Content

Matthias Schröder, Ulrike Schüler, 23.4 Schlusswort in:

Jochen Drukarczyk, Dietmar Ernst (Ed.)

Branchenorientierte Unternehmensbewertung, page 601 - 601

3. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3654-9, ISBN online: 978-3-8006-4464-3, https://doi.org/10.15358/9783800644643_601

Bibliographic information
23 Besonderheiten der Bewertung von Hotelimmobilien 595 Ein schwerwiegendes Problemfeld liegt in der Ermittlung der Ausgaben für Reinvestitionen in die Hoteleinrichtung (FF&E) und Dach&Fach, sofern zum Bewertungsstichtag in der Bilanz keine ausreichenden Rückstellungen bzw. Rücklagen gebildet wurden. Die Problematik wurde bereits unter dem Blickwinkel der Bewertung einer Hotelimmobilie erläutert. Obwohl hierfür für den Pächter eine handelsrechtliche Passivierungspflicht besteht, fehlen die entsprechenden Rückstellungen oftmals in Bilanzen kleiner, aber auch namhafter Unternehmen bzw. sind nicht in ausreichender Höhe berücksichtigt. In den Bilanzen von Konzernunternehmen fehlen die Rückstellungen meist mit der Begründung, dass diese steuerlich nicht anerkannt werden. Hinzuweisen ist auf Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Pachtverträgen. In diesen werden die Verluste aus Pachtverträgen nach dem Bilanz-Bewertungsstichtag bereits antizipiert. Bei der Prognose der zu erwartenden Cash-flows ist darauf zu achten, dass diese Verluste nicht ein weiteres Mal berücksichtigt werden. Das heißt, die prognostizierten Pachtzahlungen sind entsprechend zu korrigieren. Auch die Bewertung der erwarteten Ergebnisse aus Managementverträgen setzt voraus, dass für jedes Hotel, das auf der Grundlage eines Managementvertrages geführt wird, eine Ergebnisrechnung aufgestellt wird. Nur dann lässt sich mit hinreichender Genauigkeit die Incentive Fee ermitteln, die in der Regel 8 % bis 10 % des bereinigten Betriebsergebnisses beträgt. Die Vergütung von Franchiseverträgen knüpft in der Regel an den Umsatz des Unternehmens des Franchisenehmers an. Grundlage für die erwartete Cash-flow-Schätzung sind deshalb die prognostizierten Erträge dieser Hotels. 23.4 Schlusswort Wie in den vorhergehenden Abschnitten dieses Beitrags dargestellt, lässt sich eine Bewertung nur schwer nach einem Schema durchführen. Aufgrund der hohen Komplexität der Werteinflussfaktoren erfordert eine Bewertung der Spezialimmobilie Hotel eine hohe Kenntnis der Branche und der Märkte. Die zunehmende Marktmacht internationaler Hotelgesellschaften wird sich nicht nur auf die Struktur der Hotelmärkte sondern auch verstärkt auf die Betriebsformen auswirken. Managementverträge oder Verträge mit einer umsatz- und/oder ergebnisabhängigen Komponente werden die in der Vergangenheit vorherrschende Vertragsform des Festpachtvertrages ablösen. Diese Entwicklung, verbunden mit einer vergleichsweise geringen Transparenz der Hotelmärkte, erfordert eine erhöhte Markt- und Branchenkenntnis des Bewerters. 23.5 Literatur C.H. Beck Verlag (Hrsg.) Beck’scher Bilanz Kommentar, 6. Auflage, München, 2006 EUROHYPO (Hrsg.): The European hotel sector: New territory for the property hunters?, Issue 6, January 2007 DEHOGA Bundesverband (Hrsg.): Das Gastgewerbe im Zahlenspiegel IV/2005, März 2006 Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (Hrsg.): Presseinformation – Deutschland-Tourismus wieder mit positiver Tendenz, 15.1.2009 Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (Hrsg.): Presseinformation – Deutschland-Tourismus wächst das fünfte Jahr in Folge, 10.2.2009 Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (Hrsg.): Presseinformation – Deutschland-Tourismus bleibt auf Wachstumskurs, 3.12.2008 Hotel Association of New York City, Inc. (2006): Uniform System of Accounts for the Lodging Industry, Tenth Revised Edition, New York, 2006 IHA (Hrsg.): Hotelmarkt Deutschland 2008

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Beschäftigt man sich mit der Praxis der Unternehmensbewertung, so zeigt sich, dass hier zahlreiche Spezifika vorliegen, die vom Bewerter berücksichtigt werden müssen. Diese sind zum einen in Marktpotenzialen begründet, in Lebenszyklen, in potenziellen Synergieeffekten oder in Integrationsproblemen.

Eine detaillierte Branchenkenntnis und -analyse ist Basis einer fundierten Unternehmensplanung, die wiederum maßgeblich die Qualität der Unternehmensbewertung beeinflusst.

Es gehört also zum Selbstverständnis, dass sich der Bewerter intensiv mit entsprechenden Branchen sowie deren Besonderheiten beschäftigt.

Dieses Buch wird ihm dabei wertvolle Hilfe sein.

- zur Bewertung von Unternehmen sind Branchenkenntnisse notwendig

- neue Beiträge über die Bewertung von Brauereien und von Infrastrukturprojekten wie dem Eurotunnel

- das maßgebliche Werk zur branchenorientierten Bewertung von Unternehmen

"Die Beiträge sind sehr anschaulich … Das Werk und seine einzelnen Beiträge können jedem empfohlen werden, der sich mit Fragen der Unternehmensbewertung … beschäftigt."

Peter Bömelburg, Die Wirtschaftsprüfung 2/2009

Die einzelnen Beiträge folgen einem einheitlichen und praxisorientierten Grundgerüst:

- Charakterisierung der Branche

- Ermittlung der Plandaten der Unternehmensbewertung

- Branchenspezifische Ansätze der Unternehmensbewertung

- Praxisbeispiele.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Drukarczyk war Inhaber des Lehrstuhls für Finanzierung an der Universität Regensburg. Er hat darüber hinaus zahlreiche Gastprofessuren in England, Frankreich, Österreich und Deutschland wahrgenommen. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete sind Bewertung, Sanierung und Analyse institutioneller Regelungen auf Kreditmärkten.

Dr. Dr. Dietmar Ernst ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance (DICF).

Für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling, für Experten in Kreditinstituten sowie für Unternehmens-, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.