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3.2 Grundlegende Begriffsdefinitionen in:

Norbert Hirschauer, Oliver Mußhoff

Modernes Agrarmanagement, page 80 - 85

Betriebswirtschaftliche Analyse- und Planungsverfahren

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4743-9, ISBN online: 978-3-8006-4457-5, https://doi.org/10.15358/9783800644575_80

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3.2 Grundlegende Begriffsdefinitionen 67 • Der umfassende Anspruch des Controllings geht mit Blick auf seine systemorientierte Koordinati-onsfunktion über die in diesem Kapitel angesprochenen Grundlagen der Kontrolle und Analysehinaus. Damit stellt sich die Frage, ob nicht ein eigenständiges Controllingkapitel im Rahmen einessolchen Lehrbuchs erforderlich wäre. Ähnlich wie bei anderen Themen, wie dem Marketing oderdem Personalmanagement, die eine eigenständige Behandlung erforderlich machen, haben wir unsaus pragmatischen Gründen dagegen entschieden. Wir vertiefen die Controllingkonzeption unterVerweis auf unsere Zielsetzung, ein komprimiertes Lehrbuch mit dem Schwerpunkt „quantitativeAnalyse- und Planungsverfahren“ zu verfassen, nicht weiter. Im Sinne der Vermittlung von Grund-lagenwissen gehen wir stattdessen zunächst im vorliegenden Kapitel auf die allerwichtigstenInstrumente ein, die aus den internen Daten des Unternehmens entscheidungsunterstützendeInformationen machen. Dies bildet die Grundlage, um die in den folgenden Kapiteln angesproche-nen Planungsrechnungen bei verschiedenen Anlässen mit realistischen Annahmen durchführen zukönnen.In Abschnitt 3.2 dieses Kapitels erfolgt eine Klärung wichtiger Fachbegriffe, die insbesondere im Zusam-menhang mit dem Rechnungswesen immer wieder genannt werden und deren präzise betriebswirtschaft-liche Definition häufig von ihrer umgangssprachlichen Verwendung abweicht. Anschließend werden dieGrundlagen und Abläufe der Finanzbuchführung behandelt (Abschnitt 3.3). Die Schwerpunkte liegen inder Beschreibung des Aufbaus der Bilanz und der GuV, des technischen Ablaufs der Finanzbuchführungsowie ausgewählter Jahresabschlusskennzahlen. Gegenstand von Abschnitt 3.4 ist die Leistungs-Kostenrechnung, die das wichtigste innerbetriebliche Informationsinstrument darstellt und bei derenBeschreibung wir klassisch in Teil- und Vollkostenrechnung unterscheiden. In Abschnitt 3.5 werden diezentralen Aussagen des vorliegenden Kapitels kurz zusammengefasst. 3.2 Grundlegende BegriffsdefinitionenUmgangssprachlich werden die Begriffspaare „Einzahlung und Auszahlung“, „Einnahme und Ausgabe“,„Ertrag und Aufwand“ sowie „Leistungen und Kosten“ vielfach synonym verwendet. Betriebswirtschaftlichsind diese Begriffe jedoch unterschiedlich definiert. Im Folgenden wird auf die Unterscheidung der ver-schiedenen Größen im Einzelnen eingegangen. Bei diesen Ausführungen ist die Informationsdichtezunächst sehr hoch. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken und verschaffen Sie sich zunächst „imSchnelldurchgang“ einen Überblick. Dieser Abschnitt wird später eine Hilfestellung sein, um schnell dieeinzelnen Definitionen nachschlagen zu können.Die Begriffspaare haben gemeinsam, dass es sich um periodenbezogene Größen handelt. Die kaskaden-artige Darstellung in Abb. 3-2 und Abb. 3-3 verdeutlicht die Unterschiede zwischen den Begriffen aufeinen Blick. Die Überlappungsbereiche der Kästen, in denen die einzelnen Begriffe genannt sind, deutenan, dass es betriebliche Vorgänge gibt, für die mehrere Begriffe zutreffend sind. In den Bereichen derKästen, in denen es keine Überlappung gibt, sind jeweils Beispiele für betriebliche Vorgänge genannt, überdie sich die unterschiedlichen Begriffe abgrenzen lassen. Zu beachten ist außerdem, dass die Unterschiedezwischen den Begriffen umso geringer sind, je länger der Betrachtungszeitraum ist. Die rechte Seite vonAbb. 3-2 pointiert sprachlich den Unterschied zwischen den verschiedenen Abgangsgrößen. Auszahlungenbedeuten, dass man etwas bezahlt, also Geld fließt. Ausgaben bezeichnen den Geldwert der Güter undDienstleistungen, die man beschafft. Aufwand meint den Geldwert beschaffter Güter und Dienstleistungen,die in einer Wirtschaftsperiode in einem Unternehmen verbraucht werden. Kosten sind der Geldwert allerbeschafften und nicht beschafften Güter und Dienstleistungen, die für typische betriebliche Leistungen verbraucht werden. Die rechte Seite von Abb. 3-3 stellt mit Blick auf die Zugangsgrößen dar, welche Art vonAnalysen mit den jeweiligen Größen durchgeführt werden können und welche Bestandsgröße durch diejeweilige Zu- und Abgangsgröße beeinflusst wird. 68 3 Kontrolle und Analyse Abb. 3-2: Abgrenzung der Abgangsgrößen a) BezahltAuszahlungKredit-tilgung AufKredit BeschafftAusgabeFürVorrat AusVorrat Verbraucht im UnternehmenAufwandNeutralerAufwand ZweckaufwandGrundkosten sowie Anders- und Zusatzkosten Verbraucht für betriebliche Leistungen Kosten a) Auf der rechten Seite wird der Unterschied zwischen den verschiedenen Abgangsgrößen sprachlichpointiert. Abb. 3-3: Abgrenzung der Zugangsgrößen a) Æ Liquidität (Zahlungsmittelbestand) EinzahlungKredit-zugang AufZiel Æ Finanzkraft (Geldvermögen)EinnahmeAusVorrat FürVorrat Æ Ertragskraft (Eigenkapital)ErtragNeutralerErtrag ZweckertragGrundleistung Zusatz-leistung ÆWirtschaftlichkeitLeistung a) Auf der rechten Seite ist die jeweilige Analysemöglichkeit und in Klammern die jeweils korrespondie-rende Bestandsgröße angezeigt.Zahlungen sind Geldmittel, die von einem Wirtschaftssubjekt an ein anderes übergeben werden. Einzahlungen sind also Zahlungsmittel, die dem Unternehmen bar über die Kasse oder unbar über die Bank 3.2 Grundlegende Begriffsdefinitionen 69 zufließen. Es handelt sich bspw. um eine Einzahlung für den Landwirt, wenn der Landhändler den vomLandwirt gelieferten Weizen per Banküberweisung bezahlt. Auszahlungen sind Zahlungsmittel, die dasUnternehmen verlassen. Ein Beispiel hierfür ist das Geld, das der Landwirt an den Landmaschinenhändlerüberweist, um seinen neuen Mähdrescher zu bezahlen. Mit Blick auf die Abgrenzung zwischen den einzel-nen Zu- und Abgangsgrößen ist es wichtig, zu beachten, dass die Rückzahlung eines Darlehens (Kredittil-gung) eine Auszahlung und der Erhalt eines Darlehens (Kreditzugang) eine Einzahlung darstellt. DieStromgrößen „Einzahlungen“ und „Auszahlungen“ beeinflussen die Bestandsgröße „Zahlungsmittelbestand“. Da Liquidität die Fähigkeit eines Unternehmens meint, seine Zahlungsverpflichtungen jederzeitund vollständig erfüllen zu können, kann sie mit Hilfe einer Einzahlungs-Auszahlungsrechnung analysiertund kontrolliert werden. Einnahmen umfassen die Erlöse des Unternehmens, also den Geldwert verkaufter Güter und Dienst-leistungen, unabhängig davon, ob beim Verkauf Zahlungsmittel geflossen sind oder Forderungen erworbenwurden. Forderungen entstehen z.B. durch den Verkauf von Produkten, bei denen die Bezahlung nichtsofort erfolgt. Analog bezeichnen Ausgaben den Geldwert beschaffter Güter und Dienstleistungen. Dabeiist es wiederum egal, ob beim Kauf sofort Zahlungsmittel abfließen oder ob Verbindlichkeiten eingegangenwerden. Verbindlichkeiten entstehen z.B. beim Einkauf von Produktionsmitteln, die erst später bezahltwerden. Die Stromgrößen „Einnahmen“ und „Ausgaben“ beeinflussen die Bestandsgröße „Geldvermögen“, die auch als Nettofinanzvermögen bezeichnet wird und die dem Zahlungsmittelbestand zzgl.(Geld)Forderungen abzgl. Verbindlichkeiten entspricht. Die Tilgung eines Kredits ist also eine Auszahlung,aber keine Ausgabe: Durch eine Tilgungszahlung verringern sich zwar die Zahlungsmittel, gleichzeitigwerden aber auch die Verbindlichkeiten reduziert, so dass sich das Geldvermögen insgesamt nicht ändert.Die Beschaffung von Pflanzenschutzmitteln auf Ziel, d.h. z.B. mit einem Lieferantenkredit, ist dagegen eineAusgabe, aber keine Auszahlung. Schließlich hat sich der Zahlungsmittelbestand nicht verändert, aber dasGeldvermögen. Zweck der Einnahmen-Ausgabenrechnung ist die Analyse und Kontrolle der sog. Finanz-kraft als Ausdruck für die Fähigkeit eines Unternehmens, Geldvermögen zu generieren.Als Ertrag bezeichnet man den gesamten monetären Wertzugang aus der Leistungserstellung des Unter-nehmens in einer Wirtschaftsperiode. Aufwand ist der gesamte monetäre Wertverzehr aus dem Ver-brauch von Produktionsfaktoren eines Unternehmens in einer Wirtschaftsperiode. Erträge und Aufwen-dungen sind also Wertänderungen, die nicht nur im Geld-, sondern auch im Sachvermögen, d.h. bei denphysischen Vermögensgegenständen, stattfinden. „Erträge“ und „Aufwendungen“ wirken sich auf die Be-standsgröße „Eigenkapital“ (Reinvermögen) eines Unternehmens aus, das als Summe aus Sachvermögenund Geldvermögen definiert ist. Der Kauf von Futtermitteln auf Vorrat ist bspw. eine Ausgabe, jedoch keinAufwand, weil das Futter nicht verbraucht wurde. Dagegen ist der Verbrauch von Futtermitteln aus Vorrätenein Aufwand (Wertverzehr), jedoch keine Ausgabe. Analog stellt ein Ertrag einen Wertzugang dar, und zwarunabhängig davon, ob das erstellte Produkt direkt verkauft wurde oder sich zunächst in einer Erhöhungvon Vorräten widerspiegelt. Das Rechenergebnis der Ertrags-Aufwandsrechnung ist der Gewinn oder Ver-lust, den das Unternehmen in einer Periode erwirtschaftet und der - ohne Privatentnahmen und -einlagenbei Einzelunternehmen oder Kapitalausschüttungen und -erhöhungen bei Juristischen Personen - der Ei-genkapitalveränderung entspricht. Mit Privatentnahmen (Privateinlagen) ist gemeint, dass der Unterneh-mer seinem Unternehmen Geld oder andere Vermögensgegenstände entnimmt (zuführt). Der Rechnungs-zweck ist die Analyse und Kontrolle der unternehmerischen Ertragskraft und damit der Fähigkeit einesUnternehmens, über den Wert des Aufwands hinaus eine (Residual)Entlohnung der eigenen Produktions-faktoren zu erwirtschaften.Die Unterscheidung zwischen Auszahlung und Ausgabe einerseits und Aufwand andererseits ist insbe-sondere bei der Anschaffung mehrjährig nutzbarer Anlagegüter wie Gebäude oder Maschinen wichtig.Langlebige Anlagegüter müssen zwar i.d.R. sofort bei der Beschaffung bezahlt werden, können dann aberüber mehrere Jahre im Unternehmen genutzt werden. Gedanklich kann man sich vorstellen, dass dasLeistungspotenzial dauerhafter Produktionsmittel „auf Vorrat“ beschafft und dann im Lauf der Zeit zu- 70 3 Kontrolle und Analyse nehmend „verzehrt“ wird. Langlebige Vermögensgegenstände verlieren also erst mit der Zeit und derNutzung an Wert. Die Auszahlung für die Anschaffung eines Schleppers stellt bspw. zum Zeitpunkt desKaufs keinen Aufwand dar. Der Aufwand ergibt sich erst aus dem jährlichen Wertverlust des Schleppers,den man auch als Abschreibung bezeichnet. Zur Berechnung der Abschreibung muss der Anschaffungs-wert eines Schleppers, dessen Leistungspotenzial in mehreren Nutzungsjahren verbraucht wird, abzgl.eines Restwertes am Ende der Nutzungsdauer auf die einzelnen Jahre umgelegt werden. Bei einem An-schaffungswert von 160 000 €, einer erwarteten Nutzungsdauer von 8 Jahren und einem Restwert von Nullbeträgt die durchschnittliche jährliche Abschreibung für die Abnutzung des Schleppers 20 000 €. Weil Er-träge und Aufwendungen auch derartig periodisierte Komponenten beinhalten, sind es im Unterschied zuden Einzahlungen/Auszahlungen und Einnahmen/Ausgaben keine Stromgrößen im engeren Sinne.Beim Ertrag und Aufwand wird in Zweckertrag und Zweckaufwand einerseits und neutralen Ertrag undneutralen Aufwand andererseits unterschieden. Zweckertrag und Zweckaufwand entstehen in der Erfül-lung des eigentlichen Betriebszwecks, d.h. der Produktion oder auch der Erbringung von Dienstleistungen.Einen Zweckertrag stellt bspw. der Verkaufserlös für Winterweizen dar. Ein Zweckaufwand sind bspw. dieSaatgutkosten. Der neutrale Ertrag und der neutrale Aufwand speisen sich aus zwei Hauptquellen:1. Zeitraumfremde Erträge und Aufwendungen können nicht ausschließlich der betrachteten Wirt-schaftsperiode zugeordnet werden. Ein zeitraumfremder Ertrag ergibt sich z.B. beim Verkauf einerMaschine über ihrem Buchwert. Der Ertrag aus einem solchen Buchgewinn ist zeitraumfremd, da erzwar zu einem konkreten Zeitpunkt realisiert wird, aber nur durch intensive Wartungs- und Pflege-maßnahmen über die Nutzungsjahre hinweg ermöglicht wurde. Einen zeitraumfremden Aufwandstellen z.B. die Abschreibungen auf zeitraumfremde Forderungen dar.2. Außerordentliche Erträge und Aufwendungen fallen außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätig-keit des Unternehmens an; d.h. sie sind ungewöhnlich und selten. Beispiele sind die Realisation vonBuchgewinnen aus dem Verkauf von bedeutenden Beteiligungen, Spenden, Bußgelder oder der Ein-tritt von Verlusten aufgrund außerordentlicher Schadensfälle, wie z.B. Blitzschlag.Die drei Begriffspaare „Einzahlung/Auszahlung“, „Einnahme/Ausgabe“ und „Ertrag/Aufwand“ beziehensich nur auf solche Vorgänge, die sich in den zählbaren Beständen niederschlagen. Dies erschwert Verglei-che zwischen Betrieben, die in unterschiedlichem Umfang über eigene Produktionsfaktoren, wie Eigen-tumsflächen, Familienarbeitskräfte und Eigenkapital, verfügen. Schließlich liegen für die Entlohnung dereigenen Produktionsfaktoren keine Quittungen oder Rechnungsbelege vor. Vielmehr steht der Unterneh-mensgewinn als Residualentlohnung für die Entlohnung aller eingesetzten eigenen Faktoren zur Verfü-gung. Hier setzt die Definition von Leistungen und Kosten an. Unter Leistungen versteht man den Geld-wert aller im Rahmen der typischen betrieblichen Tätigkeit erzeugten Güter und Dienstleistungen. Manspricht auch kurz von der „monetär bewerteten Güterentstehung“. Unter Kosten versteht man den Geld-wert aller Güter und Dienstleistungen, die für betriebliche Leistungen verbraucht werden. Man sprichtauch kurz vom „monetär bewerteten Güterverzehr“. Mit Hilfe der Leistungs-Kostenrechnung will man dieFrage beantworten, wie gut ein Unternehmen wirtschaftet, und zwar ganz unabhängig vom Umfang dereingesetzten eigenen Produktionsfaktoren. Deshalb berücksichtigt man über sog. kalkulatorische Ansätzeexplizit den Sachverhalt, dass auch der betriebliche Einsatz von eigenem Boden, eigener Familienarbeits-kraft und eigenem Kapital einen Güterverzehr darstellt. Man hätte ja beim außerbetrieblichen Einsatz dereigenen Produktionsfaktoren Pachteinkommen, Lohneinkommen und Kapitalerträge erzielen können.Diese entgangenen außerbetrieblichen Entlohnungen müssen als Opportunitätskosten (vgl. Punkt 2.4.2)berücksichtigt werden, wenn man die Güte der unternehmerischen Aktivitäten beurteilen will.Bei den Leistungen wird in Grundleistungen und kalkulatorische Leistungen unterschieden. Die Grundleistungen entsprechen dem Zweckertrag (ertragsgleiche Leistungen) und umfassen damit Umsatzerlöseaus dem Verkauf von Gütern und Dienstleistungen sowie die Erhöhung von Beständen und Vorräten. Kalkulatorische Leistungen sind Leistungen, die nicht in den jahresbezogenen Erträgen des Unternehmens 3 13 23 82 _M u ßh of f- Bg 3 3.2 Grundlegende Begriffsdefinitionen 71 erfasst werden. Sie werden deshalb auch als Zusatzleistungen bezeichnet. Ein Beispiel hierfür ist der Vor-fruchtwert von Leguminosen, wie z.B. Lupinen, für den nachfolgenden Weizen. Neutrale Erträge, die perse nicht mit dem Kerngeschäft eines Unternehmens in Verbindung stehen, finden in den Leistungengrundsätzlich keine Berücksichtigung (vgl. Abb. 3-4). Abb. 3-4: Abgrenzung von Ertrag und Leistung Ertrag Neutraler Ertrag Zweckertrag Grundleistung Kalkulatorische Leistung(= Zusatzleistung) Leistung Bei den Kosten werden zunächst Grundkosten und kalkulatorische Kosten unterschieden. Grundkostensind alle Kosten für Positionen, die in gleicher Höhe wie die entsprechenden Aufwendungen anfallen (auf-wandsgleiche Kosten). Beispiele sind Aufwendungen für Betriebsstoffe, Löhne und Dienstleistungen Dritteroder auch Schuldzinsen für Fremdkapital. Kalkulatorische Kosten sind nicht direkt aus Belegen abzulesen,sondern müssen erst - wie die Bezeichnung schon sagt - kalkuliert werden. Sie lassen sich in Anderskostenund Zusatzkosten unterteilen. Neutrale Aufwendungen gehören nicht zu den Kosten (vgl. Abb. 3-5). Abb. 3-5: Abgrenzung von Aufwand und Kosten Aufwand Neutraler Aufwand ZweckaufwandAls Kosten verrechnet Nicht als Kosten verrechnet Grundkosten(aufwandsgleiche Kosten) Anderskosten ZusatzkostenKalkulatorische Kosten Kosten Anderskosten betreffen Kostenpositionen, die in der Ertrags-Aufwandsrechnung als Position enthaltensind, jedoch in anderer Höhe. Hierfür gibt es die folgenden Gründe: • Abschreibungen stellen in aller Regel Anderskosten dar. Nur in Sonderfällen entsprechen die steuerli-chen Aufwendungen für Abschreibung dem betriebswirtschaftlichen Wertverlust dauerhafter Pro-duktionsmittel. Dies liegt zum einen daran, dass sich die „betriebsübliche Nutzungsdauer“ gemäß denfür die steuerliche Buchführung relevanten Abschreibungstabellen von der tatsächlich plausiblenNutzungsdauer im jeweiligen Betrieb unterscheidet. Zum anderen können die Anschaffungspreiseidentischer Anlagegüter, die zu verschiedenen Zeitpunkten erworben wurden, unterschiedlich sein.Um Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen herzustellen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten dauer-hafte Produktionsmittel angeschafft haben, unterstellt man bei der Berechnung der Kosten vielfach,dass alle Maschinen gerade neu angeschafft wurden (Abschreibungen als Anderskosten wegenAbschreibung nach Wiederbeschaffungswerten). • Kalkulatorische Wagniskosten für aperiodisch wirksam werdende Risiken, wie z.B. nicht versicherterHagelschlag, werden berechnet, indem man die Schadenshäufigkeit mit der Schadenshöhe multipli-ziert und schließlich als (Anders)Kosten des Risikomanagements ansetzt. Dadurch wird ein Vergleichvon Betrieben mit und ohne Versicherung möglich.Den Zusatzkosten ist im Unterschied zu den Anderskosten gar keine Aufwandsposition zuzuordnen. Sieberücksichtigen den Sachverhalt, dass auch der Einsatz und Verbrauch von Produktionsfaktoren, die sich 4 13 23 82 _M u ßh of f- Bg 4 72 3 Kontrolle und Analyse im Eigentum des Unternehmers befinden, wirtschaftlich gesehen einen Güterverzehr darstellt und Oppor-tunitätskosten verursacht. Diesen Güterverzehr berücksichtigen die Zusatzkosten in Form des sog. Pachtansatzes (Opportunitätskosten des eigenen Bodens), Lohnansatzes (Opportunitätskosten der Familien-arbeitskraft) und Zinsansatzes (Opportunitätskosten des Eigenkapitals).Nach dieser Präzisierung der wichtigsten Grundbegriffe, die im Zusammenhang mit dem Rechnungs-wesen verwendet werden, sei einschränkend darauf hingewiesen, dass einzelne Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Begriff „Ertrag“. Bisherhaben wir darunter den monetären Wertzugang eines Unternehmens in einer Wirtschaftsperiode ver-standen. In vielen Fällen meint der Begriff aber auch einfach den physischen Ertrag. Zum Beispiel sprichtman von einem Ertrag von 80 dt Weizen pro ha. Darüber hinaus gibt es auch noch die Bezeichnung„Ertragslage“, die bereits auf die Differenz zwischen Ertrag und Aufwand, also eigentlich den Gewinnabzielt. An diese Verwendung lehnt sich auch die steuerliche Begrifflichkeit „Ertragsteuern“ an, mit derdie Steuern auf den Erfolg bspw. von den Verbrauchsteuern abgegrenzt werden. Mehrfachbedeutungengibt es auch beim Begriff „Leistung“. Bisher haben wir darunter den Geldwert von Gütern und Dienst-leistungen verstanden, die im Rahmen der betrieblichen Tätigkeit hergestellt werden. Man spricht aberbspw. auch von der Milchleistung und meint damit die von einer Milchkuh produzierte Milchmenge inKilogramm. Oder man spricht von Arbeitsleistung und meint damit ebenfalls nicht den Geldwert, dermit einer Arbeitsstunde erzielt werden kann, sondern vielmehr die Zahl der abgegebenen Arbeitsstun-den (z.B. eines Schleppers).Im Lichte dieser terminologischen Unschärfen sei noch auf folgende Besonderheit hingewiesen: In derLandwirtschaft kommt den Transferzahlungen eine besondere Bedeutung zu. Transferzahlungen stelleneindeutig eine Einzahlung, eine Einnahme und einen Ertrag dar. Wenn die Vergabe von Transferzahlungenan die Produktion von gesellschaftlich erwünschten Zusatzleistungen (z.B. Extensivierung der Produktionzur Erhöhung der Biodiversität oder zur Vermeidung eines Stickstoffbilanzüberhangs) gekoppelt ist,werden sie auch als Leistungen betrachtet. Wenn Transferzahlungen allerdings lediglich an das Bestehendes Betriebs gekoppelt sind, kann man sie nicht mehr als Leistungen im Sinne der allgemeinen Definitionals „monetär bewertete Güterentstehung“ betrachten. Gelegentlich werden derartige „leistungslose Er-träge“ aber dennoch als Leistungen bezeichnet. 3.3 JahresabschlussDas Kernelement des externen Rechnungswesens ist der Jahresabschluss, der einen Rechenschaftsbe-richt für ein vergangenes Geschäftsjahr des gesamten Unternehmens darstellt. Im Steuerrecht wird das Geschäftsjahr - ein Begriff des Handelsrechts - auch als Wirtschaftsjahr bezeichnet. Im Gegensatz zuvielen anderen Branchen stimmt das Geschäftsjahr in der Land- und Forstwirtschaft i.d.R. nicht mit demKalenderjahr überein. Beispielsweise geht das Geschäftsjahr für Ackerbaubetriebe vom 01.07. des einenJahres bis zum 30.06. des Folgejahres (vgl. §4a EStG). Dieser Rhythmus ist darin begründet, dass in derZeit kurz vor der Ernte nur sehr wenige Vorräte erfasst werden müssen. Dies vereinfacht den Aufwandbei der Erhebung der Vorräte. Es hat aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht gleichzeitig den Nachteil,dass die zu einem Geschäftsjahr gehörenden Erträge nicht direkt mit den Aufwendungen desselbenGeschäftsjahres verglichen werden können. Mit Blick auf die pflanzliche Produktion wird dies besondersdeutlich, denn hier gehören Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres i.d.R. nicht zur selbenVegetationsperiode. In Betrieben mit einem Grünlandanteil von mindestens 80% der landwirtschaftli-chen Nutzfläche kann für das Geschäftsjahr der Zeitraum vom 01.05. bis 30.04. und in Forstbetriebenvom 01.10. bis 30.09. gewählt werden (vgl. §8c Einkommensteuerdurchführungsverordnung; EStDV).Der für die Ertragsteuer relevante Gewinnermittlungszeitraum ist grundsätzlich - also ganz unabhängigvom Geschäftsjahr - das Kalenderjahr, d.h. der steuerliche Gewinn wird ggf. anteilig aus dem Gewinnzweier Geschäftsjahre ermittelt.

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References

Zusammenfassung

Gemäß dem Motto „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ geht es im vorliegenden Lehrbuch darum, Studierenden und Praktikern beim Erwerb analytischer Fähigkeiten und einer problemlösungsorientierten Methodenkompetenz zu helfen.

Für die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stark verändert. Insbesondere der Wettbewerbsdruck und das unternehmerische Risiko sind infolge der Liberalisierung der Agrarmärkte und des Klimawandels angestiegen. Hinzu kommen ein laufender Anpassungsdruck an veränderte Verbraucherwünsche, neue gesellschaftliche Anforderungen sowie eine zunehmende Verflechtung zwischen den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette. Das vorliegende Lehrbuch trägt diesen Entwicklungen durch die Fokussierung auf die praktische unternehmerische Entscheidungsunterstützung unter Risiko Rechnung.

Dieses Buch schafft zum einen das theoretisch-konzeptionelle Verständnis für die grundlegenden ökonomischen Strukturen der wichtigsten unternehmerischen Entscheidungsanlässe. Zum anderen vermittelt es das handwerkliche Können im Umgang mit betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsinstrumenten, über das Manager in einer unsicheren Unternehmensumwelt verfügen müssen, um erfolgreiche Entscheidungen fällen zu können.

Aus dem Inhalt:

• Grundlagen und Ziele unternehmerischen Entscheidens

• Kontrolle und Analyse

• Produktionstheorie

• Produktionsprogrammplanung

• Investitionsplanung und Finanzierung

• Querschnittsaufgabe Risikomanagement

• Bewertung und Taxation

• Corporate Social Responsibility

Über die Autoren:

Prof. Dr. Oliver Mußhoff leitet den Arbeitsbereich für Landwirtschaftliche Betriebslehre am Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen.

Prof. Dr. Norbert Hirschauer ist Inhaber der Professur für Unternehmensführung im Agribusiness am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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Für Dozenten steht auf der Website ein auf das Buch abgestimmter Foliensatz mit den Abbildungen und Tabellen des Buches zur Verfügung. Für Studierende sind Übungsaufgaben formuliert.