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Konrad Fritz Göller, Erik Schlumberger, 8.6 Bewertungsbeispiel in:

Jochen Drukarczyk, Dietmar Ernst (Ed.)

Branchenorientierte Unternehmensbewertung, page 203 - 214

3. Edition 2010, ISBN print: 978-3-8006-3654-9, ISBN online: 978-3-8006-4464-3, https://doi.org/10.15358/9783800644643_203

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8 Bewertung von Leasingunternehmen 185 Aus Sicht eines Erwerbers ist regelmäßig davon auszugehen, dass zumindest Teile der bei Vollabwicklung anfallenden Aufwendungen vermeidbar sind bzw. die Übernahme eines eingerichteten Unternehmens sogar Vorteile im Sinne ersparter Aufwendungen und der Gewinnung nützlicher Kunden-, Lieferanten- und Bankenkontakte bringt. Auch der Erwerber ist ertragsteuerpflichtig, so dass die noch anfallenden Ertragsteuern auf den laut Substanzwertrechnung erwarteten Gewinn (es sei denn bspw. bei Vorhandensein von steuerlichen Risiken bzw. noch nutzbaren Verlustvorträgen oder noch übertragbaren § 6b-EStG-Rücklagen) meist bei der Substanzwertermittlung selbst keine große Rolle spielen. Das erweiterte betriebswirtschaftliche Eigenkapital stellt somit einen weitgehend objektiven Ausgangspunkt für die verhandelnden Parteien dar. 8.6 Bewertungsbeispiel 8.6.1 Beschreibung des Bewertungsobjektes Bewertet werden soll die XY Leasing GmbH zum 31. Dezember 2008 (= Bewertungsstichtag). Das Geschäftsjahr der XY Leasing GmbH entspricht dem Kalenderjahr. Die XY Leasing GmbH ist eine hersteller- und bankenunabhängige Leasinggesellschaft. Ihre Geschäftstätigkeit umfasst insbesondere das Fahrzeugleasing an Privat- und Firmenkunden. Die Gesellschaft verwaltet derzeit ca. 2.500 Verträge. Die Verträge der XY Leasing GmbH sehen i.d.R. eine unkündbare Grundmietzeit von zwei Jahren vor. Nach Ablauf der Grundmietzeit werden die Fahrzeuge im Regelfall veräußert; soweit Andienungsrechte gegenüber dem Leasingnehmer bestehen, werden diese ausgeübt. Mietverlängerungen sind selten. Die XY Leasing GmbH refinanziert ihr Leasingvermögen im Wesentlichen im Wege der Forfaitierung. Hierbei werden sowohl zukünftige Leasingraten als auch kalkulierte Restwerte an Banken verkauft72. Kurzfristige Liquiditätsengpässe werden durch Kontokorrentkredite gedeckt. Die Ergebnisse der XY Leasing GmbH in den letzten drei Vergangenheitsjahren 2006 bis 2008 sind in Abbildung 8-11 (Seite 192) dargestellt. Auf Basis einer Vergangenheitsanalyse wurde das Risikoergebnis aus den handelsrechtlichen Jahresabschlüssen separiert und für Zwecke der Planung gesondert ausgewiesen. 8.6.2 Planungsrechnung Die Planungsrechnung der XY Leasing GmbH kann unterteilt werden in Ergebniseinflüsse resultierend aus dem Vertragsbestand zum Bewertungsstichtag (= Alt-Vertragsbestand) und in Ergebniseinflüssen aus dem für die Zukunft geplantem Neuvertragsvolumen. 8.6.2.1 Alt-Vertragsbestand Die Weiterentwicklung des Alt-Vertragsbestands kann aus den Datenbanken des Rechnungswesens, die im Regelfall alle relevanten Informationen je geschlossenem Vertrag beinhalten, entnommen werden. Im vorliegenden Fall liefert das Rechnungswesen der XY Leasing GmbH folgende Angaben hinsichtlich der Projektion des Alt-Vertragsbestands: 72 Annahmegemäß seien diese Verkäufe nicht regresslos (bspw. Verkauf mit Übernahme der Ausfallrisiken über hinterlegte Barreservekonten). Damit ist bei der Modellierung der Plan-Abschlüsse nicht von einer sofortigen vollen Gewinnrealisierung der Finance Leases (Mietkäufe im deutschen Sprachgebrauch) auszugehen. Allerdings sind konsistenterweise bei der Planung der Risikokosten alle ausstehenden Leasingraten einzubeziehen. Konrad Fritz Göller und Erik Schlumberger186 Das Leasingvermögen zum Bewertungsstichtag (= Alt-Vertragsvolumen aus Operating-Leasingverträgen) vermindert sich um die Abschreibungen gemäß AfA-Vorschau und um die planmäßigen Abgänge zu Buchwerten zum Ende der den jeweiligen Verträgen zugrunde liegenden Grundmietzeit73. Zum Ende des Geschäftsjahres 2010 ist das Alt-Vertragsvolumen vollständig abgeschrieben bzw. abgegangen. Die Leasingforderungen zum Bewertungsstichtag (= Alt-Vertragsvolumen aus Finzierungs-Leasingverträgen) vermindert sich um die planmäßigen Tilgungen und um die planmäßigen Abgänge zu Buchwerten zum Ende der den jeweiligen Verträgen zugrunde liegenden Grundmietzeit51. Auch hier ist zum Ende des Geschäftsjahres 2010 das Alt-Vertragsvolumen vollständig getilgt bzw. abgegangen. Die sonstigen Verbindlichkeiten betreffend die Restwerte wurden ursprünglich in Höhe der Barwerte der forfaitierten Restwerte gebildet. Sie werden finanzmathematisch während der Grundmietzeit bis zum geplanten Abgang des Leasinggegenstandes erhöht, bis sie zum geplanten Verkaufzeitpunkt den kalkulierten Restwerten entsprechen. Wird der Leasinggegenstand verkauft, so wird der Restbuchwert gegen die sonstige Verbindlichkeit ausgebucht. Ein Liquiditätszufluss erfolgt hierbei auf Ebene der Leasinggesellschaft nicht, da bereits zum Zeitpunkt der Forfaitierung die Liquiditätsvereinnahmung erfolgte. Der Zinsaufwand, der aus der Erhöhung der sonstigen Verbindlichkeit resultiert, wird im Leasingergebnis als Refinanzierungsaufwand ausgewiesen. Der zum Bewertungsstichtag vorhandene passive Rechnungsabgrenzungsposten (forfaitierte Leasing raten) wurde ursprünglich in Höhe des Barwertes der forfaitierten Leasingraten, d.h. des zugeflossenen Kaufpreises für den Verkauf der zukünftigen Leasingraten gebildet. Er wird finanzmathematisch während der Grundmietzeit aufgelöst; dabei kommt die Bruttomethode zur Anwendung. Zum Ende des Jahres 2010 ist der passive Rechnungsabgrenzungsposten aus den Altverträgen vollständig aufgelöst bzw. getilgt. 73 Wir unterstellen vereinfachend, dass Mietverlängerungen nicht vorkommen. Bilanz: Gewinn- und Verlustrechnung: 2009 010290020102 Leasingvermögen (Operating Lease-Verträge) T€ T€ Umsatzerlöse T€ T€ Anfangsbestand 32.063 16.313 aus Operating Lease-Verträgen 9.388 3.531 ./. Abschreibungen gemäß Vorschau geplante Abgänge zu Buchwerten Anfangsbestand Tilgungen gemäß Vorschau geplante Abgänge zu Buchwerten 7.500 2.813 aus Finance Lease-Verträgen 600 197 005.31052.8./. Endbestand 16.313 0 Gesamt 9.988 3.728 0102900201029002 Leasingforderungen (Finance Lease-Verträge) T€ T€ Vermarktungsergebnis T€ T€ 957.01 5.480 051.81001.11 000.81000.11./.089925.2./. 005.4057.2./. Endbestand Verkaufserlöse geplante Abgänge zu Buchwerten Gesamt Anfangsbestand Aufzinsung Abgang Endbestand Anfangsbestand Zins Tilgung Endbestand 0510010084.5 2009 2010 Sonstige Verbindlichkeiten (Restwerte) T€ T€ 299.31157.12 804140.1 004.41008.8./. 0299.31 2009 2010 PRAP (Leasingraten) T€ T€ 767.3765.31 0312 767.3310.01./. 0767.3 Abb. 8-4: Alt-Vertragsbestand 8 Bewertung von Leasingunternehmen 187 Die Umsatzerlöse aus dem Vertrags-Altbestand ergeben sich aus den Operating- und den Finanzierungs-Leasingverhältnissen. Bei den Operating-Leasingverträgen entsprechen die Umsatzerlöse den Leasingraten; bei den Finanzierungs-Leasingverträgen ergeben sich die Umsatzerlöse aus der finanzmathematischen Fortentwicklung der Leasingforderungen; der Zinsanteil wird im Leasingergebnis bei den Umsatzerlösen erfasst. Ab dem Jahr 2011 fallen aus dem Alt-Vertragsbestand keine Umsatzerlöse mehr an. Das Vermarktungsergebnis entspricht dem Saldo der geplanten Verkaufserlöse nach Ende der Grundmietzeit abzüglich der entsprechenden Restbuchwerte des Anlagevermögens bzw. der Leasingforderungen. Soweit die Restwerte forfaitiert wurden, entsprechen die erwarteten Verkaufserlöse den planmäßigen Abgängen der sonstigen Verbindlichkeit (Restwerte)74. Bei der XY Leasing GmbH zeigt die Vorschau über die Entwicklung der sonstigen Verbindlichkeit (Restwerte), dass in 2009 T€ 8.800 und in 2010 T€ 14.400 an kalkulierten Restwerten abgehen. Ferner zeigt eine weitere Systemauswertung, dass in 2009 und 2010 T€ 2.300 bzw. T€ 3.750 Verkaufserlöse (= kalkulierte Restwerte) aus nicht forfaitierten Restwerten des Vertrags-Altbestands erwartet werden. Aus den vorstehend aufgeführten Informationen, die i.d.R. problemlos aus dem Rechnungswesensystem von Leasingunternehmen entnommen werden können, kann der Alt-Vertragsbestand bilanziell weiterentwickelt werden. So kann z.B. das Leasing- und das Vermarktungsergebnis, soweit es auf den Alt-Vertragsbestand entfällt, vollständig abgebildet werden. Ferner sind in der Bilanz das Leasingvermögen, die Leasingforderungen, der passive Rechnungsabgrenzungsposten (Leasingraten) und die sonstigen Verbindlichkeiten (Restwerte) determiniert. 8.6.2.2 Neuvertragsvolumen Die XY Leasing GmbH geht davon aus, dass beginnend ab dem ersten Planjahr 2009 ein jährliches Neugeschäftsvolumen zu Anschaffungskosten von rd. € 34 Mio. (1.700 Neuverträge bei Anschaffungskosten von durchschnittlich T€ 20 je Fahrzeug) generiert werden kann. Dabei wird eine Aufteilung von 75 % zu 25 % auf Operating- bzw. Finanzierungs-Leasingverträge antizipiert. Die Grundmietzeit der neuen Verträge wird mit durchschnittlich 2 Jahren beziffert. Die Abschreibungen auf das Neugeschäftsvolumen erfolgen linear über die Laufzeit der Verträge auf den veranschlagten Restwert. Die Gesellschaft geht davon aus, dass der Restwert (= Restbuchwert) zum Ende der Grundmietzeit T€ 11 (2009) bzw. T€ 12 (2010 ff.) beträgt. Je Fahrzeugverkauf geht die Gesellschaft von einem Vermarktungsgewinn (= Buchgewinn) von € 100 aus. Die Gesellschaft konnte in der Vergangenheit eine Barwertmarge in einer Bandbreite von 4,0 % bis 4,5 % erwirtschaften. Die Barwertmarge gibt an, welche Effektivverzinsung (= Rendite) aus dem Leasingverhältnis erwirtschaftet wird. Eine Marge von 4,0 % bedeutet, dass der mit dem Refinanzierungszins der Gesellschaft ermittelte Barwert der Leasingraten und des kalkulierten Restwertes die Anschaffungskosten des Leasingguts um 4,0 % übersteigt. Für die Zugänge des Jahres 2009 wird mit einer Barwertmarge von 4,0 % gerechnet, in den darauf folgenden Jahren wird von einer Barwertmarge von einheitlich 4,5 % ausgegangen. Für den Refinanzierungszinssatz (bzw. Forfaitierungszinssatz) wurden 6 % p.a. angenommen; dieser Zinssatz entspricht dem in der Vergangenheit beobachteten Wert. Die jährlichen Leasingraten können dann entweder durch eine Barwertberechnung oder mit Hilfe der finanzmathematischen Formel „RMZ“ in MS-Excel ermittelt werden: RMZ(Zins;Zzr;Bw;Zw;F), mit folgenden Parametern: Zins ist der Refinanzierungs-Zinssatz pro Periode (6 % p.a.). Zzr gibt an, über wie viele Perioden die jeweilige Rate gezahlt wird (2 Jahre). Bw ist der Barwert oder der Gesamtbetrag, den eine Reihe zukünftiger Zahlungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt wert ist. Dabei handelt es sich um die Anschaffungskosten zuzüglich der Barwertmarge (mit Minuszeichen versehen, da es sich um Einzahlungen handelt). 74 Unter der Annahme, dass ein Verkaufserlös in Höhe des ursprünglich kalkulierten Restwertes erzielt werden kann. Konrad Fritz Göller und Erik Schlumberger188 Zw ist der zukünftige Wert (Restwert), der nach der letzten Zahlung erreicht werden soll. F kann den Wert 0 oder 1 annehmen und gibt an, wann Zahlungen fällig sind. Im Beispiel wird F = 1 gesetzt (Zahlungen jeweils zu Beginn der Periode) Unter Berücksichtigung der Anschaffungskosten, des kalkulierten Restwertes, der Grundmietzeit, des Refinanzierungszinses und der Barwertmarge ergeben sich jährliche Leasingraten von T€ 5,67 (2009) bzw. T€ 5,26 (2010 ff.)75 je geplantem Leasingfahrzeug. Aus den dargestellten Parametern kann der implizite Leasingzinsfuß wiederum manuell oder unter Zuhilfenahme der finanzmathematischen Formel „ZINS“ in MS-Excel ermittelt werden: ZINS(Zzr;Rmz;Bw;Zw;F) mit folgenden Parametern: Zzr gibt an, über wie viele Perioden die jeweilige Rate gezahlt wird (2 Jahre). Rmz ist der Betrag, der in jeder Periode gezahlt wird. Dieser Betrag bleibt während der Laufzeit konstant ( jährliche Leasingrate). Bw ist der Barwert oder der Gesamtbetrag, den eine Reihe zukünftiger Zahlungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt wert ist (Anschaffungskosten). Zw ist der zukünftige Wert (Restwert), der nach der letzten Zahlung erreicht werden soll. F kann den Wert 0 oder 1 annehmen und gibt an, wann die Zahlungen fällig sind. Im Beispiel wird F = 1 gesetzt (Zahlungen jeweils zu Beginn der Periode). Mit der dargestellten Formel errechnet sich ein Leasingzinssatz von 9,6 % für 2009 und 9,8 % für die Jahre 2010 ff.76 Aus den bisher ermittelten Daten lassen sich das Leasingvermögen, die Leasingforderungen und die Umsatzerlöse bestimmen. Bei den Anschaffungen wird angenommen, dass sie durchschnittlich zur Jahresmitte des jeweiligen Jahres erfolgen. So ermittelt sich z.B. das Abschreibungsvolumen auf die Neuzugänge im Jahr 2009 aus dem Abschreibungsvolumen pro Fahrzeug und Jahr (T€ 4,5 = (20–11)/2), der Anzahl der Operating- Leasingverträge (1.275 = 0,75 · 1.700) und des Anschaffungszeitpunktes zum Halbjahr (T€ 2.869 = 1.275 · 4,5/2). Der Buchwertabgang ergibt sich aus dem kalkulierten Restwert der Zugänge zwei Jahre zuvor. So beläuft sich der Buchwertabgang im Jahr 2011 auf T€ 14.025 = 1.700 · 0,75 · 11. 75 RMZ(6 %;2; – 20,80;11;1) = 5,67 bzw. RMZ(6 %;2; – 20,90;12;1) = 5,26 76 ZINS(2;5,67; – 20;11;1) = 9,6 % bzw. ZINS(2;5,26; – 20;12;1) = 9,8 % Leasingvermögen 2009 T€ 2010 T€ 2011 T€ 2012 T€ 008.04448.93136.220Anfangsbestand 005.52005.52005.52005.52Neugeschäftsvolumen zu Anschaffungskosten 968.2837.5968.2Abschreibungen auf Neugeschäftsvolumen 2009./. 055.2001.5055.2Abschreibungen auf Neugeschäftsvolumen 2010./. 001.5055.2Abschreibungen auf Neugeschäftsvolumen 2011./. 055.2Abschreibungen auf Neugeschäftsvolumen 2012./. Summe Abschreibungen auf Neugeschäftsvolumen 2.869 8.288 10.519 10.200 520.41geplante Abgänge zu BW aus Neugeschäftsv. 2009./. 003.51geplante Abgänge zu BW aus Neugeschäftsv. 2010./. 003.51520.41Summe Buchwertabgänge aus Neugeschäftsvolumen Endbestand Leasingvermögen aus Neugeschäft 22.631 39.844 40.800 40.800 Abb. 8-5: Leasingvermögen 8 Bewertung von Leasingunternehmen 189 Das Neugeschäftsvolumen ergibt sich analog zum Zugang des Anlagevermögens für die Operating- Leasingverhältnisse, da der Barwert der Leasingforderung zu Beginn des Leasingverhältnisses den Anschaffungskosten entspricht. Für die Fortentwicklung der Leasingforderungen ist der Barwert finanzmathematisch für zwei Jahre fortzuentwickeln. Dies erfolgt wiederum mit der Formel „BW“. Dabei ist im vorliegenden Fall nur der Barwert nach einem Jahr zu ermitteln, da der Barwert nach zwei Jahren dem kalkulierten Restwert entspricht. Um den Zugangszeitpunkt zur Mitte des Jahres abzubilden, wird jeweils der Mittelwert aus dem Jahresanfangs- und Jahresendwert gebildet77. So ergibt sich der Jahresendwert für 2009 in Höhe von 7.587 folgendermaßen 7.587 = 1.700 · 0,25 · (20 + 15,71)/2. Die jeweiligen Tilgungen lassen sich entsprechend ermitteln. Die zugehörigen Umsatzerlöse ergeben sich aus den Leasingraten abzüglich der Tilgungen. Somit stellt sich die geplante Umsatzentwicklung wie folgt dar: 77 Tranche 2009: BWt=0 = 20; BWt=1 = BW(9,6 %;1; – 5,67; – 11;1) = 15,71; BWt=2 = 11; Tranchen 2010 ff.: BWt=0 = 20; BWt=1= BW(9,8 %;1; – 5,26; – 12;1) = 16,19; BWt=2 = 12 2009 2010 2011 2012 Leasingforderungen T€ T€ T€ T€ Anfangsbestand 0 7.587 13.365 13.679 8.500 8.500 8.500 8.500Neugeschäftsvolumen zu Anschaffungskosten ./. 000.1219.1319Tilgung auf Neugeschäftsvolumen 2009 098007.1018Tilgung auf Neugeschäftsvolumen 2010./. 007.1018Tilgung auf Neugeschäftsvolumen 2011./. 018Tilgung auf Neugeschäftsvolumen 2012./. Summe Tilgung auf Leasingforderungen 913 2.723 3.510 3.400 ./. geplante Abgänge zu BW aus Neugeschäft 2009 4.675 001.5geplante Abgänge zu BW aus Neugeschäft 2010./. Summe Buchwertabgänge aus Neugeschäftsvolumen 4.675 5.100 Endbestand Leasingforderungen aus Neugeschäft 7.587 13.365 13.679 13.679 Abb. 8-6: Leasingforderungen 2009 2010 2011 2012 Umsatzerlöse T€ T€ T€ T€ Leasingraten Operating-Leasing Neugeschäftsvolumen 2009 3.612 7.223 3.612 Neugeschäftsvolumen 2010 Neugeschäftsvolumen 2011 3.353 6.705 3.353 507.6353.3 Neugeschäftsvolumen 2012 Neugeschäftsvolumen 2009 Neugeschäftsvolumen 2010 Neugeschäftsvolumen 2011 Neugeschäftsvolumen 2012 3.353 Summe Leasingraten Operating-Leasing 3.612 10.576 13.669 13.410 Umsatzerlöse Finance-Leasing 192 495 204 535703 228 535703 307 192Summe Leasingraten Finance-Leasing 803 1.046 1.070 Summe 3.903 11.378 14.715 14.480 Abb. 8-7: Umsatzerlöse Konrad Fritz Göller und Erik Schlumberger190 Die Leasingraten für den Neuzugang an Verträgen im Jahr 2009 ermitteln sich zum Beispiel folgendermaßen: Operating-Leasing: T€ 3.612 = 1.700 · 0,75 · 5,67/2 (Zugang zur Jahresmitte); Finance-Leasing: T€ 291 = 1.700 · 0,25 · (5,67/2–2,15) (Zugang zur Jahresmitte; 2,15 ist die Hälfte der Aktivbarwertveränderung im ersten Jahr (0,5 · (20–15,71)). Die Gesellschaft plant, entsprechend der Vorgehensweise in der Vergangenheit, den Großteil der zukünftigen Leasingraten und der kalkulierten Restwerte zu forfaitieren. Das Management der XY Leasing GmbH schätzt, dass zukünftig rd. 80 % der Leasingraten und der kalkulierten Restwerte an Banken verkauft werden. Der Forfaitierungszinssatz beträgt 6 %, zukünftige Änderungen des Forfaitierungszinssatzes werden nicht erwartet. Mithilfe dieser Daten und wiederum der „BW“-Formel lässt sich der passive Rechnungsabgrenzungsposten je Vertrag finanzmathematisch fortentwickeln78. Auch hier wird wieder die Annahme des Zugangs zur Jahresmitte getroffen. Die Entwicklung des Rechnungsabgrenzungspostens ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt: Die Aufspaltung in Zins und Tilgung erfolgt über die finanzmathematische Aufteilung der forfaitierten Leasingraten. So ergibt sich z.B. für den Zugang des Jahres 2009 (T€ 14.974 = 1.700 · 8,81) der Tilgungs- und Zinsanteil folgendermaßen: Tilgung: T€ 3.852 = 1.700 · 0,8 · 5,67/2 (Zugang zur Jahresmitte); Zins: T€ 218 = 3.852 – 1.700 · (8,81 – 4,53)/2 (Zugang zur Jahresmitte; Ansatz der halben Barwertveränderung). Die Entwicklung der sonstigen Verbindlichkeiten infolge der Forfaitierung der Restwerte in Höhe von 80 % erfolgt ähnlich zur derjenigen des passiven Rechnungsabgrenzungspostens. Es erfolgt eine Abzinsung des verkauften Restwertes auf den jeweiligen Stichtag. Nach Ablauf der Grundmietzeit von zwei Jahren entspricht der Wert dem kalkulierten Restwert79. Nachfolgend ist die Entwicklung der sonstigen Verbindlichkeiten aus der Restwertforfaitierung dargestellt: 78 Tranche 2009: BWt=0 = BW(6 %;2; – 5,67;0;1) · 0,8 = 8,81; BWt=1 = BW(6 %;1; – 5,67;0;1) · 0,8=4,53; BWt=2 = 0; Tranchen 2010 ff.: BWt=0 = BW(6 %;2; – 5,26;0;1) · 0,8 = 8,18; BWt=1 = BW(6 %;1; – 5,26;0;1) · 0,8 = 4,21; BWt=2 = 0 79 Tranche 2009: BWt=0 = BW(6 %;2;0; – 11;1) · 0,8 = 7,83; BWt=1 = BW(6 %;1;0; – 11;1) · 0,8=8,30; BWt=2 = 11 · 0,8 = 8,80; Tranchen 2010 ff.: BWt=0 = BW(6 %;2;0; – 12;1) · 0,8 = 8,54; BWt=1 = BW(6 %;1;0; – 12;1) · 0,8 = 9,06; BWt=2 = 12 · 0,8 = 9,60 2009 2010 2011 2012 PRAP (Leasingraten) T€ T€ T€ T€ Anfangsbestand 0 11.339 14.378 14.102 998.31998.31998.31479.41gnaguZ 024812gnusnizfuA 405 405 ./. 403.41185.41182.11258.3gnugliT Endbestand 11.339 14.378 14.102 14.102 Abb. 8-8: Passiver Rechnungsabgrenzungsposten 2009 2010 2011 2012 Sonstige Verbindlichkeiten (Restwerte) T€ T€ T€ T€ Anfangsbestand 0 13.714 29.497 30.819 413.31gnaguZ 14.525 14.525 14.525 597.1757.1952.1993)dnawfuasgnureiznanifeR( gnusnizfuA 00gnagbA./. 14.960 16.320 Endbestand 13.714 29.497 30.819 30.819 Abb. 8-9: Sonstige Verbindlichkeiten 8 Bewertung von Leasingunternehmen 191 Die Aufzinsung ergibt sich aus dem periodischen Barwertzugang. So ergibt sich z.B. für den Zugang des Jahres 2009 (T€ 13.314 = 1.700 · 7,83) der Zinsanteil folgendermaßen: T€ 399 = 1.700 · (8,3 – 7,83)/2 (Zugang zur Jahresmitte). Am Ende der Laufzeit einer Jahrestranche geht der forfaitierte Betrag ab. Für den Zugang 2009 beläuft sich dieser Abgang auf T€ 14.960 = 1.700 · 11 · 0,8. Aus der Summe der Zinsaufwendungen für die Forfaitierung der Leasingraten und der Restwerte lassen sich die Refinanzierungsaufwendungen für das Leasingergebnis ableiten. Das Vermarktungsergebnis ist nachfolgend dargestellt. Aus dem Neugeschäft ergibt sich erstmalig ein Vermarktungsergebnis im Jahr 2011, wenn die Zugänge des Jahres 2009 abgehen. Das Vermarktungsergebnis resultiert letztlich aus dem geplanten Buchgewinn je Fahrzeug (100 €), multipliziert mit der Anzahl der in dieser Tranche geplanten Leasingfahrzeuge. Durch Zusammenfügen der bilanziellen Weiterentwicklung des Vertrags-Altbestands und der bilanziellen Entwicklung des Neuvertragsvolumens, lässt sich eine rudimentäre Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung für Bewertungszwecke ableiten, die bereits die wesentlichen Werttreiber des Leasinggeschäfts abbildet. In der Gewinn- und Verlustrechnung müssen zusätzlich noch das Serviceergebnis, das Risikoergebnis, der Personal- und Sachaufwand, das Finanzergebnis, soweit es nicht leasingbezogen ist und die Ertragsteuern80 geplant werden. In der Bilanz sind noch das nicht leasingbezogene Vermögen, die nicht leasingbezogenen Schulden und ggf. ein Bilanzausgleichsposten (Passiv: Kontokorrentkredit, Aktiv: Liquide Mittel) festzulegen. Ferner sind die jährlichen Ausschüttungen festzulegen. Für Bewertungszwecke sind wir vereinfachend von einer Vollausschüttung der erzielten Jahresergebnisse ausgegangen. Nachfolgende Tabelle 8-11 zeigt die zusammengefasste Planung und drei Vergangenheitsjahre der XY Leasing GmbH: 80 Auf die modellrechnerisch komplexen Auswirkungen der sog. Zinsschrankenregelung für Zinsaufwendungen (§§ 4 h EStG, 8a KStG) unter Berücksichtigung der betrieblichen EBITDA, Freigrenzen etc. kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. 2009 2010 2011 2012 Vermarktungsergebnis T€ T€ T€ T€ 078.8100esölresfuakreV 20.570 ./. 004.02007.8100netrewhcuB uz egnägbA etnalpeg 00tmaseG 170 170 Abb. 8-10: Vermarktungsergebnis Konrad Fritz Göller und Erik Schlumberger192 8.6.3 Bewertung nach der DCF-Equity-Methode Die Wertermittlung nach der DCF-Equity-Methode erfolgt durch Diskontierung des Cash-Flows to Equity mit den Eigenkapitalkosten auf den Bewertungsstichtag. Der Cash-Flow to Equity entspricht der Ausschüttung an die Eigenkapitalgeber. Die Ausschüttung kann bei Vorliegen einer integrierten Planung direkt aus den Planungsunterlagen (Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung) abgelesen werden oder – wie international üblich – über eine Cash-Flow Rechnung abgeleitet werden. Die Cash-Flow-Rechnung ist untenstehend dargestellt. Die Berechnung erfolgt im vorliegenden Fall vor persönlichen Steuern. Sowohl die Ausschüttungen als auch die Eigenkapitalkosten werden demnach nicht um persönliche Steuern auf Anteilseignerebene Gewinn- und Verlustrechnung 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 ff. XY Leasing GmbH T€ T€ T€ T€ T€ T€ T€ Umsatzerlöse (Operating Lease-Verträge) 7.549 10.476 11.099 12.999 14.107 13.669 13.410 Umsatzerlöse (Finance Lease-Verträge) 517 665 729 892 999 1.046 1.070 002.01915.01001.11963.01529.8574.8311.6negnubierhcsbA 597.1757.1666.1456.1705.1233.1520.1negnudnewfuasgnureiznanifeR 829sinbegregnisaeL 1.334 1.396 1.868 2.340 2.440 2.485 075.02078.81051.81001.11027.21001.010esölresfuakreV 004.02007.81000.81000.11006.21000.010egnägbatrewhcuB 0710710510010210010sinbegresgnutkramreV 005.3005.3005.3005.3000.3006.2008.1sinbegreecivreS 003-003-003-003-002-003-001-sinbegreoksiR Personal- und Sachaufwand, s.b.A. 2.400 3.000 3.500 3.350 3.400 3.450 3.450 8918912818024212632)tnerrokotnoK(dnawfuasniZ Ergebnis vor Ertragsteuern 205 734 816 1.610 2.108 2.162 2.207 26694623638454202216)%03(nreuetsgartrE 545.1315.1574.1721.1175415341ssuhcsrebüserhaJ .ff2102110201029002800270026002znaliB XY Leasing GmbH T€ T€ T€ T€ T€ T€ T€ Leasingvermögen (Operating Lease-Verträge) 25.913 25.688 32.063 38.944 39.844 40.800 40.800 Leasingforderungen (Finance Lease-Verträge) 8.706 8.630 10.759 13.068 13.365 13.679 13.679 nicht leasingbezogenes Vermögen 1.000 2.000 2.500 2.500 2.500 2.500 2.500 979.65979.65807.55115.45223.54713.63916.53avitkAemmuS 000.3000.3000.3000.3000.3000.3000.3latipakdnurG 822.1822.1822.1822.1822.1756341nniwegznaliB nicht refinanzierungsbezogene Schulden 3.500 3.500 4.000 4.500 5.000 5.000 5.000 138.2138.2506.2179.2577.1688233tiderktnerrokotnoK 201.41201.41873.41601.51765.31214.01036.11)netargnisaeL(PARP 918.03918.03794.92607.72157.12268.71410.71)etrewtseR(.breVegitsnoS 979.65979.65807.55115.45223.54713.63916.53avissaPemmuS nalPtsI nalPtsI Abb. 8-11: Vergangenheitsjahre und zusammengefasste Planung 8 Bewertung von Leasingunternehmen 193 gekürzt81). Die unverschuldeten Eigenkapitalkosten der XY Leasing GmbH wurden mit 9,25 % (vor persönlichen Steuern) ermittelt82. Vereinfachend erfolgte keine Anpassung der Eigenkapitalkosten an die Verschuldung83. Der Inflations- bzw. Wachstumsabschlag im Rentenjahr wurde vereinfachend mit 1,5 % bemessen. Der Marktwert der XY Leasing GmbH ergibt sich demnach nach dem DCF-Equity-Verfahren wie folgt: 8.6.4 Bewertung nach der Substanzwertmethode Die Substanzwertrechnung gemäß BdL-Schema ist auf die Informationsinteressen von refinanzierenden Banken ausgerichtet und hinsichtlich einiger Annahmen (Ansatz der Remarketingerlöse zum Barwert, obwohl insoweit keine Refinanzierungsaufwendungen anfallen; fiktive Vollfinanzierung des 81 Vgl. IDW S1, Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen. Im vorliegenden Beispiel wird von einer Bewertung im Rahmen unternehmerischer Initiativen (z.B. Kaufpreisverhandlungen) ausgegangen und damit die so genannte mittelbare Typisierung angewendet, wobei die Annahme getroffen wird, dass die Nettozuflüsse aus dem Bewertungsobjekt und aus der Alternativinvestition in ein Aktienportfolio auf Anteilseignerebene einer vergleichbaren persönlichen Besteuerung unterliegen. Die Bewertung vor persönlichen Steuern entspricht der international üblichen Vorgehensweise. 82 Das Problem der Bestimmung der unverschuldeten Eigenkapitalkosten ist nicht Gegenstand dieses Beitrags. 83 Der aus der Forfaitierung resultierende passive Rechnungsabgrenzungsposten und die sonstige Verbindlichkeit (Restwerte) lösen kein Finanzierungsrisiko aus, da sie nicht zu zustandsunabhängigen Zinsaufwendungen führen, sondern vielmehr an das Neugeschäftsvolumen und damit die Umsatzerlöse gekoppelt sind und mithin zustandsabhängig variieren. 2008 2009 2010 2011 2012 ff. 01.01.2009 01.01.2010 01.01.2011 31.12.2008 31.12.2009 31.12.2010 31.12.2011 T€ T€ T€ T€ T€ 1. Berechnung des Cash Flow to Equity Jahresüberschuss 1.127 1.475 1.513 1.545 + Abschreibungen 10.369 11.100 10.519 10.200 –/+ Investition/Desinvestition ins Anlagevermögen –28.250 –30.000 –30.175 –30.600 –/+ Investition/Desinvestition in Leasingforderungen –2.309 –297 –315 0 + Zufluss aus Anlagenabgängen 11.100 18.150 18.870 20.570 –/+ Buchgewinne/-verluste aus Anlagenabgängen –100 –150 –170 –170 –/+ Investition/Desinvestition ins Working Capital (nicht leasingbez. Vermögen u. Schulden) 500 500 0 0 +/– Mittelzufluss/-abfluss aus Erhöhung bzw. Verminderung PRAP (Leasingraten) 1.539 –728 –276 0 +/– Mittelzufluss/-abfluss aus Erhöhung bzw. Verminderung Sonstige Verb. (Restmietwerte) 5.955 1.791 1.322 0 +/– Erhöhung/Verringerung des zinspflichtigen Fremdkapitals 1.196 –366 226 0 721.1)gnuttühcssuA=(xatlanosreperofebytiuqEotwolFhsaC 1.476 1.513 1.545 2. Berechnung des Marktwertes des Eigenkapitals Eigenkapitalkosten vor pers. Steuern 9,25% 9,25% 9,25% 7,75% Cash Flow to Equity 1.127 1.476 1.513 1.545 Barwertfaktoren 0,91533 0,83783 0,76689 9,89541 Barwerte 1.032 1.236 1.161 15.285 417.81etrewraBredemmuS Marktwert des Eigenkapitals (Equity Value) 31.12.2008 18.714 T€ DCF-Berechnung nach der Equity-Methode XY Leasing GmbH Abb. 8-12: DCF-Equity-Verfahren Konrad Fritz Göller und Erik Schlumberger194 Leasingneugeschäfts) nur eingeschränkt geeignet unmittelbar als Ausgangsbasis für Bewertungsfragen zu dienen. Die Substanzwertrechnung haben wir daher ähnlich wie bei Anwendung der Bruttomethode unmittelbar aus den Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen wie folgt ermittelt: Zukünftige Erträge aus Leasing und Vermarktung Die künftigen Roh-Erträge aus dem Leasing umfassen die künftigen Leasingraten abzüglich Abschreibungen (bei Operating Leases) bzw. die Zinserträge aus den Finance Leases, die hier vereinfachen saldiert (kumulierte ausstehende Bruttomietraten abzüglich Barwerte der Leasingforderungen laut Bilanz zum 31.12.08) abgebildet wurden. Bringt man zusätzlich die Refinanzierungsaufwendungen in Abzug, erhält man den Deckungsbeitrag aus dem Leasinggeschäft. Man erkennt unmittelbar, dass der künftige Ertrag aus dem Operating Lease-Geschäft höher als das Verhältnis im Bestandsgeschäft von 75:25 ist. Dies resultiert aus der finanzmathematischen Bilanzierung der Finance Leases, womit die Gewinne handelsbilanziell früher realisiert werden als beim Operating Lease84. Im hier vorliegenden Beispiel haben wir in der Substanzwertrechnung auf die fiktive vollständige Refinanzierung des Leasinggeschäfts verzichtet und kompensierend auch kein Anlageergebnis angesetzt. Dies entspricht auch eher der Planungsrealität. Die Finanzierungslücke (da nur 80 % der Leasingraten und Restwerte forfaitiert werden, bleibt trotz des gegenüber dem Kundenzinses niedrigeren Refinanzierungszinssatzes und damit der Barwertmarge von 4 % eine Finanzierungslücke von ca. 16 % der Anschaffungskosten der Leasingvermögenswerte) wird über das Eigenkapital und zinsfreie Lieferantenkredite gedeckt85. 84 Dieser Effekt wird bei Anwendung der degressiven Abschreibung auf das Leasingvermögen noch größer. 85 Zinsen für die Vorfinanzierung von Vertriebskosten einschließlich Vermittlungsaufwendungen etc. sind bei der Substanzwertrechnung (fiktives Abwicklungsszenario) nicht relevant, bei Unternehmensfortführung stellt dies aber oft ein nicht unwesentliches Liquiditätsproblem dar. Substanzwertrechnung (Herleitung unmittelbar aus Plan-GuV) 2009 2010 kumul. XY Leasing GmbH T€ T€ T€ Umsatzerlöse (Operating Lease-Verträge) 9.388 3.531 12.919 ./. Abschreibungen 7.500 2.813 10.313 = 817888.1esaeL gnitarepO sinbegresniZ 2.606 797791006)lietnasniZ run( egärtreV-esaeL ecnaniF esölreztasmU ./. Refinanzierungsaufwendungen 1.254 407 1.661 Deckungsbeitrag Leasing 1.234 508 1.742 052.92051.81001.11esölresfuakreV ./. 000.92000.81000.11)esaeL ecnaniF dnu esaeL gnitarepO( egnägbatrewhcuB 052051001gnutkramreV gartiebsgnukceD 299.1gartiebsgnukcedtmaseG ./. Riskoergebnis –600 ./. –172nesnizdluhcS fua reuetsebreweG ./. –330sednatsebsgartreV sed gnulkciwbA eid rüf netsoksgnutlawreV egitfnüK = 098sednatsebtkejbO dnu -sgartreV netreiznalib sed trewznatsbuS + 822.4gathcitssgnutreweB muz latipaknegiE selleiznaliB = 811.5latipaknegiE sehciltfahcstriwsbeirteb setretiewrE Plan Abb. 8-13: Substanzwertmethode 8 Bewertung von Leasingunternehmen 195 Zukünftige Aufwendungen Der Risikoabschlag von T€ 600 ist anhand von Portfolioanalysen und Ausfallerwartungen der nicht forfaitierten Leasingraten sowie der freien Service-Entgelte mit ca. 1,5 % des Bilanzbetrags an Leasingforderungen und Restbuchwerten der Operating Leases zum Stichtag 31.12.08 ermittelt worden und deckt im Beispiel pauschal auch alle übrigen Risikokosten ab (Gewährleistungen, Rechtsstreitigkeiten etc.). Die Gewerbesteuer auf Refinanzierungszinsen wurde für das Beispiel mit T€ 172 angenommen86. Die Verwaltungskosten von T€ 330 ergeben sich aus der Anzahl der bestehenden Leasingverträge zum Stichtag von 2.500 multipliziert mit der durchschnittlichen gewichteten Restlaufzeit von 13,2 Monaten mal pauschal € 10 je Vertrag. Die Vermarktungserlöse basieren auf Marktwertschätzungen des Managements unter Berücksichtigung von durchschnittlichen Vermarktungskosten (Werbung, Zinsen und Wertverlust bis zum Verkaufszeitpunkt, Verkäuferprovisionen). Die im Beispiel unterstellte Bruttozinsmarge von ca. 4 % (Leasingzinssatz rund 10 %, Refinanzierungszinssatz 6 %) ist nur im Privatkundengeschäft realistisch, für im gewerblichen Bereich tätige Autoleasinggesellschaften sind eher Margen von ca. 2 % und darunter zu beobachten. Dies resultiert aus dem sehr hohen Wettbewerb in dieser Branche und der Tatsache, dass größere Marktteilnehmer wie Herstellerbanken87 und banknahe Leasinggesellschaften aufgrund besserer Bonität und des Einsatzes der Fristentransformation sich günstiger refinanzieren und dies als Wettbewerbsvorteil am Markt ausspielen. Bei umfassender Betrachtung müsste zusätzlich der Substanzwert aus den noch zu erbringenden Serviceleistungen ermittelt werden, um ein genaues Bild der künftigen Ertrags- und Vermögenslage zu erhalten. Da die Serviceleistungen in der Praxis ggf. getrennt vom Leasingvertrag kündbar sind und zudem die geplante Marge nicht immer vertraglich gesichert ist (Kostenrisiko beim Einkauf der Leistungen bei Vertragswerkstätten, Herstellern, Versicherungen etc.), werden diese zusätzlich erwarteten Deckungsbeiträge oft nur in einer Ergänzungsrechnung zur Substanzwertrechnung geführt und beispielsweise von Banken nicht als wirtschaftliches Eigenkapital akzeptiert. Im Rahmen einer Unternehmensbewertung ist jedoch eine derartig vorsichtige Betrachtungsweise nicht sinnvoll. Der im Verhältnis zum Unternehmenswert geringe Substanzwert im Beispiel ist typisch für Bewertungssituationen, in denen ein Leasingunternehmen anhaltend Deckungsbeiträge aus dem Leasing- und Dienstleistungsgeschäft erzielt, die die laufenden Vertriebs- und Verwaltungskosten übersteigen. 8.6.5 Resumée Der Unternehmenswert nach der Equity-Methode ist mit T€ 18.714 wesentlich höher als das erweiterte betriebswirtschaftliche Eigenkapital von T€ 5.118. Dies resultiert im Beispiel aus der ansteigenden Wertschöpfung im Planungszeitraum, die im Jahr der ewigen Rente das Maximum erreicht. Auffällig sind die nochmalige erhebliche Steigerung des Serviceergebnisses in 2009 und die Stagnation im Bereich der laufenden Personal- und Sachkosten sowie sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Im Autoleasinggeschäft kommt zudem der schwierigen Prognose der Vermarktungserlöse bei offenen Restwerten eine extrem hohe Bedeutung zu. Ist ein potenzieller Erwerber nicht von dieser sehr positiven Unternehmensplanung überzeugt, läge es nahe, einen Kaufpreis zu bieten, der zwischen dem Substanzwert und dem Equity-Wert liegt. Eine weitere Steigerung des Unternehmenswertes könnte ansetzen an der Erzielung von Kostendegressionseffekten durch ein deutliches Wachstum bei besserer Auslastung der Kapazitäten, einer höheren 86 Sämtliche Refinanzierungsaufwendungen (Forfaitierung von Leasingraten und Restwerten, Kontokorrentzinsen), also ca. T€ 1.718 p.a., unterliegen zu 25 % der Gewerbesteuer. Multipliziert mit einem unterstellten Gewerbe steuereffektivsteuersatz von 10 % ergibt sich eine Gewerbesteuer von T€ 43 p.a. oder T€ 172 insgesamt. Auf die nicht refinanzierungsbezogenen Schulden (Lieferantenschulden, sonstige Verbindlichkeiten, Rückstellungen) und Kontokorrentkredite fallen annahmegemäß aufgrund laufender Umwälzung keine Zinshinzurechnungen im Sinne von § 8 Nr. 1 GewStG an. 87 Die Hersteller greifen zusätzlich zwecks Absatzförderung auch zur Verbilligung einzelner Produkte durch sog. Zinssubventionen und Restwertsubventionen. Konrad Fritz Göller und Erik Schlumberger196 Quote an Services je Fahrzeug und einer Ausdehnung der Zinsspanne durch günstigere Refinanzierungswege einschließlich Fristentransformation. Diese Strategien erfordern aber Investitionen, die aus dem eigenen Cash-Flow ggf. nicht darstellbar sind. Falls ein möglicher Erwerber im gleichen Geschäftsfeld tätig ist, ließen sich durch Zusammenführung der Vertriebs- und Verwaltungsbereiche und durch günstigere Beschaffungs- und Refinanzierungskonditionen Einsparungen realisieren, welche die Integrationskosten übersteigen könnten. Der am deutschen Leasingmarkt seit Jahren zu beobachtende Konzentrationsprozess legt die Vermutung nahe, dass die Größenvorteile die Integrationskosten in einigen Fällen tatsächlich übersteigen. 8.7 Literatur Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2009): Merkblatt – Hinweise zum Tatbestand des Finanzierungsleasings (§ 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 10 KWG) (Stand: Januar 2009) Bengsch, V. (2001): Die Vorteilhaftigkeit des Leasings bei der internen Erfolgsrechnung und der Shareholder-Value-Betrachtung, Supplement Leasing-Berater 2001, Beiheft zum Betriebs-Berater, S. 21–23 Bieg, H. (1997): Leasing als Sonderform der Außenfinanzierung, in: Der Steuerberater (StB) Heft 11, S. 425–435. Bordewin, A. (1996): Leasingverträge in der Handels- und Steuerbilanz, in: Neue Wirtschaftsbriefe Nr. 22 vom 28.5.1996, Fach 17, Seite 1435–1462. Bordewin, A., Tonner, N. (2003): Leasing im Steuerrecht, 4. Auflage 2003 Bundesministerium der Finanzen (1996): Schreiben betr. bilanz- und gewerbesteuerliche Behandlung der Forfaitierung von Forderungen aus Leasing-Verträgen, vom 9. Januar 1996. Büschgen, H. (1998): Praxishandbuch Leasing, München 1998, S. 2. Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen e.V., Berlin (2002): Jahresbericht 2002 Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen e.V., Berlin (2003a): Jahresbericht 2003 Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen e.V., Berlin (2003b): Substanzwertrechnung für Mobilien- Leasinggesellschaften, veröffentlicht im Herbst 2003 Engelland, F./Lütje, G. (1996): Rechtsnatur und Bilanzierung von Asset-Backed Securities-Transaktionen, in: Die Wirtschaftprüfung, Heft Nr. 14, S. 517. Eckl, E. und Hahne, K. (2009): Auswirkungen des Jahressteuergesetzes 2009 auf die Rechnungslegung und Besteuerung von Leasing- und Factoringunternehmen, S. 121–127. Fahrholz, B. (1998): Neue Formen der Unternehmensfinanzierung, München 1998 Feinen, K. (1999a): Mehr Mut zur europäischen Identität, „off-balance-financing ist eine tragende Säule des Leasinggeschäfts“, Supplement Leasing-Berater 1999, Beiheft zum Betriebs-Berater, S. 1–4. Feinen, K. (1999b): Risikomanagement im Leasinggeschäft, Vortrag im Rahmen des Bank- und Börsenseminars des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre der Universität Köln am 28. Oktober 1999, S. 1–19. Göller, K. (2008): Kauf, Miete und Leasing nach International Financial Reporting Standards (IFRS), erschienen in: Kauf, Miete und Leasing im Rating (Hrsg.: Börner/Everling/Soethe, Gabler Verlag), S. 119–149. Hauptfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer e.V. (1989): Stellungnahme 1/1989. Heinz, G. und Schäfer-Elmayer, P. (2009): JStG 2009: Erweiterung des sog. Bankenprivilegs (§ 19 GewStDV) auf Finanzierungsleasing- und Factoringgesellschaften, in: Betriebs-Berater 8/2009, S. 365–369.

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References

Zusammenfassung

Beschäftigt man sich mit der Praxis der Unternehmensbewertung, so zeigt sich, dass hier zahlreiche Spezifika vorliegen, die vom Bewerter berücksichtigt werden müssen. Diese sind zum einen in Marktpotenzialen begründet, in Lebenszyklen, in potenziellen Synergieeffekten oder in Integrationsproblemen.

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Peter Bömelburg, Die Wirtschaftsprüfung 2/2009

Die einzelnen Beiträge folgen einem einheitlichen und praxisorientierten Grundgerüst:

- Charakterisierung der Branche

- Ermittlung der Plandaten der Unternehmensbewertung

- Branchenspezifische Ansätze der Unternehmensbewertung

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Prof. Dr. Dr. h.c. Jochen Drukarczyk war Inhaber des Lehrstuhls für Finanzierung an der Universität Regensburg. Er hat darüber hinaus zahlreiche Gastprofessuren in England, Frankreich, Österreich und Deutschland wahrgenommen. Seine bevorzugten Arbeitsgebiete sind Bewertung, Sanierung und Analyse institutioneller Regelungen auf Kreditmärkten.

Dr. Dr. Dietmar Ernst ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen. Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für Corporate Finance (DICF).

Für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Finanzierung, Rechnungslegung und Controlling, für Experten in Kreditinstituten sowie für Unternehmens-, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.