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10.3.7 Definitionsansätze des Value Reporting in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Real Estate Asset Management, page 305 - 306

Handbuch für Studium und Praxis

1. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3608-2, ISBN online: 978-3-8006-4468-1, https://doi.org/10.15358/9783800644681_305

Bibliographic information
298 10 Controlling und Reporting im Real Estate Asset Management sein. Das Reporting soll sich am internen Management und den internen Steuerungsorganen orientieren. Eine ausgewogene und wahrheitsgemäße Darstellung der Chancen und Risiken soll zu einer besseren Vergleichbarkeit beitragen. Jegliche Informationen sollen auf die einzelnen Segmente bezugsfähig sein. Die Berichterstattung hat nicht nur in regelmäßigen Abständen zu erfolgen, sondern wird auch im Optimalfall regelmäßig nach den Richtlinien der Wirtschaftsprüfer überprüft, um die Glaubwürdigkeit und den Wahrheitsgehalt aufrecht zu erhalten.67 10.3.7 Definitionsansätze des Value Reporting In der Fachwelt gibt es bis dato keine einheitliche Definition des Begriffes Value Reporting. Im Kern vereinen jedoch jegliche Aussagen von Fachleuten zur Thematik, dass es sich beim Value Reporting um eine regelmäßige, externe unternehmerische Berichtserstattung handelt, die durch freiwillige, zusätzliche Angaben die Stellung des Unternehmens am Finanzmarkt nachhaltig verbessert. Müller beschreibt dies kurz als „freiwillige qualitative Ergänzung und Erweiterung der Berichterstattung über die Wertschaffung im Unternehmen.“68 Im Gegenzug dazu äußert sich Labhart etwas ausführlicher über eine „offizielle externe Unternehmensberichterstattung, die bestehende Informationsasymmetrien zwischen interner und externer Sicht der wertorientierten Unternehmensführung reduzieren kann und dabei als Werttreiber durch zusätzliche Informationsvermittlung zur Wertsteigerung beitragen kann.“69 Ähnlich äußert sich Heumann darüber und behauptet, „Value Reporting ist die regelmäßige, strukturierte Berichterstattung eines Unternehmens, die geeignet ist, die Informations asymmetrien zwischen interner und externer Sicht des Unternehmens zu verringern und die Ermittlung des Unternehmenswertes durch die potentiellen Investoren zu ermöglichen beziehungsweise zu verbessern.“70 Auch Ruhwedel und Schulze äußern sich zum Value Reporting als eine „Bereitstellung verdichteter, über die Pflichtpublizität hinausgehender Informationen, die die Unternehmens bewertung erleichtern sollen und Lücken zwischen dem Wert des Unternehmens und seinem aktuellen Marktpreis schließen sollen. Durch die angestrebte Verringerung der Informationsasymmetrien soll das Value Reporting einen Beitrag zur Kapitalmarkteffizienz leisten“71. Im Kern geht es also allen zitierten Fachleuten beim Value Reporting um eine Unternehmensberichterstattung, die über die gesetzlich vorgeschriebene Rechnungslegung hinausgeht und auf freiwilliger Basis erfolgt. Durch einen so erhöhten Informationsfluss, können asymmetrische Informationsverteilungen, wie sie durch die Prinzipal-Agent Theorie beschrieben werden, verringert werden. Somit können Kapitalmarktkosten, durch Senkung der Risikoprämien, nachhaltig verringert werden, wodurch eine Steigerung des Unternehmenswertes am Kapitalmarkt möglich ist. Wird die traditionelle Rechnungslegung, also das Financial Accounting mit der Methode des Value Reporting verbunden, so liegt ein Rechnungs legungssystem vor, das durch bewertungsrelevante Informationen ergänzt wurde und Business Reporting genannt wird.72 67 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 18 ff. 68 Vgl. Müller, R. (1998), S. 98 ff. 69 Vgl. Labhart, P. (1999), S. 128 ff. 70 Vgl. Heumann, R./Baetge, J. (2006), S. 250 ff. 71 Vgl. Ruhwedel, F./Schulze, W. (2002), S. 600 ff. 72 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 27. 29910.3 Value Reporting im Real Estate Asset Management 10.3.8 Aufbau eines Value Reporting Systems Da es, wie in vorhergehenden Punkten beschrieben keine einheitliche Definition des Begriffes Value Reporting gibt, sondern lediglich einen gemeinsamen Kern, auf den die Fachwelt hinarbeitet, gibt es analog hierzu auch kein allgemein gültiges Value Reporting Modell. Unter der Menge von Aufbaumodellen, wie zum Beispiel die Modelle von Labhart, Müller, oder Heumann, treten wenige namhafte hervor.73 Diese vereinigen, trotz des unterschiedlichen Aufbaus einige wichtige Gesichtspunkte miteinander, wie es auch bereits bei den Definitionen der Fall war. Gemeinsames Ziel ist jeweils die Rechnungslegung durch zusätzliche Angaben zu erweitern, sei es auf freiwilliger oder gesetzlich vorgeschriebener Basis, um die Transparenz des Unternehmens zu erhöhen. Der Grund ist jeweils, die Stellung des Unternehmens auf dem internationalen Kapitalmarkt zu verbessern. 10.3.9 Dimensionen und Adressaten des REAM Reporting Aufgrund der Menge an Beteiligten im Prozess des Real Estate Asset Managements sind die Dimensionen eines REAM Reporting äußerst weitreichend. Ebenso zahlreich sind die Adressaten, die als mögliche Empfängermenge des Reporting infrage kommen. Für jede einzelne Gruppe an Adressaten muss letztendlich eine passende Auswahl aus den möglichen Dimensionen des Reporting, als aus der größtmöglichen Menge an Informationen getroffen werden. So kann für jeden Empfänger eine genau zugeschnittene Fülle an Informationen gewährleistet werden, die dieser benötigt. Gleichzeitig wird aber eine Überfrachtung mit unnötigen Informationen vermieden.74 Der Asset Manager identifiziert die Art von Report, die er erstellt nach einem strikten System. Hier beginnt die Organisation des Reporting Prozesses. Hierbei kommen zwei grundlegende Arten von Reports in Frage. Auf der einen Seite stehen Reports, die für die interne Verwendung bestimmt sind, also in der Regel der Verwaltung und dem Management dienen. Auf der anderen Seite treten dem gegenüber Reports, die der externen Verwendung dienen, also beispielsweise den Eigenkapitalgebern zukommen. Beide Arten von Asset Management Reports sind inhaltlich und strukturell voneinander abhängig, im Aufbau jedoch stark differierend. Die Inhalte des Reports variieren mit der Veränderung der Rolle des Asset Managements und den Umgebungsvariablen. Auf dieser Grundlage müssen die Dimensionen für jedes einzelne Reporting, je nach Adressat und Umgebungsvariable individuell bestimmt werden. Sind die Dimensionen des Reports bestimmt, ist der nächste Schritt im Prozess des Real Estate Asset Management Reporting, eine Form zu entwickeln, in der die Informationen umrissen werden, die dieser Report enthält. Wichtig ist hier die Frage, welche Informationen wichtig sind so wie ihre Reihenfolge und Anordnung. Die Organisation des Formats sollte hier unter Betrachtung der Stichworte kurz, bündig, konsistent und vollständig erfolgen. So kann Glaubwürdigkeit des Reports gewährleistet werden. Bei der Erstellung eines Reports sollten folgende Punkte beachtet werden: 1. Ein Medium anzubieten, um einen Überblick über wichtige Informationen zu gewähren. 2. Eine Basis der historischen Dokumentation anzubieten. 3. Mittels des Reports kann mit Dritten kommuniziert werden. 4. Durch Reports kann der Prozess der Entscheidungsfindung nachhaltig unterstützt werden. 73 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 29. 74 Vgl. Soens, M. et al. (1994), S. 176.

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References

Zusammenfassung

Asset Management ist das beherrschende Thema der immobilienwirtschaftlichen Fachöffentlichkeit seit Anfang 2006. Grund für diese beachtliche Entwicklung ist die dominierende Präsenz ausländischer Investoren auf dem deutschen Immobilienmarkt in der jüngeren Vergangenheit. Diese Investoren - zumeist aus dem angelsächsischen Raum - importierten gleichermaßen ein neues Anspruchsdenken, was die professionelle Betreuung von Immobilien betrifft. Ausgehend von dem Asset Management-Ansatz aus der Finanzwirtschaft wird das aktive Wertmanagement der Immobilien nach international kompatiblen Standards erwartet. Diese Entwicklung bedeutet auch einen kontinuierlichen Reifeprozess der Assetklasse Immobilie als kapitalmarktfähige Anlage. Die immer stärkeren Auswirkungen der globalen Finanzmärkte (vgl. Subprime-Krise) erfordern ein professionelles Asset Management für Immobilien auch in Deutschland.

Dieses Handbuch stellt das komplexe Thema in übersichtlicher und umfassender Form dar.

- Begriffsdefinition und Einordnung

- Ziele und Aufgaben

- Der Wertschöpfungsprozess

- Theoretische Grundlagen

- Immobilien und Kapitalmarkt

- Aspekte der Bewertung und Bilanzierung

- Performancemessung für Immobilienportfolios

- Investment- und Wertschöpfungsstrategien

- Risikomanagement für Immobilien

- Controlling und Reporting

- Informationsmanagement und Informationstechnologie

- Real Estate Asset Management in der Investment-Phase

- Real Estate Asset Management in der Bestandsphase

- Real Estate Asset Management in der Exit-Phase

- Markt und Wettbewerb im Real Estate Asset Management

- Anbieter Real Estate Asset Management

- Immobilienkennzahlen und Formeln

Prof. Dr. oec. Hanspeter Gondring FRICS, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft im Institut für Finanzwirtschaft an BA Stuttgart/University of Cooperative Education und wissenschaftlicher Leiter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft.

Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, MRICS war über 8 Jahre Leiter des Bestands- und Portfoliomanagements bei der Union Investment

Real Estate AG. Seit 2005 betreut er internationale Investoren in den Bereichen Asset Management und Investment Management.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Praktiker, die ihr Wissen in diesem Bereich erweitern wollen. Hier kommen insbesondere Mitarbeiter und Führungskräfte von Unternehmen in Betracht, die mittelbar oder unmittelbar mit Asset Management Themen konfrontiert sind, d.h. Immobilienverwalter, Projektentwickler, Immobilien-Berater, Makler, Fonds, Immobilien-AGs etc.

Es richtet sich aber auch an Studenten immobilienwirtschaftlicher Studiengänge und Teilnehmer von Aufbaustudiengängen bzw. Weiterbildungslehrgängen.