämissen durch logische Ableitung (abgeleitete Hypothesen oder Konklusionen) 4. Theorieprüfung Logische Prüfung der Ableitung Empirische Prüfung durch Konfrontation mit Fakten (Test) 5. Prüfungsfolgen Logische Richtigkeit Logischer Mangel Keine Falsifizierung Falsifizierung (Empirischer Mangel) Vorläufig gültige Theorie; Grundlage wirtschaftspolitischer Entscheidungen Aufgabe der Theorie Verbesserung der Informationen Verbesserung der Prämissen Beseitigung der Ableitungsfehler oder und und oder Zurückweisung 1 In Anlehnung anWoll, A., Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 13. Aufl., München 2000, S.14. Übersicht 1.3: Entstehung und Überprüfung von Theorien1) Die Überprüfung der Theorie kann (a) auf ihre logische Konsistenz erfolgen. Es wird geprüft, ob tatsächlich aufgrund der in den Prämissen enthaltenen Definitionen und Hypothesen die theoretische Aussage folgt. Stellt sich ein logischer Mangel heraus, so ist die Theorie umzuformen; das kann durch eine Änderung der Elemente der Prämissen oder auch durch eine Änderung der abgeleiteten Hypothe- 8 Kapitel 1: Einführung se, der Konklusion, erfolgen. Stellt sich die theoretische Aussage als konsistent mit den zugrunde gelegten Hypothesen heraus, so kann die Theorie (b) einem empirischen Test unterworfen werden. Hierbei könnte man so vorgehen, dass man im Einzelnen die in den Prämissen enthaltenen Hypothesen auf ihre Realitätsnähe, d. h. auf ihre Übereinstimmung mit den Fakten überprüft. Im Allgemeinen wird ein solches Vorgehen jedoch nicht eingeschlagen und auch nicht für notwendig erachtet. Da die in den Prämissen enthaltenen Hypothesen ohnehin auch in den abgeleiteten Hypothesen oder Konklusionen enthalten sind, genügt es, wenn die abgeleiteten Hypothesen einem empirischen Test unterworfen werden. Ergibt sich keine Falsifizierung, so wird die Theorie als vorläufig gültig erachtet. Sie kann dann als Grundlage der Erklärung der Realität verwendet werden. Ergibt sich eine Falsifizierung, d. h. eine Nichtübereinstimmung der Aussage der Theorie mit den Fakten, so muss die Aussage der Theorie zurückgewiesen werden. Dies kann eine Erweiterung der Prämissen erfordern und damit die Bildung einer neuen Theorie. Aus den Möglichkeiten der Überprüfung von Theorien kann man bereits ableiten, welche Merkmale „gute“ Theorien in den Sozialwissenschaften haben sollten: Sozialökonomische Theorien sollten Aussagen über die Realität machen. Sozialökonomische Theorien sollten Gesetzmäßigkeiten zumAusdruck bringen. Sozialökonomische Theorien sollten logisch widerspruchsfreie Aussagen enthalten. Sozialökonomischen Aussagen sollten zu Folgerungen führen, die getestet werden können. Diese Forderungen sind notgedrungen normativ (ausgedrückt durch das Wort ,sollen‘), da es keine Möglichkeit gibt, objektiv Kriterien festzulegen. Anhänger der induktiven Methode oder z. B. Forscher im Fach der Theologie würden einen solchen Forderungskatalog wahrscheinlich ablehnen. Daher wurde bewusst von ,sozialökonomischen Theorien‘ gesprochen. Akzeptiert man diese Überlegungen, so kann man folgern, dass jeder wissenschaftliche Fortschritt das Ergebnis theoretischer und empirischer Forschung darstellt. Vorbedingung wissenschaftlichen Fortschritts ist somit die kritische Grundhaltung des Wissenschaftlers. Nur hierdurch kann erreicht werden, dass durch kritische Überprüfung bekannter Theorien entweder ein logischer Mangel in den Theorien festgestellt oder durch Überprüfung mit den Fakten die Suche nach neuen Theorien angeregt wird. Wissenschaftliche Forschung in den empirischen Wissenschaften ist somit stets auf Erklärung der Erfahrungswelt angelegt. Daraus folgt, dass die Theoriebildung in der Regel nicht losgelöst von Fakten vorgenommen wird. Da die Forschung auf Erkenntnisgewinnung abzielt, wird sie grundsätzlich nur dann Erkenntnisse gewinnen können, wenn sie nach der Erklärung bestimmter Probleme sucht. In der Regel wird daher am Anfang der wissenschaftlichen Forschung die Problemformulierung stehen. Damit soll allerdings nicht gesagt werden, dass das Ergebnis der Forschung dann auch stets in der Erkenntnisgewinnung bezüglich des zu Beginn formulierten Problems liegt. Es kann durchaus eintreten, dass im Zuge der wissenschaftlichen Arbeit eine Umformulierung der Problemstellung stattfindet. 1.1 Begriff, Abgrenzung und Aufgabenstellung 9 Es dürfte nahe liegend sein, dass sich die Problemformulierung in der Regel durch die Beobachtung der Realität ergeben wird. Der Wissenschaftler wird daher im Bereich der empirischen Wissenschaften in zweifacher Hinsicht mit Fakten zu tun haben: Zum einen wird er durch die Beobachtung und Sammlung von Fakten zur Problemformulierung sowie zur Formulierung bestimmter Hypothesen gelangen. Zum anderen sollen die Fakten, wie bereits oben angegeben, den Falsifizierungsversuch einer Theorie ermöglichen. Aus der Tatsache, dass bereits die Beobachtung und Sammlung von Fakten in die Problemformulierung und in die Prämissenaufstellung eingehen, darf nicht gefolgert werden, dass somit doch eine induktive Vorgehensweise in empirischen Wissenschaften notwendig ist. Durch die Beobachtung und Sammlung von Fakten wird nicht, wie mit dem induktiven Vorgehen impliziert wird, von Einzelbeobachtungen auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten gefolgert. Die Fakten sollen lediglich helfen, (a) Probleme zu formulieren, d. h. aufzuzeigen, wo eine Gewinnung an Erkenntnissen notwendig erscheint, (b) realitätsnahe Hypothesen aufzustellen sowie (c) Hypothesen und Theorien zu falsifizieren. Nach diesen Ausführungen über die Vorgehensweise in den empirischen Wissenschaften scheint es notwendig, einige Anmerkungen zur Frage der Objektivität wissenschaftlicher Forschung zu machen. Zur Objektivität wissenschaftlicher Forschung In Anlehnung an K. Popper sind wissenschaftliche Sätze objektiv, wenn sie intersubjektiv nachprüfbar sind. Überprüft man die oben skizzierte wissenschaftliche Vorgehensweise im Hinblick auf diese Definition, so kann festgestellt werden, dass sowohl die Problemauswahl als auch die Prämissenaufstellung nicht notwendigerweise intersubjektiv nicht nachvollziehbar sind. Für die Auswahl der Forschungsgebiete sind neben der Neigung des Wissenschaftlers für die Bearbeitung bestimmter Probleme auch die persönliche Erfahrungswelt und die Intuition der einzelnen Forscher entscheidend. Es lassen sich aus der Geschichte der Forschung Beispiele anführen, die zeigen, dass ein bestimmter Sachverhalt bereits allgemein bekannt war, aber erst von einem ganz bestimmten Forscher daraus Erkenntnisse geschöpft worden sind (man denke z. B. an die Erfindung der Dampflokomotive). Es muss daher zugestanden werden, dass es sicherlich einen subjektiven Bereich der Wissenschaft gibt. Da aber sowohl die Problemauswahl als auch die Prämissenaufstellung nicht zu den eigentlichen wissenschaftlichen Aussagen zu rechnen sind, kann zumindest gefordert werden, dass die Aussagen der Theorie intersubjektiv nachvollziehbar sein müssen. Schließt man sich dieser Auffassung an, so gehören zum Bereich der Wissenschaft eindeutig positive Aussagen, d. h. Tatsachenaussagen. Mit Hilfe solcher Aussagen wird versucht, Auskunft über die Realität zu geben. Fraglich ist dagegen, ob auch Werturteile zum Bereich der Wissenschaft zu zählen sind. Werturteile beinhalten Aussagen darüber, wie etwas sein soll oder drücken implizit eine Norm aus (etwas ist z. B. gut, gerecht, schön). Werturteile basieren somit auf einer subjektiven Wer- 10 Kapitel 1: Einführung tung; sie sind daher intersubjektiv nicht nachvollziehbar. Was der eine für schön erachtet, kann ein anderer als hässlich ansehen. Aussagen, die Werturteile enthalten, können allerdings zumindest dann einen intersubjektiv nachvollziehbaren Aussagenteil enthalten, wenn die Norm oder allgemein das Kriterium, das die Grundlage der Wertung darstellt, in der Aussage enthalten ist. Die Aussage: „Die Einkommen der deutschen Landwirte sind zu niedrig“ stellt ein Werturteil dar, da es unterschiedliche Auffassungen darüber geben kann, was als ,zu niedrig‘ angesehen wird. Die Aussage ist somit intersubjektiv nicht nachvollziehbar und gehört nach der hier vertretenen Auffassung nicht zum Bereich der wissenschaftlichen Aussagen. In diese Aussage kann man einen intersubjektiv überprüfbaren Aussagenteil einbauen, z. B. in folgender Form: „Betrachtet man die Einkommen der Landwirte als zu niedrig, wenn das Pro-Kopf-Einkommen der in der Landwirtschaft Tätigen niedriger ist als das Pro-Kopf-Einkommen der Tätigen in der Industrie, dann waren die Einkommen der deutschen Landwirtschaft im Jahr 2004 zu niedrig“. In dieser Aussage wird zunächst die Norm aufgezeigt. Daran anschlie- ßend erfolgt eine Aussage, die mit Hilfe der Fakten überprüft werden kann. Nach der hier vertretenen Auffassung, die selbst wiederum eine Wertung enthält, sind Werturteile nicht Inhalt wissenschaftlicher Aussagen, doch können Werturteile in wissenschaftlichen Aussagen enthalten sein. Allerdings erfordert das Prinzip der intersubjektiven Nachprüfbarkeit, dass man diese Werturteile entweder als Bekenntnis aufnimmt oder hypothetisch formuliert. Hierfür sollen zwei kurze Beispiele zur Veranschaulichung gegeben werden. (a) Zum persönlichen Bekenntnis bei der Einführung von Werturteilen: Ich bezeichne eine Einkommensverteilung als gerecht, bei der jedem Menschen das gleiche Einkommen zur Verfügung steht. Im Folgenden kann dann an dieser Norm die gegenwärtige Situation geprüft werden; als Ergebnis kann konstatiert werden, dass die gegenwärtige Einkommensverteilung ungerecht ist. Die Bezeichnung ungerecht stellt sicherlich ein Werturteil dar und gehört nach oben präsentierter Auffassung nicht in den Bereich wissenschaftlicher Aussagen. Wenn aber eingangs definiert wurde, was von dem einzelnen Forscher als gerecht bezeichnet wurde, dann kann intersubjektiv nachprüfbar gezeigt werden, ob die Aussage mit der Norm im Einklang steht. (b) Hypothetische Einführung von Werturteilen: Wenn man eine Einkommensverteilung als gerecht bezeichnet, bei der jeder Person die gleiche Einkommenshöhe zur Verfügung steht, dann zeigt die gegenwärtige Situation, dass die Einkommensverteilung ungerecht ist. Auch hier ist die Aussage intersubjektiv nachvollziehbar, und sie soll nach der hier vertretenen Auffassung als wissenschaftlich anerkannt werden. Der hier vorgetragenen Auffassung werden sich all diejenigen nicht anschließen können, die einen sehr engen Wissenschaftsbegriff wählen. Fordert man z. B. von der Wissenschaft, dass sie positive Aussagen zu treffen hat, dass sie also zu sagen hat, was ist und warum es ist, dann dürfen Werturteile nicht in wissenschaftlichen Aussagen enthalten sein. Einem solch engen Wissenschaftsbegriff wird hier nicht gefolgt. Wir würden damit den Aktionsbereich der Wissenschaftler sehr stark einschränken. Wenn aber die wissenschaftliche Forschung im Bereich der Agrarpolitik und Marktlehre einen Beitrag zur Lösung der Probleme der praktischen Agrar- 1.2 Zum Aufbau des Buches 11 politik leisten soll, wird es für zweckmäßig gehalten, einen weit gefassten Wissenschaftsbegriff zu wählen. Insbesondere scheint es notwendig, dass man teleologische Werturteile, die anzeigen, ob ein bestimmter Mitteleinsatz zur Verwirklichung einer bestimmten Zielsetzung geeignet ist, zulässt. Doch selbst wenn gefordert wird, dass die wissenschaftliche Agrarpolitik und Marktlehre einen Beitrag zur Lösung der praktischen Agrarpolitik leisten sollen, muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass es wissenschaftlich kaum möglich ist, werturteilsfrei agrarpolitische Empfehlungen zu erteilen. Jede agrarpolitische Empfehlung beinhaltet eine Aussage darüber, wie eine Realsituation einer Wunschsituation angepasst werden kann. Die Wunschsituation kann nun aber nicht werturteilsfrei formuliert werden. Der Wissenschaftler hat hierbei die Möglichkeit, offiziell deklarierte Ziele als repräsentativ für eine Wunschsituation zu betrachten, oder er kann versuchen, die Zielstruktur der Gesellschaft durch empirische Forschung zu ermitteln. Schließlich kann er selbst hypothetisch eine Wunschsituation oder Ziele formulieren. In allen diesen Fällen wird seine Aussage bezüglich der agrarpolitischen Empfehlung aber normativ sein. Doch abgesehen von diesem Problem muss zusätzlich bedacht werden, dass in der Regel agrarpolitische Empfehlungen dazu führen werden, dass bei Berücksichtigung der Empfehlung sowohl begünstigte als auch benachteiligte Personen und Personengruppen betroffen werden. Da es aber keine Möglichkeit gibt, intersubjektive Nutzenvergleiche vorzunehmen, entfällt die Möglichkeit, in einem solchen Fall werturteilsfrei und intersubjektiv nachvollziehbar eine Empfehlung auszusprechen. Wollte man dem Kriterium der intersubjektiven Überprüfung genügen, so müsste man in die agrarpolitische Empfehlung des Wissenschaftlers aufnehmen, welche Personen und Personengruppen durch die Berücksichtigung der Empfehlung betroffen werden und aufgrund welcher Norm man sagt, dass die Begünstigten größere Vorteile haben werden, als die Benachteiligten Verluste zu tragen haben. Prüft man für einen konkreten Fall, wie solche in der Regel implizit enthaltenen Aussagen tatsächlich auch explizit formuliert werden können, so wird man häufig feststellen, dass es kaum möglich sei, den Kreis der Betroffenen eindeutig abzugrenzen und die Möglichkeiten, die Vor- und Nachteile exakt zu quantifizieren, nur ausnahmsweise gegeben sind. Das zeigt, dass der Wissenschaftler immer dann, wenn er zu Politikempfehlungen übergeht, sehr schnell den eigentlichen Bereich der wissenschaftlichen Arbeit verlassen muss. Vor einer Wissenschaftsgläubigkeit bezüglich agrarpolitischer Empfehlungen muss daher nach der hier vertretenen Auffassung gewarnt werden. 1.2 Zum Aufbau des Buches Das Buch enthält zwei Teile. Der erste Teil ist mit den Kapiteln 2 bis 4 der Darstellung der theoretischen Grundlagen gewidmet. Hier wird die Wirkung des Marktmechanismus auf den Agrarmärkten zunächst ohne staatliche Eingriffe analysiert und am Ende der einzelnen Kapitel werden einige Politikprobleme angesprochen. Auch wenn es zur Zeit kaum Volkswirtschaften gibt, in denen reine marktwirtschaftliche Systeme ohne staatliche Eingriffe auf den Agrarmärkten vorliegen, so scheint es doch aus didaktischen Gründen empfehlenswert, zunächst die

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References

Zusammenfassung

Die landwirtschaftliche Marktlehre.

Dieses Buch baut auf den Grundlagen der Volkswirtschaftslehre auf und vermittelt grundlegende Kenntnisse zum Verständnis sektoraler Wirtschaftspolitik am Beispiel der Agrarmarktpolitik. Im Teil I legt es die theoretischen Grundlagen für das Verständnis der Preisbildung auf Produkt? und Faktormärkten. Besondere Bedeutung hat dabei neben der neoklassischen Theorie auch die Institutionenökonomie. Teil II stellt die Agrarmarktpolitik mit besonderem Bezug zur EU dar und bewertet diese, wobei der Bewertungsrahmen über die übliche wohlfahrtstheoretische Analyse hinausgeht. Das Buch ist insbesondere wegen seiner detaillierten Bewertung einzelner agrarmarktpolitischer Instrumente auch Studierenden des Fachs Wirtschaftspolitik eine wertvolle Hilfe. Es wendet sich an Studierende der Agrarwissenschaft, Agrarökonomie und der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten und Fachhochschulen sowie Politiker, die an einer rationalen EU Agrarpolitik interessiert sind.

Der Autor

Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich Koester forscht und lehrt am Institut für Agrarökonomie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er war über 20 Jahre Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.