Content

1.3.1 Banktypische Aktivitäten und ihre Auswirkungen auf den Jahresabschluss von Kreditinstituten in:

Hartmut Bieg

Bankbilanzierung nach HGB und IFRS, page 99 - 104

2. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3566-5, ISBN online: 978-3-8006-4456-8, https://doi.org/10.15358/9783800644568_99

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
[9I 8() R%"=&*>> 1() $(>7"1()(" 0(>-.A=:>:A:%+#(%: 1() M)(1%:L *"1 3%"!"'1%(">:&(%>:*"+>%">:%:*:( !*= 1%( (\:()"( 4(-."*"+>&(+*"+ [9I9[ !"#:^U%>-.( F#:%6%:A:(" *"1 %.)( F*>?%)#*"+(" !*= 1(" X!.)(>!$>-.&*>> 67" M)(1%:%">:%:*:(" [9I9[9[ G7)$(;()#*"+(" Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Kredit4 und Finanzdienstleistungsinstitute weichen von denjenigen der Industrie4 und Handelsunternehmungen erheblich ab. Diese anders strukturierte Geschäftstätigkeit, deren Schwerpunkt bei Insti4 tuten eindeutig im finanziellen Bereich liegt, schlägt sich auch im Rech4 nungswesen der Institute nieder und beeinflusst somit die Ausgestaltung des Jahresabschlusses von Kredit4 und Finanzdienstleistungsinstituten. In der be4 sonderen Geschäftstätigkeit der Institute und den sich daraus ergebenden Konsequenzen auf ihre Rechnungslegung ist auch der Grund dafür zu sehen, dass das G+2.,05(2(0%,#(+5 .,# 8+0%(C durch § 330 Abs. 2 HGB ermächtigt wurde, im Einvernehmen mit dem G+2.,05(2(0%,#(+5 .,# S(2'2C,2 und im Benehmen mit der 3,+%01-,2 G+2.,0H'2= für Kreditinstitute und Finanz4 dienstleistungsinstitute Formblätter vorzuschreiben oder andere Vorschriften für die Gliederung des Jahresabschlusses oder des Konzernabschlusses oder den Inhalt des Anhangs, des Konzernanhangs, des Lageberichts oder des Kon4 zernlageberichts zu erlassen, wenn die besondere Geschäftstätigkeit von den üblichen handelsrechtlichen Vorschriften abweichende Regelungen erfordert (sinngemäße Anwendung des § 330 Abs. 1 HGB). Bevor auf die Konkretisierung dieser Vorschrift in der 4(-."*"+>&(+*"+>L 6()7)1"*"+ eingegangen wird, ist ein Vergleich zwischen dem Rechnungs4 wesen in Unternehmungen des nicht4finanziellen Sektors und in Kreditinstitu4 ten vorzunehmen. Hierzu werden im Folgenden die Strukturen der Bilanz und der Gewinn4 und Verlustrechnung von Unternehmungen des nicht4 finanziellen Sektors und von Kreditinstituten (für Finanzdienstleistungsinsti4 tute liegen keine entsprechenden Daten vor) einander gegenübergestellt, wo4 bei es sich selbstverständlich um Durchschnittswerte handelt (vgl. hierzu auch B@1-%(2/UN'+* 1998, S. 2994303). T 3(, D#+2.*'/,262 [9I9[9B 8%( %&!"'(" 67" @":()"(.;*"+(" 1(> "%-.:L =%"!"'%(&&(" 5(#:7)> *"1 67" M)(1%:%">:%:*:(" Die F#:%6>(%:( der Bilanz von Unternehmungen des nicht4finanziellen Sektors zeigt vor allem einerseits die im wirtschaftlichen Eigentum der bilanzierenden Unternehmung stehenden Produktionsfaktoren, andererseits das Ergebnis des Produktionsprozesses. Sie enthält also vor allem Güter, die im Produktions4 prozess gebraucht werden sollen (Sachanlagen, z. B. Grundstücke und Gebäu4 de, technische Anlagen und Maschinen, Betriebs4 und Geschäftsausstattung), im Produktionsprozess verbraucht oder aber verkauft werden sollen (Vorräte, also Roh4, Hilfs4 und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse bzw. Waren). Die nachfolgende :%:*:(" mit unter 1 % der Bilanzsumme einen äußerst geringen An4 teil dar. Dies liegt nicht nur an der verhältnismäßig geringen Bedeutung der technischen Anlagen und Maschinen sowie an dem aufgrund des Anschaf4 fungskostenprinzips (vgl. § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB) häufig unter dem derzei4 tigen Wert liegenden Bilanzansatz, sondern insbesondere auch an dem für (nicht materielle) Dienstleistungen produzierende Unternehmungen typischen Fehlen von Vorratsvermögen. Das 0(&16();D+(" der Kreditinstitute in Form 8 Modifiziert entnommen aus 3,+%01-, G+2.,0H'2= 2009a, S. 54. T;V 3,# :(2&*+00 .,# H,0"2.,#,2 D,01->&%0%>%(/=,(% 63 von unverbrieften und verbrieften Forderungen an Kunden und Kreditinstitu4 te, ausgewiesen in den verschiedenen Forderungs4 und Wertpapierpositionen, ist der dominierende Vermögensbereich in Kreditinstitutsbilanzen. EJ$%V8 in % der Bilanz6 summe W8##%V8 in % der Bilanz6 summe Kassenbestand Guthaben bei Zentralnotenbanken Schatzwechsel und unverzinsliche Schatzanweisungen Wechselbestand Buchforderungen an Kreditinstitute (einschl. Postgiroguthaben) Buchforderungen an Kunden Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere Aktien und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere Beteiligungen und Anteile an verbundenen Unternehmen Treuhandvermögen Sachanlagen Übrige Aktivposten 0,23 0,69 0,08 0,03 29,07 42,44 17,80 3,55 2,18 0,93 0,42 2,58 Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten Verbindlichkeiten gegenüber Kunden Verbriefte Verbindlichkeiten Treuhandverbindlichkeiten Wertberichtigungen (unversteuerte Pauschal6 wertberichtigungen und Einzelwertberichtigungen für Länderrisiken) Rückstellungen Nachrangige Verbindlichkeiten Genussrechtskapital Fonds für allgemeine Bankrisiken Eigenkapital Übrige Passivpositionen 28,26 37,06 22,80 0,93 0,16 0,84 1,37 0,39 0,29 4,00 3,90 Bilanzsumme 100,00 Bilanzsumme 100,00 >%6>(%:(" hinsichtlich des Eigenkapitals zeigt für Unter4 nehmungen des nicht4finanziellen Sektors einen Anteil von etwa 25 % der Bilanzsumme, bei Kreditinstituten einen Anteil von etwas mehr als 4 % der Bilanzsumme. Offensichtlich akzeptieren die Gläubiger von Kreditinstituten, die den Rest des Kapitals in verbrieften und unverbrieften Gläubigerpositio4 nen zur Verfügung stellen, einen wesentlich niedrigeren Überschuss der Akti4 va über die Schulden, aus dem eintretende Verluste zu decken sind, sollen sie nicht auf die Gläubiger durchschlagen. Diese unterschiedliche Akzeptanz dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich die bei Kreditinstituten vorherr4 schenden Geldvermögenspositionen (so B@1-%(2/UN'+* 1998, S. 301) schneller und mit üblicherweise geringeren Verlusten liquidisieren lassen als die bei Unternehmungen des nicht4finanziellen Sektors dominierenden Sachvermö4 genspositionen. Die unterschiedliche Akzeptanz ist möglicherweise aber auch das Ergebnis der bestehenden Bankenaufsicht und der institutsgruppeneigenen Einlagensicherungseinrichtungen im Kreditgewerbe. 9 Modifiziert entnommen aus 3,+%01-, G+2.,0H'2= 2009b, S. 649. Die Daten beziehen sich auf alle Bankengruppen. T 3(, D#+2.*'/,264 Es ist B@1-%(2/UN'+* zuzustimmen, die feststellen, „daß die Struktur der Bank4 bilanz durch das Geldvermögen und damit die finanzielle Sphäre beherrscht wird, während das Sachvermögen und damit die Produktionssphäre die In4 dustriebilanz dominiert“ (B@1-%(2/UN'+* 1998, S. 301). [9I9[9I 8%( 0(?%""L *"1 G()&*>:)(-."*"+(" 67" @":()L "(.;*"+(" 1(> "%-.:L=%"!"'%(&&(" 5(#:7)> *"1 67" M)(1%:%">:%:*:(" Die unterschiedliche Geschäftstätigkeit von Unternehmungen des nicht4 finanziellen Sektors und von Kreditinstituten wirkt sich aber nicht nur auf ihre Bilanzen, sondern auch auf ihre 0(?%""L *"1 G()&*>:)(-."*"+(" aus (vgl. "%-.:L=%"!"'%(&&(" 5(#:7)>, die Sachgüter gewinnen, herstellen oder handeln, haben entsprechend hohe F*=?("1*"+(" in Form von Materialverbrauch bzw. Wareneinsatz, aber auch vergleichsweise nicht unbedeutende Abschreibungen auf Sachanlagen. Geringere Bedeutung haben dagegen die Zinsaufwendungen und die Abschreibungen auf Finanzanlagen. Auch die vom Einkommen und Ertrag abhängigen Steuern haben vergleichs4 weise kleinere Bedeutung. Da die Geldvermögenspositionen in Bilanzen von Kreditinstituten dominie4 ren, verwundert es nicht, dass knapp zwei Drittel der F*=?("1*"+(" von M)(1%:%">:%:*:(" Entgelt für die Bereitstellung des Gläubigerkapitals (Zins4 aufwendungen) darstellen. Der großen Bedeutung der Forderungspositionen entsprechend ist auch der Anteil der Abschreibungen auf Forderungen relativ hoch. Bei einer Gliederung der Gewinn4 und Verlustrechnungen der @":()"(.L ;*"+(" 1(> "%-.:L=%"!"'%(&&(" 5(#:7)> nach § 275 Abs. 2 HGB (Gesamtkos4 tenverfahren) stellt das Ergebnis der Produktion von Sachgütern, also die Um4 satzerlöse, die Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnis4 sen und die anderen aktivierten Eigenleistungen (Gesamtleistung) beinahe die Gesamtheit der R):)A+( dar. Die nicht lagerfähigen abstrakten Leistungen der M)(1%:%">:%:*:( werden im Moment der Erstellung dem Marktpartner erbracht; erst dann können sie sich in den Gewinn4 und Verlustrechnungen niederschlagen. Bei den Erträgen wirkt sich der überragende Umfang der Forderungspositionen noch mehr aus, machen doch die Zinserträge mehr als 80 % aller Erträge aus. Nicht unerwartet schlägt sich also die Tatsache, dass die Leistungserstellung von Kreditinstituten im Bereich der finanziellen Sphäre erfolgt, nicht nur in ihren Bilanzen, sondern auch in ihren Gewinn4 und Verlustrechnungen, und T;V 3,# :(2&*+00 .,# H,0"2.,#,2 D,01->&%0%>%(/=,(% 65 hier vor allem in den Zinsertrags4 und Zinsaufwandspositionen, nieder (vgl. auch B@1-%(2/UN'+* 1998, S. 3024303). Aber auch die nicht bilanzwirksamen Geschäfte der finanziellen Sphäre wirken sich auf die Gewinn4 und Verlust4 rechnung aus, wie insbesondere der Umfang der Provisionserträge zeigt. E&+=)"6&"4)" in % der gesamten Aufwendungen 30$054) in % der gesamten Erträge Materialaufwand, Wareneinsatz 63,69 Gesamtleistung 95,55 Personalaufwand 16,26 Zinserträge 0,45 Abschreibungen auf Sachanlagen 2,42 Übrige Erträge 4,00 Sonstige Abschreibungen 0,28 Zinsaufwendungen 0,96 Steuern vom Einkommen und Ertrag 0,88 Betriebssteuern 1,56 Übrige Aufwendungen 13,95 Summe der Aufwendungen 100,00 Summe der Erträge 100,00 -.)%=:(" '*) F*=>:(&&*"+ 1(> X!.)(>L !$>-.&*>>(> 67" M)(1%:L $'?9 3%"!"'1%(">:&(%>:*"+>L %">:%:*:(" "!-. 1() 4(-."*"+>&(+*"+>6()7)1"*"+ [9I9B9[ 0)*"1&!+(" Um der besonderen Geschäftsstruktur der Kreditinstitute (vgl. Ab4 schnitt 1.3.1) und Finanzdienstleistungsinstitute Rechnung zu tragen, hat das G+2.,05(2(0%,#(+5 .,# 8+0%(C im Einvernehmen mit dem G+2.,05(2(0%,#(+5 .,# S(2'2C,2 und im Benehmen mit der 3,+%01-,2 G+2.,0H'2= von den ge4 sellschaftsrechtlichen Ermächtigungen des § 330 Abs. 2 HGB Gebrauch ge4 macht und durch Rechtsverordnung institutsspezifische Formblätter für die Gliederung der Bilanz und der Gewinn4 und Verlustrechnung erlassen (RechKredV). Darüber hinaus finden sich in der RechKredV ergänzende Vor4 schriften für die Aufstellung des Jahresabschlusses (vgl. Abschnitt 1.2.3.5; siehe insbesondere die >()( G()+&(%-.$!)#(%: der Jahresabschlüsse insbesondere durch möglichst eindeutige Zuordnungsvorschriften zu erreichen. Diese Ziele sollen durch die in der nachfolgenden !&L #)(1%:%">:%:*:(" zugeschnitten. Um aber der Tatsache Rechnung zu tragen, dass <=!"1$)%(=$!"#(" (vgl. da4 zu 9"00&,*. 1993a, S. 1994202) und !*>U!)#!>>(" sich hinsichtlich ihres Leistungsangebots teilweise erheblich von den Universalkreditinstituten un4 terscheiden, wurden bei verschiedenen Positionen der drei Formblätter 3*VL "7:(" angebracht. Die dadurch gegenüber den Formblättern für Universalkre4 ditinstitute vorgeschriebenen zusätzlichen oder anders formulierten Pflichtpo4 sitionen (vgl. dazu die Abschnitte 1.3.2.4.141.3.2.4.4) ermöglichen es, dass die für Pfandbriefbanken und Bausparkassen typischen Aktiv4 und Passivgeschäf4 te in der Bilanz und die speziell für Bausparkassen daraus resultierenden

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Kreditinstitute haben ihrer besonderen Geschäftstätigkeit und ihrer Sonderstellung in der Volkswirtschaft wegen Vorschriften für die handelsrechtliche Rechnungslegung anzuwenden, die sich von denen anderer Unternehmungen unterscheiden. Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und der Finanzkrise wird diese Sonderstellung noch einmal verstärkt, insbesondere hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

Dieses einzigartige Werk hat eine umfassende Erläuterung dieser von Kreditinstituten zu beachtenden Normen auf Einzel- und Konzernabschlussebene zum Ziel. Dabei werden die Einzelnormen vor dem Hintergrund bilanztheoretischer Erwägungen betrachtet und in diese eingebettet.

Das Buch ist einerseits für Studierende an Universitäten und Fachhochschulen etc. geeignet, andererseits aber auch für im externen Rechnungswesen tätige Praktiker bzw. für deren Ausbildung, weil über neu auftretende Bilanzierungsprobleme immer nur unter bilanztheoretischen Überlegungen entschieden werden kann. Für Theoretiker wie Praktiker gleichermaßen interessant sind die immer auch von bankaufsichtsrechtlichen Überlegungen geprägten jahresabschlusspolitischen Maßnahmen, die bei den verschiedenen Normen erläutert werden. Schließlich berücksichtigt das Werk auch die Internationalisierung der deutschen (Bank-) Rechnungslegung.

- das maßgebliche Werk in diesem Bereich

- verarbeitet die für Kreditinstitute relevanten Bereiche des BilMoG

- inkl. der wichtigen Thematik zur Bewertung von Finanzinstrumenten

- Die Grundlagen

- Die Bilanz der Kredit- und Finanzinstitute

- Die Gewinn- und Verlustrechnung

- Die Bewertung im Jahresabschluss

- Der Inhalt von Anhang und Lagebericht

- Die Prüfung und Offenlegung des Jahresabschlusses

- Die Besonderheiten der Konzernrechnungslegung

- Die Rechungslegung nach den International Accounting Standards

- Die Jahresabschlusspolitik

Für Studierende mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien sowie Kaufleute im Rechnungswesen der Kredit- und Finanzinstitute.