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Helmuth Adam, 4.3 Fallbeispiel: Bewertung einer mittelständischen Brauerei in:

Jochen Drukarczyk, Dietmar Ernst (Ed.)

Branchenorientierte Unternehmensbewertung, page 98 - 106

3. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3654-9, ISBN online: 978-3-8006-4464-3, https://doi.org/10.15358/9783800644643_98

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4 Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien 77 men, zeigen die Beispiele Becks und Spaten. So sollte beider Übernahme der Becks-Brauerei durch die Interbrew in 2001 mit 3,5 Mrd. DM angeblich das über 20fache des EBITDA von Becks bezahlt worden sein.19 Bei der Übernahme der Spaten-Franziskaner Bräu KG a.A. in 2004 durch Interbrew wurde lt. managermagazin der Gewinn des Geschäftsjahrs in Höhe von gut 40 Mio. Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, was dem EBITDA entspricht, mit dem „Daumen-Peil-Faktor“ 10,1 multipliziert.20 4.3 Fallbeispiel: Bewertung einer mittelständischen Brauerei Im Folgenden soll anhand eines praktischen Beispiels die Ermittlung des Verkehrswerts einer mittelständischen Brauerei (Personengesellschaft) mit einem Gesamtausstoß von jährlich rd. 50.000 hl Bier und alkoholfreien Getränken (AfG) unter dem Gesichtspunkt der Betriebsfortführung (going concern) und der Liquidation durchgeführt werden. Dabei sind die angenommenen Daten frei erfunden und total vereinfacht dargestellt, weshalb das Beispiel auf keinen Fall zu einer vergleichsweisen Anwendung geeignet ist. Zweck der Bewertung ist die Ermittlung der Höhe des Wertes eines 20 %-Anteils eines Gesellschafters zum 31.12.2008. 4.3.1 Allgemeine Informationen und Basisdaten Zunächst ist die Kenntnis folgender, tabellarisch dargestellter Informationen und Basisdaten erforderlich. Lage der Brauerei: Kleinstadt Rechtsform: Personengesellschaft Ausstoß 2008: 40.000 hl Bier/10.000 hl AfG Beschäftigte: 30 Brauereigrundstück: 10.000 m², davon 5.000 m² Vorratsgelände u. Festwiese Brauereigebäude einschl. Bräustüberl: umbauter Raum 18.000 m³ Eigene Gaststätten: 7, davon 2 in Großstadt Land- u. forstwirtschaftlicher Gundbesitz: 20 ha Unter dem Gesichtspunkt der Betriebsfortführung wird die Brauerei anhand des Ertragswertverfahrens bewertet. Dieses Verfahren verläuft im Einzelnen in den folgenden 7 Stufen: 1. Vergangenheitsanalyse – Referenzzeitraum, meist 3–5 Jahre, Ist-Analyse 2. Prognoserechnung – Prognosezeitraum, Phase 1: 3–5-Jahresplanung, Phase 2: Fortschreibung der Detailplanung (ewige Rente – Residualwert) 3. Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes 4. Berechnung des Ertragswertes durch Kapitalisierung der prognostizierten Jahresüberschüsse auf den Bewertungsstichtag 5. Ermittlung des Wertes des nicht betriebsnotwendigen Vermögens 6. Feststellung des Wertes der Brauerei als Summe aus Ertragswert und Verkehrswert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens 7. Berechnung des Anteilswerts aus dem Gesamtwert Stellt sich in den Stufen 1 und 2 heraus, dass die Brauerei bisher und auch zukünftig keine positiven Ergebnisse zu erwirtschaften im Stande ist, kommt zur Bewertung das Liquidationsverfahren zur Anwendung, das dann entsprechend in folgenden 6 Stufen abläuft: 19 o.V.: BRAUWELT 2001, S. 1211 20 Boldt, K.: Scharf wie ein Brauereihund, managermagazin 12/2004, S. 8–10 Helmuth Adam78 1. Vergangenheitsanalyse-Referenzzeitraum, meist 3–5 Jahre mit negativen Ergebnissen 2. Prognoserechnung – Ertragslosigkeit in der Zukunft 3. Bewertung der Brauerei bei Zerschlagung 4. Ermittlung des Verkehrswertes des nicht betriebsnotwendigen Vermögens 5. Feststellung des Wertes der Brauerei als Summe aus Liquidationswert und Verkehrswert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens 6. Berechnung des Anteilswerts aus dem Gesamtwert 4.3.2 Vergangenheitsanalyse – Istzahlen Die Vergangenheitsanalyse ist Grundlage und Ausgangspunkt für die Prognose künftiger Entwicklungen. Üblicherweise werden dabei anhand der geprüften Jahresabschlüsse der letzten 3 bis 5 Jahre (Referenzzeitraum) die Jahresergebnisse um neutrale Ergebnisse bereinigt, um Einblick auf die tatsächliche Ertragslage der Brauerei, bzw. des operativen Getränkegeschäfts zu erhalten. Hierbei sind u.a. unterlassene Aufwendungen für Reparaturen oder Werbung oder zu niedrige Abschreibungen (Investitionsstau) zu berücksichtigen. Ebenso sind betriebsfremde und periodenfremde Aufwendungen und Erträge, z.B. in Zusammenhang mit nicht betriebsnotwendigem Vermögen wie Mietgrundstücken, Gaststätten oder sonstigen Immobilienbesitz zu eliminieren. Schließlich sind bilanzpolitische Maßnahmen, wie Auflösung und Bildung von Rückstellungen, Sonderabschreibungen, Abschreibungen auf geringwertige Wirtschaftsgüter (Gebinde und Vertriebsinventar) zu korrigieren. Letztlich ist im Falle einer Einzelfirma oder Personengesellschaft für die Geschäftsführung ein angemessener Unternehmerlohn in der vergleichbaren Höhe Dritter zu berücksichtigen. Das Ergebnis der Vergangenheitsanalyse ist in Abb. 4-9 zusammengefasst dargestellt, wobei folgende Korrekturen vorgenommen wurden: Pachterlöse brauereieigene Gaststätten: Da die brauereieigenen Gaststätten zum nicht betriebs- • notwendigen Vermögen gezählt werden, da sie jederzeit veräußerbar sind, werden die Pachterlöse vom Bilanzergebnis abgezogen. Pachterlöse angepachtete Gaststätten: Diese werden dem Ergebnis belassen, da die Gegenposition, • wenn auch als höherer Aufwand, als sog. Pachtaufwandsüberschuss, vorhanden und betriebsbedingt ist. Sonstige betriebliche Erträge: Diese enthalten 2007 einen Buchgewinn aus der Veräußerung einer • Gaststätte in Höhe von 150 T€, welcher bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen in eine Rücklage nach § 6b EStG eingestellt wurde. Personalaufwand: Dieser enthält jährlich 60 T€ Gehalt für einen Gesellschaftergeschäftsführer. • Ein angemessener Unternehmerlohn ist um mindestens 20 T€ höher anzusetzen, weshalb damit das Ergebnis belastet wird. Die Abschreibungen auf das betriebsnotwendige Anlagevermögen sind in 2007 und 2008 im • Branchenvergleich zur Refinanzierung von Investitionen zu gering und sind deshalb mit den angegebenen Beträgen zu korrigieren. Die Steuern vom Einkommen und Ertrag, hier die Gewerbeertragsteuer, werden neu berechnet, • und zwar mit angenommenen 16 %, weshalb sie zunächst dem Ergebnis wieder zugerechnet werden. Die Änderung der Gewerbesteuer aufgrund der Unternehmenssteuerreform 2008 ist nicht berücksichtigt. Als Ergebnis der Ergebnisbereinigung erhält man die den Unternehmern zufließenden operativen Nettoüberschüsse. 4 Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien 79 Ist-Zahlen Referenzzeitraum Jahr 2006 2007 2008 Ausstoß Bier 41.500 hl 40.000 hl 40.800 hl Ausstoß AfG 8.000 hl 9.000 hl 10.000 hl T€ T€ T€ Umsatzerlöse Getränke 4.460 4.500 4.550 Pachterlöse eigene Gaststätten 166 142 130 Pachterlöse angepachtete. Gaststätten 135 140 135 Sonst. betriebliche Erträge 78 220 54 Gesamtleistung 4.839 5.002 4.869 Materialaufwand – 1.138 – 1.190 – 1.170 Pachtaufwand angepachtete Gaststätten – 145 – 150 – 143 Personalaufwand – 1.452 – 1.486 – 1.470 Abschreibungen – 405 – 315 – 292 Sonst betriebliche Aufwendungen – 990 – 1.145 – 1.040 Betriebsergebnis 709 716 754 Zinserträge 24 22 23 Zinsen und ähnl. Aufwendungen – 180 – 165 – 150 Ergebnis d. gewöhnl. Geschäftstätigkeit 553 573 627 Steuern v. Einkommen u. Ertrag – 38 – 19 – 58 Sonstige Steuern – 273 – 270 – 267 Jahresüberschuss/-fehlbetrag 242 284 302 Korrekturen: Pachterlöse eigene Gaststätten – 166 – 142 – 130 Aufwendungen eigene Gaststätten 48 52 37 Neutrale u. periodenfremde Erträge – 42 – 154 – 27 Unternehmerlohn – 20 – 20 – 20 Korrektur Abschreibungen 0 – 85 – 108 Sonst. betriebliche Aufwendungen 0 150 0 Steuern v. Einkommen u. Ertrag 38 19 58 Operatives Ergebnis vor Steuern 100 104 112 Abzügl. ca. 16 % Gewerbeertragsteuer – 16 – 17 – 18 Operatives Ergebnis nach Steuern 84 87 94 Abb. 4-9: Vergangenheitsanalyse und Ergebnisbereinigung Helmuth Adam80 4.3.3 Prognoserechnung – Planzahlen Die bereinigten operativen Ergebnisse der Vergangenheit bilden Grundlage und Ausgangspunkt für die Schätzung der zukünftigen betrieblichen Erlöse und Aufwendungen und damit der zukünftigen Erträge bzw. Überschüsse. In Konzernen und Großbetrieben werden Planungs- und Prognoserechnungen von den Controllingabteilungen im Rahmen der Unternehmensplanung im Allgemeinen regelmäßig erstellt. In mittelständischen Betrieben, so auch in kleinen und mittleren Brauereien, findet man derartige Planungswerke relativ selten. Der neutrale Gutachter muss in diesen Fällen zusammen mit dem Unternehmer eine Planung erstellen, wobei insbesondere auf die Plausibilität der Planzahlen zu achten ist. In Abb. 4-10 ist die Prognoserechnung für den Beispielsfall zusammengefasst nach der sog. Phasenmethode dargestellt, wobei Phase 1 den überschaubaren, detaillierten Zeitraum von 3 Jahren (2009 – 2011) umfasst und Phase 2 als ewige Rente oder Residualwert die langfristige Fortschreibung der Trendentwicklung beinhaltet. Bei der Prognose wird von einem gleichbleibenden jährlichen Bierausstoß von 40.000 hl und einer Zunahme bei den AfG von 10.500 hl auf 12.000 hl ausgegangen. Nach Berechnung der Planerlöse und der damit verbundenen betrieblichen Aufwendungen erhält man das Betriebsergebnis nach Steuern. Davon sind die persönlichen Ertragsteuern der Unternehmenseigner mit einem sog. typisierten Steuersatz in Höhe von 35 % abzuziehen. Das Ergebnis sind dann die zukünftigen Nettozuflüsse bei den Gesellschaftern, welche dann in der nächsten Stufe mittels des Kapitalisierungszinssatzes auf den Barwert des Bewertungsstichtages abzuzinsen sind. Planzahlen Prognosezeitraum Phase 1 Phase 2 Ewige Rente Jahr 2009 2010 2011 2012 ff. Ausstoß Bier 40.000 hl 40.000 hl 40.000 hl 40.000 hl Ausstoß AfG 10.500 hl 11.000 hl 11.500 hl 12.000 hl T€ T€ T€ T€ Umsatzerlöse Getränke 4.600 4.650 4.750 4.800 Betriebliche Aufwendungen – 4.515 – 4.570 – 4.665 – 4.710 Betriebsergebnis nach Steuern 85 80 85 90 abzgl. persönliche. Ertragsteuern der Gesellschafter, 35 % typisierter Steuersatz – 30 – 28 – 30 – 32 Nettozufluss Gesellschafter-Überschüsse 55 52 55 58 Abb. 4-10: Prognoserechnung 4 Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien 81 4.3.4 Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes Der Kapitalisierungszinssatz ist neben dem Ertrag die zweite wertbestimmende Größe bei der Unternehmensbewertung. Auf die fundamentale Bedeutung der Höhe des Kapitalisierungszinssatzes und seine Wirkung auf den Unternehmenswert wurde bereits hingewiesen. Im vorliegenden Beispiel wird der Kapitalisierungszinssatz, wie in Abb. 4-11 dargestellt, mit 6,0 % berechnet. 4.3.5 Berechnung des Ertragswerts Die Berechnung des Ertragswerts ist in Abb. 4-12 dargestellt. Danach sind die detaillierten Ergebnisse der Jahre 2009 bis 2011 (Phase 1) mit dem jeweiligen Diskontierungsfaktor bei 6 % Zinssatz auf den Bewertungsstichtag 1.1.2009 abgezinst. Die ab 2012 prognostizierten betrieblichen Ergebnisse werden zunächst als Kapitalwert einer ewigen Rente mit dem Kapitalisierungsfaktor 16,67 (6 % Zinssatz) berechnet, man bezeichnet diesen Betrag auch als Residualwert oder Termin value, der wiederum mit dem Diskontierungsfaktor auf den Bewertungsstichtag abgezinst wird. Die Summe in Höhe von 956 T€ ist der Ertragswert oder der Wert der Brauerei und gleichzeitig der Wert des Eigenkapitals. Verbindlichkeiten sind hiervon nicht mehr abzuziehen. Dazu kommt noch der Verkehrswert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens. Basiszinssatz 4,25 % (langfristig festverzinsliche Wertpapiere) Marktrisikoprämie(5–6 %) hier: 5,00 % Zwischensumme 9,25 % Abzüglich Persönliche Ertragsteuer Eigentümer Typisierter Steuersatz 35 % 3,24 % Kapitalisierungszinssatz rd. 6,00 % Abb. 4-11: Ermittlung Kapitalisierungszinssatz Jahr Überschüsse Barwertfaktor Barwert 1.1.07 T€ 6 % T€ 2009 55 0,9434 52 2010 52 0,8900 46 2011 55 0,8396 46 2012 ff. 58 16,67 x 0,8396 812 Summe = Ertragswert 956 Abb. 4-12: Barwert der Überschüsse zum Bewertungsstichtag Helmuth Adam82 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass vom gesamten Ertragswert der Brauerei in Höhe von 956 T€ 812 T€ oder 85 % auf den Residualwert entfallen. Ein derartig hoher Anteil des Residualwertes, ist bei Unternehmensbewertungen nicht unüblich. Im Folgenden nächsten Schritt ist nun der Verkehrswert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens zu ermitteln. 4.3.6 Ermittlung des Verkehrswerts des nicht betriebsnotwendigen Vermögens Definitionsgemäß wird der Verkehrswert (Marktwert) eines Wirtschaftsgutes durch den Preis bestimmt, der am Markt bei einer Veräußerung zu erzielen wäre. Als nicht betriebsnotwendiges Vermögen bezeichnet man solche Vermögensgegenstände, welche veräußert werden können, ohne dass davon das operative Geschäft berührt wird. Bei Brauereien sind dies insbesondere die eigenen Gaststätten, da der Getränkeabsatz bei Veräußerung durch Grunddienstbarkeiten gesichert werden kann, sonstiger Immobilienbesitz, land- und forstwirtschaftliche Grundstücke, aber auch liquide Mittel, wie Wertpapiere und ähnliches. Im Beispielsfall handelt es sich um 7 brauereieigene Gaststätten, Vorratsgelände und land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitz. Die Ermittlung des Verkehrswertes von Grundstücken erfolgt i.d.R. nach der sog. Wertermittlungsverordnung (WertV) von 1988/199721 und den dazugehörenden Wertermittlungsrichtlinien (WertR) von 200622. Danach sind zur Ermittlung des Verkehrswerts von Grundstücken Vergleichswertverfahren, Sachwertverfahren oder Ertragswertverfahren oder mehrere Verfahren heranzuziehen. Daraus ist der Verkehrswert unter Berücksichtigung der Marktverhältnisse zu bemessen. Die 7 eigenen Gaststätten (ohne das in der Brauerei befindliche Bräustüberl) werden nach dem Ertragswertverfahren bewertet und daraus die Verkehrswerte abgleitet. Die Bewertung erfolgt beispielhaft für die Gaststätte „Goldener Krug in Bierstadt“ und ist in Abb. 4-13 dargestellt. Auf die Beschreibung der einzelnen Bewertungsparameter kann hier nicht eingegangen werden. Insgesamt sollen die Gaststätten einen Verkehrswert von 1,6 Mio. € haben. Die Bewertung der 5.000 m² Vorratsgelände erfolgt nach dem Vergleichswertverfahren. Da in der Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses beim zuständigen Landratsamt keine geeigneten Vergleichswerte vorliegen, wird auf geeignete Bodenrichtwerte zurückgegriffen. Nach dem Flächennutzungsplan liegen Brauerei und Festwiese in einem Mischgebiet (MI). Der Bodenrichtwert liegt bei einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 0,8 bei 150 € pro m². Das Maß der baulichen Nutzung der Festwiese bzw. des Vorratsgeländes ist das der Umgebungsbebauung mit einer GFZ von ebenfalls 0,8. Wegen der Übergröße des Grundstücks erfolgt ein Abschlag von 20 %, so dass der Verkehrswert sich wie folgt berechnet: Verkehrswert Vorratsgelände: 5.000 m² x (150,00 €/m² – 30,00 €/m²) = 600.000 €. Der Verkehrswert des land- und forstwirtschaftlichen Grundbesitzes ist im Allgemeinen durch gesonderte Sachverständige zu schätzen. Hier werden die Flächen ungeachtet ihrer Bonität bzw. des Bestands durchschnittlich mit 1,00 €/m² bewertet. Der Wert beträgt dann: Verkehrswert land.- u. forstw. Grundstücke: 200.000 m² x 1,00 €/m² = 200.000 € 4.3.7 Ermittlung des Wertes der Brauerei und des 20 %-Anteils Der Gesamtwert der Brauerei besteht aus dem Ertragswert und dem Wert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens und beträgt entsprechend den durchgeführten Ermittlungen und Berechnungen, wie in Abb. 4-14 dargestellt, 3.356 T€ bzw. für den Anteil von 20 % 671 T€. 21 Wertermittlungsverordnung – WertV, BGBl. 1997, S. 2081 22 Wertermittlungsrichtlinien – WertR 2006, BAnz. Nr. 108a, v. 10.6.2006 und BAnz. Nr. 121, v. 1.7.2006, S. 4798 4 Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien 83 4.3.8 Bewertung im Falle einer Liquidation Stellt sich in den Stufen 1 und 2 heraus, dass die Brauerei bisher und auch zukünftig nicht in der Lage war und ist, positive operative Ergebnisse zu erwirtschaften, erfolgt eine Bewertung unter dem Gesichtspunkt der Liquidation, d.h., der Zerschlagung und Veräußerung sämtlicher Vermögensgegenstände einzeln am Markt, abzüglich Verbindlichkeiten und Liquidationskosten. Das Ergebnis ist in Abb. 4-15 dargestellt, wobei zu den einzelnen Positionen folgendes zu bemerken ist: Das Brauereigrundstück wird im Zerschlagungsfall nicht mit dem Bodenwert für Gewerbe- oder Industriegrundstücke bewertet, sondern nach Vergleichspreisen oder den Bodenrichtwerten unbebauter Grundstücke, da das Brauereigebäude einschließlich Bräustüberl theoretisch abgerissen wird. Die Grundstücksqualität des Brauereigrundstücks ist hinsichtlich Lage und Maß der baulichen Nutzung Gaststätte „Goldener Krug“ in Bierstadt Fl.Nr. 1234 zu 195 m², Lage: Zentrum Bodenrichtwert: 800,00 €/m²(GFZ 3,0) Restnutzungsdauer (RND): 50 Jahre € Jahresrohertrag (Pacht/Mieten) 48.000 abzügl. Bewirtschaftungskosten 25 % – 12.000 Jahresreinertrag 36.000 abzügl. Verzinsung Bodenwert 6 % 195 m² x 800,00 €/m² x 0,06 – 9.360 Gebäudereinertrag 26.640 Vervielfältiger: 6 % Zins/50 J.RND x 15,76 Gebäudeertragswert 420.000 zuzügl. Bodenwert: 195 m² x 800,00 €/m² 156.000 Ertragswert 576.000 Anpassung an Marktverhältnisse 5 % Zuschlag wg. Zentrumslage 28.800 604.800 Verkehrswert Gaststätte rd. 600.000 Abb. 4-13: Ermittlung Verkehrswert einer Gaststätte Ertragswert Brauerei 956 T€ nicht betriebsnotwendiges Vermögen Gaststätten 1.600 T€ Vorratsgelände 600 T€ Land-u.forstw. Grundstücke 200 T€ 2.400 T€ Gesamtwert 3.356 T€ 20 %-Anteil 671 T€ Abb. 4-14: Gesamtwert bzw.20 %-Anteilswert der Brauerei Helmuth Adam84 besser als die des Vorratsgeländes, auch liegen in der Kaufpreissammlung Vergleichswerte mit mehr als 200,00 €/m² vor, so dass ein Bodenwert von 200,00 €/m² angesetzt werden kann. Der Gesamtwert beträgt dann: 5.000 m² x 200,00 €/m² = 1.000 T€. Schließlich ist der Wert des Grund und Bodens um die Abbruchkosten der Brauereigebäude zu vermindern. Diese Freilegungskosten werden mit 30,00 €/m³ umbauten Raums angenommen23 und belaufen sich bei 18.000 m³ auf 540 T€. Die Maschinen und maschinellen Anlagen werden abteilungsweise einzeln aufgenommen, deren Neuwerte ermittelt und daraus die Liquidationswerte bei Einzelveräußerung am Markt abgeleitet, und zwar mit rd. 450 T€. Das gleiche Verfahren gilt für die Bewertung des Fuhrparks einschließlich der Gabelstapler, wo ein Veräußerungswert von rd. 120 T€ ermittelt wurde. Bei den Gebinden, Fässer, Kasten und Flaschen, haben nur die gebrauchten KEG-Fässer einen Marktwert; für Kasten und Flaschen ist nur der Materialwert anzusetzen. Insgesamt wird mit einem Liquidationswert von 60 T€ gerechnet. 23 Vey, S., Fladt, W.: Flächen und Kostenbedarf für Brauereineubauten, BRAUWELT 1994, S. 2680 ff., redigierter Nachdruck Juli 2004 T€ Brauereigrundstück: 5.000 m² x 200,00 €/m² 1.000 abzgl. Abbruchkosten: 18.000 m³ x 30,00 €/m³ – 540 Wert Brauereigrundstück 460 Maschinen 450 Fuhrpark und Stapler 120 Gebinde 60 Kundschaft 600 Tilgungsdarlehen 280 Umlaufvermögen 900 Liquidationsvermögen Brauerei 2.870 abzgl. Verbindlichkeiten – 3.200 negatives Liquidationsvermögen Brauerei – 330 zuzgl. nicht betriebsnotwendiges Vermögen 2.400 Liquidationsvermögen insgesamt 2.070 abzgl. Kosten Sozialplan – 600 abzgl. Abwicklungskosten – 80 abzgl. Zinsen nicht getilgte Verbindlichkeiten – 160 Liquidationswert insgesamt 1.230 20 %-Anteil Gesellschafter rd. 250 Abb. 4-15: Ermittlung Liquidationswert 4 Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien 85 Wenn ein Wert für die Kundschaft ermittelt wird, erübrigt sich ein Wertansatz für das langlebige und geringwertige Vertriebsinventar sowie für die Abschreibungsdarlehen. Im Beispielsfall wird ein Wert für die Kundschaft mit rd. 600 T€ angesetzt. Der Wert für die Tilgungsdarlehen wird wertberichtigt mit 280 T€ der Bilanz zum 31.12.2008 entnommen. Der Wert für das Umlaufvermögen, wie Vorräte, Forderungen und liquide Mittel entstammt, entsprechend wertberichtigt, der Bilanz zum 31.12.2008 und beläuft sich insgesamt auf 900 T€. Insgesamt beträgt das Liquidationsvermögen der Brauerei ohne das nicht betriebsnotwendige Vermögen zum Bewertungsstichtag 2.870 T€. Die Verbindlichkeiten setzten sich aus den Rückstellungen und den Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Lieferanten zusammen. Sie sind zum Bewertungsstichtag der Bilanz zu entnehmen und betragen im vorliegenden Fall 3.200 T€. Vom Liquidationsvermögen der Brauerei sind die Verbindlichkeiten abzuziehen. Es ergibt sich ein negativer Saldo von 330 T€, zu dem der Wert des nicht betriebsnotwendigen Vermögens mit 2.400 T€ zu addieren ist, so dass der gesamte Wert des Vermögens vor Liquidationskosten 2.070 T€ beträgt. Die Kosten für einen Sozialplan wegen Stillegung werden gem. § 112 Abs. 1 BetrVerfG für 30 Beschäftigte mit rd. 600 T€ angenommen. Im Falle der Betriebsaufgabe hat der Eigentümer Steuern auf die stillen Reserven zu entrichten, wofür eine entsprechende Rückstellung zu bilden ist. Die Höhe kann hier jedoch nicht beziffert werden. Des weiteren fallen Kosten für die Abwicklung der Liquidation an, insbesondere für die Veräußerung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens sowie der Brauereieinrichtung. Hierfür wird ein Betrag von 80 T€ geschätzt. Letztlich fallen im erforderlichen Zeitraum der Liquidation von einem bis drei Jahren Zinsen für noch nicht getilgte Verbindlichkeiten an, so dass für mindestens zwei Jahre mit einer Zinsbelastung auf die Hälfte der Schulden zu rechnen ist, und zwar bei einem angenommen Zinssatz von 5 % in Höhe von 2 x (3.200 T€ : 2) x 0,05 = 160 T€. Der Gesamtwert des Eigenkapitals der Brauerei im Falle der Liquidation beträgt dann 1.230 T€, der 20 %-Anteil des Gesellschafters 246 T€ bzw. rd. 250 T€. 4.4 Schlussbetrachtung Vorstehende Ausführungen sollten deutlich machen, dass die Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien, meist als traditionelle Familienbetriebe geführt, eine äußerst komplexe Angelegenheit ist und eine Reihe von Besonderheiten aufweist. Neben grundlegendem Wissen auf dem Gebiet der Unternehmensbewertung, erfordert die z.T. sehr verschiedenartige Zusammensetzung von operativen und nicht betriebsnotwendigen Vermögen fundierte Branchen- und Marktkenntnisse und darüber hinaus vom Gutachter möglichst eine brautechnische und betriebswirtschaftliche Ausbildung. Von den insgesamt in Deutschland im Jahre 2007 in Betrieb gewesenen 1.302 gewerblichen Braustätten waren 1.257 bzw. 95 % kleine und mittlere Brauereien mit einem Marktanteil von rd. 30 %. An Anlässen für deren Bewertung wird es auch in Zukunft nicht mangeln. Dazu sind umfassende Spezialkenntnisse erforderlich, da wie schon erwähnt, auch bei der Bewertung kleiner und mittlerer Brauereien gilt: „A small business is not a little big business“.

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References

Zusammenfassung

Beschäftigt man sich mit der Praxis der Unternehmensbewertung, so zeigt sich, dass hier zahlreiche Spezifika vorliegen, die vom Bewerter berücksichtigt werden müssen. Diese sind zum einen in Marktpotenzialen begründet, in Lebenszyklen, in potenziellen Synergieeffekten oder in Integrationsproblemen.

Eine detaillierte Branchenkenntnis und -analyse ist Basis einer fundierten Unternehmensplanung, die wiederum maßgeblich die Qualität der Unternehmensbewertung beeinflusst.

Es gehört also zum Selbstverständnis, dass sich der Bewerter intensiv mit entsprechenden Branchen sowie deren Besonderheiten beschäftigt.

Dieses Buch wird ihm dabei wertvolle Hilfe sein.

- zur Bewertung von Unternehmen sind Branchenkenntnisse notwendig

- neue Beiträge über die Bewertung von Brauereien und von Infrastrukturprojekten wie dem Eurotunnel

- das maßgebliche Werk zur branchenorientierten Bewertung von Unternehmen

"Die Beiträge sind sehr anschaulich … Das Werk und seine einzelnen Beiträge können jedem empfohlen werden, der sich mit Fragen der Unternehmensbewertung … beschäftigt."

Peter Bömelburg, Die Wirtschaftsprüfung 2/2009

Die einzelnen Beiträge folgen einem einheitlichen und praxisorientierten Grundgerüst:

- Charakterisierung der Branche

- Ermittlung der Plandaten der Unternehmensbewertung

- Branchenspezifische Ansätze der Unternehmensbewertung

- Praxisbeispiele.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Drukarczyk war Inhaber des Lehrstuhls für Finanzierung an der Universität Regensburg. Er hat darüber hinaus zahlreiche Gastprofessuren in England, Frankreich, Österreich und Deutschland wahrgenommen. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete sind Bewertung, Sanierung und Analyse institutioneller Regelungen auf Kreditmärkten.

Dr. Dr. Dietmar Ernst ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance (DICF).

Für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling, für Experten in Kreditinstituten sowie für Unternehmens-, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.