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6.6 Finanzierung von Investitionen in:

Norbert Hirschauer, Oliver Mußhoff

Modernes Agrarmanagement, page 312 - 327

Betriebswirtschaftliche Analyse- und Planungsverfahren

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4743-9, ISBN online: 978-3-8006-4457-5, https://doi.org/10.15358/9783800644575_312

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302 6 Investitionsplanung und Finanzierung 6.6 Finanzierung von InvestitionenAus dem bisher Gesagten ist deutlich geworden, dass jede Investition technisch gesehen einen Zahlungs-strom darstellt, der häufig durch eine negative Zahlung im Jahr Null und positiven Zahlungen in den Folge-jahren in Form der erwirtschafteten Investitionsrückflüsse gekennzeichnet ist. Für jede Mittelverwendung(Investition) müssen Mittel bereitgestellt werden (Finanzierung). Man spricht in diesem Zusammenhangauch von „Dualität von Investition und Finanzierung“.Im Gegensatz zur Investition beginnt der Zahlungsstrom einer Finanzierung aus Sicht des Investors (z.B.eines investierenden Landwirts) mit einer positiven Zahlung im Jahr Null, der negative Zahlungen in denspäteren Perioden folgen. Im Fall der Fremdkapitalfinanzierung ist dies offensichtlich: Der Landwirt erhältvon der Bank, die die Mittel bereitstellt, im Jahr Null eine Einzahlung in Höhe des ausgereichten Kreditbe-trags. In den Folgeperioden entstehen ihm dadurch Auszahlungen in Form des vertraglich vereinbarten Ka-pitaldienstes (debt service), der der Summe aus Zins- und Tilgungszahlungen entspricht. Aber auch das füreine Investition zur Verfügung gestellte Eigenkapital stellt aus Sicht des investierenden Unternehmers einenFinanzierungszahlungsstrom dar, der mit einer Einzahlung beginnt. Ist der Unternehmer gleichzeitig Leiterund Eigentümer des Unternehmens, ist er allerdings sowohl Mittelempfänger als auch Mittelbereitsteller.Aus der Perspektive des Fremdkapitalgebers, wie z.B. einer Bank, stellt die Auszahlung eines Kreditbetragseine Investition dar, für die der Fremdkapitalgeber in den Folgejahren Einzahlungen in Form der Kapital-dienstzahlungen des Kreditempfängers erhält. Die Bank erzielt dadurch eine Rendite in Höhe des vereinbar-ten Kreditzinssatzes. Etwas anders sieht es bei der Eigenkapitalfinanzierung aus. Zwar stellt auch hier ausSicht des Mittelgebers die Bereitstellung des Kapitals eine Auszahlung aus seinem vorhandenen Vermögens-bestand und damit eine Investition dar. Dafür erhält der Eigenkapitalgeber aber keine feste Entlohnung,sondern eine Residualentlohnung in Form des fremdkapitalbereinigten Zahlungsstroms (vgl. Punkt 6.3.3e).Bei einer Mischfinanzierung hat ein investierender Unternehmensleiter, der gleichzeitig Eigentümer ist, alsoeine Dreifachfunktion: (1) Mit Blick auf die Verwendung der Gesamtmittel ist er der unternehmerische Investor des Gesamtkapitals. (2) Als Beschaffer der Fremd- und Eigenmittel übt er die Finanzierungsfunktion ausund (3) als Bereitsteller von Eigenmitteln ist er Investor des Eigenkapitals. Der Unternehmer muss also nichtnur eine Wahl zwischen unternehmerischen Investitionsalternativen treffen. Es sind auch verschiedene Möglichkeiten der Mittelbereitstellung und -beschaffung zu bewerten, die ihrerseits die Rentabilitätder dualen Entscheidung „Investition und Finanzierung“ beeinflusst. Dabei geht es einerseits um die Frageder richtigen Eigen- und Fremdkapitalanteile. Andererseits geht es um die Auswahl von Finanzierungsange-boten und insbesondere um dieWahl zwischen verschiedenen Formen der Fremdkapitalfinanzierung.In den Abschnitten 6.3 bis 6.5 wurden die Auswirkungen, die die Finanzierung auf die Rentabilität von Inves-titionsvorhaben hat, durch den Kalkulationszinsfuß berücksichtigt, der die Kosten des in der Investition ge-bundenen Kapitals ausdrückt. Dabei wurde eine bestimmte Finanzierung als exogen vorgegeben unterstellt.Im Folgenden wird die Frage nach der optimalen Finanzierungsmöglichkeit bei gegebenem Kapitalbedarfbehandelt. Wir systematisieren in Punkt 6.6.1 zunächst die verschiedenen Finanzierungsformen. Dabei liegtder Fokus auf den langfristigen Darlehensformen. In Punkt 6.6.2 zeigen wir, mit welchen Entscheidungskal-külen man die Vorzüglichkeit verschiedener Finanzierungsangebote bewerten kann. Anschließend gehenwir in Punkt 6.6.3 darauf ein, wie man die Liquidität mit Hilfe von Finanzplänen überprüft und sicherstellt.14 14 Unternehmer müssen auch ihre langfristige Finanzierungsstrategie festlegen. Dabei geht es um die grund-sätzlichen Eigner-Gläubiger-Schuldner-Beziehungen im Unternehmen. Von Eignern und Gläubigern be-kommt das Unternehmen Eigen- bzw. Fremdkapital. Von Schuldnern erhält es Zinsen und Kapitalrückzah-lungen für verliehenes Kapital. Allgemeine Fragen der Finanzplanung im Sinne der Gestaltung der lang-fristigen Finanzierungsstruktur werden im Folgenden nicht angesprochen. Dabei handelt es sich um stra-tegische Fragen, die mit formal-quantitativen Analysen nur eingeschränkt beantwortet werden können. 6.6 Finanzierung von Investitionen 303 6.6.1 Beschreibung verschiedener Finanzierungsformen a) Rechtliche Stellung der Kapitalgeber und Herkunftsquellen von KapitalEs gibt verschiedene Möglichkeiten, Finanzierungsformen zu systematisieren. Mit Blick auf die Rechts-stellung der Kapitalgeber wird eine Unterscheidung in Eigenkapital und Fremdkapital vorgenommen(vgl. Tab. 6-29). Sowohl Eigen- als auch Fremdkapital kann von mehreren Parteien bereitgestellt werden.So können sich mehrere Personen oder Unternehmen als Eigenkapitalgeber an einem Unternehmen betei-ligen und damit (Mit)Eigentümer werden. Das Fremdkapital kann von unterschiedlichen Gläubigern wieBanken oder vor- und nachgelagerten Unternehmen bereitgestellt werden. Tab. 6-29: Rechtliche Charakteristika von Eigen- und FremdkapitalEigenkapital(Eigentümerrechte) Fremdkapital(Gläubigerrechte)Entlohnungsansprüche Residualentlohnung Festes EntgeltHaftung des Kapitalgebers Ja NeinFormale zeitliche Befristung Nein JaEinfluss auf Unternehmensführung Ja (teilweise) Nein (teilweise)Der Vorteil von Eigenkapital aus Sicht der Unternehmensführung besteht darin, dass im Gegensatz zuFremdkapital keine erfolgsunabhängigen Zahlungsverpflichtungen entstehen. Dieser rechtliche Un-terschied bei den Entlohnungsansprüchen lässt sich auch über den Begriff der Haftung ausdrücken.Der Fremdkapitalgeber haftet nicht. Er hat ein Anrecht auf seine vertraglich festgelegten Entlohnungs-ansprüche und die Rückzahlung seines Kapitals, „auch wenn es schlecht läuft“. Im Gegensatz dazumüssen Eigentümer mit ihrer gesamten Einlage und ggf. sogar mit mehr „dafür gerade stehen“, dassdie Ansprüche der verschiedenen Fremdkapitalgeber auf Zins- und Tilgungszahlungen erfüllt werden.Gerät ein Unternehmen in schwieriges wirtschaftliches Fahrwasser, kann es für die Gläubiger zu einerKonkurrenzsituation kommen. Dies ist dann der Fall, wenn das Eigenkapital des Unternehmens(Schuldners) nicht ausreicht, um die Ansprüche aller Gläubiger voll zu befriedigen. Deshalb fordernDarlehensgeber in vielen Fällen eine dingliche Absicherung, wie z.B. durch eine Hypothek bzw. Grund-schuld auf den Grundbesitz oder den Fahrzeugbrief beim Kauf eines Schleppers. Eng mit den Unter-schieden bei den Entlohnungsansprüchen verbunden ist die zeitliche Dauer der Kapitalbindung. BeiEigenkapital gibt es keine formale zeitliche Befristung. Fremdkapital kann man dagegen je nach Dau-er der Kapitalbereitstellung bzw. der vertraglich vereinbarten Rückzahlungsdauer der Kredite in kurz-fristiges Kapital (< 1 Jahr), mittelfristiges Kapital (1 bis 5 Jahre) und langfristiges Kapital (> 5 Jahre)unterscheiden.Mit der Bereitstellung von Eigenkapital erwirbt der Kapitalgeber Eigentümerrechte in Form von Mit-spracherechten bei der Unternehmensführung. Wie diese genau ausgestaltet sind, hängt letztlich von derRechtsform des Unternehmens ab (vgl. Punkt 2.3.1). In Kapitalgesellschaften und Genossenschaften gibtes eine von der Eigentümerschaft getrennte und relativ selbstständige Geschäftsführung, die allerdings imInteresse der Eigner zu handeln hat. Im Einzelunternehmen ist der Landwirt dagegen Eigentümer undUnternehmensleiter in Personalunion. Fremdkapitalgeber haben demgegenüber „nur“ Gläubigerrechte.Dies bezieht sich zunächst auf die Möglichkeit, die Zinsen und Rückzahlungsmodalitäten festzulegen sowieVerzugskosten (Mahngebühren, Verzugszinsen, Gerichtskosten etc.) in Rechnung zu stellen. Allerdingswird die Vergabe von mittel- und langfristigem Fremdkapital sowie großen Beträgen oft an eine konkreteVerwendung bzw. an eine bestimmte Investition gebunden. Damit gewinnt der Gläubiger einen teilweisen Einfluss auf die Unternehmensführung. Im Gegensatz dazu ist bspw. ein Kontokorrentkredit nichtzweckgebunden, d.h. der Kreditnehmer kann die Mittel frei verwenden. 304 6 Investitionsplanung und Finanzierung Neben der rechtlichen Stellung der Kapitalgeber ist die Herkunft finanzieller Mittel das zweite wichtigeKriterium zur Systematisierung der Finanzierung. Dabei wird in Innen- und Außenfinanzierung unter-schieden (vgl. Tab. 6-30). Tab. 6-30: Systematisierung von FinanzierungsquellenInnenfinanzierung Außenfinanzierung ÆOffene Selbstfinanzierung aus Gewinnen Æ Stille Selbstfinanzierung aus stillen Reserven ÆErwirtschaftete Abschreibungen ÆVermögensumschichtungen durchDesinvestitionen ÆLangfristige Bankkredite (Darlehen) ÆKontokorrentkredit (kurzfristige Bankkredite) ÆLieferantenkredit (Handelskredit) ÆKundenkredit ÆEinlagenfinanzierung durch den Unternehmer ÆBeteiligungsfinanzierung durch neue Teilhaber[Æ Leasing und Miete]Zur Innenfinanzierung (internen Finanzierung) zählen zunächst alle Mittel, die aus dem Umsatzprozessdes Unternehmens bereitgestellt werden. Diese ergeben sich durch die Erwirtschaftung von Gewinnen;man spricht von Selbstfinanzierung. Dabei ist zwischen offener und stiller Selbstfinanzierung zu unter-scheiden. Offene Selbstfinanzierung meint die Finanzierung aus dem jeweiligen Periodengewinn, dernach Berücksichtigung der Entnahmen, Tilgung und Steuerzahlung für Investitionen im Unternehmen zurVerfügung steht. Stille Selbstfinanzierungmeint die Finanzierung aus stillen Reserven bzw. unversteuer-ten Gewinnen, die z.B. dadurch zustande kommen, dass Vermögensgegenstände aufgrund von Sonder-abschreibungen über ihre tatsächliche Wertminderung hinaus steuerlich abgeschrieben werden.Eine weitere interne Finanzierungsquelle sind die erwirtschafteten Abschreibungen. Abschreibungenstellen Aufwendungen, aber keine Auszahlungen dar. Bei einem Gewinn von Null hat man flüssige Mittel inHöhe der Abschreibungen erwirtschaftet, die für Investitionen zur Verfügung stehen. Investiert mangenau den Abschreibungsbetrag, so hält man den Wert des Anlagevermögens eines Unternehmens geradekonstant. Eine Ähnlichkeit mit Abschreibungen haben Vermögensumschichtungen durch Desinvestitionen. Durch eine Desinvestition können Mittel freigesetzt werden, die für die Finanzierung von Investiti-onen zur Verfügung stehen. Das desinvestierte Kapital kann Eigen- oder Fremdkapital darstellen.Im Gegensatz zur Innenfinanzierung umfasst die Außenfinanzierung (externe Finanzierung) alle außer-halb des Unternehmens liegenden Finanzierungsquellen. Dazu gehört einerseits die Fremdfinanzierungüber langfristige Darlehen und andererseits die Fremdfinanzierung über kurzfristige Kredite wie Kontokorrentkredite, Lieferantenkredite und Kundenkredite. Neben der Fremdfinanzierung gehört zurAußenfinanzierung auch die Einlagen- und Beteiligungsfinanzierung. Dabei werden Mittel aus demPrivatvermögen des Unternehmers oder dem Vermögen Dritter in das Unternehmensvermögen überführt.Letztlich wird dadurch neues Eigenkapital in das Unternehmen eingebracht.Beim Leasing, das insbesondere bei Maschinen und zunehmend auch bei Tieren wie Milchkühen undZuchtsauen zur Anwendung kommt, handelt es sich um einen Vertrag, durch den der Leasingnehmer (z.B.der Landwirt) von einem Leasinggeber (z.B. dem Landmaschinenhändler) gegen periodische Zahlungen inForm der Leasingraten ein zeitraumbezogenes Nutzungsrecht (z.B. für fünf Jahre) an einem dauerhaftenProduktionsmittel (z.B. einem Mähdrescher) erhält. Dabei bleibt das Investitionsgut i.d.R. im Eigentumdes Leasinggebers. Der Leasingnehmer trägt aber die laufenden Verpflichtungen wie Reparaturen undVersicherungen. Leasing kann mit dem Recht verbunden sein, das Investitionsgut nach Ablauf der verein-barten Nutzungsdauer zurückzugeben und/oder zum Restwert zu kaufen. Eine (Maschinen)Miete ist - imUnterschied zum Leasing - üblicherweise nur über relativ kurze Zeiträume möglich. Weit verbreitet ist ei-ne Einjahres-, Zweijahres- oder Dreijahresmiete. Außerdem verbleiben beim Mieter oftmals nur Repara-turkosten für den Verschleiß von Kleinteilen. Bis auf die ohnehin versicherten Schäden sind alle anderenSchäden während der Mietdauer durch die Garantie oder Kulanz des Herstellers bzw. Händlers gedeckt. 6.6 Finanzierung von Investitionen 305 Häufig werden Leasing und Miete als Sonderformen der Finanzierung eingeordnet, weil sie eine „Lösung“von Finanzierungsproblemen bereitstellen. Genauer betrachtet handelt es sich aber gar nicht um eineFinanzierung im Sinne der Bereitstellung von Finanzmitteln. Vielmehr ist es ebenso wie die Landpachteine Alternative zur Investition, d.h. eine alternative Form der Bereitstellung von Produktionskapazitäten,durch die der Finanzierungsbedarf reduziert wird. Mit anderen Worten: Der Kauf eines mehrjährig nutz-baren Investitionsgutes wird durch den laufenden Kauf von Nutzungseinheiten substituiert. b) Kurzfristige FremdfinanzierungIm Wesentlichen stehen den landwirtschaftlichen Unternehmen für die kurzfristige FremdfinanzierungKontokorrentkredite, Lieferantenkredite und Kundenkredite zur Verfügung. Das dem Unternehmen vonder Bank genehmigte Überziehen eines Girokontos, der sog. Kontokorrentkredit (overdraft credit), ent-spricht dem Dispositionskredit bei Privatpersonen. Zur Einräumung eines Kontokorrentkredits bedarf es- wie bei jedem anderen Bankkredit auch - einer Kreditvereinbarung und Besicherung. Man spricht indiesem Zusammenhang von einer vereinbarten Kreditlinie. Der Kontokorrentkredit wird i.d.R. für ein Jahrzugesagt. Er wird bei ordnungsgemäßer Kontoführung verlängert, ist aber auch kurzfristig kündbar. DerKontokorrentkredit ist (deutlich) zinsgünstiger als eine Überziehung des Girokontos über die Kreditliniehinaus, die keine vertraglichen Vereinbarungen und auch keine Stellung von Sicherheiten erfordert. Ver-glichen mit anderen Fremdfinanzierungsmöglichkeiten ist der Kontokorrentkredit jedoch vergleichsweiseteuer. Da Kontokorrentzinsen meist nur für den Betrag fällig werden, der auch tatsächlich genutzt wird,stellt dieser Kredit aber eine höchst flexible Liquiditätsreserve dar. Außerdem kann der Kontokorrentkre-dit zweckungebunden eingesetzt und zeitlich variabel zurückgezahlt werden.Eine weitere wichtige Form der kurzfristigen Finanzierung stellt der Lieferantenkredit dar, der auch alsHandelskredit bezeichnet wird. Die Möglichkeit, einen Lieferantenkredit in Anspruch zu nehmen, entsteht,wenn ein Händler dem Kunden einen Zahlungsaufschub gewährt und i.d.R. ein Zahlungsziel von 30 Tagenfestlegt. Als Anreiz für eine kurzfristige Bezahlung innerhalb von 8 bis 10 Tagen wird oftmals ein Bar-zahlungsrabatt (Skonto) in Höhe von 1 bis 3% des Rechnungsbetrags gewährt. Begleicht der Kunde dieRechnung nicht innerhalb dieser Frist, verliert er die Möglichkeit des Skontoabzugs, d.h. es entstehen ihmOpportunitätskosten in Höhe des nicht realisierten Skontos. Man könnte auch sagen: Die Nichtnutzungdes Skontos stellt de facto einen kurzfristigen Kredit dar, für den ein Zins in Höhe des entgangenen Skon-tos anfällt. Der Lieferantenkredit wird in der Landwirtschaft insbesondere wegen seiner Formlosigkeitgeschätzt. Allerdings liegen die dafür in Form des nicht realisierten Skontos zu zahlenden Zinsen meistensüber den Kreditzinsen der Banken. Kundenkredit bedeutet ganz allgemein, dass ein Lieferant seinem Abnehmer etwas liefert und dieser erstspäter vollständig bezahlt, möglicherweise aber eine sofortige Abschlagszahlung leistet. Aus Sicht desLandwirts gibt es zwei Ausformungen des Kundenkredits: Ein Kundenkredit auf der Beschaffungsseitebedeutet, dass der Landhändler dem Landwirt zur Stärkung der Absatzbeziehung Betriebsmittel liefertund eine spätere Bezahlung akzeptiert. Hierfür verlangt der Lieferant einen Zinssatz. Ein Kundenkreditauf der Absatzseite bedeutet, dass der Landwirt dem Landhändler beim Verkauf seiner Produkte einenKredit gewährt und die volle Bezahlung später akzeptiert. Hierfür verlangt der Landwirt einen Zinssatz.Kundenkredite werden mit unterschiedlichen Laufzeiten angeboten. Kurzfristige Kundenkredite für denLandwirt als Kreditnehmer sind insbesondere bei akut fehlender Liquidität zur Vorfinanzierung vonBetriebsmitteln wie Saatgut, Düngung etc. von Bedeutung. In Fällen, in denen bspw. ein Landhändler gleich-zeitig Lieferant und Finanzierer von Betriebsmitteln sowie Abnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisseist, kann die Rückzahlung des Kundenkredits inkl. Zinsen auch in Form einer Preis- bzw. Umsatzkürzungerfolgen. Das heißt bspw., dass der Landhändler im Herbst die Betriebsmittel liefert und dafür das Rechterhält, in der Ernte des Folgejahres eine bestimmte Getreidemenge mit einem entsprechenden Preisab-schlag zu kaufen. 306 6 Investitionsplanung und Finanzierung c) Mittel- und langfristige FremdfinanzierungZu den mittel- und langfristigen Fremdfinanzierungsformen zählen Darlehen. Bevor ein Unternehmen einBankdarlehen erhält, wird seine Bonität (Kreditwürdigkeit) im Rahmen eines sog. Ratingverfahrensgeprüft. Das Ratingverfahren beinhaltet einen quantitativen und einen qualitativen Teil. Es ist banken-spezifisch, muss aber von der Bankenaufsicht genehmigt sein. Der quantitative Bewertungsteil macht i.d.R.zwischen 60% und 70% aus und wird auf der Grundlage von Jahresabschlüssen bestimmt. Relevant sindhier z.B. Umsatz- und Gewinnwachstum sowie der Eigenkapitalanteil. Grundlage des qualitativen Bewer-tungsteils können die Betriebsleiterqualifikation, die Kontoführung und der Zahlungsverkehr (Ist dasUnternehmen in der Vergangenheit seinen Zahlungsverpflichtungen termingerecht nachgekommen?), dieRegelung der Betriebsleiternachfolge etc. sein. Das Ergebnis des Ratingverfahrens ist eine Einordnung desKreditnehmers in eine sog. Ratingklasse, die die Einjahresausfallwahrscheinlichkeit des Kredites wider-spiegeln soll. Außerdem werden Kreditnehmer in eine Besicherungsklasse eingestuft, die vom Umfang derwerthaltigen Besicherung des Darlehens abhängig ist. Die Rating- und die Besicherungsklasse entscheiden,ob ein Unternehmen überhaupt ein Bankdarlehen erhält, und wenn ja, zu welchen Konditionen. Kredit-nehmer mit guter Bonität und Besicherungsklasse erhalten Darlehen c.p. zu einem günstigeren Zinssatz alsKreditnehmer mit schlechterer Bonität. Dies ist auch darin begründet, dass Banken ausgereichte Kredite inAbhängigkeit von der Bonität des Kreditnehmers mit mehr oder weniger Eigenkapital unterlegen müssen.Darlehen gibt es mit einem variablen Zinssatz oder mit einer Festzinsvereinbarung über einen längerenZeitraum. Bei Darlehen mit variablem Zinssatz kann der Darlehensnehmer ggf. unter Einhaltung einerkurzen Kündigungsfrist den Kredit flexibel zurückzahlen. Er trägt allerdings ein Zinsänderungsrisiko. Ein Darlehen mit Festzinsvereinbarung beinhaltet kein Zinsänderungsrisiko, kann aber auch nicht ohneWeiteres zurückgezahlt werden. Möchte der Darlehensnehmer ein solches Darlehen außerplanmäßigzurückzahlen, so muss er i.d.R. eine sog. Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank zahlen. Nachteilig ist einlangfristiger Kredit mit Festzinsvereinbarung also dann, wenn man über die entsprechende Liquidität ver-fügt, um den Kredit zurückzuzahlen, und für das verfügbare Kapital nur eine geringere Rendite erzielt alsden Zinssatz, den man für das Darlehen zahlt. Allerdings werden bei Darlehen mit Festzinsvereinbarungoftmals Sondertilgungsmöglichkeiten vereinbart, die eine kostenneutrale außerplanmäßige Rückzahlungin gewisser Höhe pro Periode erlauben.Langfristige Bankkredite werden in den Jahren nach dem Kreditzugang über einen sog. Kapitaldienst anden Darlehensgeber zurückgezahlt. Der Kapitaldienst entspricht der Summe aus Zins- und Tilgungszah-lungen. Je nach Modalität der vertraglich vereinbarten Kapitaldienstzahlungen lassen sich vier Darlehens-formen unterscheiden: (1) Tilgungsdarlehen (Ratendarlehen), (2) Annuitätendarlehen, (3) endfälligesDarlehen (Festdarlehen, Rückzahlungsdarlehen) mit laufender Zinszahlung und (4) endfälliges Darlehenmit Zinszahlung am Ende. Die Darstellung der zeitlichen Verteilung des Kapitaldienstes und seine Auftei-lung in gezahlte Zinsen und Tilgungsbeträge in jedem Jahr während der Laufzeit des Darlehens bezeichnetman als Zins- und Tilgungsplan. Für die Aufstellung eines Zins- und Tilgungsplans müssen die Darle-hensmodalitäten bekannt sein. In Abb. 6-21 sind die Zins- und Tilgungspläne für die genannten Darlehens-formen dargestellt. Dabei werden folgende Konditionen unterstellt: Darlehensbetrag ܥ଴ = 10 000 € (Rest-schuld = 0 €), Fremdkapitalzinssatz ݅ி௄ = 10% p.a. und Laufzeit ܰ = 5 Jahre.Beim Tilgungsdarlehen (redeemable loan; vgl. Abb. 6-21a) sind die Tilgungen in jeder Periode gleich. Manerhält sie, indemman den Darlehensbetrag (ggf. abzgl. einer im Beispiel nicht relevanten Restschuld) durch dieLaufzeit des Darlehens dividiert (2 000 = 10 000/5). Die Zinsbelastung im jeweiligen Jahr richtet sich nachdem Schuldenstand am Ende des Vorjahres, der sich durch die Tilgungen im Zeitablauf verringert. Im Ergebniszeigt sich, dass der Kapitaldienst von Jahr zu Jahr sinkt. Aufgrund des in den ersten Jahren relativ hohen unddann abfallenden Kapitaldienstes ist das Tilgungsdarlehen für die Finanzierung von Investitionenmit zunächstniedrigen und erst allmählich ansteigenden Investitionsrückflüssen ungeeignet. Für Investitionen in bekannteGeschäftsfelder ohne zu erwartende Anlaufschwierigkeiten kann das Tilgungsdarlehen interessant sein. 6.6 Finanzierung von Investitionen 307 Abb. 6-21: Struktur der Kapitaldienstzahlungen bei unterschiedlichen Darlehensformen (€) a) a) Tilgungsdarlehen (Ratendarlehen)Ende Jahr … Schulden Zinsen Tilgung Kapitaldienst0 10 0001 8 000 1 000 2 000 3 0002 6 000 800 2 000 2 8003 4 000 600 2 000 2 6004 2 000 400 2 000 2 4005 0 200 2 000 2 200Summe 3 000 10 000 13 000Durchschnitt 6 000 600 2 000 2 600 b) AnnuitätendarlehenEnde Jahr … Schulden Zinsen Tilgung Kapitaldienst0 10 0001 8 362 1 000 1 638 2 6382 6 560 836 1 802 2 6383 4 578 656 1 982 2 6384 2 398 458 2 180 2 6385 0 240 2 398 2 638Summe 3 190 10 000 13 190Durchschnitt 6 380 638 2 000 2 638 c) Endfälliges Darlehen mit laufender ZinszahlungEnde Jahr … Schulden Zinsen Tilgung Kapitaldienst0 10 0001 10 000 1 000 0 1 0002 10 000 1 000 0 1 0003 10 000 1 000 0 1 0004 10 000 1 000 0 1 0005 0 1 000 10 000 11 000Summe 5 000 10 000 15 000Durchschnitt 10 000 1 000 2 000 3 000 d) Endfälliges Darlehen mit Zinszahlung am EndeEnde Jahr … Schulden Zinsen Tilgung Kapitaldienst0 10 0001 11 000 0 0 02 12 100 0 0 03 13 310 0 0 04 14 641 0 0 05 0 6 105 10 000 16 105Summe 6 105 10 000 16 105Durchschnitt 12 210 1 221 2 000 3 221a) ܥ଴ = 10 000 € (Restschuld = 0 €), ݅ி௄ = 10% p.a. und ܰ = 5 Jahre. ZinsenTilgung TilgungZinsen ZinsenTilgung ZinsenTilgung 308 6 Investitionsplanung und Finanzierung Beim Annuitätendarlehen (annuity loan; vgl. Abb. 6-21b) ist der Kapitaldienst in jeder Periode gleich.Deshalb nehmen die Zinszahlungen im Zeitablauf ab, während die Tilgungszahlungen im Zeitablauf an-steigen. Zur Aufstellung des Zins- und Tilgungsplans wird zunächst der Kapitaldienst mit Hilfe desWiedergewinnungsfaktors berechnet. Die Differenz zwischen Darlehensbetrag und Barwert der Rest-schuld ist dazu zu verrenten (2 638 = 10 000 ∙ 0,2638 = ܥ଴ ∙ ܹܨଵ଴%;ହ; vgl. Punkt 6.2.2b). Der Zinsanteilder ersten Kapitaldienstzahlung (1 000 = 10 000 ∙ 0,1) ist leicht zu bestimmen. Der Tilgungsanteil ergibtsich als Residuum zum Kapitaldienst (1 638 = 2 638 − 1 000). Aus dem Tilgungsanteil lässt sich wiede-rum der Schuldenstand nach der ersten Kapitaldienstzahlung (8 362 = 10 000 − 1 638) berechnen.Dieser Schuldenstand ist dann der Ausgangspunkt für die Berechnung der Zins- und Tilgungszahlungim Jahr 2 etc. Zu beachten ist, dass beim Annuitätendarlehen das durchschnittlich geliehene Kapitalleicht über den f-Wert ermittelt werden kann (vgl. Gleichung (6-13)). In dem in Abb. 6-21b) betrachtetenBeispiel lässt sich der durchschnittliche Schuldenstand mit Hilfe des f-Wertes wie folgt berechnen:ܥ଴ ∙ ଵ݂଴%;ହ = 10 000 ∙ 0,6380 = 6 380 €.Beim endfälligen Darlehen mit laufender Zinszahlung (fixed date loan with serial interest payments;vgl. Abb. 6-21c) werden in jeder Periode die anfallenden Zinsen (1 000 = 10 000 ∙ 0,1) gezahlt. Allerdingswerden keine Schulden während der Laufzeit getilgt. Am Ende der Laufzeit erfolgt die Rückzahlung desgesamten Darlehensbetrags sowie die letzte Zinszahlung (11 000 = 10 000 + 10 000 ∙ 0,1). Beim endfälligen Darlehen mit Zinszahlung am Ende (fixed date loan without serial interest payments; vgl.Abb. 6-21d) steigt dagegen der Schuldenstand während der Laufzeit um die Zinsen und Zinseszinsen an,da während der Laufzeit weder Zins- noch Tilgungszahlungen geleistet werden. Es gibt nur eine einzigeKapitaldienstzahlung am Ende der Laufzeit, durch die der Darlehensbetrag inkl. aller aufgelaufenenZinsen und Zinseszinsen (16 105 = 10 000 ∙ 1,10ହ) zurückbezahlt wird. Die Aufnahme eines endfälligenDarlehens ist vielfach an eine zum Zeitpunkt der Fälligkeit sichere Geldquelle geknüpft. Beispiele fürsolche Geldquellen sind das Holz eines heranwachsenden Waldes, die Auszahlung einer Kapitallebens-versicherung und der Verkauf einer Immobilie.Es gibt auch Mischformen der o.g. Darlehensformen. Beispielsweise wird manchmal vereinbart, dassein Annuitätendarlehen in den ersten Jahren tilgungsfrei ist. Nun bleibt die Frage, welches die günstigste Darlehensform bei sonst gleichen Konditionen ist. Im Ergebnis der aufgestellten Zins- und Tilgungspläneist die Antwort für Onno Überleg klar: Das Tilgungsdarlehen sei zu bevorzugen, weil die durchschnittlichpro Jahr zu zahlenden Zinsen mit 600 € am niedrigsten sind. Am zweitvorteilhaftesten sei das Annuitä-tendarlehen mit Zinsen von durchschnittlich 638 €. Su Sidenkt meint nach einigem Überlegen, dass dieseFormulierung ökonomisch nicht aussagekräftig sein kann. Klar ist, dass beim gleichen Zinssatz beideDarlehen dieselben Kapitalkosten je geliehenem Euro und Jahr verursachen. Der Unterschied besteht nurdarin, dass der Darlehensempfänger beim Tilgungsdarlehen das geliehene Kapital schneller zurückzahltals bspw. beim Annuitätendarlehen. Dies lässt sich leicht am Schuldenstand in den jeweiligen Jahren oderauch am durchschnittlich geliehenen Kapital ablesen. Noch deutlicher wird dieser Sachverhalt, wenn manauf die endfälligen Darlehen schaut. Durch die spätere Rückzahlung steht bei diesem Rückzahlungsmodus- trotz gleicher Konditionen bzgl. Darlehenshöhe, Laufzeit und Zins - deutlich mehr Kapital länger zurVerfügung als bei den erstgenannten Darlehensformen. Welches Darlehen ist nun aus Sicht eines gewinn-maximierenden Investors vorzuziehen? Wie leicht einzusehen ist, hängt dies davon ab, wie hoch derKapitalbedarf der zu finanzierenden Investition im Zeitablauf ist. Grundsätzlich gilt, dass vergleichsweiseteures Fremdkapital nicht länger als nötig genutzt werden sollte. Auf diese Fragestellung gehen wir inAbschnitt 6.7 ein, in dem wir Investitions- und Finanzierungsfragen simultan betrachten. 6.6.2 Vorteilhaftigkeit unterschiedlicher FremdfinanzierungsangeboteInsbesondere bei der Fremdkapitalfinanzierung entstehen Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenenFinanzierungsangeboten. Da sich die Angebote in vielen Darlehensmodalitäten unterscheiden können, ist 6.6 Finanzierung von Investitionen 309 häufig der ausgewiesene Zinssatz nicht ausreichend, um zu entscheiden, welches Angebot das beste ist.Wir zeigen nachstehend anhand einiger einfacher Fälle auf, wie man durch die stringente Anwendung derFinanzmathematik diese unternehmerische Auswahlentscheidung unterstützen kann. a) Lieferantenkredit versus KontokorrentkreditWir gehen zunächst der Frage nach, ob man einen Skonto nutzen sollte oder nicht. Stellen Sie sich vor,Ihnen liege eine Rechnung über 10 000 € mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen vor. Bei Zahlung innerhalbder Skontofrist von 8 Tagen wird ein Skonto von 1% gewährt. Sollten Sie den Skonto nutzen? Die Ant-wort hängt von Ihrer finanziellen Lage ab: (1) Haben Sie genügend Liquiditätsreserven, entgehen Ihnenbei Nutzung des Skontos die Guthabenzinsen für 22 Tage. (2) Fehlen Ihnen diese Liquiditätsreserven,müssen Sie Ihren Kontokorrentkredit für 22 Tage nutzen. (3) Haben Sie Ihren Kontokorrentkredit schonausgeschöpft, müssen Sie sogar auf einen Überziehungskredit zurückgreifen. Im Folgenden gehen wirdavon aus, dass Sie zur Zahlung der 9 900 €, die bei Nutzung des Skontos am achten Tag fällig sind, auf ei-nen Kontokorrentkredit zurückgreifen müssen. Wir gehen auch davon aus, dass Sie aus den Konditionenfür den Kontokorrentkredit (nominaler Jahreszins, Form der Tageszinsberechnung und der Valutierung)bereits einen effektiven Jahreszins von 9% p.a. (vgl. Tab. 6-31) berechnet haben. Tab. 6-31: Vergleich von Lieferantenkredit und Kontokorrentkredit a)Lieferantenkredit Kontokorrentkredit1 Zahlungsziel 30 Tage Effektiver Jahreszins 9%2 Skontofrist 8 Tage Effektiver Tageszins 0,0236%3 Kreditdauer 22 Tage Kreditdauer 22 Tage 4 Effektiver Zins für 22 Tage b) 1,0101% Effektiver Zins für 22 Tage 0,5208% 5 Kosten des Lieferantenkredits 100 € Kosten des Kontokorrentkredits 51,56 €a) Der Wert der Warenlieferung beträgt 10 000 € und der erforderliche Kreditbetrag 9 900 €.b) Der effektive Zins für den Lieferantenkredit ergibt sich aus dem Skontosatz von 1% (10 000/9 900 − 1= 1,0101%).Bei der Fragestellung, ob der Lieferantenkredit oder der Kontokorrentkredit in Anspruch genommenwerden sollte, weiß man zunächst nicht, welche Entscheidung besser ist, weil sich die Zinssätze der alter-nativen Finanzierungsmöglichkeiten auf unterschiedliche Zeiträume beziehen. Es bestehen zwei Möglich-keiten der Entscheidungsunterstützung: Man kann die Zinssätze „normieren“ und auf die gleiche Perio-denlänge beziehen oder die absoluten Kreditkosten berechnen. In Zeile 4 der Tab. 6-31 sind die normierten Zinssätze angezeigt. Der effektive unterjährige Zins für ܶ Tage ݅௘்௙௙ kann allgemein wie folgt aus demeffektiven Jahreszins ݅ଷ଺ହ௘௙௙ = ݅௘௙௙ hergeleitet werden (vgl. auch Gleichung (6-6)):ܥଵ = ܥ଴ ∙ (1 + ݅ଷ଺ହ௘௙௙)ଵ = ܥ଴ ∙ (1 + ݅௘்௙௙)ଷ଺ହ/்⇔ ݅ଷ଺ହ௘௙௙ = (1 + ݅௘்௙௙)ଷ଺ହ/் − 1 ⇔ ݅௘்௙௙ = (1 + ݅ଷ଺ହ௘௙௙)்/ଷ଺ହ − 1 (6-45)Dabei kennzeichnet 365 die Zahl der Tage, für die innerhalb eines Jahres eine Zinsberechnung erfolgt (vgl.Preisangabenverordnung Anhang zu §6; Stand: 2013), und 365/ܶ die Zahl der unterjährigen Verzin-sungsperioden bei gegebener Periodenlänge ܶ. Der gemäß Gleichung (6-45) berechnete effektive Tages-zins des Kontokorrentkredits beträgt 0,0236% (݅ଵ௘௙௙ = 1,09ଵ/ଷ଺ହ − 1) oder bezogen auf 22 Tage 0,5208%(݅ଶଶ௘௙௙ = 1,09ଶଶ/ଷ଺ହ − 1).Alternativ kann man auch die absoluten Kreditkosten berechnen, die bei der jeweiligen Finanzierungentstehen (vgl. Tab. 6-31, Zeile 5). Bei Nutzung des Kontokorrentkredits entstehen Kosten von 51,56 €(= 9 900 ∙ 0,5208%) und damit wesentlich weniger als bei Inanspruchnahme des Lieferantenkredits. Die-ser würde Kreditkosten in Höhe des nicht realisierten Skontos von 100 € verursachen. Beide Möglichkei- 310 6 Investitionsplanung und Finanzierung ten des Vergleichs der Finanzierungsalternativen zeigen übereinstimmend, dass man im vorliegendenBeispiel den Skonto nutzen sollte, auch wenn man die frühere Bezahlung der Warenlieferung durch dieAufnahme eines Kontokorrentkredits finanzieren muss.Unter Nutzung von Gleichung (6-45) lässt sich der kritische Bankzins bestimmen, bei dem man indifferentzwischen der Nutzung des Lieferantenkredits und der Nutzung einer kurzfristigen Finanzierung über dieBank wäre. Im vorliegenden Beispiel mit einem Skontosatz von 1% beträgt dieser kritische Bankzins18,15% p.a. (= 1,0101ଷ଺ହ/ଶଶ − 1). Dieser kritische Zinssatz lässt sich auch als der effektive Jahreszins desSkontos verstehen. Die Inanspruchnahme des Skontos ist also solange zu empfehlen, wie die Kosten derBereitstellung des dafür erforderlichen Kapitals unterhalb dieses Wertes liegen.Vielfach wird eine approximative Berechnung des effektiven Jahreszinses vorgenommen. Die appro-ximative Herangehensweise vernachlässigt die Finanzmathematik und rechnet den Skontosatz in Formeines einfachen Dreisatzes auf ein Jahr hoch: ݅௔௣௣యలఱ௘௙௙ = ܵ݇݋݊ݐ݋ݏܽݐݖ/(ܼܽℎ݈ݑ݊݃ݏݖ݈݅݁ − ܵ݇݋݊ݐ݋݂ݎ݅ݏݐ) ∙ 365.Im vorliegenden Beispiel käme man so auf einen kritischen Jahreszins von 16,59% (= 1%/22 ∙ 365). DerApproximationsfehler beträgt 1,55%. Mit anderen Worten: Es würde zu einer unternehmerischen Fehl-entscheidung kommen, wenn die Kosten der Kapitalbeschaffung zwischen 16,59% und 18,15% liegenwürden. b) Darlehen mit Disagio versus Darlehen ohne DisagioDas Problem eines unterschiedlichen Bezugspunktes ergibt sich auch beim Vergleich von Darlehensange-boten mit und ohne Auszahlungsverlust, der auch als Disagio oder Damnum bezeichnet wird. Ein Disagioist ein Abschlag vom Nennbetrag des Darlehens; d.h. bei Vorliegen eines Disagios ist der Betrag, den dieBank bei der Darlehensgewährung auszahlt, geringer als der Betrag, den man der Bank schuldet. Gleich-zeitig wird ein Darlehen mit Disagio oft zu einem niedrigeren Nominalzinssatz angeboten als ein Darle-hen ohne Disagio. Was ist nun mit geringeren Kosten verbunden: Das Darlehen mit Disagio oder dasDarlehen mit dem höheren Zins? Es geht beim Vergleich von Darlehensangeboten mit und ohne Disagioalso nicht - wie bei der Frage nach der Nutzung eines Skontos - um die Länge der Zeitperiode, auf die sichder jeweilige Zinssatz bezieht. Vielmehr geht es um Unterschiede beim bereitgestellten Kapital und beimZinssatz.Stellen Sie sich vor, Sie benötigen zur Finanzierung einer Investition Fremdkapital in Höhe von 10 000 €.Bank A bietet Ihnen ein fünfjähriges Annuitätendarlehen mit einem Zinssatz von 10% p.a. ohne Disagio an(vgl. Abb. 6-21b). Bank B bietet Ihnen ein fünfjähriges Annuitätendarlehen zu 9,5% p.a. an, fordert aberein Disagio von 300 €. Welche Finanzierung sollte man wählen? Tab. 6-32: Vergleich von Darlehen mit und ohne DisagioAnnuitätendarlehenohne Disagio Annuitätendarlehenmit Disagio1 Laufzeit 5 Jahre 5 Jahre2 Nennbetrag 10 000 € 10 300 €3 Disagio 0 € 300 €4 Auszahlungsbetrag 10 000 € 10 000 €5 Nominaler Jahreszins 10% 9,5% 6 Kapitaldienst 2 638 € 2 682 € 7 Effektiver Jahreszins 10% 10,66%Wie in Tab. 6-32 angezeigt, ergibt sich bei dem Annuitätendarlehen ohne Disagio mit einem Fremdkapi-talzinssatz von 10% p.a. und einer Laufzeit von 5 Jahren ein jährlicher Kapitaldienst von 2 638 € 6.6 Finanzierung von Investitionen 311 (= ܥ଴ ∙ ܹܨଵ଴%;ହ = 10 000 ∙ 0,2638 ). Beim Darlehen mit dem Disagio von 300 € muss der Nennbetrag desDarlehens dagegen bei 10 300 € liegen, damit man die 10 000 € erhält, die für die Finanzierung der In-vestition benötigt werden. Bei diesem Nennbetrag entsteht trotz des geringeren nominalen Zinssatzes von9,5% p.a. ein höherer Kapitaldienst von 2 682 € (= ܥ଴ ∙ ܹܨଽ,ହ%;ହ = 10 300 ∙ 0,2604 ). Der Vergleich des fälligen Kapitaldienstes zeigt, dass das Darlehen ohne Disagio vorteilhafter ist. Bezieht man nun denKapitaldienst beim Darlehen mit Disagio auf den tatsächlichen Auszahlungsbetrag von 10 000 €, so kannman berechnen, dass man einen effektiven Jahreszins von 10,66% zahlt. Letztlich gilt für den Kapitalwertder Finanzierung bei ݅௘௙௙ = 10,66%: ܭܹ = 10 000 − 2 682 ∙ ܭܨଵ଴,଺଺%;ହ = 10 000 − 2 682 ∙ 3,7277 = 0.Mit anderen Worten: Bank B erwirtschaftet mit diesem Darlehen einen internen Zinsfuß von 10,66%.Beim Darlehen ohne Disagio entspricht der nominale Jahreszins dem effektiven Jahreszins. Auch mit Blickauf den effektiven Jahreszins ist also das Darlehen mit Disagio trotz der vermeintlich geringeren Zinsenfür den Kunden teurer als das Darlehen ohne Disagio. Neben dem aus Sicht der Bank möglicherweise vor-teilhaften „Nebel“, den derartige Darlehensangebote bei potenziellen Kunden erzeugen, können steuer-liche Aspekte zu einer Verschiebung der Vorteilhaftigkeit in Richtung Disagio führen, da dieser als voraus-bezahlter Zins gilt und damit sofort steuerlich absetzbar ist (vgl. Punkt 6.4.3). c) Abschlussgebühren, Zinsverbilligungen und verlorene ZuschüsseVielfach ist der Abschluss eines Darlehensvertrags mit Abschlussgebühren verbunden, die unmittelbarbei Kreditausreichung anfallen und vom Kreditgeber neben den Zinsen für die Deckung der Transaktions-kosten und die Erzielung einer Gewinnmarge erhoben werden. Trotz der unterschiedlichen Benennungdes Sachverhalts wirken Abschlussgebühren in gleicher Weise auf die relative Vorzüglichkeit von Finan-zierungsangeboten wie ein Disagio. Auch sie führen zu einem Auszahlungsverlust. Mit Blick auf das obenbeschriebene Annuitätendarlehen wird dies sofort klar. Wenn man einen Finanzierungsbedarf von10 000 € hat und eine Abschlussgebühr von 300 € erhoben wird, benötigt man ein Darlehen von 10 300 €.Auch hier ist zur Entscheidungsunterstützung der fällige Kapitaldienst oder der effektive Jahreszins zuberechnen.Eine ähnlich gelagerte Fragestellung ergibt sich für Landwirte bei der Investitionsförderung, also beistaatlich subventionierten Investitionen. Hier können die Landwirte gelegentlich zwischen einer Zinssubvention und einem sog. einmaligen verlorenen Zuschuss wählen, der direkt an den Landwirt ausbe-zahlt wird. Letzteres wirkt wie ein negatives Disagio, d.h. es verringert den Darlehensbetrag, der bei derBank aufgenommen werden muss.Wir gehen von einem Finanzierungsbedarf von 10 000 € und einer Zinssubvention von 6% aus. Das heißt,der Landwirt muss für das in Tab. 6-32 beschriebene fünfjährige Annuitätendarlehen ohne Disagio anstel-le von 10% nur einen effektiven Jahreszins von 4% p.a. zahlen. Dies entspricht einem Kapitaldienst von2 246 € (= ܥ଴ ∙ ܹܨସ%;ହ = 10 000 ∙ 0,2246). Alternativ kann er einen einmaligen Zuschuss wählen. Tab. 6-33: Vergleich von Zinssubvention und verlorenem ZuschussZinssubvention Verlorener Zuschuss1 Laufzeit des Annuitätendarlehens 5 Jahre 5 Jahre2 Kapitalbedarf und -bereitstellung 10 000 € 10 000 €3 Zinssubvention 6% 0% 4 Verlorener Zuschuss 0 € 1 485 €5 Erforderliche Darlehenshöhe 10 000 € 8 515 €6 Darlehenszins 4% 10% 7 Kapitaldienst 2 246 € 2 246 € 8 Effektiver Jahreszins für dasbereitgestellte Kapital 4% 4% 312 6 Investitionsplanung und Finanzierung Wie Tab. 6-33 zeigt, beläuft sich die kritische Höhe dieses Zuschusses auf 1 485 €. Der kritische verlorene Zuschuss entspricht dem barwerten Vorteil der Zinssubvention und kann als kapitalisierte Diffe-renz zwischen dem Kapitaldienst bei höherem Zinssatz und dem Kapitaldienst bei niedrigerem Zinssatz(jeweils bezogen auf den Darlehensbetrag von 10 000 € des Darlehens mit Zinssubventionierung) be-rechnet werden:= (ܥ଴ ∙ ܹܨଵ଴%;ହ − ܥ଴ ∙ ܹܨସ%;ହ) ∙ ܭܨଵ଴%;ହ = (10 000 ∙ 0,2638 − 10 000 ∙ 0,2246) ∙ 3,7908= (2 638 − 2 246) ∙ 3,7908 = 1 485Bei diesem Zuschuss würde der Landwirt nur noch ein Bankdarlehen von 8 515 € benötigen und dafür beieinem Zinssatz von 10% p.a. denselben Kapitaldienst von 2 246 € zahlen wie für den um 6% zinssubven-tionierten Kredit mit einer Darlehenssumme von 10 000 €. Er wäre also indifferent. Zum gleichen Schlusskommt man, wenn man den effektiven Jahreszins für die Variante „einmaliger Zuschuss von 1 485 €“berechnet, indem man den Kapitaldienst in Höhe von 2 246 € auf das Kapital von 10 000 € bezieht, dasüber das Darlehen und den Zuschuss insgesamt bereitgestellt wird. d) Auswirkungen unterjähriger KapitaldienstzahlungenBei kurzfristigen Krediten mit unterjährigen Rückzahlungen ist nicht von vornherein klar, wie hoch dieKosten der Kapitalbereitstellung sind. Stellen wir uns vor, Sie nehmen einen Kredit über 10 000 € miteiner Laufzeit von einem Jahr auf und vereinbaren mit der Bank einen monatlichen Kapitaldienst von1 000 €. Sie wissen also, dass Sie in der Summe 12 000 € an die Bank zurückzahlen. Damit ist die Frage,wie hoch die Kapitalbereitstellungskosten sind, aber noch nicht beantwortet.Onno Überleg weiß allerdings sofort Antwort. Er meint, dass die Kapitalbereitstellungskosten bei20% p.a. liegen. Su Sidenkt gibt zu bedenken, dass das nicht sein kann. Onno hat vernachlässigt, dassunterjährige Tilgungen erfolgen und dass deshalb das Anfangskapital von 10 000 € gar nicht dasganze Jahr zur Verfügung steht. Nach kurzem Rechnen kommt Su zu dem Ergebnis, dass die verein-barten Zahlungsmodalitäten einem Monatszins von 2,92% und damit Kapitalbereitstellungskostenvon 41,30% p.a. entsprechen. Onno versteht nicht, wie sie auf dieses Ergebnis kommt. Su erklärt: Imersten Schritt ist der Periodenzins (hier: Monatszins) zu bestimmen. Zur Bestimmung des Monatszinses muss der interne Zinsfuß des Kreditzahlungsstroms berechnet werden. Dieser beginnt ausSicht des Kreditnehmers mit einer Einzahlung in Höhe des Kreditzugangs von 10 000 €. Dieser Ein-zahlung folgen 12 Perioden mit Auszahlungen in Höhe des monatlichen Kapitaldienstes von 1 000 €.Su hat den monatsbezogenen internen Zinsfuß von 2,92% natürlich exakt mit einem Tabellenkalkula-tionsprogramm berechnet. Sie weist aber darauf hin, dass dieser Zins bei gegebener Periodenzahl(hier: 12) und einem bekannten Kapitalisierungsfaktor (hier: 10 000/1 000 = 10) auch annäherndaus der Tabelle mit den Kapitalisierungsfaktoren (vgl. Anhang 4) abgelesen werden könnte (vgl. Glei-chung (6-23)). Ausgehend vom Monatszins von 2,92% ist in einem zweiten Schritt dann der jahresbezogene (Effektiv)Zinssatz gemäß Gleichung (6-6) zu berechnen. Es gilt: ݅௘௙௙ = (1 + 0,0292)ଵଶ − 1= 0,4130.Eine Bestätigung des Ergebnisses von Su Sidenkt ergibt sich durch die Durchschnittsbetrachtung. Derf-Wert, der den durchschnittlich gebundenen Kapitalanteil angibt, liegt bei 12 Perioden und einem Perio-denzins von 2,92% gemäß Gleichung (6-13) bei 0,5702. Anders ausgedrückt: Wegen der unterjährigenTilgungen beträgt der durchschnittliche Schuldenstand nicht 10 000 €, sondern nur 5 702 €. Durch-schnittlich sind dementsprechend monatlich 166,67 € (= 5 702 ∙ 0,0292) an Zinsen zu bezahlen. Diedurchschnittliche Tilgung beläuft sich auf 833,33 € (= 10 000/12). In der Summe ergibt sich der verein-barte monatliche Kapitaldienst von 1 000 €. 6.6 Finanzierung von Investitionen 313 6.6.3 Liquiditätsmanagement und Finanzpläne Liquidität bedeutet die Fähigkeit, seinen Zahlungsverpflichtungen stets fristgerecht nachkommen zu kön-nen. Die Gewährleistung der Liquidität ist die unabdingbare Voraussetzung der unternehmerischen Existenz.Man kann auch pointiert sagen: Ist die Liquidität aus dem laufenden Unternehmensgeschehen heraus nichtgegeben, wird das Unternehmen liquidiert, d.h. seine Vermögensgegenstände werden durch Zwangsverkaufin liquide (flüssige) Mittel umgetauscht, um die Zahlungsforderungen der Gläubiger zu befriedigen.Die in den vorherigen Abschnitten durchgeführten Rentabilitätsanalysen von Investitions- und Finanzie-rungsalternativen stellen ein zeitraumbezogenes Konzept dar. Das heißt, die Rentabilitätskalküle berück-sichtigen den durch die Investition und/oder Finanzierung verursachten Zahlungsstrom während desgesamten relevanten Zeitraums. Dagegen stellt die Liquiditätsanalyse ein zeitpunktbezogenes Konzeptdar, da die Fähigkeit zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen jederzeit gewährleistet sein muss.Nachdem man im Rahmen der Investitionsplanung die Frage nach der Rentabilität beantwortet hat, ist zu-sätzlich ein Finanz- bzw. Liquiditätsplan aufzustellen (vgl. Abb. 6-2). Finanzpläne sind das Instrument zurAnalyse und zur Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit. Ein Finanzplan (cash flow statement)beinhaltet die systematische Auflistung sämtlicher Finanzmittel, die dem Unternehmen in den aufeinan-der folgenden Perioden des Planungszeitraums zufließen und die es verlassen. Aus einem Finanzplan istersichtlich, ob es tatsächlich zu keinem zukünftigen Zeitpunkt (z.B. während der Nutzungsdauer einerInvestition) zu Liquiditätsengpässen kommt. Finanzpläne werden vielfach auch ohne Bezug auf konkreteInvestitionsvorhaben aufgestellt, um die Zahlungsfähigkeit des laufenden Betriebs zu prüfen.Tab. 6-34 verdeutlicht anhand eines stilisierten Beispiels den grundsätzlichen Aufbau eines Finanzplans. Tab. 6-34: Grundsätzlicher Aufbau eines Finanzplans (T€) Periode 0 Periode 1 … I Zahlungsmittelbestand zu Beginn einer Periode 1 100 200 II SummeMittelherkunft 700 … a) Davon Umsatzbereich 500Einzahlungen aus dem Verkauf pflanzlicher und tierischerErzeugnisse, Dienstleistungen, Pachten, Zinsen … b) Davon Anlagenbereich 100 …Verkauf von Boden, Gebäuden, Maschinen (Desinvestitionen),Verkauf vonWertpapieren c) Davon Privat- und Kapitalbereich 100 …Privateinlagen, BeteiligungenKreditaufnahme, Subventionen, Einzug von Forderungen III SummeMittelverwendung 1 600 … a) Davon Umsatzbereich 200 …Auszahlungen für Verbrauchsgüter, Löhne, Dienstleistungen,Pachten, Fremdkapitalzinsen b) Davon Anlagenbereich 1 250 …Kauf von Boden, Gebäuden, Maschinen (Investitionen),Kauf vonWertpapieren c) Davon Privat- und Kapitalbereich 150 …Privatentnahmen, Auszahlungen an andere Eigner,Kredittilgung IV Verfügbare Mittel am Ende einer Periode (I + II − III)= Zahlungsmittelbestand zu Beginn der Folgeperiode 200 … 314 6 Investitionsplanung und Finanzierung Ausgehend vom (I) Zahlungsmittelbestand zu Beginn einer Periode werden die verschiedenen (II) Mittel-herkunftsquellen sowie (III) Mittelverwendungsbereiche aufgelistet. Der Saldo (I + II − III) kennzeichnetdann den (IV) Zahlungsmittelbestand am Ende der betrachteten Periode. Dieser Endbestand wird alsZahlungsmittelbestand zu Beginn der folgenden Periode übernommen. Eine alternative Gliederung zudem in Tab. 6-34 angezeigten Aufbau eines Finanzplans wird vom Deutschen Rechnungslegungs Stan-dards Committee e.V. (DRSC) vorgeschlagen: Nach dem sog. Rechnungslegungsstandard 2 (Kapitalfluss-rechnung) wird aus den Ein- und Auszahlungen (a) der laufenden Geschäftstätigkeit, (b) der Investitions-tätigkeit und (c) der Finanzierungstätigkeit die zahlungswirksame Veränderung des Finanzmittelbestandsin der jeweiligen Periode bestimmt. Unabhängig vom konkreten Aufbau des Finanzplans liefert die Sum-me aus dem Zahlungsmittelbestand zu Beginn und der zahlungswirksamen Veränderung des Finanzmit-telbestands der jeweiligen Periode den Überschuss liquider Mittel oder die Inanspruchnahme des Konto-korrentkredits.Mit Blick auf die konkrete Ausgestaltung des Finanzplans ist Folgendes zu beachten: (1) Je nach Detaillie-rungsgrad kann sich die Periodenlänge auf ein Jahr, ein Quartal, einen Monat etc. beziehen. (2) Auch die Zahl der betrachteten Perioden ist vom Informationsinteresse abhängig. Es ist aber bspw. wenig sinn-voll, einen tagbezogenen Finanzplan über einen Zeitraum von 20 Jahren aufzustellen. Vielmehr wird manfür die Finanzplanung mit einem kurzen Prognosehorizont eine kurze Periodenlänge wählen, für weit indie Zukunft reichende Zeiträume wird man dagegen längere Perioden bevorzugen. (3) Es ist zu beachten,dass der zukünftige Zeitraum, über den sich die Liquiditätsvorausschau erstreckt, im Sinne einer rollierenden Planung angepasst werden muss. Das bedeutet, dass sich der Prognosehorizont von bspw. zwölfMonaten im Zeitablauf nicht verkürzt. Vielmehr wird mit jedem abgelaufenen Monat ein weiterer Monat amEnde des Planungshorizontes hinzugenommen (vgl. Abb. 6-22). Dies ist wichtig, um nicht am Ende eines be-stimmten Zeitraums von den Ereignissen des nächsten Monats überrascht zu werden. Abb. 6-22: Prognosehorizonte einer zwölfmonatlichen rollierenden LiquiditätsvorausschauL i q u i d i t ä t s v o r a u s s c h a u a m 0 1 . 0 2 . 2 0 1 3L i q u i d i t ä t s v o r a u s s c h a u a m 0 1 . 0 3 . 2 0 1 3L i q u i d i t ä t s v o r a u s s c h a u a m 0 1 . 0 4 . 2 0 1 3 Feb13 Mär13 Apr13 Mai13 Juni13 Juli13 Aug13 Sep13 Okt13 Nov13 Dez13 Jan14 Feb14 Mar14 Da es um die Sicherstellung der Liquidität geht, zielt der Finanzplan auf die Berücksichtigung von dreiLiquiditätsaspekten ab, die für die zeitpunktbezogene Zahlungsfähigkeit maßgeblich sind, auf die aberbisher noch nicht eingegangen wurde:1. Verbundenheit der Investition mit Restunternehmen und Haushalt: Die Fähigkeit, Zahlungsver-pflichtungen nachzukommen, ergibt sich nicht durch das betrachtete Investitions- und Finanzie-rungsvorhaben allein. Es ist immer auch der Verbund mit dem Gesamtunternehmen und bei Einzel-unternehmen zusätzlich der Verbund mit dem Haushalt zu beachten. Die Liquiditätsanalyse beziehtsich auf die organisatorische Einheit, wie z.B. das Einzelunternehmen, die rechtlich den Zahlungsver-pflichtungen nachkommen muss. Auch bei einem höchst rentablen Investitionsvorhaben kann dieLiquidität gefährdet sein, wenn man das Vorhaben in einem laufenden Unternehmen durchführenwill, das für sich genommen auf zukünftige Zahlungsschwierigkeiten zusteuert. In diesem Fall zeigtder Finanzplan, dass man das Vorhaben im betrachteten Unternehmen nicht durchführen und derAnschaffungswert z.B. als Liquiditätspolster vorgehalten werden sollte. Neben dem laufenden Unter- 6.6 Finanzierung von Investitionen 315 nehmen sind auch die Verflechtungen mit dem Haushalt und damit die geplanten Entnahmen zuberücksichtigen. Wenn der Betriebsleiter beabsichtigt, jedes Jahr nach der Investition ein neuesSportauto zu kaufen, so kann er möglicherweise seinen Kapitaldienstverpflichtungen trotz hoherRentabilität des Investitionsvorhabens nicht nachkommen. Der Finanzplan zeigt dann auf, dass zurSicherstellung der Liquidität die Entnahmen für Konsumzwecke zurückgefahren werden müssen.2. Unterjährige Finanzierungserfordernisse: Während es bei der Rentabilitätsanalyse zunächst aus-reicht, Jahresperioden zu betrachten, macht die Liquidität als Zeitpunktkonzept auch die Betrachtungkürzerer Perioden erforderlich. Insbesondere in landwirtschaftlichen Unternehmen, in denen es auf-grund des saisonalen Produktionsgeschehens innerhalb eines Jahres zu stark schwankenden Ein- undAuszahlungen kommt, sollten die Zahlungsströme unterjährig erfasst werden. Ein monatsbezogenerFinanzplan kann bspw. aufzeigen, dass aus dem Vorhaben heraus im Jahresablauf eine Liquiditäts-lücke entsteht, weil Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger etc. mehrere Monate vorfinanziert werdenmüssen. Ist dies der Fall, muss eine kurzfristige Finanzierung aus dem Privatbereich oder durch dieAufnahme eines Kredits bereitgestellt werden, um das Vorhaben durchführen zu können. Da mit derzusätzlichen Finanzierung Kosten verbunden sind, muss eigentlich die Rentabilitätsanalyse, diezwecks Vereinfachung auf der Jahresendfiktion beruht und somit unterjährige Finanzierungskostenzunächst nicht berücksichtigt, überarbeitet werden. Ergeben sich aus der Liquiditätsanalyse nurkleine Änderungen, so wird man im Interesse der Wirtschaftlichkeit der Planung oftmals daraufverzichten.3. Passfähigkeit der Finanzierung zur Investition: Die Rentabilitätskriterien einer Investition „Kapi-talwert“, „interner Zinsfuß“ und „Leistungs-Kostendifferenz“ berücksichtigen nicht, ob die gewählteFinanzierung fristenkongruent ist und von der Zahlungsstromstruktur zu dem Investitionszahlungs-strom passt. Bei einer Investition im Obst- oder Waldbau können bspw. erst nach einigen Jahrennennenswerte Investitionsrückflüsse erwirtschaftet werden. Zu deren Finanzierung bietet sich einendfälliges Darlehen an. Finanziert man solche Investitionen mit einem Annuitätendarlehen, so ent-stehen in den ersten Jahren aus dem Vorhaben heraus Liquiditätslücken. Können diese nicht aus demlaufenden Unternehmen gedeckt werden, müssen Mittel aus dem Privatbereich oder durch die Auf-nahme eines Kredits bereitgestellt werden. Da mit der zusätzlichen Bereitstellung von Kapital Kostenverbunden sind, ist die ursprüngliche Finanzierungsentscheidung zu überprüfen, um ein langfristigesfinanzielles Ungleichgewicht zu vermeiden. Dies würde bedeuten, dass man nach einem zum Zah-lungsstrom der Investition passenden Finanzierungszahlungsstrom sucht. Beispielsweise könnte manversuchen, anstelle eines regulären Annuitätendarlehens eine Vereinbarung über kapitaldienstfreieoder zumindest tilgungsfreie Anfangsjahre zu treffen. Werden grundsätzliche Strukturprobleme derFinanzierung aufgedeckt, so ergibt sich die Notwendigkeit, die Rentabilitätsanalyse der Investition zuüberarbeiten. Die genannten Maßnahmen verursachen ja ihrerseits möglicherweise beträchtlicheKosten, die die Rentabilität reduzieren (vgl. Punkt 6.7.1).Das zentrale Ergebnis des Finanzplans ist die gesamte letzte Zeile, d.h. der Zahlungsmittelbestand amEnde der jeweiligen Perioden. Hier darf zu keinem Zeitpunkt ein negativer Wert auftreten. Ist dies dochder Fall, so muss man über entsprechende Anpassungsmaßnahmen nachdenken, um die Illiquidität zuvermeiden (vgl. Abb. 6-23). Vor der Durchführung eines Investitionsvorhabens identifizierte Liquiditäts-engpässe kann man durch sog. ex ante Maßnahmen beheben. Bei der Beschreibung der oben angeführtenLiquiditätsaspekte ist klar geworden, dass es dabei neben dem Verzicht auf die Durchführung des liquidi-tätszehrenden Vorhabens vier weitere grundsätzliche Möglichkeiten gibt, die Anpassungen im Privat- undKapitalbereich betreffen: (1) Mittelzufuhr aus dem Privatbereich, (2) Reduzierung der Privatentnahmen,(3) Aufnahme kurzfristiger Kredite sowie (4) Aufnahme von Darlehen zur Bereitstellung von zusätzlichemlangfristigem Fremdkapital. Vor der Durchführung eines Vorhabens wird man im Sinne einer voraus-schauenden Planung nach der günstigsten Möglichkeit zur Gewährleistung der erforderlichen Liquiditätbzw. des aus Risikogesichtspunkten gewünschten Liquiditätspolsters suchen. 316 6 Investitionsplanung und Finanzierung Trotz aller planerischen ex ante Bemühungen können sich aber in der Zukunft aufgrund der Unsicherheit,unter der unternehmerische Entscheidungen getroffen werden müssen, unerwartete Liquiditätsengpässeergeben. Zur Sicherung der Unternehmensexistenz müssen in einer solchen Situation schnelle Maßnah-men zur Gewährleistung der Liquidität ergriffen werden. Bei der Auswahl geeigneter ex post Maßnahmen ist zu unterscheiden, ob es sich bei dem identifizierten Liquiditätsproblem um ein kurzfristiges bzw.temporäres Problem oder um ein dauerhaftes finanzielles Ungleichgewicht handelt. Abb. 6-23: Maßnahmen zur Behebung von Liquiditätsengpässen Neben den bereits bei der ex ante Betrachtung genannten Anpassungen im Privat- und Kapitalbereich zurBehebung von Liquiditätsproblemen kommen bei der ex post Bewältigung eingetretener Liquiditätskriseneinige Maßnahmen hinzu, die man „aus der Not heraus“ ergreifen kann. Sie sind mit vergleichsweise ho-hen Kosten verbunden, so dass man sie bei einer vorausschauenden Planung i.d.R. nicht in Betracht zieht.Ein temporäres Ungleichgewicht kann zum Beispiel das Ergebnis eines durch Ertrags- und Preisrisikengekennzeichneten Unternehmensumfelds sein, das zu einem schockartigen Einbruch der Umsätze geführthat. Bei Vorliegen eines temporären finanziellen Ungleichgewichts bieten sich zunächst Maßnahmen an,die auf eine kurzfristige zeitliche Verschiebung von Zahlungen hinauslaufen. Dies betrifft neben der ad-hoc Inanspruchnahme teurer Kurzfristkredite (Kontokorrent-, Lieferanten- oder Kundenkredite) die Verzögerung von Auszahlungen. Dazu zählen (1) der Abbau von Lagerbeständen bei Betriebsmitteln überdas übliche Maß hinaus, (2) die Verschiebung von Ersatzinvestitionen, Reparaturen und Instandhal-tungsmaßnahmen sowie (3) der liquiditätsbedingte Rückgriff auf das Leasing oder die Miete zur Bereit-stellung von Produktionskapazitäten anstelle des Kaufs. Darüber hinaus können Maßnahmen ergriffenwerden, die zu einer zeitlichen Vorverlegung von Einzahlungen führen. Hierzu zählen (1) die vorzeitigeLiquidation von Forderungen, (2) der Verkauf von Produkten direkt nach der Ernte, obwohl Lagermög-lichkeiten vorhanden sind und später höhere Preise erwartet werden, sowie (3) der Abbau von bestehen-den Lagerbeständen bei Produkten. Diese Maßnahmen sind mit direkten Kosten oder entgangenen Ge-winnen verbunden. Welche Maßnahmen in welchem Umfang und welcher Reihenfolge zum Tragen kom-men sollten, hängt vom jeweiligen Kostenumfang im betrieblichen Kontext ab. Die Auswirkungen unter-schiedlicher Maßnahmen auf die Liquiditätslage können mit Hilfe von Finanzplänen eingeschätzt werden.In manchen Fällen kommen Unternehmer, die sich aufgrund einer unzureichenden Finanzplanung uner-wartet mit Zahlungsschwierigkeiten konfrontiert sehen, ihren Zahlungsverpflichtungen verspätet nach,ohne dass eine Einwilligung des Gläubigers eingeholt wurde. Andere tun dies trotz vorhandener Möglich-keiten zur fristgerechten Bereitstellung der erforderlichen Mittel, weil sie die damit verbundenen Kosten(z.B. für einen Überziehungskredit) sparen wollen. Ungeachtet der Motivation lässt sich ein solches Ver-halten als eigenmächtige Beschaffung eines kurzfristigen Kredits interpretieren, der die Liquidität Strukturänderungenim operativen Bereich TemporäresUngleichgewicht DauerhaftesUngleichgewichtVerzögerung vonAuszahlungen Ex post Maßnahmen Behebung von Liquiditätsengpässen Vorverlegung vonEinzahlungen Strukturänderungenim Finanzbereich Nichtdurchführung vonInvestitionenAnpassungen im Privat-und Kapitalbereich Ex ante Maßnahmen 6.7 Simultane Betrachtung von Investition und Finanzierung 317 zwar (kurzfristig) herstellt, aber eben nicht mit dem Geschäftspartner abgesprochen ist. Kein Geschäfts-partner, egal ob Handelspartner oder Bank, wird einen solchen Vertragsbruch einfach hinnehmen. Viel-mehr werden diese Akteure ihre berechtigten Interessen durchsetzen oder zumindest ihr zukünftigesGeschäftsverhältnis gegenüber dem vertragsbrüchigen Unternehmen neu gestalten. Letztlich entstehenalso auch durch einen eigenmächtig genommenen Kredit Kosten. Dabei kann es sich um Verzugszinsen,Schadensersatzforderungen, Gerichtskosten u.ä. oder auch um die Beendigung von lukrativen Geschäftsbe-ziehungen bzw. den Verlust vorteilhafter Geschäftskonditionen handeln. Werden Zahlungsverpflichtungenin hohem Ausmaß und auf lange Dauer nicht erfüllt, kann es schließlich zur Liquidation des Unternehmenskommen.Ein dauerhaftes finanzielles Ungleichgewicht bedeutet, dass ein Betrieb grundsätzlich unterfinanziertist und auch ohne besondere Vorkommnisse immer wieder mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen hat,die notdürftig über kurzfristige und teure Maßnahmen behoben werden müssen. Eine derartige struktu-relle Unterfinanzierung kann durch einen Planungsfehler, wie z.B. der Durchführung einer größerenInvestition in ein unattraktives Geschäftsfeld oder eine stark vom Prinzip der Fristenkongruenz abweichen-de Finanzierung, hervorgerufen werden. Unabhängig von der Ursache ist ein dauerhaftes finanzielles Un-gleichgewicht nur durch strukturändernde Maßnahmen zu beseitigen. Dies zielt einerseits auf eine dauer-hafte Erhöhung der Erträge und/oder Senkung der Aufwendungen ab, die man ohnehin aus Rentabilitäts-gesichtspunkten anstreben sollte. Grundsätzliche Ansatzstellen für Strukturänderungen im operativen Bereich sind Änderungen im Produktionsprogramm oder die Beseitigung von Ineffizienzen im Produkti-onsanlagenbereich, wie z.B. der Verzicht auf eine zu teure Eigenmechanisierung. Andererseits geht es um Strukturänderungen im Finanzbereich. Eine Maßnahme ist hier die Umschuldung eines permanentbeanspruchten kurzfristigen Kontokorrentkredits oder gar Überziehungskredits durch ein langfristigesDarlehen. Andere zu prüfende Maßnahmen sind Vermögensverkäufe, die Verringerung von Privatent-nahmen oder Ausschüttungen sowie die Zufuhr von zusätzlichem Eigenkapital. 6.7 Simultane Betrachtung von Investition und FinanzierungZur Reduzierung der Komplexität haben wir in den vorherigen Abschnitten die Planungsprobleme „In-vestition“ und „Finanzierung“ separiert: Zunächst haben wir die Rentabilität von einzelnen Investitionen(Abschnitt 6.3) und mehreren sich ausschließenden Investitionen (Abschnitt 6.5) bei exogen vorgegebenerFinanzierung und damit vorgegebenen Kapitalkosten analysiert. In Abschnitt 6.6 haben wir dann dieVorteilhaftigkeit von Finanzierungen bei exogen vorgegebenem Kapitalbedarf untersucht. Dabei wurdeaber bereits darauf hingewiesen, dass die Wahl zwischen grundsätzlich unterschiedlichen Finanzierungs-angeboten (z.B. Tilgungsdarlehen, Annuitätendarlehen, Darlehen mit unterschiedlicher Höhe und unter-schiedlichen Laufzeiten) nicht losgelöst vom Kapitalbedarf der jeweiligen Investition getroffen werdenkann. Das heißt, man muss Investitions- und Finanzierungsentscheidungen simultan betrachten, um zubestimmen, welche Finanzierung für welche Investition am besten geeignet ist und welche Investitionenim Lichte der vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten durchgeführt werden sollten.Im Folgenden führen wir die Investitions- und Finanzierungsbetrachtung explizit zusammen und zeigen,wie man die Finanzierung identifiziert, die für eine bestimmte Investition am besten geeignet ist. InPunkt 6.7.1 bestimmen wir zunächst die Rentabilität der Finanzierung bezogen auf ein konkretes Investi-tionsvorhaben. In Punkt 6.7.2 wird die simultane Bestimmung optimaler Investitions- und Finanzierungs-strategien diskutiert. 6.7.1 Maximierung des Vermögensendwertes bei Entweder-Oder-EntscheidungenBetrachten wir zwecks Anschaulichkeit wieder das Beispiel des Wildgeheges. Die Investitionskostenbelaufen sich auf 10 000 € und während der fünfjährigen Nutzungsdauer können jährliche Investitions-

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References

Zusammenfassung

Gemäß dem Motto „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ geht es im vorliegenden Lehrbuch darum, Studierenden und Praktikern beim Erwerb analytischer Fähigkeiten und einer problemlösungsorientierten Methodenkompetenz zu helfen.

Für die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stark verändert. Insbesondere der Wettbewerbsdruck und das unternehmerische Risiko sind infolge der Liberalisierung der Agrarmärkte und des Klimawandels angestiegen. Hinzu kommen ein laufender Anpassungsdruck an veränderte Verbraucherwünsche, neue gesellschaftliche Anforderungen sowie eine zunehmende Verflechtung zwischen den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette. Das vorliegende Lehrbuch trägt diesen Entwicklungen durch die Fokussierung auf die praktische unternehmerische Entscheidungsunterstützung unter Risiko Rechnung.

Dieses Buch schafft zum einen das theoretisch-konzeptionelle Verständnis für die grundlegenden ökonomischen Strukturen der wichtigsten unternehmerischen Entscheidungsanlässe. Zum anderen vermittelt es das handwerkliche Können im Umgang mit betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsinstrumenten, über das Manager in einer unsicheren Unternehmensumwelt verfügen müssen, um erfolgreiche Entscheidungen fällen zu können.

Aus dem Inhalt:

• Grundlagen und Ziele unternehmerischen Entscheidens

• Kontrolle und Analyse

• Produktionstheorie

• Produktionsprogrammplanung

• Investitionsplanung und Finanzierung

• Querschnittsaufgabe Risikomanagement

• Bewertung und Taxation

• Corporate Social Responsibility

Über die Autoren:

Prof. Dr. Oliver Mußhoff leitet den Arbeitsbereich für Landwirtschaftliche Betriebslehre am Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen.

Prof. Dr. Norbert Hirschauer ist Inhaber der Professur für Unternehmensführung im Agribusiness am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

(Logo Vahlens Online Materialien)

Für Dozenten steht auf der Website ein auf das Buch abgestimmter Foliensatz mit den Abbildungen und Tabellen des Buches zur Verfügung. Für Studierende sind Übungsaufgaben formuliert.