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10.3.6 Zielsetzung des Value Reporting in:

Hanspeter Gondring, Thomas Wagner

Real Estate Asset Management, page 304 - 305

Handbuch für Studium und Praxis

1. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3608-2, ISBN online: 978-3-8006-4468-1, https://doi.org/10.15358/9783800644681_304

Bibliographic information
29710.3 Value Reporting im Real Estate Asset Management deren Entstehung verhindert werden. Unter Wertlücke wird in diesem Zusammenhang die Differenz zwischen dem aktuellen Marktwert und dem potentiellen Wert bei optimaler Unternehmensführung und Eigenkapitalwertsteigerung verstanden.64 Nach Ballwieser entstehen diese Wertlücken, wenn eine geplante Strategie einen diskontierten Cashflow erzeugt, der kleiner ist, als er wäre, wenn die Strategie geändert werden würde.65 Verfährt das Management in seinem Handeln also nach den Prinzipien des Shareholder Value Ansatzes, so wird eine Bewertung ermöglicht, die die tatsächliche Marktlage wesentlich wirklichkeitsgetreuer abbilden kann, jedoch einen wesentlich geringeren Gläubigerschutz bietet. 10.3.6 Zielsetzung des Value Reporting Das Value Reporting stellt eine externe Unternehmensberichterstattung des Managements an die Eigenkapitelgeber dar. Es ist somit Bestandteil einer wertorientierten Unternehmensführung. Hauptziel des Value Reporting ist eine Entscheidungsstütze für die Adressaten des Reports zu bieten, indem die Informationsbedürfnisse der Kapitalmarktteilnehmer als Ausgangspunkt der Informations sammlung genommen werden. Mit Hilfe dieser Berichterstattung ist es den Adressaten möglich, sich ein Bild über die Werterzielung und die Wertevernichtung im Unternehmen zu schaffen. Die Schaffung eines optimierten Informationsflusses steht hier als oberstes Ziel, da von einer asymmetrischen Informationsverteilung, analog der Prinzipal- Agent Theorie ausgegangen werden muss. Kann durch Erhöhung des Informationsflusses die Verteilung der Information optimiert werden (Schaffung von Transparenz), so führt dies zwangsläufig zu sinkenden Kapitalkosten. Der Arbeitskreis Externe Unternehmensrechnung der Schmalenbach-Gesellschaft versteht daher das Value Reporting auch als eine, über die pflichtgemäße Berichterstattung hinausgehende Bereitstellung von Informationen. Durch diesen Informationsfluss, der über das Mindestmaß hinausgeht, können die oben beschriebenen Informationsasymmetrien zwischen dem Management und den Kapitalgebern verringert werden. Somit wird ein effizienteres Auftreten am internationalen Kapitalmarkt ermöglicht. Durch die stark gesteigerte Transparenz aufgrund des erhöhten Informationsflusses, hervorgerufen durch das Value Reporting, sinken die Risikoprämien für das Unternehmen auf dem Kapitalmarkt und hiermit die gesamten Kapitalkosten. Somit trägt das Value Reporting in direkter Wirkungskette der Steigerung des internen und externen Unternehmenswertes nachhaltig bei. Grundsätzlich handelt es sich bei den zusätzlichen Informationen, die durch das Value Reporting vermittelt werden sollen, um Daten, die aus unternehmerischer Sicht wertrelevante Sachverhalte bieten. Meist beinhalten diese Informationen eine Zukunftsprognose, auch wenn vergangenheitsbezogene Daten als Grundlage dienen. Somit kann unter Heranziehung vergangener Value Reports eine Kontrolle der Unternehmensführung stattfinden, in dem vergangene Prognosen mit der tatsächlichen Geschäftslage verglichen werden.66 Im Allgemeinen sollten beim Value Reporting die Grundlagen der Vergleichbarkeit, Klarheit, Ausgewogenheit, Regelmäßigkeit, Segmentierung, des Bezuges auf das interne Management und der regelmäßigen Kontrolle gelten. Hiermit ist gemeint, dass das Value Reporting klare und nachvollziehbare Angaben enthalten soll, die im Einzelnen zu verifizieren und zu erläutern sind. Die Datensammlung muss in sachlicher, formeller und zeitlicher Hinsicht vergleichbar 64 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 11 ff. 65 Vgl. Ballwieser, W. (1994), S. 1386. 66 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 18 ff. 298 10 Controlling und Reporting im Real Estate Asset Management sein. Das Reporting soll sich am internen Management und den internen Steuerungsorganen orientieren. Eine ausgewogene und wahrheitsgemäße Darstellung der Chancen und Risiken soll zu einer besseren Vergleichbarkeit beitragen. Jegliche Informationen sollen auf die einzelnen Segmente bezugsfähig sein. Die Berichterstattung hat nicht nur in regelmäßigen Abständen zu erfolgen, sondern wird auch im Optimalfall regelmäßig nach den Richtlinien der Wirtschaftsprüfer überprüft, um die Glaubwürdigkeit und den Wahrheitsgehalt aufrecht zu erhalten.67 10.3.7 Definitionsansätze des Value Reporting In der Fachwelt gibt es bis dato keine einheitliche Definition des Begriffes Value Reporting. Im Kern vereinen jedoch jegliche Aussagen von Fachleuten zur Thematik, dass es sich beim Value Reporting um eine regelmäßige, externe unternehmerische Berichtserstattung handelt, die durch freiwillige, zusätzliche Angaben die Stellung des Unternehmens am Finanzmarkt nachhaltig verbessert. Müller beschreibt dies kurz als „freiwillige qualitative Ergänzung und Erweiterung der Berichterstattung über die Wertschaffung im Unternehmen.“68 Im Gegenzug dazu äußert sich Labhart etwas ausführlicher über eine „offizielle externe Unternehmensberichterstattung, die bestehende Informationsasymmetrien zwischen interner und externer Sicht der wertorientierten Unternehmensführung reduzieren kann und dabei als Werttreiber durch zusätzliche Informationsvermittlung zur Wertsteigerung beitragen kann.“69 Ähnlich äußert sich Heumann darüber und behauptet, „Value Reporting ist die regelmäßige, strukturierte Berichterstattung eines Unternehmens, die geeignet ist, die Informations asymmetrien zwischen interner und externer Sicht des Unternehmens zu verringern und die Ermittlung des Unternehmenswertes durch die potentiellen Investoren zu ermöglichen beziehungsweise zu verbessern.“70 Auch Ruhwedel und Schulze äußern sich zum Value Reporting als eine „Bereitstellung verdichteter, über die Pflichtpublizität hinausgehender Informationen, die die Unternehmens bewertung erleichtern sollen und Lücken zwischen dem Wert des Unternehmens und seinem aktuellen Marktpreis schließen sollen. Durch die angestrebte Verringerung der Informationsasymmetrien soll das Value Reporting einen Beitrag zur Kapitalmarkteffizienz leisten“71. Im Kern geht es also allen zitierten Fachleuten beim Value Reporting um eine Unternehmensberichterstattung, die über die gesetzlich vorgeschriebene Rechnungslegung hinausgeht und auf freiwilliger Basis erfolgt. Durch einen so erhöhten Informationsfluss, können asymmetrische Informationsverteilungen, wie sie durch die Prinzipal-Agent Theorie beschrieben werden, verringert werden. Somit können Kapitalmarktkosten, durch Senkung der Risikoprämien, nachhaltig verringert werden, wodurch eine Steigerung des Unternehmenswertes am Kapitalmarkt möglich ist. Wird die traditionelle Rechnungslegung, also das Financial Accounting mit der Methode des Value Reporting verbunden, so liegt ein Rechnungs legungssystem vor, das durch bewertungsrelevante Informationen ergänzt wurde und Business Reporting genannt wird.72 67 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 18 ff. 68 Vgl. Müller, R. (1998), S. 98 ff. 69 Vgl. Labhart, P. (1999), S. 128 ff. 70 Vgl. Heumann, R./Baetge, J. (2006), S. 250 ff. 71 Vgl. Ruhwedel, F./Schulze, W. (2002), S. 600 ff. 72 Vgl. Geduhn, C./Zeglen, K. (2006), S. 27.

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References

Zusammenfassung

Asset Management ist das beherrschende Thema der immobilienwirtschaftlichen Fachöffentlichkeit seit Anfang 2006. Grund für diese beachtliche Entwicklung ist die dominierende Präsenz ausländischer Investoren auf dem deutschen Immobilienmarkt in der jüngeren Vergangenheit. Diese Investoren - zumeist aus dem angelsächsischen Raum - importierten gleichermaßen ein neues Anspruchsdenken, was die professionelle Betreuung von Immobilien betrifft. Ausgehend von dem Asset Management-Ansatz aus der Finanzwirtschaft wird das aktive Wertmanagement der Immobilien nach international kompatiblen Standards erwartet. Diese Entwicklung bedeutet auch einen kontinuierlichen Reifeprozess der Assetklasse Immobilie als kapitalmarktfähige Anlage. Die immer stärkeren Auswirkungen der globalen Finanzmärkte (vgl. Subprime-Krise) erfordern ein professionelles Asset Management für Immobilien auch in Deutschland.

Dieses Handbuch stellt das komplexe Thema in übersichtlicher und umfassender Form dar.

- Begriffsdefinition und Einordnung

- Ziele und Aufgaben

- Der Wertschöpfungsprozess

- Theoretische Grundlagen

- Immobilien und Kapitalmarkt

- Aspekte der Bewertung und Bilanzierung

- Performancemessung für Immobilienportfolios

- Investment- und Wertschöpfungsstrategien

- Risikomanagement für Immobilien

- Controlling und Reporting

- Informationsmanagement und Informationstechnologie

- Real Estate Asset Management in der Investment-Phase

- Real Estate Asset Management in der Bestandsphase

- Real Estate Asset Management in der Exit-Phase

- Markt und Wettbewerb im Real Estate Asset Management

- Anbieter Real Estate Asset Management

- Immobilienkennzahlen und Formeln

Prof. Dr. oec. Hanspeter Gondring FRICS, Studiengangsleiter Immobilienwirtschaft im Institut für Finanzwirtschaft an BA Stuttgart/University of Cooperative Education und wissenschaftlicher Leiter der ADI Akademie der Immobilienwirtschaft.

Dipl.-Kfm. Thomas Wagner, MRICS war über 8 Jahre Leiter des Bestands- und Portfoliomanagements bei der Union Investment

Real Estate AG. Seit 2005 betreut er internationale Investoren in den Bereichen Asset Management und Investment Management.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Praktiker, die ihr Wissen in diesem Bereich erweitern wollen. Hier kommen insbesondere Mitarbeiter und Führungskräfte von Unternehmen in Betracht, die mittelbar oder unmittelbar mit Asset Management Themen konfrontiert sind, d.h. Immobilienverwalter, Projektentwickler, Immobilien-Berater, Makler, Fonds, Immobilien-AGs etc.

Es richtet sich aber auch an Studenten immobilienwirtschaftlicher Studiengänge und Teilnehmer von Aufbaustudiengängen bzw. Weiterbildungslehrgängen.