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3.5 Zusammenfassung und kritische Würdigung von Unternehmenskontrolle und -analyse in:

Norbert Hirschauer, Oliver Mußhoff

Modernes Agrarmanagement, page 152 - 153

Betriebswirtschaftliche Analyse- und Planungsverfahren

3. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4743-9, ISBN online: 978-3-8006-4457-5, https://doi.org/10.15358/9783800644575_152

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3.5 Zusammenfassung und kritische Würdigung von Unternehmenskontrolle und -analyse 139 mit entsprechend geringeren Abschreibungen aus, kann er am Ende mehr Gewinn erwirtschaften alsder andere. Hält er jedoch tatsächlich Maßnahmen zur Senkung der Lohnkosten für sinnvoll, so musser als relevantes Entscheidungskalkül die Gesamtheit der durch die geplante Maßnahme ausgelösten Leistungs- und Kostenveränderungen berücksichtigen. Es geht also um die Bruttoerfolgs-änderung auf der Stufe, auf der die Entscheidung angesiedelt ist. Man wird sich deshalb wieder auf diestandardisierte mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung stützen, die die Kalkulationsobjekte so aufEntscheidungsebenen strukturiert, dass man entscheidungsrelevante Informationen mit geringemAufwand ableiten kann. d) ProzesskostenrechnungEine Weiterentwicklung der VKR stellt die sog. Prozesskostenrechnung dar, die versucht, das Problem derwillkürbehafteten Schlüsselung von Gemeinkosten zu mildern. Bei der Prozesskostenrechnung sollen ausschließlich Schlüssel verwendet werden, die auf dem Einwirkungsprinzip beruhen. Das heißt,die Gemeinkosten sollen nur nach Maßgabe der tatsächlichen Inanspruchnahme der bereit gehaltenenProduktionskapazitäten (z.B. Maschinenstunden und Arbeitsstunden) auf die Kostenträger verrechnetwerden. Zur Quantifizierung dieser Inanspruchnahme wird die Gesamtaufgabe der Leistungserstellungsoweit wie möglich in kleinteilige Arbeitsprozesse untergliedert. Für jeden dieser Prozesse, die auch alsKostentreiber (cost driver) bezeichnet werden, sind dann die in Anspruch genommenen Kapazitäten alsKennzahlen festzuhalten, die aussagen, wer wie lange mit Hilfe welcher Maschine, Anlage etc. an diesemProzess beteiligt ist.Das Anliegen der Prozesskostenrechnung ist durchaus nachvollziehbar: Je besser die prozessbezogenenInformationen sind und je näher man einer Schlüsselung der Gemeinkosten nach der tatsächlichen Inan-spruchnahme der Kapazitäten kommt, desto besser gelingt es, durch die Stückkosten die langfristigenGrenzkosten zu approximieren. Ein bestimmter Rest von Kosten, der nicht nach dem Einwirkungsprinzip aufzuteilen ist, verbleibt aber immer. So lassen sich bspw. die Kosten, die für diverse Maß-nahmen der Mitarbeitermotivation entstehen, auch bei einer noch so kleinteiligen Prozessdefinition nichtohne die Zuhilfenahme des Durchschnitts- oder Tragfähigkeitsprinzips auf die Kostenträger beziehen. Eingrundsätzliches Problem ergibt sich auch bei der Aufteilung von Kosten, die für ungenutzte (unter-beschäftigte) Kapazitäten entstehen. Grundsätzlich erleichtert eine konsequente Prozessorientierung beider Ausgestaltung einer als VKR ausgerichteten Vorratsrechnung aber die Identifizierung möglicher Ein-sparpotenziale, die durch in sich konsistente Veränderungen verschiedener Prozesse zu erzielen sind. Die-se sind dann wieder mit einer entscheidungsorientierten Grenzbetrachtung zu beurteilen. 3.5 Zusammenfassung und kritischeWürdigung von Unternehmenskontrolle und -analyseIm vorliegenden Kapitel 3 haben wir den Jahresabschluss und die Leistungs-Kostenrechnung als Hilfs-mittel der Wirtschaftlichkeitskontrolle und als Informationsinstrument bei der Entscheidungsunterstützungbeschrieben. In Tab. 3-22 sind die Zusammenhänge und die Unterschiede der beiden Instrumente kurzzusammengefasst.Ein wichtiger Unterschied zwischen der GuV und der Leistungs-Kostenrechnung ist, dass bei der GuVkeine kalkulatorischen Kosten berücksichtigt werden. Deshalb ist der in einer GuV ausgewiesene Gewinnvon Unternehmen unterschiedlicher Rechtsformen nicht ohne Weiteres zu vergleichen. Bei einer GmbH istbspw. das Gehalt des Betriebsleiters bereits als Aufwand abgezogen. Bei einem gleich großen und gleicherfolgreichen Einzelunternehmen ergibt sich ein größerer Unternehmensgewinn. Aus dem Gewinn speistsich aber hier das Einkommen des Betriebsleiters. Außerdem erlaubt der Jahresabschluss keine Aussagen 140 3 Kontrolle und Analyse hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit einzelner Produktionsverfahren, weil er grundsätzlich auf das Gesamt-unternehmen und ein Wirtschaftsjahr bezogen ist.An diesen Kritikpunkten, die sich mit Blick auf eine betriebswirtschaftliche Analyse eines Betriebs er-geben, setzt die LKR an. Sie berücksichtigt explizit kalkulatorische Kosten und fokussiert auf bestimmteKalkulationsobjekte (z.B. Endprodukte). Insbesondere die Deckungsbeitragsrechnung, die von ihrerGrundstruktur auf die Leistungen und Kosten abzielt, die bei Entscheidungen auf unterschiedlichenEbenen disponibel werden, kann als Anwendung des Grenzwertprinzips verstanden werden. Sie ist da-mit als Standardrechnung für die Entscheidungsunterstützung in besonderer Weise geeignet. Durch diekonsequente Unterscheidung in beschäftigungsvariable und beschäftigungsfixe Kosten gilt dies vorallem für die Produktionsmengenentscheidung. Die Vollkostenrechnung unterscheidet dagegen nichtzwischen variablen und fixen Kosten. Zudem nimmt sie eine Gemeinkostenschlüsselung vor, die immermit einer gewissen Willkür behaftet ist. Dadurch ist sie zwar eine Ergänzung der Teilkostenrechnungund eine erste Hilfestellung bei der Identifizierung möglicher Einsparpotenziale über horizontale undvertikale Vergleiche. Sie muss aber immer durch eine entscheidungsorientierte Grenzbetrachtungergänzt werden. Tab. 3-22: Zusammenfassende Gegenüberstellung von Jahresabschluss und Leistungs-KostenrechnungJahresabschluss Leistungs-KostenrechnungTeilkostenrechnung VollkostenrechnungFragestellung Wie erfolgreich ist ein Unter-nehmen in einem bestimm-ten Geschäftsjahr? Wie rentabel sind die verschiedenen wirtschaftlichenAktivitäten im Betrieb unabhängig von denEigentumsverhältnissen?Grundlage derErfolgsrechnung Erträge/Aufwendungen Leistungen/Kosten;Kostenarten- und KostenstellenrechnungHilfsmittel Bilanz sowie Gewinn- undVerlustrechnung Einstufige Deckungsbei-tragsrechnung sowiemehrstufige Fixkosten-deckungsrechnung Betriebszweigabrech-nungsbogen RechtlicheVorgaben Gegeben Keine KeineErgebnis Unternehmensgewinn ineinem Geschäftsjahr;Residualgröße, die für dieEntlohnung aller eigenenProduktionsfaktoren (eigeneArbeit, eigener Boden undeigenes Kapital) zur Verfü-gung steht Bruttoerfolge, d.h. Beiträ-ge zur Deckung fixer Kos-ten auf unterschiedlichenStufen und ggf. zur Erzie-lung eines Unternehmer-gewinns Stückkosten bzw. Stück-gewinn Probleme beiAnwendung aufbetriebswirt-schaftliche Frage-stellungen Gesamtunternehmens- undZeitraumbezogenheit sowiekeine Berücksichtigung kal-kulatorischer Kosten Keine Annäherung derlangfristigen Grenzkostenje Produkteinheit Keine Unterscheidungzwischen den Kostenkate-gorien variabel/fix;willkürliche Gemeinkos-tenschlüsselung 3.6 LiteraturhinweiseBMELV (2008): Codekatalog zum BMELV-Jahresabschluss. Bundesministerium für Ernährung, Landwirt-schaft und Verbraucherschutz, Berlin.

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References

Zusammenfassung

Gemäß dem Motto „Nichts ist praktischer als eine gute Theorie“ geht es im vorliegenden Lehrbuch darum, Studierenden und Praktikern beim Erwerb analytischer Fähigkeiten und einer problemlösungsorientierten Methodenkompetenz zu helfen.

Für die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren stark verändert. Insbesondere der Wettbewerbsdruck und das unternehmerische Risiko sind infolge der Liberalisierung der Agrarmärkte und des Klimawandels angestiegen. Hinzu kommen ein laufender Anpassungsdruck an veränderte Verbraucherwünsche, neue gesellschaftliche Anforderungen sowie eine zunehmende Verflechtung zwischen den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette. Das vorliegende Lehrbuch trägt diesen Entwicklungen durch die Fokussierung auf die praktische unternehmerische Entscheidungsunterstützung unter Risiko Rechnung.

Dieses Buch schafft zum einen das theoretisch-konzeptionelle Verständnis für die grundlegenden ökonomischen Strukturen der wichtigsten unternehmerischen Entscheidungsanlässe. Zum anderen vermittelt es das handwerkliche Können im Umgang mit betriebswirtschaftlichen Analyse- und Planungsinstrumenten, über das Manager in einer unsicheren Unternehmensumwelt verfügen müssen, um erfolgreiche Entscheidungen fällen zu können.

Aus dem Inhalt:

• Grundlagen und Ziele unternehmerischen Entscheidens

• Kontrolle und Analyse

• Produktionstheorie

• Produktionsprogrammplanung

• Investitionsplanung und Finanzierung

• Querschnittsaufgabe Risikomanagement

• Bewertung und Taxation

• Corporate Social Responsibility

Über die Autoren:

Prof. Dr. Oliver Mußhoff leitet den Arbeitsbereich für Landwirtschaftliche Betriebslehre am Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Georg-August-Universität Göttingen.

Prof. Dr. Norbert Hirschauer ist Inhaber der Professur für Unternehmensführung im Agribusiness am Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

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Für Dozenten steht auf der Website ein auf das Buch abgestimmter Foliensatz mit den Abbildungen und Tabellen des Buches zur Verfügung. Für Studierende sind Übungsaufgaben formuliert.