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Matthias Schröder, Ulrike Schüler, 23.1 Branchenüberblick in:

Jochen Drukarczyk, Dietmar Ernst (Ed.)

Branchenorientierte Unternehmensbewertung, page 577 - 583

3. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3654-9, ISBN online: 978-3-8006-4464-3, https://doi.org/10.15358/9783800644643_577

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23 Besonderheiten der Bewertung von Hotelimmobilien von Matthias Schröder und Ulrike Schüler* 23.1 Branchenüberblick 23.1.1 Internationaler Tourismus Die Tourismusindustrie konnte in den vergangenen Jahren weltweit kontinuierliche Zuwächse verzeichnen. Die weltweiten Einkünfte aus dem Tourismus werden für das Jahr 2007 auf US$ 856 Milliarden geschätzt, ein Wachstum von ca. 15,4 % gegenüber dem Jahr 2006.1 Je nach Größe und wirtschaftlichem Entwicklungsstand der Länder sind die Einkünfte und Gästeankünfte jedoch sehr unterschiedlich verteilt. Die höchsten Einkünfte konnte mit 96,7 Milliarden US$ die USA, gefolgt von Spanien (57,8 Milliarden US$), Frankreich (54,2 Milliarden US$) und Italien (42,7 Milliarden US$) verzeichnen. Deutschland rangiert mit 36 Milliarden US$ weltweit auf Platz 7. * Dipl.-Kfm. Matthias Schröder, Wirtschaftsprüfer, und Dipl.-Kff. Ulrike Schüler, PKF hotelexperts, München. 1 Diese Einkünfte beziehen sich auf die Ausgaben von internationalen Besuchern im Einreiseverkehr und berücksichtigen noch keine Einnahmen aus dem internationalem Flugverkehr, vgl. UNWTO World Tourism Barometer (Nr. 2, 2008), S. 11. 23.1 Branchenüberblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571 23.1.1 Internationaler Tourismus. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571 23.1.2 Marktüberblick Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 573 23.1.3 Preis und Belegung – europäische Großstädte im Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 575 23.1.4 Betriebsformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 576 23.1.5 Markttendenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577 23.2 Bewertung von Hotels. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577 23.2.1 Besonderheiten der Bewertung von Hotels im Überblick. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577 23.2.2 Zunehmende Bedeutung internationaler Bewertungsstandards und Bewertungsmethoden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 579 23.2.3 Zusammensetzung der relevanten Cash-flows . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 580 23.2.4 Ableitung des Kapitalisierungszinsfußes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 584 23.2.5 Berücksichtigung der Instandsetzungs- und Renovierungsrückstände . . . . . . . . . . . . . 585 23.2.6 Berücksichtigung des Reinvestitionszykluses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 585 23.2.7 Beispiel aus der Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 585 23.2.8 Verkürzte Bewertungsmethoden der Branchenpraxis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 593 23.3 Exkurs: Die Bewertung von Hotelgesellschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 594 23.4 Schlusswort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 595 23.5 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 595 Matthias Schröder und Ulrike Schüler572 Die Anzahl der weltweiten Gästeankünfte haben mit rund 924 Mio. im Jahr 2008 einen vorläufigen Höchststand erzielt. Nach einem weltweiten Anstieg der Gästeankünfte um 5 % im ersten Halbjahr 2008 wurde im zweiten Halbjahr ein Rückgang von 1 % verzeichnet. Dies entspricht einem Wachstum von 1,8 % gegenüber dem Vorjahr. Zu den Regionen mit den höchsten Wachstumsraten zählen im Jahr 2008 gegenüber 2007 der Mittlere Osten mit 11 %, gefolgt von Afrika mit 5 % und Amerika mit 4 %. Die Region Asien-Pazifik konnte trotz eines Rückgangs im zweiten Halbjahr um rund 3 % eine Wachstumsrate von 2 % erzielten. Das Wachstum in Europa belief sich nur auf 0,1 %. Der Anteil Europas an den weltweiten Gästeankünften lag bei knapp 53 %.2 Bis zum Jahr 2020 prognostiziert die WTO in Bezug auf die weltweiten Gästeankünfte eine Vergrößerung der Marktanteile der Länder im asiatisch-pazifischen und afrikanischen Raum sowie im Mittleren Osten um über 5 % jährlich bei rückläufigen Marktanteilen der Länder in Europa und Amerika. Der Marktanteil Europas wird im Jahr 2020 auf nur noch 46 % geschätzt. Das durchschnittliche jährliche Wachstum bis zum Jahr 2010 wird von der WTO mit 4,1 % angegeben. Die Dynamik des 2 Vgl. UNWTO (Nr. 1 2009). Rang Land Anzahl der Gästeankünfte in Mio. 1 Frankreich 81,9 2 Spanien 59,2 3 USA 56,0 4 China 54,7 5 Italien 43,7 6 Großbritannien 30,7 7 Deutschland 24,4 8 Ukraine 23,1 9 Türkei 22,2 10 Mexiko 21,4 Quelle: UNWTO Tourism Barometer Juni 2008 Abb. 23-2: Internationale Ankünfte in 2007 Rang Land Mrd. USD 1 USA 96,7 2 Spanien 57,8 3 Frankreich 54,2 4 Italien 42,7 5 China 41,9 6 Großbritannien 37,6 7 Deutschland 36,0 8 Australien 22,2 9 Österreich 18,9 10 Türkei 18,5 Quelle: UNWTO Tourism Barometer Juni 2008 Abb. 23-1: Einkünfte aus dem internationalen Tourismus in 2007 23 Besonderheiten der Bewertung von Hotelimmobilien 573 weltweiten Tourismus ist sowohl das Ergebnis von Globalisierungsprozessen als auch ein Beschleuniger dieser Prozesse. 23.1.2 Marktüberblick Deutschland Der Tourismus ist in Deutschland mit einem Anteil von rund 3,2 % des Bruttoinlandsprodukts ein Wirtschaftsfaktor von wesentlicher Bedeutung. Die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. prognostiziert bis zum Jahr 2015 über 400 Mio. Übernachtungen, davon ca. 66 Mio. Übernachtungen von Ausländern.3 In Deutschland lag der Anteil der Übernachtungen von Ausländern im Jahr 2007 bei ca. 15 % bei durchschnittlichen jährlichen Zuwachsraten von ca. 1,6 % zwischen 1998 und 2007. In Deutschland ist die Nachfrage nach Hoteldienstleistungen somit in erster Linie national motiviert, jedoch mit starken regionalen Unterschieden.4 Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Gästeankünfte und Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in Deutschland von 1994 bis 2007: Die Anzahl der Gästeankünfte konnte im Beobachtungszeitraum bis auf die Jahre 2001 und 2002 (u.a. aufgrund der Auswirkungen des 11. September und SARS) einen kontinuierlichen Anstieg verzeichnen, während hinsichtlich der Anzahl der Übernachtungen Schwankungen und geringere Wachstumsraten verzeichnet wurden. Darin spiegelt sich insbesondere der Trend zu einer niedrigeren durchschnittlichen Aufenthaltsdauer wider, die von 3,5 Tagen im Jahr 1994 kontinuierlich auf 2,8 Tage im Jahr 2007 sank. Die Struktur des deutschen Beherbergungsangebots6 ist traditionsgemäß durch kleinbetriebliche und mittelständische Betriebe geprägt. Im November 2007 wurden in Deutschland 36.735 Betriebe mit 3 Vgl. DZT (2008, 2009) Presseinformation. 4 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland. 5 In Betrieben ab neun Betten und auf Campingplätzen. 6 Die Beherbergungsbetriebe beinhalten Hotels, Hotels garnis, Pensionen und Gasthöfe. Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland Abb. 23-3: Gästeankünfte und -übernachtungen in Deutschland von 1994 bis 20075 Matthias Schröder und Ulrike Schüler574 rund 1,6 Mio. angebotenen Betten gezählt. Das entspricht einer durchschnittlichen Betriebsgröße von ca. 44 Betten pro Betrieb.7 Wie in anderen Ländern der Welt ist auch in Deutschland eine Tendenz zu größeren Betrieben und zum Anschluss an nationale und internationale Hotelgesellschaften (Markenhotellerie)8 erkennbar. Im Jahr 2007 waren auf dem deutschen Markt 139 agierende Hotelgesellschaften bekannt.9 Insbesondere in Primärdestinationen, wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München, findet ein Verdrängungswettbewerb zu Ungunsten kleiner Betriebe ohne Anschluss an eine Hotelkette statt. Weltweit verfügen die zehn größten Hotelgesellschaften im Jahr 2007 über 32.040 Hotels (+ 1 % im Vergleich zum Vorjahr).10 Acht der zehn größten Hotelgesellschaften sind in den USA beheimatet. Auf dem elften Platz rangiert die deutsche TUI AG mit 278 Hotels. Die folgende Tabelle stellt die weltweit größten Hotelgesellschaften nach der Anzahl der Zimmer dar: Im Vergleich zu den USA ist die Marktdurchdringung der internationalen Hotelgesellschaften bzw. die Markendurchdringung in Deutschland mit rund 30 % der Hotels gering, so dass in Zukunft mit 7 Vgl. IHA (2008). 8 Unter dem Oberbegriff Markenhotellerie werden Hotelgesellschaften und Hotelgruppen zusammengefasst, die mindestens vier Hotels besitzen und die mit einer eigenen Dachmarkenstrategie am deutschen Hotelmarkt operieren, die sich u.a. im Hotelnamen dokumentiert. Vgl. Dehoga (2006). 9 Vgl. IHA (2008). 10 Vgl. IHA (2008). Rang Name und Sitz Zimmer Anzahl Hotels Anzahl 1 InterContinental Hotels Group plc Windsor, Berkshire, England 556.246 3.741 2 Wyndham Worldwide Corporation Parsippany, New Jersey, USA 543.237 6.473 3 Marriott International Inc Washington D.C., USA 502.089 2.775 4 Hilton Hotels Corporation Beverly Hills, Kalifornien, USA 497.738 2.901 5 Accor S.A. Paris, Frankreich 486.512 4.121 6 Choice Hotels International Silver Spring, Maryland, USA 429.401 5.316 7 Best Western International Phoenix, Arizona, USA 315.401 4.164 8 Starwood Hotels & Resorts worldwide Inc White Plains, New York, USA 265.598 871 9 Carlson Hospitality Worldwide Minneapolis, Minnesota, USA 145.933 945 10 Global Hyatt Corp. Chicago, Illinois, USA 141.011 733 11 TUI AG/TUI Hotels & Resorts Hannover, Deutschland 82.111 278 12 Sol Meliá S.A. Palma de Mallorca, Spanien 78.452 306 Quelle: IHA (2008) Abb. 23-4: Die weltweit größten Hotelgesellschaften 23 Besonderheiten der Bewertung von Hotelimmobilien 575 einer weiteren Expansion der Markenhotellerie im Rahmen von Neubauprojekten oder/und Unternehmenskäufen und Unternehmensverschmelzungen zu rechnen ist. 23.1.3 Preis und Belegung – europäische Großstädte im Vergleich Zu den wichtigsten Indikatoren der Hotelbranche in Bezug auf die Beurteilung eines Hotelmarktes und eines einzelnen Hotelobjektes zählen: Kapazitäten (Anzahl der Betriebe und Zimmer) • Hotelprojekte (zusätzliches kurz-, mittel- und langfristiges Angebot) • Anzahl der Ankünfte und Übernachtungen • Zimmerauslastung • Netto-Zimmerpreis • Revpar (Ertrag pro verfügbarem Zimmer) • Die Entwicklung des Angebotes (bestehende und zukünftige Kapazitäten) und der Nachfrage (Ankünfte und Übernachtungen) spiegelt sich u.a. in der durchschnittlichen Auslastung der Zimmer und dem Netto-Zimmerpreis als eine der wichtigsten Kennzahlen zur Beurteilung eines Hotelmarktes wider. Der Revpar, definiert als Produkt aus Auslastung und Netto-Zimmerpreis, stellt den Ertrag pro verfügbarem Zimmer dar. Die durchschnittlichen Auslastungen und Netto-Zimmerpreise variieren in Deutschland je nach Stadt und Region deutlich. Noch auffälliger sind die Unterschiede im europäischen Vergleich. Die folgende Abbildung stellt die im Jahr 2007 realisierten durchschnittlichen Zimmerbelegungen, Netto-Zimmerpreise und den Revpar in Form einer Stichprobe von Hotels in ausgewählten Städten Europas dar. Im Vergleich zu den dargestellten anderen europäischen Städten bewegen sich die durchschnittlichen Netto-Zimmerpreise in deutschen Hotels auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Dies hängt einerseits mit dem föderalen System in Deutschland zusammen: eine Metropole wie London, Paris oder Rom gibt es in Deutschland nicht und auch nicht zwei oder drei dominierende Großstädte (wie z.B. Rom und Mailand oder Madrid und Barcelona). Andererseits weist der deutsche Hotelmarkt zum Teil Überkapazitäten auf. In den vergangenen Jahren ist das Angebot an Hotelzimmern insbesondere im gehobenen Segment deutlich gestiegen, was unter anderem zu einem Rückgang der Erträge und Betriebsergebnisse führte. Stadt Belegung in % Durchschnittlicher Netto-Zimmerpreis in € Revpar in € Amsterdam 79,5 171,93 136,68 Athen 68,7 172,61 118,62 Barcelona 66,8 163,85 109,44 Berlin 72,8 112,85 82,10 Frankfurt 67,9 114,48 77,72 London1) 81,8 188,63 154,36 München 77,8 114,01 88,72 Paris 75,9 197,73 150,04 Rom 75,5 251,95 190,34 Quelle: PKF Country trends 2008 1) Umrechnung der Währung von englischen Pfund in Euro zum Stichtag 31.12.2007 Abb. 23-5: Europäische Städte im Vergleich Matthias Schröder und Ulrike Schüler576 23.1.4 Betriebsformen Bis in die fünfziger Jahre waren Eigentümer und Betreiber des Hotels in der Regel identisch. Dadurch wurde Kapital gebunden, das für den Betrieb nicht eingesetzt werden konnte und eine Expansion erschwerte, so dass – ausgehend von den USA – eine Trennung von Eigentum und Betrieb auf zwei Gesellschaften – Verpächter und Pächter – erfolgte. Als Pachtzins wurde ein fester Pachtzins oder ein fester Pachtzins zuzüglich einer gewinnabhängigen Komponente vereinbart (Profit-Sharing Lease bzw. Operating Lease). Die beim Pächter verbleibenden Risiken sind bei einem Pachtvertrag insbesondere in Ländern mit einer politischen und wirtschaftlichen Instabilität hoch, da der Pächter die Betriebsverluste trägt und das Personal bei der Gesellschaft des Pächters angestellt ist. Daher entstanden Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre die ersten Managementverträge, die das unternehmerische Risiko auf den Eigentümer verlagerten. In Deutschland konnte sich der Managementvertrag bislang nur begrenzt durchsetzen. Die weiterhin bevorzugte Vertragsart von deutschen Investoren und finanzierenden Banken ist der Pachtvertrag, der fest kalkulierbare Einnahmen zusichert. Bedingt durch die starke Marktstellung amerikanischer Ketten, die die internationale Hotellerie in großem Maße beeinflussen, und weiterer Konsolidierungsund Konzentrationstendenzen auf den Hotelmärkten ist die Bereitschaft der Hotelgesellschaften zum Abschluss von Pachtverträgen in der Regel nur noch an strategisch wichtigen und begehrten Standorten gegeben. In der Praxis setzen sich so genannte Hybrid-Verträge durch, die einen Managementvertrag mit pachtvertragsähnlichen Varianten zugrunde legen und welche die unterschiedlichen Interessen von Eigentümer und Betreiber ausgewogener berücksichtigen. In der folgenden Tabelle sind die wesentlichen Vor- und Nachteile von Pacht- und Managementverträgen aus Eigentümersicht dargestellt: In Zukunft ist zu erwarten, dass auch in Deutschland Managementverträge aufgrund des Drucks internationaler Hotelketten weiter an Bedeutung gewinnen. Eine Sonderstellung nimmt das in der Hotellerie weit verbreitete Franchising ein, das auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt. Während beim Managementvertrag der Betrieb durch eine Hotelgesellschaft geführt wird, verbleibt beim Franchising die Betriebsführung beim Eigentümer Pachtvertrag Managementvertrag Vorteile: kalkulierbare Einnahmen • begrenztes Risiko • Personal verbleibt beim Pächter • einfacher Ausstieg (wenn keine Zahlung • erfolgt) nur begrenzt spezifisches Hotel- • Know-How erforderlich Einkünfte aus Vermietung und • Verpachtung Klare Interessenlage • Vorteile: Betriebsgewinn verbleibt beim Eigen- • tümer, der Betreiber erhält lediglich ein Entgelt für seine Dienstleistungen Mitsprache- und Kontrollrecht • Nachteile: Zementierung historischer • (u.U. niedriger) Konditionen keine Mitspracherechte • Konfliktpotenzial bei Rückgabe des • Mietobjektes (Instandhaltung) kann gewerbesteuerfreie Einkünfte und • unter bestimmten Umständen steuerfreie Veräußerungsgewinne generieren Nachteile: keine garantierte Deckung der • Verzinsung des eingesetzten Kapitals Personal ist beim Eigentümer • Hohes Streitpotenzial • Abhängigkeit des Betriebsergebnisses • von der Kompetenz des Betreibers Einkünfte aus Gewerbebetrieb • Abb. 23-6: Vor- und Nachteile von Pacht- und Managementverträgen 23 Besonderheiten der Bewertung von Hotelimmobilien 577 oder Pächter. Der Abschluss eines Franchisevertrages hat für den Franchisenehmer (Eigentümer oder Pächter eines Hotels) folgende Vorteile: Unterstützung durch die Hotelgesellschaft in der Projektierungs-, Bau- und Voreröffnungsphase • des Hotels (technische und betriebswirtschaftliche Unterstützung) Betreuung und Beratung des laufenden Betriebs sowie im Rahmen eines Franchisevertrages mit • einer internationalen Hotelgesellschaft die Anbindung an eine leistungsstarke Verkaufs- und Marketingorganisation Franchisenehmer erhält Markenrechte, Betriebskonzepte und sonstige Leistungen vom Franchise- • geber Für die Hotelgesellschaft (Franchisegeber) bietet Franchising die Möglichkeit zur flächendeckenden Marktdurchdringung ohne wirtschaftliches Risiko. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Franchisesystem ist die Marke Best Western. 23.1.5 Markttendenzen Die Tourismusindustrie gehört weltweit zu den Wachstumsbranchen. Während in Deutschland bereits Marktsättigungstendenzen erkennbar sind, bieten Märkte wie z.B. der osteuropäische oder asiatischpazifische Raum aufgrund des noch unterentwickelten Hotelmarktes und der mangelnden Präsenz der Markenhotellerie ein hohes Potenzial. In der deutschen Hotellerie werden sich die Konzentrations- und Verdrängungsprozesse zu Gunsten großer international operierender Hotelkonzerne weiter fortsetzen. Einhergehend mit den gesellschaftlichen Veränderungen ist auch eine zunehmende Polarisierung (Budget – Luxus) in der Hotelindustrie erkennbar. Die Nachfrage nach Hoteldienstleistungen wird sich – wie in den vergangenen Jahren bereits erkennbar – weiter auf das Budgetsegment konzentrieren. Es ist zu erwarten, dass dieses Segment von der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise profitiert und gestärkt daraus hervorgehen wird. Nicht klar positionierte Hotelprodukte und unprofessionell geführte Betriebe werden vor dem Hintergrund zunehmender Gästeansprüche und gesättigter Märkte kurz- bis mittelfristig nicht überleben. Somit wird der zukünftige Erfolg stärker von einer Spezialisierung im Hinblick auf Hotelkonzeption und zielgruppengerechter Ansprache abhängen. Die zunehmende Marktmacht internationaler Hotelkonzerne wird sich zukünftig auch verstärkt auf die Betriebsformen auswirken. Managementverträge und Vertragsmodelle mit einem Profit-Risk- Share werden den klassischen Pachtvertrag ablösen. 23.2 Bewertung von Hotels 23.2.1 Besonderheiten der Bewertung von Hotels im Überblick Die Bewertung von Immobilien ist in dem Kapitel 21 dieses Buches bereits ausführlich von Prof. Dr. Karl-Werner Schulte und Herrn Prof. Dr. Gerrit Leopoldsberger dargestellt. Aus diesem Grund wird in diesem Buchabschnitt auf eine redundante Darstellung der Standards und Methoden der allgemeinen Bewertung von Immobilien verzichtet und lediglich zu den Besonderheiten der Bewertung von Hotels – im Unterschied zur Bewertung anderer Immobilienformen – Stellung genommen. Die wesentlichen Besonderheiten der Hotelbewertung sind: • Komplexe Werteinf lussfaktoren Der Wert von Hotels bestimmt sich maßgeblich durch langfristig abgeschlossene Pacht- und dinglich gesicherte11 Managementverträge sowie durch das Ergebnispotenzial des Hotelbetriebes. Allgemeine Kriterien der Immobilienbewertung treten deshalb in den Hintergrund. 11 Durch Eintragung als Dienstbarkeit in die Abteilung II des Grundbuches.

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References

Zusammenfassung

Beschäftigt man sich mit der Praxis der Unternehmensbewertung, so zeigt sich, dass hier zahlreiche Spezifika vorliegen, die vom Bewerter berücksichtigt werden müssen. Diese sind zum einen in Marktpotenzialen begründet, in Lebenszyklen, in potenziellen Synergieeffekten oder in Integrationsproblemen.

Eine detaillierte Branchenkenntnis und -analyse ist Basis einer fundierten Unternehmensplanung, die wiederum maßgeblich die Qualität der Unternehmensbewertung beeinflusst.

Es gehört also zum Selbstverständnis, dass sich der Bewerter intensiv mit entsprechenden Branchen sowie deren Besonderheiten beschäftigt.

Dieses Buch wird ihm dabei wertvolle Hilfe sein.

- zur Bewertung von Unternehmen sind Branchenkenntnisse notwendig

- neue Beiträge über die Bewertung von Brauereien und von Infrastrukturprojekten wie dem Eurotunnel

- das maßgebliche Werk zur branchenorientierten Bewertung von Unternehmen

"Die Beiträge sind sehr anschaulich … Das Werk und seine einzelnen Beiträge können jedem empfohlen werden, der sich mit Fragen der Unternehmensbewertung … beschäftigt."

Peter Bömelburg, Die Wirtschaftsprüfung 2/2009

Die einzelnen Beiträge folgen einem einheitlichen und praxisorientierten Grundgerüst:

- Charakterisierung der Branche

- Ermittlung der Plandaten der Unternehmensbewertung

- Branchenspezifische Ansätze der Unternehmensbewertung

- Praxisbeispiele.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Drukarczyk war Inhaber des Lehrstuhls für Finanzierung an der Universität Regensburg. Er hat darüber hinaus zahlreiche Gastprofessuren in England, Frankreich, Österreich und Deutschland wahrgenommen. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete sind Bewertung, Sanierung und Analyse institutioneller Regelungen auf Kreditmärkten.

Dr. Dr. Dietmar Ernst ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance (DICF).

Für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling, für Experten in Kreditinstituten sowie für Unternehmens-, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.