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1.2 Zielsetzung und Aufbau des Lehrbuchs in:

Norbert Hirschauer, Oliver Mußhoff

Modernes Agrarmanagement, page 19 - 24

Betriebswirtschaftliche Analyse- und Planungsverfahren

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4743-9, ISBN online: 978-3-8006-4457-5, https://doi.org/10.15358/9783800644575_19

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1.2 Zielsetzung und Aufbau des Lehrbuchs 5 Man will wissen, wie Unternehmen auf exogene Stimuli (z.B. eine geänderte Investitionszulage)reagieren, und wie Unternehmen in der Zukunft aussehen. Derartige Prognosen müssen die begrenzteRationalität der Unternehmer berücksichtigen und dürfen nicht auf der Annahme rationalenEntscheidungsverhaltens basieren. Veränderte Rahmenbedingungen finden nur in dem Maße einenNiederschlag in Entscheidungen, in dem sie von den Akteuren auch als solche wahrgenommenwerden.Die präskriptive Entscheidungstheorie berücksichtigt bei der Ableitung von Entscheidungshilfen explizitdie Ziele des Adressaten. Das muss aber nicht immer heißen, dass man zu einer eindeutigen Handlungs-empfehlung gelangt. Manchmal geht es auch „nur“ darum, zu zeigen, welche Konsequenzen die Verfolgungbestimmter Ziele hat, und wo Zielkonflikte liegen. Will ein landwirtschaftlicher Unternehmer z.B. unbe-dingt einen Mastschweinestall bauen, obwohl er in diesem Bereich bisher nur schlechte Leistungen erzielthat, könnte man als Betriebsberater aufzeigen, dass er bei einer Investitionsdurchführung in zwei Jahreninsolvent werden würde. Als Politikberater könnte es darum gehen, die Konsequenzen einer bestimmtenPolitikmaßnahme auf die oftmals nicht ohne Weiteres miteinander zu vereinbarenden Politikziele „Wett-bewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe“ und „biologische Vielfalt“ aufzuzeigen. 1.2 Zielsetzung und Aufbau des LehrbuchsMit dem vorliegenden Lehrbuch werden Studierende und andere interessierte Leser in die Lage versetzt,die grundsätzlichen Strukturen unternehmerischer Entscheidungsprobleme zu durchdringen und diewichtigsten quantitativen betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsinstrumente anzuwenden. ImEinzelnen werden folgende Lernziele verfolgt: • Der Leser wird mit den zentralen betriebswirtschaftlichen Begriffen, wie z.B. Kosten, Leistungen,Deckungsbeitrag oder Kapitaldienst, vertraut gemacht. Ein Verständnis der Fachbegriffe und derdamit verbundenen Konzepte ist sowohl die Voraussetzung für zielgerichtete Analysen als auch fürdas Verständnis und die Kommunikation von Inhalten. So muss man Begriffe, wie z.B. Gewinn, Gesamt-kapitalrentabilität oder sonstige betriebliche Erträge, verstehen, wenn man nutzenbringende Informa-tionen aus dem Jahresabschlussvergleich zwischen Unternehmen ziehen will. • Der Leser lerntwichtige betriebliche Entscheidungssituationen kennen und erwirbt die Fähigkeit,zu analysieren, welche Ziele vorliegen, worin das Entscheidungsproblem und die Handlungsalter-nativen bestehen und von welchen Parametern das Niveau der Zielerreichung abhängt. Als Beispielsei die Frage genannt, bei welcher Parameterkonstellation (Einsatzfläche, Maschinenpreis, Arbeits-kosten etc.) die Anschaffung einer eigenen Maschine, das Leasing, die Miete oder die Arbeitserledi-gung durch den Lohnunternehmer kostengünstiger wäre und deshalb vorgezogen werden sollte. • Der Leser lernt die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsinstrumentekennen. In diesem Zusammenhang sind bspw. die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung, die linea-re Programmierung, der Kapitalwert oder die stochastische Simulation zu nennen. • Der Leser erwirbt die Kompetenz, eine problemadäquate Auswahl von Analyse- und Planungsinstrumenten in unterschiedlichen Situationen vorzunehmen. Er trägt dabei der Tatsache Rechnung,dass sich Entscheidungssituationen in ihrer Struktur und Komplexität unterscheiden und dasssowohl die Ziele als auch die Informationsbedürfnisse von Entscheidern individuell verschieden sind.Zudem berücksichtigt er als „ökonomischer Planer“, dass die ausgewählten Planungsinstrumente soeinfach wie möglich und so komplex wie nötig sein müssen. Letztlich muss auch die formale Planungimmer mehr bringen als sie kostet. • Der Leser erwirbt das praktische Know-How, die wichtigsten quantitativen Analyse- und Planungs-instrumente auf häufig vorkommende betriebliche Entscheidungsfragen anzuwenden. Dazu werdendie grundlegenden Verfahren handlungsorientiert anhand einfacher Beispiele dargelegt. Die Beispielesind häufig didaktisch motiviert, d.h. es geht uns darum, die grundsätzlichen Sachverhalte so einfach 6 1 Einleitung wie möglich zu verdeutlichen. So schauen wir gelegentlich aus Gründen des Platzes und der Über-schaubarkeit der Zahlenwerte auf einen sehr kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, auch wenn mo-derne Agrarunternehmen größer und komplexer strukturiert sind. So erhält der Leser eine problem-orientierte Anleitung zur Lösung wichtiger Entscheidungsprobleme, die auf eine Vielzahl von prakti-schen Anwendungssituationen übertragbar ist. Dies beinhaltet auch den Umgang mit Tabellenkalkula-tionsprogrammen, die die Lösung von Entscheidungsproblemen in vielen Fällen erleichtern. • Neben der Methodenkompetenz wird das Gefühl für die Größenordnung betriebswirtschaftlich relevanter Zahlen geschärft. Aufgrund der im Agribusiness sehr unterschiedlichen Technologienfokussieren wir dabei auf die landwirtschaftliche Primärproduktion. So weiß der Leser bspw. nachder Lektüre, dass in guten landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland der Weizenertrag bei ca.85 dt/ha liegt. Mit Blick auf Faktor- und Produktpreisannahmen ist zu beachten, dass Märkte volatilsind, so dass Preise schwanken. In den Beispielen werden daher „runde“ Werte verwendet, die allen-falls zufällig den jeweils aktuellen Preisen entsprechen. Die Aneignung von Sachwissen stellt zwar nureinen Nebeneffekt dieses vornehmlich auf Methodenkenntnisse ausgerichteten Lehrbuchs dar, abernatürlich ist Sachwissen in der Planungspraxis unabdingbar. Ein Modell, das mit unrealistischenAnnahmen „gefüttert“ wird, liefert keine aussagekräftigen Ergebnisse.Der Aufbau des Lehrbuchs ist durch zwei grundlegende Aspekte des unternehmerischen Handelns moti-viert. Zum einen beziehen wir uns auf die Phasen des Entscheidungsprozesses: (1) Analyse,(2) Planung, (3) Alternativenbewertung, Entscheidung und Durchführung sowie (4) Kontrolle. Das erklä-ren wir in Punkt 2.1 ausführlicher. Zum anderen basiert die Gliederung auf dem Verständnis des Betriebsals Ort der Transformation von Inputs in Outputs, d.h. sie greift wichtige Managementbereiche aus dengrundsätzlichen unternehmerischen Funktionsbereichen „Beschaffung“, „Produktion“ und „Absatz“ undden damit zusammenhängenden Querschnittsaufgaben auf. In Abb. 1-3 sind diejenigen Management-bereiche, auf die das vorliegende Lehrbuch fokussiert, durch Fettdruck hervorgehoben. Abb. 1-3: Aufgabenbereiche des Unternehmensmanagements a) a) Aufgabenbereiche, die fett gedruckt sind, werden im Folgenden explizit behandelt. Beschaffungsmanagementinklusive Investition & Finanzierung Produktionsmanagement (Verfahrenswahl & Programmgestaltung) Absatzmanagement& Marketing OUTPUTSINPUTS TransformationimBetriebAnlagegüterPersonalBetriebsmittel AbfallprodukteNebenprodukteHauptprodukte UnternehmerischeSteuerpolitik Risikomanagement Taxation Unternehmensethik Personal-management Controllinginklusive Rechnungswesen Organisation 1.2 Zielsetzung und Aufbau des Lehrbuchs 7 Unternehmen treten auf den Beschaffungsmärkten als Nachfrager von Inputs und auf den Absatzmärktenals Anbieter von Outputs auf. Dazwischen liegt der Betrieb als Ort der Produktion, in dem Inputs in Out-puts transformiert werden. Die zielgerichtete Entscheidung, welche Produkte in welchem Umfang mitwelchen Produktionsanlagen und welchem Faktoreinsatz produziert werden sollen, ist Aufgabe des Produktionsmanagements. Das Beschaffungsmanagement beschäftigt sich mit der Frage, welche kurz-fristig verbrauchten Betriebsmittel (z.B. Dünger oder Futtermittel) in welchem Umfang zu welchem Zeit-punkt bei welchem Händler eingekauft werden sollen. Weiterhin gehört zum Beschaffungsmanagementauch der wichtige Bereich „Investition und Finanzierung“ (Beschaffung dauerhafter Produktionsfaktorenwie Gebäude oder Maschinen). Beim Absatzmanagement geht es um die Wahl des Distributionskanals(z.B. Direktvermarktung vs. Verkauf an Landhändler) und ggf. um explizite Marketingmaßnahmen zurErzielung von Preisvorteilen. Anders gesagt: Die Ein- und Verkaufsplanung ist u.a. deshalb bedeutsam,weil Input- und Outputpreise Aktionsparameter darstellen, die auch vom landwirtschaftlichen Unternehmerin gewissen Grenzen beeinflussbar sind. Neben diesen am Güterfluss orientierten Funktionsbereichen gibtes weitere Managementbereiche, die übergreifende Querschnittsaufgaben darstellen. Dazu zählen dieOrganisation, das Personalmanagement, das Controlling, die unternehmerische Steuer- und Subventions-politik, das Risikomanagement, die Taxation sowie die Berücksichtigung der Unternehmensethik imRahmen der sog. Corporate Social Responsibility.Die in Abb. 1-3 nicht durch Fettdruck hervorgehobenen Managementbereiche werden im vorliegendenLehrbuch aus den folgenden Gründen nicht behandelt: (1) Im Buch werden die Grundlagen des Rech-nungswesens angesprochen, das ein zentraler Bestandteil des Controlling ist. Controlling bedeutet abernicht (nur) Kontrolle von betrieblichen Erfolgen. Die Aufgabe des Controllings besteht - ganz allgemeingesprochen - darin, die für die Erfüllung sämtlicher Managementfunktionen notwendige Entscheidungs-unterstützung zu gewährleisten. Das vorliegende Buch hat mit seinem zentralen Anliegen der Entschei-dungsunterstützung zwar eine große Schnittmenge mit dem Controlling. Der umfassende Anspruch desControllings geht aber weit über die hier angesprochenen Grundlagen der Analyse und Planung hinausund erfordert eine eigenständige Behandlung. (2) Organisation, Personalmanagement und Marketing stel-len Gestaltungsaufgaben dar, die einer formal-quantitativen Planung nur eingeschränkt zugänglich sind,gleichzeitig aber aufgrund ihrer Bedeutung und Spezifik sowie ihres Umfangs eine eigenständige Behand-lung erfordern. (3) Die Interaktion zwischen Unternehmen und Staat führt dazu, dass Steuerzahlungenund ggf. Subventionen in einem gewissen Maß von den Unternehmen gestaltet werden können. Zur opti-malen Ausgestaltung der unternehmerischen Steuer- und Subventionspolitik braucht man z.B. das Spezial-wissen eines Steuerberaters, der die sich laufend ändernden gesetzlichen Regelungen kennt. DerartigesSpezialwissen hat ebenfalls keinen Platz in diesem entscheidungs- und methodenorientierten Grundla-genbuch.Abgesehen von diesen „Lücken“, deren Schließung thematisch anders ausgerichteten Lehrbüchern über-lassen werden muss, stellt das vorliegende Buch einen kompakten Streifzug durch die formal-quantita-tiven Kerngebiete der Betriebswirtschaftslehre dar. Das zentrale Anliegen des Lehrbuchs besteht darin,das Allerwichtigste im Bereich der quantitativen betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsverfah-ren übersichtlich und so leicht verständlich wie möglich darzulegen. Dies erfolgt anhand von kleinenBeispielen, die überwiegend aus dem Bereich der Agrarwirtschaft kommen. Durch die Übersichtlichkeitund Übertragbarkeit der Beispiele hat jeder, der mit ökonomischen Fragestellungen irgendeiner Art zutun hat, die Chance, das unabdingbare betriebswirtschaftliche Methodenwissen zu erwerben, auf dem beiBedarf aufgebaut werden kann.Um diesem Anliegen gerecht zu werden, ist das Lehrbuch wie folgt aufgebaut:In Kapitel 2 wird die Unternehmertätigkeit als Planungsprozess beschrieben. Nach einer kurzen Darstel-lung der möglichen Ziele von Unternehmern sowie der Rahmenbedingungen der Agrarproduktion wirddie Grundidee ökonomischen Handelns anhand der grundsätzlichen ökonomischen Planungsprinzipien 8 1 Einleitung erläutert. Außerdem werden wichtige Entscheidungsprobleme und Entscheidungsunterstützungs-instrumente systematisiert sowie Hinweise gegeben, bei welchen Klassen von Entscheidungsproblemeneher formale Planungsmodelle zum Einsatz kommen sollten und bei welchen erlerntes Verhalten und In-tuition eine erfolgversprechende Grundlage für das Entscheidungsverhalten sein können.In Kapitel 3 werden die Hauptinstrumente für die Kontrolle und Analyse von Unternehmen behandelt.Der erste Schwerpunkt liegt hier auf dem Jahresabschluss mit seinen wichtigen Instrumenten „Bilanz“ und„Gewinn- und Verlustrechnung“. Den zweiten Schwerpunkt bildet die Leistungs-Kostenrechnung, die einwesentliches Instrument bei der Suche nach Schwachstellen in Unternehmen darstellt.In Kapitel 4 werden die zentralen Inhalte der Produktionstheorie dargestellt. Dabei geht es - vereinfachtausgedrückt - um die Frage, was, wie viel und womit produziert werden soll. Die Produktionstheorie stelltdie konzeptionelle Basis für die Ableitung von Entscheidungshilfen bereit und ist unabdingbar für dieDurchdringung betriebswirtschaftlicher Planungsprobleme. Sie beinhaltet aber keine Operationalisierungin Form konkreter Planungsinstrumente und erlaubt noch nicht die praktische Bestimmung der optimalenBetriebsorganisation.In Kapitel 5 geht es um die anwendungsorientierte Bestimmung des optimalen Produktionsprogramms.In diesem Zusammenhang werden die Grundlagen der linearen Programmierung beschrieben, die daszentrale mathematische Verfahren zur Lösung von praktischen Optimierungsproblemen darstellt.In Kapitel 6 werden zunächst die finanzmathematischen Grundlagen dargelegt, mit deren Hilfe man Zah-lungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten vergleichbar machen kann. Darauf aufbauend wird die Vor-gehensweise bei der Rentabilitätsanalyse von Investitionen erläutert. Außerdem wird aufgezeigt, wie dieZusammenhänge zwischen Investition und Finanzierung bei der Planung zu berücksichtigen sind.In Kapitel 7wird die Querschnittsaufgabe „Risikomanagement“ behandelt. Zum einen werden Risikoquel-len und Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken angesprochen. Zum anderen werden verschiedene An-sätze zur Risikomessung und zur Berücksichtigung von Risiko in der Planung beschrieben.In Kapitel 8 werden die Beziehungen erläutert, die zwischen der allgemeinen Unternehmensplanung undEntscheidungsunterstützung einerseits und der Taxation bzw. Bewertung von Vermögensgegenständenandererseits bestehen. Um keine falschen Erwartungen zu wecken, sei schon an dieser Stelle betont, dassdie Beschreibung der detaillierten Vorgehensweisen bei spezifischen Taxationsanlässen anderen Lehr-büchern überlassen werden muss.In Kapitel 9 gehen wir über die Grenzen der betrieblichen Betrachtung hinaus und fokussieren auf diesog. Corporate Social Responsibility und auf die gesellschaftlichen Folgen des einzelwirtschaftlichen Han-delns. Hier geht es darum, wie unerwünschte externe Effekte im Zusammenspiel zwischen unternehmeri-scher Verantwortungsethik und veränderten ökonomischen Anreizen abgebaut werden können. Indiesem Zusammenhang wird auf die Spieltheorie eingegangen.Mit Blick auf die Nutzung des Lehrbuchs seien einige weitere kurze Anmerkungen gemacht: • Wir heben im laufenden Text nicht nur die besonders wichtigen Begrifflichkeiten hervor, sondernversuchen, durch Fettdruck den „roten Faden“ zu verdeutlichen. Dies soll eine schnelle Orientierungermöglichen. Außerdem sind ausführliche Beispiele in die einzelnen Kapitel integriert, um die prakti-sche Anwendung der vermittelten Grundprinzipien und Methoden zu erleichtern. Sie sind jeweils ein-deutig gekennzeichnet. Man kann die Beispiele auch überblättern, ohne den roten Faden zu verlieren. • Die vermittelten Grundprinzipien und Methoden sind auf allen Stufen des Agribusiness und darüberhinaus anwendbar, auch wenn die Beispiele überwiegend aus der landwirtschaftlichen Primär-produktion kommen. • Wir verzichten in den laufenden Kapiteln dieses Lehrbuchs aufgrund seines Grundlagencharaktersbewusst auf Literaturverweise. Am Ende der jeweiligen Kapitel findet sich eine kurze Liste aus- 1.2 Zielsetzung und Aufbau des Lehrbuchs 9 gewählter Literaturhinweise aus dem agrarökonomischen Bereich und den allgemeinen Wirtschafts-wissenschaften. Der Leser findet so schnell alternative und weiterführende Darstellungen der Lehr-inhalte. • Wir nutzen die grundlegenden Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten von Tabellenkalkulations-programmen, wenn dies zur didaktischen Klarheit und zur Erlangung von Methodenkompetenz sinn-voll ist. Es werden in diesem Buch aber keine Kenntnisse über kommerzielle Spezialsoftware vermit-telt (z.B. Buchführungs-, Statistik- oder Risikosimulationsprogramme). Allerdings ist für die kundigeNutzung solcher Spezialprogramme das hier vermittelte Methodenwissen Voraussetzung. • Wir nennen bei ausgewählten ökonomischen Termini auch den englischsprachigen Fachbegriff. Diessoll dem Leser den Zugang zu englischsprachiger Literatur erleichtern.Am Schluss dieser einführenden Bemerkungen zur Nutzung des Lehrbuchs sei auf zwei „didaktische Figu-ren“ hingewiesen, auf die wir im Rahmen unserer problemlösungsorientierten Herangehensweise immerwieder zurückgreifen. Um zu betonen, welche nachvollziehbaren, aber leider falschen Schlussfolgerungenmanchmal selbst bei einfachen Fragestellungen ohne ökonomisches Problemverständnis gezogen werdenkönnen, begleiten uns in diesem Buch der Kollege Onno Überleg und die Kollegin Su Sidenkt. Onno „weißimmer relativ schnell Bescheid“, während Su immer etwas länger über die Struktur des Entscheidungs-problems nachdenkt, bevor sie sich äußert. Dementsprechend liegt Onno mit seinen Schlussfolgerungendes Öfteren falsch, während Su zu richtigen Entscheidungen gelangt. 2 Grundlagen und Ziele unternehmerischen EntscheidensIm folgenden Abschnitt 2.1 werden zunächst die Kernfunktionen und Abläufe der unternehmerischenFührungstätigkeit beschrieben. Dabei wird die Unternehmensführung als Planungs- und Entscheidungs-prozess verstanden, durch den die organisatorische Einheit „Unternehmen“ gemäß den Zielen des Unter-nehmers und unter Berücksichtigung der gegebenen Rahmenbedingungen gelenkt, gestaltet und ent-wickelt wird. Man spricht in diesem Zusammenhang auch synonym von „Unternehmensmanagement“oder „Unternehmensplanung i.w.S.“. Auf die unternehmerischen Ziele und Rahmenbedingungen gehen wirin den Abschnitten 2.2 und 2.3 differenziert ein. In Abschnitt 2.4 verdeutlichen wir die Grundsätze öko-nomisch-rationalen Denkens, auf denen die Unternehmensführung aufbaut. In Abschnitt 2.5 geht es dannum die sog. Metaplanung, also die Festlegung eines adäquaten Planungssystems im Lichte der jeweiligenInformationsanforderungen. 2.1 Die Unternehmertätigkeit als Planungsprozess 2.1.1 Das zentrale Anliegen des UnternehmensmanagementsUnternehmensführung ist auf ökonomische Effizienz ausgerichtet. Eine Voraussetzung für ökonomischeEffizienz ist Effektivität. Zudem ist allokative Effizienz erforderlich, und zwar sowohl bei der Entschei-dung, welche Inputs (Produktionsfaktoren) eingesetzt werden (effiziente Faktorallokation), als auch beider Entscheidung, welche Outputs (Produkte) hergestellt werden (effiziente Produktallokation). Die un-terschiedliche Bedeutung der zunächst verwirrend ähnlich klingenden Begriffe „Effektivität“ und „Effizi-enz“ sei nachstehend anhand eines kleinen Beispiels erklärt.Bei der Suche nach einem Job stoßen zwei Studierende der Agrarwissenschaften, Onno Überleg und Su Si-denkt, auf das folgende Angebot: „Kleingartenbesitzer vergibt Job an die Person, die den höchsten Stun-denlohn fordert.“ Interessiert, aber etwas verwundert melden sich die beiden bei dem Kleingartenbesit-zer. Er hat zwei nebeneinander liegende Kleingärten gepachtet, die durch einen Zaun getrennt sind. Imlinken Garten liegt ein Haufen Feldsteine, die der Kleingartenbesitzer gerne im rechten Garten hätte. Ervergibt den Job tatsächlich an die Person, die den höchsten Stundenlohn fordert. Allerdings, fügt er ver-schmitzt hinzu, dürfe der Transport der Steine maximal 200 € kosten. Onno Überleg kalkuliert, dass manaufgrund des langen Wegs von circa 50 Metern bei harter körperlicher Arbeit ungefähr 20 Stundenbraucht, um die Steine aus dem einen Garten hinaus und in den anderen Garten hinein zu tragen. Gut trai-niert wie er ist, traut er sich dies zu und bietet dem Kleingartenbesitzer an, die Steine für einen Stunden-lohn von 10 € in insgesamt 20 Stunden in den rechten Garten zu tragen. Er ist überzeugt, dass er den Jobbekommt, weil er glaubt, dass Su Sidenkt für diese harte Arbeit länger brauchen wird. Su Sidenkt erbittetsich fünf Minuten Bedenkzeit und macht einen kurzen Gartenrundgang. Dabei findet sie ein zwar einge-wachsenes, aber unverschlossenes Türchen zwischen den beiden Grundstücken. Sie öffnet es und sieht,dass sich dadurch der Transportweg auf 10 Meter verringern lässt. Daraufhin kalkuliert sie überschlägigeinen Zeitbedarf von zehn Stunden und fordert vom Kleingartenbesitzer einen Stundenlohn von 20 €. AufNachfrage erklärt sie zunächst nur, dass sie viel effektiver als Onno arbeiten werde und eine höhere physische Produktivität, d.h. ein besseres Verhältnis von Output (Menge der transportierten Steine) zu Input

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Zusammenfassung

Gemäß dem Motto „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ geht es im vorliegenden Lehrbuch darum, Studierenden und Praktikern beim Erwerb analytischer Fähigkeiten und einer problemlösungsorientierten Methodenkompetenz zu helfen.

Für die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stark verändert. Insbesondere der Wettbewerbsdruck und das unternehmerische Risiko sind infolge der Liberalisierung der Agrarmärkte und des Klimawandels angestiegen. Hinzu kommen ein laufender Anpassungsdruck an veränderte Verbraucherwünsche, neue gesellschaftliche Anforderungen sowie eine zunehmende Verflechtung zwischen den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette. Das vorliegende Lehrbuch trägt diesen Entwicklungen durch die Fokussierung auf die praktische unternehmerische Entscheidungsunterstützung unter Risiko Rechnung.

Dieses Buch schafft zum einen das theoretisch-konzeptionelle Verständnis für die grundlegenden ökonomischen Strukturen der wichtigsten unternehmerischen Entscheidungsanlässe. Zum anderen vermittelt es das handwerkliche Können im Umgang mit betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsinstrumenten, über das Manager in einer unsicheren Unternehmensumwelt verfügen müssen, um erfolgreiche Entscheidungen fällen zu können.

Aus dem Inhalt:

• Grundlagen und Ziele unternehmerischen Entscheidens

• Kontrolle und Analyse

• Produktionstheorie

• Produktionsprogrammplanung

• Investitionsplanung und Finanzierung

• Querschnittsaufgabe Risikomanagement

• Bewertung und Taxation

• Corporate Social Responsibility

Über die Autoren:

Prof. Dr. Oliver Mußhoff leitet den Arbeitsbereich für Landwirtschaftliche Betriebslehre am Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen.

Prof. Dr. Norbert Hirschauer ist Inhaber der Professur für Unternehmensführung im Agribusiness am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

(Logo Vahlens Online Materialien)

Für Dozenten steht auf der Website ein auf das Buch abgestimmter Foliensatz mit den Abbildungen und Tabellen des Buches zur Verfügung. Für Studierende sind Übungsaufgaben formuliert.