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Georg A. Teichmann, 15.2 Rahmenbedingungen im Umbruch in:

Jochen Drukarczyk, Dietmar Ernst (Ed.)

Branchenorientierte Unternehmensbewertung, page 349 - 354

3. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3654-9, ISBN online: 978-3-8006-4464-3, https://doi.org/10.15358/9783800644643_349

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15 Unternehmensbewertung von Krankenhäusern 337 Allen Bewertungsmethoden ist gemein, dass sie auf künftigen finanziellen Erfolgsgrößen basieren. Die Prognose der künftigen finanziellen Überschüsse stellt das Kernproblem jeder Unternehmensbewertung dar. Die in der Vergangenheit erwiesene Ertragskraft dient im Allgemeinen als Ausgangspunkt für Plausibilitätsüberlegungen. Sofern die Ertragsaussichten aus unternehmensbezogenen Gründen bzw. aufgrund veränderter Markt-, Wett bewerbs - und regulatorischen Bedingungen zukünftig andere sein werden, sind die erkennbaren Unter schiede zu berücksichtigen. In der Bewertungspraxis kommt vor dem Hintergrund der besonderen Finanzierungssituation von Krankenhäusern häufig die DCF-Methode zum Einsatz. Trotz der stark eingeschränkten Verfügbarkeit von Daten über Krankenhaustransaktionen und sehr wenigen börsennotierten Krankenhäusern erfreut sich auch die vergleichende Marktbewertung in der Praxis großer Beliebtheit. Ziel ist hierbei meist eine erste indikative Wertabschätzung eines Krankenhauses bzw. einer Klinik-Kette. Je nach Bewertungszweck variieren der Grad der tolerierten Fehlervermeidung, die Nachprüfbarkeit der Ergebnisse sowie die Offenlegung der Vorgehensweise. Im Rahmen der Vorbereitung einer Entscheidung steht die Nachprüfbarkeit der Vorgehensweise weniger im Vordergrund als bei einer Vermittlung zwischen streitigen Parteien.10 Im Folgenden werden die betriebswirtschaftlich relevanten regulatorischen Rahmenbedingungen im Krankenhausmarkt sowie die aktuellen Veränderungen erläutert, die wesentlichen Einfluss auf die künftigen finanziellen Überschüsse und damit auf den Wert eines Krankenhauses haben.11 15.2 Rahmenbedingungen im Umbruch 15.2.1 Krankenhausmarkt im Umbruch Die Veränderungen in der Unternehmens- und Aufgabenumwelt für Krankenhäuser, beispielsweise in der Entwicklung der Patientenstruktur, der Intensität des medizinischen Fortschritts und dem steigenden Druck auf Effektivität sowie Effizienz des betrieblichen Handels, führen zu einem starken Anstieg der Wettbewerbsintensität.12 Der Marktzugang im Krankenhaussektor ist im Sozialgesetzbuch (SGB) manifestiert. In § 108 SGB V ist geregelt, dass Krankenkassen Krankenhausbehandlungen lediglich durch Hochschulkliniken, so genannte Plankrankenhäuser13 oder durch Krankenhäuser mit einem gesonderten Versorgungsauftrag mit den Krankenkassen erbringen lassen dürfen. Aus der Situation, dass lediglich Hochschulkliniken und Plankrankenhäuser Aussicht auf Investitionsförderung haben, die bestehenden Überkapazitäten auf dem Krankenhausmarkt den Abschluss gesonderter Versorgungsaufträge durch Krankenkassen nicht erwarten lässt, sowie der profitable Betrieb einer Privatklinik die Ausnahme darstellen dürfte, ist das Interesse an der Übernahme oder der Fusion von bzw. mit Hochschulkliniken und Plankrankenhäusern zu erklären. Die Regulierung im Krankenhauswesen betrifft neben dem Marktzugang im Wesentlichen deren Finanzierung, die seit Inkrafttreten des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) 1972 diversen Reformbemühungen der jeweiligen Bundesregierung unterlag.14 Grundsätzlich werden in Deutschland Krankenhäuser dual finanziert. Die Finanzierung der Investitionen liegt bei der öffentlichen Hand, während die in den Krankenhäusern anfallenden laufenden Betriebs- und Behandlungskosten von den Krankenkassen getragen werden. Diese duale Finanzierung der Krankenhäuser wird seit Jahren diskutiert und ein Übergang zur sogenannten Monistik erwartet.15 10 Vgl. zum Bewertungszweck Ballwieser, W. (2004), S. 1–5. 11 Vgl. zum Status eine Krankenhauses Bohle, T./Grau, U. (2003), S. 698–699. 12 Zu Veränderungen im Unternehmens- und Aufgabenumfeld vgl. Saure, C. (2004), S. 23–38. 13 Plankrankenhäuser sind in dem Krankenhausplan eines Bundeslandes aufgenommen. 14 Aufgeführt seien hier das Krankenhaus-Neuordnungsgesetz 1985, der Grundheitsstrukturgesetz 1993 und das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenhausausgaben 1996; vgl. darüber hinaus Tuschen, K.-H./Quaas, M. (1998), S. 9–24 sowie Goedereis, K. (1999), S. 11–32. 15 Beispielhaft für viele Diskussion vgl. Rürup, B. (2008). Georg A. Teichmann338 Die letzte wesentliche Änderung ist die Einführung eines einheitlichen, pauschalierenden und diagnoseorientierten Vergütungssystems zur Deckung der Betriebs- und Behandlungskosten. Die frühere Mischfinanzierung stationärer Krankenhausleistungen aus mit den Krankenkassen verhandelten tagesgleichen Pflegesätzen, Sonderentgelten und Fallpauschalen wurde im Jahr 2004 durch die German Diagnosis Related Groups (G-DRG) abgelöst.16 Hierdurch erweitert sich die Fokussierung des Vergütungssystems neben der Leistungs- bzw. Erlösmaximierung zusätzlich auf eine Kostenminimierung. Das Fallpauschalen-System sieht ein Entgelt zur Abdeckung der mit einem Behandlungsfall im Zusammenhang stehenden Kosten vor, das im Wesentlichen von der Verweildauer des Patienten im Krankenhaus unabhängig ist. Es zielt damit auf mehr Effizienz und Bedarfsgerechtigkeit im stationären Sektor. Damit soll die Qualität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit der Krankenhausbehandlung verbessert werden.17 Im Folgenden wird zunächst das DRG-System kurz erläutert und ausgewählte Aspekte zur Finanzierung, Bilanzierung sowie der Besteuerung angesprochen. 15.2.2 DRG-Einführung – Regulatorische Änderungen Durch das GKV-Gesundheitsreformgesetz im Jahr 2000 wurden die Selbstverwaltungspartner im Krankenhaussektor (Spitzenverbände der Krankenkassen, der Verband der privaten Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft) beauftragt ein durchgängiges, leistungsorientiertes und pauschalierendes Vergütungssystem für den stationären Krankenhaussektor einzuführen, zunächst mit Ausnahme von psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. Als Grundlage für das deutsche DRG-System wurde das australische AR-DRG-System gewählt.18 Das DRG-System ordnet die gesamten medizinischen Leistungen kostenhomogenen Fallgruppen (DRG) zu. Umfasste der Fallpauschalen-Katalog 2005 845 kalkulierte Fallpauschalen, sieht der Fallpauschalen-Katalog 2009 insgesamt 1.192 DRGs vor. Die Zuordnung zu einer Fallpauschale erfolgt anhand mehrerer Merkmale wie z.B.: Vorliegende Erkrankungen, • diagnostische und therapeutische Maßnahmen, • Alter, • 16 Vgl. Schlottmann, N. (2002), S. 26. 17 Vgl. Bundesministerium für Gesundheit (2002). 18 Vgl. www.dkgev.de/pub/newpdf/RS17502-Anlage-ref-Entw_Begründung.pdf. Krankenkassen (GKV + PKV) Arbeitgeber (öffentlich + privat) Krankenhausträger Krankenhaus Versicherte Patienten Steuerzahler/ Mitglied/ Anteilseigner Bundesländer Beiträge Beiträge Betriebskostenfinanzierung Gewinne/ Verluste Steuern/ Beiträge/ Einlagen Investitionskostenfinanzierung Steuern/ Abgaben Zahlungen Leistungen äger rankenhaustr r itglied/ Abb. 15-1: Struktur der Krankenhausfinanzierung (in Anlehnung an Janssen, Dirk, 1999, S. 62) 15 Unternehmensbewertung von Krankenhäusern 339 Geschlecht, • Gewicht etc. • Eine DRG besteht aus drei verschiedenen Teilen, wie das nachfolgende Beispiel zeigt: B 70 A = Hirnschlag mit äußerst schweren Komplikationen Die erste Stelle gibt an, welcher der 25 Hauptdiagnosekategorie die DRG zu geordnet wird. Die beiden nachfolgenden Zahlen geben die Partition an: 0 – 39 = chirurgische Behandlung 40 – 69 = andere, diagnostische Behandlung 70 – 99 = konservative Behandlung Die letzte Stelle ist ein Buchstabe, der die DRG in unterschiedliche Schweregrade gliedert. Insgesamt werden bis zu neun Schweregradstufen unterschieden. Jeder DRG wird ein Relativgewicht 19 (Kostengewicht) in Form eines Punktwerts zugeordnet. Die zuvor dargestellte DRG B70A beispielsweise besitzt im Fallpauschalenkatalog 2009 ein Relativ gewicht von 2,992. Das Relativgewicht nimmt mit Höhe des Schweregrads einer DRG zu. So hat die DRG B70B, die einen niedrigeren Schweregrad besitzt, z.B. ein Relativgewicht von 2,415. Eine wichtige Kennzahl des DRG-Systems ist der so genannte Case-Mix-Index, der den durchschnittlichen Schweregrad von Fällen in einem Krankenhaus oder einer Abteilung angibt. Dieser wird ermittelt, indem die Summe an Relativgewichten durch die Summe an Fallzahlen dividiert wird.20 Aus der Multiplikation des Relativgewichts und dem krankenhausindividuellen Basisfallwert 21 ergibt sich der Erlös, den ein Krankenhaus für einen Patienten erhält. Die zurzeit noch krankenhausspezifischen Basisfallwerte werden nach Ende der so genannten Konvergenzphase im Jahr 2010 22, durch landesweite Basisfallwerte ersetzt.23 Erstmalig wurden für das Jahr 2005 landesweite Basisfallwerte bestimmt, deren Höhe maßgeblichen Einfluss auf die Budgets 19 Das Relativgewicht stellt den durchschnittlichen Behandlungsaufwand einer DRG-Fallgruppe in Relation zum Behandlungsaufwand für einen durchschnittlichen Fall mit der standardisierten Messgröße 1,0 dar. Die Ermittlung der Relativgewichte erfolgt indem bei einer Stichprobe an Krankenhäusern eine Kalkulation der Rohfallkosten durchgeführt wird. Dabei werden alle DRG-relevanten Kosten unter Beachtung aller DRGrelevanter Leistungen vollständig auf die DRG-Fälle verteilt. Momentan erfolgt jedes Jahr zur Anpassung der bestehenden Relativgewichte eine Nachkalkulation. Somit stellt das DRG-System ein lernendes System dar, das sich ständig weiterentwickelt. Es ist anzumerken, dass bei den bisher durchgeführten Kalkulationen zur Ermittlung der Relativgewichte die Anzahl der teilnehmenden Universitätsklinika niedrig war. 20 Vgl. Thiex-Kreye, M./Kalbitzer, M./Von Collas, T. (2003), S. 34. 21 Der krankenhausindividuelle Basisfallwert wird durch Division des Budgets durch die Summe der Relativgewichte des jeweiligen Krankenhauses ermittelt. In Anlehnung an: Breßlein, S. (2004), S. 327. 22 In der so genannten Konvergenzphase werden die krankenhausindividuellen Basisfallwerte stufenweise, jeweils zum 1. Januar eines Jahres, an einen landesweit geltenden Basisfallwert angepasst. 23 Ursprünglich war das Ende der Konvergenzphase für das Jahr 2007 vorgesehen, mit dem Ergebnis einer Abflachung der stufenweisen Anpassung der krankenhausindividuellen Basisfallwerte an den landeseinheitlichen Basisfallwert. 2005 2006 2007 2008 2009 % Anpassung Basisfallwert des Vorjahres (Konvergenzquote) 15 % 23,5 % 30,8 % 44,4 % 100 % Höhe Kappungsgrenze 1,0 % 1,5 % 2,0 % 2,5 % 3,0 % Abb. 15-2: Stufenweise Anpassung krankenhausindividueller Basisfallwerte an landesweiten Basisfallwert Georg A. Teichmann340 der Krankenhäuser hat. Ferner sind ab 2005 periodische Anpassungen des krankenhausindividuellen Basisfallwerts bis zur vollen Geltung der landeseinheitlichen Basisfallwerte vorgenommen worden. Die Funktion der Kappungsgrenze besteht darin, die Höhe des maximal möglichen Verlusts eines Krankenhauses auf 1 % des Budgets zu beschränken. Mit dem Krankenhausfinanzierungsreformgesetz vom Dezember 2008 wurde die Konvergenzphase um ein Jahr bis Ende 2010 verlängert, so dass sich die konvergenzbedingten Budgetzuwächse bzw. Budgetminderungen des Anpassungsschrittes aus dem Jahr 2009 nunmehr auf zwei Jahre verteilen. Darüber hinaus werden die unterschiedlichen Landesbasisfallwerte in einem Zeitraum von fünf Jahren, beginnend im Jahr 2010, schrittweise auf einen bundeseinheitlichen Basisfallwertkorridor angenähert. Wie bereits erwähnt, erfolgt durch die Einführung der DRG die Vergütung eines Krankenhauses nicht mehr, wie bisher, auf Basis der vom Krankenhaus verursachten Kosten, sondern auf Basis der Kosten, die im statistischen Mittel aller Krankenhäuser für die jeweilige Behandlung anfallen. Zur Sicherung und Weiterentwicklung der medizinischen Qualität hat der Gesetzgeber parallel zum DRG-System flankierende Regelungen eingeführt. Beispielsweise könnte mit dem DRG-System für Krankenhäuser der Anreiz bestehen, Patienten verfrüht zu entlassen, da Krankenhäuser einen Festpreis für die medizinische Behandlung eines Patienten erhalten. In diesem Zusammenhang ist auch der Begriff „blutiger Patient“ entstanden. Eine weitere Auswirkung, die aufgrund der DRG- Einführung entstehen könnte, ist eine mangelnde qualitative medizinische Versorgung von Patienten. Dies wäre z.B. der Fall, wenn auf die Durchführung von angemessenen Teilleistungen aufgrund von überbetontem wirtschaftlichem und effizientem Handeln verzichtet werden würde. Um solche Folgen zu vermeiden wurden durch den Gesetzgeber nach § 137 SGB V regulatorische Maßnahmen zur Qualitätssicherung eingeführt. Auf Bundesebene wurde ein Katalog planbarer Leistungen aufgestellt, bei dem eine Abhängigkeit der Ergebnisqualität besonders von der Menge der erbrachten Leistungen unterstellt wird. Für solche Leistungen wurden Mindestmengen je Arzt oder Krankenhaus bestimmt. Im Falle, dass die festgelegte Mindestmenge für planbare Leistungen nicht eingehalten werden kann, dürfen ab dem Jahr 2004 diese Leistungen nicht mehr erbracht werden. Eine Abweichung von dieser Regelung ist möglich, wenn dadurch andernfalls eine Gefährdung der flächendeckenden medizinischen Versorgung der Bevölkerung besteht.24 Des Weiteren legt § 137 SGB V fest, dass sämtliche Krankenhäuser in einem Turnus von zwei Jahren einen Qualitätsbericht, der Informationen über den Stand der Qualitätssicherung beinhaltet, vorzulegen haben. Falls die Krankenhäuser diesen Qualitätsbericht nicht fristgerecht veröffentlichen, droht eine Sanktion in Form einer jährlichen Prüfung durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen.25 15.2.3 Finanzierung – Rechnungslegung – Besteuerung Seit 1972 ist das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG) in Deutschland die bedeutendste rechtliche Grundlage für die Krankenhausfinanzierung und die Krankenhausplanung. Mit § 1 Abs. 1 KHG wird die Absicht verfolgt, die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser zu sichern, um eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen und eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern zu gewährleisten. Das KHG ist auf Bundesebene der äußere Rahmen für die Krankenhausplanung und -finanzierung, der auf Bundesländerebene durch die individuellen Landeskrankenhausgesetze ergänzt wird.26 Mit dem In-Kraft-Treten des Krankenhausfinanzierungsgesetzes wurde die duale Finanzierung der Krankenhäuser eingeführt. Diese beruht auf einer Trennung der Finanzierung der Investitions- und Betriebskosten. Die Investitionskosten werden grundsätzlich über öffentliche Fördermittel der Bundesländer finanziert. Voraussetzung ist, dass das Krankenhaus Bestandteil des Krankenhausbedarfsplans ist, den die Länder nach § 6 Abs. 1 KHG aufzustellen haben.27 24 Vgl. § 137 Abs. 1 Nr. 6 SGB V. 25 Vgl. Lüngen, M./Lauterbach, K. W. (2003), S. 22 ff. 26 Vgl. Deutsche Krankenhausgesellschaft (2003), S. 3. 27 Vgl. Sattlegger, C. (2001), S. 28. 15 Unternehmensbewertung von Krankenhäusern 341 Unter Investitionskosten sind die Kosten für die Errichtung oder Erstausstattung eines Krankenhauses und die Anschaffung der zum Krankenhaus gehörenden Wirtschaftsgüter (keine Verbrauchsgüter) zu verstehen. Die Abgrenzungsverordnung (AbgrV) nimmt eine genaue Trennung von Wirtschaftsgütern in Anlage- und Verbrauchsgüter vor. So sind gemäß der AbgrV Verbrauchs- und Gebrauchsgüter pflegesatzfähig, Anlagegüter zur Errichtung und Erstausstattung von Krankenhäusern, sowie wiederbeschaffte Anlagegüter mit einer Nutzungsdauer länger als 3 Jahre sind dagegen durch Fördermittel zu finanzieren.28 Die Finanzierung der Investitionskosten wird in zwei Bereiche, in Einzelförderung 29 und in Pauschalförderung30, unterteilt. Des Weiteren bestehen gesonderte Bestimmungen zur Investitionsförderung von Universitätsklinika. Deren Investitionskosten teilen sich Bund und Länder zu gleichen Teilen. Die Bereitstellung von Investitionsfördermitteln durch die Bundesländer ist seit Jahren rückläufig, mit der Folge, dass ein erheblicher Investitionsstau bei den Krankenhäusern entstanden ist. Schätzungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft über die Höhe des Investitionsstaus liegen mittlerweile bei rd. 50 Milliarden Euro.31 Aus diesem Grund sind Krankenhäuser gezwungen sich neue Finanzierungsquellen zur Tätigung von Investitionen zu suchen. Neben der Finanzierung aus Gewinnrücklagen ist die Kreditfinanzierung eine Finanzierungsmöglichkeit. Bei der Finanzierung mit Hilfe langfristiger Darlehen kann die Bewilligungsbehörde des jeweiligen Bundeslands den Schulddienst32 übernehmen. Parallel werden erste alternative Finanzierungswege, wie beispielsweise Public-Private-Partnership- Modelle umgesetzt. Darüber hinaus wird teilweise auch das Instrument der Forfaitierung von Krankenhausforderungen eingesetzt. Erwartet werden weiterhin Börsengänge von Krankenhausbetreibern zur Finanzierung nicht aufschiebbarer Investitionen.33 Die laufenden Betriebskosten werden den Krankenhäusern über die Krankenkassen finanziert. Unter den laufenden Betriebskosten sind die Kosten zur medizinischen und pflegerischen Versorgung von Patienten sowie die Aufwendungen für deren Unterbringung und Verpflegung zu verstehen. Zur Finanzierung der laufenden Betriebskosten findet jährlich zwischen den Leistungsträgern (Krankenhaus) und den Kostenträgern (Krankenkasse) eine Verhandlung über die Aufstellung der Entgelte und Budgetermittlung statt. In diesem Vertrag werden für einen festgelegten Zeitraum die zu erbringenden Leistungen und die dabei entstehenden Kosten festgelegt.34 Für die krankenhausspezifische Finanzierung sind zugleich besondere Rechnungslegungsvorschriften erforderlich geworden, um eine Abbildung der Krankenhausfinanzierung in der Rechnungslegung zu ermöglichen. Diese sind in der Krankenhaus-Buchführungsverordnung (KHBV) geregelt. Nach § 3 KHBV hat ein Krankenhaus seine Bücher nach den Regeln der kaufmännischen doppelten Buchführung zu führen. Der Jahresabschluss eines Krankenhauses besteht aus einer Bilanz, einer Gewinn- und Verlustrechnung und einem Anhang einschließlich eines Anlagennachweises. Die Aufstellung und der Inhalt des Jahresabschlusses richten sich nach den Bestimmungen des HGB. Daneben beinhaltet die KHBV auch Einzelvorschriften zum Jahresabschluss, von denen die wichtigsten hier genannt werden. – Nach § 5 Abs. 2 sind nicht auf dem KHG beruhende Fördermittel der öffentlichen Hand für Investitionen in aktivierte Vermögensgegenstände des Anlagevermögens auf der Passivseite der Bilanz 28 Vgl. Goedereis, K. (1999), S. 89. 29 In § 9 Abs. 1 und 2 KHG wird die Einzelförderung eines Krankenhauses geregelt. Danach fördern die Länder auf Antrag des Krankenhausträgers besonders entstehende Investitionskosten für die Errichtung von Krankenhäusern einschließlich der notwendigen Erstausstattung an Anlagegütern für den Krankenhausbetrieb. Des weiteren wird die Wiederbeschaffung von Anlagegütern finanziert, vorausgesetzt diese haben eine durchschnittliche Nutzungsdauer von mehr als 3 Jahren. 30 Unter einer Pauschalförderung gemäß § 9 Abs. 3 KHG sind jährliche Pauschalbeträge zu verstehen, über die die Krankenhäuser frei verfügen können. Diese Pauschalbeträge werden zur Wiederbeschaffung kurzfristiger Anlagegüter sowie für kleine bauliche Maßnahmen verwendet. 31 Vgl. Flintrop, J. (2004), S. A-3438. 32 Der Schulddienst bezieht sich auf die Verzinsungen, Tilgung und die Verwaltungskosten des Kredits. In Anlehnung an: ebenda. S. A-3438. 33 Vgl. Bandey, U./Fitzner, V. (2002), S. 852. 34 Vgl. Lüngen, M./Lauterbach, K. W. (2003), S. 3. Georg A. Teichmann342 als „Sonderposten aus Zuweisungen und Zuschüssen der öffentlichen Hand“ auszuweisen, wie z.B. Betriebskostenzuschüsse. – Fördermittel für Investitionen gemäß dem Krankenhausfinanzierungsgesetz werden in der Bilanz als Sonderposten aus Fördermitteln nach KHG passiviert, wie z.B. notwendige Anlagegüter zur Erstausstattung eines Krankenhausbetriebs. Der wesentliche Zweck der Bildung dieser Sonderposten liegt in der erfolgsneutralen Verbuchung der Fördermittel sowie der korrespondierenden Abschreibungen auf die aktivierten Wirtschaftsgüter. Hinsichtlich steuerlicher Besonderheiten ist zu beachten, dass Krankenhäuser in öffentlicher oder freigemeinnütziger Trägerschaft i.d.R. Steuerbegünstigungen aufgrund ihrer gemeinnützigen Tätigkeit besitzen. Diese Krankenhäuser sind aufgrund des § 67 Abgabenordnung (AO) steuerbegünstigter Zweckbetrieb. Dadurch werden die Krankenhäuser von der Körperschaftssteuer (§ 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG), der Gewerbesteuer (§ 3 Nr. 6 GewStG), der Umsatzsteuer (§ 4 Nr. 16 UStG), der Erbschaftssteuer (§ 13 ErbStG) sowie der Grundsteuer (§ 3 Abs. 1 und § 4 Nr. 6 GrStG) befreit. Dies gilt jedoch ausschließlich für die angebotenen ärztlichen und pflegerischen Leistungen. Darüber hinaus erbrachte Dienstleistungen stellen entweder einen eigenständigen Zweckbetrieb dar oder unterliegen als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb wie beispielsweise ein Kiosk der Steuerpflicht. 15.3 Wesentliche Erfolgsfaktoren im Krankenhaus Der Erfüllungsgrad der beeinflussbaren Erfolgsfaktoren eines Krankenhauses hat maßgeblichen Einfluss auf den Wert eines Krankenhauses. Im Folgenden werden die wesentlichsten Erfolgsfaktoren eines Krankenhauses dargestellt, die in die Plandaten zum Teil explizit und zum Teil implizit Niederschlag finden und damit den Wert eines Krankenhauses bestimmen. Zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren beim Betrieb eines Krankenhauses werden die folgenden Punkte gezählt: Stringente Fokussierung der Organisation auf den Patienten, • eine gute Zusammenarbeit mit vor- und nachgelagerten Sektoren, • die Qualität der medizinischen Leistung, • eine zielorientierte in- und externe Kommunikationsstrategie insbesondere in Ballungsräumen, • ein effizientes und effektives Prozessmanagement mit optimierten Prozesskosten, • zeitnahes Controlling sowie • kurze Reaktionszeiten bei veränderten Rahmenbedingungen und schnelle Entscheidungswege bei • Strukturentscheidungen. Da die zentrale Aufgabe eines Krankenhauses in der medizinischen Behandlung von Patienten liegt, ist eine gute Reputation in Bezug auf die Qualität der medizinischen Versorgung und eine gute Zusammenarbeit mit den einweisenden Ärzten (Multiplikatoren) ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Entwicklung der Patientenzahlen. Im medizinischen Bereich ist die Qualität gegenüber anderen Branchen schwerer messbar. Im Gegensatz zu anderen Branchen soll eine gute medizinische Leistung die Rückkehr eines Kunden vermeiden. Hinzu kommt, dass lediglich eine geringe Anzahl von Patienten die medizinische Qualität qualifiziert beurteilen kann.35 „Altkunden“ haben deshalb im Krankenhausbereich eine deutlich geringere Bedeutung als in anderen Branchen. Ferner sind die Lage und die Verkehrsanbindung des Krankenhauses wichtige Kriterien. Diese Aspekte sind in eine externe Kommunikationsstrategie einzubeziehen und den potenziellen Patienten bzw. Multiplikatoren regelmäßig transparent zu machen. Bei vergleichsweise begrenztem Erlössteigerungspotenzial ist ein effizientes und effektives Prozessmanagement, verbunden mit optimierten Prozesskosten36, der wesentliche Bestimmungsfaktor für 35 Vgl. Von Eiff, W. (2003), S. 961. 36 Vgl. Knorr, G. (2003), S. 679–680.

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References

Zusammenfassung

Beschäftigt man sich mit der Praxis der Unternehmensbewertung, so zeigt sich, dass hier zahlreiche Spezifika vorliegen, die vom Bewerter berücksichtigt werden müssen. Diese sind zum einen in Marktpotenzialen begründet, in Lebenszyklen, in potenziellen Synergieeffekten oder in Integrationsproblemen.

Eine detaillierte Branchenkenntnis und -analyse ist Basis einer fundierten Unternehmensplanung, die wiederum maßgeblich die Qualität der Unternehmensbewertung beeinflusst.

Es gehört also zum Selbstverständnis, dass sich der Bewerter intensiv mit entsprechenden Branchen sowie deren Besonderheiten beschäftigt.

Dieses Buch wird ihm dabei wertvolle Hilfe sein.

- zur Bewertung von Unternehmen sind Branchenkenntnisse notwendig

- neue Beiträge über die Bewertung von Brauereien und von Infrastrukturprojekten wie dem Eurotunnel

- das maßgebliche Werk zur branchenorientierten Bewertung von Unternehmen

"Die Beiträge sind sehr anschaulich … Das Werk und seine einzelnen Beiträge können jedem empfohlen werden, der sich mit Fragen der Unternehmensbewertung … beschäftigt."

Peter Bömelburg, Die Wirtschaftsprüfung 2/2009

Die einzelnen Beiträge folgen einem einheitlichen und praxisorientierten Grundgerüst:

- Charakterisierung der Branche

- Ermittlung der Plandaten der Unternehmensbewertung

- Branchenspezifische Ansätze der Unternehmensbewertung

- Praxisbeispiele.

Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Drukarczyk war Inhaber des Lehrstuhls für Finanzierung an der Universität Regensburg. Er hat darüber hinaus zahlreiche Gastprofessuren in England, Frankreich, Österreich und Deutschland wahrgenommen. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete sind Bewertung, Sanierung und Analyse institutioneller Regelungen auf Kreditmärkten.

Dr. Dr. Dietmar Ernst ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance (DICF).

Für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling, für Experten in Kreditinstituten sowie für Unternehmens-, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.