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Vera-Carina Elter, 17.2 Die objektivierte Ermittlung von Marktwerten für Spielervermögen in:

Jochen Drukarczyk, Dietmar Ernst (Ed.)

Branchenorientierte Unternehmensbewertung, page 393 - 403

3. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3654-9, ISBN online: 978-3-8006-4464-3, https://doi.org/10.15358/9783800644643_393

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Vera-Carina Elter382 17.1 Vorbemerkung Sportvereine werden zu umsatzstarken Wirtschaftsunternehmen, die sich zu großen Teilen aus der Vermarktung des Sports und nur noch zu einem geringen Teil aus Mitgliederbei trägen finanzieren. Sportveranstaltungen werden immer häufiger zu kommerziellen Events, die durch den Verkauf von medialen Rechten sowie Werbe- oder sonstigen Rechten refinanziert werden. Vor diesem Hintergrund gehören mediale Verwertungs-, Werbe-, Marken- und Vermarktungs-, Transfer-, Hospitality- sowie Ticketingrechte (siehe hierzu Abb. 17-1) und zu den wesentlichen Vermögenswerten der Vereine und sind gleichzeitig wichtige Werttreiber und Erfolgsfaktoren im operativen Geschäft. Durch das wachsende Interesse von Wirtschaft und Medien und den damit einhergehenden Steuerungsmechanismen gewinnt demnach auch die Bewertung dieser zentralen Rechte zunehmend an Bedeutung und praktischer Relevanz. Nachfolgend ist daher beispielhaft die Bewertung von Markenund Transferrechten (= Spielervermögen) für Fußballunternehmen1 dargestellt. 17.2 Die objektivierte Ermittlung von Marktwerten für Spielervermögen 17.2.1 Allgemein Durch die Ausgliederungen von Lizenzmannschaften der Fußballunternehmen in Kapitalgesellschaften wird der Kreis der bisherigen Bilanzadressaten (Verband, Steuerbehörden, Kreditinstitute) um Aktionäre und potenzielle Investoren vergrößert. Die Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital erfordert eine größere Transparenz der Vermögenssituation im externen Rechnungswesen sowie Kapitalmarktfähigkeit (insbesondere durch die Implementierung von Planungs- und Controlling- 1 Der Begriff Fußballunternehmen wird im Folgenden als Oberbegriff unabhängig von der Rechtesform für Fußballvereine und Fußballkapitalgesellschaften verwendet. Alle Rechte im Zusammenhang mit den Verwertungssystemen Fernsehen, Hörfunk, Internet und Neue Medien (z.B. Mobil Devices). Namens- und Logorechte – im Wesentlichen klassische Merchandising- Transferrechte Transferrechte beinhalten das Recht von einem anderen Verein eine Ablösesumme Rechte im Umfeld des Sports und Lizenzrechte – Namensrechte an Stadien für das vorzeitige Herauskaufen eines Spielers aus seinem Arbeitsvertrag zu verlangen. Ticketing-und Hospitalityrechte Werbe- und Marketingrechte Alle Werbe- und Marketingrechte rund um – Eintrittskarten das Stadion und den Verein, z.B. – Trikotsponsoring – Werbebanden – Vermarktung von Business Seats, Logen – Catering Mediale Rechte Quelle: Eigene Darstellung Abb. 17-1: Beispielhafte Rechte eines Fußballunternehmens 17 Bewertung von Fußballunternehmen 383 systemen) und eine stärkere Kapitalmarktkommunikation. Dies bedingt für die Fußballunternehmen teilweise eine große Umstellung, da in der Vergangenheit die Offenlegung der Finanzinformationen oftmals nur sehr zurückhaltend betrieben wurde. Jedoch können die mit der Ausgliederung in Kapitalgesellschaften zwangsläufig verbundenen Publizitätspflichten nicht nur als Belastung sondern auch als Chance verstanden werden, den Zugang zu externem Kapital zu erleichtern und den Marktauftritt zu unterstützen. Angesichts sinkender Fernseheinnahmen (bis zur Saison 2005/06 einschließlich) und steigender Personalkosten in der Vergangenheit haben Fußballunternehmen häufig noch heute erhebliche finanzielle Probleme, die sie oftmals an den Rand einer bilanziellen Überschuldung führen. Da die Fußballunternehmen häufig ein geringes, teilweise sogar ein negatives Eigenkapital aufweisen, erhält das Spielervermögen als potenzieller Träger von stillen Reserven und Lasten bzw. zur Aufstellung eines Überschuldungsstatus eine hohe Bedeutung. Der Wert des Spielervermögens stellt das zentrale Vermögen eines Fußballunternehmens dar. Dieser kann bisweilen 50 % der Bilanzsumme übersteigen. Das Spielervermögen dient folglich häufig als Sicherheit zur Unterlegung von Kreditengagements, da den Fußballunternehmen alternativ nur wenige bilanzielle Sicherheiten mit hoher Bonität (Sach- oder Finanzanlagen) zur Verfügung stehen. Aus Sicht aller Stakeholder besteht daher die Notwendigkeit eines objektivierbaren Bewertungsverfahrens von Spielervermögen, da dieses den entscheidenden Werttreiber darstellt und somit erhebliche bilanzielle und finanzielle Wirkung besitzt. Die Implementierung bzw. Anwendung eines objektivierbaren Bewertungsverfahrens für Spielervermögen kann unter den derzeitigen Bedingungen einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Transparenz und Glaubwürdigkeit der Fußballunternehmen leisten. 17.2.2 Das Recht auf Transferentschädigung 17.2.2.1 Das – abtretbare – geldwerte Recht am Spieler Unter dem Recht auf Transferentschädigung (= Transferrecht) ist das – abtretbare – geldwerte Recht am Spieler zu verstehen, das bei dem Fußballunternehmen liegt, bei dem der Spieler unter Vertrag steht. Es beinhaltet hauptsächlich das Recht, von einem am Spieler interessierten Fußballunternehmen eine Ablösesumme (Vertragsrauskaufsumme) für die vorzeitige Entlassung des Spielers aus dem Arbeits-/ Vertragsverhältnis zu verlangen. Über ein solches Recht auf eine Entschädigung verfügt jeder Arbeitgeber (nicht nur im Bereich des Fußballs), der mit einem Arbeitnehmer ein befristetes Arbeitsverhältnis eingegangen ist, da ein Arbeitgeber bei vorhandenem Interesse an einer Verpflichtung des Arbeitsnehmers durch einen Dritt-Arbeitgeber für das Einverständnis einer vorzeitigen Vertragsaufhebung eine Entschädigung (Ablösesumme) verlangen kann. 17.2.2.2 Das föderative Recht am Spieler Vom – abtretbaren – geldwerten Recht ist das föderative Recht (verbands- und fußballspezifische Recht) an einem Spieler zu unterscheiden, welches gemäß den einschlägigen Verbandsvorschriften immer bei dem Fußballunternehmen liegt, das den Spieler unter Vertrag hat, und somit als unabtretbar zu bezeichnen ist. Das föderative Recht an einem Spieler beinhaltet das Recht des Fußballunternehmens, im Zusammenhang mit dem Wechsel des Spielers die Freigabe zu erteilen, da dieser beim neuen Fußballunternehmen grundsätzlich erst registriert (Ausstellen der Spielberechtigung) werden kann, wenn die Freigabeerklärung erfolgt ist. 17.2.2.3 Das Bosman-Urteil Das Transfergeschäft wurde durch das sog. Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 15. Dezember 1995 stark beeinflusst. Der EuGH erklärte die damaligen Transferbestimmungen und die Ausländerklauseln in den Regeln der professionellen Fußballverbände für unvereinbar mit dem Freizügigkeitsrecht gemäß Art. 48 EG-Vertrag. Dieses Recht gewährt den EU-Ausländern die Vera-Carina Elter384 Gleichbehandlung mit Inländern als Arbeitnehmer, also in Bezug auf Arbeitsplatzwahl und Beschäftigungsbedingungen. Das Urteil gilt nur für Transfers nach Vertragsende, so dass ein Fußballunternehmen den Spieler nach wie vor herauskaufen muss, wenn zwischen dem Spieler und einem anderen Fußballunternehmen noch ein laufender Vertrag besteht Als Folge setzte sich eine Transferpraxis durch, nach der regelmäßig langfristig befristete Verträge geschlossen wurden, um die Spieler an das Fußballunternehmen zu binden. Eine ordentliche Kündigung war i.d.R. während der Laufzeit des befristeten Vertrags ausgeschlossen. In dieser Transferpraxis sah die EU-Kommission jedoch eine Umgehung des Bosman-Urteils. Im März 2001 haben sich daher die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) und die Union des Associations Européennes de Football (UEFA) mit der EU über die Prinzipien eines internationalen Transfersystems geeinigt. Die FIFA hat daraufhin auf Basis dieser Grundsätze das Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern überarbeitet und die Neufassung mit Wirkung zum 1. September 2001 (ersetzt durch aktuelles Reglement zum 1. Juli 2005 mit Modifizierungen zum 1. Januar 2008) in Kraft gesetzt. Hiernach dürfen Vertragslaufzeiten von Lizenzspielern 5 Jahre nicht überschreiten. Die Ablösesumme ist zwischen den beiden Fußballunternehmen – unter dem Vorbehalt zu beachtender vertraglicher Abmachungen – frei verhandelbar, wobei ein vorzeitiger Vereinswechsel das Einverständnis des Spielers voraussetzt. Das Bezahlen einer Ablösesumme kommt grundsätzlich unabhängig vom Alter für sämtliche Spieler, die aus dem bestehenden Vertrag herausgelöst werden sollen, zum Tragen. Bei einem Wechsel eines Spielers unter 23 Jahren während der Laufzeit eines Vertrages wird gemäß des FIFA-Reglements – neben der Ablösesumme – zusätzlich auch eine Ausbildungsentschädigung fällig. Diese hat das den Spieler verpflichtende Fußballunternehmen an alle Fußballunternehmen, die zwischen dem 12. und 21. Lebensjahr des Spielers bzw. dem Lebensjahr des Spielers in dem die Ausbildung abgeschlossen wurde, zu seinem Training und zu seiner Ausbildung beigetragen haben, gemäß bestimmter Parameter zu leisten. 17.2.2.4 Das Webster-Urteil Im Fall des schottischen Fußballprofis Andy Webster hat der Internationale Sportgerichtshof (CAS) am 30. Januar 2008 bestätigt, dass Spieler bis zu einem Alter von 28 Jahren nach einer „Schutzzeit“ von drei Jahren und ältere Spieler nach einer „Schutzzeit“ von zwei Jahren gegen eine Ablösesumme in Höhe der dann noch ausstehenden Gehaltszahlungen grundsätzlich ins Ausland wechseln dürfen. Auslöser für das Urteil war der im Jahr 2001 auf Druck der EU vom Weltverband eingeführte Artikel 17 der FIFA-Transferbestimmungen. Dieser besagt, dass ein Fußballprofi bei einem Wechsel ins Ausland seinen Kontrakt nach einer „geschützten“ Laufzeit von drei (bis zum 28. Lebensjahr) bzw. von zwei Jahren (nach dem 28. Lebensjahr) einseitig auflösen kann. Nach dem CAS-Urteil im Fall Webster muss der Spieler selbst oder der aufnehmende Verein allerdings nicht – wie von der FIFA gefordert – eine hohe Konventionalstrafe, sondern lediglich das noch ausstehende Gehalt zahlen. Für eine Analyse der konkreten Auswirkungen dieses Urteils ist es derzeit noch zu früh, es scheint jedoch klar, dass dieses CAS-Urteil ähnlich – wie der Fall Bosman – weit reichende Folgen auf den Profifußball und damit auch auf die Bilanzierung und Bewertung von Humankapital haben kann. 17.2.3 Die Bilanzierung des Spielervermögens 17.2.3.1 Die bilanzielle Bedeutung des Spielervermögens In den Jahren vor 2003 ist ein deutlicher Anstieg der durchschnittlichen Bilanzsumme der Fußballunternehmen der 1. Bundesliga festzustellen, der zum größten Teil auf die Entwicklung des aktivierten Spielervermögens zurückzuführen ist. Gründe für den kontinuierlichen Anstieg des durchschnittlich aktivierten Spielervermögens in dieser Zeit könnten Verschiebungen in der Bilanzierungspraxis der Fußballunternehmen sowie die möglicherweise im Zusammenhang mit einer Ausgliederung vorgenommene Hebung von stillen Reserven im Spielervermögen sein. 17 Bewertung von Fußballunternehmen 385 Zwischen 2003 und 2005 war das durchschnittlich aktivierte Spielervermögen jedoch rückläufig. Diese Entwicklung spiegelt die seit 2002 sinkenden Transferausgaben, die steigende Anzahl von ablösefreien Transfers, die zunehmende Zahl an Ausleihungen der Fußballunternehmen sowie den Anstieg der Verpflichtungen von Eigengewächsen wider. Mit dieser Entwicklung sinken gleichzeitig auch die bilanziellen immateriellen Vermögenswerte der Fußballunternehmen, die für Fremd- und Eigenkapitalgeber von wesentlicher Bedeutung sind. Der erneute Anstieg des aktivierten durchschnittlichen Spielervermögens in der 1. Bundesliga ab dem Jahr 2006 ist möglicherweise Ausdruck der verbesserten Finanz- und Ertragslage der Fußballunternehmen. 17.2.3.2 Die Bilanzierung nach HGB In der deutschen bilanzrechtlichen Literatur wird seit vielen Jahren darüber diskutiert, ob das Spielervermögen eines Fußballunternehmens einen aktivierungsfähigen Vermögensgegenstand darstellt oder nicht. Die Diskussion wurde insbesondere durch ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 26. August 1992 beeinflusst, nach dem die Spielerlaubnis – nicht die Transferzahlung als solche – als immaterieller Vermögensgegenstand, welcher selbständig verkehrsfähig und bewertbar ist, im Sinne eines konzessionsähnlichen Rechts zu aktivieren ist. Zu berücksichtigen ist, dass diese Entscheidung zu einer Zeit getroffen wurde, als der DFB die Lizenzierungsbestimmungen noch mit der Zahlung einer Transferentschädigung durch das aufnehmende Fußballunternehmen an das abgebende Fußballunternehmen als notwendige Voraussetzung zur Erteilung der Spielerlaubnis verbunden hat. Zumindest in der steuerlichen Gewinnermittlung ist seit dem von einer Aktivierungspflicht der entgeltlich erworbenen Spielerlaubnis auszugehen. Nach dem Bosman-Urteil des EuGH wurden auch die Lizenzbestimmungen des DFB geändert. Transferzahlungen fallen seit dem nur noch dann an, wenn ein Spieler vor dem Ende der Vertragslaufzeit zu einem anderen Fußballunternehmen wechselt. Die Erteilung der Spielerlaubnis durch die DFL ist hiernach nur noch an formale Voraussetzungen wie z.B. das Bestehen eines Arbeitsvertrags mit dem neuen Fußballunternehmen gebunden. Derzeit wird nur das erworbene Spielervermögen nach den Vorschriften des HGB mit den gezahlten Anschaffungskosten (entspricht der Transferentschädigung) in der Bilanz aktiviert. Der immaterielle 4.708 8.480 10.685 13.255 12.683 9.733 8.912 9.026 11.284 18.921 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 18.000 20.000 30 .06 .19 99 30 .06 .20 00 30 .06 .20 01 30 .06 .20 02 30 .06 .20 03 30 .06 .20 04 30 .06 .20 05 30 .06 .20 06 30 .06 .20 07 30 .06 .20 08 TE U R Quelle: DFL, Bundesliga Report 2006, 2007, 2008, 2009 Abb. 17-2: Durchschnittlich aktiviertes Spielervermögen in der 1. Bundesliga Vera-Carina Elter386 Vermögensgegenstand wird planmäßig über die Laufzeit des Arbeitsvertrages abgeschrieben, da die Spielerlaubnis mit Ablauf der Vertragsdauer ihre Gültigkeit verliert. Bei einer dauerhaften Wertminderung des Spielers (z.B. Sportinvalidität) muss darüber hinaus eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden. Bei nur vorübergehender Wertminderung besteht für die Fußballunternehmen ein Abschreibungswahlrecht. Eventuell gezahlte Spielervermittlungskosten werden bei einem Transfer mit der gezahlten Transferentschädigung i.d.R. als Anschaffungsnebenkosten ebenfalls aktiviert. Im Falle direkter Zahlungen an Spieler im Zusammenhang mit Vereinswechseln (sog. Signing Fee) werden diese dagegen nicht als Anschaffungsnebenkosten im Anlagevermögen sondern als aktiver Rechnungsabgrenzungsposten aktiviert. Spieler aus den eigenen Jugend- und Amateurmannschaften dürfen handels- und steuerrechtlich nicht bilanziert werden, da für selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens ein Aktivierungsverbot besteht. 17.2.3.3 Die Bilanzierung nach International Financial Reporting Standards Die IFRS erfordern die Bilanzierung von Humankapital unter bestimmten Bedingungen, insbesondere muss die hierfür häufig fehlende Verfügungsmacht im Sinne der Kontrolle über den aus der Verfügbarkeit des Humankapitals erwachsenden Nutzens gegeben sein. Diese ist durch entsprechende Gestaltung von Arbeitsverträgen erreichbar. Erworbenes Spielervermögen stellt auch nach IFRS einen aktivierungsfähigen immateriellen Vermögenswert dar (IAS 38). Zu bilanzieren ist mit Zugang des Spielers der wirtschaftliche Vorteil aus der exklusiven Einsetzbarkeit des Spielers und damit dessen Motivation und Fähigkeiten im Spielbetrieb, ab einem bestimmten Zeitpunkt (der vor Ablauf des bisherigen Arbeitsvertrags liegt) und für einen festgelegten Zeitraum. Darüber hinaus kann aus einem möglichen künftigen Verkauf des Spielers dem Fußballunternehmen ein zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen zufließen. Die Bewertung erfolgt bei Zugang zu Anschaffungskosten, soweit sie dem Zugang des Vermögenswertes direkt zurechenbar sind. Hierzu zählt insbesondere eine Transferzahlung an das abgebende Fußballunternehmen. Provisionszahlungen an Spielervermittler/-berater sowie an den Spieler gezahlte Signing Fees sind hinsichtlich ihrer Zurechenbarkeit zu den Anschaffungskosten im Einzelfall zu beurteilen. Diese Zahlungen können insbesondere Bestandteil der Anschaffungskosten sein, wenn sie nur im Hinblick auf den Vertragsschluss mit dem Spieler erfolgen, d.h. keine weiteren Gegenleistungen oder Rückforderungsmöglichkeiten für das Fußballunternehmen vereinbart werden. Die Folgebewertung erfordert planmäßige lineare Abschreibungen, wobei der Restwert am Ende der Nutzungsdauer zu berücksichtigen ist. Die alternative Neubewertungsmethode ist mangels Erfüllung der Kriterien eines aktiven Marktes nicht zulässig. Im Rahmen der Folgebewertung sind ggf. auch außerplanmäßige Wertminderungen (impairments) zu berücksichtigen, wobei zur Bestimmung des Zeitwerts (Fair Value less costs to sell) das auf einem Marktansatz basierende objektivierte Bewertungsmodell herangezogen werden kann, das auf Basis einer hinreichend großen Grundgesamtheit an Spielern und Spielerkriterien aus vergangenen Transferpreisen durch Clusterung Transaktionspreise für Spieler vergleichbarer Qualität ermöglicht. Ist die Ermittlung des Nutzungswerts (Value in use) erforderlich, muss mangels Zuordenbarkeit von Cash Flows zu einzelnen Spielern der Impairment Test auf Ebene der Cash Generating Unit, d.h. für das gesamte Fußballunternehmen/die Lizenzspielerabteilung, durchgeführt werden. Die Bilanzierung von selbst ausgebildeten Nachwuchsspielern als selbsterstellte immaterielle Vermögenswerte wird durch das Kriterium der Verfügungsmacht stark eingeschränkt; mangels zuverlässiger Bestimmung der Herstellungskosten ist die Bilanzierung im Regelfall nicht zulässig. Da das Vorliegen eines aktiven Marktes für Humankapital im vorliegenden Fall zu verneinen ist, ist die Inanspruchnahme der Erleichterungsregel des IFRS 1 zur Übernahme der immateriellen Vermögenswerte des Spielervermögens mit Zeitwerten in die IFRS-Eröffnungsbilanz bei erstmaliger Anwendung der IFRS nicht möglich. 17 Bewertung von Fußballunternehmen 387 17.2.3.4 Unterschiede zwischen Buch- und Marktwerten Der bilanzierte Buchwert entspricht i.d.R. (Ausnahme: aktueller Zugang) nicht dem Marktwert des Spielervermögens, sondern den fortgeführten Anschaffungskosten (Anschaffungskosten abzüglich planmäßiger und außerplanmäßiger Abschreibungen) der von anderen Fußballunternehmen erworbenen Lizenzspieler. Der Buchwert ist somit abhängig von den jeweiligen Rechnungslegungsvorschriften, von der Art des Zugangs sowie von der Restlaufzeit des Arbeitsvertrags. Der Marktwert kann in Anlehnung an die Definition nach IFRS2 wie folgt beschrieben werden: „Der Marktwert eines Vermögenswertes ist der Betrag, zu dem dieser Vermögenswert zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern („at arm’s length“) getauscht werden könnte.“ Der Marktwert des Spielervermögens wird daher zum einen von der erbrachten Leistung und den spezifischen Merkmalen eines Spielers („innerer Wert“) und zum anderen von dessen Vertragslaufzeit sowie dem Marktumfeld und damit von der wirtschaftlichen Situation der Anbieter bzw. Nachfrager beeinflusst. Der Buchwert ist daher nur in einigen wenigen Fällen (bei relativ aktuellen Spielertransfers mit gezahlter Entschädigung) ein Indikator für den Marktwert. I.d.R. besteht jedoch eine große Diskrepanz zwischen Buch- und Marktwert, insbesondere bei Eigengewächsen bzw. unentgeltlich (ablösefrei) erworbenen Spielern, möglicherweise aber auch bei Spielern, die in einer „Hochphase des Transfermarktes“ zu relativ hohen Preisen und vice versa gekauft worden sind. 17.2.3.5 Unterschiede zwischen Wert und Preis Ausgangspunkt einer marktorientierten Bewertung von Spielervermögen sind Einzel-Preise, die am Markt durch individuelle Ertrags- und Risikoerwartungen von Anbietern und Nachfragern zustande gekommen sind. 2 Vgl.: IAS 38, Nr. 8b. Aus Sicht des Vereins Buchwerte von Spielervermögen in der Bilanz Marktwerte von Spielervermögen nicht in der Bilanz ≠ Spezifischen Merkmalen und sportlicher Leistung des Spielers Rechnungslegungsvorschriften und Art Abhängig von Vertragsrestlaufzeit und Angebots- und Nachfrageverhältnisse (innerer Wert des Spielers) des Zugangs (äußere Rahmenbedingungen) Quelle: Eigene Darstellung Abb. 17-3: Buch- und Marktwert Vera-Carina Elter388 Durch die Bildung eines repräsentativen Branchendurchschnittes kann von spezifischen Bewertungskomponenten für einzelne Spieler und den damit verbundenen individuellen Ertrags- und Risikoaussichten abstrahiert werden. Aus den beobachtbaren Einzel-Preisen wird ein Marktkonsens im Hinblick auf das aktuelle Bewertungsniveau von Vergleichsspielern abgeleitet und diese Preisinformation auf ein konkretes Bewertungsobjekt („Spieler“) angewendet. Der somit ermittelte objektivierbare Wert für Spieler spiegelt die aggregierten Wertvorstellungen einer Vielzahl von Marktteilnehmern bei einer Vielzahl von Transaktionen wider. Daneben existieren jedoch auch individuelle subjektive Einschätzungen bezüglich eines Vermögenswertes („Spielers“), die zu einem Marktpreis führen, der sich aus den Angebots- und Nachfrageverhältnissen am Markt einstellt. Der Marktpreis eines Spielers stellt die Grenzeinschätzung der Marktteilnehmer hinsichtlich des Wertes des Spielers dar und kann daher von einem typisierten ermittelten Wert abweichen. Es zeigt sich aber auch, dass für Finanzierungs- oder Rechnungslegungszwecke unabhängig von einzelnen Transaktionspreisen und damit verbundener subjektiver Einflüsse ein objektivierbarer nachprüfbarer Wert ermittelt werden muss. 17.2.4 Bewertungsanlässe beim Spielervermögen Die Bewertungsanlässe für eine monetäre Wertermittlung von Spielervermögen können vielfältigster Natur sein. Durch das Instrument eines objektivierbaren Bewertungsverfahrens erhalten Kreditinstitute und andere Stakeholder (Versicherungen, Steuerbehörden, Verband) mehr Transparenz und die Fußballunternehmen gewinnen an Glaubwürdigkeit. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Baseler Eigenkapital-Vereinbarung (Basel II) wesentlich, nach deren Einführung die Kreditvergabe an die individuelle Risikoeinstufung des Kreditnehmers mittels Rating geknüpft wird. Das Spielervermögen als Sicherheit wird bisher auf Grund der hohen Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg und Gesundheitszustand der Akteure sowie der vorhandenen Intransparenz bei Kreditgebern oftmals nur als „second best“ Lösung angesehen. Darüber hinaus verbinden Kreditinstitute mit dem Spielervermögen i.d.R. einen unter Risikogesichtspunkten intransparenten und eher subjektiv bewertbaren Vermögenswert, dessen Marktwertermittlung sich schwierig gestaltet. Preis Wert Subjektive Einschätzungen Isolierte Betrachtung eines einzelnen Spielers Theoretisch fundierte Bewertungsmethodik Bildung eines Preises resultierend aus den aktuellen Angebots- und Nachfrageverhältnissen am Bildung eines repräsentativen Branchendurchschnitts Ableitung eines Marktkonsens über das Bewertungsniveauvon Markt Wertvorstellung eines einzelnen Marktteilnehmers bei lediglich einer Vergleichsspielern Wertvorstellungen einer Vielzahl von Marktteil- Preis Wert≠ Transaktion Ermittlung eines nehmern bei einer Vielzahl von Transaktionen Ermittlung eines MethodikVerhandlung subjektiven Wertes objektiven Wertes Quelle: Eigene Darstellung Abb. 17-4: Wert und Preis 17 Bewertung von Fußballunternehmen 389 „Eine objektivierbare einheitliche Bewertung der Lizenzspieler wäre aus versicherungstechnischer Sicht sehr zu begrüßen. Insbesondere würde dann eine allgemeingültige und von der Versicherungswirtschaft akzeptierte Grundlage für die Ermittlung der Marktwerte der einzelnen Lizenzspieler bestehen. Diese würde bei der Ermittlung der Versicherungssummen, die der Klub bei der Marktwertdeckung aufgeben muss, herbeigezogen und stellt für die Versicherer gleichzeitig die vom Versicherungsnehmer zu erbringende Rechtfertigung der Versicherungssumme dar ( justification of Sum Insured).“ Kai Bockelmann, Leiter der Abteilung Sport, Recreation & Entertainment, Aon Jauch & Hübener. Ein objektivierbares Bewertungsverfahren ist nicht nur für Fremdkapitalgeber notwendig, sondern in gleichem Maße auch für die Gewinnung von Eigenkapitalgebern (strategische oder Finanzinvestoren) sowie für alternative Finanzierungsformen wie z.B. Mezzanine Kapital, Anleihen oder auch Asset Back Securities. Außerdem haben Methoden zur Bewertung von „Spielervermögen“ durch die Einführung des europäischen Lizenzierungsverfahrens, das ein sog. Impairment of Assets vorschreibt, an Bedeutung gewonnen. Hierbei wird das „Spielervermögen“ jährlich auf eine mögliche Wertbeeinträchtigung überprüft. Liegt der aktuell ermittelte Marktwert eines Spielers unter dem bilanzierten Buchwert, ist eine Abschreibung vorzunehmen. Die Werthaltigkeit des Buchwertes ist jährlich für jeden einzelnen bilanzierten Akteur nachzuweisen und vom Wirtschaftsprüfer zu testieren. Auch im Rahmen einer bilanziellen Überschuldung müssen Marktwerte ermittelt werden, da der Bilanzposten Spielervermögen für die Fußballunternehmen oftmals die einzige Möglichkeit darstellt, stille Reserven zur Vermeidung eines Insolvenztatbestandes aufzudecken. Darüber hinaus müssen europaweit ab dem 1. Januar 2005 bis auf wenige Ausnahmen alle kapitalmarktorientierten Unternehmen ihre Rechnungslegung für den Konzernabschluss auf IFRS umstellen. Zu beachten ist, dass diese Verpflichtung nicht nur Unternehmen trifft, deren Anteile an einer Börse in einem geregelten Markt gehandelt werden, sondern auch solche, die z.B. eine öffentliche Anleihe am Kapitalmarkt platziert haben (für letzteres galt eine Übergangsfrist bis 2007). Aufgrund der zunehmenden Bedeutung internationaler Vergleichbarkeit könnte die Anwendung der IFRS künftig insbesondere beim europäischen Lizenzierungsverfahren zum Tragen kommen, so dass die bilanzielle Behandlung des Spielervermögens nach IFRS an Relevanz gewinnt. Des Weiteren wurde auch im Bilanzrechtsreformgesetz für nicht börsennotierte Unternehmen in Deutschland ab 2005 ein Wahlrecht implementiert. „Ein einheitliches objektivierbares Bewertungsverfahren der Marktwerte von Lizenzspielern schafft Transparenz und sorgt somit für erhöhtes Vertrauen in die Managementfähigkeiten der Clubführung. Das erleichtert die Bereitschaft der Sport-Versicherungsbranche zur Zeichnung von höhersummigen D&O-Policen (directors & officers liability/Organhaftung der Clubs bzw. deren Kapitalgesellschaften), die schließlich für Schadensersatzansprüche Dritter aufgrund von Managementfehlern aufkommen müssen. Auch würde sich die latente Sorge der Branche um den moral hazard bei der Sportinvaliditätsversicherung („Marktwertdeckung“) reduzieren. D.h., die Branche gewinnt mehr Sicherheit, dass die Versicherungssumme dem tatsächlichen Wert entspricht – im Invaliditätsfall also nur der tatsächliche Schaden des Clubs ersetzt wird. Während ohne dieses Verfahren die Gefahr einer „Über“- Versicherung von Spielern besteht, deren Potenzial sich eher dem Ende zuneigt.“ Jürgen Görling, Geschäftsführer, Hamburg-Mannheimer Sports GmbH Ein objektivierbares Bewertungsverfahren kann für die Fußballunternehmen auch wertvolle Unterstützung bei der internen wertorientierten Unternehmenssteuerung leisten, z.B. in Form von Orientierungshilfen für Kauf- und Verkaufspreise von Spielern, Leihgebühren sowie für eine Gehaltsanalyse der Spielergehälter. Vera-Carina Elter390 17.2.5 Bewertungsmethoden für Spielervermögen Die Bewertung von Spielervermögen hat generell nach denselben theoretischen Grundsätzen und Methoden wie die Bewertung von Unternehmen und sonstigen Vermögenswerten zu erfolgen. Werte können somit grundsätzlich auf Basis historischer Anschaffungs- und Herstellungskosten bzw. Entwicklungskosten (kostenorientierter Ansatz), mit Hilfe des Discounted Cashflow Verfahrens (kapitalwertorientierter Ansatz) sowie mittels unterschiedlicher Marktpreisverfahren (marktorientierter Ansatz) ermittelt werden. 17.2.5.1 Der kapitalwertorientierte Ansatz Beim kapitalwertorientierten Ansatz erfolgt die Ableitung des Wertes aus dem zukünftigen finanziellen Nutzen des jeweiligen Vermögenswertes. Da der Einzelspieler in eine Mannschaftssportart „eingebettet“ ist und deren Gesamtleistung die Erträge (neben mannschaftsunabhängigen Erträgen) des Fußballunternehmens bestimmen, müssten für eine Einzelbewertung zunächst die Erträge auf die einzelnen Spieler separiert werden. Diese Einzelallokation erscheint nur in Ausnahmefällen sowie durch eine Vielzahl von kaum nachprüfbaren Annahmen möglich. Der kapitalwertorientierte Ansatz scheidet daher zur Ermittlung der Marktwerte von Spielervermögen aus. 17.2.5.2 Der kostenorientierte Ansatz Auch der kostenorientierte Ansatz erscheint für die Spielerbewertung mit Problemen behaftet zu sein. Zur Ermittlung des Rekonstruktions- bzw. Wiederbeschaffungswertes müssen die relevanten Kosten angesetzt werden, die zur Beschaffung eines gleichwertigen Spielers bzw. eines Spielers, der dem Fußballunternehmen denselben Nutzen stiftet, notwendig sind. Dies bedeutet für einen erworbenen Spieler, dass die historisch gezahlte Ablösezahlung, bereinigt um die bisher eingetretenen Wertminderungen, sowie weitere Kosten, die während der Vertragslaufzeit angefallen sind, rekonstruiert werden müssten. Diese Rekonstruktion der Kosten dürfte regelmäßig schwierig ausfallen. Auch bei Spielern, die aus der eigenen Jugend- bzw. Amateurmannschaft („Eigengewächse“) kommen, erscheint der kostenorientierte Ansatz problematisch zu sein. Bei den „Eigengewächsen“ ist eine Kostenträgerrechnung auf Basis jedes einzelnen Spielers notwendig, die neben den direkt zuordenbaren Kosten auch alle Gemeinkosten nach bestimmten Verteilungsschlüsseln erfassen muss. Diese Kostenträgerrechnung dürfte in den wenigsten Fußballunternehmen vorhanden sein. Darüber hinaus erscheint eine Ermittlung des Marktwertes auf Basis der angefallenen Kosten nicht aussagefähig. Demnach hätte möglicherweise ein nicht so talentierter Spieler auf Grund seines höheren Trainingsaufwandes einen höheren Wert, als ein talentierter Spieler mit einem geringeren Trainingsaufwand. 17.2.5.3 Der marktpreisorientierte Ansatz Demnach erscheint nur der marktpreisorientierte Ansatz für die Ermittlung eines Marktwertes für Spielervermögen möglich zu sein, da bei diesem Ansatz auf Marktpreise, die zwischen fremden Dritten in der Vergangenheit realisiert worden sind, abgestellt wird. Durch die Definition von Kriterien bzw. Ausprägungsmerkmalen (z.B. Alter, Spielposition, Nationalität, Spieleigenschaft, gewichtete Leistungskriterien etc.) können im Rahmen einer Clusteranalyse bzw. eines Scoringsmodells Ähnlichkeiten zwischen den Vergleichsspielern, für die bereits eine Transaktion auf dem Markt zustande gekommen ist, und dem Bewertungsobjekt („zu bewertender Spieler“) hergestellt werden. Die realisierten Transferpreise der Vergleichsspieler aus der Vergangenheit sind jedoch zwingend auf das heutige Marktniveau hinsichtlich des Preises und der Transferwahrscheinlichkeit anzupassen. Darüber hinaus sind bei den zu bewertenden Spielern individuelle Besonderheiten, die sich auf den Wert des Spielers auswirken (z.B. langfristige Verletzung), in Form von Abschlägen bzw. Zuschlägen zu berücksichtigen. 17 Bewertung von Fußballunternehmen 391 Die Ableitung einer Wertvorstellung erfolgt bei dieser Methode durch die Bildung eines repräsentativen Branchendurchschnittes von beobachtbaren Marktpreisen und bildet damit einen Marktkonsens über das Bewertungsniveau von Vergleichsspielern. Somit spiegelt der Markt preisansatz die Wertvorstellung einer Vielzahl von Marktteilnehmern bei einer Vielzahl von Transaktionen wider und kommt dem Wertgedanken (im Rahmen eines Market Approach) nahe. Schwieriger ist die Einordnung in solchen Fällen, in denen für einen sehr jungen Spieler der wesentliche Anteil des bezahlten Preises offensichtlich durch sein vermutetes Zukunftspotenzial und nicht durch seine bisher erbrachte Leistung gerechtfertigt wird (siehe Abb. 17-5). Es handelt sich um eine sogenannte „ Talentprämie“, also einen Vorschuss auf erwartete zukünftige Leistungen und Ergebnisse. Die Abb. 17-5 soll verdeutlichen, dass eine eventuelle Transferentschädigung für einen „sehr jungen“ Spieler im Wesentlichen auf dem ihm zugeschriebenen Zukunftspotenzial basiert, für welches es noch keine beobachtbare Historie gibt, während eine eventuelle Transferentschädi gung für einen „älteren Spieler“ zwar auch für seine zukünftige Leistung bezahlt wird, diese aber im Wesentlichen Spiegel seiner bereits in der Vergangenheit erbrachten Leistung ist. Diese Betrachtung soll ausschließlich die Anteilsverhältnisse einer eventuellen Transferentschädigung darstellen und enthält keine Aussage zur Höhe einer eventuellen Transferentschädigung. Die Abb. 17-5 zeigt, dass eine eventuelle Transferentschädigung für einen sehr jungen und talentierten Spieler nicht durch bisher beobachtbare bzw. erbrachte Leistungen zu rechtfertigen ist. Dieses Zukunftspotenzial wird sich vielmehr erst in zukünftigen Leistungen widerspiegeln. Vor diesem Hintergrund muss bei der Bewertung dieses Spielers eine Klassifizierung zum Bewer tungsstichtag auf Basis eines Scoringmodells zu einer sehr niedrigen Anzahl an Scoringpunkten führen, obwohl eine möglicherweise gezahlte Transferentschädigung einen höheren Wert impli ziert. Das heißt zwar nicht, dass der in der Regel gezahlte Preis per se zu hoch ist, aber zumindest, dass ein höheres Risiko Anteil Zukunftspotenzial Zu sa m m en se tz u n g A b lö se su m m e Anteil erbrachte Leistung Alter des Spielers Quelle: Eigene Darstellung Abb. 17-5: Beispielhafte Zusammensetzung von gezahlten Transferentschädigungen in Abhängigkeit des Alters eines Spielers Vera-Carina Elter392 der Realisierung durch zukünftige Leistungen des Spielers besteht. Daher müssen in einem solchen Fall immer wieder die impliziten Erwartungen über das zukünftige Leistungspotenzial in der ursprünglich getätigten Transferentschädigung mit den erbrachten Leistungen des Spielers in dem Zeitraum nach dem Transfer (der eine „Talent prämie“ beinhal tete) verglichen werden. 17.2.6 Ausblick Die Bilanzierung und Bewertung von Spielervermögen wird bei Rechnungslegungs- sowie Finanzierungsfragen der Fußballunternehmen und Verbände eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen, da durch das Spielervermögen ein erheblicher Einfluss auf das Bilanzbild und somit auf die Vermögenssituation der Fußballunternehmen resultiert. Für alle Stakeholder werden Branchenkenntnisse bei der Beurteilung von Sicherheiten immer bedeutender. Die Unsicherheiten auf Seiten der Investoren bzw. Fremdkapitalgeber können von den Fußballunternehmen z.B. durch die Einführung eines objektivierbaren Bewertungsmodells für Spielervermögen aktiv gestaltet bzw. reduziert werden. Einheitlich angewendete objektivierbare Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Marktwertes von Spielervermögen existierten in Deutschland bisher nicht. Der auf Bewertungen aller Art spezialisierte Bereich Corporate Finance der KPMG hat sich sehr intensiv mit dem Thema Bewertung von Spielervermögen beschäftigt. Dabei wurde ein objektivierbares Bewertungsverfahren für Spielervermögen entwickelt, das auf dem marktpreisorientierten Ansatz basiert und bereits mehrfach in der Praxis eingesetzt wurde. Ein derartiges einheitlich objektivierbares Verfahren zur Ermittlung von Marktwerten für Spielervermögen kann nicht nur für rechnungswesenbasierte Bewertungsanlässe eine wertvolle Unterstützungsfunktion leisten, sondern auch die für die Inanspruchnahme von innovativen Finanzierungsinstrumenten notwendige Transparenz wesentlich verbessern sowie als Unterstützung für ein internes Wertmanagement dienen. 17.3 Markenbewertung bei Fußballunternehmen 17.3.1 Bedeutung der Marke Bedingt durch ein ständig steigendes Freizeitangebot sowie dem damit einhergehenden zunehmenden Konkurrenzdruck zwischen diesen Angeboten müssen sich die Fußballunternehmen zu modernen Dienstleistungsunternehmen mit entsprechender Kundenorientierung wandeln. Der Wettbewerb zwischen den Fußballunternehmen findet inzwischen zunehmend international statt. Gleichermaßen sind auch die Absatzmärkte der Fußballunternehmen internationaler geworden. Die damit verbundene Erschließung neuer Absatzmärkte und die Steigerung des Markenbekanntheitsgrades stehen in der Regel im Vordergrund bei Entscheidungen von Fußballunternehmen ihre Trainingslager bzw. Freundschaftsspiele in attraktiven Märkten wie Asien oder Amerika auszurichten. So nutzen inzwischen eine Reihe von Fußballunternehmen die freien Zeiten zwischen den Ligaspielen um Tourneen in Asien oder Amerika durchzuführen. Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um strategische Überlegungen zur Stärkung der Marke. 17.3.2 Ökonomische Messung der Marke Vor diesem Hintergrund erlangt die Marke des Fußballunternehmens und ihre Messung bzw. ihre ökonomische Dimension eine zunehmende Bedeutung. Profisportvereine sind Markenartikelunternehmen, d.h. das Markenpotenzial bestimmt gleichzeitig auch das ökonomische Potenzial. Je höher die Markenattraktivität eines Fußballunternehmens ist, desto größer ist sein Ertragspotenzial. Sämtliche qualitativen und quantitativen Kriterien fließen direkt oder indirekt in den Markenwert der Fußballunternehmen ein. Erst durch ihr komplexes/interdependentes Zusammenwirken entsteht eine vermarktbare Einheit. Die Marke ist daher ein wichtiger Vermögenswert der Fußballunternehmen. Die Markenattraktivität oder Markenstärke hat einen direkten Einfluss auf die Einnahmen aus dem Ticketing, dem Merchandising-Geschäft und der Verwertung der Marketingrechte sowie der zentralen/

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Zusammenfassung

Beschäftigt man sich mit der Praxis der Unternehmensbewertung, so zeigt sich, dass hier zahlreiche Spezifika vorliegen, die vom Bewerter berücksichtigt werden müssen. Diese sind zum einen in Marktpotenzialen begründet, in Lebenszyklen, in potenziellen Synergieeffekten oder in Integrationsproblemen.

Eine detaillierte Branchenkenntnis und -analyse ist Basis einer fundierten Unternehmensplanung, die wiederum maßgeblich die Qualität der Unternehmensbewertung beeinflusst.

Es gehört also zum Selbstverständnis, dass sich der Bewerter intensiv mit entsprechenden Branchen sowie deren Besonderheiten beschäftigt.

Dieses Buch wird ihm dabei wertvolle Hilfe sein.

- zur Bewertung von Unternehmen sind Branchenkenntnisse notwendig

- neue Beiträge über die Bewertung von Brauereien und von Infrastrukturprojekten wie dem Eurotunnel

- das maßgebliche Werk zur branchenorientierten Bewertung von Unternehmen

"Die Beiträge sind sehr anschaulich … Das Werk und seine einzelnen Beiträge können jedem empfohlen werden, der sich mit Fragen der Unternehmensbewertung … beschäftigt."

Peter Bömelburg, Die Wirtschaftsprüfung 2/2009

Die einzelnen Beiträge folgen einem einheitlichen und praxisorientierten Grundgerüst:

- Charakterisierung der Branche

- Ermittlung der Plandaten der Unternehmensbewertung

- Branchenspezifische Ansätze der Unternehmensbewertung

- Praxisbeispiele.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Drukarczyk war Inhaber des Lehrstuhls für Finanzierung an der Universität Regensburg. Er hat darüber hinaus zahlreiche Gastprofessuren in England, Frankreich, Österreich und Deutschland wahrgenommen. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete sind Bewertung, Sanierung und Analyse institutioneller Regelungen auf Kreditmärkten.

Dr. Dr. Dietmar Ernst ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance (DICF).

Für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling, für Experten in Kreditinstituten sowie für Unternehmens-, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.